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12/2013-02/2021 (alles)
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2005-2013 (alle Artikel)
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Best of 12/2013-02/2021
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Best of 2005-2013

 
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Es klingt ein bisschen platt, mit Charaktermasken ohne Charakter einzusteigen, aber die Diskrepanz zwischen dem Personenkult im politischen Betrieb und der Qualität der Besetzung legt es nahe: Wir haben es mit leeren Gefäßen zu tun, die hohle Phrasen absondern und nicht einmal mehr versuchen, ihre roboterhaften Entscheidungen zu vermitteln.

Sie kriechen seit Jahrzehnten aus denselben Faselfabriken, den "Young Leaders"-Programmen von WWF bis Atlantikbrücke e.V. und ihren Altherrenklubs, den Netzwerken der Neoliberalen und ihrer transatlantischen Verfilzung; sie sind Politiker, Vermögende, Ökonomendarsteller und Journalisten, die sich früh kennenlernen und ein dichtes Netz aus Kumpanei bilden. Willfährige Adabeis.

Netzwerke

Es kann sich jeder selbst auf den Weg machen und sich anschauen, wer sie sind und wie sie aufsteigen – oder auch abstiegen, wenn sie den Pfad verließen. Der Eine war "gefährlichster Mann Europas", die Andere vielleicht nur nicht distanziert genug von irgendwas. Prototypisch vielleicht die Karriere von Cem Özdemir, der erst einer Banalität wie der Bonusmeilenaffäre zum Opfer fiel, um später als glühender Atlantiker zurückzukehren.

Es ist noch immer nicht so, dass sie alle Befehle von der zentralen Weltregierung bekommen, aber die Strukturen sind so poliert und geölt, dass sich die Einheitsfront geschmeidig formiert, wenn der Große Bruder sie ruft. Die Peergroup verlangt Einigkeit; wer nicht dabei ist, ist dagegen und fliegt raus. Wer am lautesten brüllt, was alle brüllen, wird zum Vorbild verklärt. Ausgerechnet eine Stulle wie Anjantanja Borbeck wird zur großen Außenpolitikerin hochgejazzt.

Wirklich? Was hat sie denn so Großartiges geleistet? Welche diplomatischen Erfolge hat sie vorzuweisen? Ach so, die Schmierfinken haben in ihrem Bücklingsgehorsam schon völlig verdrängt, dass das Anjas Job gewesen wäre. Kriege verhindern, nicht anfachen. Gewalt vermeiden, nicht verlängern.

Ende der Politik

Oder was sind ihre Fähigkeiten, wenn es darum geht, eine politische Lage zu analysieren? Die Verflechtungen von ausgeübter Macht mit ökonomischen Zwängen, Strategien, Interessen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Hemmnisse? Wann hat sie das wem wie erklärt? Ach, gar nicht? Nie? Kein Stück? Aber chic unterm Eiffelturm posen, das findet die Generation Insta geil. Wiederwählen!

Ich habe neulich ein Lob erfahren für mein "politisches Blog" (thnx, T.S.), was mich nachdenklich gestimmt hat. Ist das noch ein politisches Blog? Gibt es noch Politik da draußen? Es nagt der Zweifel ganz gewaltig an mir. Andererseits habe ich das hier schon lange als eine Art Trost empfunden. Irgendwie diese Zeiten aushalten, in denen Hoffnung wieder einmal die kleine feige Schwester der Angst ist.

 
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Todd und Geufel sitzen wie jeden Freitag am Ufer des Flusses und schauen Leichen beim Vorbeitreiben zu.

Sag mal, Todd, ist dir schon wieder der Kanister mit den Arschlöchern ausgelaufen?

Wäre das nur so! Ich habe beim letzten Mal wohl noch viel tiefer in die Grütze gegriffen, als wir dachten.

Das sag mal laut! Was ist bloß in die gefahren? Reiche ich denen nicht? Jetzt gehen diese Besserverdiener geschlossen auf die alten slavischen Untermenschen los. Ich dachte, das hättest du abgestellt.

Ich? Wieso schon wieder ich? Gar nichts hab ich. Ich habe ihnen diesen freien Willen …

Muuhahah! Alter, soll ich mich jetzt abrollen vor Lachen oder hörst du auf, mich zu verarschen?

Du weißt, was ich meine. Ich entscheide nicht, sie entscheiden.

Was du "meinst" … fängst du jetzt auch an mit Meinungen? Ich bin ja nicht blöd. Du entscheidest nix, okay. Aber die da im Wasser? Die rennen alle hinter irgendwem her und schreien "Hurra", bis sie hier vorbeischwimmen. Früher musste ich ihnen noch Tips geben, wie sie sich gegenseitig abmurksen und noch so tun können, als wär das genau das Richtige.

In meinem Namen, wohlgemerkt, in meinem Namen!

Völlig richtig, das war ja das Geile. Dann hast du was getan? Ein bisschen Verstand nachjustiert? Und das kam dabei raus?

Du hast das ja nur wieder ausgenutzt, damit sie den für blutige Revolutionen missbrauchen.

Blutig, blutig … für Revolutionen, ja, sonst wär das ja nicht vorwärts gegangen. Das mit dem Blut machen diese Schwachmaten ganz von alleine. Das ist ein Feature. Das ist deine Grütze.

Ach ja, immer meine Grütze. Was willst du denn so? Ein Ding, das du an einer Feder aufziehen kannst und das dann immer brav im Kreis läuft?

Es gibt ja auch ein Mittelding. Das da macht mir echt zu viel Punk. Als Nächstes machen die dein komplettes Werk ein, rien ne vas plus. Haben sie schon zweimal versucht, nur haben sie diesmal endlich das passende Besteck dafür. Boom!

Sollen sie doch. Ich kann sie eh nicht in den Kanister zurückschütten.

Yo, dann kannst du das ja nochmal mit etwas edleren Materialien versuchen.

Ich? Nochmal das ganze Theater? Dann baue ich mir lieber ein paar Einhörner und Ponys zum Kämmen. Das nächste Mal kannst du ja den Schöpfer machen und ich übernehme das Qualitätsmanagement.

Das inspiriert mich beinahe zu einer kleinen Motivationshilfe.

Untersteh dich! Wenn, dann sollen sie das gefälligst auch selbst durchziehen.

Klar, Chef. Ich geh dann mal in den Puff, solange es noch einen gibt. Nächsten Freitag kann das ja schon vorbei sein.

Ja, mach das mal. Bis nächste Woche!

Hau rein, bis dann!

 
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Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.

Hermann Göring 1946

 
 
"Russische Soldaten sollen auch Männer und Jungen vergewaltigt haben."

Ehemaliges deutsches Nachrichtenmagazin 2022
 
"Auf der anderen Seite steht ein substanzieller Teil der Friedensbewegung, die ich den deutschen Lumpen-Pazifismus nennen möchte."

ebenda
 

"Wir können auch einmal frieren für die Freiheit. Und wir können auch einmal ein paar Jahre ertragen, dass wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben."

Joachim Gauck, Pfarrer und ehemaliger Bundespräsident

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‘We do not target civilians’, says Nato spokesman Jamie Shea. Yet it stretches credibility to describe all Nato attacks on civilians as ‘accidents’. The bombs that hit Nis marketplace on 3 May, for example, were cluster bombs designed to kill and maim people with shrapnel, although the stated target was an airport runway. Similarly, when Nato hit a bus on 1 May, killing 47 people, was it also an accident that Nato aircraft returned for a second strike, hitting an ambulance and injuring medical staff at the scene? It is certain at least that the attack on the television building in Belgrade was carried out in the full knowledge that civilians were inside. Nato’s definition of a ‘legitimate military target’ is flexible enough to include homes, schools and hospitals.

Übersetzung:

"Wir zielen nicht auf Zivilisten", sagt Nato-Sprecher Jamie Shea. Dennoch ist es unglaubwürdig, alle Nato-Angriffe auf Zivilisten als Unfälle zu bezeichnen. Die Bomben, die beispielsweise am 3. Mai den Marktplatz von Nisch trafen, waren Streubomben, die dazu bestimmt waren, Menschen mit Granatsplittern zu töten und zu verstümmeln, obwohl das erklärte Ziel die Landebahn eines Flughafens war. Als die Nato am 1. Mai einen Bus traf und dabei 47 Menschen tötete, war es ebenfalls ein Unfall, dass Nato-Flugzeuge für einen zweiten Angriff zurückkehrten, einen Krankenwagen trafen und Mediziner verletzten?
Sicher ist zumindest, dass der Angriff auf das Fernsehgebäude in Belgrad im vollen Wissen um die Anwesenheit von Zivilisten durchgeführt wurde. Die Nato-Definition eines "legitimen militärischen Ziels" ist flexibel genug, um Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser einzuschließen.

Die Regeln der Kriegspropaganda nach Arthur Ponsonby:

1. Wir wollen den Krieg nicht.

2. Das feindliche Lager trägt die Verantwortung.

3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel.

4. Wir kämpfen für eine gute Sache.

5. Der Feind kämpft mit unerlaubten Waffen.

6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.

7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.

8. Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.

9. Unsere Mission ist heilig.

10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

 
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Was ich bislang noch gar nicht in der gebotenen Deutlichkeit gesagt habe, weil die Moralisten mit ihrem Gebrüll alles Andere in die Defensive drängen: Was ihr da treibt, ist nach euren eigenen Maßstäben Beihilfe zum Massenmord. Schlimmer noch: Ihr tut euer Bestes, um die ganze Spezies auszulöschen, aus niederen Motiven.

Was ihr für Ideale haltet in eurer Selbstgerechtigkeit, verlängert einen Krieg, erzeugt tausende Opfer und birgt das realistische Risiko von Milliarden Toten. Das ist im Gegensatz zu euren Szenarien, die stets das Heilige der Wirklichkeit vorziehen, inzwischen erschreckend realistisch. Freiheit oder Tod, ja? Russland darf nicht gewinnen, das ist das vornehmste aller Ziele. Als sei das ein Fußballspiel.

Für Gott und Vaterland

Ich will einmal beispielhaft für viele idiotische Einlassungen zum Thema Folgendes zitieren: Auf die Folgen der Kriegsverlängerung hingewiesen ("folglich wollen sie weiter kämpfen und scheinen zu glauben, den Krieg "gewinnen" zu können. Das ist eine zynische Politik, der Menschenleben egal sind – von beiden Seiten") antwortet ein Diskutant ernsthaft:

"Definiere "vorbei". Vorbei im Sinne von Russland ist jetzt um eine Ukraine größer? Soll das so sein? Fänden die Ukrainer|innen das cool? Und was käme als nächstes? Alle Nicht-NATO-Staaten mit Grenze zu Russland werden ebenfalls "eingemeindet"? Ich weiß nicht, aber das kommt mir kein Stück weniger zynisch vor."

Schon die Sprache ist so infantil, dass es einen graust. Ob jemand das "cool" finde, sei hier die Frage angesichts ja genau der Verbrechen (es gibt keine Kriegsverbrechen, der Krieg ist das Verbrechen), die solche Hanswurste in ihre Moralpredigten einbauen. Es soll weitere tausende Opfer geben, für die Gerechtigkeit.

Frieden und Freiheit

Die Möglichkeit einer Kapitulation wird von diesen Kriegstreibern kategorisch ausgeschlossen. Die einzige Möglichkeit, die weiteres Sterben verhindert und die Eskalation beendet, wird aus moralischen Gründen für unmöglich erklärt. Ergänzend folgt stets das 'Argument', das Böse würde dann ja weiteres Böses tun. Wie blöd muss man sein, wie ignorant gegen Fakten, (Vor-)Geschichte und politisch/ökonomische Interessen?

Ihr mit eurer Moral befeuert einen Krieg, dessen Ausgang von vornherein feststeht. Der Irak wurde von den USA mit einem brutalen Angriffskrieg überzogen, dessen Anlass eine Propagandalüge war. Hat der Aggressor sich von der Gegenwehr beeinflussen lassen? Interessiert es die Befehlshaber, wie viel ihres Menschenmaterials sie dabei verbrauchen? Ihr wisst, dass eure Moral eine Lüge ist.

Die Folgen sind noch insofern unklar, als dass man nicht weiß, ob diese militärische Phase eines Wirtschaftskriegs zur Auslöschung der Menschheit führt. Eure Unterstützung für die Verlängerung und Eskalation des Krieges aber ist Beihilfe zum Massenmord. Das folgt aus einer moralischen Sicht, wenn sie die Fakten nicht für ihren Hokuspokus ausblendet: Sie selbst ist ein Verbrechen.

 
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Dieser Zeit stinken die Früchte des narrativen 'Journalismus' zum Himmel. Wer Storytelling für eine schlimme Entwicklung hält, muss sich deutlich machen, dass die Schicht darunter bereits um eine entscheidende weitere Stufe kompostiert ist: Religion. In der Tat, man riecht den Haufen nicht mehr.

Sogenannte "Verkündigungssendungen" sind ein wichtiger Teil der Verflechtung von Kirche und Staat, die den Kirchen trotz aller kriminellen Machenschaften in ihren Reihen, ihrer gegenaufklärerischen Missionen und der millionenfachen Abkehr ihrer Schäfchen die Macht sichern. Was sie im Gegenzug dafür leisten, ist ebenso fatal wie unbezahlbar.

Halt du sie …

Die Kinder vergewaltigenden Moralhüter und ihre sexuell anders orientierten Kumpane impfen die Gesellschaft mit Magischem Denken und dem Gehorsam vor Autoritäten. Ihre vor allem asketischen Heilslehren und Hierarchien sind die sinnbefreite Blaupause für das auf Effizienz getrimmte Pendant in der Industrie und die ewige Selbstoptimierung. Ihr Bekenntnis wie ihr vormodernes Modell von Himmel und Hölle sind das Vorbild für lebensverachtende und mordlüsterne Ideologien aller Art.

So wie Putin seinen Patriarchen hofiert, auf dass der ihm heilige Weihen verleiht, ist die hiesige Landschaft von christlichen Fanatikern geprägt – von den amerikanischen Evangelikalen bis hin zu den eifernden Evangelen der deutschen Grünen. Sie stehen für erbarmungslose menschenfeindliche Moral, den Heiligen Krieg und die totale Unterwerfung unter einen festgelegten 'Willen'. Seit es nicht mehr der von Fürsten und Führern sein darf, ist es halt der einer 'Demokratie' – die Ideologie der politischen Herrschaft.

Exorzismus

Vor nichts hat diese Kirche mehr Angst als vor Rationalität, Wissenschaftlichkeit und Zweifel. Der rationale Zweifel, die Triebkraft des Wissens, die Neugier der Forschung ist der Tod des Glaubens, der Bekenntnisse und des Gehorsams. Selbstverständlich war den Kirchen die Idee der Demokratie im Innersten zuwider. Wie immer hat sie sich aber nach langem Widerstand angepasst und das Ganze von innen zerfressen.

Heute brüllen sie wieder die Bekenntnisse von den Kanzeln und in die Kameras, prangern die Ketzer an und führen Kreuzzüge gegen das Böse. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Das Konglomerat der kirchlichen Prediger und ihrer weltlichen Mitstreiter aus der Mittelschicht hat ein gemeinsames Ziel: Machterhalt oder Tod! Dabei kommt nicht einmal mehr die Frage auf, um wessen Macht es da geht. Der Tod scheint ohnehin attraktiver. Es ist dieselbe Untergangslust, die überkommene Ideologien schon immer ausgezeichnet hat – und die Kernkompetenz der Kirchen.

 
Unser nächstes kleines Thema. Opa Hayek erzählt vom großen Omm-Omm, irgendwer versucht, Waren zu "allozieren" und wir finden das alles ganz schön heilig.

Bitte hier entlang.

Viel Spaß!

 
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Das Narrativ vom bösen Russen, längst in der Verteufelung Putins personalisiert, wird inzwischen von kreischender Kriegspropaganda auf die Spitze getrieben. Was die publizistisch dominierenden Atlantiker im Kern kommunizieren, ist: Alles ist allein Putins Schuld. Der Krieg war unprovoziert, unprovoziert, unprovoziert, unprovoziert und vor allem unprovoziert.

An diesem Hebel hängt dann Deppengeschwätz wie das, eine unschuldige Ukraine hätte Russland weder gefährdet noch provoziert. Alles geschieht aus dem Willen eines Einzelnen heraus. Er hat die Macht, die Kraft und den dämonischen Willen. Wer diesem Kleinkindermärchen widerspricht, gilt damit im falschen, aber offiziell für wahr erklärten Umkehrschluss als Anhänger Putins, Versteher, Verharmloser, Lumpenpazifist. Mit Ihnen werden wir fertig!

Es wird mit allen Mitteln der Propaganda und Zensur verhindert, ausgerechnet angesichts eines Krieges, der zum Weltbrand zu eskalieren droht, auch nur zu differenzieren. Die Sicht einer Kriegspartei, vertreten durch den Feldherrn selbst und seinen in der Wolle gefärbten Nazi eines sogenannten 'Botschafters', wird ungefiltert mehrfach täglich publiziert. Die Sicht, ja, die Propaganda der Gegenseite wird mit eines Rechtsstaats unwürdigen Mitteln unterdrückt.

Geschichtslos bis zur Gegenwart

Es soll nicht einmal die allerjüngste Geschichte betrachtet werden dürfen. Es herrscht der Zwang zu einer monokausalen Weltsicht im Rahmen jenes naiven Humanismus, der eben den Willen von Menschen an die Stelle des göttlichen gesetzt hat. Sein Wille geschehe.

Die Wirklichkeit wird nicht etwa von Kräfteverhältnissen, Ökonomie und Kapitalinteressen geprägt, die wiederum Gesetzen folgen, sondern spiegelt den Willen der Menschen und ihrer demokratischen Vertreter wider. Auf der anderen Seite eben den des dämonischen Diktators. So einfach muss es sein. Wer dem widerspricht, dem wird mit lautem Gebrüll unterstellt, er habe dieselbe primitive Weltsicht, nur andersherum. Er sei ein Jünger des Dämons.

Unprovoziert, ja? Das könnt ihr nicht jemandem erzählen, der die Vorgeschichte erlebt hat. Ich habe mich 2004 sehr gewundert, dass Russland nicht ins Baltikum einmarschiert ist oder zumindest damit gedroht hat. Das war bereits der Anfang einer ungeheuren Provokation durch die NATO, ihres Zeichens bekannt für Angriffskriege und ein aufreizendes Schulterzucken, wenn es ums Völkerrecht geht – um nur ein Detail zu nennen.

Heilige Pflicht

Die "Ukraine"? Was ist das? Ein heiliges Land, in dem "besonnene Helden" wachsen, die sich gegen "das Böse" wehren? Schon die orange Revolution unter der erfreulich korrupten Julija Tymoschenko war eine Provokation von EU und CIA. Die Spitze brutaler Einflussnahme dann der von Faschisten angeführte und einem Milliardär finanzierte Putsch gegen den russlandfreundlichen Janukowytsch. Die Folgen: Acht Jahre Krieg Kiew gegen Ostukraine.

Ein Land, in dem sich die Oligarchen gegenseitig bedrohen. In dem einer einen Putsch finanziert und der nächste eine Truppe von Clowns über eine TV-Serie an die Regierung bringt. Der Oberclown erklärt uns derzeit jeden Tag den Krieg und warum wir ihm Waffen schicken müssen, damit die Russen immer mehr seiner Landsleute umbringen. Krieg ist geil, wenn man der Held im Fernsehen ist und Menschen wie Bauern auf einem Schachbrett opfern kann.

Wirtschaftsinteressen, anyone? Geostrategie? Rüstungsindustrie, deutsche Waffenexporte, Verklappen von Schrott, Aufrüstung und Konjunkturprogramm? Win-win-win-win? Übelster kapitalistischer Zynismus im Gewand einer fucking "Hilfe", und das alles funktioniert prächtig, weil ja der Eine da schuld ist? Na klar, wer da noch differenzieren will, ist Vaterlandsverräter. Auch wenn das gar nicht 'unser' Vaterland ist, aber immerhin 'unser' Feind. Das ist der Putin. Der ist schuld am Faschismus.

 
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Das Beispiel wird hinken, zumal sogenannte "Sanktionen" im Rahmen bestehender Verträge und Abhängigkeiten gern zu nicht geringem Teil Augenwischerei sind. Man tut halt was, um etwas zu erreichen – bis hierher ist das richtig. Allerdings werden Sanktionen nicht verhängt, um einen Staat oder dessen Regierung zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Nein. Das hat es noch nie gegeben.

Sanktionen, insbesondere die des Wertewestens gegen den Rest der Welt, sind Teil des Weltwirtschaftskriegs. Die USA zwingen ihren 'Partnern' dabei mithilfe eines ganzen Eimers an Mitteln ihre Interessen auf und liefern im Gegenzug 'Gründe', mit denen die Willigen ihren Wahlvölkern das als alternativlos aufschwätzen. Es geht dann, wie schon in den Angriffskriegen des Wertewestens, je um Menschenrechte, Frieden und Gerechtigkeit.

Die tun was

Die Wirkung der Sanktionen, zumal die kurzfristige, ist kontraproduktiv bis nicht vorhanden. Langfristig geht es darum, Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Am Rande spielt die Hoffnung auf einen Regime Change eine Rolle, aber das hat noch nie geklappt; im Gegenteil schließen sich die Reihen der Sanktionierten unter den Sanktionen erst recht.

Aber all das soll nur am Rande bemerkt sein. Es geht mir um etwas Anderes, nämlich um die Zerstörung des Restes an Demokratie, die in einem kapitalistischen Parlamentarismus noch übrigbleibt. Die Bürger dürfen keine politische Entscheidung selbst treffen. Was sie eigentlich wollen, wird von einem Cluster an Vertretungsvertretern zu Tode verwaltet, dafür können sie alle paar Jahre einige Namensschilder an den Amtstüren austauschen lassen.

Einzig als Konsumenten haben sie die Wahl, so sie denn flüssig sind. Da können wir dann nehmen, was uns gefällt und was wir bezahlen können. Wer aber hat nun den Hammerwerfern, die uns nicht einmal angedeutet haben, dergleichen zu beschließen, das Mandat verliehen, darüber zu entscheiden, was ich kaufen darf und was nicht?

Der Staat weiß das besser

Wenn doch alle sich so einig sind, dass sie für das Gute und gegen das Böse frieren wollen, dann können sie ja die Heizung abdrehen. Wenn sie meinen, der Russe solle sein Gas behalten, dann können sie es bei Anbietern kaufen, die es von dem nicht nehmen. Endlich kann einmal jeder für sich die politische Entscheidung treffen, die ihm zusagt. Mehr Demokratie geht nicht.

Das aber verbieten sie mir, damit sie es mir am anderen Ende (Versorgungsengpass!) doch wieder aufzwingen, um mir mittel- und langfristig die Gaspreise zu vervielfachen, Frackinggas zu fördern und ein Chaos an den Weltmärkten anzuzetteln, das nur noch mit ihrer nuklearen Vernichtung internationaler Diplomatie zu vergleichen ist. Okay, und mit dem endgültigen Abstieg des Journalismus zur Gossenpropaganda.

Wo sind eigentlich unsere Schönschwätzer von den 'Liberalen', wenn man sie ein Mal gebrauchen könnte? Lasst ihr euch das ernsthaft aufzwingen von diesen Staatssozialisten, dass jetzt ein Scheiß-Bundestag bestimmt, bei wem ihr eure Energie einkauft? Das beleidigt meine Konsumentensouveränität bis ins Mark.

 
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Der Widerstand gegen den neoliberal geprägten Endzeitkapitalismus ist eine Querfront, er ist national und sozialistisch. Noch verlieren sogenannte "Populisten" die Wahlen, aber das wird nicht immer so sein.

Zu viele Menschen sind abgehängt, chancenlos und werden von angepassten Mittelschichtsideologen, die als Kapos im Interesse des Kapitals fungieren, noch gedemütigt. Sie seien faul, hätten es nicht besser verdient, hätten die falschen Meinungen. Ihr kultureller und lebensweltlicher Hintergrund sei falsch.

Bei den ganz einfachen Rechten kommt es so an, dass Schwule, bezahlte Schwätzer jeder Art, Ausländer und Weicheier ihnen vorgezogen werden. Minderheiten aller Art werden gehätschelt, während die normale Mehrheit unterdrückt wird. Sie sind in dieses Weltbild nicht integrierbar.

Nationaler Widerstand

Ergänzt wird diese potentielle Opposition durch einen Vulgärsozialismus, der sich ebenfalls an vermeintlichen Eliten abarbeitet, die alles für sich wollten und dafür ungerechte Steuergesetze erlassen und Verhältnisse einrichten, die allein ihnen dienen. Diese 'Linke' will 'wieder' soziale Gerechtigkeit, gerechte Steuern und echte Chancen für alle.

Eine Linke, die fundamentale Einsichten in ökonomische und damit politische Verhältnisse hat und deren Leitfaden eine umfassende Solidarität ist, gibt es nicht mehr. Die identitäre 'Linke' ist rassistisch, sexistisch und vollkommen blind für die systembedingte Unterdrückung der Massen. Was sich überhaupt noch mit ökonomischen Verhältnissen befasst, hat gar keine Analyse dafür zur Verfügung.

Man trifft sich also auf einem gemeinsamen Boden, wo es gegen die falschen Eliten geht. Vulgärsozialisten und Rechte betrachten sich gleichermaßen – berechtigt – als ausgebeutet und benachteiligt. Da sie von einem personalisierten Politikbild ausgehen und an Willensentscheidungen glauben, wenden sie sich nicht gegen das System, sondern gegen das Personal.

Die richtige Seite

Unterstützt wird diese Querfront durch ein Establishment, das jedes Maß verloren hat. Empörung, Lüge, Hysterie, sogar kriegssüchtige Untergangslust bestimmen den Ton; die Verschwörungstheorien der Mitte werden tumultartig gegen die der Ränder verteidigt. Nichts ist mehr verboten, sofern es als 'richtig' gilt; das Falsche ist auszumerzen, zunächst durch Verbote, Strafen und Netzsperren.

Dagegen hält eine sich allmählich formende Querfront, die sich im Kern aus Überdruss speist. Sie haben die Schnauze voll von der Willkür einer Ideologie, deren Urheber selbst nicht wissen, wie sie zu ihren Einstellungen kommen, dafür aber umso besser, dass sie Recht haben. Die Querfront wird noch einmal befeuert werden, wenn die taktische Zurückhaltung gegenüber der Rechten nicht mehr hält.

 
Moral als Erzählung von Gut und Böse hat jeden Krieg entfacht und nie einen beendet.

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