2005-2013 (alle Beiträge)
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Best of 2005-2013

 
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Alter, ist das geiles Wetter da draußen. Ich habe das schon mehrfach genutzt, um mir weh zu tun. Der April sieht zwar bisher aus wie ein Sommer, hat aber einen entscheidenden Fehler: Davor war Winter. Winter ist diese Zeit, in der die Klimakatastrophe bislang versagt, weil es trotzdem zu kalt ist für Spocht an der Sonne, zumal stark beschleunigt und daher im Windchill. In dieser Zeit also begibt es sich, dass ich fett und träge werde, was wiederum die Schmerzen im Frühling nach sich zieht. Als guter Deutscher bin ich Sadomasochist.

Dies allerdings mit Konsequenz, will heißen: Wenn schon Maso, dann somatisch. Meinetwegen auch Mouthfisting und Asskicking. Was aber gar nicht geht, da unterscheiden wir uns, die Deutschen der anderen Spezies und ich, sind Kopfschmerzen wegen doof. Besser noch: Kopfschmerzen wegen doof und dafür noch buckeln, bezahlen und sich nachher für was Besseres halten. Katastrophe!

Höllehöllehölle

Fangen wir mal langsam an, heute mit dem Ex-Magazin, seinem Onlineauftritt und in besonderer Berücksichtigung des Spon für Grundschulkinder. Da reicht ein Wimpernschlag, und schon haben sich Headlines in die Retina gebrannt, um von dort als Lauffeuer über dem kürzesten Weg aka Sehnerv ins Hirn zu lodern. Wer liest so etwas, möchte man fragen, aber dahinter lauert das noch nacktere Grauen namens "Wer zur Hölle schreibt sowas?".

Eine Mutter wird von ihrer Tochter "nach Gruppensex gefragt", was schon thematisch ja genau das ist, was der kluge Leser von einem Nachrichtendingsbums erwartet, obendrein aber - ich fürchte unbewusst - so formuliert, als wolle das Gör die Mutter und gleich noch ein paar andere Opfer ficken. Das muss dieser Feminismus sein. Ein paar Zentimeter weiter große Investigation: "großartigen Sex ohne Liebe" und "Anabelles Sexpartner hat heimlich das Kondom abgezogen". So eine Umweltsau aber auch!

Was ihr irrelevanten Dreck nennt, erkläre ich hiermit zur Chronistenpflicht. Und auch wenn ich immer wieder versuche, das Thema hier zu unterdrücken, so hauen sie es einem ja trotzdem dauernd in die Maske. Heute einmal mehr ein fucking Grippevergleich. Etwas in mir meint ja, diese Superschlauen sollen einfach nur die Konsequenz aus ihrem Gefasel ziehen und sich, wenn es dann soweit ist, als Triageleiter an die Rampe stellen. Etwas anderes warnt, gerade das könnte ihre schönste Phantasie sein. Man weiß so wenig - und schwätzt so viel.

 
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Zahlen. Ein Thema für sich. Erstaunlicherweise halten sich Menschen, die sich seit ihrer unglücklichen Schulzeit, welche glücklich und beinahe unerklärlich in einen Abschluss mündete, für mathematisch gehandicapt erklären ("Kann kein Mathe"-Syndrom) und denen die sehr zweifelhafte Ehre eines Logikscheines in diesem Leben nicht mehr zuteil werden wird, dennoch für absolut kompetent, Diskussionen zu führen, ja, nachgerade anzuführen, in denen es um nichts anderes geht als logische Verknüpfungen mathematischer Relationen.

In diesen Zeiten virulent, bleibt dem Inhaber nämlicher Qualifikation (Logikschein) und trotz unglücklicher Schulkarriere mathematisch Begabten nichts anderes, als das zähneknirschend zu tolerieren, wenngleich nicht - niemals! - zu akzeptieren. Vorbei die Zeiten, da ein Pfiff genügte, gleichbedeutend mit der Aufforderung, hybridem Kommentariat zu zeigen, wie viel Verständnis das Herrchen gegenüber Zugestiegenen hat, die seine Autorität in Zweifel zu ziehen auch nur andeuteten, um die Meute der Getreuen loszulassen, auf dass kaum mehr die Knochen der Delinquenten übrig blieben.

Auserwählt

Das kann nicht jeder; neben der Grundqualifikation einer deutschen Seele, die sich allzeit auszeichnet durch disziplinierte Höflichkeit, in deren Gewand einzig die dazugehörige Skrupellosigkeit ihre ganze Tragfähigkeit entfalten kann, bedarf es des Talents, sich in einer stabilen Gruppierung zur Führungsfigur zu entwickeln. Hie ein bisschen über den Klee loben und bauchpinseln (Protektion), da wegbeißen und ausgrenzen (Eliminierung), dort niederbrüllen und zurechtweisen (Unterwerfung), das sind die Prinzipien, mit denen sich Autoritäten etablieren. Nein, das kannst du nicht. Versuche es erst gar nicht!

Wie gesagt: Tempi passati. Heutzutage musst du dich damit begnügen, ab und an einem seine Unzulänglichkeit vor Augen zu halten, wohl ahnend, das der mangels Sehvermögen gar nichts davon mitkriegt. Die scharfen Hunde haben sich längst zu Facebook und Twitter verzogen, wo sie nur mehr geifernd offenbaren, dass sich hinter, im Bild bleibend vielmehr vor ihrem Gekläff nie ein Gebiss verbarg, mit dem sie irgendeinen Schaden hätten anrichten können. Der Herr selbst agiert meist milde, dann wieder launisch, wie ein Mümmelgreis, der einmal die Woche die Verkäuferin des Supermarkts mit seinen Tiraden nervt und sich wundert, dass nicht einmal seine Töchter mehr ans Telefon gehen, wenn er anruft.

Dennoch hält er sich nach wie vor für eine ganz große Nummer und tritt auch so auf. Nicht mehr in der Öffentlichkeit, wo er die letzten Reste an Sozialkontakt, die ihm noch geblieben sind, nicht vergraulen will, aber immerhin daheim vor dem Spiegel, jeden Samstag um halb vier, wenn es auch nichts Besseres mehr zu tu gibt. Da grüßt er zackig, in vollem Wichs und Ornat, Hacken knallend, seine nächste Ausbaustufe, das Ziel, das er noch hätte. Wer sonst könnte es je erreichen?

 
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In diesen Zeiten herrscht große Unsicherheit. Es herrscht eine Gefahr, die man nicht versteht, weil man sie nicht sieht. Solche Zeiten sind – das hat die Geschichte gezeigt – dazu geeignet, jede Ordnung zu verlieren, im Denken, im Verhalten, im menschlichen Miteinander, in der Gesellschaft.

Überall zeigen sich auch heute solche Tendenzen. Weisheit konkurriert mit Scharlatanerie und droht zu gewinnen. Egoismus breitet sich aus, der Eine hortet, für die Anderen bleibt nichts mehr übrig. Man ist sich selbst der Nächste, und wo man in anderen Zeiten gezetert hätte über die Ungerechtigkeit, sorgt man heute selbst für welche.

Unsichbtbare Gefahr

Die Staaten und ihre Lenker sind in Gefahr, die Kontrolle zu verlieren. Despoten nutzen die Gunst der Stunde und statten sich mit unerhörter Macht aus, woanders werden sehenden Auges Halbirre unterstützt, nachdem sie just ihr Volk ins Verderben gestürzt haben. Man hatte schon gedacht, es könnte nicht noch schlimmer kommen.

Hierzulande darf man dankbar sein für die Stabilität, die unsere staatlichen Stellen und ihre ausführenden Organe garantieren. Sie haben unser Vertrauen verdient und brauchen jetzt keine renitenten Kleingeister, die stur auf ihr angebliches Recht beharren. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Wenn etwa eine App dabei helfen kann, sowohl Freiheit als auch Gesundheit zu sichern, dann sollten wir uns nicht so anstellen mit dem Datenschutz(1).

Das müssen vor allem die selbstverliebten Grünen kapieren, die sind ohnehin der Höhepunkt des Ausstiegs aus der Wirklichkeit(2). An dieser Stelle muss man wohl nicht auf die freiwillige Preisgabe von Daten an Facebook&Co, erinnern; Im Grunde geht es darum, die Verbindungsdaten, die bei den Anbietern ohnehin etwa zum Zwecke der Abrechnung anfallen, eine Zeitlang zu speichern(3).

Konsequenzen

Und auch das Eingreifen von Polizis*_tInnen muss derzeit anders bewertet werden. Das muss jeder erkennen, der sich innerhalb der Bürgerlichen Zivilisation bewegt. Wenn der örtliche Polizeieinsatzleiter sagt: Bitte, entfernen Sie sich, und er entfernt sich nicht, dann ist er schon kein normaler Bürger(4) und muss eben mit Konsequenzen rechnen. Der von Überstunden geplagte Beamte kann nicht mit dem Grundgesetz unter dem Arm(5) seinen Dienst tun.

Man kann die Gefahr nicht sehen, die jeder von uns in sich trägt. Wie albern ist es da, ausgerechnet in diesen Tagen ein Demonstration besuchen zu wollen oder sich zum Rudelsaufen im Park zu verabreden? Ist das euer Widerstand? In Corona-Zeiten muss jedem klar sein: Auch gewaltloser Widerstand ist Gewalt(6). Das kann nur jemand abstreiten, der borniert auf seine Rechte beharrt - für die 'Freiheit', andere zu gefährden.

Update: die Liste der Ko-Autoren gibt es hier.

 
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Man sollte denken, das mit dem Nikolaus wäre der Fehler. Sankt Martin, Osterhase, schlimmstenfalls irgendein Monster, das die Kinder holt, wenn sie nicht artig sind. Alles Quatsch, wahlweise auch Lüge, Betrug, Ammenmärchen. Wenn die Kinder dann groß geworden sind und aus den Kindern Erwachsene, wissen sie alle, dass das eben nur Figuren sind, erfunden für Erzählungen. Na ja, fast alle.

Der Eine nämlich, den gibt es 'wirklich': Gott, liebe, der, seines Zeichens und wie der Name schon sagt, allmächtig und gütig. "Gütig und allmächtig" wie in Sodom und Gomorrha, Pest und Cholera, Auschwitz und Hiroshima. Geht alles.

Glauube miir ..

"Frag‘ nicht warum ..." ist einer der Sätze, die eine ganze Pädagogik geprägt haben. Was Allmächtig und Gütig anbetrifft, so überlässt man die 'Begründung' - ein Muster, dem wir recht häufig begegnen – den zuständigen Experten. Die nennen das, was Gott gütig sein und seinen Schäfchen die Hölle auf Erden bereiten lässt, in gut informierten Kreisen auch "Theodizee".

Es gibt für alles einen Grund, und bei diesen Experten ist das zumeist die "Prüfung". Ein unsichtbarer Mann, der alle Menschen liebt, schenkt ihnen Atombomben, Kapitalismus und Pogrome – weil er sie prüfen will, und wer nicht mitglaubt, ist raus. Die Großeltern glauben es, die Eltern glauben es, das ganze Dorf glaubt es. Die können sich ja nicht alle irren Da sind doch kluge Menschen dabei. Sogar Experten. Selbst Juden und Japaner glauben an Götter. Wenn das nicht der Beweis ist!

Wenn man sich – wenn, denn das Hinterfragen von Erzählungen, zumal öffentlich, war noch nie so recht in Mode – wenn man sich also fragt, wie die Erzähler solch absurder Geschichten je mit dem Anspruch durchkommen konnten, das sei die Wahrheit, ist man schon auf der falschen Fährte. In Kern geht das einfach so: Du musst sie nur oft genug erzählen, dann wird sie lebendig. Dann wird sie Tradition und dann überlebt sie jeden Erzähler, der sich jemals etwas dabei gedacht hatte.

p.s.: lob des säzzers: er hat nie behauptet, gütig zu sein.

 
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Es ist wohl so ziemlich egal, in welchen Zeiten man lebt, es sind immer wieder Sozialdemokraten, die alles, aber auch alles falsch machen, wenn man sie an ihren vorgeblichen Zielen misst, allen voran soziale Gerechtigkeit®. Tatsächlich waren es immer Kommunisten oder andere Revolutionäre, die soziale Fortschritte brachten, welche die Sozen dann jeweils für sich reklamierten.

Werden wir für einen Augenblick konkret: Ausgerechnet in einer Situation, in der selbst hartgesottene sog. "Konservative" oder "Liberale" zu klassischen staatssozialistischen Mitteln greifen, gelingt es der britischen Labour Party, endgültig einen Vorsitzenden rauszukanten, der annähernd links zu sein drohte. Er wird jetzt durch einen richtigen Politiker ersetzt, der sich "Sir" nennen darf. Glückwunsch, 'Labour'!

Von Anfang an waren Sozialdemokraten ein Bollwerk des Kapitals gegen die Kommunisten. Je stärker diese wurden, desto mehr Konzessionen hat das Kapital an die Arbeiterschaft gemacht und den Sozialdemokraten die Blutarbeit überlassen, sie von ihrem einzigen mächtigen Feind zu befreien. Es war Sozialdemokraten wie Ebert und Noske vorbehalten, Arbeiteraufstände zusammenschießen zu lassen, ohne damit der Revolution zum Sieg zu verhelfen. Niemand sonst wäre damit durchgekommen.

Wer kämpft für wen?

Sozen wie Wehner und Brandt wiederum haben den Kommunismus in Westdeutschland endgültig ausgerottet. 'Ihr' Lohn: Zugeständnisse an die Arbeiterschaft, eine Beteiligung an der Produktivität gar in Zeiten, in denen das Kapital sich das leisten konnte. Dumm nur, dass nach dem Untergang der Kommunisten in Ost und West kein Grund mehr bestand, auf die Interessen der Lohnabhängigen einzugehen.

Die ohnehin schon weichgespülten und korrupten Organisationen der Sozialdemokraten, die deutschen Gewerkschaften, machten bald anstatt für ihr Klientel zu streiten, selbst Politik für Profite. Die Partei ohnehin: Deregulierung, Lohndumping, Privatisierung, Hartz-Gesetze, 'schlanker' Staat und eine aggressive kapitalhörige Propaganda - alles, was die politische Rechte nie hätte durchsetzen können.

Was wir heute erleben von Sozialdemokraten in SPD, 'Linke' und 'Grünen', ist untertäniges Schweigen, dummes Geschwätz oder leere Phrasen, um hektisch dem Sachzwang folgenden Aktionen als "Politik" zu verkaufen. Oder eben noch blöder, indem staubige Versprechen zum Hundertsten aufgelegt werden. Ernsthaft Esken, "Vermögenssteuern" lösen jetzt irgendein Problem?

Zur Hölle oder ...

Niemand kann erwarten, dass eine dieser Pfeifen das Steinchen auch nur einen Meter nach vorn wirft oder radikale Veränderungen fordert, die ohnehin nicht zu vermeiden sind. Standhaft staatstragend reiten sie stattdessen den toten Gaul durch die Untiefen, in denen das überkommene Gesellschaftsmodell gerade versinkt. Das braucht kein Mensch mehr, und ich bin guten Mutes, dass es sehr bald ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte sein wird.

Wer würde jetzt ernsthaft auf ausgerechnet diese Verräter hoffen, die dafür gesorgt haben, dass nicht nur am Gesundheitssystem gespart® wurde, sondern vor allem an allen Lohnabhängigen, denen wir das Nötigste und damit Wichtigste verdanken? Pflegerinnen, Erzieherinnen. Lieferanten, Hygienekräfte, Sanitäter, Wachleute, Verkäuferinnen, et cetera et cetera - sie werden gnadenlos ausgebeutet, schuften sich kaputt und haben nachher oft nicht einmal eine akzeptable Rente.

Dieses Proletariat muss sich wieder organisieren. Wir brauchen wieder Kommunisten, und sei es nur als Drohung - sie dürfen derweil gern klüger sein als die bornierten Leninisten des 20. Jahrhunderts. Wir brauchen Anarchisten, die dafür sorgen, dass Demokratie als Selbstbestimmung verwirklicht wird und nicht im Gemauschel korrupter Stellvertreter untergeht. Wir brauchen Menschen, die sich holen, was ihnen zusteht und sich nicht mehr sinnlos unter die Knute des Kapitals begeben.

 

Das ist eine Folge der Gesundheitspolitik der letzten Jahrzehnte. Man hat Pflegepersonal vor allem als Riesenkostenfaktor gesehen – und so die Menschen aus der Pflege rausgetrieben. (...)
Es gibt Krankenhäuser, die geführt werden wie Supermärkte ...

 

Hätten sie doch nur mal wen gefragt ...

 
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Ich bunkere jetzt. Nicht, was ihr denkt. So ähnlich, aber nicht, was ihr denkt. Bunkern kommt zuallererst mal von "Bunker", was dereinst ein Lagerraum für Kohle war. Nein, kein Tresor, ein Lagerraum. Auf einem Schiff. Für Kohle. Oder aber auch anderes, zumal wenn man das englische "bunk" hinzuzieht, eine ordinäre Kiste. Nicht was ihr denkt - Kohle, 'Bank', bunkern. Nicht das. Das Andere.

Warum tue ich das? Nun, erstens bin ich reich. An Geld. Das muss weg; ich warte doch nicht auf den Bank Run der Anderen. Jetzt mal kurz ganz ohne Scheiß: Ich habe neulich mit einem Gitarrendealer meines Vertrauens gesprochen, schon mal das Mitleid im Ton geübt von wegen, derzeit kauft ja keiner nix. Ja von wegen! Er meint, die Leute holen wie blöd "Kohle" (er meint jetzt das, was ihr meint) von der Bank und kaufen Gitarren. Weil die ja ... man fasst es nicht.

Der Trigger

Ich habe gestern ein wunderschönes Päckchen bekommen, also nicht das Päckchen selbst, das war halt so'n kleiner Pappkarton, mehrfach gebraucht. Aber was drin war: eine Rolle Klopapier (No shit, also ungebraucht!), selbstgeseifte Seife und ein Päckchen Reis. Ich habe mich sehr gefreut, und dabei kam mir die Idee - zum Bunkern. Mein Keller eignet sich hervorragend dafür.

Er kennt das nämlich noch aus der Zeit®; ihr wisst schon: die mit den Autobahnen. Gasdichte Tür und so. Ich habe da also mal sauber gemacht und die Gitarren runter getragen, Reis, Pappkacke, ach was, einfach alles, was man braucht für nen zünftigen Krieg: Knarren, Ammo, Helm, Breitbandanschluss, Fressalien, Whisky, Wodka, Rum, Bier, Kaffee, Kippen ... und schlafe da jetzt auch. Im Lagerraum. Seitdem hab ich total viel Platz in der Wohnung.

Das Startup

Tzia, was tun damit? Erst mal ein Ründchen Fußball gespielt (zweieinhalb Minuten; Bandscheibenvorfall, Zerrung, Schädelprellung). War nix. Nachbarn zur Party eingeladen. Wollte keiner kommen. Dann habe ich die Leere auf mich wirken lassen und meditiert, während mein Sodbrennen ganz im Einklang mit der neuen Akustik sphärische Klänge erzeugte. Und ... ha! Die Idee!

Rollläden runter, Sprühdose raus, Annonce: "Privater Lagerraum, billiger geht's nicht". Telefonnummer. Keine zehn Minuten später der erste Anruf, inzwischen ist der Laden gerammelt voll. Vor allem Kackpappe, Erbsensuppe, Ravioli, so'n Zeug, aber auch Bücher, Unterhaltungselektronik und sogar ein paar Gitarren. Ich meine: Billiger geht's wirklich nicht, oder? Alter, was für Idioten!

 
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Alle Jahre wieder muss ich auf den Verein Atlantikbrücke aufmerksam machen; aktuell, weil mir im Tagesspiegel Juliane Schäuble auf die Murmeln geht, dortselbst Politikchefin, ansonsten Tochter des Geld- und Kofferministers und selbstverständlich Mitglied. Die Liste ist nicht ganz aktuell; in der von Wikipedia findet man aber ausgerechnet Frau Schäuble nicht. Vielleicht kennt ja wer wen, der sich die Mühe gemacht hat, das zu aktualisieren.

Es muss sporadisch wiederholt werden, weil man sich sonst nicht erklären kann, warum wir ständig denselben Quatsch zu lesen und zu hören kriegen. Die Chinesen sind böse, lügen und haben alles falsch gemacht, und wenn sie uns helfen wollen, dann nur deswegen. Putin ist immer zweimal mehr böse, und wenn man ihm oder irgendeinem Russen, für die er ja alle persönlich verantwortlich ist, nicht am Zeuge flicken kann, dann eben, weil er sich sicher freut, wenn 'uns' was schadet.

Making of

Es gibt sie ja durchaus, die Wege, auf denen die Indoktrinatoren indoktriniert werden. Wer wissen will, warum die Spin-Doctors spinnen, sollte diese Strukturen kennen. Neben dem Atlantik-Brücke e.V. etwa das American Council on Germany, die Atlantische Initiative, die deutsche Atlantische Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, Trilaterale Kommission, German Marshall Fund, European Council on Foreign Relations usf.. Diese sind wiederum mit anderen Lobbygruppen und Think Tanks vernetzt.

Hier lernt man sich kennen, da is ma Adabei, da ist man wichtig und gehört dazu, egal ob Politiker, Journalist oder Manager. Besonders interessant ist das "Young Leaders"-Programm. Hier werden Karrieren gemacht, parteiübergreifend. Dass die hier geformten Journalisten sich ernsthaft als 'kritisch' bezeichnen, zeugt von einem gewissen Humor. Was würde wohl ein Atlantiker über Putin schreiben, wenn die Tochter seines wichtigsten Parteifreundes und Mehrfachministers eine der einflussreichsten Journalistinnen Moskaus wäre und eine andere in einer wichtigen Funktion des Staatsfunks? Bei uns nennen sie das "unabhängig".

Siegt mal schön

Aktuell segelt ein bisschen unter dem Radar, dass Nordmazedonien das 30. NATO-Mitglied geworden ist. Dazu gibt es eine Handvoll Abschriften einer Agenturmeldung, in der sogar erwähnt wird, das die "rasante Osterweiterung" des Kriegsbündnisses Russland verärgert hat. Auch hier sei erinnert, dass die Unterstützung Syriens als "Putins Imperialismus" bezeichnet wird, während in Nahost ein Staat nach dem anderen von der NATO und ihren Verbündeten zerbombt wurde.

Während sich die Weltlage dramatisch verändert hat und die Prioritäten überall andere sind, während der Kapitalismus in einer der größten Krisen seiner Geschichte versinkt, sitzen an den Schreibtischen und in den Home-Offices der Massenmedien Dinosaurier, die immer und immer wieder dieselben Blätter durchkauen und die unappetitlichen Erzeugnisse stolz ihrem fliehenden Publikum präsentieren. Das kann dann wohl auch weg.

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Oder sollte man sagen, die Schießerei ist im Gange? Ich hatte bereits geäußert, dass es die Eigentumsordnung empfindlich trifft, wenn Mietern erlaubt wird, die Zahlungen auszusetzen. Wie man hat erwarten können, ist jetzt der Kampf der Starken gegen den Rest entbrannt, ausgerechnet an der Mietenfront.

Konzerne wie H&M, Deichmann und Adidas haben den Vermietern ihrer Immobilien mitgeteilt, dass sie ihre Mieten nicht zahlen. Warum machen wir das eigentlich nicht alle, und zwar dauerhaft? Nun, man kann uns dafür kündigen. Die Genannten und ihre Eigentümer hingegen werden so schnell nicht rausfliegen, weil die Vermieter dann erst recht Angst um ihren Umsatz haben.

Gerade angesichts solcher Modelle, in denen Immobilien von Konzernen verkauft und dann zurückgemietet werden, wird das ganze Geschacher und die gegenseitige Geiselnahme deutlich. Wem gehört eigentlich was, warum profitieren eigentlich immer dieselben und wieso sind das die Ersten, die es sich erlauben, ihrerseits der Zahlungsverpflichtung nicht nachzukommen? Weil sie sich das verdient haben mit der nobelpreiswürdigen Idee, drei Streifen auf einen Schuh zu kleben?

Dereguliert

Das ist ganz sicher kein moralisches Problem, wie uns das hilflose Statement der Bundesregierung suggerieren soll, in dem Vokabeln wie "unanständig" und "unsolidarisch" fallen. Ach, ist das sonst also anders - der Kapitalismus mithin solidarisch und anständig? Heißt es künftig "solidarische Marktwirtschaft"? Nein, Freunde, das ist das Original eures fairen Wettbewerbs®.

Aber es kommt noch dicker, das Dilemma ist nämlich total. Die Propaganda bläut uns seit Jahrzehnten ein, es dürfe keinesfalls eine ausgleichende Gerechtigkeit geben, das sei nämlich die böse Ergebnisgerechtigkeit®, die den dollen Wettbewerb® kaputtmacht und die heilige Eigenverantwortung®, und jetzt, wo die Konkurrenz offen ausbricht, soll das nicht mehr gelten?

Jetzt also soll (mal wieder, zuvor waren es ja die hungernden Banken) alles und jeder gerettet werden? Nein, dafür reicht nicht mal die große Konfettikanone. Also eben doch der Eine nicht, dafür der Andere, und weit breit ist kein Markt® in Sicht, der das regelt®. Es wird ein Massaker, und es hat bereits begonnen.

 
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Blogger bei der Produktion von Trollen in einer russischen Fabrik

Fake News allerorten. Einer der Schlimmsten ist dieser "Kiezschreiber". Wie schreibt man eigentlich einen Kiez? Heute etwa dies hier:
"Die Waldarbeiter im Hunsrück tragen keine Holzfällerhemden." Was soll das? Ganz zufällig wird am Dorfrand hier der Wald seit Monaten von einer Firma aus Simmern untertunnelt.

Simmern ist die Kreisstadt des Rhein-Hunsrück-Kreises. "Kreisstadt" nennt man dort ein Dorf mit knapp 8000 Einwohnern. Hier an der Ruhr würde man gar nicht bemerken, wenn so etwas einem Parkplatz weichen würde, im Hunsrück hingegen wäre die Bevölkerung völlig orientierungslos.

Cui Bono?

Unter diesen Waldarbeitern sah ich bereits mehrere mit Holzfällerhemden bekleidete Exemplare. Nun kann der Herr aus dem Reich der Eischmeischdeischs behaupten, sie trügen diese nur außerhalb ihres Habitats, man sieht ihnen aber an, dass sie jeweils nur dieses eine Hemd besitzen.

Im Weiteren wird dort ironisch die Mondlandung als Faktum dargestellt, an dem wir also zweifeln sollen. Fragt sich doch: Cui bono? Warum werden uns solche Lügen aufgetischt, ausgerechnet in Zeiten, da es auf die Wahrheit ankäme? Von wem lässt der Mann sich schmieren? Wir bleiben dran!

JWD

Woanders lenken sie ab und tun mondän: Seit Tagen nur diese Spekulationen über einen Präsidentschaftskandidaten, der keiner ist: Joe Biden. Money Quote:
"Ein dementer Kandidat aus dem demokratischen Parteiestablishment wird es, sofern das mangelnde Management der Coronaviruskrise oder irgendeine Affäre Trump nicht zusetzen sollte, kaum mit dem bösen Clown aufnehmen können."

Das mangelnde Management dürfte Biden wohl zuerst zusetzen, ist er doch gesundheitlich ohenhin schon auf dem Weg in den Fahrstuhl. Dement und infiziert in einer Wahl, die gar nicht stattfindet. Wer schreibt über so etwas? Nun, jemand, der seiner Tastatur auch "Man muss kein Prophet sein", "man darf gespannt sein" und "Die Zeit wird zeigen" zumutet. Warte - das hat niemand getippt. Das ist eindeutig das Werk eines Putin-Bots. Erwischt!

Metameinungsbrei

Tzia, und das mit den Meinungen über Meinungen von Wissenschaftlern, das haben wir ja schon ausreichend belästert. Oder? Nun, man kann nicht überall Diskussionen mit Niveau führen und nimmt halt, was man kriegt. Der Betreiber des hiesigen Hauses hält es im Zweifel mit Arroganz und brutaler Selektion. Sonst wird das auch nix mit einer halbwegs amtlichen Sekte. Immerhin: Er hält sich für schlau und macht keinen Hehl draus.

In seriösen Medien stellt sich Seriosität hingegen schon dadurch her, dass man wen kennt, der einen zitieren kann, der es wissen soll. Bis hierher also kein Unterschied zu diesem Billigangebot aus der Nachbarschaft. Problem: Es ist zwar sympathisch, sich eingangs für zu doof zu erklären, die Texte von Experten zu verstehen und relevante Unterschiede zu erkennen. Deshalb aber wurde es auch nichts mit der Redaktionskarriere. Sieht man's wieder: Wer nichts wird, wird Blogger.

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