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Er ist das Symptom des Verfalls eines Gesellschaftsmodells, das sich eben auflöst. Das ist nichts Neues. Schon in einer der hoffnungsvollsten Epochen der Geistesgeschichte - der Renaissance, in der sich der Erkenntnisstau nach 1000 Jahren katholischer Unterdrückung entlud - explodierte ebenso der moralische Rigorismus, gingen Menschen aufeinander los mit einer Verachtung, die jede Grausamkeit legitimierte. Spanische Inquisition und Hexenverfolgung - bei der sich vor allem Protestanten hervortaten - waren die Begleiterscheinungen. Am Ende der kapitalistischen Rechtfertigungsversuche für die Weltherrschaft eines irrsinnigen Systems zeigen sich ähnliche Tendenzen.

Mit einem kleinen Schritt zurück komme ich noch einmal auf das Thema "Moral versus Ethik": Ethik fragt wie gesagt danach, was in einer Gesellschaft erwünscht(es Verhalten) ist und was sie optimaler Weise tun kann, um dies zu erreichen bzw. das Unerwünschte zu hemmen. Dies ist eine grundsätzlich praktisch-wissenschaftliche Perspektive. Vor allem muss hierbei auf die Gesellschaft Bezug genommen werden, um die es geht. Es muss deutlich werden, was sie ist, wie sie funktioniert, wer dazugehört und wie man diese Menschen erreichen kann.

Ping-Pong

Das Gegenteil besorgt wie so oft Moral, zumal in ihren extremen Formen eines Rigorismus hier und einer autoritären Willkür dort. Sie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sich 'Erlaubtes' aus dem 'Guten' ableitet, welches wiederum den handelnden Personen innewohnt. Bei den neuen Pietisten wohnt dieses Gute bestimmten Opfergruppen inne (Frauen, LGTBXY, Leute von Farbe etc.) denen ein moralisch hoher Status zugewiesen wird, während potentielle Täter (weiße Männer) per se abgewertet werden, was wiederum Auswirkungen auf deren Rechte haben soll. Klassische Diskriminierung wird hier beibehalten und die Liste der Diskriminierten und Diskriminierenden umgedreht.

Damit einher geht die Moralisierung der Diskurse, vor allem Politik und Wissenschaften. Diese Moralität wird von einer in allen Medien sehr präsenten, in der Bevölkerung aber kleinen Minderheit gepflegt. Sie ist der elendige Rest dessen, was heute noch als 'Links' identifiziert wird - vor allem von Rechten. Auf deren Seite wiederum hat sich die Komplementärmoral dazu durchgesetzt, die sich durch diesen Rigorismus angespornt fühlt. Intuitiv erkennen deren Vertreter, dass diese 'linke' Ideologie nicht nur inkonsistent und irrational ist, sondern dass man so nicht leben kann. Diese, ihnen verfeindete Moral ist eine aggressive Anleitung zur (Gegen-)Unterdrückung - und zwar der Mehrheit.

Daher kann die Rechte ihren Muff der eigenen Klientel ernsthaft als 'Freiheit' verkaufen, obwohl der selbst ebenfalls das Gegenteil bedeutet. Nicht nur dass er, weil er eben reaktionär ist, die Unfreiheit des Kapitalismus zementiert, sondern weil er Hierarchien, übelste patriarchalische Strukturen und alle überwunden geglaubten Übel von Feudalherrschaft bis Faschismus restauriert: Rassismus, Frauenhass und jede Form von Diskriminierung. Dabei darf der Chef jeweils alles und das kleine Arschloch gar nichts - außer es findet eines, das noch unter ihm steht.

Illiberal, kapitalistisch

Der 'linke' Rigorismus, der diese rechte Willkürmoral enorm stabilisiert, fühlt sich dadurch wiederum (weil eben dogmatisch) befeuert: Der Kampf muss noch härter geführt werden! Auf der Strecke bleibt zuerst jede rationale Auseinandersetzung. Zumal im Rahmen einer medialen Aufmerksamkeitsökonomie, kommen moderate Töne oder die Frage, wie man sich mit Anderen einigen könnte, nicht zur Geltung.

Völlig unter die Räder gerät eine grundsätzliche Kritik, die eben jener Rationalität bedürfte und die wirklich relevanten Probleme benennt. Der Kapitalismus als solcher gerät in der Folge völlig aus dem Fokus. Die Rechte wollte das noch nie anders und diese 'Linke' stimmt dem mehr oder minder schweigend zu. In dieser Konstellation kann sich keine (zumal linke) positive Zukunftsvision entwickeln. Was bleibt, ist alternativlose Dekadenz.

 
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Im Godesberger Programm der SPD wird einleitend zunächst einiges von Atomkraft und Freiheit geschwurbelt, um den "Sozialismus" zu definieren, auf dem das Ganze künftig beruhen soll. Ernsthaft wird dabei die "christliche Ethik" als dessen Basis benannt und nicht lange gefackelt, bis (auf Seite 4) schon eingangs die antikommunistische Mission der SPD formuliert wird:

"Zu Unrecht berufen sich die Kommunisten auf sozialistische Traditionen. In Wirklichkeit haben sie das sozialistische Gedankengut verfälscht. Die Sozialisten
wollen Freiheit und Gerechtigkeit verwirklichen, während die Kommunisten die Zerrissenheit der Gesellschaft ausnutzen, um die Diktatur ihrer Partei zu errichten.
"

Der neue alte Feind

Aha, so ist das also. Klassenkampf adieu, der neue Feind heißt Kommunismus. Schon 1959 musste man sich freilich fragen, wozu man eine christliche und antikommunistische 'SPD' brauchte. Das Original war doch bereits seit Gründung der BRD an der Regierung. Und weil das alles so frisch und modern ist, folgen Passagen, in denen ohne Unterlass vom "Volk" die Rede ist, dem deutschen. Man könnte sich sehr intensiv mit diesem irren Text befassen, er ist voller Perlen. Z.B. diese hier:

"Nur unabhängige Richter dürfen Kriminalstrafen aussprechen." Man fragt sich ja generell, wieso in einem politischen Programm Sachverhalte besungen werden, die doch die Verfassung regelt. In Bezug auf die Richter hätte man aber vielleicht etwas zur damals aktuellen Besetzung der Posten sagen können. Unabhängig sollte er sein, der alte Nazirichter, der die Kommunisten in den Bau schickt. Damit das alles demokratisch bleibt.

Raffendes Kapital

So geht das in Einem weiter: Die SPD "Sie bejaht die Landesverteidigung." Ach was! Nicht, dass man sie noch mit dreckigen Pazifisten ... Immerhin, so viel Bekenntnis geht über die Lippe: Angriffskriege wollten sie noch nicht. Dafür ist aber "Stetiger Wirtschaftsaufschwung" ein eigenes Kapitel wert, das irgendwie ökonomisch daherkommt und in letaler Dosis inkompetentes Blabla ausstrahlt, wo früher ein Bezug auf Marx wenigstens die Hoffnung auf einen Sinn genährt hatte.

Stetiger Wirtschaftsaufschwung, das ist das Phantasma der Jünger des Kapitalismus, für die solche Magie eben zum Credo gehört. Wozu braucht man das bzw. wiso heißt das jetzt auch noch "Sozialismus"? Ach ja richtig, weil das Wachstum eingehegt wird: "Wo das Großunternehmen vorherrscht, gibt es keinen freien Wettbewerb." "Die Bändigung der Macht der Großwirtschaft" ist das Projekt. Ein bisschen Gemeineigentum und Konkurrenz durch irgendwie nicht großwirtschaftliche Unternehmen, dann wird das schon. Großartiges Konzept; wir wissen ja, wie es dann kam und wo man das schon vorher hätte nachlesen können.

Angekommen

Im Kapitel "Unser Weg" gibt es dann den expliziten Abschied von allem, das mal links war. Wunderbar mündet das in den Satz: "Die Sozialdemokratische Partei ist aus einer Partei der Arbeiterklasse zu einer Partei des Volkes geworden." Die stellt sich dann der "brutalen kommunistischen Herausforderung". Der Feind steht links. Lustig auch der Titel: "Unser Weg" - Erinnert mich an irgendwas.

Doch, spätestens 1959 konnte man wissen, was zu erwarten war. Das ganze Geschwafel von "Freiheit" und "Gerechtigkeit" war bereits konzeptionell auf die Begleitung der kapitalistischen Eigendynamik abgestellt. Es gab keinen Gegensatz zwischen den Klassen mehr, nur "Großkapital", auf das man irgendwie aufpassen musste, während die nunmehr völkische Partei den Volksfeind auf der Linken erkannt hatte. Endlich war die SPD angekommen, wo Besatzer, CDU, FDP und Altnazis längst marschiert waren. Dass der Feind nicht bloß die organisierte Arbeiterklasse, sondern die Arbeiterschaft selbst werden würde, haben dennoch nicht viele kommen sehen.

 
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Die wichtigsten Fragen werden nur hier gestellt: Ist Alfred E. Amthor ein Geschöpf der Eliten, um von Corona abzulenken oder ist es umgekehrt? Ist der Korruptionsskandal, aus dem ihn zu retten eine Armada von Mentoren angetreten ist - wie gesagt bis hin zum Meister der Geldkoffer selbst - ein Trick, um davon abzulenken, dass Alfred auch ganz ohne solche Skandale eine nicht hinnehmbare Zumutung wäre? Soll durch ihn und womöglich weitere Bots aus derselben Produktion die Bevölkerung über 80 ausgetauscht werden und ist Corona nur der Anlass oder das Mittel dazu?

Dahinter verschwindet die Tagespolitik in einem Nebel aus Untätigkeit, Geheimniskrämerei und saisonbedingter Verschnarchtheit. Dennoch steigt aus dem Sommerloch eine Schwefelwolke empor: Sie wollen Killerdrohnen. Telezid jetzt aus deutscher Hand - wo kämen wir auch hin, schmiedeten wir nicht solche Optionen. In Fällen bewaffneter Verantwortung zieht es sich doch zu derselben am besten, wenn der Gulasch einem nicht auf die frisch gebügelte Camouflage spritzt.

Auf den Boden kommt es an

Wer ist wie immer mittendrin und nicht bloß dabei? Richtig: Die Spezialdemokraten. Auf dem Grillteller heute: Kontrolle (Lacher vom Band) und - jetzt kocht der Saal - "Therapeuten". "Die jungen Frauen und Männer", die den Tod aus dem Bunker steuern, riskierten "für Frieden und Sicherheit ihr Leben", murmelt es aus den Willy-'erst ins Ausland, dann Krieg'-Brandt-Haus. Strenge Bedingungen! Denn merke: Wenn man erst einmarschiert und dann Menschen mit Drohnen killt, ist das kein Angriffskrieg mehr, sondern - das steht doch schon da! - "Frieden und Sicherheit". Zwinkersmiley.

Das wird wieder so eine Entscheidung 'mit Bauchschmerzen' gewesen sein. Ich höre das Gerülpse bis hier. So wie der dreißigjährige Krieg in Afghanistan (19 haben wir schon, Ende nicht in Sicht), dem haben sie ja auch erst als zivile Maßnahme zugestimmt. Aber immerhin: Sie kriegen Therapeuten, um die Enttäuschung zu managen, dass Mörder in Uniform ihre Opfer nicht mehr sehen können und nur mehr "ihr Leben riskieren", weil sich der eine oder andere mangels Endgegner selbst die Kugel gibt. Es ist ja doch humaner geworden.

Gesucht wird gerüchteweise noch das Nachfolgemodell der plumpen Miniflugzeuge mit Sternfeuerung: ein selbststeuernder Minensaugroboter mit Brunnenbohrfunktion, grundgesetzflexibler Verantwortungsausübung und autotherapeutischer Zusatzfunktion. Wer glaubt, damit sei die Verteidigung der Freiheit unserer Handelswege bis zum Kuipergürtel langweilig geworden, soll sich mal auf die andere Seite stellen. Oder - Scherz! - darüber berichten. Nie wieder Dings, äh, Nazikrieg am ersten September, versprochen! Ihre SPD.

 
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Unser autokratischer Stil kommt nicht gut an, wir brauchen mehr davon! In seltener Eintracht haben parteiübergreifend berufspolitische Dilettanten offenbart, was sie von ihrem Geschäft verstehen und von 'Links' bis rostschwarz den starken Staat beschworen, weil irgendwo eine vermeidbare Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen und der Polizei eskaliert ist.

Besonders gefiel mir der aktuelle Grüßaugust, ein Ableger der extremen Rechten aus der SPD: "mit aller Härte des Rechtsstaats verfolgt und bestraft werden" müssten die Delinquenten. Man könnte jetzt den nächsten Amtsträger daran erinnern, dass er als Staatsoberhaupt nicht zu eskalieren hat und schon gar nicht in die Souveränität der Justiz einzugreifen. Aber Steinmeier hat es halt gern hart und mit Strafe. Hat da wer "Guantanamo" gesagt?

Ehre, Treue, Härte

Alle sind sie sich einig, die Innenminister sowieso, die Härterestrafen® bei Amtsantritt in den Nacken tätowiert bekommen, die reaktionäre Rechte sowieso, weil sie ihrer verkalkten Klientel immer nur den deutschen Sadomasochismus als 'Lösung' aller Probleme angeboten haben. Eskalation tut not, sagt sich auch Grünen-Kretsches Schwarzer Thomas Strobl, der von einer "nie da gewesenen Qualität" schwadroniert und "mit allem, was uns der Rechtsstaat zur Verfügung stellt, diese Randalierer verfolgen und sie zur Rechenschaft ziehen" will.

"Lebenslänglich! Todesstrafe!" möchte man da assistieren. Für immer wegsperren, Fall erledigt! Das ist das Niveau, das da bedient wird von Hinz bis Kunz. Ich habe von keinem dieser Rechtsstaatsexperten auch nur eine Frage danach gehört, was eigentlich passiert ist. Eine offenbar höchst komplexe Situation von erheblicher Eigendynamik, unter Beteiligung von Personen aus unterschiedlichsten Milieus und Altersgruppen, die sich eher zufällig an demselben Ort aufhielten. Von denen wiederum wurden einige wenige festgenommen.

Die sind jetzt aber alle Randalierer, die randalieren, weil sie randalieren wollen. Weil sie böse sind und keinen Respekt haben. Den müssen sie jetzt lernen, nämlich durch harte Strafen. Es grüßt das Murmeltier und fragt gähnend: Sind die so blöd oder tun sie nur so? Die Situation wäre demnach durch einen Mangel strafrechtlicher Konsequenzen entstanden, ja? Und wenn man jetzt ein paar Schauprozesse den jeweiligen Höchststrafen entgegen beugt, wird etwas besser?

Wir sind dann mal weg

Westliche Rechtsstaaten verlieren gerade ihre Jugend und die Abgehängten. Ein Mix aus Hoffnungslosigkeit, einem Gefühl der Nutzlosigkeit und dem Nachhaltigen Eindruck, weder ernst- noch wahrgenommen zu werden, mag sich da entladen. Es mag auch mit naivem Gerechtigkeitsgefühl zu tun haben. Der Eine bringt ganz legal seine Sklaven durch unwürdige Arbeitsbedingungen um und wird damit obszön reich, der Andere kriegt auf die Mütze, weil er einen Joint raucht. Und der Mann mit dem Geldkoffer meint, er müsse seine schützende Hand über einen korrupten parfümierten Schnösel halten.

Das sind so ein paar Splitter aus dem Staat, dessen Autorität respektiert werden soll - von Menschen, die aktuell sehr viel Disziplin investieren, um trotz völlig widersprüchlicher Ansagen bezüglich Pandemie denen zu folgen, die es nicht für nötig erachten, ihre Entscheidungen transparent zu machen. Da ist keine Autorität. Da ist bloß autoritäres Gehabe, und das geht gerade mächtig nach hinten los.

p.s.: Das offenbar eskalierende Verhalten der Poizei wird zum Ausmaß beigetragen haben; zu den Ursachen eher nicht.

p.p.s./Update: Hier noch ein paar Fakten zu den schlimmsten Unruhen seit dem Hunneneinfall.

 
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Quelle: Pixabay

Sind Nichtwähler als potentielle Wähler und allemal Wahlberechtigte eigentlich auch gemeint, wenn die demokratischen Vertreter® sich an ihr Wahlvolk wenden? Umso mehr vielleicht, als dass sie ja staatsbürgerlich nicht weniger betroffen sind als die Wähler? Sind sie zudem nicht ohnehin erst am Wahltag für einen Wimpernschlag Nichtwähler, nämlich bei Ladenschluss im Wahllokal?

Das sind Fragen. Auf der nächsten Ebene stellt sich dann etwa die, ob Nichtwähler durch ihre fehlende Bereitschaft, das Verfahren (Verarschen, Wählen lassen, Rumwurschteln) zu legitimieren das Recht verwirkt haben, noch von ihren potentiellen Vertretern angesprochen zu werden? Sind ebendiese potentiellen Vertreter aber nicht spätestens, wenn sie sich dem Dilettieren beim Regieren hingeben, verpflichtet, auch und gerade denjenigen, die nicht sie und womöglich auch sonst niemanden gewählt haben, Rechenschaft abzulegen?

Bodenlos

Ist es nicht gar so, dass diese Staatsbürger, die womöglich und teils ausdrücklich dem Ritual aus einem gewissen Ekel oder Überdruss bezüglich der vorangehenden 'Kommunikation' den Rücken kehren, einer besonders seriösen und qualifizierten Ansprache bedürften? Zumal man sie ja - empirisch nachgewiesenermaßen - mit dem üblichen Blabla, rituellen Formeln, Orwellschem Neusprech und doofen Lügen nicht erreicht, kann man diesen Teil des Volks ja angstfrei behandeln wie Erwachsene, denn schlimmstenfalls lassen sie eben, was sie ohnehin nicht tun, nämlich wählen.

Wo also bleibt der Text für uns? Den für die Anderen, die ihr für retardierte Kleinkinder und Wachkomapatienten haltet, haben wir ja einmal mehr zur Kenntnis genommen: "Wumms". "Kraftpaket". Ein Wummskraftpaket habt ihr da gezaubert, allerliebst! Ihr versucht nicht einmal mehr, irgendetwas zu finden, mit dem Inhalte beschrieben werden. Ihr versucht auch nicht mehr, Sprüche zu klopfen, die noch einen schwachen Hinweis darauf geben, worum es gehen könnte. Nein. Ihr brabbelt einfach nur noch Kinderkacke.

Ja und woher kommt es denn nur, dass die Menschen da draußen so viel Unfug reden? Dass sie auf so viel Blödsinn hereinfallen? Dass sie Leuten glauben, deren zum Fremdschämen dämliche Auswürfe obendrein amateurhaft präsentiert werden? Wieso folgen sie jedem Scharlatan, der mit einer angeblichen Geheimwaffe oder einer bizarr psychotischen 'Theorie' aus dem Busch springt? Na? Kommt ihr drauf? Doch, das ist Konkurrenz genau auf eurem Niveau. Glückwunsch!

 
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Es ist ja nicht nur so, dass nichts los ist, wie Kollege Pantoufle mir nachsagt behauptet zu haben (bitte beachten Sie das kompakte Kreiswichsen gegenseitiger Verlinkung, wie eklig!). Vielmehr dreht sich die Welt rückwärts auf der Stelle, um dann doch im nächsten morastigen Loch zu landen, in diesem Fall ein sog. "Focus".

Bei dieser als fünfte Kolonne der kommunistischen Plattform bekannten Postille oder zumindest in einem "Deine Chancen', einem neuen redaktionellen Umfeld" (was immer das sein mag) ist Sahra Wagenknecht gelandet, die ehemalige Hoffnung einer sozialdemokratischen Sozialismus-Simulation mit mächtig flatternden roten Fahnen.

Ausbeuteltiere

Woanders (und das alles werden Sie hier in den Kommentaren gelernt), sagt sie so, wir sollten: "zurück zu einer fairen Marktwirtschaft, die allen nutzt – natürlich mit einem starken Staat". National und ein bisschen sozialistisch, das Ganze inmitten, auch hier stimmt der Kommentar, der rollenden Übernahme durch den autoritären Monopolkapitalismus.

Sozialdemokraten - "Zurück!" - als wäre je irgendwer dort gewesen - zu einer fairen® Ausbeutung? Zurück geht es mit euch nur immer zu demselben strunzdummen Weltbild, dessen letzte Teile nur noch so wacker klappernd im Wind stehen, weil sie nie mit jedweder Analyse in Kontakt kamen. Warum ist es wie es ist? Weil ein paar böse gierige Menschen unfair zu allen anderen sind? Man empfiehlt es ja ungern, aber in dem Fall kann es nicht schaden, sich den Hammer noch einmal in den Schädel zu rammen. Vielleicht hilft es ja; dümmer wirst du davon nicht mehr.

Limbo lull und lall

Mit diesem kindergartenreifen Quatsch macht sie es sich also beim publizistischen Klassenfeind gemütlich und hält das womöglich noch für eine raffinierte Strategie. Der lacht sich eins und kann es vermutlich selbst nicht fassen, so lässig intellektuell unterboten zu werden. Als Verblödungsprofi muss man sich ja schämen.

Das ist alles wichtig fürs Durchhalten, denn es war nie so leicht, ja womöglich unumgänglich, die Verstaatlichung ganzer Branchen zu fordern, von wo aus man hätte eine echte Bewegung in Gang setzen können. Während aber die reaktionären politischen Kräfte längst staatssozialistische Elemente nutzen - freilich in der Hoffnung, den Kapitalismus und die nationalen Eigentümer über den Winter zu bringen - machen sich die Salonsozialisten endgültig zur Kinderwurst. Das kann dann auch weg.

 
bo

Um die leidigen Dispute hinter uns zu lassen, in denen es offenbar darum geht, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln an einer 'Meinung' festzuhalten (siehe auch "reaktionär"), ist es sinnvoll, sich Relevanterem zuzuwenden. Es wird sich im Laufe dieses und des nächsten Jahres ein Abgrund auftun, gegen den der berühmte solche aus 2008, damals entdeckt vom Experten für Rotwein, "Kippen und Pils" Peer Sparbrück, wie ein winziges Löchlein erscheinen wird. Und das nur in Deutschland; woanders wird es verheerend werden.

Wir haben derzeit durch das große C. einen scharfen Blick darauf, was eigentlich wichtig ist und worauf stattdessen die Prioritäten liegen. Viele werden nicht wirklich verstehen, dass dafür nicht jemand, sondern etwas verantwortlich ist, aber auch diese werden es ahnen. Ich bin noch nie auf so viel Verständnis und Zustimmung gestoßen, wenn ich die Segnungen des Kapitalismus erklärt habe, wie in diesen Tagen. Es ist da auch eine Wand durchbrochen worden, durch die eine Erkenntnis hereinkam, die sich schwerlich rückgängig machen lässt:

Die Märkte

Der Markt regelt gar nichts. Er lässt die Menschen achtlos auf dem Gang verrecken, speist hier Menschen, die bis zur sprichwörtlichen Erschöpfung ausgebeutet werden, mit Niedriglöhnen ab, während woanders ein Krisengewinnler sich anschickt, der erste Billionär (engl. "trillionaire") zu werden. Das ist nicht nur so obszön, dass man irre wird, es ist auch tödlich. Nein, nicht für den Superreichen.

Eine ganze Kategorie von abhängig Wirtschaftenden - womit ich vor allem sogenannte "Selbständige" meine - ist im Konkurs. Millionen können ihre Mieten nicht mehr zahlen. Kaum gibt es ein Problem, kaufen hirntote Hamster anderen das Nötigste vor der Nase weg. Danke, Markt! Und selbst wo der 'Markt' beinahe funktionieren will, wird es komisch: Bauern buhlen mit Bestechungszahlungen um Erntehelfer-Sklaven. Nicht einmal das Fressen bringt der heilige Markt auf den Tisch, wenn es einmal schwieriger wird.

Es reicht.

In einem der reichsten Länder der Welt fehlt es für viele nicht nur schon lange am Nötigsten, es wird jetzt ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezerrt: Nicht die Faulen, Arbeitslosen und Blöden sind schuld am eigenen Elend, sondern die Umstände, auf die niemand Einfluss hat, produzieren wahllos Opfer. Da sind wir wie gesagt noch im Vorgarten und keineswegs in der Peripherie, wo unsere Auslandssklaven träumen würden vom hiesigen Mindestlohn.

Fangen wir also ruhig hier an. Ist es jetzt endlich klar, dass jeder Mensch ein Recht auf eine Wohnung hat, aus der er nicht jederzeit hinausgejagt werden kann? Dass auch das Recht auf ausreichend Nahrung ein Grundrecht ist, das nicht durch Tafeln und Schulspeisungen zu sichern ist? Dass auch eine funktionierende Heizung im Winter nicht abgeschaltet werden darf, weil jemand einen Engpass hat? Vor allem aber, dass diese Marktwirtschaft® in diesem Staat, der das Recht auf Eigentum durch Eigentum garantiert, während er es nicht gebacken kriegt, dass überall Brot auf dem Tisch ist, ausgedient hat?

Wann, wenn nicht

Das ist dann auch ganz sicher nicht mit ein paar Steuern hier und einem Sack voll Subventionen da bei Einsparungen dort zu bewerkstelligen. Letztere treffen ohnehin die Opfer der aktuellen Lage und jene, die sich gerade kaputt schuften. Sie nämlich haben kein Eigentum das jemand schützt. Sie haben nur ihre Arbeitskraft, die nichts wert ist, wenn Eigentümer damit ihr Eigentum nicht vermehren können.

Das zu ändern, bedeutet eine Revolution. Die kann man friedlich machen, indem man sich zusammensetzt, erarbeitet, wie man mit all den Ressourcen, die man hat, umgehen und leben will - oder man macht weiter so, Deutschland®; und wartet, bis das Elend mit Feuer und Schwert durch die Straßen zieht. Wie das ausgeht, haben wir schon mehrfach erlebt. Gerade als irgendwie Linksradikaler kann ich das nicht wollen.

 
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"Raus aus der NATO, rein ins Vergnügen" war ein geflügeltes Wort in den 80ern rund um die "Grünen". Wie wir wissen, hat deren späterer Parteiführer ausgerechnet in Serbien ein "Auschwitz" entdeckt und daher im Einklang mit dem Großen Bruder USA gefordert, Deutschland müsse sich an der Bombardierung der Nazis dort beteiligen. Geschichtsbewusstsein at its best.

Derselbe forderte in diesen Tagen wörtlich "Die Deutschen müssen ihren instinktiven Pazifismus hinterfragen". Nachdem alle Kriege der NATO, die Beteiligung der Bundeswehr am Angriffskrieg auf Afghanistan, Flugverbotszonen oder schon die Kriege in Vietnam und Irak auf die einhellige Abneigung der Deutschen gestoßen sind, muss der ehemalige Pseudopazifist einmal mehr darauf beharren, man möge doch endlich wieder Hurra.

Nie wieder Frieden

Von deutschem Boden soll nie wieder ein Krieg verpasst werden, ginge es nach den Atlantikern und ihren Trommelschlägern. Nun hat Deutschland ja enormes Talent gezeigt in diesen Dingen. Nach Verdun und Stalingrad ausgerechnet Afghanistan, der längste Krieg mit Deutschen seit 1648 und so erfolgreich wie die Stellungsschlachten zuvor. Auch dieser ohne die vorbereitende Propaganda durch Kriegstreiber Joschka kaum vorstellbar.

Der Eifer hinter dieser Mordlust muss spätestens dann deutlich werden, wenn man sich die aktuelle Lage anschaut. Die größte Provokation Russlands seit Able Archer, ein NATO-Manöver an Russlands Grenzen, wird gerade durch Corona verzögert. Die Weltwirtschaftskrise reißt alle Gräben zwischen konkurrierenden Mächten auf, und in den USA ist ein Irrer Präsident, der sich für den unumschränkten Führer hält - um nur einige Details zu nennen. Und in dieser Situation sollen die Deutschen also "ihren Pazifismus überdenken".

Failed State

Im Gegenteil zeigen alle aktuellen Entwicklungen, dass eine Kooperation mit den USA nicht mehr möglich und die Vasallentreue zu ihnen fatal ist. Das wird vermutlich auch kein Stück besser werden, wenn mit oder an Corona die innere Ordnung der Vereinigten Staaten zerfällt oder gar explodiert. Wenn bewaffnete Vollhonks ein Parlament besetzen, nennt der Depp in D.C. sie "Gute Leute" und bekennt damit seine Bereitschaft zum Bürgerkrieg. Ob er etwas davon weiß, mögen seine Psychiater beurteilen.

Der andere auf dem möglichen Weg ins Amt weiß eventuell gar nichts mehr, wenn er dort ankommt. Er zeigt deutliche Anzeichen von Demenz, seine Partei findet das prima. Die Frage erübrigt sich, ob das jemandes Kalkül ist oder einfach kollektiver Irrsinn; sicher ist: Die USA sind schon immer die größte Kriegsgefahr und jetzt auch noch ein instabiler Staat. In dieser Situation ist nicht etwa Kritik zu hören vom 'Partner', sondern vorauseilendes Säbelrasseln. Farbbeutel, bitte!

 
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Schon lange bin ich der Auffassung, dass nur eine politische Partei immerhin vage hält, was sie verspricht und ihre Wähler mäßig zufriedenstellt, nämlich die Union. Sie ist im Grunde die optimale Vertretung einer religiös-ideologischen Veranstaltung, die als Begleitmusik und Schlafliedsängerin den Kapitalismus durch alle seine Phasen mit eiserner Ignoranz begleitet. Ihre Wähler wollen genau das: so tun, als hätte sich nie etwas geändert und es würde immer so bleiben.

Die Slogans passten jeweils perfekt. Als noch (und sei es pro forma) das schlimme Andere drohte, versprach sie "Freiheit statt Sozialismus". Das mit der Freiheit war mehr dem Narrativ geschuldet, das war halt der gute Westen und das Andere eben unfrei®. Zu viel Freiheit führt nur ins Chaos. Demgemäß auch der Schwenk hin zum "Weiter so Deutschland", ein Dauerbrenner wie der ewige "Aufschwung" (West, Ost, allerlei), der ebenfalls bildlich die geistige Schiffsschaukel bediente: immer hinauf, ohne den Standpunkt zu ändern.

Nach dem Sturm der Orkan

Okay, Schaukel ohne Abschwung ist ein bisschen komisch, aber so ist das im Kapitalismus eben: Das heißt dann "Negativwachstum" und wird so lange ignoriert, wie nicht der Sozialist daran schuld ist. Dafür ist die Partei ja da, dass es nicht zu intellektuell wird. Alles wird gut - nein ist ja schon gut, wo wir "gut und gerne leben". Die Vorturnerin nennen sie derweil "Mutti". Gute Nacht, gib mir einen Kuss!

Diese infantile Konstellation führt folgerichtig in der aktuellen Pandemie dazu, dass potentielle Anhänger dieser Union sich das Deckchen über den Kopf ziehen und sich das alte Schlaflied singen lassen. Wenn sie dann aufwachen werden und die Schaukel aus der Achse gerissen ist, kann es zu lautem Geheul kommen. Wenn dann auch noch Mutti in den Sack gehauen hat, kann der Rest der Kasperletruppe versuchen, den Kindergarten zusammen zu halten. Vielleicht kommt dann Papa Söder. Der kann das zwar nicht, aber das hatten wir Angie damals auch nachgesagt.

Problem: Der größere Teil der Union braucht demnächst einen neuen Bestimmer im Turnraum. Je nach dem, was den Ambitionierten (ein Charakterzug, der zu einer erzreaktionären Truppe übrigens nicht passt, das ist einer der wenigen Strukturschwächen der Bude) dann einfällt, haben wir sofort den großen Schlamassel: Weiter so im tiefsten Dreck mit einem Saubermann, der zu den großen der Größen aufschließen will, das kann fürchterlich schiefgehen, und diesmal gibt es keine Chance, den blöden Sozen die Aufräumarbeiten zu überlassen.

 
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Nicht alles, was kommuniziert wird, ist eine Erzählung. Es gibt (mindestens) eine Alternative dazu: Wissenschaft. Diese strebt ihrem Zweck gemäß nach Wahrheit. Sie versucht herauszufinden, was ist und was daraus folgt. Ihr Fortschreiten ist davon geprägt, dass neue Erkenntnisse stets zur Überprüfung der alten führen und umgekehrt. Was sich als falsch erwiesen hat, fliegt raus.

Sie strebt weder nach Unterhaltung noch nach Aufmerksamkeit oder Schönheit. Dass ein ganzer wissenschaftlicher Betrieb diese Gesetze oft konterkariert, heißt nicht, dass sie nicht gelten. Verwertungsinteressen oder Karrierezwänge korrumpieren sie, aber wenn ein Wissenschaftler gegen die Regeln der Wissenschaft, besser noch: Wissenschaftlichkeit verstößt, ist das, was er treibt, keine Wissenschaft mehr.

Alles gut

Gerade in der Corona-Zeit erweist sich das als Problem, das Demokratie an ihre Grenzen bringt und zeigt auf, wie der Meinungsmarkt Hand in Hand mit dem Bedürfniss nach Erzählungen Erkenntnis wirksam verhindert. Die meisten Menschen bevorzugen Geschichten, denen sie sie zustimmen können. Sie sind getrieben von ihren Erfahrungen und deren meist wenig komplexen Verarbeitung sowie dem Bedürfnis nach jemandem, der ihnen sagt, dass alles gut werde.

Letzteres ist auf die eine oder andere Weise zu haben: Die Einen übergeben sich der Autorität, von der sie Schutz erwarten. Dafür verzichten sie auf ihre ohnehin geringen Freiheiten. Dies sind vor allem sog. "Konservative". Die Anderen stecken den Kopf in den Sand und ziehen ihn nur heraus, um sich von ihren Autoritäten bestätigen zu lassen, dass alles in Ordnung sei. Krise? Welche Krise? Alles nur erfunden, aufgebauscht und abgekartet, Mittel zum Zweck. Es besteht gar keine Gefahr.

Alles Idioten

Diese beiden Fraktionen wissen voneinander. Jeder, der in einer Stellung bezogen hat, ist umgeben von Vertretern der anderen, und alle sind sie sich sicher, dass die Anderen alle Idioten sind. Vielleicht haben sie beide sogar recht.

Wissenschaft ist selten einfach, und sie erfordert ein strikt wissenschaftliches Denken. Die Materie ist stets komplex, und je dünner die Informationsdecke ist, desto schwieriger ist das Fortkommen, insofern ist sie vergleichbar mit einem Puzzle oder einem Kreuzworträtsel. Letzteres löst man nicht, indem man in eine bestimmte Reihe immer dieselben Buchstaben einträgt.

Alles ganz einfach

Das Rätsel einer Pandemie hat sehr viel mit Logik, Statistik und Mathematik zu tun. Ein Fehler der journalistischen Erzähler und ihrer Zulieferer aus der Wissenschaft ist immer wieder der zu glauben, man könne auch etwas verstehen, wenn man das alles weglässt. Ein vereinfachtes Verständnis ist aber oft das Gegenteil von Verständnis.

Die in Entscheidungsprozessen oft notwendigen Einschätzungen, die mangels hinreichender Informationen vorgenommen werden, führen beim Publikum oft zu dem Irrtum, 'die' wüssten es ja auch nicht besser und daher sei das Ungefährwissen des Laien dem Fachwissen ebenbürtig. Kopfschmerzen!

Sie machen sich in der Regel keinerlei Vorstellung davon, was es bedeutet, ein Risiko zeitnah einschätzen zu müssen. Das macht kein Wissenschaftler und auch kein Politiker freiwillig. Das ist ein Scheißjob, ganz ohne dass eine geheime Weltregierung die Befehle dazu erteilt.

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