politik


 
xx

Ich genieße weiterhin in dieser Mischung aus Schauer und Faszination, wie sich der Kollege Kay Sokolowsky mit den Niederungen des Parteipersonals kontaminiert, halte aber weiterhin einen gewissen Ekelabstand von derlei Versuchen. Ganz prinzipiell will ich aber noch einmal die vom Verein Empörten quasi erniedrigen.

Als ein fader Typ mit Doppelnamen und einer drögen Tante an seiner Seite eine 'Wahl' gegen eine Irrelevante und den großen Minister 'gewann', versammelten sich auf der Empore zunächst, wie es der Kult verlangt, die Braven und Korrupten. Ein weiterer Tiefpunkt, ach was, ein Untergang, stellten die neuen Parteimaskottchen doch alles infrage, was in den vergangenen Jahrzehnten zur Beruhigung der Märkte und ihrer Eigentümer beigetragen hatte. Und obendrein die Große Koalition!

Revolution ...

Kurz darauf, als die vermeintlichen Revoluzzer bereits alle Lampen geputzt hatten, hallte es von der Gegentribüne: "Verrat!" Aus der SPD. Da keimte Hoffnung auf - hätten sie wirklich endlich das V in "SPD" gefunden? Wüssten sie plötzlich, wo sie waren? Keine Sorge, so viel Erkenntnisschock muss da nicht verdaut werden. Morgen setzen sie wieder auf die Basis®, ihren treuen Dackel, mit dem der Schwanz 'Fraktion' so lustig wedelt und warten auf den nächsten guten Mann®.

Dabei hatten sie zuletzt bereits zwei, die auf dem Weißen Pferd eingeritten waren. So viel Scherz muss sein, wie sonst soll man sich über so etwas wie Hannover hinweg trösten? Aber zurück zum Thema: Die wilden Rebellen, Reformer der Reformer (ja, lieber George, wir sind völlig durcheinander mit den Wörtern, bedeutet "Reform" doch längst Reaktion und Unterdrückung, aber als Gegensatz zur Revolution passt er noch so gerade), jene der Linken® also, drohten eine Koalition zu verlassen. Nicht, sich gegen das Kapital zu wenden; auch nicht, irgendetwas an den Machtverhältnissen zu ändern. Nur halt: Mal nicht gleich ganz und gar im politischen Rektum des Kapitals zu verschwinden.

... und Realismus

Kaum waren die Rebellen also an der innerparteilich-innerparteilichen 'Macht', stellten sie aber fest: Keiner da. Nix los. Nicht mal Teil eines Teils des Gesetzgebungsverfahrens, seinerseits Nebenschauplatz eines Unterausschusses der realen Macht. Macht man denn da? Guckt ein Stüfchen höher, wo die Fraktion sitzt, in jener Anstalt, deren Insassen zumindest das Gefühl einer Entscheidungskompetenz spazieren führen dürfen. Hat sich denn da geändert? Aha, nix. Oder doch: Von oben schallt es herab: „Schnauze, oder wir verprügeln eure Frauen und Kinder!“

"Blöd", erkennt der neue Unterchef vom Unterchef. Machen wir denn da? Rebellion? Ach nee, haben wir ja gerade, deshalb stehen wir ja hier. Und sonst? Erst mal die Lage beruhigen, um neue Kraft zu schöpfen. Vielleicht ein paar Lampen putzen. Und ein paar Plakate kleben, auf denen vor den bösen roten Horden gewarnt wird. Gute Idee, das sorgt für Konsens, und Konsens war ja immer schon der Weg.

 
xx

Eigentlich mag ich ja Demos, Radau und Rebellion, aber die Treckerrallye gestern und heute entlockt mir diesen Mix aus Gähnen und Zähnefletschen, der quasi symbolhaft für mein derzeitiges Verhältnis zum Politischen ist. Was wollen sie denn so?

Bauern. Beschweren sich, dass (Umwelt-)Auflagen der Bundesregierung kleine Höfe kaputtmachen, weil die sich die nötigen Investitionen nicht leisten können. Das können nur Großbetriebe bzw. Konzerne. Ach was, echt jetzt? Es gibt Gesetze, die Konzentrationsprozesse auslösen? Im Kapitalismus? Ja leck' mich fett!

Kinders, das Kapital braucht Spielplätze. Was sollen die mit kleinen bis mittleren Höfen in Familienbesitz, die man nicht kaufen kann, geschweige denn übernehmen, ausschlachten und ausspucken? Ach so, sie wollen sie kaufen, übernehmen, ausschlachten und ausspucken. Kapital will kaufen und profitieren. Na sowas!

Das Echo

Und jetzt wird es hart für euch, Freunde: Wer hat denn Jahrzehnte lang zu 80% CDU/FDP gewählt? Hm? War ich das? Waren das die linken Spinner hier draußen? Die Dödel aus der Stadt? Wohl eher nicht. Jetzt kriegt ihr die Quittung für eure Treue zu Papst, Vaterland und Kapital und entdeckt auf einmal den Aufstand. Krasse Rebellen seid ihr!

Nun, ihr seid ja die Fleißigen, Ehrlichen und Gläubigen, die immer gewusst haben, dass die Faulpelze von Gott und seinem Markt bestraft werden. Dass sie gefälligst Initiative zeigen sollen, Eigenverantwortung®! Jetzt nach (noch mehr) staatlichen Hilfen zu schreien, das ist doch Sozialschmarotzerei, oder?

Setzt euch gefälligst eine Hüpfburg auf die Weide und kauft euch Ponys, um damit verwöhnte Mittelschichtsblagen zu bespaßen; baut aus eurer Scheune einen Gourmettempel für solvente Großkotze oder macht aus eurer kleinen Farm eine Location für rustikale Porn-Events. Lasst euch gefälligst etwas einfallen! Immerhin habt ihr noch Land und Besitz, aber das kann sich verdammt schnell ändern, wenn man einmal überflüssig geworden ist.

 
xx

Einer der vielen Romane, die ich nie schreiben, jedenfalls nicht fertigstellen werde, ist die Geschichte eines 'Preppers', vielmehr seiner Familie. Der Alte Herr ist selbstverständlich Nationalist (in seinem Verständnis ein "Patriot", was ja etwas völlig anderes ist), autoritärer Gesinnung (die Einen nennen es "konservativ", die Anderen verweisen auf Farbe und Geruch) und glaubt nichts von dem ganzen Klimbim, das die Linken verzapfen. So wie diese kommunistische Verschwörungstheorie vom Klimawandel.

Er aber ist vorbereitet ("prepared", daher "Prepper"), auf den von Juden und Kommunisten angezettelten Bürgerkrieg sowie ein mögliches Armageddon, womöglich auch in der Geschmacksrichtung Zombieapokalypse. Alles eingekellert: Nahrung für Monate, Wasserreinigungsanlage, Gasfilter, Brennstoffzellen, Batterien, Sprit, Benzin, Notstromgenerator, Knarren, Munition und SUV.

An die Möse

Während Linke über solche Spinner nur lachen können, kommt es wie es kommen muss: Das Wetter dreht durch, Klima kaputt, Noch mehr Hitze, Brände, Überschwemmungen, das Ende des Kapitalismus weil der Zivilisation. Die Linken haben also recht, und die Prepper überleben. Es gibt schlimmeres als ein Volk von Telefondesinfizierern, und hier haben wir sie, die neue Menschheit. Unser Protagonist, so viel Rache muss sein, stirbt aber bald nach Eintreten der Katastrophe an Wundbrand, weil er sich in den Fuß schießt und Antibiotika für jüdisches Gift hält.

Warum erzählt er das? Nun, weil unter anderem das Niveau der Weltpolitik auf Kindergartenniveau gesunken ist. Jede Beleidigung, Lüge, Unterstellung - gern alls In Kombination - ist willkommen. Während einige noch immer taub und strunzdumm die politischen Feinde "Machthaber", "Populisten" oder "Autokraten" nennen, ist der größte Freund ein kleinkindlicher Troll, der stolz darauf ist, Frauen "an die Möse zu packen", nur in Kategorien wie "supersupergut" oder "ganz ganz böse" kommuniziert und ein Mobbing pflegt, das nicht einmal ein Schulbully in seiner eigenen Gang wagt.

Wäre das wiederum so unerhört, dass erstens wenigstens irgendein Außenpolitiker diesem Affen einmal sagen würde, dass er einer ist und es zweitens im Vergleich zu anderen Halb- und Dreiviertelaffen eine eigene Kategorie wäre, man könnte es ja als vergänglichen Einzelfall abtun. Ist es aber nicht; vielmehr gibt es Blödheiten, Gepöbel und Stammtischgehabe in allen Abstufungen, weltweit und ohne eine Insel, auf die man sich davor retten könnte.

Nichts ist unmöglich

Die Autorität hat ihre Maske abgelegt, ohne die sie nicht mehr wirkt. Auch und gerade die Demokratiesimulation des 20. Jahrhunderts war darauf angewiesen, dass die Massen ihren Stellvertretern ein Maß an Autorität verliehen, ohne das die Befehlsketten reißen. Eine soziale Ordnung, an die niemand glaubt, zerfällt. Immer. Eine Autorität, die sich ganz unverhohlen selbst lächerlich macht, wirkt nur noch bei denen, die sich unbedingt unterwerfen wollen. Mit diesen lässt sich kein Staat mehr machen, sehr wohl allerdings ein faschistischer Pöbel, vor dem der Rest sich fürchtet.

Dieses Muster wiederholt sich immer wieder. Wenn die religiösen, sozialen und politischen Formationen sich nicht mehr mit Sinn aufladen lassen, wenn die Mächtigen und ihre Vertreter keine Legitmation mehr haben, bleibt nur Abwendung von der Ordnung oder blinder Gehorsam gegenüber einer, mit der man sich identifizieren kann. Ein einfaches, eine Zeitlang stabiles 'Wir', das stets auf ein feindliches 'Ihr' bzw. 'Die' angewiesen ist. Das ist kein Verdienst irgendeiner gefährlichen politischen Kraft, sondern schlicht das Symptom der Dekadenz.

 
xx

Wisst ihr, wie wir 1975 das Ende der Naziherrschaft gefeiert haben? Ach was, das war ja schon 30 Jahre her. Wer wollte das schon wissen? Ach doch, ja: Dresden, das arme Dresden! So viel Trauer! Überhaupt war der Schwerpunkt der Bewältigung vom Grauen Star geprägt Selbst Walter Scheel, der immerhin wusste, dass da auch Juden betroffen waren, meinte:

"Am Ende blieb nur noch ein Volk übrig, um gequält, geknechtet und geschändet zu werden: das eigene, das deutsche Volk" und bediente brav das Narrativ: "Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden."

Gute, Böse, Opfer

Nee klar: Wer tot ist, leidet nicht mehr (und die Nachkommen sind ja alle gut drauf). Selbstverständlich haben die guten Deutschen (immer die Mehrheit) der guten Sache gedient.

Alles paletti, hat doch einer der größten Großdeutschen überhaupt ganz rechtzeitig Tacheles geredet, der noble Herr Adenauer:

"Das deutsche Volk trägt diese schwerste Zeit seiner Geschichte mit heldenhafter Stärke, Ausdauer und Geduld, mit einer geduldigen Stärke, die stärker ist als alle Not. Ich habe mich seit 1933 oft geschämt, ein Deutscher zu sein, in tiefster Seele geschämt: vielleicht wusste ich mehr als manche andere von den Schandtaten, die von Deutschen an Deutschen begangen wurden, von den Verbrechen, die an der Menschheit geplant wurden."

Seziert das bitte selbst.

Tätervölker, relativ

"Im Großkapital aber waren Juden durchaus maßgebend." Sicher, da muss man was machen. Hat er auch, im direkten Anschluss endlich. Die Juden waren nicht schuld an ihrer Vernichtung, endlich hatte es mal einer gesagt. Dass für Adenauer die Nazis "Sozialisten" waren, zieht sich derweil quer durch seinen Vortrag. 1946.

Mein Money Quote:

"Aber wir wollen nur den treffen, der wirklich schuldig ist; die Mitläufer, diejenigen, die nicht andere unterdrückten, die sich nicht bereicherten, keine strafbaren Handlungen begangen haben, soll man endlich in Ruhe lassen." Endlich! 1946. Bereichern tun sich nur Sozialisten. Weiß man doch. Unmoralisches Pack!

Stirn und Faust

Ich bin ein Mensch, insofern zu mehr als 90% Affe, und meine Reaktion ist demgemäß: Meine Faust will in diese Schädel, in denen Hirne sitzen, die ihre Dummheit durch Dreistigkeit kompensieren wollen. Ich will Rache. Ich will diesen Gefühllosen Drecksäcken Erkenntnis und ein Minimum an Empathie einprügeln, bis ihr Zustand aus physiologischen Gründen zu ihrem Geschwätz passt. Genau deshalb habe ich es aber weder mit Moral noch mit Gewalt. Sprache ist das Medium der Vernunft; leider steht sie meist im Dienst der Affen.

Nein, ich wäre sehr für so etwas wie Geschichtsbewusstsein, wozu gehört, das sagt der Begriff, dass man weiß, was sich so geschichtlich zugetragen hat. Das Gegenteil davon ist zweitens Verdrängung und erstens die Pflege von Feindbildern. Was mir bleibt an somatischer Reaktion, ist das kalte Kotzen, das tut nur mir weh. Rational ist es die holde Ironie: Allen geht es besser. Danke, Kohl!

Mein Beitrag zum lächerlichen Jahrestag schließlich ist die Erinnerung an meinen ersten Gedanken zur nationalbesoffenen Glückseligkeit damals: "Den Kater werdet ihr nicht überleben". So sind sie halt, die Miesmacher.

 
rk

Wie ich höre, finden die Grünen Hartz IV ganz schlimm und schimpfen daher auf die CDU. Das ist so denkwürdig bescheuert, dafür werden sich zwei der letzten drei Satiriker des Landes die Kugel geben. Was neulich noch als "Geschichtsvergessenheit" ein furchtbares Phänomen war, geht inzwischen in den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses über. Was interessiert mich mein Geschwätz von vor fünf Minuten?

Lähmung allerorten. Nach 14 Jahren Rauten-Chucky aka die Bleierne ist es schlimmer als nach 16 Jahren Kohl. Wenn die Altherren-Bierfurzpartei AfD einem Viertel der Bekloppten da draußen schon als frische Brise erscheint, weiß man, in welcher Mocke der Betrieb es sich gemütlich gemacht hat. Was vor 40 Jahren schon gelogen war, wird derweil weiter gebogen, und just heute hetzt das Revolverblatt, dessen Namen in diesem Blog nicht genannt wird, ausdrücklich gegen die "Faulheit" der Arbeitslosen, die gefälligst "bestraft" gehört.

Einer geht noch

Kürzung auf Null wollen sie weiterhin, aushungern, das Dreckspack, und ein Gericht, das das endlich auch im Land der Mörder verbietet, sollte wohl besser der Lynchjustiz Platz machen. Das Volk® weiß schließlich am besten, wer nicht essen soll und nicht atmen. Woher kommt bloß der ganze Hass? Und dann diese Rechten, wie können die so stark geworden sein? Man versteht es nicht.

Da draußen sitzen freilich noch immer welche, die von "Rot-Rot-Grün" träumen. Habe ich eigentlich je erklärt, was ein "Clusterfuck" ist? Das kommt von "Cluster" wie Bündel oder Verbund. Ich bevorzuge das Bild eines in sich verschachtelten Etwas, ähnlich wie eine Matroschka oder eine Endlosspiegelung. So ist das auch, wenn Blödheit Kopfschmerzen auslöst, die man zu kompensieren versucht, indem man sich mit dem Hammer in die Fresse schlägt und mit dem Folgeschmerz ebenso verfährt. Rot-Rot-Grün, ja sicher!

Im Widerstand

Für den modernen politischen Entrepreneur gibt es da schließlich noch die außerparlamentarische Bewegung, der man sich auch einfach per Bankeinzug anschließen kann. Zum Beispiel diesen Komikern mit der Hakenkreuzfahne oder freitags dem Mützchenmädchen. Derweil schaffen andere Fakten, Fakten, Fuckten und tun einfach, was zählt: Produzieren, am liebsten SUVs.

Eine Viertelmillion hat allein BMW im dritten Quartal 2019 verkloppt, Zitat: "Hier trug insbesondere das rasante Wachstum des mittelgroßen Modells X3 mit einem Plus von 74 Prozent bei. Und der hochpreisige Riesen-SUV X7 kommt offenbar immer besser bei der Kundschaft an. BMW lieferte im dritten Quartal fast genauso viele Fahrzeuge des riesigen Modells aus, wie im gesamten ersten Halbjahr." Fry Days For Future!

 
xx

Die FDP war schon immer meine Lieblingspartei. Als das alles begann, ich also mein Interesse für Politisches entdeckt hatte, wurde Helmut Schmidt gegangen, woran der auch von mir unterzeichnete Krefelder Appell einen gewissen Anteil hatte. Entscheidender dürfte freilich Genschers Schwenk gewesen sein, dem die historische Leistung gelang, die SPD zu verraten und mit Kohl ins Bett zu gehen. Das war ganz schön eklig.

Sie haben dann auch nicht lange gefackelt und - das ist Deutschland hier - das neoliberale Halali nicht nur geblasen, sondern gründlich verschriftlicht, im sog. "Lambsdorff Papier". Graf Otto von L. war Kohls Wirtschaftsminister, ein ausgesprochen verlässlicher Lieferant seiner reichen Klientel und der erste unter vielen FDP-Nasen, die der kleine Mann von der Staße® nur zu gern gebrochen hätte. Damals trauten sie sich noch nicht, so einen zum Vorsitzenden zu machen. Dann kamen aber Kinkel ("Partei der Besserverdienenden"), Gerhardt, Westerwelle und Lindner. Ja, das Röschen auch, aber den können wir vergessen.

Die Besten der Besten

Sie lieben Kapital, und unsere Armut kotzt sie an. So weit, so frei® und demokratisch®. Sie machen im Grunde einen guten Job, denn ihre Gegner hassen sie mit Fug und Recht und ihre Klientel wird fürstlich bedient, von vorn, von hinten und ins Knie. Aber. Sie vergessen gern und derzeit offenbar endgültig, dass die FDP eine politische Partei ist. Um also ihren eiskalten Klüngel erfolgreich betreiben zu können, sollten sie in der Lage sein, sich zu verhalten wie eine.

Tzia. Während das Schwiegersöhnchen an der Spitze damit ausgelastet ist, sich uneingeschränkt geil zu finden, fällt der Rest der Bande allenfalls auf, wenn wieder einmal wem der erschlichene Doktortitel aberkannt wird. Dass politische Optionen - Basis eben für jede Propaganda - gelegentlich erkannt und wahrgenommen werden müssen, weiß dort niemand mehr. Während nämlich in anderen Sessel- und Pöstchenvereinen die Gemütlichkeit immerhin noch einen Wert hat, tun sie bei den 'Freien' ihren Dienst nur mehr aus Überzeugung - aus der, qua Geburt etwas Besseres zu sein.

Dann eben nicht

Was dabei rauskommt, sieht man allenthalben: 'Jamaika' im Bund war nicht gut genug. Dafür ist man zu sexy. Mit SPD und Grünen? Haha, guter Witz! AfD? Da kriegt man ja dreckige Hände, trotz aller inhaltlichen Übereinstimmungen. Die Linke? Ohgottogott! Nicht einmal in Thüringen und nicht für einen Tag. Wir sind ja gern wichtig und würden dafür auch wieder regieren, aber doch nicht mit denen, denen oder gar denen!

Und so geht sie dahin, die Herrlichkeit. Das wird übrigens kein bisschen besser. Auch nicht bei den Grünen. Die folgende Generation ist durch Verwöhnung derart verblödet, die können gar nichts mehr. Ach doch: Jammern und Safespaces fordern, während der Rest der Welt auf der Flucht aus rauchenden Trümmern ist. Was bleibt, ist eine CDU/CSU, die gar nicht merkt, dass es nichts mehr gibt, was noch zu konservieren wäre und ihr revolutionärer Arm. Da wird schon etwas zusammenwachsen. Und wenn man sich daran erst einmal gewöhnt hat, kann irgendein Brüning wieder die Schlüssel übergeben.

 
xx

Der Rechtsextremismus (bessere Hälfte des Evoliure - Extremismus von links und rechts) ist so gut wie besiegt. Auf "Halle" reagiert das empörte Volk mit Lichterketten und Gottesdiensten! Dann können wir uns ja wieder ganz dem Linksextremismus zuwenden. Der Volksjournalismus Springerscher Tapferkeit prescht bereits vor und verhaftet die Schuldigen. Eimer bereithalten!

In der Nachbarschaft hat sich das Niveau ebenfalls zu Schutz und Trutz im Matsch eingegraben und rückt der bösen Linken® mithilfe neutraler Rechtsaußen auf den Pelz. Die Bedrohung durch den um sich greifenden Marxismus ist nicht hoch genug überzubewerten. Derweil erkennt die intellektuelle Speerspitze des linken® Bloggertums, dass Luther - wie Goethe und Marx - nur wegen übertriebener politischer Korrektheit als Antisemit gilt. Wenn der Heini noch einmal behauptet, er hätte mein Buch gelesen ...

Der Täter

Ceterum Censeo: Es gibt keinen Schuldligen vor einem rechtskräftigen Urteil. Der Verdächtige, besser: der Typ, der auf den Filmen von der Tat zu sehen ist, war nicht "antisemitisch" oder "rechtsextremistisch" motiviert. Jedenfalls nicht ausschließlich, ebenso wenig wie Ischlamischte® islamistisch motiviert sind. Das ist Stammtischniveau.

"Motiv" bedeutet Beweggrund. Was bewegt einen Täter zur Tat? In solchen Fällen zumeist eine beachtliche psychische Störung. Wären Antisemitismus, Islamismus oder Extremismus hinreichende Motive, würden die Menschen sich täglich massenweise ermorden. Dass also ein Irrer Amok läuft, ist kein Hinweis auf "wachsenden Extremismus". Ebenso wenig aber macht ihn das zum Einzeltäter®.

Der Rechtsextremismus muss auch gar nicht wachsen. Die stillen Morde und täglichen Verbrechen gegen Schwache und Minderheiten sind viel mehr Symptom als der sensationelle Fall, mit dem die Medien jetzt ihr Geschäft machen. Sie zeigen überdies, dass Juden eine Opfergruppe unter vielen sind. Wer sich näher damit befasst, weiß ohnehin, dass sie Gegenstand extremer Verschwörungstheorien sind, die wiederum mit bestimmten Gruppen und psychischen Dispositionen zusammenhängen.

Die Schreibtische

Der Hass der Rechten ist ebenso banal wie die Auswahl der Opfer durch ihre Gewalttäter. Er ist selbstverständlich eingebettet in eine Atmosphäre, die solche Taten begünstigt oder hemmt. Die Abwertung von Menschen als in letzter Konsequenz lebensunwürdige wiederum ist vielschichtig - und in der Tat eng mit rechten Ideologien verbunden. Der Neoliberalismus ist eine der aggressivsten davon, aber er trägt immerhin Anzug und Krawatte.

Die rechte Infrastruktur wiederum ermutigt potentielle Gewalttäter ungemein. Sie besteht dabei nicht nur in Landstrichen irgendwo im Osten, in der Negerklatschen verbale Folklore ist (Opfer finden sich allerdings nicht so leicht, der Migrantenanteil tendiert gegen Null), sondern vor allem in den Netzwerken von Faschisten in Polizei, Bundeswehr und vor allem den 'Diensten'. Rechter Terror wird von diesen geradezu aufreizend gedeckt. Wenn rechte Spinner glauben, der Staat im Staate warte nur darauf, einen faschistischen Umsturz zu unterstützen, können sie sich leider auf reichhaltige Fakten berufen.

 
xx

Was politisch so abgeht ... hallo, ist das hier ein politisches Blog? Kommt drauf an, wer fragt, und hey - es gibt doch auch das Archiv, da stehen jede Menge Kommentare zu Wahlen, Gesichtern, Wählern, deren Gesichtern, Willensbildung und anderen lustigen Geschichten aus dem Taschenbuch des Lebens.

Ich habe eben gar gelesen, dass irgendwer mit irgendeinem Namen eine Wahl gewonnen haben will und wer mit einem anderen Namen eine andere. Ich habe sie mir bis heute nicht gemerkt und da wird auch nix mehr draus. Ansonsten haben mehr Nazis mehr Nazis gewählt, weil sie mehr Nazi wollen. Lieber Nazi als BRD und Ausländer in Bundesländern, die sie ohnehin nie bereisen werden.

Glaube miir ...

Man hat ihnen wohl, verdammt aber auch, die Ziele und die Moral der Guten schon wieder nicht richtig vermittelt. Zu dumm! Wer? Ach so, natürlich alle. Diese Demokratie-Simulation versinkt in einem Sumpf aus Blödheit. Das hat durchaus Gründe. Zum Beispiel den, dass Kapitalismus es nicht so mit der Wahrheit hat.

Mit der Wahrheit hat noch nie jemand ein Auto verkauft, geschweige das zehnte Händie. Mit der Wahrheit kann man auch ganz schlecht die Anpassungsleistungen der Apparatschiks an den großen Betrieb verkaufen. Die Ideale von vorvorgestern, bei deren Verwirklichung immer wieder etwas dazwischen kam. Jetzt das Erwachen mit Schrecken, weil die Dummbatzen da draußen dieselben Versprechen beim hundertsten Mal plötzlich und unerwartet nicht mehr glauben.

Was macht derweil die Alternative zur Alternative, das rechtspopulistische Biertischgeschwür "CSU"? Sie schicken einen PR-Fuzzi [YT; Warnung: Eine Lobotomie ist gnädig dagegen.] aus dem eigenen Gedärm ins Rennen gegen einen Youtube-Kasper, der den Unmut der Jugend jüngst recht adäquat zu formulieren wusste. Armin Petschner, der im echten Leben noch viel weniger hip aussieht als in seinem peinlichen Video, hat genau die wilde Vita, die für die nötige Street-Credibility sorgt:

Influenzer A

Zunächst "politischer Referent" der Jungen Union Bayern (Wat dat? Gedungener Parolendrescher?), dann "persönlicher Referent des Chief Operating Officers" der Münchner Sicherheitskonferenz, mithin Diener des ersten Dieners von Wolfgang Ischinger. Als wäre das nicht schon Rock'n Roll genug, verdingt er sich in einem Fuzzitum, das PR-Zeugs in der Furzglocke des Oktoberfestes (nämliches, CSU, Hypo Vereinsbank, FC Bayern u.ä.) erstellt: "creative and social media optimized content strategy" - BINGO!

Glaubhafter geht nicht - glaubt die CSU und verbrennt das nächste Babyface nach dem Amthor Philipp. What comes next? Werden sie Dorothee Bär mit einem Mützken über den Zöpfken auf der Gorch Fock anbinden und auf den Atlantik schleppen lassen? Oder muss es am Ende doch der arme Söder Markus alles selber machen? Wie dem auch sei, es wird Demokratie® ganz neu vermitteln. Sicher.

 
xx

Zurecht hat der deutsche Außneministern Russlands Machthaber Putin scharf für die Menschenrechtssituation in dessen Reich kritisiert. Insbesondere die Verhaftung und Abschiebung kritischer Journalisten wirft ein deutliches Licht auf das Regime und seine Methoden.

Demonstranten werden in Schnellverfahren verurteilt; die anwaltliche Vertretung der Beschuldigten ist eine Farce, die nur dazu dient, ihnen eine effektive Verteidigung zu verweigern. Derweil wird das Volk aufgehetzt gegen alle, die ihr demokratisches Recht auf Protest wahrnehmen wollen. Diese werden als militante Chaoten dargestellt, vor denen man Angst haben müsse.

Methoden einer Diktatur

Bei ähnlichen Veranstaltungen hat Putin bereits gezeigt, dass er auch vor Stasi-Methoden nicht zurückschreckt. Hier reichte schon der "Verdacht auf Vorbereitung" angeblicher Gewalttaten, um Hunde auf Demonstranten loslassen zu können, denen die politische Polizei zuvor Geruchsproben entnommen hatte.

Einschüchterung, willkürliche Verhaftungen, Schauprozesse ohne anwaltliche Vertretung, Staatspropaganda, um Angst gegen die eigenen Landsleute zu schüren, und alle heimischen Medien machen mit. Ausländische Medien werden derweil an der Arbeit gehindert oder zumindest diskreditiert. Wer bedient sich solcher Methoden?

Die Putins der G7 treffen sich jährlich, um im Rahmen ihrer Gespräche zur Koordinierung der Interessen des Kapitals ihre Macht zu demonstrieren. Sie lassen sich eine Stadt oder zwei absperren, werfen das Volk raus, verhaften jeden, der ihre Gemütlichkeit zu stören sich anschickt und hauen nach dem Abräumen des Büffets wieder ab in ihre Regierungsbunker. Das ist gelebte Parlamentarische Demokratie®; so sieht sie aus, dafür ist sie da. Der mündige Bürger kann sie nach freiem Willen wählen oder bestätigen. Das ist seine Freiheit.

 
xx

Bundesarchiv B 145 Bild-F049327-0028 Wegmann, Ludwig

Als Wissenschaftler lebt man ganz gut mit der Erkenntnis, das diese ein Haltbarkeitsdatum hat. Das veranlasst zwar manche Geisteswissenschaftler, sich in ein Geschwätz einzuwickeln, das den Hauch der Ewigkeit verströmt (weil es sich so anfühlt, wenn man das liest), aber gerade je genauer man etwas wissen will und je kritischer man sich selbst prüft, desto mehr dominiert der Zweifel.

Für Nichtwissenschaftler ist das tendenziell eine Einladung, sich religiösem Firlefanz zuzuwenden, denn entweder sind die Antworten auf deren Fragen immer unbefriedigend, weil mit doppeltem Boden versehen, oder sie sind gelogen, was sich früher oder später rächt. Also mutet man ihnen zu, irgendwem etwas zu glauben, was sie nicht verstehen. Dann kommen die Experten, mit denen die Korruption und die Propaganda.

Freies Stimmvieh

Mithin gibt es eigentlich keine Alternative als sich selbst zu informieren, selbst zu lernen und zu studieren, wenn man verstehen will. Dies wiederum überfordert viele, insbesondere ausgerechnet diejenigen, die sich für besonders schlau halten, weil sie eine Abkürzung zum Wissen kennen. Bedient werden sei damit von Scharlatanen, die auf alles dieselbe Antwort vorhalten und mit schwindelerregenden Argumenten 'beweisen', dass es Götter, Einhörner und geheimnisvolle Kräfte gibt.

In einer Massengesellschaft führt das unweigerlich dazu, dass sich Herrschaftsstrategien durchsetzen, die auf Entmündigung, Manipulation und autokratische Führung hinauslaufen. Dies umso mehr, je korrupter die Instanzen bereits sind, die einerseits informieren und andererseits zu Entscheidungen führen sollen. Das kann nicht im Sinne eines Wissens funktionieren, das auch nur halbwegs auf der Höhe der Zeit wäre.

Mit anderen Worten: Die Entscheidungen, die in einer 'Demokratie' getroffen werden, beruhen notwendig auf Desinformation, Manipulation, Dummheit und einem Mix kruder Religionen, von denen deren Anhänger oft gar nicht wissen, dass es welche sind. Daran scheitern die meisten nicht-autoritären Ansätze einer politischen Organisation und es erklärt dementsprechend, warum sich immer wieder autoritäre durchsetzen.

Bottom Up

Die einzige Chance für eine wirklich demokratische Alternative ist die, dass Entscheidungsträger wissen, was sie tun. Dies wiederum bedeutet für die meisten Entscheidungen, dass sie von unnötiger Komplexität befreit werden. Wenn Menschen vor Ort, dort, wo sie leben, über das entschieden, was sie selbst betrifft, wenn sie diejenigen kennen, die Entscheidungen umsetzen und sich mit allen anderen austauschen, die von ihren eigenen Entscheidungen betroffen sind, wäre schon sehr viel gewonnen.

Auch das spricht - auf der rein organisatorischen Ebene - für eine Priorität der Kommune über die anderen (überregionalen) Ebenen. Damit ist das Problem noch nicht gelöst, dass es für komplexere Probleme nach wie vor 'Experten' bräuchte, aber die wiederum müssten sich vor Menschen verantworten, die gelernt hätten, welche Konsequenzen die eigenen Entscheidungen haben. Sie wären eben keine bevollmächtigten Stellvertreter mehr.

Nächste Seite »