kunstlyriklamauk


 
ds

Zehn Jahre vergehen so schnell, Zustände nicht. Die werden nur schlimmer, obwohl sie sich gar nicht ändern. Wie machen sie das bloß? Ein kleiner Rückblick in die Gegenwart ist wieder fällig. Vorwärts und verdammt nochmal nicht vergessen! Zetbe den Februar 2013:

Wer ist Verbindunsgsstelle 61?

Oops, erwischt! Wer konnte das ahnen, dass unser Nazinetzwerk aka “Geheimdienste”, diesmal der BND, eine bewaffnete Einheit unterhielt, von der nicht einmal – der BND wusste. Ja nee ist klar: Nackt im Spind, die Nachtschicht wütet! Bei einem der vielen bunten Abende mit eingeseiften Kameraden kam vermutlich jemand auf die bierselige Idee, das Gestapo-Rollenspiel mal so richtig zu spielen, mit echten Waffen und draußen. Die Besten der Besten können schließlich nicht ewig hinter den Kollegen aus der NATO zurückstehen.

Die Staatsanwaltschaft stellte aber kurz darauf fest: Gibt es gar nicht, gab es gar nicht, niemand ist verdächtig und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen gelten in diesem Fall als solche für Persönlichkeiten aus Gestapo-Ersatzstoff, mithin ein Staatswohl. Gehen Sie weiter und kommen sie das nächste Mal bitte in adäquatem Zwirn (Rote Armbinde auf schwarzem Grund).

Erlösung ist nah

Auch pfundig eine immerwährend gültige Erklärung für Dellen, Täler und Schluchten im Aufschwung:

Die Bundesregierung geht von einem baldigen Ende der Konjunkturschwäche in Deutschland aus.

"Flieht, ihr Narren", schrub ich damals. Na, immer noch hier? Der Grand Canyon auch. Jetzt mit super Russland-Rutsche und Exportverbot von alles außer zu Freunden®. Dann aber billig, ist klar, ne? Da steht ihr doch drauf. Wer sich solche Regierungen leistet, kann es sich offenbar nicht aussuchen.

Grüne für Braune

Die Grünen in Berlin hatten damals einmal mehr Bauchschmerzen, stimmten gegen sich selbst, für den 'Partner' (CDU) und damit staatstragend für die weitere Ehrung eines Erzfaschisten. Woran erinnert mich das nur? Hier des Säzzers noch immer aktuelles Urteil dazu:

Und wo ich gerade dabei bin, das Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern unter Einfluss der Parteien zu besprechen, geraten mir meine Freunde die Grünen einmal mehr ins Auge. Es ist ihnen inzwischen auf breiter Front vollkommen egal, wie die Wirklichkeit jenseits der funktionselitären Mittelschicht aussieht, sie haben alle ihre Prinzipien verraten und sind zu einer industriefreundlichen, Atomkraft fördernden unsozialen und militaristischen Funktionärspartei verkommen, deren Repräsentanten sich immer häufiger als Lobbyisten schmieren lassen.

Diagnose: Journalismus

Und das schlussendliche Schlusswort nämlichen großen Säzzers, in seiner endlichen Weisheit, die sich großer Mengen kultivierter Getränke, unter strikter Einhaltung guter Sitten und Gebräuche eingenommen, verdankt:

Journalismus ist eine Krankheit mit vielen Verlaufsformen. Keine weiteren Fragen!
p.s.: Und der Berger alloziert vermutlich immer noch Güter am Markt, wo anderen das G-W-G-Tattoo schon längst verblasst. Kapital? Das ist doch auch nur Vermögen! m(

 

Für Frieden auf der Erden
aus höherer Moral
da muss geholfen werden
mit Pulver Blei und Stahl

Wo alle auf sich schießen
gibts immer einen Wicht
aus konzentriertem Bösen
und besser gäbs den nicht

Drum müssen alle Guten
stets Seit an Seit marschiern
und nämlichen Desputen
zurechtens füsiliern.

Wo käme man auch hin sonst
könnt jeder Diktateur
das Falsche falsch beherrschen
und morgen gar noch mehr

Sie wärn ja nicht zu stoppen
bis bald die ganze Welt
und umliegende Ortschaft
zu ihrem Reiche zählt

Doch kann man jetzt ja gar nicht
mal eben gutes Blut
an solchen Schuft verschwenden
das wäre auch nicht gut

Was macht man also weise
auf clevere und schlaus
schickt Waffen auf die Reise
und lässt die Jungs zuhaus

Bald donnern sie und dröhnen
und zeigen ihren Nutz
im Blute ferner Freunde
zu ihrem besten Schutz

Wenn dabei noch die Kassen
froh klingeln im Geläut
dann macht der Kampf der Klassen
der rechten Klasse Freud

Greta Leo 2023

 
ds

Hollywood ist überall, aktuell vor allem in der Ukraine, wo der Führer und Präsident den Schwarzen Ritter eingeladen hat. Der verkündete prompt ein Unentschieden an der – jetzt offiziell auch im deutschen Staatsfunk so genannten – "Ostfront".

Offensive? Welche Offensive? Wie jetzt, der Russe kommt? Seit einem Jahr gewinnen Wir, und plötzlich steht es, kaum ist die Front im Donbas kollabiert, unentschieden, woraufhin der Russe uns zu negativen Geländewinnen inspiriert. Dessen Propaganda sickert allmählich in die Westmedien ein. Wie konnte das passieren, wo Wir doch praktisch schon die Krim erobert hatten, und zwar zurück. Genau wie damals. Zurück konnten Wir besonders gut.

Endsiege zu Unentschieden

Aber jetzt ist Feierabend, jetzt schicken Wir nämlich die endgültige Wunderwaffe, Unseren Leopard Zwo. Der ist so schwer, dass er keine Straße und kaum eine Schiene benutzen kann an Unserer Ostfront, aber solange wir ihn nur theoretisch schicken, haben wir auf jeden Fall auch theoretisch gewonnen und der Russe soll mal von Glück reden!

Sonst wäre es ihm ergangen wie der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche unter der Herrschaft der Orthodoxen Kirche der Ukraine. Nein, das ist kein abgestandener Witz. Also das mit den Kirchen jetzt. Zweitere ist die demokratische, von Gnaden Kiews und Asows. Und Gottes, wie sich wohl versteht.

Kurzer Prozess

Zum Schluss noch, nein, nicht das Wetter, meine Übersetzung der Hetze eines Defaitisten, der gemeinsam mit Putin auf dem Scheiterhaufen Europas gerichtet werden wird. Führende Minister und Funktionäre haben das Urteil über den Diktator bereits gesprochen, jetzt braucht es nur noch ein Kasperletheater, an dem der Prozess aufgeführt werden kann.

Aber das Eine, in dem ich mir sicher bin, ist: Wie viel Material man auch immer in die Ukraine schickt, es wird das Ergebnis nicht ändern. So wie die Unmengen an westlichen Waffen, die nach Südvietnam und Afghanistan geschickt wurden, das Ergebnis dieser Kriege nicht verändert haben. Es hat massive Zerstörungen und enorme Massen an Leben gekostet, aber es hat das Ergebnis der Konflikte nicht verändert
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ds

Januar: Selenski fordert. Diesmal zweitausend Panzer, eine Million Fußhupen und dreißigtausend Hektoliter Blutkonserven, A positiv Westhang.
Selenski erklärt. Der Kaiser von Großukrainien und Slavien erklärt die sofortige Aufnahme in EU und NATO, die Besteigung eines ständigen geheizten Sitzes im UN-Sicherheitsrat und sich selbst zum Friedensnobelpreisträger.
Selesnki verbietet. Parteien sind ab sofort weltweit verboten, die Parlamente aufgelöst, und die Presse besorgt vorläufig der britische Geheimdienst. Im Fernsehen läuft 24/7 "Diener des Volkes reloaded". Joe Biden gratuliert, woraufhin auch die EU drei Tage frenetischen Jubel anordnet.

Februar: Zum Jahrestag macht Sergej Surovikin eine Pommesbude aus dem Selenski-Palast. Die Tagesschau meldet vier Millionen tote Russen und den Bevorstehenden Sieg dank der Befreiung eines sehr sehr großen Dorfes mit mehreren Häusern im Süden des Oblastst Chmelnyzkyj.
Der neugewählte König von Polen, Männeken Pis Jaroslaw Kaczyński, fragt Selenski per Telegram: "Das brauchst du doch nicht mehr?" und lässt einen Schwarm seiner Untertanen die Westukraine annektieren. Rumänien fackelt nicht lange und holt sich den Rest, ehe der auch weg ist. Russlands Regierungschef Mischustin gratuliert, auch im Namen Duweitschonwessen.

März: Selenski fordert noch einmal drölf Zillionen Dollar, zahlbar zur Hälfte auf ein Konto in der Schweiz und zur Hälfte in Gold an seinen neuen Amtssitz in Key West. Erste Friedensverhandlungen zwischen dem Königreich Polen, Der Republik Rumänien-Slavien, Russland und Ungarn zeitigen große Fortschritte.
Joe Biden kann mal wieder nicht schlafen, irrt durch das Oral Office und die Flure des Weißen Hauses. Da er nicht weiß, wo er ist und sich komisch fühlt, ruft er die Nachtschwester. Leider verwechselt er dabei die Knöpfe "Nurse" und "Nukes". Das war's schon für 2023. Und den Rest. Und überhaupt. Wird nett gewesen sein mit euch. Habt bis dahin noch Spaß!

 
ds

Teil fünf der Serie über große und kleine Stars im Netz. Als alter Betablogger habe ich sie kommen und gehen sehen. Hier ein Nachtritt, dort eine Hommage, und alles völlig anonym, wie sich versteht.

Siegfried Ätzer erfand schon lange vor Hochstaplern wie einem gewissen Stevenson das Tourette-Blogging, als er im Grundschulalter bereits die Poesiealben der Mitschülerinnen zu einer Spielwiese für seine abartigen Sprachspiele machte. Seine Großmutter reimte er zum Geburtstag in den Schlaganfall, und erste Tagebücher, die als verschollen gelten, sollen Abgründe von brutaler Gewalt und losgelassener Aggression gewesen sein.

Ins Internet hinein schrieb er zunächst unbemerkt, später bei einem Bloghoster. Dort durch linkische Kontakterschleichung und sinistres Ränkespiel an erste Verlinkungen gekommen, eröffnete er das Spiel auf einem eigenen Server, um fortan völlig unkontrolliert seiner Soziopathie zu frönen. Seine Mitmenschen nennt er abfällig "Normalintelligente".

Die Falle

Er lockt durch scheinbar thematisch orientierte sogenannte "Opener" Publikum an, gewährt ihnen das Recht zu kommentieren und zieht es so allmählich in die Fänge seiner sektiererischen Gemeinde. Sobald diese Phase abgeschlossen ist, beginnt er, mit ihren zu spielen und nutzt ihre Abhängigkeit von seiner Plattform dazu aus, sie in seinem Sinne zu disziplinieren. Ein besonderes Machtgefühl geben ihm dabei Sperrungen und Ausschlüsse aus der Gemeinde, vor der ein noch so kriecherischer Gehorsam niemanden schützt.

Die Opener, von denen er anfangs oft mehrere täglich brachte, wurden zunehmend weniger, nachdem er sein größtes Ziel erreicht hatte: die Zerstörung einer Karriere. Gemeinsam mit einigen Kumpanen war es ihm gelungen, aus einem kleinen Versprecher des großen Horst Köhler einen unwürdigen Abgang zu inszenieren. Der Hauptzweck seines destruktiven Treibens ließ sich auf die Dauer auch mit geringerem Aufwand erfüllen. Die Sektenmitglieder kontrollieren sich gegenseitig und feiern die Willkür ihres Meisters. Derweil werden die Themen der Opener immer wirrer.

Teils eine Art Theorie, teils grober Klamauk, aber auch immer noch politisch angehaucht, lassen sie keinen Zweifel an seiner totalitären Gesinnung aufkommen. Linksextrem (stalinistisch), putintreu und für jede staatliche Zwangsmaßnahme (Corona), zieht er eine Blutspur der Menschenverachtung durch die Blogosphäre. Allein seine zunehmende Irrelevanz schützt die Welt vor einem neuen Diktator. Wie bei allen Trollen, ist hier Ignorieren das Mittel der Wahl.

 
ef

Teil vier der Serie über große und kleine Stars im Netz. Als alter Betablogger habe ich sie kommen und gehen sehen. Hier ein Nachtritt, dort eine Hommage, und alles völlig anonym, wie sich versteht.

Eigentlich Versicherungsmathematiker, fühlte sich Sven Bürger zu Höherem berufen. Seine ersten Versuche mit surreal-psychoanalytischen Kurzgeschichten scheiterten an erheblicher Verspätung. Nach einigen unspektakulären Plagiatsvorwürfen wurde ihm seine profunde Unkenntnis der Literaturgeschichte sowie allgemein Ignoranz gegenüber anderen Autoren zugute gehalten und er von allen, auch künftigen Anklagen freigesprochen.

Reformation am Ruder

Bürger führte mit häufig wechselnden Partnern den Webauftritt "Siegelwächter", auf dem er sozialdemokratische Kritik an den Verhältnissen übte. Insbesondere wurde er hochgeschätzt als Entdecker von Auswüchsen, Gier und Gaunereien zum Schaden der Sozialen Marktwirtschaft. Seine strikt konstruktiven Ansätze wurden vor allem von Liberalen und Konservativen innerhalb der Sozialdemokratie geschätzt. "Siegelwächter" wurde inzwischen von der Kindertheatergruppe "Quermirabellen" übernommen, die dort täglich das Stück "Püntes und der Wolf" aufführt.

Schnell entwuchs Bürger einer Schmuddelecke, in der er sporadisch, unfreiwillig und ohne sein Wissen Kontakt zu Linksextremen hatte. Nur mit einiger Not entkam er der Radikalisierung durch das Internet. Bürger schloss sich einer sozialdemokratischen Bewegung unter Führung eines Sozialdemokraten aus der Gruppierung "Sozialdemokraten in der SPD" an und begann, zunächst in Streitschriften zum Ausdrucken, später volldigital, frühsozialdemokratische Ideen mithilfe spätsozialdemokratischer Techniken als Kritik am sozialdemokratischen Establishment zu etablieren. Als innovativ gelten dabei seine Anleihen bei Impfgegnern und Putintrollen.

Durch den engen Kontakt zu sozialdemokratischen Ökonomen schulte er seine Analysen des Marktgeschehens (Stichwort: "Allokation") und lernte, sich mit einem Finger am Kopf zu kratzen. Als Autor von Bestsellern wie "Vom Harz zu Hartz" und "Keine Ahnung von Fußball, aber Libuda zitieren" zeigt er sich auch immer wieder volksnah. Bürger gilt als harmlos und unbewaffnet. Auf Nachfrage konnte niemand genau sagen, wann und wo er zuletzt gesehen wurde oder wie er heute aussieht.

 
ef

Teil drei der Serie über große und kleine Stars im Netz. Als alter Betablogger habe ich sie kommen und gehen sehen. Hier ein Nachtritt, dort eine Hommage, und alles völlig anonym, wie sich versteht.

Schon als Sechsjähriger machte Fifi von der Leiter von sich reden, als er in Zeh Doppelplus eine Endlosschleife hexadezimal reverse ins BIOS eines nuklear betriebenen Bügeleisens kompilierte. Außerdem irgendwas mit Bibliotheken. Seine einzige Bezugsperson war bis dahin eine Plüschente, die er "Wurzelauskuh" nannte.

Als Teenager versorgte Fifi die örtliche Ritter- und Trachtengruppe mit Kettenhemden, die er aus Büroklammern in einem Neun-Nadel-Drucker von Mannesmann montieren ließ. Dieser erste 3D-Drucker steht heute in einem Technikmuseum auf dem Dachboden einer Schreinerei auf Spiekeroog, wo er Ziel zahlreicher Wallfahrer aus der Kirche des Heiligen MacGyver ist.

Bahnbrechend

Nach dem tragischen und bis heute ungeklärten Verschwinden seiner Ente Wurzelauskuh in einem selbstgebauten Teilchenbeschleuniger gründete er den wohl erfolglosesten Versuch aller Zeiten, ein Webdesign zu entwickeln. Die so entstandene 'Blogsoftware' gilt bis heute als Geburtsstunde des Digitalen Dada.

Von der Leiters Errungenschaften als Publizist bestehen in erster Linie darin, weniger doof zu sein als seine Leser, deren Inkompetenz er ihnen in täglichen Übungen süffisant vor Augen führt. Kritik und Anregungen erreichen ihn dabei nur per digitaler Postkarte (den Älteren noch bekannt als "E-Mail"). Die Intransparenz dieses Verfahrens ermöglicht es ihm, virtuelle und selbstgemalte Zuschriften zu behandeln, als seien sie real.

Darüber hinaus spricht er auch gern mit seinem Kumpel vom russischen Häckerverein "Zeh drei" und nimmt die Gespräche auf Kassette auf. Das so produzierte Audio-Fanzine gilt als kult und lockt mitunter sogar semiprominente Gäste an. Wenig Persönliches ist über von der Leiter bekannt. Es heißt, er spiele gern Bosonentennis im Lokalen Netzwerk mit blutjungen elektromagnetischen Avataren und mampfe gern Popcorn aus der Mikrowelle.

 
ef

Teil zwei der Serie über große und kleine Stars im Netz. Als alter Betablogger habe ich sie kommen und gehen sehen. Hier ein Nachtritt, dort eine Hommage, und alles völlig anonym, wie sich versteht.

Schon im Teenageralter weltberühmt als Model für unsägliche Kopf-und Gesichtsbehaarung, wurde Gaga Loco das Leben in München bald zu klein und er übersiedelte von der Hauptstadt der Bewegung in die Preußenmetropole, die einzige deutsche Stadt, die ihm seiner Größe angemessen erschien. Er zog eine letzte Line, um einen harten Entzug zu durchleiden, bei dem er den Koks mit Schampus substituierte, und begann sein neues, größeres Leben.

Die große Welt

Auch in der Hauptstadtszene fühlte er sich bald wohl, weil wichtig und lud sich so lange zu allen großen Events ein, bis niemand mehr daran zweifelte, dass er wohl der Ehrengast sein müsse. Stets nahm er ungefragt auf der Bühne Platz, bis er sich in die Herzen aller Digitalredakteure der großen Verlagshäuser genäselt hatte. Geschätzt wurde er vor allem für abgebrochene Studiengänge, wirtschaftlichen Misserfolg und seine gefälligen Reden, die weder Fachpublikum noch Laien je überforderten. Zu spät wurde bekannt, dass er auch einen bis dahin erfolgreich verschwiegenen Abschluss vorweisen konnte.

Als Mann von Prinzipien (zu nennen ist hier vor allem Peter) landete er schließlich am chicen großen Schreibtisch im chicen hellen Büro eines ehemals chicen Magazins. Schon bald gab der letzte Ressortleiter den Versuch auf, ihm klarzumachen, was man eigentlich von ihm wollte, sodass er künftig seine Themen frei wählen konnte. Endgültigen Kultstatus bei der Mitte der Mitte der Mitte (aka Elite) verlieh ihm der Rant über jüdisch-bolschewistische Lumpenpazifisten, der ihm den nach Thilo Sarrazin benannten Pressepreis Endamadawisa ("Endlich darf man das wieder sagen") einbrachte.

Mit seinem Hund Goldie und Frau Eva lebt Loco zurückgezogen in einer Souterrainbutze unter Berlin-Mitte. Der leidenschaftliche Volkswagenfahrer macht gern Urlaub in Berchtesgaden und liebt Schlagermusik. Er ist bekennend autosexuell, spendet aber gelegentlich an handverlesene Zuschauerinnen.

 
ef

Mit diesem Beitrag beginnt eine kleine Serie über große und kleine Stars im Netz. Als alter Betablogger habe ich sie kommen und gehen sehen. Hier ein Nachtritt, dort eine Hommage, und alles völlig anonym, wie sich versteht.

Adolf Onnso ist eine Kunstfigur von Heiner Müller. Nach einer Klage von Heiner Müller durfte Heiner Müller sich nicht Heiner Müller nennen, weil es den ja schon gab. Zunächst trug sich Müller mit dem Gedanken, sich aus Trotz und verletztem Stolz Stewart Granger zu nennen, da dieser ja eigentlich James Stewart hieß. Auf Anraten seiner Anwälte und weil es sich ohnehin besser anhört, hob Müller schließlich den Onnso aus der Taufe.

Ursprünglich aus Santiago de Compostela stammend, musste er vor einem Mob intriganter Weiber fliehen, die sich von ihm abgelehnt fühlten. Er sah keine andere Möglichkeit, als mit dem Minifahrrad seines Schwagers über die Pyrenäen und durch die Alpen ins Exil am Tegernsee zu pedalieren. Dort verdingte er sich zunächst als Bibliothekar und Experte für Sammeltassen.

Aufstieg und Verblassen

Seine Publikationen über Publikationsplattformen und das karge Leben der unteren Oberschicht erregten bald die Aufmerksamkeit der wichtigsten Zeitungsverlage. Insbesondere der Feuilletonchef eines extraseriösen Blattes verwechselte Müller mit einem Journalisten und verschaffte ihm Zugang zur Szene.

Adolf Onso ließ sich von jedem Verlag kaufen, der ihm ledergebundene Originale von de Sade oder Karl May bieten konnte. Dabei entwickelte er sich vom anfangs kritischen Netizen über den konservativen Zeitzeugen hin zur Referenz für Rechtskonservative und Duweißtschonwelche. Seine Spezialgebiete sind Fingerzeige auf 'Linke' und das Zerschlagen von Meißner Porzellan.

Infolge seiner eifrigen Fingerzeige entwickelte Onso mit der Zeit eine Spastik. Er ließ sich davon aber nicht beeinträchtigen und nutzte vielmehr den dauerhaft abgespreizten kleinen Finger, um seine mit handgestickten Initialen versehenen Taschentücher zu trocknen.

Onnso verstarb mutmaßlich schon vor einigen Jahren völlig unbemerkt an buchstäblicher Langeweile.

 
xx

Quelle: Pixabay

Ich habe neulich durch eine einst innovative Fernsehserie erfahren, dass man als Blogger alles notieren und veröffentlichen muss. Also Alltag, Beruf, Sex, Lügen und Video. Alles außer Stuhlgang; wie inkonsequent!

Also notiere ich seitdem alles, was ich wahrnehme. Allerdings bin ich unaufmerksam und ignorant, beides in Stufe "sehr". Um wirklich sehr ignorant zu sein, muss man auch schon mal auf jemanden zugehen, um das aus nächster Nähe zu erledigen. Wahre Meister besuchen ihre Opfer zuhause, um sie zu ignorieren.

War da was?

Viele finden das dann arrogant, was bekanntermaßen aber nur von unten so aussieht. Was ist arrogant an Ignoranz? Die nachgerade manisch unaufmerksamen unter meinen Zeitgenossen, die durch dich durchlaufen und das nicht einmal merken, wenn sie dabei schwere Blessuren erleiden, tun das ganz sicher nicht aus Arroganz. Ihre Ignoranz ist unbewusst, was die meisten Formen dieser Haltung auszeichnet. Aktive Ignoranz hingegen ist etwas anderes; sie ist eine Kunst.

Am Rande dieser Kunst entlang schwebt meine unmotivierte Verdrossenheit gegen das, was unbegabte Comedians heute noch "Politik" nennen. Wie gesagt war mir unbekannt, welche Rotznase aktuell einer "SPD" vorsitzt, und auch das welke Grün hatte ich mit süffisanter Missachtung bedacht. Ich merke mir doch nicht die Namen aller Patienten dieser Anstalt. Schon vor sehr vielen Jahren habe ich den Betrieb in aller Kürze umschrieben und gerechter Verachtung überantwortet, indem ich notierte und veröffentlichte:

Die große Show

Man redet aber lieber "im Zusammenhang", will heißen: auswendig gelernt, man redet lieber übereinander und setzt eingeübte Schläge und Tritte ins Nichts. Man redet nur über Themen, die zuvor von einem Stab esoterischer PR-Berater freigegeben wurden, und nur mit Menschen, deren Unbedenklichkeit schon in die Geburtsurkunde eingetragen ist. Man hat gern recht. Man ist vollkommen unfähig zu jedweder Diskussion.

Was Lobbyisten aus der Gesetzgebung gemacht haben, was Funktionäre aus den Abstimmungsverfahren gemacht haben, haben PR-Berater und journalistische Hofschranzen aus der politischen Kommunikation gemacht. Es wird verkündet und genickt, eingeschärft und geprüft, wiederholt, abgesichert, abgesprochen, noch einmal wiederholt und eingeübt und abgenickt und wieder eingeschärft.

Es werden die Begriffe zurechtgebogen und eingeschliffen, tabuisiert und verteufelt, emotional angereichert und nach Effizienzkriterien in der Wählerschaft verklappt. Es werden Alternativen in aufwendigen Verfahren mehrfach ausgesiebt und endgelagert, bis es nur noch eine "Wahrheit" gibt, die dann das oben beschriebene Verfahren durchläuft. Widerspruch ist zwecklos.

Lasciate ogne speranza

Daran hat sich bis heute nur eines geändert, nämlich, dass der Restekel vor Ausscheidungen jedweder Art sich verflüchtigt hat. Es kann nicht zu sehr stinken oder dampfen, alles geht, bis hin zum widerlichsten Exkrement, das Menschen aus Löchern kriechen kann, der Kriegspropaganda.
 

p.s.: Ich empfehle Perlentauchern, die Beiträge im Blog suchen, ausdrücklich die Archive, in denen ja viel mehr Text eingelagert ist als im aktuellen.

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