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Ich wollte eigentlich einen Text erstellen, um ihn in dem hiesigen Medium zu veröffentlichen. Dann aber wurde mir bewusst: Teile dieses Textes könnten die Leserschaft verunsichern. Ich war also zufrieden mit mir und errichtete mir wie so oft eine Statue aus Brot und Spucke. Eine Statue mir zu Ehren, ob dieser vorbildlichen bahnbrechenden Rücksichtnahme.

Das ist selten dieser Tage, zumal im 'Netz'. Wer meint, er hätte sich hier schon ausgekannt, gestählt durch Heiseforum, GiMiX und Aldi-Newsgroup, sieht sich eines Besseren belehrt. Du Nazisau hast Grippevergleich gesagt, heißt es nebenan sinngemäß, Pantoufle weist auf einen Thread hin, in dem nicht Nazis, Stalinisten oder Kinderschänder bespuckt werden, sondern Künstler und deren Zuarbeiter. Das Pack soll gefälligst erfolgreich sein, dann kann es sich auch die Pleite leisten.

Unwertes Arbeitsleben

Der Faschist, der alles weniger "Erfolgreiche" für seiner Existenz unwürdig befindet, empfindet sich in keinster Weise als solcher; nein, er sei "liberal", wird er glauben und wiederum nicht ahnen, welch wertvollen Hinweis er damit gibt auf die Nähe vom Einen zum Anderen. Kein Mehrwert, kein Wert, keine Existenz - so einfach ist das. Und genau deshalb ist Faschismus auch nicht von Kapitalismus zu trennen und dieser 'Liberalismus' eben ein Vorläufer. Und wie er läuft!

Da muss man gar nicht erst in den anderen Nachbargarten gucken, wo sie die Existenz leugnen dessen, das nicht genannt werden soll und Tag für Tag dasselbe bejammern, nein, krakeelen und fordern, die Realität solle sich für ihre beharrliche Abweichung von den selbst gesammelten Fakten® entschuldigen. Ich frug schon zuletzt, woher wohl der ganze Hass komme und deutete in eine gewisse Richtung. Ich will einmal dort entlang gehen und wiederum feststellen, dass die Trümmer gar nicht so zahlreich sind wie sie dort verteilt liegen.

Es sind zuerst einmal immer dieselben - nicht die Gleichen, dieselben! - die sich verbreiten mit dem altbekannten Mix aus Inkompetenz, Eifer und verbaler Brutalität. Letzteres halte ich für besonders wichtig: Das Gespucke und Gekeife, die Drohungen und Tiraden, entfleuchen dem Ventil dieser Hanswurste, die an keinem Stammtisch die Zähne auseinander kriegen. Schon, weil sie keiner einlädt und sie nach solchen Auftritten keine mehr hätten. Also Zähne jetzt.

Kapier's doch endlich!!1¹!

Zudem ist es auch ganz logisch, dass 'Hate Speech' völlig überrepräsentiert ist, ebenso wie das Argumentesurrogat aus Argumenteersatzstoff, das die Doofen kübelweise absondern. Erstens musst du von einem Eifer getrieben sein, den du im echten Leben nicht loswirst und zweitens furchtbar viel Zeit haben. Wer überzeugende Argumente hat, erntet regelmäßig ein Nicken und Respekt auch vom Gegner, mithin Befriedigung. Er kann sich darauf verlassen, dass es wirkt, wenn es ausgesprochen oder - umso mehr - geschrieben ist.

Wer hingegen ums Verrecken niemanden überzeugt und womöglich verlacht wird, mag, wenn die Stimmen des Eifers es dem Rest des maroden Schädelschwamms befehlen, seine Brandreden vom Hundertsten auf Tausendste wiederholen. Gern auch aus der raffinierten Deckung einer ansehnlichen Sammlung von Pseudonymen. Das wirkt, sicher: Nimm das, Bamm!, Bamm! Da bin ich schon wieder, und Bamm! Es ist nicht klug, sich davon frustrieren zu lassen, auch wenn sich der Unterhaltungswert längst verbraucht hat.

 
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Man lernt nie aus; es sei denn, man schützt sich wirksam davor. Ich bin nicht dafür bekannt, eine allzu optimistische Sicht auf meine Mitmenschen zu haben, aber es gibt kein Niveau, das nicht unterboten, keine vorsichtige Hoffnung, die nicht noch enttäuscht werden könnte. Wie ungemein reaktionär und borniert Menschen, denen man einen Verstand unterstellt hätte, werden können, wenn sie einmal verunsichert werden, muss man in dieser Ausprägung auch erst einmal erlebt haben.

Schon vor Jahren habe ich festgestellt: Vernunft "ist vielmehr eine religiöse Anschauung unter anderen. [...] Dazu muss man im Grunde nur zur Kenntnis nehmen, dass eine Minderheit annimmt, sie habe die höhere Einsicht, der sich andere verschließen. [...] Du kannst noch so brillant sein, geduldig, präzise und wach; die meisten lassen ihr Weltbild null beeinflussen von Diskursen und hauen Argumente nur raus, weil das ein Ritual ist."

Das Wir gewinnt

Die Techniken, die dieser Tage Anwendung finden, gehen allerdings deutlich über das hinaus, was noch eine ritualisierte Scheindiskussion wäre. Talkshowniveau wird nicht mehr erreicht. In einem regelrechten Stakkato werden betonierte 'Meinungen' wiederholt und manche umgeben sich mit der Elite der Trollszene, damit ja keine Stille einkehrt in der Echokammer. Es wird denunziert. abgewertet, identifiziert und angefeindet. Wir hier, die da. Das ist auch einer von denen!

Wissenschaft wird zur Geschmackssache. Irgendein Idiot hängt sich ein Stethoskop um, faselt, was viele hören wollen und wird zum vielzitierten C-Promi. Von denen gehen Listen herum: Guck mal, der hat das auch unterschrieben. Was ist eine selbst verstandene Studie, die in Aussagen über Wahrscheinlichkeiten mündet, gegen so ein Panini-Album der Bescheidwisser? Und überhaupt: Neben alternativen Fakten gibt es ja auch alternative Wissenschaft. Das ist nämlich die mit den alternativen Gewissheiten, die einer alternativen Logik folgen.

Heul' doch!

Von vielen dieser Experten habe ich mich bereits getrennt oder sie sich von mir. Nach teils hunderten Kommentaren hier wissen sie gern woanders, dass ich schon immer so einer war. Das ist derzeit der allgemeine Umgang. Ehrlich, Leute: Ich habe öffentlich noch nie etwas gemacht, um gemocht zu werden, schon gar nicht von irgendwelchen Internetheinis. Wir haben uns getrennt, und das ist auch gut so. Komm' drüber weg!

Eine Konsequenz der Situation ist eine kleine Zäsur; mehr Wissenschaft, einer raus, einer rein, das Leben geht weiter. Das sind weder Kurzschlusshandlungen noch verbinde ich damit jedwede Emotion. Im Gegenteil nehme ich aus solchen Prozessen immer mit, dass ich etwas gelernt habe und meinen Fokus kalibriere. Vor allem wird noch einmal klarer: Ich bevorzuge in meinem Umfeld Menschen, die erst fragen, dann hinterfragen und eventuell Antworten finden. Besserwisser finde ich schon scheiße, wenn sie nicht intellektuell und psychisch freidrehen. Macht's gut und nehmt ruhig noch etwas Fisch mit!

 
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Originalbild: Wikimedia Commons, User:Schutz

Im Rahmen der unerträglichen Auseinandersetzungen zum Thema 'Corona' hat mich die Spezies, der anzugehören ich vergebens leugne, tatsächlich wieder enttäuscht, und das ist alles andere als einfach, denn ich traue ihr ohnehin nicht viel Gutes zu. Was Menschen, die ich für weniger dumm gehalten hätte, noch für 'Argumente' halten, wenn sie sich selbst betroffen fühlen, galoppiert die Apokalyptischen Reiter lässig in Grund und Boden.

Alles ist erlaubt, wenn es die eigene Fraktion betrifft, den anderen aber keinen Fußbreit! Wie gut, dass man es noch nie mit der Logik hatte, die in der brachialen Rhetorik, für die sie vergewaltigt wird, zur Waffe werden soll. Muss ich die Unterschiede kennen zwischen Allquantor und Existenzquantor, notwendiger und hinreichender Bedingung, Konditional und Bikonditional, zulässigem und unzulässigem Umkehrschluss? Ach was, je weniger ich davon weiß, desto kreativer kann ich angreifen.

Äh gleich Emma Zehquadraht

Ich gebe mal ein Beispiel: Alle Tulpen sind Blumen. Manche Blumen sind weiß. Daraus folgt nicht, dass manche Tulpen weiß sind. Nein! "Aber es gibt doch weiße Tulpen, meine Mutter hat immer welche zuhause. Und meine Oma. Ich selbst hatte schon welche." / "Ja, wirklich?" / "Ja." / "Bitte sei so lieb und fick‘ dich!"
Das ist ein sehr einfaches Beispiel, in dem es nur um einen sehr übersichtlichen (falschen) Syllogismus geht, ohne jedwede Verknüpfung zu weiteren Operatoren oder gar Quantifizierungen.

Dann sind wir noch nicht einmal bei der Schwierigkeit, sprachlichen Ausdrücken ihren logischen Kern zu entnehmen. Oder wie wär's mit Statistik? "Churchill hat gesagt …" Nein, hat er nicht, es ist auch wurscht. Schon mal was von Validität gehört, Reliabilität oder Objektivität? Das auch mal anhand einer Studie durchdekliniert? Ach, du forderst ja nur "repräsentativ", fein. Was ist das eigentlich und wozu ist das gut? Fangen wir bloß nicht an mit Stochastik, Signifikanz oder Grenzwerten, mein lieber Ichkannkeinmathe.

Gar keine Frage ...

Zudem die simple Idee, wer wann was auf Basis welcher Daten entscheiden muss. Du kannst das besser? Erzähl! Und wenn sich dann herausstellt, dass das ein Irrtum war, was dann? Welche Folgen wird welche Kurskorrektur haben, wie wahrscheinlich ist es, dass auch diese korrigiert werden muss, welche Folgen wird das wiederum haben? Gesundheit gefährden, wessen in welcher Weise, Soziale Ordnung gefährden, auf welcher Ebene mit welchen Folgen – und das Ganze immer auf unzureichender Datenbasis, während du dich mit drölf anderen Entscheidungsebenen koordinieren musst. Was hätte ich einen Spaß, wäre ich jetzt einer von denen!

Ihr wisst zwar auch alle nicht, was richtig ist, aber ihr habt ein Gespür dafür, was rhetorisch zu den für euch bereits feststehenden Ergebnissen führt. Und während ihr derart Schindluder mit allem treibt, was zu Verständnis und Verständigung führen könnte (Wissenschaft, Logik, Reflexivität, Empathie), werft ihr euren Feinden jede Abweichung von denjenigen Regeln vor, die ihr in eurer Selbstherrlichkeit gerade für gültig erklärt habt. Das Allerbeste aber: Keiner von euch fühlt sich mit diesem Text angesprochen, dafür aber schon mal vorab beleidigt. Wie gut, dass ihr alle nichts zu entscheiden habt!

 
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Blogger bei der Produktion von Trollen in einer russischen Fabrik

Fake News allerorten. Einer der Schlimmsten ist dieser "Kiezschreiber". Wie schreibt man eigentlich einen Kiez? Heute etwa dies hier:
"Die Waldarbeiter im Hunsrück tragen keine Holzfällerhemden." Was soll das? Ganz zufällig wird am Dorfrand hier der Wald seit Monaten von einer Firma aus Simmern untertunnelt.

Simmern ist die Kreisstadt des Rhein-Hunsrück-Kreises. "Kreisstadt" nennt man dort ein Dorf mit knapp 8000 Einwohnern. Hier an der Ruhr würde man gar nicht bemerken, wenn so etwas einem Parkplatz weichen würde, im Hunsrück hingegen wäre die Bevölkerung völlig orientierungslos.

Cui Bono?

Unter diesen Waldarbeitern sah ich bereits mehrere mit Holzfällerhemden bekleidete Exemplare. Nun kann der Herr aus dem Reich der Eischmeischdeischs behaupten, sie trügen diese nur außerhalb ihres Habitats, man sieht ihnen aber an, dass sie jeweils nur dieses eine Hemd besitzen.

Im Weiteren wird dort ironisch die Mondlandung als Faktum dargestellt, an dem wir also zweifeln sollen. Fragt sich doch: Cui bono? Warum werden uns solche Lügen aufgetischt, ausgerechnet in Zeiten, da es auf die Wahrheit ankäme? Von wem lässt der Mann sich schmieren? Wir bleiben dran!

JWD

Woanders lenken sie ab und tun mondän: Seit Tagen nur diese Spekulationen über einen Präsidentschaftskandidaten, der keiner ist: Joe Biden. Money Quote:
"Ein dementer Kandidat aus dem demokratischen Parteiestablishment wird es, sofern das mangelnde Management der Coronaviruskrise oder irgendeine Affäre Trump nicht zusetzen sollte, kaum mit dem bösen Clown aufnehmen können."

Das mangelnde Management dürfte Biden wohl zuerst zusetzen, ist er doch gesundheitlich ohenhin schon auf dem Weg in den Fahrstuhl. Dement und infiziert in einer Wahl, die gar nicht stattfindet. Wer schreibt über so etwas? Nun, jemand, der seiner Tastatur auch "Man muss kein Prophet sein", "man darf gespannt sein" und "Die Zeit wird zeigen" zumutet. Warte - das hat niemand getippt. Das ist eindeutig das Werk eines Putin-Bots. Erwischt!

Metameinungsbrei

Tzia, und das mit den Meinungen über Meinungen von Wissenschaftlern, das haben wir ja schon ausreichend belästert. Oder? Nun, man kann nicht überall Diskussionen mit Niveau führen und nimmt halt, was man kriegt. Der Betreiber des hiesigen Hauses hält es im Zweifel mit Arroganz und brutaler Selektion. Sonst wird das auch nix mit einer halbwegs amtlichen Sekte. Immerhin: Er hält sich für schlau und macht keinen Hehl draus.

In seriösen Medien stellt sich Seriosität hingegen schon dadurch her, dass man wen kennt, der einen zitieren kann, der es wissen soll. Bis hierher also kein Unterschied zu diesem Billigangebot aus der Nachbarschaft. Problem: Es ist zwar sympathisch, sich eingangs für zu doof zu erklären, die Texte von Experten zu verstehen und relevante Unterschiede zu erkennen. Deshalb aber wurde es auch nichts mit der Redaktionskarriere. Sieht man's wieder: Wer nichts wird, wird Blogger.

 
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Es gibt so einige Dinge, die tut man nicht. Ich gehöre zu denen, die anderen immer gern erzählen, was das so wäre, insbesondere im Bereich Computer, Netz und Verhalten, und im Allgemeinen halte ich mich auch selbst daran. Im Allgemeinen. Aber ich bin ja, nichtwahr, eine kleine Schlampe, daher kommt es eben manchmal auch anders.

Ich nutze Skriptblocker, Adblocker und Gehirn, um mir viel Ärger zu ersparen, im Umgang mit Skriptblockern bin ich sogar extrem paranoid, daher weiß ich aber inzwischen, was ich (temporär) freigeben kann und was ich brauche. Auch bin ich im Grunde schnell weg, wenn ich sehe, dass mit Zertifikaten etwas nicht stimmt. Eigentlich.

Aber dann gibt es diese Momente, spät Abends, nicht ganz nüchtern, da will man schnell noch was erledigen. Dabei ist es extrem behämmert, wenn dieses Etwas ein Kauf ist. Obendrein bei Ebay. Yes, he did. Nichts, was mich jetzt ruinieren würde, aber allemal ärgerlich. Bis hierhin mein Fehler, und ich jammere nicht, wenn ich die Konsequenzen tragen muss.

No Return

Aber was ich dann erlebt habe, wie sich Ebay in einen glitschigen Waschlappen verwandelt hat, der in einem Schützengraben verschwand, das war beeindruckend, und das ging so:

Ebay hatte hatte mindestens einen Datenreichtum, nämlich 2014, als offenbar ganze Datenbanken rausgetragen wurden. Ob sich danach weitere Fälle wie dieser ereignet haben, weiß ich nicht, aber es ist schon interessant, wie der Laden selbst es so mit den Konsequenzen hält.

Offenbar ist es kein Einzelfall, dass – wie bei mir – ein Verkäufer gekapert wurde, auf seinem Account also Angebote erschienen, die er gar nicht hatte und schnell auch mal die Bankdaten geändert wurden. Der vermeintliche Anbieter beruft sich dann auf einen Datenverlust von Ebay, während Ebay sich dazu überhaupt nicht verhält. Ist ja nicht deren Problem, wenn sich wer auf ihrer Plattform hacken lässt.

Zudem haben sie das Fake-Angebot einfach nach dem Betrug vom Server genommen und sind bei der Schlichtung des Problems nicht, wie sonst üblich, als Anbieter erreichbar. Der Link „Ebay kontaktieren“ existiert nicht, da das Angebot ja auch nicht mehr existiert. Einigen sich Accountinhaber und betrogener Käufer also nicht, passiert – nichts.

Macht nix

Zudem verhalten sich die Banken (sofern man nicht Paypal nutzt), ebenso nützlich. Sie nehmen zwar horrende Gebühren, wenn man einer Überweisung hinterherläuft, machen aber klar, dass sie nicht einmal die Daten des Empfängers erheben. Das geht nur, eventuell, womöglich, auf Veranlassung einer Staatsanwaltschaft. Bis dahin ist aber noch mehr Geld weg, die Täter auch, es lohnt sich also nicht.

Nachdem sich Ebay millionenfach Daten hat klauen lassen, führt ihr Verhalten in Betrugsfällen zu maximaler Sicherheit - für die Betrüger. Wie gesagt, es sei denn, man wickelt über Paypal ab. Das ist dann auch keine Garantie für gar nichts, läuft dann aber anders. Wenn man wie ich ein Gegner von Paypal ist, nur ein weiteres Ärgernis.

Nun komme ich nach 20 Jahren Ebay-Mitgliedschaft (das war damals echt noch gemütlich da) zu der Frage, was ich eigentlich mit dem Quatsch noch soll. Wo der Ärger ist, weiß ich jetzt mehr als gut. Wo aber ist der Nutzen? Für mich war‘s das. Macht‘s gut und danke für nichts.

 
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Das ist keine Postleitzahl, als solche existiert sie nicht - da kann doch schon was nicht stimmen! Nein, ich ixquickte neulich nach einem Blogger in Kombination mit Schmähbegriffen, in der Absicht, bestimmte Kommunikationen zu finden, und was soll ich sagen? Mein Blog war wiederum bei fast allen üblichen Abfragen ("Arschloch/Penner/Wichser/") ganz weit vorn. Dabei habe ich ihn nie derart geschmäht. Ich habe seinen Namen wiederum in der Überschrift kodiert, weil ich eben eine solche Kombination nicht an prominenter Stelle haben möchte. Im Übrigen muss ich wohl an meinem Vokabular arbeiten.

Brave new world! Wir hatten neulich hier das Thema, was wie wo zensuriert wird. Viel interessanter finde ich aber die Frage, was man eigentlich noch findet. Ich hatte mir vor Wochen schon die Notiz gemacht, dass man kaum mehr Neues im Netz entdecken kann - jedenfalls nichts von Qualität. Tonnen von Bullshit überlagern alles Interessante. Die alte Bloglandschaft z.B. wurde durch von Großkonzernen gehosteten Dung verdrängt - Knipsebilder von der Currywurst, Filmchen von debilen 'Influencern', Geschrei von Twittertrollen und unbeholfenes Gepose auf Instagram bringen einen stattdessen mit seichtem Entertainment über den Tag.

Bloß kein Stress

Es wundert mich kein bisschen, dass Gleiches nur mehr Gleiches findet und die Vorurteile auf keinerlei Widerstand stoßen. Dies ist die unvermeidliche Folge der technischen Entwicklung, vor allem bei Suchmaschinen, deren Betreiber aus Gründen des Profits zusehen, dass möglichst immer auf den größten Haufen gemacht wird. Dieser Trend bildet einen formidablen Teufelskreis mit der Inkompetenz fauler 'User', deren primitivste Bedürfnisse jeweils vorrangig bedient werden.

Dabei ist das nicht nur unnötig, sondern vor allem gewollt. Dass Leute, die nicht mehr als drei Klicks weit denken können oder suchen wollen, darin von der Industrie bestärkt werden, ist traurig genug. Dass aber obendrein Suchoptionen und Werkzeuge eingedampft wurden, mit denen man wenigstens noch Alternativen finden konnte, wenn man wusste, wie, ist eine Zumutung. Schon lange ist die Timeline abgeschaltet, die Operatoren und/oder sind auch weichgespült, ja, nicht einmal die Wort-für Wort-Suche nimmt die Krake noch ernst und liefert stattdessen Spam.

Es muss alles smooth, sexy, kewl und selbsterklärend sein, wo einzig Wissen und wenigstens ein wenig Mühe die nötige Kompetenz ermöglichen würden. Ausgerechnet in den Bereichen, die ihren Alltag 24/7 bestimmen, haben die 'heutzutage'-Menschen keinen blassen Schimmer mehr. Haben wir uns vor ein paar Jahren noch geärgert, dass sie keinen Plan von Hard- und Software haben und immer angejammert kamen, so müssen wir inzwischen feststellen, dass sie noch für die zweitdümmste Anwendung zu erfolgreich verblödet wurden. Wir werden erleben, dass auch Emojis zu kompliziert werden und die verdammte Lautdifferenzierung sowieso. Mehr als drei Rülpslaute wird man dieser Spezies in Zukunft nicht mehr abverlangen können.

 
hn

Warum gibt es in dieser Welt kaum ein Dutzend Menschen, die in der Lage sind, Texte zu verstehen und sich dann sinnvoll darüber öffentlich zu äußern? Mit "Texte" und "verstehen" meine ich dabei nicht einfach, dass man den Inhalt korrekt wiedergeben kann, sondern im Zusammenhang den Inhalt, den Stil, die Hintergründe und vor allem die Rahmenbedingungen berücksichtigt, unter denen ein Text zustande kommt.

Es ist so erbärmlich, dass schon die überwiegende Mehrheit der 'Leser', die sich nach erfolgloser Lektüre dazu aufschwingen, 'Autoren' sein zu wollen, den Unterschied zwischen einem Satz und einem Absatz nicht erkennen. Sie sind völlig blind für die Unterschiede zwischen Texten, in denen ein Zusammenhang dargelegt wird, Texten, die einem bestimmten Produktionsweg folgen und etwa dahergerotzem Gequatsche, das halt irgendwer aufschreibt. Für sie sind offenbar die einzig relevanten Kriterien: ist irgendwo nachzulesen und hat eine gewisse Anzahl von 'Lesern'.

Könnte man wissen

Nur so konnte es geschehen, dass eine Arena für Trolle, Dogmatiker und Vollidioten anderer Art zur meistzitierten Textsammlung der Gegenwart wurde. Dabei könnte einem schon auffallen, dass wie Milch und Zucker, heiß und kalt oder Gin und Tonic, die Kombination "Twitter" und "Empörung" längst unzertrennlich ist.

Man kann ja über den klassischen Journalismus sagen, was man will, aber aber selbst der schlechteste Bericht, der blödeste Kommentar oder die Fußballergebnisse aus der Kreisliga bieten mehr Inhalt und Kontext als als das Gemecker und Gepose 'auf Twitter', was ja schon in der Absicht der jeweiligen Äußerungen liegt.

Hastenichgehört

Man stelle sich vor, jedes Wort, vor allen die unachtsamen, die wütenden und die besoffenen, die man im Leben so von sich gibt, würden sämtlich aufgeschrieben und veröffentlicht. Sodann kämen die Geier angesegelt, pickten die sensationellsten heraus und zögen dann auch noch 'Schlüsse' aus diesen Auswürfen menschlicher Unzulänglichkeit!

Vor allem Letzteres nervt mich zunehmend: Nicht nur, dass das dümmste Gelalle zweit- und drittverwertet wird; die vermeintlich ach so überlegenen Kommentatoren haben es dann schon immer gewusst und beglücken ihr Auditorium mit den großartigen Erkenntnissen, die sie aus den Untiefen der Jauchegrube schöpfen. Als letztes Glied in der Kette stehen schließlich die Schwachmaten der dritten Ableitung, die das auch noch feixend konsumieren. Verschont mich damit. Bitte!

 
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Ich erwäge beinahe, meinen Blogpreis "Feynsinn Underdog" doch noch weiter zu verleihen. Vielleicht schon allein gegen diese deprimierende Lage an der Front der Publizisten und ihrer Preise, ihrer Jurys und ihrer maroden Kulissen. Der Wind pfeift durch die Bretterbuden der verlassenen Stadt, Tumbleweed rollt vorbei, um auch dem letzen Zuschauer anzuzeigen, dass hier niemand mehr freiwillig tot überm Zaun hängt, und im Saloon, aus dessen Decke noch der Rest vom letzten Regen tropft, feiern sich die abgehalfterten Opfer ihrer Eitelkeit, als hätte das Publikum nicht längst Reißaus genommen.

Das kann man wie immer in den Geschmacksrichtungen manisch und depressiv haben, verbunden nur mehr durch die Wahnvorstellung einer Relevanz, die mangels Inhalt nicht einmal mehr konstruiert werden kann. Ich bin, also bin ich, also bin ich wichtig. Ich weiß, es wird euch wehtun, aber schaut euch zunächst einmal die Variante an, für die Erwachsene sich gar nicht so viel Koks durchschleusen können, dass sie da noch mithalten: Ein "deutscher Bloggerpreis" soll da verliehen werden, womit die Leere Dimensionen erreicht, vor denen das absolute Vakuum frustriert das Handtuch wirft.

Jetzt noch nichtser

Nicht einmal mehr der Titel der Veranstaltung hat noch irgendetwas mit dieser zu tun. Da hat wer furchtbar gepennt. Niemand hat ihnen verraten, dass "Blog" sowas von zweitausendzwei ist. Was hier 'ausgezeichnet' wird, sind derweil abgehalfterte Promis, Klamotten und Zeugs. Zeugs und Irgendwasmitsocialmedia, Mode, Beauty, Hohlbratzen und Irgendwasmitsocialmedia. Influencer! Schuhe! Jacken! Fickwäsche! Kaufenkaufenkaufen!

Ihr atmet noch? Glückwunsch! Zu jenem gibt es aber ja noch den Kritischenjournalismus®. Der bepreist sich intensiv, rechte Zauseln masturbieren im Kreis. Ob ich das jetzt schöner finden soll ... immerhin ist es nicht so hektisch. "Don Alphonso geht da noch als gemäßigt links durch.", stellt ein Leser von Fefe zurecht fest und man hat eigentlich keine Fragen mehr. Vielleicht noch die, warum auch die Muffhanseln der deutschen Publizistik nicht in der Lage sind, einen passenden Titel für ihre Weihrauchparty zu finden. Ich hätte gern so etwas wie "zertifizierte Kritik" oder "eingebettete Meinungskultur" im Header.

Seitdem das Kapital auch diese Ecke des Netzes überrollt und die bunte Vielfalt durch kognitiv vollrasierte Blondinen ersetzt hat, die multimedial Kaufbefehle verbreiten ("Influencer" - als sei es nicht der Einfluss des alten fetten CEOs der produzierenden PR-Agentur, um den es hier geht), ist die Bezeichnung "Blog" hinfällig. Obwohl diese Kultur noch kaum 20 Jahre alt ist, sind echte Blogger bereits 'vintage'. Was da auf unserer Scheiße ins Kraut schießt, konnte man kommen sehen. Anders wäre trotzdem schöner gewesen.

 
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Ich finde nicht viel Gefallen an Don Alphonsos Kolumnen, ganz gleich, wo er sie veröffentlicht, gehöre sicher auch nicht zur Zielgruppe und fühle mich keineswegs angesprochen. Nicht, weil er bei den 'Rechten' gelandet ist und auch nicht, weil er sich gern an vermeintlich 'Linken' abarbeitet, sondern weil die von ihm gepflegte Form der Literatur mich nicht anspricht. Ich mag es politisch gern analytischer und literarisch gern kreativer.

Parteinahme interessiert mich grundsätzlich weniger, es sei denn als Kriterium für schlechte Argumente; auch das ist daher kein Grund, sich mit dem Text zu befassen. Es ist vielmehr - das ist quasi epidemisch - die Entdeckung des politisch 'Anderen' im Arschloch, hier "Feliks" als 'Linker' ("aus dem linken Spektrum/Lager";"Teil einer linken Clique").

Die sind so

Was Herr Feliks da offenbar getrieben hat, sind Arschlock-Aktionen, menschlich unanständig, sachlich falsch und zersetzend sowie persönlich motiviert. Warum also muss so einer, der in jeder Hinsicht deplaziert, impertinent und widerwärtig um die Ecke kommt, hier mit seiner vorgeblich politischen Orientierung identifiziert werden, wo doch sogar ausdrücklich seine Motive (zumindest auch) anderer Natur sind?

Das geht in die andere Richtung freilich auch so, wovon ebenfalls rege Gebrauch gemacht wird: Wenn ein 'Rechter' sich als besonders moralisch angreifbar erweist, obwohl kein Zusammenhang besteht zwischen seinem Handeln und seiner Meinung, wird er von Linken gern als Beispiel für seine Partei an die Wand gestellt. Wozu soll das gut sein?

Wer sind "die"?

Ich habe reichlich Erfahrungen gemacht mit Trollen, auch den ganz üblen, mit Stalkern und kleinen Wichshähnchen, die mir Gewalt angedroht haben (bis hin zu 'Morddrohungen', die für mich freilich keine sind, wenn einer nur mit dem Schwanz in der Hand eine Mail schreibt.). Es waren darunter alle möglichen Freaks - der eine nennt mich "Ausländerhasser", der andere "Stalinist", der nächste "Verräter". Was haben sie gemein? Die politische Orientierung?

Gerade von Menschen, denen ich Expertenkenntnisse in Sachen Internetkommunikation unterstellen muss, erwarte ich, dass sie diese Kategorien nicht durcheinander werfen. Was im Netz trollt, ist Troll. Wenn Troll etwas für eine Mission missbraucht, kann deren politischer Hintergrund nichts dafür. Wenn im Netz als 'links' nur mehr wahrgenommen wird, was andere niederbrüllt, stalkt und mit Dreck bewirft, was hat das dann mit politischer Meinung zu tun?

 
Ich muss mit einer Eloge auf Kay Sokolowsky und seinen 'Abfall' beginnen, der nicht der diesjährige Preisträger des "Underdog" ist. Ich muss das tun, weil die Stimmen es mir befehlen und weil er der logische Preisträger wäre, käme ihm nicht die Grätsche einer skandalösen letzten Verleihung dazwischen. Er wäre sogar ein sehr guter, in jeder Hinsicht, entspricht sein Blog doch allen relevanten Kriterien, zumal dem des Gefallens der Entscheidungsinstanz Säzzer.

Nicht nur ist es gute Tradition gewesen, dass eines der jüngeren Mitglieder der hiesigen Blogroll hinabsteigt und mit der Töle Gassi geht; so gut wie alles, was bisher gelobt wurde an den Ausgezeichneten, trifft auch auf Kay Sokolowsky zu. Allem voran seine Schreibe, die ihresgleichen sucht. Seine Texte sind fast durchweg aus der tl;dr-Liga, dennoch lese ich sie alle, vollständig und aufmerksam (vor allem Letzteres ist nicht selbstverständlich). Sie sind voller Witz, Leidenschaft und Zähigkeit, präzise, analytisch und von brutaler Ehrlichkeit.

Die es nicht wurden

Mitunter bin ich irritiert von der Leidensfähigkeit, mit der er Niederungen durchquert, in denen ich es, allein mit einem Text, keine zehn Minuten aushielte. Bisweilen fühle ich mich wie in einem Film, in dem der Schurke endlich von seinen Opfern voll was auf die Fresse kriegt, dann wieder hinabgezogen in die tiefste Hölle jener Warenwelt, von der er, selbst nur virtuell getrennt, ein schmerzhaft klares Bild malt. Wieso habe ich eigentlich fünf Jahre gebraucht, um in zu entdecken? Schande über mich!

Zum letzten Mal sei auch erwähnt, dass Pantoufle einen guten zweiten Platz gemacht hat, wie jedes Jahr, was ihm einen Ehrenpreis eintrüge, hätte das nur irgendetwas mit Ehre zu tun - oder wenigstens mit Preis. Es wäre aus unterschiedlichen Gründen schlicht inzüchtig gewesen, ihm den Hund offiziell anzuvertrauen. Nein, nicht, was du jetzt denkst. Ist ja widerlich. [Anmerkung zur ursprünglichen Version, die ggf. in den Feedreadern gelandet ist: Der Betreiber dieses Blogs ist entweder senil oder aktuell nicht ganz auf der Höhe. säzzer]

Kommen wir also zum unvermeidlichen ultimativen Preisträger, jenem Überlebenden, der den Underdog noch persönlich kannte. Die Idee zu dieser letzten Konsequenz ist so alt wie der Preis selbst, und ich habe keine Ahnung, wie ich die Spannung so lange habe aushalten können, dass sie schon seit vielen Jahren vollständig geschwunden ist. Ganz im Sinne seiner Schöpfungsgeschichte, Zischbumm Tadaa etcetera, danach kann nichts mehr kommen: Der Underdog 2018.

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