kapital


 
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Das Beispiel wird hinken, zumal sogenannte "Sanktionen" im Rahmen bestehender Verträge und Abhängigkeiten gern zu nicht geringem Teil Augenwischerei sind. Man tut halt was, um etwas zu erreichen – bis hierher ist das richtig. Allerdings werden Sanktionen nicht verhängt, um einen Staat oder dessen Regierung zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Nein. Das hat es noch nie gegeben.

Sanktionen, insbesondere die des Wertewestens gegen den Rest der Welt, sind Teil des Weltwirtschaftskriegs. Die USA zwingen ihren 'Partnern' dabei mithilfe eines ganzen Eimers an Mitteln ihre Interessen auf und liefern im Gegenzug 'Gründe', mit denen die Willigen ihren Wahlvölkern das als alternativlos aufschwätzen. Es geht dann, wie schon in den Angriffskriegen des Wertewestens, je um Menschenrechte, Frieden und Gerechtigkeit.

Die tun was

Die Wirkung der Sanktionen, zumal die kurzfristige, ist kontraproduktiv bis nicht vorhanden. Langfristig geht es darum, Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Am Rande spielt die Hoffnung auf einen Regime Change eine Rolle, aber das hat noch nie geklappt; im Gegenteil schließen sich die Reihen der Sanktionierten unter den Sanktionen erst recht.

Aber all das soll nur am Rande bemerkt sein. Es geht mir um etwas Anderes, nämlich um die Zerstörung des Restes an Demokratie, die in einem kapitalistischen Parlamentarismus noch übrigbleibt. Die Bürger dürfen keine politische Entscheidung selbst treffen. Was sie eigentlich wollen, wird von einem Cluster an Vertretungsvertretern zu Tode verwaltet, dafür können sie alle paar Jahre einige Namensschilder an den Amtstüren austauschen lassen.

Einzig als Konsumenten haben sie die Wahl, so sie denn flüssig sind. Da können wir dann nehmen, was uns gefällt und was wir bezahlen können. Wer aber hat nun den Hammerwerfern, die uns nicht einmal angedeutet haben, dergleichen zu beschließen, das Mandat verliehen, darüber zu entscheiden, was ich kaufen darf und was nicht?

Der Staat weiß das besser

Wenn doch alle sich so einig sind, dass sie für das Gute und gegen das Böse frieren wollen, dann können sie ja die Heizung abdrehen. Wenn sie meinen, der Russe solle sein Gas behalten, dann können sie es bei Anbietern kaufen, die es von dem nicht nehmen. Endlich kann einmal jeder für sich die politische Entscheidung treffen, die ihm zusagt. Mehr Demokratie geht nicht.

Das aber verbieten sie mir, damit sie es mir am anderen Ende (Versorgungsengpass!) doch wieder aufzwingen, um mir mittel- und langfristig die Gaspreise zu vervielfachen, Frackinggas zu fördern und ein Chaos an den Weltmärkten anzuzetteln, das nur noch mit ihrer nuklearen Vernichtung internationaler Diplomatie zu vergleichen ist. Okay, und mit dem endgültigen Abstieg des Journalismus zur Gossenpropaganda.

Wo sind eigentlich unsere Schönschwätzer von den 'Liberalen', wenn man sie ein Mal gebrauchen könnte? Lasst ihr euch das ernsthaft aufzwingen von diesen Staatssozialisten, dass jetzt ein Scheiß-Bundestag bestimmt, bei wem ihr eure Energie einkauft? Das beleidigt meine Konsumentensouveränität bis ins Mark.

 
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Foto: Kathrin Möbius / Münchner Sicherheitskonferenz

Diese Russen beflaggen nicht nur das ganze Land mit dem Banner weißrussischer Kriegstreiber; sie zensurieren nicht bloß allgemein alles, was sie "Hassbotschaften" nennen, und durchsuchen private Wohnungen von 'Trollen', sie stellen inzwischen sogar die Benutzung einzelner Buchstaben unter Strafe. Brutal, diese Russen! HELFT DEN OPFERN DES DIKTATORS!

Versprecherfehler, bedauerlicher, bundeskanzlerischer: Nur Verschwörungstheoretiker nehmen wörtlich, was ein Scholzomat ausplaudert, wenn er ins Schwärmen gerät: "Über Monate hinweg" hätten sie die Sanktionen geplant, die atlantischen Menschenrechtler und ihre Freundesfreunde, um den schrecklichen Krieg zu beenden, der noch gar nicht begonnen hatte. Und wenn der Verschwörungstheoret einmal in Schwung ist, liest er womöglich noch Pläne des wichtigsten Think Tanks der weltweit obersten Demokratieverteidiger.

Nur mal so angedacht

Dieser hat 2019 einen Plan vorgelegt, dessen quasi penible Umsetzung derzeit abzuhaken ist. "Russland überstrapazieren und ins Ungleichgewicht bringen" ist das Ziel der Veranstaltung. Besonders delikat: Es ist dort die Rede von Sanktionen, möglichst "umfassend und multilateral". Warum, wofür oder wogegen, das ist offenbar egal. Es ist nicht die Rede von einem Anlass, sondern ausschließlich von der erwünschten Wirkung.

Einen feinen Kollateralnutzen wittert derweil Heil, Hubertus, nach dem Ausscheiden von Andy Scheuer die Speerspitze der Intellektuellen in der deutschen Politik:
Der Herr Arbeitsminister betont, in der Krise dürfe man "nicht Rente gegen Rüstung ausspielen". In dieser Reihenfolge. Das ist sicher auch so ein Sprechfehlerchen wie bei Scholzens, aber wir sind hier so, wir lesen wörtlich. Demnach soll niemand auf die Idee kommen, Rentenerhöhungen zu erwarten, die auch nur annähernd an die Spendierfreude der 100 Mias für die (amerikanische) Rüstungsindustrie herankommen. Wir wollen positiv bleiben:

"Die Menschen bräuchten als erstes Soforthilfe, aber auch eine Bleibeperspektive. Dafür müssen und werden wir einen Zugang zum Arbeitsmarkt schaffen". Pflege, Erziehung, Drecksjobs – da können wir jeden brauchen, der nicht unangenehm auffällt (dunkle Haare, Augen, Haut). Sollte der Krieg, was entsetzlich wäre, schnell zu Ende gehen, sollten wir sie keinesfalls einfach wieder gehen lassen.

p.s., Disclaimer, für Idioten: Wer aus diesem Text eine "Rechtfertigung" liest, soll sich bitte etwas unappetitlich Großes südlich einführen. säzzer

 
sn

Ich muss hier einmal einen Kommentar wiederholen, in dem ich eine schöne Verschwörungstheorie entwickelt habe. Diese haben es ja so an sich, dass sie immer im Nachhinein aus dem Hut gezogen werden, weswegen sie inhaltlich so gut wie nie zutreffen. Andererseits können sich Entwicklungen ergeben, die niemand geplant hat, weil etwas, das eigentlich völlig anders geplant war, neue Gelegenheiten hervorruft, die dann genutzt werden.

Russland überfällt die Ukraine, provoziert damit die 'Sanktionen' und lockert so die Bindungen zwischen Europa und den USA – indem es diese nämlich überstrapaziert und Europa zur Aufrüstung provoziert, was es wiederum unabhängiger von den USA macht. Die EU muss sich fragen, was sie noch mit der NATO will, wenn diese nur US-Interessen dient oder Europa als Vasall in militärische wie wirtschaftliche Zwänge und Abenteuer verwickelt.

Feedbackschleife

Vor allem aber erzeugen die Sanktionen einen enormen Druck, Alternativen zum Handel in Dollars zu entwickeln. Russlands Geldflüsse zu stören, der Ausschluss von SWIFT oder auch nur die ernsthafte Drohung damit schließen auch andere Länder vom teils lebenswichtigen Handel mit Russland (und der Ukraine) ab. Zu viele sind abhängig von Öl und Getreide, und allein Indien und China können nur profitieren, wenn sie sich unabhängig vom Dollar machen.

Es ist vielleicht die Gelegenheit, die die USA Kopf und Kragen kostet, weil sie ohne die Vorherrschaft des Dollars auf den Weltmärkten nicht überleben können. Zu instabil ist längst deren 'Markt', der kaum mehr etwas produziert, was wirklich wer braucht. Ihr Exportschlager ist allein der Dollar. Jetzt gibt es obendrein auch noch Konkurrenz auf dem Kriegsmarkt.

Nur kein Neid

Derweil stützt Russland Leute wie Trump und ähnliche Hasardeure, um die USA zu destabilisieren. Russland hingegen ist in Sachen Lebensmittel und Energie autark und durch die autoritäre Ordnung mit Putin an der Spitze stabil. Das bringt mich zum letzten Punkt: Den Neid des Westens auf die Stabilität in China und Russland.

Träte Putin in den USA gegen Biden an, wen würden die Amerikaner wohl wählen? Ich wäre bereit, eine Menge Geld zu verwetten. Und selbst diejenigen, die ihn so eifrig verteufeln, bekämen wohl feuchte Höschen, träte er für die CDU an und verspräche eine wehrhafte Demokratie® unter seiner Führung. Es ist jedenfalls nicht ausgemacht, dass Russland wirklich etwas verliert durch diesen Krieg, und je hysterischer die Sanktionen, desto größer die Erfolgswahrscheinlichkeit.

 
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Es ist nicht nur so, dass Kapitalismus eine gewisse Qualität von Journalismus erzeugt, die nichts mehr zu tun hat mit Berichterstattung und Aufklärung. Die Aufmerksamkeitsökonomie, die verlangt, dass so schnell wie möglich so viel Reaktion wie möglich erzeugt wird – Empörung, Spannung, Heiterkeit oder Drama – reicht schon völlig aus, um nur mehr ein Produkt herzustellen, das verblödet.

Die Kommunikation im Kapitalismus ist auch ganz allgemein darauf angelegt, sich nicht mehr auszutauschen, sondern sich auszustechen. An einem Ende fördert sie deshalb jede Form von Konflikt, vor allem auch Kriege. Man muss eine regelrechte Militarisierung durch Lüge und Propaganda feststellen. Wohlgemerkt: Nicht erst im Krieg, sondern bereits im Alltag.

Manövriermasse

Kapitalismus kommuniziert rücksichtslos, zielgerichtet und mit einem ausschließlich instrumentellen Bezug zur Wahrheit. Vertrauen verkommt zu einem Produkt, einer Marke, die nichts mit der Substanz echten Vertrauens zu tun hat. Die Konstellation ist ausbeuterisch: Wer so kommuniziert, betrachtet den Empfänger nicht als Mitmenschen, sondern als Ziel.

In dieser Hinsicht ist Kapitalismus von Krieg nicht zu unterscheiden, zumal die Ziele, Zivilisten/Bürger, im Krieg wie in der Konkurrenz nur Manövriermasse sind. Sich selbst zu optimieren heißt schon vor allem, sich in ein besseres und andere in ein schlechteres Licht zu stellen. Mitmenschen sind eine Bedrohung für das eigene Fortkommen und müssen aus dem Weg geräumt werden.

Selbst in ganz privater Kommunikation geht es andauernd ums Aburteilen, im Zweifelsfall Dritter, die als minderwertig erkannt werden müssen. Diese Haltung versetzt eine ganze Gesellschaft in einen permanenten Bereitschaftszustand, Konkurrenten, Minderwertige, Feinde auszumachen, die weder Wert noch Rechte haben sollten. Wird dann zum Sturm geblasen, ist der ideologische Boden längst bereitet. Kapitalismus ist Mord.

 
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Es geht mir in den letzten Jahren – für meine Verhältnisse – finanziell gut; das heißt, dass am Ende des Geldes nicht mehr Monat übrig ist, sondern umgekehrt. Das war oft anders und es ist ganz beruhigend. Dass ich noch verdrängen muss, was im sogenannten "Rentenalter" wird, versteht sich hingegen.

Ich bin damit so etwas wie allerunterste Mittelschicht, was bedeutet, dass ich mir eine nette Wohnung und täglich zwei Brötchen leisten kann. Dass mein Bäcker allerdings jüngst die schon unverschämtem Preise noch einmal unverschämt erhöht hat, ließ mich dezent erröten. Hab ich keinen Bock drauf. Das kostet bei täglichem Verzehr jetzt knapp 23 Euro im Monat. Kein Problem für mich, aber ich habe es ja auch. Nun, es muss ja auch nicht jeder essen.

Zieht euch warm an

Anhand solcher Entwicklungen wird deutlich, was es bedeutet, wenn sich die Inflation auf den täglichen Bedarf auswirkt. Bei den Mieten haben wir das schon lange, ich habe des Öfteren darauf hingewiesen. Das bleibt abstrakt, solange man nicht selbst aus der Wohnung erhöht wird. Man muss aber extrem naiv sein, wenn man glaubt, die Geldflut der Zentralbanken wirke sich nie auf den realen Bedarf aus.

Einen Schritt zur Seite noch: Das Fluten mit Geld dient dem Zweck, einen Kapitalismus im Endstadium aufrechtzuerhalten. Nur so sind im großen Rahmen noch positive Profitraten möglich. Das fällt dann auch auf, wenn es zu offensichtlich wird mit der Korruption, Beispiel Energiewirtschaft: Während sozialdemokratische Nichtökonomen munter von Einhegen® plappern, ist das Gegenteil der Fall, weil nötig. Wer einen guten Markt® vorweisen will, muss dem kranken Kapital die Krücken reichen und den Rollstuhl schieben.

TINA

Selbst einige in den großen Redaktionen haben das inzwischen bemerkt und nennen das Kind beim Namen. So viel Pluralismus® darf sein, während auf den Titelseiten weiterhin der neoliberale Muezzin singt. Der Artikel erschien übrigens im Kulturteil. Selbst die Interessen des Kapitals werden zur Parodie, wo ihre Durchsetzung denen nicht mehr dienen kann, die sie vordergründig haben. Sie sägen am eigenen Ast? Jemand muss ihnen helfen!

Gleichwohl plündern sie uns aus, vor allem über Mieten, auch über andere Lebenshaltungskosten. Ideologie löst aber wie immer gar nichts an den Problemen. Wie wir dieser Tage sehen, hat das Kapital keine tragfähigen Ideen fürs eigene Überleben und die Menschen keine politische Vertretung. Da, wo sie aufbegehren, gemahnt es an Hexenprozesse und Lynchjustiz. Wir könnten stattdessen einfach mal ein paar Monate die Mieten nicht zahlen, aber das wäre ja undeutsch.

 
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Vor exakt zehn Jahren erwähnte ich am Rande einen Korruptionsfall in Sachen Rüstung, damals betroffen die sympathietragende Firma Heckler&Koch. Ich habe einmal nachgeschaut, wie sich das so entwickelt hat an der Heimatfront, und bin dezent amüsiert. Die Klimaentwicklung mag dazu führen, dass in Deutschland bald endlich Bananen angebaut werden können.

Es ging zunächst um eine Bestechungsaffäre in Mexiko. Dieser furchtbare Einzelfall ist zwar furchtbar, vor allem aber Einzelfall. Sicher. In Sachen Sicherheit ist jeder Fall ein Einzelfall, das sagt bereits die Sprachregelung. Dazu keine weiteren Fragen!

Auswüchse

In einer lau faulen Kurzbemühung einer Suchmaschine stieß ich sodann auf einen weiteren Einzelfall, in dem von einem Plural die Rede ist, betreffend diesmal Parteispenden. Waren doch Sturmgewehre der Firma in Mexiko "gelandet". Tatsächlich gab es ein Gerichtsverfahren und Verurteilungen – einzelner Einzelfallmitarbeiter.

Da kann man mal wieder sehen, wie erfolgreich in Deutschland Zucht und Ordnung exekutiert und durch Einhegen® wiederhergestellt werden. Man stelle sich vor, die Einzelfallmitarbeiter vergifteten eine ganze Firma! Die könnte dann bestimmt gar nicht mehr an Ausschreibungen teilnehmen. Diese sind übrigens in Deutschland die saubersten überhaupt. Man weiß gar nicht, wer hier sauberer ist, aber am Ende wird ja alles gut (H&K gewinnt).

Dass die Knarren "bei Soldaten beliebt" seien, pfeifen artig die Pfeifen aka Qualitätsjournaillisten aus den unterbesetzten Redaktionsoberstübchen, allen Mängeln zum Trotz. Sagten wir "Mängel"? Welche Mängel? Die allkompetente damalige Verteidigungsuschi und ihre McKinsey-gestählte Truppe wollte das wohl so. Da kann man nix machen. Nun siegt mal schön!

 
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Ich rede von einem Freund: Nun, da die Energiepreise und dies und das so richtig anziehen, ist doch die beste Zeit, um mal ordentlich durchzugentrifizieren. Hurra, eine doppelte Mieterhöhung steht an, nach einer für ihn völlig sinnlosen 'Modernisierung'. Es ist ein Mehrfamilienhaus, demnächst folgerichtig ein Wenigerfamilienhaus. Leerstand gibt es übrigens schon reichlich in der Gegend.

Kann ja nicht sein, dass die edle Eigentümerschaft, die jüngst eine harte beschwerliche Erbschaft gemacht hat, sich mit weniger Mehr zufrieden gibt als die Nachbarvampire. Das hatten die Eltern noch gemacht, diese Naivlinge mit ihrem lächerlichen "Mietfrieden"! Dann lieber alle rauserhöhen, Neumieten verdoppeln und warten, wer kommt. Die Immobilie ist hundert Jahre alt, die Familie hat eine ganze Reihe davon. So geht Feudalismus heute, auch für Mittelschichtsarschlöcher. Es muss nicht immer Big Big sein.

Der Markt regelt das

Die freuen sich aber auch, nämlich über die kommende Bundeseigentumszentrale aka "Regierung". Guxtu hier: Wann enteignen, wenn nicht jetzt? Der Grüne Profit ist nachhaltig. Wer würde auch angesichts kollabierender Lieferketten und Kampf um die letzten Ressourcen so etwas vorsintflutliches wie Staatseigentum zulassen? Am Ende machen die noch Lagerhaltung und Daseinsfürsorge – wer soll das alles bezahlen? Gut, dass wir die Grünen haben und die anderen neoliberalen Bremsbirnen.

Man sieht es ja allenthalben in der Werbung: Nachhaltigkeit ist schon jetzt zu 110% umgesetzt. Der SUV hat 400 PS, ist reinelektrisch und damit voll-kommen e-mis-sions-frei Ausrufungszeichen! Alles ist jetzt öko, klimaneutral, vegan, transgender und lactosefrei. Was jetzt noch CO2 ausstößt, kommt von den Russen und Chinesen. Die haben auch das mit dem Hambacher Forst und der Braunkohle gemacht. Das war nämlich Gazprom, und dann haben sie die Wahl manipuliert. Armer Armin!

Zu guter Letzt noch einen Glückwunsch an das identitäre Dummbratzentum mit Sternchen, Unterstrich, Doppelpunkt und Kenntnisbefreiungsschein bezüglich deutscher Sprache: Stund doch neulich auf dem Bus vor mir eine (ohnehin seltsame) Stellenanzeige, in der Fachärzte gesucht wurden, in der von "Arzt*in" die Rede war. Arztin. Arztsternchenin. Diese Religion ist exakt so bescheuert wie alle ihre Vorläufer. Naja, kein Wunder, das ist halt dieses Mittelschichts-'Links'. Mitte-Links, mithin Rechts. Ich geh dann mal wieder ins Bett.

 
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In den Anfangsjahren dieses Blogs habe ich mich mehr an der Oberfläche bewegt. Es ging um Tagespolitik und Kritik wurde recht konkret, Beispiel: 100% Erbschaftssteuer. Ich möchte für einen Moment dorthin zurückkehren, dabei aber grundsätzlich bleiben. Es geht noch einmal um Lohnarbeit, die eine Wiederkehr der Sklaverei unter teils noch schlechteren Bedingungen ist.

Lohnarbeit hat für den 'Investor' den Vorteil, dass er den Arbeiter nicht durchfüttern muss. Der Lohn darf so gering sein, dass es nicht zum Leben reicht. Den Rest übernimmt ggf. der Staat. Der wiederum zwingt die Arbeiter im Interesse der Investoren dazu, jede Arbeit unter allen Bedingungen anzunehmen. An die Stelle der Sklaventreiber, die Angestellte der Herren waren, tritt der Staat. Alternativ werden die Bedürftigen nicht alimentiert und nehmen von selbst jede Tätigkeit auf, von der sie sich ein Überleben erhoffen.

Moderne Methoden

Im Gegensatz zur klassischen Sklaverei drohen den Betroffenen nicht mehr Peitsche oder Strick, sondern Obdachlosigkeit, Hunger und soziale Isolation. Die Investoren bestimmen aber letztlich, wer noch ein erträgliches Leben führen darf und wer nicht. Dabei haben sich, adäquat der Sklaverei, längst Dynastien von Herren und Sklaven gebildet. Die Bedürftigen haben zwar das Recht, keine Sklaven zu sein, aber nicht die Möglichkeit dazu. Freiheit ist eine juristische Spitzfindigkeit.

Real: Es wird kaum je angezweifelt, dass jeder ein Drittel seiner Lebenszeit der Ausbeutung zur Verfügung stellen muss. Ein weiteres Drittel sei Schlaf, eines Freizeit. Mit welchem Recht eigentlich? Es kommt aber noch besser: Du hast mit acht Stunden Schlaf auszukommen. Punkt. Bedürfnisse? Essen? Kacken? In der Pause aka "Freizeit". Arztbesuche? Freizeit. Einkaufen, putzen, Reparaturen, auf dem Weg zur Maloche im Stau stehen? Freizeit.

Auf der Arbeit gehörst du deinem Herrn. Dienstliche Anweisungen haben Befehlsrang. Wann, wo und wie du arbeitest, gern jenseits der vertraglichen Vereinbarungen, entscheiden Andere. Ohnehin was wie von wem wo wie lange produziert wird. Das entscheiden diejenigen, die davon profitieren, niemand sonst.

Was zusammengehört

Dies wiederum gilt für Lohnarbeit hierzulande. Was etwa in Katar Standard ist, unter tatkräftiger Mithilfe westlicher Propagandisten, ist schon offensichtlicher; es bleibt aber ein gradueller Unterschied. Selbst Grundrechte werden dort zwar großspurig versprochen, offenbar aber noch immer nicht eingehalten.

Dies ist übrigens der faire internationale Wettbewerb®, dem sich alle zu stellen haben. Das globale System drängt zwangsläufig zu immer brutalerer Ausbeutung. Wenn die Profite schwinden, kriselt die Wirtschaft; wo man nichts verdienen kann, wird nichts mehr produziert, da es sich ja nicht lohnt. Regionen, Staaten, Völker verelenden. Das ist ein Feature, kein Bug.

 
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Eine Art Quereinstieg zur Kapitalismuskritik hat Fefe neulich hervorgebracht. Ich finde das sehr begrüßenswert, auch wenn da nicht von Produktionsbedingungen die Rede ist. Auch dass er offenbar von der Lagerung auf der Straße noch nicht gehört hatte, stört mich nicht. Es ist nämlich ebenso wenig die Rede von Einhegen oder sonstwie verkürztes Zeugs, sondern eine nette Aufreihung von dem, was ist.

Das ist daher so eine Art latente Immanenzkritik – der Zustand wird anhand von Beispielen illustriert, die quasi automatisch zu einer Kritik führen. Die Absurdität wird zwar nicht mit dem Primat des Profits in Verbindung gebracht, es wird aber deutlich, dass sie aus Gründen, die dem System innewohnen, hervorgebracht wird. Das sind drei Viertel des Weges.

Besonders spannend ist der Aspekt, dass es hier um Ressourcen geht, genauer: den Mangel aus Überfluss. Es zeigt erstens, dass jede Form von Umwelt- oder Klimaschutz an den Produktionsbedingungen ansetzen muss, und eröffnet ganz nebenbei folgende Perspektive:

Globales Kapital, regionalisiert

Wenn Kapitalismus solche Zustände hervorruft, können sich die Kapitale auf die Dauer nicht mehr auf globale Lieferketten verlassen. Daraus folgt, dass sie sich regionalisieren müssen. Es braucht also besser verteilte Ressourcen – nicht durch Lagerung, sondern durch Produktion vor Ort. Es wird dabei zu einer harten Konkurrenz der Regionen kommen. Die einen trocknen aus, die anderen werden reich.

Politisch geht daraus die Möglichkeit hervor, auch die Verwaltungsmacht zu regionalisieren. Es wäre ein evolutionärer Schritt in die richtige Richtung – Weg von zentralistischen, hierarchischen Modellen, hin zu breiter verteilten. Ein Potential für Demokratisierung, das man noch kaum einschätzen kann.

Die großen Kapitale werden angesichts der Eigentumsordnung selbstverständlich in die Regionen 'investieren', die prosperieren werden – und umgekehrt. Dies wiederum wird den Konflikt zwischen Kapital und Bevölkerung erheblich verschärfen und in einer regionalisierten Form zu Lasten der Macht großer Kapitale gehen. Haltet also Ausschau nach Söldnerarmeen. Die können in den Konflikten der Zukunft eine sehr hässliche Rolle spielen.

 
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Das Elend des Spätkapitalismus kann man beinahe greifen. Eigentlich glaubt niemand mehr an Geld, bloß: Das setzt die Regel nicht außer Kraft, dass kurz vor dem Kollaps einer Religion der Glaube noch einmal krude gefestigt wird und gern in Fanatismus umschlägt. Phrasen wie in den letzten Tagen der DDR.

Wer sich aktuell einmal die Preise auf dem 'Markt' der Anbieter für Telefon und Internet anschaut, staunt: Selbst die Lockangebote sind teuer und die Unterschiede quasi nicht vorhanden. Das ist nur ein Beispiel, von Spritpreisen oder bereits abgehefteten 'Skandalen' wie Preisabsprachen zwischen den großen Brauereien ganz zu schweigen.

Automatic Capitalism

KI würde das ganz genau so machen, um nicht zu sagen: Sie macht es. Das ist dann Software, da kann man nix machen. Na, wer hegt das jetzt wieder ein? Das kann ja schließlich kein Systemzwang sein, denn das wäre ideologischer Kommunismus. Pfui! Wir haben hier Sozialemarktwirtschaft®.

Wie war das derweil noch mit den Banken? Nehmen Negativzinsen (Herr Gesell, bitte ans Telefon!) für immer kleinere 'Vermögen', Gebühren wie die Mafia und machen neuerdings auch selbst mit Digital-Ponzi rum, weil das so fresh ist. Diese Charge ist so systemrelevant wie ein Blutschwamm am Arsch. What's next? Brutale Gebühren für Bargeldauszahlungen? Wait for it!

Einzahlen kannst du ja eh schon nicht mehr. Die schwäbische Hausfrau wurde gemeinsam mit ihrem Sparschwein gekeult, wird aber sicher als Dämon überleben, wenn es darum geht, dem Wahlvieh die ollen Kamellen zu reichen, um ihm das Maul zu verkleben. “Neu denken“ nennt der 'neoliberale' Pöbel das. Seit vierzig Jahren. Tag. Für Tag. Für Tag. Wachstum. Wohlstand. Wachstum. Wohlstand. Wachstum. Wohlstand …

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