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Es ist wohl so ziemlich egal, in welchen Zeiten man lebt, es sind immer wieder Sozialdemokraten, die alles, aber auch alles falsch machen, wenn man sie an ihren vorgeblichen Zielen misst, allen voran soziale Gerechtigkeit®. Tatsächlich waren es immer Kommunisten oder andere Revolutionäre, die soziale Fortschritte brachten, welche die Sozen dann jeweils für sich reklamierten.

Werden wir für einen Augenblick konkret: Ausgerechnet in einer Situation, in der selbst hartgesottene sog. "Konservative" oder "Liberale" zu klassischen staatssozialistischen Mitteln greifen, gelingt es der britischen Labour Party, endgültig einen Vorsitzenden rauszukanten, der annähernd links zu sein drohte. Er wird jetzt durch einen richtigen Politiker ersetzt, der sich "Sir" nennen darf. Glückwunsch, 'Labour'!

Von Anfang an waren Sozialdemokraten ein Bollwerk des Kapitals gegen die Kommunisten. Je stärker diese wurden, desto mehr Konzessionen hat das Kapital an die Arbeiterschaft gemacht und den Sozialdemokraten die Blutarbeit überlassen, sie von ihrem einzigen mächtigen Feind zu befreien. Es war Sozialdemokraten wie Ebert und Noske vorbehalten, Arbeiteraufstände zusammenschießen zu lassen, ohne damit der Revolution zum Sieg zu verhelfen. Niemand sonst wäre damit durchgekommen.

Wer kämpft für wen?

Sozen wie Wehner und Brandt wiederum haben den Kommunismus in Westdeutschland endgültig ausgerottet. 'Ihr' Lohn: Zugeständnisse an die Arbeiterschaft, eine Beteiligung an der Produktivität gar in Zeiten, in denen das Kapital sich das leisten konnte. Dumm nur, dass nach dem Untergang der Kommunisten in Ost und West kein Grund mehr bestand, auf die Interessen der Lohnabhängigen einzugehen.

Die ohnehin schon weichgespülten und korrupten Organisationen der Sozialdemokraten, die deutschen Gewerkschaften, machten bald anstatt für ihr Klientel zu streiten, selbst Politik für Profite. Die Partei ohnehin: Deregulierung, Lohndumping, Privatisierung, Hartz-Gesetze, 'schlanker' Staat und eine aggressive kapitalhörige Propaganda - alles, was die politische Rechte nie hätte durchsetzen können.

Was wir heute erleben von Sozialdemokraten in SPD, 'Linke' und 'Grünen', ist untertäniges Schweigen, dummes Geschwätz oder leere Phrasen, um hektisch dem Sachzwang folgenden Aktionen als "Politik" zu verkaufen. Oder eben noch blöder, indem staubige Versprechen zum Hundertsten aufgelegt werden. Ernsthaft Esken, "Vermögenssteuern" lösen jetzt irgendein Problem?

Zur Hölle oder ...

Niemand kann erwarten, dass eine dieser Pfeifen das Steinchen auch nur einen Meter nach vorn wirft oder radikale Veränderungen fordert, die ohnehin nicht zu vermeiden sind. Standhaft staatstragend reiten sie stattdessen den toten Gaul durch die Untiefen, in denen das überkommene Gesellschaftsmodell gerade versinkt. Das braucht kein Mensch mehr, und ich bin guten Mutes, dass es sehr bald ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte sein wird.

Wer würde jetzt ernsthaft auf ausgerechnet diese Verräter hoffen, die dafür gesorgt haben, dass nicht nur am Gesundheitssystem gespart® wurde, sondern vor allem an allen Lohnabhängigen, denen wir das Nötigste und damit Wichtigste verdanken? Pflegerinnen, Erzieherinnen. Lieferanten, Hygienekräfte, Sanitäter, Wachleute, Verkäuferinnen, et cetera et cetera - sie werden gnadenlos ausgebeutet, schuften sich kaputt und haben nachher oft nicht einmal eine akzeptable Rente.

Dieses Proletariat muss sich wieder organisieren. Wir brauchen wieder Kommunisten, und sei es nur als Drohung - sie dürfen derweil gern klüger sein als die bornierten Leninisten des 20. Jahrhunderts. Wir brauchen Anarchisten, die dafür sorgen, dass Demokratie als Selbstbestimmung verwirklicht wird und nicht im Gemauschel korrupter Stellvertreter untergeht. Wir brauchen Menschen, die sich holen, was ihnen zusteht und sich nicht mehr sinnlos unter die Knute des Kapitals begeben.

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Oder sollte man sagen, die Schießerei ist im Gange? Ich hatte bereits geäußert, dass es die Eigentumsordnung empfindlich trifft, wenn Mietern erlaubt wird, die Zahlungen auszusetzen. Wie man hat erwarten können, ist jetzt der Kampf der Starken gegen den Rest entbrannt, ausgerechnet an der Mietenfront.

Konzerne wie H&M, Deichmann und Adidas haben den Vermietern ihrer Immobilien mitgeteilt, dass sie ihre Mieten nicht zahlen. Warum machen wir das eigentlich nicht alle, und zwar dauerhaft? Nun, man kann uns dafür kündigen. Die Genannten und ihre Eigentümer hingegen werden so schnell nicht rausfliegen, weil die Vermieter dann erst recht Angst um ihren Umsatz haben.

Gerade angesichts solcher Modelle, in denen Immobilien von Konzernen verkauft und dann zurückgemietet werden, wird das ganze Geschacher und die gegenseitige Geiselnahme deutlich. Wem gehört eigentlich was, warum profitieren eigentlich immer dieselben und wieso sind das die Ersten, die es sich erlauben, ihrerseits der Zahlungsverpflichtung nicht nachzukommen? Weil sie sich das verdient haben mit der nobelpreiswürdigen Idee, drei Streifen auf einen Schuh zu kleben?

Dereguliert

Das ist ganz sicher kein moralisches Problem, wie uns das hilflose Statement der Bundesregierung suggerieren soll, in dem Vokabeln wie "unanständig" und "unsolidarisch" fallen. Ach, ist das sonst also anders - der Kapitalismus mithin solidarisch und anständig? Heißt es künftig "solidarische Marktwirtschaft"? Nein, Freunde, das ist das Original eures fairen Wettbewerbs®.

Aber es kommt noch dicker, das Dilemma ist nämlich total. Die Propaganda bläut uns seit Jahrzehnten ein, es dürfe keinesfalls eine ausgleichende Gerechtigkeit geben, das sei nämlich die böse Ergebnisgerechtigkeit®, die den dollen Wettbewerb® kaputtmacht und die heilige Eigenverantwortung®, und jetzt, wo die Konkurrenz offen ausbricht, soll das nicht mehr gelten?

Jetzt also soll (mal wieder, zuvor waren es ja die hungernden Banken) alles und jeder gerettet werden? Nein, dafür reicht nicht mal die große Konfettikanone. Also eben doch der Eine nicht, dafür der Andere, und weit breit ist kein Markt® in Sicht, der das regelt®. Es wird ein Massaker, und es hat bereits begonnen.

 
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Halten keinen Abstand: Proleten vor dem Eingreifen der Polizei

Ein bisschen Empörungsorgel für den Anfang, auch wenn ich mich aus Gründen der Vernunft nicht über dergleichen errege: Wenn zwei Proleten sich in der Stadt ein Autorennen liefern und ein Dritter kommt dabei zu Tode, werden die Honks wegen Mordes angeklagt, weil sie den Tod anderer billigend in Kauf nehmen. Was tun wir mit Reichen, die sich ein Beatmungsgerät in die Kammer stellen?

Was wir derzeit erleben, ist kein Ausnahmezustand. Es ist der Normalzustand, und zwar vor Ort, vergrößert und mit allen Konsequenzen. Diesmal kann der Weltmeister seine Probleme nicht exportieren und die Lösungen nicht billig importieren. Das Problem der Seuchenvorsorge wurde ins Nirwana exportiert. Das hat uns niemand abgenommen. Das Gros unserer Arbeitslosen finden wir in den ärmeren Ländern der Eurozone. Die Kranken und Toten unseres Luxus' rackern irgendwo auf Kaffeeplantagen und in Coltanminen. Das guckt man sich nicht abends im Fernsehen an.

völlig normal

Diejenigen, die ohnehin früher sterben, weil sie Unterschicht sind, weil sie arm sind, weil ihr Leben einfach nicht 'gesund' ist, stehen auch jetzt oben auf der Liste. Sind sie alt und arm, sieht es wirklich nicht gut aus. Seuchenvorsorge für alle war zu teuer. Gut, dass die Meisten, auf die es jetzt ankommt, keine Gehälter beziehen wie Anwälte, Werbefachleute, Manager oder Profisportler. Wir wären schon heute pleite.

Das System ist auch so hinüber. Die Neolibs werden das nie begreifen und hauen auch jetzt ihre dümmsten Sprüche raus; ich mag sie nicht einmal mehr zitieren. Andere werden kreativ: Helikoptergeld, Billionenbürgschaften, Mieten und Löhne aussetzen oder von der Zentralbank bezahlen lassen. Es wird nicht einmal mehr versucht, die Eigentumsordnung, laut INSM "Naturrecht", aufrecht zu erhalten. Sie erweist sich im Scheinwerferlicht als ungerecht, als tödlich gar. Das kann man nicht mehr retten, das muss weg.

Es reicht

Es dämmert den Menschen da draußen und vor allem drinnen. Ihre Quarantäne, ihre Pleite, ihre Sorgen, sind der Erfolg kapitalistischer Konkurrenz. Wer jetzt zu denen gehört, die Menschen retten und Notbetrieb aufrecht erhalten, denen sieht man die Erschöpfung an. Nicht einmal für Notzeiten haben wir genug von ihnen. Sie sind zu teuer. Wir werden sie auch danach nicht besser bezahlen. Wovon denn auch?

Zitat aus den Kommentaren:
"Diese aufgeblasenen BWLer werden es nicht kapieren: Es ist das Ende "angebotsorientierter Märkte", die den Leuten fußballfeldgroße Fernseher anbieten, obwohl gerade Atemmasken gebraucht würden.
Warum gibt es die nicht?
Die Herstellung hat sich nicht 'gelohnt'.
"
Keine weiteren Fragen.

 

In Deutschland zählt das Privateigentum, also die grundsätzliche Zuweisung dieser Herrschaft an den einzelnen Menschen, neben der Freiheit zu den Grundpfeilern der Verfassung.
Der Liberalismus leitet das Privateigentum aus dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen und aus dem Naturrecht auf Selbsteigentum des Menschen an Leib und Leben sowie an den Früchten seiner Arbeit ab. Legitimationsgrund des privaten Eigentums ist also vor allem die persönliche Leistung.

                 Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
 

Am Anfang dieses Desasters funktionieren die Staaten noch ganz gut. Irgendwer muss ja das Seuchenmanagement übernehmen, und in den meisten klappt das. Was danach kommt, ist nicht vorhersagbar, und das liegt an der zentralen Funktion moderner Staaten: Dem Schutz des Eigentums und damit des Kapitals. Das wird vermutlich das wahre Desaster werden.

Es ist keine Überraschung, dass noch vor den Maßnahmen zum Ausbau von medizinischer Infrastruktur die Finanzminister aus der Dose sprangen und brav aufsagten, sie würden allen helfen, die etwas zu verlieren haben, also Konzernen, Gesellschaften, Aktienmärkten, Leistungsträgern. So weit noch das Ritual zur Beruhigung der scheuen Rehe und ihrer Gottheiten, der Märkte.

Systemrelevant

Zeigt sich jetzt allerdings: Erstens verkehrt sich binnen Wochen die zentrale Bedeutung des Wortes "systemrelevant". Dafür bekommen Hungerlöhner, die derzeit bis zur Erschöpfung rackern, nachmittags vereinzelt Applaus von der Bevölkerung. Ich kann euch nicht sagen wie froh ich bin, nicht mehr vollstationär zu arbeiten. Man macht es ja doch, lässt sich zum Dank eben bis auf die Knochen ausbeuten.

Derweil purzeln die Pleiten, auch diese Lawine nimmt erst Anlauf. Die Kleinen hört und sieht noch keiner, immerhin schon auffällig, wenn es eine Restaurantkette trifft, die Fluglinie sowieso. Was passiert da, was wird noch kommen? Nun, es wird gehobelt, das endet immer in Konzentrationsprozessen. Kriegsgewinnler werden die Reichen und Rücksichtslosen sein. Das ist kein moralisches Problem, sondern das systemische, von dem linke Zecken immer labern, wenn sie das K.-Wort sagen.

Wer am Ende noch steht, kauft den Rest für nen Appel und ein Ei. Man wird sie "Investoren" nennen, die Ausbeuter der Ausbeuter und ihnen danken, dass sie nicht woanders plündern gehen. Zudem erweist sich gerade, wie klug es doch ist, in Immobilien zu investieren. Die einen kassieren unverdrossen, die anderen mieten sich in den Konkurs oder die Privatinsolvenz. Geschützt wird nicht das Leben und nicht das Wohnen, sondern das Eigentum und damit der Anspruch auf Miete.

Weiter so

Es wird furchtbar werden - Staatsschulden ohne Ende, Sozialsysteme überlastet, an denen dann leider gespart werden muss. Ökonomischer Kahlschlag - es wird nicht gearbeitet, weil die Zahlen das nicht zulassen. Alles ist da: Ressourcen, Arbeitskraft, Bedarf. Kapitalismus aka Sozialemarktwirtschaft® schreibt aber vor, dass daraus nichts gemacht werden darf, weil jetzt alles dem Vermieter gehört, den Banken oder einer Konkurrenz, die damit keine mehr hat.

Schon vorab dreht das System weißglühend auf, um den schönen Kapitalismus zu retten, dem eine gute Vorbereitung auf Seuchen zu teuer war und dem schon Krankenhäuser für Normalverdiener ein Dorn im Auge waren. Die Alternative, ein Innehalten, ein Verstehen, ein Es-geht-so-nicht weiter, wird es nicht geben. Man will sich ja in der Krise nicht von Extremisten belehren lassen.

 
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Es wird viel geredet über Geld, Kapital, Zinsen und dergleichen. Selten kommt dabei die ganz konkrete Wirkung des Geldes auf den Menschen zur Sprache, bei der alltäglichen Anwendung quasi. Ich möchte mich einmal mit der psychologischen Wirkung des Geldes auf den Menschen befassen, die nämlich eine tragende Säule des Systems ist und die man kaum wird ändern können.

Geld, vor allem Bargeld, wird ausschließlich positiv betrachtet. Es zu haben, zu bekommen, darüber verfügen zu können, verleiht ein gutes Gefühl. Sogar ausgerechnet diejenigen, die ständig 'knapp bei Kasse' sind. erleben es nicht etwa als den Fluch, der es ist, sondern im Gegenteil als Segen, geadezu als Erlösung, wenn es endlich wieder welches gibt.

Haben wollen

Das Fehlen von Geld wird empfunden wie Deprivation - der Verlust der nähernden Mutter. Verlust, womöglich durch eigenes Handeln, wird empfunden wie eine Strafe, die Folge der Schuld, die sich als Empfinden wiederum gegen den Sünder wendet. So ist Geld in einer Gesellschaft, in der es 'zum Leben' gebraucht wird, per se ein Belohnungssystem, ähnlich einer starken Sucht. Obendrein heißt der Lebensunterhalt der Massen sprichwörtlich "Lohn"; diesen gibt es für die Selbstunterwerfung im Dienst des Profits.

Wer nicht mitmacht, wer keinen Herrn hat, wird bestraft - durch Armut, Gängelung, Ächtung. Die meisten Menschen reagieren mit starker Abneigung auf die Idee einer geldlosen Gesellschaft. Es erscheint ihnen, als verstoße sie gegen sämtliche Naturgesetze. Dies ist das Resultat tief sitzender Gewöhnung, Abhängigkeit, Konditionierung und Unwissenheit. Gerade Letztere wird aus nachvollziehbaren Gründen nach Kräften gefördert von den Profiteuren, die keinen Zweifel am System und ihrer Rolle zulassen können. Das bedeutet aber keineswegs, dass 'Mächtige' oder 'Eliten' all diese Effekte erfunden haben.

Hand Gottes

Geld, das in vorkapitalistischen Zeiten noch Tauschmittel gewesen sein mag und ansonsten Instrument einer anderen Form von Herrschaft war, bringt die Tendenz zu diesem Suchtverhältnis mit sich, spätestens eben, wenn es in die kapitalistische Phase eintritt. Ursprünglich ist dieses Suchtverhältnis ein Nebeneffekt, der die meisten Menschen auch gar nicht betraf, weil ihr Leben und Wirtschaften nur mittelbar mit Geld zu tun hatte. Niemand hat das geplant, aber es ist eine zentrale Wirkung.

Die völlig irrationale Herrschaft des Kapitals über die Menschen (übrigens auch über die Reichen und Superreichen) hat auch damit zu tun, dass Geld fast immer als positiver Verstärker auftritt und deshalb aus Gründen der Konditionierung nie infrage gestellt wird. Seine fatale Wirkung bleibt ebenso für jeden Einzelnen eine abstrakte Fernwirkung wie die rationale Kritik Sache einer komplexen Wissenschaft ohne Zugang zum Alltag.

Verräter

In einem solchen System muss die Propaganda der Konservativen (Reaktionären), die das System erhalten wollen, zwangsläufig absurd sein. So kommt sie um die Ecke mit religiös-psychotischen Welterklärungen wie der "unsichtbaren Hand des Marktes". Der Gipfel ist die Mär von der 'Eigenverantwortung', ihrerseits Spross einer protestantischen Religiosität.

Das System ist hoch komplex und psychologisch von einer Suchtstruktur geprägt. Individuelles Handeln findet als Ursache für relevante Folgen gar nicht statt, zumal auch niemand Einfluss auf die Rahmenbedingungen hat. 'Eigenverantwortung' tritt dennoch auf als Vorwurf ausgerechnet gegen jene, die aus dem System herausfallen. Junkies beschimpfen die Nichtsüchtigen, weil die ihre Pflicht an der Spritze vernachlässigen. So vernünftig ist das.

 
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Quelle: pixabay

Da wird mir immer schwindlig. Wie muss es erst Lesern ergehen, die sich zurecht über die Dreistigkeit von Amtsträgern erregen und dann hier zu lesen kriegen, das sei alles irrelevant. Wir müssen reden. Nicht zuletzt über erstens die allgemeine Entwicklung und zweitens über die Personalie Friedrich Merz - um dann noch meine zähe Kritik am Humanismus durchzukauen. Kommt, das kriegen wir hin!

Augenrollen! Ist POTUS Trump noch ein Beispiel oder so etwas wie das Gegenteil - der Beleg dafür, dass man immer mit allem rechnen muss und im nächsten Moment schon mit dem Gegenteil? Ich möchte hier eine alte These gelten lassen: dass das System nicht zufällig korrumpiert, sondern programmgemäß und dass mit fortdauernder Krise das Zerbröseln der Säulen 'normal' ist. Trump ist Symptom dafür, dass der Extremismus der 'Mitte' die Hülle der Zivilisation absprengt. Es geht um Macht. Die wird für viele umso attraktiver, je rücksichtsloser und absurder sie genutzt wird.

Der schon wieder

Gesittet hingegen geht es noch im deutschen Vaterland zu, das gehört sich so und hat es als Vorbild bis nach Hollywood geschafft - in der Figur von Hans Landa, dargeboten von Christoph Waltz. Dies als Stimmungsbild. Bei uns sind sie adrett und sachlich, bar hinderlicher Emotionen, wenn es darum geht, die allseits geschätzten schmerzhaften Entscheidungen® zu treffen. Der Ton ist ruhig, der Anzug sitzt, ein calvinistischer Hintergrund von großem Vorteil. Juristenfamilie, nicht weit vom Stamm, bestens vernetzt. Karriere vorprogrammiert. Willkommen bei Bundeskanzler Friedrich Merz!

Passend ist diese 'Personalie' schon, weil sie sich bei allem Ehrgeiz, der seine Nähe zur Eitelkeit nicht verbergen kann, daherkommt, als sei sie keine. Es geht nie um 'ihn', sondern immer ums Ganze, Wohlstand, Arbeitsplätze, Vaterland. Was er nicht weiß: Er ist tatsächlich nicht mehr als ein Produkt, austauschbar, aber man nimmt am liebsten die, deren Züchter man kennt. Beste Hard- und Software, man weiß genau, welches Dann auf ein Wenn folgt.

Was hinten rauskommt

Ich finde diese Beispiele sehr geeignet für den Grundgedanken, dass es keine Personen gibt, die Einfluss haben auf die relevanten Entscheidungen in Politik und Wirtschaft. Es sind die Rahmenbedingungen, innerhalb derer Spielräume schon immer eng sind und sich weiter verengen. Clowns wie Trump sind nur scheinbar ein Gegenbeleg. Was sie vielmehr belegen, ist dass der ganze Zinnober und die Masken verzichtbar sind. Da erhebt sich einer über alle Regeln, zuerst die des Anstands, und was ändert es? Nach dem adretten eloquenten Schwarzen ein alter weißer Trampel. Wo ist der Unterschied jenseits der Ästhetik?

Nur ein Humanismus, der sich nie von seinen religiösen Wurzeln hat befreien können, kann hier suggerieren, irgendeine Instanz 'Mensch' hätte einen entscheidenden Einfluss auf den Lauf der Welt. Was sind die Wechsel von Bush zu Obama zu Trump gegen die Kontinuität von Guantanamo und den Krieg gegen den Teil der muslimischen Welt, der sich nicht mit Dollars hat kaufen lassen? Was ist Warren Buffet in Zeiten einer Sturmflut von Kapital auf der verzweifelten Suche nach Profit? Was sind sogenannte "Sozialisten" in einer vollautomatischen Produktion? Der Mensch - das Maß aller Dinge?

 
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Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F054975-0011 / Gräfingholt, Detlef / CC-BY-SA 3.0

Tomasz Konicz benennt einige schwere Symptome des Zerfalls einer Parlamentarischen Demokratie in den USA. Er nennt es "Oligarchie im Panikmodus" oder auch, präziser, das Entgleiten der "Kontrolle über den politischen Prozess".

Es war mir selbst bereits aufgefallen, dass in hiesigen Medien offenbar niemand ein Problem darin sieht, wenn für die vorgeblich 'linke' Variante des US-Establishments ein Milliardär ins Rennen gehen will. Die Netzwerke der Superreichen funktionieren zwar intern offenbar noch gut, sie verlieren aber den Anschluss an die Mittelschicht, die bislang in ihrem Sinne das Geschäft besorgt hat. Konicz bringt es auf die Formel, dass die sich nicht mehr einfach kaufen lässt.

Jeder gegen jeden

Derweil findet in den Institutionen, namentlich hier der Justiz, der faschistische Putsch bereits statt. Die unter den rechten (GOP/Republikaner) schon immer gepflegte Tradition, Richterposten mit ideologischen Handlagern zu besetzen, vollzieht sich derzeit mit immensem Druck. Juristische Qualifikation ist eher hinderlich; Fanatismus ist gefragt. Dass sie damit einen massiven, unversöhnlichen Konfikt mit der großen Mehrheit der Bürger heraufbeschwören, ficht sie nicht an.

Während also die rechte Säuberung im Staat bereits läuft, ist es eine andere Schicht derselben Ideologie, die aggressiv mit "Bürgerkrieg" droht für den Fall, dass sich dem jemand entgegenstellt. In dem Maße, in dem sie die Mittelschicht verliert, bindet die dem Faschismus nicht abgeneigte Oligarchie den niedersten Plebs an sich, religiöse wie politische Eiferer, die durch keinerlei Beziehung zu Aufklärung, Rechtsstaat oder Kultur gebremst werden. Diese amerikanischen Taliban warten nur darauf, dass sie endlich den Befehl hören, alles Moderne und Unchristliche zu vernichten.

Krise? Welche Krise?

Die im Establishment als nachgerade linksradikal geltenden Sozialdemokraten wie Bernie Sanders sind in diesem Stadium eine letzte Hoffnung auf ein bisschen politische Stabilität; sie aber haben keinen Rückhalt in den verkrusteten Machtstrukturen. Industrie, Militär und Oligarchie betrachten sie als Feinde. Der Teil des Volkes, der sich nicht durch sie repräsentiert fühlt, ebenfalls, angereichert durch eine Paranoia, die der amtierende Präsident in ungeahnten Dimensionen befeuert.

Zu glauben, dieses Pulverfass könne ein "Bündnispartner" sein, fällt nur Menschen ein, die das Märchen des westlichen Narrativs auch dann noch mit der Wirklichkeit verwechseln, wenn der POTUS ihnen persönlich den Totalen Krieg erklärt. Da kann man nix machen, das sind doch die Guten®. Alles andere ist Antiamerikanismus. Derweil sorgt Amerika selbst dafür, dass von ihm nichts übrig bleibt, dem noch jemand folgen könnte. Wir brauchen wohl wieder einen eigenen Führer.

 
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Neulich titelte tagesschau.de: "Anwerbestrategie - Deutschland braucht dringend mehr Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften". Ich frage mich ja immer, woher sie so etwas wissen. Wie sie das rauskriegen - außer, dass sie ja alles rauskriegen. Ich ahne aber, dass sie es tun wie immer: Nachplappern, was irgendwelche Think Tanks, Lobbyisten und Halbgescheiten aus den ebenso 'informierten' Redaktionen ihnen flüstern.

Denn die Alternative müsste sich irgendwie bemerkbar machen. Ein einziger, winziger eigener Gedanke: Was habe ich da eben geschrieben? Was bedeutet das? Wie kommt es dazu? Nein? Nein. Nichts davon. Also muss ein anderer die Arbeit machen, in dem Fall wieder ich. Bleibt alles an mir hängen; unbezahlt, geduzt und abgehangen. Fangen wir also an:

Chancengerechtigkeit

"Deutschland braucht ..." - was ist das für ein Deutschland? Die Alpen? Die Ostsee? Meine Frau und ich? Nope. Was dann? Sie sagen es nicht, wir ahnen es aber, es wird wohl 'die Wirtschaft' sein. Nehme ich einmal zugunsten des Schreibers an, denn sonst wird es ja völlig absurd. Also eine Wirtschaft Deutschlands. Wieso braucht sie das? Weil wir sonst hungern müssen? Weil alles zusammenbricht? Kindeswohlgefährdung? Nope.

Der Exportweltmeister braucht Sklaven, und zwar billige. Es reicht nämlich nicht, den tollsten Niedriglohnsektor Europas zu haben und ihn stetig auszubauen. Es reicht auch nicht, Jobs unattraktiv zu machen, weil man partout nicht den Preis zahlt, den jemand mindestens erwartet, wenn er einen annehmen soll. Es reicht auch nicht, Menschen par Hartz-Regime in Jobs zu zwingen. Das ist alles noch zu teuer.

Ich könnte ...

Also muss man die Arbeitskosten noch weiter drücken - indem man am besten überhaupt niemanden mehr ausbildet. Die Unis kaputtspart und die Studiengänge verhunzt, so dass man das Gros der Absolventen nicht mehr brauchen kann, für Ausbildung generell nichts mehr investiert und noch den Staat totspart, der dann aber einspringen soll. Da gibt es nur noch eine Lösung: Einfach fertig ausgebildete Leute aus den Ländern rankarren, die sich das leisten, obwohl sie vom diesem "Deutschland" ständig an die Wand konkurriert werden.

Das ist alles so asozial, dass ich gar nicht so viel Hals habe, wie mir dabei anschwillt. "Deutschland braucht". "Dringend". Ja nee is klar.

 
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Bei dieser Gelegenheit muss ich noch einmal mein Buch empfehlen, das mehr Leser verdient hätte als es bislang erreichte. Wo ich mich mit dem Deutschen Narrativ befasse, steckt natürlich mehr dahinter. Eine Realität, die sich offenbar nicht abschütteln lässt etwa, die wiederum eng verknüpft ist mit dem amerikanischen Teil des Narrativs, der im Buch recht kurz kommt.

Es ist inzwischen wie auf den Kopf gestellt: Die Präsenz des Narrativs über die USA als Befreier, Hüter der Menschenrechte und moralisch souveräne Weltpolizei verhindert, dass wir an den Kern unserer eigenen Geschichte rühren, während sie sich wiederholt. Das Bindeglied zwischen Freiheit, Demokratie und Faschismus ist der unsichtbare Elefant - unsichtbar, weil jeder weiß, wer da alles in Schutt und Asche trampelt, man seinen Namen aber nicht nennen darf.

Als die Amerikaner als mächtigste Fraktion der Alliierten Westdeutschland reformierten, taten sie das, weil sie eben so demokratisch sind. Sie lieben doch - alle Menschen; so das Narrativ. Die Deutschen konnten ihr Glück nicht fassen, dabei mitmachen zu dürfen, drohten doch der Pranger für eine untilgbare Schuld und eine angemessene Demütigung nach dem Massenmord und dem zweiten verlorenen Weltkrieg. Es kam aber ganz anders.

Menschenfreunde

Das Kapital hatte andere Interessen. Nun kann man sagen, obwohl es nicht zu leugnen ist, dass dadurch massenhaft Nazis und ihre Verbündeten weiter Karriere und Profit machen durften, dass es ja doch zum besseren beigetragen hat. Sofern nicht trotzdem geleugnet wird, ist das ja auch wiederum die gängige Sichtweise. Es blendet aber völlig jeden ursächlichen Zusammenhang aus zwischen Kapitalismus und Faschismus - der ja nach dem Krieg sogar von der CDU erkannt worden war.

Eine der Lebenslügen der jungen Musterdemokratie BRD liegt darin, dass der Luxus, auf dem sie gebaut wurde, schon immer das Elend der anderen war. Die Ausbeutung der Welt durch den inkarnierten Exportweltmeister wurde schon immer ausgeblendet. Schon gar nicht wollte irgendwer etwas wissen von geostrategischen Kriegen, Bündnissen mit Diktatoren und Juntas, die Opposition und Gewerkschaften niederknüppeln und ermorden ließen.

Und auch seitdem es Allgemeinwissen ist, dass in der Produktion von Luxusgütern furchtbare Zustände herrschen, sei es bei Rohstoffen, in der Textilindustrie oder bei der Herstellung von Elektronik, zuckt der Michel nur mit der Schulter und lässt sich beruhigen durch Märchen wie dem von der Überlegenheit der deutschen Industrie und ihrer fleißigen Angestellten. Woanders hungern sie und springen aus dem Fenster? Damit haben wir doch nichts zu tun.

Die nächste Runde

Das ist bei Weitem nicht der Punkt, an dem die faschistische Ideologie anfängt, aber einer, an dem offensichtlich wird, wie kalt und abwertend das Verhältnis der Menschen im Kapitalismus ist zu denen, die dieser notwendig versklavt. Ihnen wird dann eben Minderwertigkeit bescheinigt, sei es moralisch, bezüglich ihrer angeblichen Leistungsbereitschaft oder gleich genetisch. Das ist am Ende ohnehin eine Sauce.

Wie oft muss Kapitalismus sich derat offenbaren, bis die Zusammenhänge endlich (an)erkannt werden? So wie die USA mit ihrer NATO in hunderten Kriegen seit dem 'Zweiten' brutal ihre Interessen durchsetzen oder weltweit Menschen verfolgen und foltern lassen, die ihnen im Wege sind, wurden die Profiteure schon immer als moralisch unantastbar dargestellt und die Opfer für ihr Leiden noch beschuldigt. Der freidrehende Nationalsozialismus war eine besondere, deutsche Form dieser Entwicklung des Kapitalismus, der aktuelle Trumpismus ist eine andere.

Derweil wächst hier wieder zusammen, was zusammen gehört: Die Nazis im tiefen Staat und die in den Parlamenten machen sich Hoffnung und schmieden Pläne, der Rest zerlegt sich unterdessen auf der Flucht vor der Wirklichkeit. Man hört und liest darüber so gut wie nichts. Es sind immer dieselben, die rufen und dieselben, die derweil das Radio lauter drehen.

 
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Eigentlich mag ich ja Demos, Radau und Rebellion, aber die Treckerrallye gestern und heute entlockt mir diesen Mix aus Gähnen und Zähnefletschen, der quasi symbolhaft für mein derzeitiges Verhältnis zum Politischen ist. Was wollen sie denn so?

Bauern. Beschweren sich, dass (Umwelt-)Auflagen der Bundesregierung kleine Höfe kaputtmachen, weil die sich die nötigen Investitionen nicht leisten können. Das können nur Großbetriebe bzw. Konzerne. Ach was, echt jetzt? Es gibt Gesetze, die Konzentrationsprozesse auslösen? Im Kapitalismus? Ja leck' mich fett!

Kinders, das Kapital braucht Spielplätze. Was sollen die mit kleinen bis mittleren Höfen in Familienbesitz, die man nicht kaufen kann, geschweige denn übernehmen, ausschlachten und ausspucken? Ach so, sie wollen sie kaufen, übernehmen, ausschlachten und ausspucken. Kapital will kaufen und profitieren. Na sowas!

Das Echo

Und jetzt wird es hart für euch, Freunde: Wer hat denn Jahrzehnte lang zu 80% CDU/FDP gewählt? Hm? War ich das? Waren das die linken Spinner hier draußen? Die Dödel aus der Stadt? Wohl eher nicht. Jetzt kriegt ihr die Quittung für eure Treue zu Papst, Vaterland und Kapital und entdeckt auf einmal den Aufstand. Krasse Rebellen seid ihr!

Nun, ihr seid ja die Fleißigen, Ehrlichen und Gläubigen, die immer gewusst haben, dass die Faulpelze von Gott und seinem Markt bestraft werden. Dass sie gefälligst Initiative zeigen sollen, Eigenverantwortung®! Jetzt nach (noch mehr) staatlichen Hilfen zu schreien, das ist doch Sozialschmarotzerei, oder?

Setzt euch gefälligst eine Hüpfburg auf die Weide und kauft euch Ponys, um damit verwöhnte Mittelschichtsblagen zu bespaßen; baut aus eurer Scheune einen Gourmettempel für solvente Großkotze oder macht aus eurer kleinen Farm eine Location für rustikale Porn-Events. Lasst euch gefälligst etwas einfallen! Immerhin habt ihr noch Land und Besitz, aber das kann sich verdammt schnell ändern, wenn man einmal überflüssig geworden ist.

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