kapital


 
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Symbolbild

Der Kollege Stefan Rose erinnert heute nicht nur an den von mir schon oft zitierten Satz aus dem Ahlener Programm der CDU, sondern auch an das Erfurter Programm der Sozialdemokraten. Das waren noch Zeiten, als der Kapitalismus kurzfristig wenigstens nette Lippenbekenntnisse zuließ, für die man heute in jeder Talkshow niedergebrüllt würde.

Schon im Gothaer Programm (1875) war der Klassengegensatz zwischen Kapital und Proletariat deutlich hervorgehoben worden und dem Inhalt nach unversöhnlich. Marxens Kritik daran mag aus heutiger Sicht geradezu kleinkariert aussehen, nicht zuletzt auch, weil diese Missverständnisse und geschichtswissenschaftlichen Schwächen gegenüber den Kehrtwenden, welche die Sozialdemokratie danach vollbracht hat, irrelevant erscheinen.

Klasse!

Da folgende Erfurter Programm hat das noch einmal und noch deutlicher bestätigt. Im Görlitzer Programm wird die die Positionierung durch die Ablehnung der "imperialistische[n] Machterweiterung" ergänzt. Aus dem Erfurter Programm wird ausdrücklich der Satz wiederholt: "Sie kämpft nicht für neue Klassenprivilegien und Vorrechte, sondern für die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Klassen selbst [...]" Kurz und vereinfacht: Die Sozialdemokratie vertritt in ihren Zielen eine revolutionäre Haltung.

Gleichzeitig führt sie aber unter "Sozialpolitik" und Folgendem reformistische Forderungen an, deren Umsetzung eben den Kapitalismus erfordern, der an der anderen Front abgeschafft werden soll. Hier wird jene Lohnarbeit gestaltet, gegen die sich das ursprüngliche Programm ausdrücklich wendet. Der Weg der Veränderung soll über einen demokratischen Staat führen, in dem die Arbeiterpartei die Macht übernehmen soll. Das alles wird einige Jahre später im Heidelberger Programm noch einmal konkretisiert.

Vom Gegensatz zum Hundeplatz

Die äußerst oberflächliche Analyse der komplexen politischen Strukturen zwischen Ökonomie/Kapital, Staat und politischen Interessen birgt bereits hier die Gefahr, auf das falsche Pferd zu setzen. Der autoritäre Staat war durch das Abdanken des Kaisers und die Existenz eines Parlaments keineswegs außer Kraft gesetzt, und eine sozialdemokratische Regierung würde keineswegs die 'Macht im Staat' innehaben. Ironischerweise wurde dieser Fehler aufs Brutalste deutlich, als es Sozialdemokraten waren, die Arbeiteraufstände zusammenschießen ließen.

Dieser unfassbare Verrat offenbarte derweil nicht nur die Schwächen im Programm, sondern gleich auch den generellen Wert solcher Wortsammlungen im Moment der Entscheidung. Den nächsten Schritt in Richtung auf eine reaktionär kapitalistische Partei ging die SPD nach der demokratischen 'Machtergreifung' einer anderen Arbeiterpartei. Aus diesem Desaster eines kollabierenden Kapitalismus schloss sie, dass es an der Zeit sei, das Kapital nicht länger als Gegner zu betrachten.

 
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Lustig: Es gibt ein Syndrom namens "Burnout". Das ist eine Krankheit, die geheilt werden muss. Sie betrifft wohl in erster Linie Berufstätige. Ich habe mir einige der schönsten Symptome herausgesucht (nach den "Stufen" eines Burnout) und versuche mal den Realitätsabgleich.

Stufe eins

Verleugnung eigener Bedürfnisse

Witzig. Im Job, als ob! Der ist doch nur da, um persönliche Bedürfnisse zu befriedigen, oder? Du musst kacken? Vergiss es! Kannst du am Wochenende machen. Durst? Mach' schnell, dafür wirst du nicht bezahlt. Hunger? Magensäure schäumt über? Ist noch lang bis Mittag. Oder Feierabend. Das ist hier schließlich kein Brunch.

Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen

Ach was, die feiert man ab. Das macht sich irre gut bei den nächsten Gehaltsverhandlungen oder bei Konkurrenten, die gern nach unten treten.

Der Widerwille gegen die Arbeit führt dazu, dass nur noch das Nötigste getan wird.

Ähm, ja. Logisch. Und sonst? Ach so: Widerwille gegen die Arbeit ist ein Symptom. Verstehe.

Mitgefühl und Anteilnahme für Andere nimmt ab. Emotionale Kälte und Zynismus entstehen. (Beispiel: Pflegekräfte reden abwertend über Patienten)

Ach hör doch auf! Bloß weil die dritte Nachtschicht mit den 80 Patienten kein Kindergeburtstag war, muss man doch nicht zynisch werden. Was stimmt mit dir nicht?!

Zwo

Schwindender Idealismus

Bei den Zynikern jetzt? Pfui! Steht das nicht im Arbeitsvertrag, dass du uns Haut, Haar und Ideale schuldest?

Herunterfahren des Engagements

aka "Dienst nach Vorschrift? Bei Dalli Dalli wird sowas abgezogen.

Gefühl mangelnder Wertschätzung

Krass! Du Kriegst nen satten Zehner die Stunde, der Chef kennt deinen Namen nach zwei Jahren immer noch nicht und deshalb fängst du an zu jammern? Hör' auf zu heulen!

Gefühl, ausgebeutet zu werden

Hahaha, in Deutschland! Mann, bist du krank ...

emotionale Kälte und Zynismus

Ist hier ein Echo?

Nummer Drei

Gefühl der Ohnmacht

Hej, du bist abhängig beschäftigt. Das ist ne Machtposition. Zeig' die Krallen, Tiger (aber vorher schön stutzen, ist klar, ne?)!

Schwaches Selbstwertgefühl

Wie jetzt, echt so ohnmächtig? Kann ja nicht.

Pessimismus

Komm, das ist hier das Land der Aufsteiger. Frag' mal die Großeltern!

Angstzustände

Jetzt übertreibst du's. Was hat das mit der Arbeit zu tun? Ach so, der Job ist unsicher, die Rente wird höchstens mickrig und die Miete ist schon wieder erhöht worden? Kämpf, Löwe!

Niedergeschlagenheit

Oh, Land der Frühaufsteher. Andere müssen auch früh raus und hart arbeiten®.

Antriebslosigkeit

Dann wundere dich nicht, wenn dir jemand Beine macht. Da kann der Chef ja nu nix für, dass du nicht ins Bett kommst.

Schuldzuweisung nach außen, an Kollegen, Vorgesetzte oder "das System", Zorn

Siehe "A" wie "Anarchismus" und "arbeitsscheu". Alles eine Klitsche. Zorn ist ein weiteres dieser sogenannten "Gefühle". Gehört nicht auf die Arbeit, du Systemkritiker.

Die Vier

Probleme, Entscheidungen zu fällen

Ach, du hast was zu entscheiden? Ja sicher: Schnitzel oder Pute, Überstunden oder Arschloch, Schreien oder Weinen. Ich erinnere mich.

Dienst nach Vorschrift

War da nicht was mit "das Nötigste"? Ist wohl der Dauerbrenner.

Undifferenziertes Schwarz-Weiß-Denken

Gibt es auch differenziertes? Ich hatte ein paar Chefs, bei denen war das ein Feature. Wenn ich mir das leiste, bich ich also psycho? Aha.

An Fümpf

Gleichgültigkeit, Rückzug, Einsamkeit

Am Arsch, die Räuber! Da macht einer nicht mehr mit. Ruf' mal den RTW!

Sechstens

Schlafstörungen und Albträume

Kommt das nicht auch wegen der ständigen Rhythmuswechsel? Weil ich nicht zum Frühaufstehen geboren bin? Weil jede Nacht mit der Kettensäge im Schädel namens "Wecker" endet?

Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen

Schon mal gesehen, wo ich arbeite, wie ich da sitzen und mich bewegen muss? Die Albträume hat längst meine Physiotherapeutin. Ach ja, und arbeiten bis siebzig, ne? Das muss die Bandscheibe abkönnen.

Erhöhter Blutdruck

Ja nee is klar.

Verdauungsbeschwerden

Siehe oben, in der Mitte und noch weiter oben.

Verstärkter Konsum von Nikotin, Alkohol oder Koffein

Oh ja. In Sozialberufen brennst du schon am dritten Tag bis in Stufe sechs vor. Ohne Drogen macht das keiner länger als zwei Wochen. Dafür sind wir dann die Aussätzigen, denen sie Fotos von ihren Patienten auf die Kippen drucken. Aber hej, doller Applaus damals! Irgendwer ist hier behandlungsbedürftig.

Das siebte Tor der Hölle

Depression / Suizid

Nö, lass ma. Aber das mit den Arbeitsbedingungen, das ist auch wirklich zu teuer. Da kann man nix machen. Bisschen Verschnitt haste immer.

 
bo

Um die leidigen Dispute hinter uns zu lassen, in denen es offenbar darum geht, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln an einer 'Meinung' festzuhalten (siehe auch "reaktionär"), ist es sinnvoll, sich Relevanterem zuzuwenden. Es wird sich im Laufe dieses und des nächsten Jahres ein Abgrund auftun, gegen den der berühmte solche aus 2008, damals entdeckt vom Experten für Rotwein, "Kippen und Pils" Peer Sparbrück, wie ein winziges Löchlein erscheinen wird. Und das nur in Deutschland; woanders wird es verheerend werden.

Wir haben derzeit durch das große C. einen scharfen Blick darauf, was eigentlich wichtig ist und worauf stattdessen die Prioritäten liegen. Viele werden nicht wirklich verstehen, dass dafür nicht jemand, sondern etwas verantwortlich ist, aber auch diese werden es ahnen. Ich bin noch nie auf so viel Verständnis und Zustimmung gestoßen, wenn ich die Segnungen des Kapitalismus erklärt habe, wie in diesen Tagen. Es ist da auch eine Wand durchbrochen worden, durch die eine Erkenntnis hereinkam, die sich schwerlich rückgängig machen lässt:

Die Märkte

Der Markt regelt gar nichts. Er lässt die Menschen achtlos auf dem Gang verrecken, speist hier Menschen, die bis zur sprichwörtlichen Erschöpfung ausgebeutet werden, mit Niedriglöhnen ab, während woanders ein Krisengewinnler sich anschickt, der erste Billionär (engl. "trillionaire") zu werden. Das ist nicht nur so obszön, dass man irre wird, es ist auch tödlich. Nein, nicht für den Superreichen.

Eine ganze Kategorie von abhängig Wirtschaftenden - womit ich vor allem sogenannte "Selbständige" meine - ist im Konkurs. Millionen können ihre Mieten nicht mehr zahlen. Kaum gibt es ein Problem, kaufen hirntote Hamster anderen das Nötigste vor der Nase weg. Danke, Markt! Und selbst wo der 'Markt' beinahe funktionieren will, wird es komisch: Bauern buhlen mit Bestechungszahlungen um Erntehelfer-Sklaven. Nicht einmal das Fressen bringt der heilige Markt auf den Tisch, wenn es einmal schwieriger wird.

Es reicht.

In einem der reichsten Länder der Welt fehlt es für viele nicht nur schon lange am Nötigsten, es wird jetzt ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezerrt: Nicht die Faulen, Arbeitslosen und Blöden sind schuld am eigenen Elend, sondern die Umstände, auf die niemand Einfluss hat, produzieren wahllos Opfer. Da sind wir wie gesagt noch im Vorgarten und keineswegs in der Peripherie, wo unsere Auslandssklaven träumen würden vom hiesigen Mindestlohn.

Fangen wir also ruhig hier an. Ist es jetzt endlich klar, dass jeder Mensch ein Recht auf eine Wohnung hat, aus der er nicht jederzeit hinausgejagt werden kann? Dass auch das Recht auf ausreichend Nahrung ein Grundrecht ist, das nicht durch Tafeln und Schulspeisungen zu sichern ist? Dass auch eine funktionierende Heizung im Winter nicht abgeschaltet werden darf, weil jemand einen Engpass hat? Vor allem aber, dass diese Marktwirtschaft® in diesem Staat, der das Recht auf Eigentum durch Eigentum garantiert, während er es nicht gebacken kriegt, dass überall Brot auf dem Tisch ist, ausgedient hat?

Wann, wenn nicht

Das ist dann auch ganz sicher nicht mit ein paar Steuern hier und einem Sack voll Subventionen da bei Einsparungen dort zu bewerkstelligen. Letztere treffen ohnehin die Opfer der aktuellen Lage und jene, die sich gerade kaputt schuften. Sie nämlich haben kein Eigentum das jemand schützt. Sie haben nur ihre Arbeitskraft, die nichts wert ist, wenn Eigentümer damit ihr Eigentum nicht vermehren können.

Das zu ändern, bedeutet eine Revolution. Die kann man friedlich machen, indem man sich zusammensetzt, erarbeitet, wie man mit all den Ressourcen, die man hat, umgehen und leben will - oder man macht weiter so, Deutschland®; und wartet, bis das Elend mit Feuer und Schwert durch die Straßen zieht. Wie das ausgeht, haben wir schon mehrfach erlebt. Gerade als irgendwie Linksradikaler kann ich das nicht wollen.

 
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Schon vor Jahr und Tag schrob ich: "Jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben … na, wer? Richtig: Wir. Die Menschheit. Total verschuldet, diese Menschheit. Sie muss endlich sparen. Aber damit das nicht ganz so offensichtlich wird, teilen wir sie in Teilmengen. Heute im Sonderangebot: Die Franzosen. Haben die über ihre Verhältnisse gelebt, diese Franzosen, o là là! Sagt wer? Richtig, die Allexperten [einer deutschen] Wirtschaftsreaktion.

Aber nehmen wir die Schalmei kurz auf und pusten hinein. Wenn also alle über ihre Verhältnisse gelebt haben, und zwar seit Jahrzehnten, und wenn das zufällig die Jahrzehnte waren, in denen der Neoliberalismus seine Klaue in die Weltpolitik geschlagen hat, mit ihrwisstschonwas: Deregulierung, niedrigen Spitzensteuersätzen, Privatisierungen, Sozialabbau und Permanentjubel über die Großartigkeit dieser Ideen, dann folgt daraus? Richtig: Deregulierung, niedrige Spitzensteuersätze, Privatisierungen, Sozialabbau und Permanentjubel über die Großartigkeit dieser Ideen. Sparprogramme! Schlanker Staat!"

Warte nur ein Weilchen

Ich zitiere das, weil es ohnehin an der Zeit ist, das Steinchen ein paar Monate nach vorn zu werfen und weil das HbB (Hetzblatt beim Bäcker) heute dröhnt, "Renten" seien "in Gefahr". Aha, dachte ich, das sind die ersten Vorläufer, die Vorbereitungen. Unsere Systemrelevanten werden schon mal eingeölt, damit man sie nach Einsatz der Impfstoffe so richtig schön durchfisten kann. Mohr, Schuldigkeit, am Arsch!

Eine Besonderheit der Allkoalition unserer Krisenparteien liegt in der jetzt noch alternativloseren Verwaltung des siechenden Zombiekapitalsimus. Da schmiegt sich nämlich Keynes eng an Hayek und sie tanzen den Apocalypso. Die Bordeauxroten kommen uns mit dem Gassenhauer der 20er Jahre (ja, alles kommt wieder!) aka "Steuererhöhung" für, na klar, Reiche. Und vielleicht, weil das schon immer gelogen war, kommen die jetzt sogar wirklich, weil im Gegenzug Billionen-Subventionen das Karussell auf Touren bringen und dieselben Kassen sofort wieder auffüllen.

Noch immer jootjejange

So viel für die kurze Frist. Es nützt aber wenig, einen Rasen zu düngen, der nicht mehr da ist. Hunderttausende Pleiten sind nicht ohne schwere Axthiebe in die Eigentumsordnung zu managen, für die sie gemacht werden. Hier könnte man sicher sagen, man lässt sterben, was sowieso bald tot ist. Ein Leben ohne Kleinbetriebe ist auch viel übersichtlicher. Aber:

Tzia. Hat das mal wer durchgerechnet? Er würde wohl auf ein Problem stoßen, das kein Mathematiker der Welt lösen kann, ist es doch sprichwörtlich "unkalkulierbar". Na ja, Hauptsache, wir haben schon die Lösungen parat, die noch nie funktioniert haben. Es bleibt also absurd. Steigen Sie zu, fahren Sie mit, investieren Sie jetzt!

 
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Der Tag der Befreiung® geht mir, um ehrlich zu sein, am Arsch vorbei. Wie in meinem Buch erläutert, wurden Verdrängung und Kontinuität irgendwann in Form einer neuen Rhetorik ersetzt durch eine raffiniertere Heuchelei. Hauptautor war Richard von Weizsäcker und Depp vom Dienst Philipp Jenninger, der nicht kapieren wollte, dass die Nazis eine kleine Bande waren, die das ganze Volk in Geiselhaft gehalten hatte. Stattdessen ging er auf alle Deutschen los. Fail!

Ich will mich daher mit Wichtigerem befassen, weil es nicht aufhört, aktuell zu sein, weil die erbarmungslosen Propagandisten der Ausbeutung den Rand nicht halten wollen. Für Deutschland war es der 09.09.1982, als Schluss war mit Lustig. Fortan hatte der Arbeiter wieder das Maul zu halten, und wer unnütz ist, gilt wieder als Schmarotzer. Das neoliberale Fanal erklang, namens "Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" aka Lambsdorff-Papier.

Stillgestanden!

Jetzt fällt einer womöglich vom Glauben ab, und sei es nur kurzfristig, strategisch oder was weiß ich, aber er (an)erkennt eben als Präsident seines Landes, dass etwas gewaltig schiefläuft in der Zivilisation, die nicht bloß ihre wirklich Systemrelevanten verleugnet, sondern eben deshalb die Existenz aller aufs Spiel setzt. Er deutet an, da müsse sich etwas ändern, vielleicht gar etwas reformiert werden.

Prompt springen sie aus dem Busch, die Inhaber des Patentes auf Reformen®, die seit knapp vierzig Jahren genau das predigen, von dem jetzt jeder Depp erkennen kann, dass es nicht richtig ist. Es springt einem ins Gesicht, wer auf wessen Kosten lebt und wohin das führt. Und was fällt den Neoliberalen ein? Macron sei jetzt "kein Reformer" mehr. Weil er nicht dazu kommt, in Frankreich die Renten dem Kapital zu übereignen, was ja bei uns auch kolossal geklappt hat.

Die Kollegen in der Schweiz wiederum warnen (Achtung! Achtung!) vor dem siebenunddreißigsten Linksrutsch® der längst rechtsliberalen und zu Recht marginalen deutschen 'Sozialdemokraten'. Warum? Weil der Chef-Büchsenspanner Kahrs keine Lust mehr auf seine eignen Intrigen hat. Ist ja auch keiner mehr da, den man wegmobben müsste, weil er nicht auf Kurs wäre. Was da noch steht, erledigt sich gerade selbst. Immerhin keine dumme Ratte, die das Schiff dann doch noch verlässt.

Fortschritt!

Was von der Herrlichkeit des neoliberalen Regimes übrig bleiben wird, ahnen wir bereits mit Blick auf die Trümmerlandschaften, in denen es am heftigsten gewütet hat. Die brunzdummen Faschisten erkennen dort sofort den Feind, der sie in diese Lage gebracht hat: Kommunisten mit ihrem Corona. Angewandte Dystopie mit Vorbildcharakter.

Hierzulande glauben sie wohl noch, alles werde gut, ja vielleicht sogar besser. Da wird das Fleisch der Schwachen eben von den Starken gefressen und die Sklaven werden sich prügeln um einen Herrn, der ihnen Brot verspricht. Und weil das Deutschland ist hier, werden sie alle friedlich bleiben und sich Jahr um Jahr mit weniger begnügen. Ein geniales Konzept, und so innovativ! Ich freue mich auf die anstehenden, echten Reformen®.

 
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Es ist wohl so ziemlich egal, in welchen Zeiten man lebt, es sind immer wieder Sozialdemokraten, die alles, aber auch alles falsch machen, wenn man sie an ihren vorgeblichen Zielen misst, allen voran soziale Gerechtigkeit®. Tatsächlich waren es immer Kommunisten oder andere Revolutionäre, die soziale Fortschritte brachten, welche die Sozen dann jeweils für sich reklamierten.

Werden wir für einen Augenblick konkret: Ausgerechnet in einer Situation, in der selbst hartgesottene sog. "Konservative" oder "Liberale" zu klassischen staatssozialistischen Mitteln greifen, gelingt es der britischen Labour Party, endgültig einen Vorsitzenden rauszukanten, der annähernd links zu sein drohte. Er wird jetzt durch einen richtigen Politiker ersetzt, der sich "Sir" nennen darf. Glückwunsch, 'Labour'!

Von Anfang an waren Sozialdemokraten ein Bollwerk des Kapitals gegen die Kommunisten. Je stärker diese wurden, desto mehr Konzessionen hat das Kapital an die Arbeiterschaft gemacht und den Sozialdemokraten die Blutarbeit überlassen, sie von ihrem einzigen mächtigen Feind zu befreien. Es war Sozialdemokraten wie Ebert und Noske vorbehalten, Arbeiteraufstände zusammenschießen zu lassen, ohne damit der Revolution zum Sieg zu verhelfen. Niemand sonst wäre damit durchgekommen.

Wer kämpft für wen?

Sozen wie Wehner und Brandt wiederum haben den Kommunismus in Westdeutschland endgültig ausgerottet. 'Ihr' Lohn: Zugeständnisse an die Arbeiterschaft, eine Beteiligung an der Produktivität gar in Zeiten, in denen das Kapital sich das leisten konnte. Dumm nur, dass nach dem Untergang der Kommunisten in Ost und West kein Grund mehr bestand, auf die Interessen der Lohnabhängigen einzugehen.

Die ohnehin schon weichgespülten und korrupten Organisationen der Sozialdemokraten, die deutschen Gewerkschaften, machten bald anstatt für ihr Klientel zu streiten, selbst Politik für Profite. Die Partei ohnehin: Deregulierung, Lohndumping, Privatisierung, Hartz-Gesetze, 'schlanker' Staat und eine aggressive kapitalhörige Propaganda - alles, was die politische Rechte nie hätte durchsetzen können.

Was wir heute erleben von Sozialdemokraten in SPD, 'Linke' und 'Grünen', ist untertäniges Schweigen, dummes Geschwätz oder leere Phrasen, um hektisch dem Sachzwang folgenden Aktionen als "Politik" zu verkaufen. Oder eben noch blöder, indem staubige Versprechen zum Hundertsten aufgelegt werden. Ernsthaft Esken, "Vermögenssteuern" lösen jetzt irgendein Problem?

Zur Hölle oder ...

Niemand kann erwarten, dass eine dieser Pfeifen das Steinchen auch nur einen Meter nach vorn wirft oder radikale Veränderungen fordert, die ohnehin nicht zu vermeiden sind. Standhaft staatstragend reiten sie stattdessen den toten Gaul durch die Untiefen, in denen das überkommene Gesellschaftsmodell gerade versinkt. Das braucht kein Mensch mehr, und ich bin guten Mutes, dass es sehr bald ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte sein wird.

Wer würde jetzt ernsthaft auf ausgerechnet diese Verräter hoffen, die dafür gesorgt haben, dass nicht nur am Gesundheitssystem gespart® wurde, sondern vor allem an allen Lohnabhängigen, denen wir das Nötigste und damit Wichtigste verdanken? Pflegerinnen, Erzieherinnen. Lieferanten, Hygienekräfte, Sanitäter, Wachleute, Verkäuferinnen, et cetera et cetera - sie werden gnadenlos ausgebeutet, schuften sich kaputt und haben nachher oft nicht einmal eine akzeptable Rente.

Dieses Proletariat muss sich wieder organisieren. Wir brauchen wieder Kommunisten, und sei es nur als Drohung - sie dürfen derweil gern klüger sein als die bornierten Leninisten des 20. Jahrhunderts. Wir brauchen Anarchisten, die dafür sorgen, dass Demokratie als Selbstbestimmung verwirklicht wird und nicht im Gemauschel korrupter Stellvertreter untergeht. Wir brauchen Menschen, die sich holen, was ihnen zusteht und sich nicht mehr sinnlos unter die Knute des Kapitals begeben.

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Oder sollte man sagen, die Schießerei ist im Gange? Ich hatte bereits geäußert, dass es die Eigentumsordnung empfindlich trifft, wenn Mietern erlaubt wird, die Zahlungen auszusetzen. Wie man hat erwarten können, ist jetzt der Kampf der Starken gegen den Rest entbrannt, ausgerechnet an der Mietenfront.

Konzerne wie H&M, Deichmann und Adidas haben den Vermietern ihrer Immobilien mitgeteilt, dass sie ihre Mieten nicht zahlen. Warum machen wir das eigentlich nicht alle, und zwar dauerhaft? Nun, man kann uns dafür kündigen. Die Genannten und ihre Eigentümer hingegen werden so schnell nicht rausfliegen, weil die Vermieter dann erst recht Angst um ihren Umsatz haben.

Gerade angesichts solcher Modelle, in denen Immobilien von Konzernen verkauft und dann zurückgemietet werden, wird das ganze Geschacher und die gegenseitige Geiselnahme deutlich. Wem gehört eigentlich was, warum profitieren eigentlich immer dieselben und wieso sind das die Ersten, die es sich erlauben, ihrerseits der Zahlungsverpflichtung nicht nachzukommen? Weil sie sich das verdient haben mit der nobelpreiswürdigen Idee, drei Streifen auf einen Schuh zu kleben?

Dereguliert

Das ist ganz sicher kein moralisches Problem, wie uns das hilflose Statement der Bundesregierung suggerieren soll, in dem Vokabeln wie "unanständig" und "unsolidarisch" fallen. Ach, ist das sonst also anders - der Kapitalismus mithin solidarisch und anständig? Heißt es künftig "solidarische Marktwirtschaft"? Nein, Freunde, das ist das Original eures fairen Wettbewerbs®.

Aber es kommt noch dicker, das Dilemma ist nämlich total. Die Propaganda bläut uns seit Jahrzehnten ein, es dürfe keinesfalls eine ausgleichende Gerechtigkeit geben, das sei nämlich die böse Ergebnisgerechtigkeit®, die den dollen Wettbewerb® kaputtmacht und die heilige Eigenverantwortung®, und jetzt, wo die Konkurrenz offen ausbricht, soll das nicht mehr gelten?

Jetzt also soll (mal wieder, zuvor waren es ja die hungernden Banken) alles und jeder gerettet werden? Nein, dafür reicht nicht mal die große Konfettikanone. Also eben doch der Eine nicht, dafür der Andere, und weit breit ist kein Markt® in Sicht, der das regelt®. Es wird ein Massaker, und es hat bereits begonnen.

 
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Halten keinen Abstand: Proleten vor dem Eingreifen der Polizei

Ein bisschen Empörungsorgel für den Anfang, auch wenn ich mich aus Gründen der Vernunft nicht über dergleichen errege: Wenn zwei Proleten sich in der Stadt ein Autorennen liefern und ein Dritter kommt dabei zu Tode, werden die Honks wegen Mordes angeklagt, weil sie den Tod anderer billigend in Kauf nehmen. Was tun wir mit Reichen, die sich ein Beatmungsgerät in die Kammer stellen?

Was wir derzeit erleben, ist kein Ausnahmezustand. Es ist der Normalzustand, und zwar vor Ort, vergrößert und mit allen Konsequenzen. Diesmal kann der Weltmeister seine Probleme nicht exportieren und die Lösungen nicht billig importieren. Das Problem der Seuchenvorsorge wurde ins Nirwana exportiert. Das hat uns niemand abgenommen. Das Gros unserer Arbeitslosen finden wir in den ärmeren Ländern der Eurozone. Die Kranken und Toten unseres Luxus' rackern irgendwo auf Kaffeeplantagen und in Coltanminen. Das guckt man sich nicht abends im Fernsehen an.

völlig normal

Diejenigen, die ohnehin früher sterben, weil sie Unterschicht sind, weil sie arm sind, weil ihr Leben einfach nicht 'gesund' ist, stehen auch jetzt oben auf der Liste. Sind sie alt und arm, sieht es wirklich nicht gut aus. Seuchenvorsorge für alle war zu teuer. Gut, dass die Meisten, auf die es jetzt ankommt, keine Gehälter beziehen wie Anwälte, Werbefachleute, Manager oder Profisportler. Wir wären schon heute pleite.

Das System ist auch so hinüber. Die Neolibs werden das nie begreifen und hauen auch jetzt ihre dümmsten Sprüche raus; ich mag sie nicht einmal mehr zitieren. Andere werden kreativ: Helikoptergeld, Billionenbürgschaften, Mieten und Löhne aussetzen oder von der Zentralbank bezahlen lassen. Es wird nicht einmal mehr versucht, die Eigentumsordnung, laut INSM "Naturrecht", aufrecht zu erhalten. Sie erweist sich im Scheinwerferlicht als ungerecht, als tödlich gar. Das kann man nicht mehr retten, das muss weg.

Es reicht

Es dämmert den Menschen da draußen und vor allem drinnen. Ihre Quarantäne, ihre Pleite, ihre Sorgen, sind der Erfolg kapitalistischer Konkurrenz. Wer jetzt zu denen gehört, die Menschen retten und Notbetrieb aufrecht erhalten, denen sieht man die Erschöpfung an. Nicht einmal für Notzeiten haben wir genug von ihnen. Sie sind zu teuer. Wir werden sie auch danach nicht besser bezahlen. Wovon denn auch?

Zitat aus den Kommentaren:
"Diese aufgeblasenen BWLer werden es nicht kapieren: Es ist das Ende "angebotsorientierter Märkte", die den Leuten fußballfeldgroße Fernseher anbieten, obwohl gerade Atemmasken gebraucht würden.
Warum gibt es die nicht?
Die Herstellung hat sich nicht 'gelohnt'.
"
Keine weiteren Fragen.

 

In Deutschland zählt das Privateigentum, also die grundsätzliche Zuweisung dieser Herrschaft an den einzelnen Menschen, neben der Freiheit zu den Grundpfeilern der Verfassung.
Der Liberalismus leitet das Privateigentum aus dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen und aus dem Naturrecht auf Selbsteigentum des Menschen an Leib und Leben sowie an den Früchten seiner Arbeit ab. Legitimationsgrund des privaten Eigentums ist also vor allem die persönliche Leistung.

                 Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
 

Am Anfang dieses Desasters funktionieren die Staaten noch ganz gut. Irgendwer muss ja das Seuchenmanagement übernehmen, und in den meisten klappt das. Was danach kommt, ist nicht vorhersagbar, und das liegt an der zentralen Funktion moderner Staaten: Dem Schutz des Eigentums und damit des Kapitals. Das wird vermutlich das wahre Desaster werden.

Es ist keine Überraschung, dass noch vor den Maßnahmen zum Ausbau von medizinischer Infrastruktur die Finanzminister aus der Dose sprangen und brav aufsagten, sie würden allen helfen, die etwas zu verlieren haben, also Konzernen, Gesellschaften, Aktienmärkten, Leistungsträgern. So weit noch das Ritual zur Beruhigung der scheuen Rehe und ihrer Gottheiten, der Märkte.

Systemrelevant

Zeigt sich jetzt allerdings: Erstens verkehrt sich binnen Wochen die zentrale Bedeutung des Wortes "systemrelevant". Dafür bekommen Hungerlöhner, die derzeit bis zur Erschöpfung rackern, nachmittags vereinzelt Applaus von der Bevölkerung. Ich kann euch nicht sagen wie froh ich bin, nicht mehr vollstationär zu arbeiten. Man macht es ja doch, lässt sich zum Dank eben bis auf die Knochen ausbeuten.

Derweil purzeln die Pleiten, auch diese Lawine nimmt erst Anlauf. Die Kleinen hört und sieht noch keiner, immerhin schon auffällig, wenn es eine Restaurantkette trifft, die Fluglinie sowieso. Was passiert da, was wird noch kommen? Nun, es wird gehobelt, das endet immer in Konzentrationsprozessen. Kriegsgewinnler werden die Reichen und Rücksichtslosen sein. Das ist kein moralisches Problem, sondern das systemische, von dem linke Zecken immer labern, wenn sie das K.-Wort sagen.

Wer am Ende noch steht, kauft den Rest für nen Appel und ein Ei. Man wird sie "Investoren" nennen, die Ausbeuter der Ausbeuter und ihnen danken, dass sie nicht woanders plündern gehen. Zudem erweist sich gerade, wie klug es doch ist, in Immobilien zu investieren. Die einen kassieren unverdrossen, die anderen mieten sich in den Konkurs oder die Privatinsolvenz. Geschützt wird nicht das Leben und nicht das Wohnen, sondern das Eigentum und damit der Anspruch auf Miete.

Weiter so

Es wird furchtbar werden - Staatsschulden ohne Ende, Sozialsysteme überlastet, an denen dann leider gespart werden muss. Ökonomischer Kahlschlag - es wird nicht gearbeitet, weil die Zahlen das nicht zulassen. Alles ist da: Ressourcen, Arbeitskraft, Bedarf. Kapitalismus aka Sozialemarktwirtschaft® schreibt aber vor, dass daraus nichts gemacht werden darf, weil jetzt alles dem Vermieter gehört, den Banken oder einer Konkurrenz, die damit keine mehr hat.

Schon vorab dreht das System weißglühend auf, um den schönen Kapitalismus zu retten, dem eine gute Vorbereitung auf Seuchen zu teuer war und dem schon Krankenhäuser für Normalverdiener ein Dorn im Auge waren. Die Alternative, ein Innehalten, ein Verstehen, ein Es-geht-so-nicht weiter, wird es nicht geben. Man will sich ja in der Krise nicht von Extremisten belehren lassen.

 
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Es wird viel geredet über Geld, Kapital, Zinsen und dergleichen. Selten kommt dabei die ganz konkrete Wirkung des Geldes auf den Menschen zur Sprache, bei der alltäglichen Anwendung quasi. Ich möchte mich einmal mit der psychologischen Wirkung des Geldes auf den Menschen befassen, die nämlich eine tragende Säule des Systems ist und die man kaum wird ändern können.

Geld, vor allem Bargeld, wird ausschließlich positiv betrachtet. Es zu haben, zu bekommen, darüber verfügen zu können, verleiht ein gutes Gefühl. Sogar ausgerechnet diejenigen, die ständig 'knapp bei Kasse' sind. erleben es nicht etwa als den Fluch, der es ist, sondern im Gegenteil als Segen, geadezu als Erlösung, wenn es endlich wieder welches gibt.

Haben wollen

Das Fehlen von Geld wird empfunden wie Deprivation - der Verlust der nähernden Mutter. Verlust, womöglich durch eigenes Handeln, wird empfunden wie eine Strafe, die Folge der Schuld, die sich als Empfinden wiederum gegen den Sünder wendet. So ist Geld in einer Gesellschaft, in der es 'zum Leben' gebraucht wird, per se ein Belohnungssystem, ähnlich einer starken Sucht. Obendrein heißt der Lebensunterhalt der Massen sprichwörtlich "Lohn"; diesen gibt es für die Selbstunterwerfung im Dienst des Profits.

Wer nicht mitmacht, wer keinen Herrn hat, wird bestraft - durch Armut, Gängelung, Ächtung. Die meisten Menschen reagieren mit starker Abneigung auf die Idee einer geldlosen Gesellschaft. Es erscheint ihnen, als verstoße sie gegen sämtliche Naturgesetze. Dies ist das Resultat tief sitzender Gewöhnung, Abhängigkeit, Konditionierung und Unwissenheit. Gerade Letztere wird aus nachvollziehbaren Gründen nach Kräften gefördert von den Profiteuren, die keinen Zweifel am System und ihrer Rolle zulassen können. Das bedeutet aber keineswegs, dass 'Mächtige' oder 'Eliten' all diese Effekte erfunden haben.

Hand Gottes

Geld, das in vorkapitalistischen Zeiten noch Tauschmittel gewesen sein mag und ansonsten Instrument einer anderen Form von Herrschaft war, bringt die Tendenz zu diesem Suchtverhältnis mit sich, spätestens eben, wenn es in die kapitalistische Phase eintritt. Ursprünglich ist dieses Suchtverhältnis ein Nebeneffekt, der die meisten Menschen auch gar nicht betraf, weil ihr Leben und Wirtschaften nur mittelbar mit Geld zu tun hatte. Niemand hat das geplant, aber es ist eine zentrale Wirkung.

Die völlig irrationale Herrschaft des Kapitals über die Menschen (übrigens auch über die Reichen und Superreichen) hat auch damit zu tun, dass Geld fast immer als positiver Verstärker auftritt und deshalb aus Gründen der Konditionierung nie infrage gestellt wird. Seine fatale Wirkung bleibt ebenso für jeden Einzelnen eine abstrakte Fernwirkung wie die rationale Kritik Sache einer komplexen Wissenschaft ohne Zugang zum Alltag.

Verräter

In einem solchen System muss die Propaganda der Konservativen (Reaktionären), die das System erhalten wollen, zwangsläufig absurd sein. So kommt sie um die Ecke mit religiös-psychotischen Welterklärungen wie der "unsichtbaren Hand des Marktes". Der Gipfel ist die Mär von der 'Eigenverantwortung', ihrerseits Spross einer protestantischen Religiosität.

Das System ist hoch komplex und psychologisch von einer Suchtstruktur geprägt. Individuelles Handeln findet als Ursache für relevante Folgen gar nicht statt, zumal auch niemand Einfluss auf die Rahmenbedingungen hat. 'Eigenverantwortung' tritt dennoch auf als Vorwurf ausgerechnet gegen jene, die aus dem System herausfallen. Junkies beschimpfen die Nichtsüchtigen, weil die ihre Pflicht an der Spritze vernachlässigen. So vernünftig ist das.

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