kollateralschaden


 
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Dass es schon lange kein Geheimnis mehr ist, darin besteht eine der vielen Schichten des Skandals. Eine andere ist die Macht, die noch immer in den Händen der Verbrecher aus den religiösen Zirkeln liegt. Sie müssen den Staat nicht unterwandern und ihn nicht übernehmen; ihr Würgegriff hat nie nachgelassen. Sie entziehen sich noch weitgehend der weltlichen Gerichtsbarkeit und errichten lieber ihre eigene, in der ihre Verbrechen schlimmstenfalls als Sünden gelten.

Sie haben Millionen Menschen vergewaltigt, in erster Linie Kinder, und sie tun es nach wie vor. Wo immer sogenannte 'Untersuchungen' stattfinden, kommt das bekannte Grauen zum Vorschein. Sie üben Terror und organisiertes Verbrechen aus, und wir lassen sie das auch noch selbst 'aufklären'.

Damit nicht genug: Sie sitzen in Ethikkommissionen, Rundfunkräten, Parteien, und man hält sie wohl für die quasi natürliche Besetzung, wenn es darum geht, Kandidaten für das höchste Staatsamt zu finden. Es sind ausdrücklich christliche Parteien, unlösbar verfilzt mit dieser Mafia, die das politische System der Bundesrepublik Deutschland dominieren. In vielen anderen Ländern sieht es nicht anders aus.

Gesegnet

Wir sprechen, noch einmal, von Millionen Vergewaltigungen. Wir sprechen von Vorgängen, die nicht historischer Natur sind, sondern sich noch immer täglich ereignen. Die Organisationen, aus denen dieses entsetzliche Verbrechen hervorgeht, werden nicht geächtet, sondern geachtet und geschützt, anstatt sie endlich aufzulösen und die Verbrecher vor ordentliche Gerichte zu stellen.

Es ist ja nicht nur so, dass eine der Kirchen dem Nationalsozialismus den Weg geebnet hat und die andere einem pathologischen Männerkult frönt. Sie segnen Kriege, Terror und Folter. Diese verkommenen Vereine sind vor allem ein unverzichtbares Bollwerk des Kapitals gegen seine Feinde.

Nicht nur werden dessen ideologische Wurzeln im Christizismus durch die Kirchen weiter gepflegt; vor allem die Gegnerschaft zu den Gottlosen, den Sozialisten und Kommunisten, hat alles erfolgreich aus dem Weg geräumt, das das Dogma des Profits infrage stellen könnte. In Kirchen, Schulen, Kommissionen und Medien hetzen die Hüter der Horte des Verbrechens unentwegt gegen jede Emanzipation. Wo ist eigentlich die 'Linke', die sich dagegen wehrt? Ach ja, auf dem Kirchentag.

 
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Reaktionen auf den Mord von Idar-Oberstein wie "Jetzt ist es soweit" halte ich für übertrieben. Irre wie der Täter werden mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auffällig, womöglich eben auch in Form von Mord. Ich will durchaus eingehen auf die Hintergründe in Form von Narrativen, zunächst aber kurz wiederholen, was ich bereits in den Kommentaren sagte:

In der Krise des Kapitalismus und allgemein Phasen der Dekadenz, des Zusammenbruchs von Ideologien, ist das zwangsläufig zu beobachten: Rückzug ins Private, rebellischer Chauvinismus und rechter Terror, gern belächelt und geduldet bis gefördert von denen, die sich am Status Quo festbeißen, der längst bröckelt. Eben daher auch alles andere als ein Zufall, dass Nazis mit den Wutbürgern marschieren. Der Mörder ist freilich ein Symptom – in der Tat ein Fall, der mit der gewissen statistischen Wahrscheinlichkeit auftritt.

Einer muss es tun

Hier erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Gewalttaten auf mehreren Ebenen. Die eben genannte und diejenige, die sich durch eine Atmosphäre ergibt, die (ebenfalls in den Kommentaren verlinkt) sich durch fortgesetzte Entmenschlichung ergibt. Das kann die Erzählung von der "Umvolkung" sein oder die von einer Diktatur, deren ausführende Kräfte schließlich alle sind, die für die Einhaltung geltender Regeln sorgen. Sie sind keine Mitmenschen mehr, sondern Feinde.

Dazu gesellt sich eben das Muster, geliefert von einer US-geformten Kulturindustrie, in der der einsame Rächer gefeiert wird (ggf. auch in Kleingruppen mordend), der auf seiner 'gerechten' Vendetta inzwischen im Sekundentakt den Untermenschen (sie haben seinen Hund getötet!) ins Gesicht schießt. Solche Brutalität ist zwar Teil von Fiktion, aber eben durchaus auch ein (Männlichkeits-)Ideal. Frauen dürfen das im Zeitalter von Genderneutralität auch. Je effektiver sie töten, desto mehr Respekt wird ihnen zuteil.

Fatal wirkt sich dabei der Umstand aus, dass Menschen sich zu Narrativen verhalten, nicht zu Analysen. Entscheidungen sind fast ausnahmslos eingebunden in Glauben, Vertrauen, Meinungen, mithin in über Erzählungen vermittelte Rollen. Entscheidend sind hier Autoritäten, Weltbilder (bis hin zum Wahn oder einer Märchenwelt) und Moral. Klare rationale Einsichten sind Mangelware und werden höchstens als Wertung von Autoritäten in Meinungen umgewandelt.

Helden, Schurken, Taten

In dieser Struktur gibt es Helden (Hildmann, Schiffmann, Bhakdi, Wodarg, Fuellmich) und Schurken (Merkel, Drosten, Lauterbach, Spahn). Die Helden riskieren alles, um Gutes zu tun (aufklären, Menschen retten, Freiheit erkämpfen), während die Schurken Untaten begehen (lügen, Kinder quälen oder ermorden, Diktatur errichten, Menschen versklaven). Das ist die Erzählung, die inhaltlich je nach Grad des Realitätsverlusts ausgeschmückt wird.

Wie so oft ist das auch ein Folge der Herrschaftstechniken, die sich wiederum daraus ergeben, dass der Erhalt (je)der Macht stets durch Transparenz gefährdet wird. Nicht zuletzt weiß auch die Propaganda, dass Gegenpropaganda sich der Schwächen der herrschenden bedient. Zudem hat der Kapitalismus wie die Herrschaftsformen vor ihm einen guten Grund, die Realität zu verschleiern: Er muss, um ideologisch nicht zu scheitern, seinen Kern verbergen. Der ist nämlich irrational, unethisch und in seiner Zerstörungsmacht unerreicht effektiv. So kommt eines zum anderen.