kollateralschaden


 
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Diana Kinnert ist eine ganz normale junge Karrieristin, die einen Fehler gemacht hat, der nur im Falle des von allen gesuchten 'Erfolgs' passieren kann: Sie hat nicht einmal kapiert, dass man auf ganz großer Bühne nicht nur gesehen wird, sondern auch hinterfragt. Sich durchzupfuschen trägt nur so weit. Du kannst nicht zu Hoffmann und Campe gehen und zusammenkopiertes Zeugs veröffentlichen.

Es wäre ein Coup gewesen, hätte sie selbst die Veröffentlichung gestoppt und die skandalöse Schlamperei im Verlagswesen aufgedeckt. Selbst diese Möglichkeit entging ihr freilich, weil sie eben ganz normal ist und sich für den Mittelpunkt der Welt hält. Ihr Erfolg ist ihr Erfolg. Sie hat es sich verdient, denn sie wird ja wahrgenommen. Mit 17 in die CDU; Anfang zwanzig Saftschubse von wem Wichtigen. Jetzt noch einen Guttenberg pullen und ganz nach oben!

Symptome

Kinnert ist ein Symptom. Der Gesellschaft mit ihrem psychotischen Individualismus allemal, aber dazu hier nicht mehr als nötig. Ein Produkt, das sich als solches anpreist: "Jung, Lesbisch, konservativ". Selbstverständlich schon "Beraterin" und "Unternehmerin". Fehlt noch "self-made". Und zweifellos dummdreist.

Sie ist auch und gerade eines der Dekadenz eines Publizismus, der für sich Leistungen reklamiert, die er nicht erbringt, der sich Rechte nimmt, die ihm nicht zustehen, und der fleißig die Substanz zersetzt, von der er lebt. Hoffmann und Campe – wir sind noch zu doof zum Googeln. Haben wir auch nicht nötig. Wir sind nämlich wer.
Gewesen.

Diese Gesellschaft ist von der neoliberalen Dekadenz des Endzeitkapitalismus kulturell völlig zerstört worden. Journalisten sind Propaganda-Agenten und Kampagnenfahrer. Wo "Leistung" draufsteht, ist Protektion drin. Seilschaften und Familienbande entscheiden darüber, wer einer ist; derweil werden komplett produzierte Karrieren von hirntoter PR stets als großartige Eigenleistung angepriesen. Dasselbe gilt für geerbtes Eigentum.

Ideologiekollaps

Es ist ein einziger Rückfall in finstere Zeiten, wobei der Absolutismus und seine feudalen Vorläufer wenigstens noch ein quasi offizielles Gottesgnadentum im Wappen trugen und jeder wusste, dass man eben hochwohlgeboren war oder selbst Eigentum. Heute muss das alles mit noch üblerem Schwachsinn verkitscht werden.

Selbst die Kirchen, die schon immer auf Seiten der Reichen und Mächtigen standen, kugeln sich beim Spagat beide Beine aus, um Genderqueerquatsch und Militarismus mit steinzeitlichem Omm-omm zu Modernität zu verquirlen. Katholikentag 2022, my ass! Man könnte das alles lustig finden, aber solche Zeiten werfen ihre Schatten voraus – wo sie nicht bereits angekommen sind.

 
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Ich weiß, ich weiß. Man ändert Menschen nicht, indem man sie beschimpft. Meine Rationalisierung dazu: Man ändert sie gar nicht, und wenn man sie schon nicht ändert, nicht einmal ihre sogenannte "Meinung", kann man sich auch ein wenig Psychohygiene gönnen und sie als die Idioten bezeichnen, die sie sind.

Also, zu euch, Freunde: Was ist Pazifismus? Ach, das wisst ihr gar nicht. Aber eine dicke laute Meinung habt ihr dazu, wie zu allem, weil ihr halt Allesexperten seid. Pazifismus hat nichts, aber auch gar nichts mit einer Kneipenschlägerei zu tun. Er hat nichts zu tun mit Spaziergängen im Wald mit Freundin und Kalaschnikow. Es geht dabei um Frieden wie in kein Krieg.

Es ist nicht nur kein Widerspruch, sondern in meinem Fall schlichte Praxis, dass man mal jemandem aufs Maul haut, weil es sich nicht vermeiden lässt, und trotzdem Pazifist ist. Nein! Doch! Oh! Wer also jegliches Kriegsgerät und vor allem dessen Benutzung ablehnt, ist keineswegs jemand, der Gewalt duldet. Jetzt, da ihr das wisst, könntet ihr also das Maul halten. Tut ihr aber nicht, ist klar.

Den Bösen aufhalten

Ihr kennt die Welt nur aus der Sicht einer persönlichen Beziehung. Gesetze, Rahmenbedingungen, historische Daten und ihre Analyse, das ist etwas für feige Eierköpfe und Vaterlandsverräter. Für euch ist klar: Krieg bekämpft man mit Krieg, Bomben mit Bomben und Gewalt mit Gewalt. Fehlt nur noch "Terror mit Terror", fertig ist der Sportpalast. Scherz!

Den Godwin könnt ihr behalten. Für euch ist ja jeder Krieg der der Guten gegen die Nazis. Komisch nur: Deutschland gehört immer zu Ersteren. Nazienkel bekämpfen überall das Nazi. Jetzt gegen Russland. In der Ukraine. Rührend. Und wer das aus besten Gründen ablehnt, ist also ein Lump. Der Godwin kratzt hier schon ziemlich heftig an der Tür.

Für euch gilt: Man muss doch den Guten und den Opfern gegen das Böse helfen! Der Vergewaltiger muss aufgehalten werden. Wer das nicht tut, ist ein Lump. Der Aggressor muss aufgehalten werden. Für euch ist es dasselbe, einem Vergewaltiger entgegenzutreten oder Schrottpanzer in ein Kriegsgebiet zu liefern. So dämlich seid ihr. Wie wäre es mit einem Vergleich auf eurem Niveau, nur passender:

Zu kompliziert

An der nächsten Laterne malträtiert ein Typ mit heruntergelassener Hose eine schreiende Frau. Du bist klein und schwach, trägst aber einen Flammenwerfer. Dein Kumpel sagt: Alter, das kannst du unmöglich machen, das hilft doch niemandem. Du aber weißt, was zu tun ist, damit der Typ nicht gleich wieder eine Frau attackiert.

Auch dieser Vergleich ist immer noch falsch. Kriegsparteien sind keine Personen. Wie Kriege entstehen, geführt werden und enden, zeigt die Geschichte. Genau die aber steht eurer Moral im Wege. Die ist Whataboutism. Schlimmer ist nur dieser Pazifismus, der an den ganzen Auschwitzen schuld ist.

In der nächsten Stunde könnte ich euch erzählen, wie man mit einem Bruchteil der Kosten für Rüstungsgüter ein Land uneinnehmbar machen könnte und was der Kapitalismus daran scheiße findet. Lohnt sich aber nicht, weil ihr das eh nicht rafft. Ist euch zu kompliziert. Ihr seid nämlich Idioten.

 
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Die Opfer dieses Massakers werden posthum als “mutmaßliche Extremisten” diskreditiert. Welchen Sinn macht das? Liegt in diesem Status, gegen den sie sich nicht mehr wehren können, der gute Grund für ihre Tötung? Sind die Toten alle gleichermaßen selbst Mörder, zumindest potentielle? Sind sie nicht vor allem weitere Opfer, tote Menschen? Nein, sie sind “mutmaßliche Extremisten”. So klingt pure Kriegspropaganda, und es sollte niemandem, der solch extremen Mist publiziert, gestattet werden, sich Journalist zu nennen.
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Da Herr Liefers höchstpersönlich in Syrien war, ist er nun Experte für alles. Er weiß genau, wer dort gegen wen kämpft, wie das alles einzuschätzen ist und was daraus zu folgern. Vorher war nämlich, so die FR, noch kein “westlicher Prominenter” dort. Es braucht also westliche Prominente, um die Lage endlich zu durchschauen und die einzig richtige auch “humanitäre” Entscheidung zu treffen: Bomben gegen Bomben.
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In den kommenden Jahren musste man sich daran gewöhnen – die Amerikaner kannten kein Zurück, Deutschland beteiligt sich seitdem an seinem längsten Krieg seit dem 17. Jahrhundert, aber daheim blieb es friedlich und einigermaßen übersichtlich.
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Die dezentralen Folterlager der ‘Guten’ im Irak werden flexibel vor Kontrollen verborgen, die den Kampf gegen den Terror der Bösen beeinträchtigen könnten. Da kann es schon mal passieren, dass Inhaftierte ratzfatz von “Lager Ehre” in “Lager Gerechtigkeit” verlegt werden.
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Kann man wirklich nein sagen zum treuen Partner Saudi-Arabien, dem bislang noch alles geliefert wurde, was er verlangt hat? Kann man den Ölprinzen verbieten, präventiv nachzurüsten, wenn die Dämme ohnehin gebrochen sind? Wie sollte man das rechtfertigen? Sicher nicht mit Menschenrechtsverletzungen, denn die werden den Scheichs seit Jahrzehnten als Folklore ausgelegt. Vielmehr foltert der freie Westen ja inzwischen auf Augenhöhe mit.
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Oder ist “Verantwortung” nur das, wo ‘wir’ oder unsere ‘Freunde’ töten? Afghanistan? Irak? Kassettenbomben, Abu Ghreib und Guantanamo? Ist das “Verantwortung”? Regime hochrüsten und dann ihre Länder mit Luftangriffen überziehen, wenn einem die Nase des Diktators nicht mehr passt?
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Schicke Bilder in Panzerweste machen ihm Spaß, ebenso wie semantische Spielchen. Der letzte Hit ist “nicht-internationaler bewaffneter Konflikt” als Sprachregelung für den Krieg in Afghanistan. Zuvor hatte es neue Orden gegeben und Durchhalteparolen.
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Das Kosovo ist weniger Staat als Schalke 04, es schien aber den außenpolitischen Strandhaubitzen Merkel und Steinmeier opportun, ihrer launigen Ahnungslosigkeit freien Lauf zu lassen, um Russen und Serben eins auszuwischen.
Die Anerkennung des Kosovo war reine Provokation, der Versuch, dort irgendwie Fuß zu fassen, ist zum Scheitern verurteilt. Mit dem Kosovo haben sich Deutschland und die EU ihren eigenen Mini-Irak geschaffen, mit der Einschränkung, daß dort nichts zu holen ist. Das furchtbare Resultat der Stümperei ist für die Bevölkerung des Kosovo eine Geiselhaft. Für jede Laune bekannter und unbekannter Mächte werden die Menschen dort leiden, ohne jede Aussicht auf ein annähernd ziviles Leben.
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Was habt ihr denn geglaubt, wie es zugeht, wenn ein Land besetzt wird? Wie viele Kriege hat es gegeben, in denen keine Unschuldigen zu Opfern wurden, in denen nicht wahllos gemordet, gefoltert und vergewaltigt wurde?
Was die Dummheit der Empörten offenbart: Die meisten derjenigen, die sich derzeit über die bösen Ungerechtigkeiten im gerechten Krieg erregen, werden beim nächsten Mal wieder in der Koalition der Willenlosen mitmarschieren.

 
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Dass es schon lange kein Geheimnis mehr ist, darin besteht eine der vielen Schichten des Skandals. Eine andere ist die Macht, die noch immer in den Händen der Verbrecher aus den religiösen Zirkeln liegt. Sie müssen den Staat nicht unterwandern und ihn nicht übernehmen; ihr Würgegriff hat nie nachgelassen. Sie entziehen sich noch weitgehend der weltlichen Gerichtsbarkeit und errichten lieber ihre eigene, in der ihre Verbrechen schlimmstenfalls als Sünden gelten.

Sie haben Millionen Menschen vergewaltigt, in erster Linie Kinder, und sie tun es nach wie vor. Wo immer sogenannte 'Untersuchungen' stattfinden, kommt das bekannte Grauen zum Vorschein. Sie üben Terror und organisiertes Verbrechen aus, und wir lassen sie das auch noch selbst 'aufklären'.

Damit nicht genug: Sie sitzen in Ethikkommissionen, Rundfunkräten, Parteien, und man hält sie wohl für die quasi natürliche Besetzung, wenn es darum geht, Kandidaten für das höchste Staatsamt zu finden. Es sind ausdrücklich christliche Parteien, unlösbar verfilzt mit dieser Mafia, die das politische System der Bundesrepublik Deutschland dominieren. In vielen anderen Ländern sieht es nicht anders aus.

Gesegnet

Wir sprechen, noch einmal, von Millionen Vergewaltigungen. Wir sprechen von Vorgängen, die nicht historischer Natur sind, sondern sich noch immer täglich ereignen. Die Organisationen, aus denen dieses entsetzliche Verbrechen hervorgeht, werden nicht geächtet, sondern geachtet und geschützt, anstatt sie endlich aufzulösen und die Verbrecher vor ordentliche Gerichte zu stellen.

Es ist ja nicht nur so, dass eine der Kirchen dem Nationalsozialismus den Weg geebnet hat und die andere einem pathologischen Männerkult frönt. Sie segnen Kriege, Terror und Folter. Diese verkommenen Vereine sind vor allem ein unverzichtbares Bollwerk des Kapitals gegen seine Feinde.

Nicht nur werden dessen ideologische Wurzeln im Christizismus durch die Kirchen weiter gepflegt; vor allem die Gegnerschaft zu den Gottlosen, den Sozialisten und Kommunisten, hat alles erfolgreich aus dem Weg geräumt, das das Dogma des Profits infrage stellen könnte. In Kirchen, Schulen, Kommissionen und Medien hetzen die Hüter der Horte des Verbrechens unentwegt gegen jede Emanzipation. Wo ist eigentlich die 'Linke', die sich dagegen wehrt? Ach ja, auf dem Kirchentag.

 
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Reaktionen auf den Mord von Idar-Oberstein wie "Jetzt ist es soweit" halte ich für übertrieben. Irre wie der Täter werden mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auffällig, womöglich eben auch in Form von Mord. Ich will durchaus eingehen auf die Hintergründe in Form von Narrativen, zunächst aber kurz wiederholen, was ich bereits in den Kommentaren sagte:

In der Krise des Kapitalismus und allgemein Phasen der Dekadenz, des Zusammenbruchs von Ideologien, ist das zwangsläufig zu beobachten: Rückzug ins Private, rebellischer Chauvinismus und rechter Terror, gern belächelt und geduldet bis gefördert von denen, die sich am Status Quo festbeißen, der längst bröckelt. Eben daher auch alles andere als ein Zufall, dass Nazis mit den Wutbürgern marschieren. Der Mörder ist freilich ein Symptom – in der Tat ein Fall, der mit der gewissen statistischen Wahrscheinlichkeit auftritt.

Einer muss es tun

Hier erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Gewalttaten auf mehreren Ebenen. Die eben genannte und diejenige, die sich durch eine Atmosphäre ergibt, die (ebenfalls in den Kommentaren verlinkt) sich durch fortgesetzte Entmenschlichung ergibt. Das kann die Erzählung von der "Umvolkung" sein oder die von einer Diktatur, deren ausführende Kräfte schließlich alle sind, die für die Einhaltung geltender Regeln sorgen. Sie sind keine Mitmenschen mehr, sondern Feinde.

Dazu gesellt sich eben das Muster, geliefert von einer US-geformten Kulturindustrie, in der der einsame Rächer gefeiert wird (ggf. auch in Kleingruppen mordend), der auf seiner 'gerechten' Vendetta inzwischen im Sekundentakt den Untermenschen (sie haben seinen Hund getötet!) ins Gesicht schießt. Solche Brutalität ist zwar Teil von Fiktion, aber eben durchaus auch ein (Männlichkeits-)Ideal. Frauen dürfen das im Zeitalter von Genderneutralität auch. Je effektiver sie töten, desto mehr Respekt wird ihnen zuteil.

Fatal wirkt sich dabei der Umstand aus, dass Menschen sich zu Narrativen verhalten, nicht zu Analysen. Entscheidungen sind fast ausnahmslos eingebunden in Glauben, Vertrauen, Meinungen, mithin in über Erzählungen vermittelte Rollen. Entscheidend sind hier Autoritäten, Weltbilder (bis hin zum Wahn oder einer Märchenwelt) und Moral. Klare rationale Einsichten sind Mangelware und werden höchstens als Wertung von Autoritäten in Meinungen umgewandelt.

Helden, Schurken, Taten

In dieser Struktur gibt es Helden (Hildmann, Schiffmann, Bhakdi, Wodarg, Fuellmich) und Schurken (Merkel, Drosten, Lauterbach, Spahn). Die Helden riskieren alles, um Gutes zu tun (aufklären, Menschen retten, Freiheit erkämpfen), während die Schurken Untaten begehen (lügen, Kinder quälen oder ermorden, Diktatur errichten, Menschen versklaven). Das ist die Erzählung, die inhaltlich je nach Grad des Realitätsverlusts ausgeschmückt wird.

Wie so oft ist das auch ein Folge der Herrschaftstechniken, die sich wiederum daraus ergeben, dass der Erhalt (je)der Macht stets durch Transparenz gefährdet wird. Nicht zuletzt weiß auch die Propaganda, dass Gegenpropaganda sich der Schwächen der herrschenden bedient. Zudem hat der Kapitalismus wie die Herrschaftsformen vor ihm einen guten Grund, die Realität zu verschleiern: Er muss, um ideologisch nicht zu scheitern, seinen Kern verbergen. Der ist nämlich irrational, unethisch und in seiner Zerstörungsmacht unerreicht effektiv. So kommt eines zum anderen.