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Im Blogarchiv, vor allem dem aus den ersten Jahren, finden sich tausende Artikel, die sich mit Details der je aktuellen politischen Situation befassen. Ich selbst kann das nicht mehr, weil es keinen Sinn macht, täglich den Puls an einem toten Gaul zu messen. Aktuell kann ich das aus Gründen der Befindlichkeit noch weniger, aber der allgemeine Trend überrollt die noch ganz locker.

Niemanden interessieren mehr Details, weil sich zwischen lethargischem Abfinden aus gewohnter Gefolgschaft, lethargischem Abfinden aus Resignation, lethargischem Abfinden aus der Einsicht in die Alternativlosigkeit und lethargischem Abfinden aus Entzehrung keine Beteiligung an politischen Prozessen mehr konstruieren lässt. Es ist wie eine kirchliche Messe, die in einem bizarren Kultus vor Atheisten zelebriert werden muss.

Alternative Medien für Deutschland

Corona saugt die letzten Ressourcen auf, weil manische Pseudointellektuelle sich lieber in psychotischen Trotz hinabreißen lassen, als sich auch nur in die Nähe einer Analyse des Zustands zu begeben. Nicht, weil sie resigniert haben, sondern weil sie nie damit begonnen haben. Jahr für Jahr habe ich mangelnde bzw. fehlende Analyse beklagt bei denen, die sich "links" nannten. Jetzt ernten wir die Früchte dieses Desasters.

Ich dachte, ich sei selbst nur zu schwach und zu verbraucht, um das noch mitzumachen, aber ich sehe, dass da draußen kein bisschen mehr Energie ist, um die Dekadenz wenigstens dokumentarisch zu begleiten. Welch eine Horde von Versagern, wobei die abhängigen Lohnempfänger der Massenmedien wenigstens noch einen guten Grund dafür haben. Sie leben ja davon.

Was 'alternative Medien' derzeit nichtleisten, ist nicht einmal mehr durch eine mittelschwere Depression zu erklären. Das ist intolerabel. Ich meine damit nicht bloß – aus Sicht der Mehrheitsfraktion quasi – das Abkippen in trotziges Gehabe und Verschwörungstheorien, sondern nicht weniger die Vernachlässigung all dessen, was ja weiterhin passiert in der Welt. Keine Zeit für Realität, wir sind im Widerstand®.

Kein Thema

Nehmen wir einmal die Katastrophe in der Pflege. Nehmt ihr das eigentlich wahr da draußen? Es gibt übrigens viele davon, zum Beispiel in der Erziehung. Habt ihr mal erwähnt, dass Leute dort ebenfalls bis aufs Blut ausgebeutet werden, weil sie in unterfinanzierten Kommunen um Fälle konkurrieren müssen, während die Kirchen noch das Ihre zum Dumping beitragen? Habt ihr mal geguckt, was eine Erzieherin 'verdient'? Und dann gibt es inzwischen noch Chargen darunter, die noch schlechter bezahlt werden.

Ausbeutung, anyone? Schon mal von gehört? Mal überlegt, wo die herkommt? Mal festgestellt, dass das noch nie besser geworden ist, egal wer regiert hat? Dass vielmehr ein Systemzwang Hand in Hand mit einer mörderischen globalen Konkurrenz tobt und zum Beispiel die NATO da eine nicht ganz untergeordnete Rolle spielt? Wir haben jetzt eine Bundesregierung, in der sogar die 'Linken' (sie malen fleißig Sternchen) den Fahneneid auf das Imperium erwarten. Alles kein Thema für euch?
Jämmerliche Versager!

 
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Letzte Synapse, heimgeholt (Serviervorschlag)

Der Postenschacher um die Bundesministerien ist zwischen den Parteien offenbar geregelt. Was ich noch nicht gelesen habe, ist die genaue SPD-interne Verteilung fehlender Kompetenzen auf hochdotierte Sessel, aber das ist ja auch nicht mehr nötig, wenn man sich den Rest der Scholzomatentruppe anschaut.

Anjatanja wird also Außenministernchen, das passt. Sie ist ja auch der festen Überzeugung, sie komme "vom Völkerrecht". Ihr Saubauer hat was mit Wirtschaft und Energie gekriegt. Prima. Der Christian-Lindner-Darsteller Christian Lindner wird der wichtigste Minister aller Zeiten, seines Namens Finanzminister in der ersten deutschen Fortschrittskoalition des Universums. Das VW-Ministerium kriegt auch die FDP. Logisch; hier hat der Scheuer-Andi schließlich Maßstäbe gesetzt.

Das Ende hat ein Warten

So weit, so tragisch. Habe ich den Kanzler schon erwähnt? Das ist nämlich der Scholz Olaf. Der heißt Olaf und ist mit Olafheißen sowas von ausgelastet, dass er die anderen auf Posten schiebt, von denen jeder weiß, dass sie die nicht können. Da kriegen sie sich irgendwann schlimm in die Wolle, während er einfach weiter Olaf heißt und das tut, was eine Kanzlerin halt so tut. Dann fliegt alles in die Luft und die Leute wählen wieder Olaf.

Am allerbesten gefällt mir aber das, was "führende SPD-Politiker" herausgefunden haben und im Café Einstein oder einem anderen Frittenpuff, in dem wichtige Leute doofen Journalisten geheime Sachen verraten, die selbstverständlich völlig öffentlich zu sein haben, durchgesteckt haben: Karl Lauterbach sei "nicht für das Gesundheitsministerium geeignet". Angesichts der übrigen Personalentscheidungen war das der Punkt, an dem ich mir den Kaffee über den Pullover gekippt und mich auf den Boden begeben habe, um dort die frisch verstreuten Krümel damit aufzusammeln.

Zu gern hätte ich wohl die Liste mit den Kriterien, nach denen solche Entscheidungen getroffen und die jeweiligen Qualifikationen der Betroffenen beurteilt werden. Ich bin sicher, die würde mich derart belustigen, dass endgültig wohliger Wahnsinn, meine letzten Synapsen umschmeichelnd, mich in ein glückliches und nützliches Mitglied der Gesellschaft verwandeln würde. Aber das sind so Träume, die gehen eh nicht in Erfüllung.

 
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Zitat der Woche: "Ein politischer Hintergrund sei derzeit nicht erkennbar, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main." Gottseidank kein Radikalisierter®! Nein, ist klar: Wenn ein "Sprengstoffexperte" der Bundeswehr ein Arsenal hortet, mit dem er eine Kleinstadt in Schutt und Asche legen kann, ist das völlig unpolitisch. So wie es generell unpolitisch, harmlos und eine Art Dummejungenstreich ist, wenn Nazis sich auf den achtzehnten Weltkrieg vorbereiten.

Bei 'Linken' hingegen ist es bereits verdächtig, wenn sie einmal nichts planen und gar staatliche Maßnahmen im Kern unterstützen, weil sie nämlich Linke sind, mithin böse, das Böse und unser Verderben. So sieht es der Faschoschützer in Sachsen: "Hierbei kam es dann wie beispielsweise in Leipzig und Dresden zu teilweise schwersten Straf- und Gewalttaten." Schwerste? Was mag das sein? Mord? Entführung? Massenvergewaltigung? Man erfährt so wenig. Der Linke ist halt superlativ böse. Immer.

Der braune Staat im Staate sieht es lieber, wenn der Landser wachsam ist. Liegt alles im Trend, wo doch auch wieder Fackelzüge am Reichstag abgehalten werden. Die Ästhetik stimmt, die militärische Lage im Inneren stimmt, was fehlt jetzt bloß noch? Wer mit Charisma vielleicht? Warte nur ein Weilchen. Nein, Bernd, du bist es nicht. Die Alize schon gar nicht, die ist eine eklige Schreckschraube. Glück gehabt.

Wachstumwohlstandarbeitsplätze

Achtung, jetzt kommt ein Kartong Twist, eine Wende, zu etwas völlig Anderem. Meine Freunde, die Grünen, sind wieder dran. Als neue Verräterpartei sind sie nicht bloß politische Horrorclowns, sondern ein ganz besonderer PITA (pain in the ass). Warum? Weil sie sich auf die Fahnen schreiben können, die fortgesetzte Vernichtung natürlicher Lebensgrundlagen (der Menschheit, die der Planet ggf. einfach auskotzt) nach Kräften zu unterstützen.

Wer wissen will, welche Entscheidungen 'grüne' Regierungsbeteiligte dazu bereits getroffen haben, mag sich selbst auf die Suche begeben. Tief muss man ja nicht bohren. Ihr größter Erfolg besteht aber im Exportschlager (jadoch, schon wieder!) klimagerechter Wohlstand®. Allein, dass (wie Telepolis richtig erkennt) die Alibimaßnahmen auf eine "Antriebswende" reduziert werden, ist ihr Verdienst. Alles so weiter, mehr und mehr und mehr und Autos von Vauweh mit Arbeitsplätze®.

Das Gute im Schlechten: Der Kapitalismus spült sich gerade selbst ins Ahrtal. Die Lieferketten überfordert, Energiepreise nicht mehr zahlbar, Mieten explodieren, der Golfstrom ächzt und der Jetstream ist am Arsch. Was könnte da wichtiger sein als Wohlstand®? Höchstens ja Rasse und Nation. Ich glaub', ich geh wieder ins Bett.

 
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Als Nichtwähler betrachte ich mich keineswegs als Avantgarde, frage mich aber andererseits, wie man nur kann. Zudem frage ich mich, was eigentlich geschehen müsste, damit die Gelehrsamkeit das politische System als gescheitert erkennt, ohne dass zuvor die Wirtschaft endgültig zusammenbricht. Eine rhetorische Frage.

Aus Sicht einer 'Politologie', die sich Marx und überhaupt dem radikalen Materialismus verweigert, müssten diese Fragen aber eigentlich auf der Tagesordnung stehen. Was muss passieren, damit man erkennt: Korruption, Unfähigkeit und Depression haben eine Eigendynamik angenommen, die nicht mehr umkehrbar ist?

Das Personal

Nehmen wir das aktuelle Personal, das sich zur Wahl stellt, die Prozesse, die dazu führen, und das Verhalten der Wähler. Zum Beispiel die CDU, gebuchte nicht nur Regierungs-, sondern auch Kanzlerpartei. Rationale Kriterien für die Besetzung der Führungsrolle wären Kompetenz, Erfolgsaussichten oder wenigstens Autorität. Und dann kam Laschet.

Sein Weg ist bestimmt durch das Versagen anderer und die Angst vor Personen, die eine Führungsrolle wirklich ausfüllen wollen. Seine Karriere beruht auf dem Versagen von Hannelore Kraft. Seine Basis sind katholische Seilschaften und Opportunismus gegenüber vermeintlichen Autoritäten. Was er kann, hat er im Wahlkampf gezeigt. Es geht zwar für die CDU nur darum, einen Hut auf den Stock zu legen, aber Laschet hat nicht einmal kapiert, dass eine Narrenkappe dazu nicht geeignet ist.

Die Wähler haben sich dem Niveau dieses Schauspiels bestens angepasst und sind, nachdem sie vermeintlich erkannt hatten, dass sie von der SPD nur verraten und miserabel regiert werden, offenbar entschlossen, diesen Haufen doch wieder zu wählen, um die CDU zu bestrafen. Olaf Scholz, ein zynischer Neoliberaler reinsten Wassers, als Alternative zu Helau-Laschet und dessen Geheimwaffe Merz.

Was sie sagen

Das Ganze könnte (ich rechne allerdings dennoch mit einem 'Sieg' der CDU) auch deshalb funktionieren, weil die Grünen, die binnen weniger Jahre einen Verrat an der eigenen Substanz hingelegt haben, für den die Sozen in der Konsequenz hundert gebraucht haben, sich ebenfalls dachten: Wen der Wähler wählt, das entscheiden wir. Also nehmen wir diese Darstellerin ihrer selbst. Hat ja prima geklappt.

Die FDP lügt sich seit dreißig Jahren mit denselben Sprüchen durch und hat einen schicken Kandidaten. Auf den Plakaten sämtlicher Parteien stehen nur Parolen, und wenn es Inhalt gibt, ist es Schwachsinn. "Gute Schulen"? Die Frage, was das sei, und warum es die nicht längst gibt, ist falsch. Das entscheiden nämlich die Länder, nicht der Bund. Aber hey, der Wähler ist ja saudumm, der merkt das nicht.

Bleiben die echten Sozialdemokraten ("die Linke"), die zu feige für alternative Vorschläge sind, und die Sofanazis von der AfD. Niemand von denen hat auch nur annähernd brauchbare Ideen für brennende Probleme (Klima, Renten, Mieten, Kapitalkrise), dafür heißen sie aber immerhin jetzt "klimagerecht". Was soll das? Wozu braucht man das? Warum lassen sie die Ministerialbürokratien nicht einfach ihre Arbeit tun und gehen uns mit ihrem Geschwätz auf die Murmeln? Und wer unterstützt das auch noch?

 
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Wachstum. Klimagerechtes Wachstum. Wohlstand. Klimagerechter Wohlstand. Arbeitsplätze. Klimagerechte Arbeitsplätze. Freiheit. Klimagerechte Freiheit. Renten. Klimagerechte Renten. Eigenverantwortung. Klimagerechte Eigenverantwortung. Sicherheit. Klimagerechte Sicherheit. Und jetzt on top: Klimagerechte bezahlbare Kosten! Das hört ihr euch alles an, ja? Und dann geht ihr wählen, richtig? Die, denen ihr am meisten vertraut, aka kleinstes Übel®.

Da oben ist mal so ein Beispiel abgebildet, das die dilettantische Heuchelei dieser Charge so richtig schön illustriert. Heuchelei ist ja Kernkompetenz, nur dieser Dilettantismus ist wie das Zuviel Methanol in dem Vielzuviel Alkohol der völlig ungenießbaren Plörre.

Klimagegendert bis Dienstag 2099!

So eine kleine Nuss der CDU behauptet hier etwas. Zum Beispiel 'Klimaneutralität' "bis 2045". Also in einem Vierteljahrhundert soll irgendwas mit Klima sein. Dafür will er vier Jahre irgendwas mit Anreizen®. Als einer von hunderten Abgeordneten will er also das Händchen heben, wenn irgendwem in der Industrie für irgendein Versprechen Kohle in den Hintern geblasen wird.

Oder dafür, die Verbrauchssteuern zu erhöhen, die Energiesteuern zumal. Dann lässt der Plebs, den eh die Kaltmiete schon stranguliert, die Heizung im Winter mal aus, das spart reichlich. Oder ein paar Milliardäre kriegen Schrotthalden geschenkt, die sie begrünen dürfen. Klimaneutral, yeay! Und unter dieser neuen Sahnehaube aus reiner Dickebacke der neoliberale Plunder von anno Achtzig.

Dafür war der Matthias sich auch nicht zu schade, die Haushalte seiner Heimatstadt mit einer 16-seitigen Broschüre vollzuspammen. Klimaneutral, das geht auch ohne Bäume, da muss man mal nicht so kleinlich sein. Alles eine Frage der richtigen Mathematik, und die ist reine Ansichtssache. Für eine klimagerechte alternative Mathematik. Am Arsch die Räuber.

p.s.: Zu dieser Großenkelin aller Wahlkämpfe werde ich mich in Kürze noch eingehender äußern.

 
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Die Taliban wollen eigentlich auch nur Moped fahren. Coole Klamotten, Moped, und so eine coole Kalaschnikow macht auch reichlich was her. Ach ja, und ein Handy ist auch klasse. Damit haben wir sie jetzt auch bei den Eiern, denn Handy ohne Netz ist scheiße, also brauchen sie Zivilisation.

Nun haben die Chinesen schon Kontakt über Kanäle und diese Kanalkontakte offenbar genutzt. Das gilt als womöglich wahrscheinlich. Ihr gebt uns was von euren komischen Metallen, dafür kriegt ihr ein prima Funknetz. Die Chinesen waren nie Feinde, das nutzen sie jetzt aus. Perfide Strategie, findet der NATO-Meinungshaber. Machen sich einfach keine militärischen Feinde und profitieren noch davon. Das geht gar nicht!

Freunde der Feindesfreunde

Der Russe ist zwar auch so ein alter Feind, aber das wissen nur die Taliban-Opas, und das sind eh die, denen das Gepose und Getue der Jungkoranschüler auf den Sack geht. Immer haben die was zu nörgeln, also hört man denen nicht zu. Außerdem hat das prima funktioniert mit dem Dope und ähnlichen Geschäften, da kann man auch mit den Russen ein bisschen mauscheln. Dieser Putin, wir haben es schon immer gewusst.

Dann sind da die Amis, Islam- und Intimfeind Nummer eins. Was genau wollten die noch in Geröll und Hindukusch? Man weiß es nicht mehr. Zwanzig Jahre blöd rumlaufen, Leute nerven, Hochzeitsgesellschaften sprengen und sich Feinde machen. Ah, vielleicht war es ja das – sich Feinde machen. Aber wie profitiert man davon jetzt bloß?

Am unteren Ende der Nahrungskette ist das Habitat der Vasallen. Der bedingungslos Solidarischen. Womit waren sie noch solidarisch? Mit Brunnen? Freiheit? Ehre und Treue? Na jedenfalls sind das diejenigen, die nicht einmal die Absicht haben, zu profitieren – was vielleicht auch besser ist. Denn alles, was sie aus Absicht tun, geht irgendwie nach hinten los.

Immer wieder gern

Blöd nur, dass von diesen treudoofen Allzeitdilettanten mal wieder Menschenleben abhängen. Tzia, Freunde, wenn ihr euch auf die Deutschen verlasst, seid ihr echt völlig und endgültig gearscht. Irgendwer ruft euch an, ihr sollt zum Flughafen kommen, da ist dann aber keiner, der euch reinlässt. "Kommt morgen wieder", heißt es dann. Oder ihr seid gleich ganz raus. Viel Glück, Leute!

Ehre, Treue, viel Feind und viel Ehr’, das braucht der Landser. Sonst niemand. Wer in Deutschland wollte diesen Krieg? Wer wollte das zwanzig Jahre lang? Wer hat seine Genehmigung dazu gegeben, dort tausende Menschen für einen grotesken brutalen Schwachsinn auszubeuten und sie dann den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen? Und wer wählt diese Arschlöcher demnächst schon wieder?

 
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Das Elend des Spätkapitalismus kann man beinahe greifen. Eigentlich glaubt niemand mehr an Geld, bloß: Das setzt die Regel nicht außer Kraft, dass kurz vor dem Kollaps einer Religion der Glaube noch einmal krude gefestigt wird und gern in Fanatismus umschlägt. Phrasen wie in den letzten Tagen der DDR.

Wer sich aktuell einmal die Preise auf dem 'Markt' der Anbieter für Telefon und Internet anschaut, staunt: Selbst die Lockangebote sind teuer und die Unterschiede quasi nicht vorhanden. Das ist nur ein Beispiel, von Spritpreisen oder bereits abgehefteten 'Skandalen' wie Preisabsprachen zwischen den großen Brauereien ganz zu schweigen.

Automatic Capitalism

KI würde das ganz genau so machen, um nicht zu sagen: Sie macht es. Das ist dann Software, da kann man nix machen. Na, wer hegt das jetzt wieder ein? Das kann ja schließlich kein Systemzwang sein, denn das wäre ideologischer Kommunismus. Pfui! Wir haben hier Sozialemarktwirtschaft®.

Wie war das derweil noch mit den Banken? Nehmen Negativzinsen (Herr Gesell, bitte ans Telefon!) für immer kleinere 'Vermögen', Gebühren wie die Mafia und machen neuerdings auch selbst mit Digital-Ponzi rum, weil das so fresh ist. Diese Charge ist so systemrelevant wie ein Blutschwamm am Arsch. What's next? Brutale Gebühren für Bargeldauszahlungen? Wait for it!

Einzahlen kannst du ja eh schon nicht mehr. Die schwäbische Hausfrau wurde gemeinsam mit ihrem Sparschwein gekeult, wird aber sicher als Dämon überleben, wenn es darum geht, dem Wahlvieh die ollen Kamellen zu reichen, um ihm das Maul zu verkleben. “Neu denken“ nennt der 'neoliberale' Pöbel das. Seit vierzig Jahren. Tag. Für Tag. Für Tag. Wachstum. Wohlstand. Wachstum. Wohlstand. Wachstum. Wohlstand …

 
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Frei von Glyphosat: Grün ist der Weg.

Wenn jetzt eine Partei gebraucht wird, ist es "die Grünen". Diese schlimmen Umweltdinge, die uns den Sommer sprichwörtlich verhageln, wenn sie uns nicht ausdörren, die das schöne Häuschen am idyllischen Bächlein einfach wegschwemmen; wir brauchen Leute, die uns wieder Hoffnung machen – und den Kapitalismus grün anmalen.

Ja, er ist ein Dauerbrenner hier, der klimagerechte Wohlstand®, der eingehegte Tsunami im kritischen Faschismus. Aktuell haut die Vorturnerin des parlamentarischen Greenwashings radikale Vorschläge raus: Ein Superministerium Klima mit Vetorecht, wow! Das war schon immer eine Strategie der Verblödung, großspurige Ankündigungen zu megafonieren, die schon deshalb nicht umsetzbar sind, weil halt verfassungswidrig. Das ist billig, das macht Spaß, weil man immer sagen kann: "Ich wollte ja." Man muss nur wollen.

Schönes Wetter und Luxus

Man kann doch über alles reden, schließlich gibt es auch vernünftige Inlandsflüge, und die Reduzierung von CO2 durch Börsenpapiere hat doch auch ganz gut funktioniert. Man muss nicht immer gegen das Kapital kämpfen, um schöne Aussichten zu versprechen. Besser gemeinsam mit den alten Weggefährten, die da bestimmt gern mitmachen würden.

Olaf Scholz zum Beispiel, der sich einfach nicht komplett deppert benimmt in diesem 'Wahlkampf', eher leisetritt und schon mit den Hufen scharrt, um das zu tun, was er am besten kann. Wie so oft stehen auch die Gewerkschaften bereit, die ganz kompatible Sorgen haben: Sind doch die Wohnungspreise oft so hoch, dass die Profitgeber aka "Arbeitnehmer" nicht mehr zur Arbeit kommen, weil im Umkreis von 100 Kilometern zum Ausbeutungsort schon die Telefonzellen den halben Lohn als Miete einsaugen.

Und dann noch diese Hartzer, die sich ihrer Förderung® langfristig erfolgreich entziehen, was die kosten! Das wird immer mehr, weil siehe oben der Markt sie so teuer macht mit ihrem unverschämten Anspruch auf ein Dach überm Kopf. Das wird immer unmöglicherer, das einzuhegen; da muss man sich gemeinsam jetzt mächtig ins Zeug legen. Wenn dann das mit der Umwelt unter diesen Umständen nix wird, ja da kann man halt nix machen.

Und sonst?

Kurzum: Den diversen Geschmacksrichtungen von Sozialdemokratie fliegen ihre Strategien krachend um die Ohren, worauf sie stolz ein "Weiter so!" anstimmen. Die Fraktion der Besserwohnenden drischt derweil die alten Phrasen, macht, wo sie ehrlich ist, in Zynismus oder flüchtet sich ins Altreligiöse. Passt doch alles.

Das alles schreit nach radikaler, will heißen: gründlicher eingehender Kapitalismuskritik. Problem eins: Wer soll das noch machen? Die Linke ist erfolgreich zerstört und zersetzt worden. Was von ihr geblieben ist, ist komplett korrumpiert, und sei es intellektuell. Ein weiteres Problem besteht in der Substanz der Kritik, wo sie welche ist: Marxens fast vollständige wissenschaftliche Analyse ist ein Klotz am Bein.

Die Reaktion hat sehr erfolgreich dafür gesorgt, dass die Diskussion endet, wo sie beginnen müsste: Er hat "Marx" gesagt, er will die Diktatur! Versuche, ohne ausdrücklichen Bezug auf den Meister darzulegen, wie das Ganze funktioniert und was eben nicht, haben bislang auch wenig Erfolg. Selbst die einfache Formel "Keine Herren, keine Sklaven" trifft wohl eher auf Ablehnung. Jemand muss doch das Sagen haben! Genau. Das ist dann Demokratie.

 
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Stellt sich raus: Die 'Kanzlerkandidatin' der Grünen ist eine Komplettmogelpackung. Hat irgendwas hier und da studiert und bläst das in Lebensläufen und Internetpräsenzen auf. Schleifchen drum, selbstgemalte Urkunde drunter, Goldpapier drum, Parfüm drüber. Geht einer hin, macht die Packung auf und schon sieht sie nur noch deppert aus.

Veröffentlicht sie ein 'Buch', geht einer hin und zeigt, dass das zusammenkopiert, paraphrasiert und unbelegtes Zeugs ist. Riecht schon wieder echt schlecht, jetzt stinkt der Depp auch noch. Stellt sich dann irgendwann raus: Laschet hat ein 'Buch' geschrieben. Geht einer hin und zeigt, dass das zusammenkopiert, paraphrasiert und unbelegtes Zeugs ist. Gleich kommt der Lacher vom Band, vorher noch das: Olaf Scholz gewinnt.

Der Begriff "Symbolpolitik" hat sich völlig überholt, er ist ein Pleonasmus (wie "weißer Schimmel"). Es zählen die Pose, das Getöse, das Kostüm, das Lametta, das Design. Während es vielen inzwischen lächerlich anmutet, wenn Militärs mit einem Brett voller Orden daherstolzieren oder Hochwohlgesalbte mit Schleppe und Schärpe umherschleichen, braucht das Funktionspersonal – wie auch die Mittelschicht – Insignien; keine Größe ohne Jodeldiplom.

Jodeldiplome

Wo die Werbung dem blöden Konsumenten die Befehle à la "Mein Haus, mein Auto, mein chicer Partner" erteilt, auf dass sie im Statusrennen nicht auf der Strecke bleiben, muss es auf der Bühne der politischen Kleiderständer und Plapperpuppen irgendwas Akademisches (oder gleichwertig Elitäres) sein und inzwischen mindestens ein vermeintlich selbst geschriebenes Buch.

Niemand will das lesen, aber es verkauft sich dennoch, weil es im Umfeld der Partei und bei denen, die ihre Verwandtschaft nicht leiden können, zu adäquaten Anlässen verschenkt wird. Eventuell kauft man auch mal eines für sich selbst, falls man mal abgefragt wird und die guten Sitten das halt verlangen. Man ist ja up to date.

Scholz hat übrigens auch eins rausgehauen, das man nicht lesen muss. Der neoliberale Schmonzes trieft schon aus dem Titel; angepriesen wird es mit einem Buzzword-Bingo, das sehr ehrlich auf die Kopfschmerzen vorbereitet, die der Lektüre fraglos folgen werden. Stellt sich raus … vielleicht lernen wir eines Tages, dass alle von demselben Ghostwriter sind. Dann wählen wir den und haben denselben Mist. Ich leg mich dann mal wieder hin.

 
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Es ist sicherlich so, dass die Erinnerung sich gern in einen farbigen Nebel von Nostalgie begibt und sowieso die schlimmen Erlebnisse verdrängt und zugekleistert werden, während das Leiden der Gegenwart nicht laut genug bejammert werden kann und die Freuden immer so schnell vergehen. Das kann so weit gehen, dass Revisionisten sich vormachen, es sei "ja nicht alles schlecht gewesen" unterm Führer.

Ich rede vornehmlich von Politik an dieser Stelle, und da war es damals tatsächlich und systembedingt besser. Warum? Vor allem, weil man glauben musste, es sei so, und (vermeintlich) reale Möglichkeiten sah, die heute nur noch als Luftschlösser in der Propaganda vorkommen.

Vom Redner zur Sprechpuppe

Nehmen wir mal die Soziale Marktwirtschaft®, damals noch ohne Markenkennung. Es schien, als könne man ein bisschen Kapitalismus machen und ein bisschen Sozialismus, alles in Eintracht und Harmonie der Demokraten® und unter dem Primat des Politischen über die Ökonomie. Es wurde darüber gestritten, wie das gehen solle – zunächst unter Parteien, die den Sozialismus dem Kapitalismus vorzogen, einschließlich der CDU.

Diese kehrte schon recht zügig unter ihrem ersten Endboss Adenauer von der Idee ab und verortete Sozialismus nur mehr im Marxismus der DDR und der Kommunistenfreunde aus der SPD. Die wiederum hielten es programmatisch noch mit Marx, wo sie faktisch längst von ihm abgefallen waren, immerhin aber sollte es noch Sozialismus sein und ein bisschen vom Anderen.

Die Personalisierung in der Politik funktionierte auch deshalb so gut, weil es eine Schar rhetorisch begabter und leidenschaftlicher Vertreter der jeweiligen Geschmacksrichtungen gab: Strauß, Wehner, Brandt, Schmidt, Schiller, Genscher und weitere, die der Erwartung jederzeit gerecht wurden, nicht bloß "meine Damen und Herren" und die aktuellen Buzzwords in ein quälendes Gestammel einzupflegen, sondern regulär reden zu können.

Hohl, leer

Auch das hat sich vollständig abgeschliffen in einer Republik, die sich schleichend von allen Elementen eines Sozialismus nicht bloß befreit hat, sondern deren Establishment sich nicht weniger als die Vernichtung dieser Denkrichtung ankreiden lassen muss und noch jeden Gedanken daran verfolgt, wo sie längst irrelevant wurde. 'Diskussionen' sind nur noch die Simulation der Wiederholungsschleifen, exekutiert von intellektuell maroden Sprechpuppen ohne jedes Talent.

Das System selbst liegt derweil in einer Dauerschleife der Konkursverschleppung. In einer Wirtschaft, in der das Kapital um ein Vielfaches den Wert der Substanz übersteigt, ist Wachstum® – Profite, Steigerung des Kapitals – das einzige Ziel. Es ist eine deprimierende surreale Situation, gegen die im echten Leben eine hochdosierte Medikation verabreicht würde. Im Betrieb geht es derweil noch immer um alles: Posten, Pfründe, Diäten. Und alle machen mit.

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