journalismus


 
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Die Lügen der NATOpresse werden in den Redaktionen willenlos kopiert und eingefügt, vervielfältigt und verklappt. Das Maß an Ignoranz, das sie dafür an den Tag legen, ist eines von Orwellschen Dimensionen. Die Übersetzung von "ignorance" mit "Unwissen" reicht nicht ganz an den Sinn heran. Man muss schon die Wahrnehmung so filtern, dass man nichts mehr merkt. Ignoranz in Vollendung also.

Wovon redet der Mann schon wieder? Na zum Beispiel vom ersten Angriffskrieg in Europa® seit irgendwann, während der letzte noch immer schwelt und derzeit wieder in eine heiße Phase zu gehen droht. Wer erklärt den journalistischen Eselsmützen, was "Jugoslawien" heißt? Wer haut ihnen das Buch mit der jüngsten Geschichte um die Ohren?

Operation dies und das

Aber schon die Verengung "in Europa" ist ja der Propaganda unterste Schublade. Die NATO führt seit Jahrzehnten permanent Kriege. Was muss man eigentlich tun, um Afghanistan schon zu vergessen oder zu neutralisieren, weil es nicht in fucking Europa liegt? In Guantanamo sitzen immer noch Folterobjekte. Aber ich möchte heute einmal an eine Absurdität erinnern, die einem ins Gesicht und gleich durchs Hirn springt wie weiland die Protonen durch Anatoli Bugorski.

Der "War on Drugs" trug amerikanische Bomben und Granaten vor allen einmal quer durch Mittel- und Südamerika; Mexiko, Panama, Honduras, Kolumbien. Und während ein angeblicher Kampf gegen Kriminalität, der, im Ausland geführt, nichts anderes ist als ein Angriffskrieg, für jeden Blutdurst herhalten musste, verschob die CIA ihrerseits Tonnenweise Dope und finanzierte damit weitere illegale Interventionen. Das, meine Freunde, sind die Guten.

So, und was haben wir denn jetzt da im Amerikaland für ein Problem? Zigtausende sterben jedes Jahr an Opiaten. Die Sucht gab’s auf Rezept, die meisten Mittel dazu auch. Die Pharmaindustrie sagt danke, und jetzt übernimmt die Dunkle Seite. So sind sie, die Guten. Das ist ihre Legalität, das sind ihre Maßnahmen, das nennen sie "Frieden und Freiheit". Und bei der Tagesschau freuen wir uns aufs Wetter wie damals auf das "Gehet hin in Frieden".

 
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Das sieht doch gut aus. Diese Munition sollte allemal für ein paar Tage reichen. Wie ich lese, käme die Bundeswehr ja auch immerhin einige Stunden hin, bis ihre Reserven verballert wären. Dafür haben sie aber erstklassige Unternehmensberater, die im Krisenfall dem Feind mit Stellenabbau drohen können.

Vor diesem Hintergrund ist es umso interessanter, wie unser täglicher Gegenteiltag im Kindergarten der atlantischen Medien die Niederlage Russlands feiert, weil den Russen seit Monaten täglich die Munition ausgeht. Der Nachschub funktioniert nicht, die Moral ist ganz schlimm, sie fliehen in Scharen.

Sieg! Sieg! Sieg!

Derweil werden Bakhmut und Avdiivka eingekreist, irgendwie fliegen den gebeutelten Ukrainern täglich zehntausende Granaten um die Ohren und von den 100.000 Toten, die Uschi v.d.L. gestern für ein paar Sekunden wenigstens erwähnte, wenn auch nicht im Geringsten bedauert, lässt Prawda-Selenski heute 90.000 wiederauferstehen. Ostern im Advent. Dazu ein Zitat vom Feindsender:

"Ich habe den Eindruck, dass sie unsere Stellungen mit ihren eigenen Leichen zupflastern wollen […] Man kann es unmöglich irgendwie anders nennen. Sie entsorgen einfach den aktivsten Teil der männlichen Bevölkerung." Aus Gründen kompletter Verblendung glaubt der Autor an die Darstellung des Feindes. Er behauptet dabei, das ergebe sich aus dem Fortgang der Ereignisse an der Front, über die er sich mehrfach täglich desinformieren lässt.

Seine Tochter hat ihn derweil belehrt, dass man manche Dinge kommen sieht, wenn man die Augen nicht verschließt. Noch ein Zitat, im Anschluss an das Titelfoto:
"Ich weiß schon immer: Wenn der Gin jetzt kommt, wird das nicht gut enden." Das, um ein vorletztes Zitat anzuschließen, noch einmal vom Feindsender:

Kinder lieben die NATO

"Jemand, der sich ernsthaft Gedanken über Kriege macht, [hätte darauf geachtet], es nicht dazu kommen zu lassen, weil das Ergebnis, das letztlich eintreten wird, von vorneherein absehbar war.
Das war der Zeitpunkt, an dem vernünftige Menschen sich Gedanken darüber gemacht hätten, welche Folgen ein Krieg bringt, und darüber nachgedacht hätten, wie viele wohl sterben würden, wie viele Häuser und ganze Orte danach in Schutt und Asche liegen werden, wie viele Kinder elternlos bleiben werden. All diese Dinge bringen Kriege nun bekanntlich einmal mit sich. Im Dezember des letzten Jahres war ein passender Moment für solche Gedanken, auch für die Überlegung, dass da ein Winter kommen wird, der für jeden schwer wird, der kein Dach über dem Kopf hat.
"

Und zum Abschluss noch einmal ein weiterer Satz des Jahrhunderts zum Kontrast, einer von den Guten, nein, der Besten überhaupt: "Nun werden Eltern beim Frühstück von ihren Kindern gefragt: Mama, was sind eigentlich Atomwaffen? Andere wiederum sagen: Ich mag die Nato wirklich." Das Praktische am Spätkapitalismus ist ja die große Auswahl. Man kann sich die Wirklichkeit aussuchen, die man sich leisten kann, und sie kaufen.

 
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Immer wieder "Lügenpresse"; wie schön, dass es ein paar Deppen gibt, denen man (im Ansatz zu Recht) Naziterminologie und Einfältigkeit vorwerfen kann, dann ist der Vorwurf ja vom Tisch. Gefehlt! Die Techniken der Propaganda lassen sich benennen und massenhaft in den Massenmedien nachweisen. Während man von Boulevard und Springerpresse längst an Propaganda gewöhnt ist, werden dieselben Methoden inzwischen fast überall angewendet.

Das beginnt bei der klassischen Kampagne. Medien schießen sich auf bestimmte Personen oder Gruppen ein, um sie zu fördern oder niederzuschreiben. Beispiele: In Obamas erstem Wahlkampf 2008 hielten sich "Spiegel", "Zeit" und "Welt" für bemüßigt, Clinton quasi ins Amt zu schreiben. Schon damals glaubte der "Spiegel", selbst Politik machen zu können; Weltpolitik, versteht sich. Steingart brüstet sich gar mit Einflussnahme und sagt auch, wie das geht:

"Der „Spiegel“ hat mit seinen Titelstorys Rot-Grün konsequent aufs Korn genommen, geradezu kampagnenartig.

Ich widerspreche nicht: Wenn Kritik und wiederholte Kritik eine Kampagne ist, dann haben wir eine Kampagne betrieben."

Kritische Kampagne

Er nennt das, wiederum in Verdrehung des Begriffs, "Kritik". Eine wiederholt geäußerte Ablehnung in Form einer Parteinahme ist aber nicht "kritisch", sondern verstößt gegen genau die journalistischen Prinzipien, die genau solche Hanswurste gern für sich in Anspruch nehmen. Ein Beispiel für eine Kampagne, der man nicht entgehen kann, ist die aktuelle gegen Putin, i.e. Russland. Jeder einzelne Vorwurf trifft entweder nicht zu oder wird selektiv gegen Russland gewendet, obwohl er sich gegen Gott und die Welt richten ließe.

Beispiel Doping: Wie gesagt dopt jeder Leistungssportler, Ausnahmen sind äußert rar gesät. In Deutschland gab es dafür eine Spezialabteilung in Freiburg (s. Armin Klümper). Nachdem Birgit Dressel bereits infolge ihres Arzneimittelmissbrauchs gestorben war, hat man diesen Stall nicht etwa dichtgemacht; im Gegenteil waren teils dieselben Ärzte z.B für das Team Telekom um Jan Ullrich zuständig, einen dieser Rennställe mit den vielen Einzelfällen. Die Uniklinik Freiburg ist übrigens eine staatliche Einrichtung, aber allein der alberne Unterschied zwischen "Staatsdoping" und staatlich gefördertem Doping im kapitalistisch verwerteten Sport ist schon Propaganda.

Beispiel Krieg: Bosnien, Irak, Afghanistan, noch einmal Irak, Libyen, Syrien usf. sind Kriege 'für Menschenrechte' – es sei denn Russland "mischt sich in den Bürgerkrieg ein". Die Anerkennung jugoslawischer Teilrepubliken durch den Westen Anfang der 90er Jahre steht im diametralen Gegensatz zur Verurteilung Russlands wegen des Anschlusses der Krim. Deren Annexion wird ernsthaft als "Überfall" bezeichnet, obwohl jeder wissen kann, dass die Krim vertragsgemäß immer von russischen Truppen 'besetzt' war.

Trolle, Doping, Krieg: Diese Russen!

Beispiel Trolle: Es gibt keinen einzigen belegten Fall, in dem russische Trolle irgendein deutschsprachiges Forum heimgesucht haben, dagegen dutzende, dass sowohl politisch Einfluss durch Parteien und ihre Unterstützer genommen wird, ganz zu schweigen vom Dauerfeuer bezahlter Mietmäuler im Interesse des Kommerzes. Obendrein ist es schon witzig so zu tun, als hätte 'Putin' Zauberargumente, mit denen er die hilflose deutsche Öffentlichkeit manipuliert.

Ach ja, die Hacker sind übrigens auch Russen, z.B. die vom IS, siehe dazu auch unten "Verdachtsjournalismus", dessen primitivste Variante die Wahnphantasie ist: "Putin könnte 2017 einen Atomkrieg starten" ist die endgültig unterste Schublade. Dieser Schwachsinn suggeriert, es gäbe quasi einen Plan, denn nur so kann ja ein Zeitpunkt genannt werden. Der vermeintlich korrekte Inhalt (vermutlich könnte Putin das, aber ich kann auch die Kinder der Nachbarin aufschlitzen) besteht in einer infamen Unterstellung.

Beispiel Hooligans: Es gibt russische Hooligans, erfahren wir, und: Es gibt irgendwen in Russland, der mit irgendeiner staatlichen Instanz zu tun hat, den das nicht stört. Schon ist es "Putin", der dahinter steht. Überhaupt ist die dauernde Personalisierung, die Gleichsetzung Russlands mit Putin, ein Mittel der Propaganda. Personen kann man nämlich mit beliebigen negativen Eigenschaften behängen; bei Völkern wäre das offensichtlich Hetze, deshalb braucht es das personifizierte Böse.

Eines der übelsten Mittel der Propaganda ist Verdachtsjournalismus. Als es noch die Vorstellung gab, Journalismus könne seriös sein, war es ein Tabu, unbelegte Verdachtsmomente auszusprechen. Es war ein Sakrileg, nicht zwischen Vermutung, Verdacht und Tatsache zu unterscheiden. Die denkbar schlimmste Variante ist die, wüste Spekulation als Tatsache zu verkaufen und damit die Forderung nach Konsequenzen zu verbinden. Den absoluten Nullpunkt journalistischer Qualität und die Rückkehr der Hetzpropaganda hat der Spiegel mit seinem Titel vom 28.07.2014 erreicht. Dass die Hinterbliebenen der Opfer des Anschlages, mit denen dort Kasse gemacht wird, nicht gefragt wurden, macht den Braten auch nicht mehr fett.

Tausende Geisterfahrer

Die Reaktion der Redaktion (siehe Link) ist typisch: Unter den Kritikern dieser widerlichen Hetze "waren auch organisiert auftretende, anonyme User, die schon seit Monaten jegliche Kritik an Russland mit einer Flut an Wortmeldungen in den Foren vieler Online-Medien kontern", so der "Spiegel". Propaganda kann man nicht inhaltlich verteidigen. Die Reaktion auf Kritik ist daher folgerichtig das beleidigte Spinnen an Verschwörungstheorien. Da sie nichts falsch machen, kann Kritik nur von Putins Trollen kommen, da sieht man's wieder!

Die Wortwahl ist nicht minder verräterisch. In den 80er Jahren wurden die Taliban der "Nordallianz" als "gemäßigte Rebellen" bezeichnet, jene Truppen, die später "Terroristen" waren und mit "Al Kaida" verschmolzen. Solange irgendwer auf Seiten der NATO kämpft, gilt er immer als "gemäßigt", über die anderen werden Horrormärchen wie die Brutkastenlüge oder Scharpings kranker Verbalamok von den gegrillten Föten erzählt. Die NATO kämpft nur gegen Unmenschen, die unsagbar böse sind. Ganz anders der Russe: Der bombardiert "moderate Oppositionelle".

Eine Medienlandschaft, die sich längst an ein Neusprech gewöhnt hat, das vor allem wirtschaftliche Hintergründe tendenziös darstellt (so wie es das Lambsdorff-Papier und das Schröder-Blair-Papier ausdrücklich fordern), kann sich vielleicht noch damit herausreden, dass sie in ökonomischen Fragen das Vokabular von neoliberalen Experten gestellt bekommt. Das wäre auch schon traurig, aber in Sachen Politik, vor allem wenn eindeutig Feindbilder aufgebaut werden, gibt es keine Rechtfertigung mehr. Es gibt nur noch Ausreden wie im Kindergarten, derer sich die Propaganda stets fleißig bedient. Sie erwartet unmündige Gefolgschaft, sonst funktioniert sie nicht. Wer sie kritisiert – gleich ob verblendet oder sachlich – gehört zum Feind und wird entsprechend behandelt.

 
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Nettes Zitat: "Ich wiederhole: Ich kann da kein Mitgefühl empfinden! Das Volk hat dieses Schicksal selbst gewählt! Wir haben das deutsche Volk ja nicht gezwungen. Es hat uns selbst beauftragt. Jetzt wird ihnen eben das Hälschen durchgeschnitten." So weit, so treffend wie fiktiv.

Derzeit ist außerdem wieder das geflügelte Wort "Jede Bevölkerung in einer parlamentarischen Demokratie hat die Regierung, die sie verdient" in aller Munde, was mir nicht zusagt, da es suggeriert, eine "Bevölkerung" habe einen maßgeblichen Einfluss auf jene Demokratie. Wenn die aber nur so heißt und die Herrschaft eben ihrem Volk nur aus der Ferne zuwinkt, kann man das nicht durchgehen lassen. Nun kann man noch sagen, nur eine revolutionäre Bevölkerung habe eine Demokratie verdient, damit kommt man aber auch nicht allzu weit.

Deutschlands Besatzer

Ich will aber zwei Schritte zurückgehen und zunächst einmal hinnehmen, dass es – in Europa und insbesondere Deutschland – Parlamente und Regierungen gibt, die in einem System verschachtelter Vertretungsvertretungen und steiler Hierarchien dafür sorgen, dass die Interessen einer Bevölkerung dort nicht ankommen. Die werden bestenfalls ganz unten wahrgenommen, während ganz oben andere direkt und wirkungsvoll eingespeist werden.

Dann muss man obendrein noch zur Kenntnis nehmen, dass – es wurde hier mehrfach angesprochen – es offenbar eine Fernbedienung gibt, die dazu führt, dass deutsche Politiker keine deutschen Interessen, sondern ersichtlich die der USA umsetzen. Sind wir ein besetztes Land?

Im Grunde ja, denn die herrschenden Verhältnisse ergeben sich noch immer aus dem Zweiten Weltkrieg. So einfach ist es dann aber auch wieder nicht. Eine besondere Rolle werden die Geheimdienste, einschließlich der CIA, spielen, die bei ihrer Gründung von den Erfahrungen der Gestapo und der SS viel gelernt haben. Das ist aber ein sehr eigenes Thema.

Muss der Leser nicht wissen

Was hingegen erkennbar ist, sind die ganzen Think Tanks, Adabei-Grüppchen, Vereinigungen und ("Young Leaders"-) Förderprogramme, mit denen die US-Politik die BRD durchzogen, beeinflusst und korrumpiert hat. Die Filter funktionieren hervorragend, und fast jeder einzelne Politiker mit Entscheidungsgewalt oder Zugang zu Massenmedien wird von diesen Strukturen geprägt.

Die Narrative der Rechten, der Sprallos und der Mitte(!) setzen auf vereinfachende, verkürzte Modelle politischen Einflusses. Hier sind es immer Mächtige, Eliten und deren (geheime) Absprachen, die politische Entscheidungen hervorbringen. Daher werden die Rechten auch mit ihrem Besatzungsmodell auftrumpfen, das die Mitte ebenso triumphal zurückweisen wird.

Es bedarf klügerer und komplexerer Modelle, um wirklich zu erfassen, warum und wie geschieht, was geschieht. Dazu gehört ganz selbstverständlich und vor allem, dass geostrategische Interessen und daraus folgende Handlungen nicht auf persönliche Motive reduziert werden. Und genau deshalb redet in den Massenmedien jeder nur noch von Putin und Selenski. Das Volk muss eben dumm gehalten werden.

 
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Quelle: Pixabay

Die Propaganda der Öffentlich-Rechtlichen Staatsmedien nimmt krude Züge an. Es wird nicht einmal versucht, die Sachlage so darzustellen, dass sie plausibel und seriös recherchiert erscheint; im Gegenteil: Selbst wenn man keine andere Informationsquelle zur Verfügung hat, erschließt sich aus den Texten – hier der 'Tagesschau' – dass sie einseitig, tendenziös und manipulierend sind. Zwei Beispiele aus den letzten Tagen:

"Was man da hört, ist verheerend" ist die schon in der Überschrift erkennbare Gerüchtberichterstattung von Andrea Beer, die sich "etwa 50 Kilometer nordöstlich vom Atomkraftwerk" befindet, um das es geht. Da das AKW unter russischer Kontrolle ist, sind ausschließlich russische oder von Russen kontrollierte Quellen Primärquellen. Die werden aber beiseite gewischt mit dem Argument:

"Von vor Ort sind wir auf rein russische Quellen angewiesen – und das sind die staatlichen Propaganda-Medien, insofern müssen wir das immer mit Vorsicht genießen." Das gilt für die Russen.

Eine Quelle, eine Meinung

Es ist Krieg. Die Parteien sind unseriöse Quellen, aber sie sind Quellen. Propaganda ist von beiden Seiten zu erwarten. Hier wird die eine aber pauschal neutralisiert und ausschließlich die andere herangezogen:

"Von ukrainischer Seite ist es so: Journalisten haben Kontakte zu Mitarbeitern im Atomkraftwerk."

Wie sie das hinkriegen, erfahren wir nicht. Wer die angeblichen Quellen sind, auch nicht. Was wir erfahren, ist, dass jemand (von der Tagesschau befragte Tagesschau-Mitarbeiterin) etwas hört (Gerüchte), von dem jemand (Journalisten) etwas von jemandem (AKW-Mitarbeiter) gehört hat. Mithin eine einzige 'Quelle' über mehrere Erzählinstanzen. Früher hätte man jemanden wie Frau Beer vor die Tür gesetzt und ihren 'Bericht' umgehend in die Rundablage befördert.

Heute wird ernsthaft auf dieser Nicht-Basis die ganz große Trommel gerührt:
"Was man da hört, ist verheerend. Sie sagen: Wir können nicht mehr auf die Straße, Leute verschwinden, wir werden gefoltert, wir werden geschlagen, wir werden mit Waffen bedroht im Atomkraftwerk. Erst gestern gab es noch weitere Vorwürfe eines Instituts in der Ukraine, dass sogar Frauen vergewaltigt würden." Gerüchte als klassische Greuelpropaganda. Beer selbst bestätigt dann noch, dass die Lage eigentlich "unklar" ist. Kein Grund für ein Minimum an Sorgfalt oder Zurückhaltung.

Keine Hemmungen

Nicht minder manipulativ das zweite Beispiel. Als ich es auf ihrem Monitor las, habe ich die für mich maßgebliche Person gefragt: "Soll man das jetzt ernsthaft anklicken, um zu erfahren, dass das die Amis oder die Briten erzählt haben?" Überschrift:

"Schwerwiegende Vorwürfe im UN-Sicherheitsrat gegen Russland"

Wer die Techniken der Propaganda kennt, muss hier vermuten, dass "im UN-Sicherheitsrat" vertextet wurde, um den Eindruck zu erwecken, es gebe Vorwürfe des Rates gegen Russland. Selbstverständlich war es aber die Propaganda der US-Botschafterin. Das ist ungefähr so, als würde ich bei einen Besuch im Reichstag flüstern, dass wir ab sofort im Krieg mit Kuba sind, und dann titeln: "Kriegserklärung an Kuba im deutschen Bundestag". Die Gruselstory der Tagesschau hebt dann so an:

"Das Wort allein erzeuge eine Gänsehaut, sagte US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield im UN-Sicherheitsrat: "Filterung". Ein Wort für eine Reihe von Gräueltaten, die sich gerade in Europa ereigneten und die an eine sehr dunkle Phase der Vergangenheit erinnerten: Das Wort kann nicht ansatzweise den Horror vermitteln, und die Verdorbenheit dieser vorsätzlichen Praxis."

Das Böse und die armen Kinder

Wir wissen, dass die USA die Lage so schildern, aber was hat das mit dem UN-Sicherheitsrat zu tun, dessen Mitglieder vermutlich mehrheitlich eine deutlich andere Sicht der Dinge haben? Im Einzelfall werden sie glatt das Gegenteil behaupten, wie es dort Usus ist. Weiter geht das Gerüchteln:

"Es gebe Schätzungen, nach denen das russische Militär seit seinem Einmarsch bis zu eineinhalb Millionen Menschen auf diese Weise aus ihrer Heimat vertrieben haben – darunter auch Kinder."

Selbstverständlich gibt es diese Schätzungen. Sie wurden ja bei der Tagesschau soeben geäußert, was brauchen wir da noch Quellen dafür? Und dann noch die Kinder. Arme kleine Wesen mit großen dunklen Augen. Extrem wichtig für Greuelpropaganda. Wir erfahren dann noch von weiteren Gerüchten über "Folterzellen" und "Blut wischen", ohne Belege, wieder aus einer einzigen 'Quelle' – aus der Propagandaabteilung der USA. So geht Qualitätsjournalismus heute. Antje Passenheim kann dann auch gehen und ich hätte gern meine Gebühren zurück.

 
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Wer bejubelt Anjatanja Borbeck und die anderen Sprechpuppen, die dem Begriff "Inkompetenz" eine ganz neue Dimension verliehen haben? Wer lässt sich von wem erzählen, das seien dufte Leute, die man am Ende auch noch wählen soll? Wie funktioniert solche Verdummung – abgesehen davon, dass dieses Virus ein weiteres Mittelschichtsphänomen ist?

Das ist zunächst die Generation Irgendwasmitmedien. Sie haben keinen, aber auch gar keinen Bezug zu der Substanz dessen, was Journalismus einmal erfolgreich dargestellt hat. Sie nennen sich ernsthaft "kritisch" und behängen sich mit einem Preis unter dem Motto: "sich nicht gemein machen mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache; überall dabei sein, aber nirgendwo dazugehören" – indem sie sich schützend vor jeden Unsinn stellen, den ihre Regierung anstellt, und von Club zu Verein zu Verabredung jetten, um sich als gute Adabeis zu etablieren.

Mia san mia

Sie unterstellen Abweichlern "Desinformationskampagnen", wo sie längst keine Kampagnen mehr fahren, sondern ihr Meinungsgetröte zum Dauerzustand geworden ist. Sie führen mediale Schauprozesse auf, bei denen sie gemeinsam mit politischem Personal und befreundeten 'Experten' abweichende Ansichten niederbrüllen. Sie haben keine Ahnung, was Journalisten einmal gelernt und riskiert haben oder konnten, wähnen sich aber in deren Fußstapfen.

Bestes Beispiel: Obwohl einer der größten Zeitungsverlage selbst eine unkorrekte Übersetzung des skandalösen Auftritts der Außenmini veröffentlicht hatte, kursiert das Märchen einer russischen Desinformationskampagne. Kern der Sache: Nicht "ihre deutschen Wähler" seien ihr piepegal, sondern "die deutschen Wähler". Putin hat sofort erkannt, dass sie CDU- und AfD-Wähler ganz sicher besser behandelt hätte, und verbreitet jetzt Lügen über das arme Lenchen.

Niemand schämt sich für solchen Schwachsinn, im Gegenteil: Wer den Kaiser nackt nennt, wird zum Putintroll erklärt. So einfach ist es längst: Freund oder Feind, gut oder böse, Patriot oder Putinist. Wer von der gemeinsamen Sache abweicht, ist keiner von uns. Darauf einen Friedrich-der-Große-Preis!

Zwar werden wir immer noch mit der Erbärmlichkeit eines Storytellings genervt, das dem Leser erst hundert irrelevante Details im Stil eines Kitschromans an die Backe labert, bis man gar nicht mehr wissen will, worum es eigentlich geht, aber die neue Norm ist Personalisierung um jeden Preis. Wer ist der Größte? Warum wir wieder wer sind, ein Hurra auf Kanzler, Vizekanzler und den großen Vorsitzenden. Wer ist schuld? Warum Putin sich über tote Kinder freut.

Jekami

Niemand interessiert sich mehr für Inhalte. Parteiprogramme? Wahlprogramme? Wir liefern euch das Gegenteil dessen ab, was wir euch versprochen haben, und ihr bejubelt uns dafür. Warum? Der Anzug sitzt, schöne Pose unterm Eiffelturm, was die kann, kann ich auch. Identifikation. Froschperspektive, weiches Licht. Zweifel riechen nach Verrat. Härtere Maßnahmen, keinen Millimeter, null Toleranz. Held oder Schurke, Sieg oder Tod. Die Welt ist ein Hollywoodfilm.

Kritischerjournalismus® bedeutet, alles abzuledern, was am großen Konsens zweifelt. Politik wird wie eine Privatsache abgehandelt. Es menschelt. Sympathie, Treue, gegenseitige Anerkennung sind die Kriterien. Große Familie, starke Seilschaft. In den politischen Promis sehen Journalisten unbewusst dieselbe Unfähigkeit in derselben Hybris, die sie selbst auszeichnet, und reichen ihre Verzückung an die Leser aus ihrer Peergroup weiter. Es ist die beste aller Welten. Verbrannte Erde.

 
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Quelle: Pixabay

Wir erinnern uns: Als die Gewerkschaft der Lokführer streikte, war Aufruhr in den Massenmedien. Wie können sie nur, diese hinterhältigen roten Horden unter Kommando dieses Ossis – der ist doch sicher die letzte Bastion der Stasi, um unser schönes Deutschland zu entwirtschaften. Die Hetzpresse gab gar die Privatadresse des Gewerkschaftsvorsitzenden bekannt und damit ihn zum Abschuss frei. Der Dutschke-Effekt blieb aus, was sie mutmaßlich bedauern.

Nun, es hat in den vergangenen Monaten (!) Streiks der Pflegekräfte gegeben. Als man diese noch missbrauchen konnte, um mit Aufrufen zum Applaus vom Balkon Auflage zu machen, waren die Jungs und Mädels quasi heilig. Als sie dann ein Minimum an Korrekturen ihrer miserablen Arbeitsbedingungen forderten, war hingegen Schweigen im Walde. Aber das ist noch nicht alles.

Klatschen

Das ZDF versucht, sprichwörtlich am Rande seiner Kriegspropaganda, die Heuchelei auf ein neues Allzeithoch zu schrauben und besingt scheinheilig den "vergessenen Streik der Pflegekräfte". Man fragt sich freilich, wie man vergessen soll, was man gar nicht erfährt. Wörtlich quillt es da aus dem Schmierlappen:

"Es ist schwer zu sagen, warum ein Bahn-Streik – wie aktuell in Großbritannien – schon Tage vor dem Start hohe Wellen schlägt, der Protest von Mitarbeitern in einem Bereich, der jedem von uns potenziell das Leben retten kann, aber auch nach acht Wochen noch mehr oder weniger unter dem Radar bleibt."

Verstehen wir gar nicht

Ja, Bernd, wie kann das denn?! Wieso berichte ich denn dauernd über unverschämte Forderungen linksextremer Arbeiterführer, halte aber artig den Rand, wenn unsere wichtigste Symbolfigur Kleinekrankenschwester® auf der Straße ihre bittere Not beklagt? Warum bloß? Bin ich so ein Zyniker?

Ach was, ich bin nur ein kleiner Angestellter, der einmal ein großer werden möchte. Aber dann! Dann sorge ich für Sofas von Gerechtigkeit! Bei mir werden alle eine Stimme haben, die unter den Verhältnissen leiden. Also gut, die Fleißigen. Die Fleißigen, die wirklich ganz schlimm dran sind. Die wir dringend brauchen. Also zumindest ab und zu. Wenigstens am Rande. Ach, das hab ich ja schon erledigt. So, und jetzt ein schönes Glas Relotius halbtrocken.

 
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Einen etwas zähen, aber inhaltlich interessanten Artikel hat Christiane Voges auf Telepolis veröffentlicht. Es handelt sich bei der vorgestellten Nicht-Studie, die schon in der kurzen Zusammenfassung belegt, dass sie den einfachsten Kriterien von Wissenschaftlichkeit nicht standhält, um eine Projektion der extremen Mitte.

Was hier deutlich wird, ist, dass vor allem Abweichung registriert wird, nämlich vom Konsens der radikalen Mitte. Der ist neoliberal, NATO-hörig, dementsprechend russenfeindlich und reklamiert für sich, das Ideal freiheitlicher Demokratie zu verkörpern. Abweichungen sind daher extremistisch, antidemokratisch bis totalitär und vor allem falsch. Die Abweichung, das ist der Befund, identifiziert ihre Vertreter als 'alles dasselbe', hier als "Querfront" benannt.

Querfrontextremisten

Ausgerechnet dieser Quark kommt mit einem Vorwurf mangelnder Differenzierung daher und markiert schon olle keynesianische Kamellen als "radikal". So muss er es sehen, denn die Einheitsfront ist eben angebotsorientiert. Die Ablehnung von Krieg und Russophobie gilt ihm als "diktaturaffiner Putinismus"; ein Portal, in dem sich unterschiedliche Strömungen vernetzen, ist nicht etwa pluralistisch, sondern Querfront. Die Abweichung ist nicht etwa Kritik, sondern per se überzogen und daher "delegitimierend".

Warum das so sei, erfahren wir nicht. Es bleibt also der Befund: Abweichung vom Status Quo und dessen Verteidigung ist Extremismus. Diese Haltung definiert die reaktionäre Ideologie. Diese äußert sich gern aggressiv, propagandistisch und im Rahmen eines Freund/Feind-Schemas. Dass die extreme Mitte, die Medien und Politik absolut dominiert, in ihrer aktuellen Kriegspropaganda die Polemiken der Nazis und Stalinisten wieder aufleben lässt, ist kein Zufall.

Die Guten

Es geht um Machterhalt. Diesmal sowieso nicht um einen der Kommunistischen Partei und auch nicht um den der Rasse und Nation. Es geht darum, mit sprichwörtlich allen Mitteln, bis hin zum nuklearen Holocaust, die Machtstrukturen, das Eigentum, die politische Vertretung und die Funktionseliten zu erhalten. Dafür wird wieder dämonisiert, gelogen, einseitig 'berichtet', Durchhalten und Verzicht für die große Sache gepredigt, zensuriert und geschossen. Im Namen von Freiheit und Demokratie, wohlgemerkt.

Wie es, selbst nach einem möglichen Ende des Ukrainekriegs, je anders weitergehen könnte, wer sollte das erwarten? Die Mitte hat sich bis aufs Blut radikalisiert, sich sämtliche Strukturen angeeignet, erfolgreich jede Abweichung unterminiert und herrscht in allen politischen Parteien. Allein deshalb schon empfindet sie Abweichungen zunehmend als Bedrohung, die sie immer härter attackiert. Solange die Lumpen sich nicht zu organisieren wissen, wird das auch nicht besser werden.

 
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"Jana aus Kassel haben sie wenigstens von der Bühne gejagt."
(Unbekannte Philosophin)

Was wir da als Außenministerin haben, ist das Übelste, das man sich ausdenken kann. Seit George W. Bush und seinen Brüllaffen wie John Bolton ist Diplomatie schwer auf dem Rückmarsch, aber man konnte immer noch tiefer schießen. Jetzt nicht mehr.

Fangen wir aber in den Zeiten an, in denen sie noch die eifernde Karrieristin im Parteiamt war. Sie verbreitete stets den Eindruck eines Mädchens, das auf die Bühne hüpft, es völlig vergeigt, mit dem tosenden Applaus der Elternschaft bedacht wird und sich fortan für eine ganz große Nummer hält. Wer das für übertrieben hält, wurde längst korrigiert.

In Anwesenheit ihres Kollegen Habeck packte sie die unvergessenen Worte aus:
"Vom Hause her kommt er Hühner, Schweine, weiß nicht – was haste? Kühe melken. Ich komm eher aussem Völkerrecht."

Eifer und Narzissmus

Über ihr merkwürdiges Studium gibt es reichlich Kommentare, ebenso über ihr zusammenkopiertes 'Buch'. Habeck ist promovierter Literaturwissenschaftler. Außerdem ein Kollege und Konkurrent. Ich Chef, du nix wäre da noch freundlicher gewesen. Baerbock ersetzt Souveränität durch Narzissmus und mangelnden Intellekt durch Eifer. Von Fingerspitzengefühl wollen wir gar nicht erst anfangen.

Als Syrien bombardiert wurde, konnte sie noch in Deeskalation machen und meinte:
"Das Ziel darf niemals Vergeltung sein. Das Ziel muss sein, Menschen zu retten und Frieden zu stiften."
Ihre Bereitschaft, Sprüche aufzusagen, ist eine Kernkompetenz. Deren Bedeutung ist ihr egal, es geht immer nur um den Effekt. Daher nimmt es nicht wunder, dass sie zum Ukraine-Konflikt im Stakkato das Gegenteil trompetet:

"Sie [Die Russen] wollen den Frieden in der Ukraine zerstören. Deswegen darf die Ukraine auf keinen Fall verlieren – das heißt: Die Ukraine muss gewinnen."

Bis zum bitteren Ende

Dies sagt sie zu einem seit acht Jahren tobenden Krieg. Dies sagt sie angesichts der sprichwörtlich hoffnungslosen Unterlegenheit der ukrainischen Armee. Diese muss gewinnen – was nichts anderes heißt als Kampf bis zur Vernichtung. Weiter im Text:

"Es ist wichtig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass das nicht nur Fernsehbilder sind, sondern, dass das in einer Distanz von uns passiert, wo wir sonst in den Urlaub fahren würden."
Und zu den Opfern:
"Das jüngste war erst wenige Wochen alt."

Die oberste Diplomatin (ja, das wäre ihre Aufgabe) malt Bilder. Kein Urlaub in der Ukraine mehr, weil dort Krieg ist. Getötete Säuglinge. Wer sagt da: "Brutkästen"? Doch, es sind exakt Fernsehbilder. Nichts davon ist aufgeklärt bis auf das, was sich nicht leugnen lässt: Es ist Krieg. Der sieht so aus, egal, wer gerade wen ermordet. Und der muss jetzt gewonnen werden.

"Butscha hat deutlich gemacht, dass wir um jeden Menschen dort kämpfen müssen, um jede Stadt dort kämpfen müssen."

Bis zum letzten Blutstropfen. Nehmen wir an, es sei so, wie die Westpropaganda es darstellt: Russen schlachten Zivilisten ab, wo immer sie kämpfen. Und deshalb sucht man also keinen Frieden am Verhandlungstisch, sondern kämpft bis zum Endsieg? Was folgt denn daraus? Wie so oft steht hier moralisches Lamentieren der Logik diametral entgegen.

Bodenlos

Noch ein letztes Zitat; es gäbe dutzende, aber dieses zeigt recht anschaulich, wie inkompetent sie für dieses Amt ist:
"Wir wurden eiskalt belogen. Der Kanzler wurde belogen, ich vom russischen Außenminister, die gesamte internationale Gemeinschaft."

Nehmen wir wiederum an, das sei inhaltlich korrekt. Im politischen Diskurs wird gemeinhin selbst angesichts der unverschämtesten Lügen von "Unwahrheit" gesprochen. Gegenüber dem Kollegen im höchsten diplomatischen Amt, der Regierung des größten Staates der Erde aber lässt sie alle Würde fahren. Was folgt daraus? Wer nimmt sie noch ernst? Es mag ihr ja egal sein, dass Lawrow sie verachtet, aber was glaubt sie, wie der Rest der Welt über sie und das Land, das sie vertritt, denkt?

Doch wiederum erfolgt Applaus, diesmal von deutschen Medien, die in ihrer Kumpanei keinen Ekel mehr kennen und diesen Totalausfall ernsthaft noch bejubeln. Es geht ja nur mehr ums Durchhalten und die gleichnamigen Parolen, da stellt der gute Deutsche die Führung nicht infrage. Der neutrale Beobachter kommt derweil nicht umhin, sich Guido Westerwelle zurück zu wünschen. So tief ist der Fall.

 
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In den Anfangszeiten des Journalismus wurde bewusst berichtet. Man beschrieb, was geschah, wer handelte, wie und mit welchem Ausgang. Eventuell wurde noch etwas über die Beweggründe gesagt, sofern sie eindeutig bekannt waren. Man konnte dann auch darlegen, woher die Informationen genau stammten. Das klang dann ggf. so:

Der übländische Ministerpräsident Hübs erklärte am Montag vor dem Parlament in Schnübs, seine Regierung werde im Fall einer weiterhin hohen Inflation über drei Prozent ein Konjunkturpaket schnüren. Insbesondere die Erneuerung der Verkehrswege und der Bau neuer Kliniken sollen Beschäftigung und Konjunktur ankurbeln, hieß es in der offiziellen Regierungserklärung.

Seit der Übernahme der Verlage durch neoliberale Ideologen und nach amerikanischem Vorbild vor allem im Bereich Storytelling ausgebildeter Autoren hört sich das in etwa so an:

Üblands Regierungschef Hübs nippt noch einmal an seinem handgemahlenen Hochlandkaffee, bevor er aus der gepanzerten Limousine steigt, um schwungvoll die Stufen zum Parlamentsgebäude emporzusteigen. Er wird gleich eine schockierende Rede halten, mit der er entgegen eindrücklicher Ratschläge von Ökonomen und internationalen Partnern einen Haushalt auf Kosten kommender Generationen durchpeitschen will.

Nachdem die letzten Refugien von Verstand, Stil und Respekt vor dem Leser gefallen sind, muss der vollangepasste Mittelschichtsschreibautomat schon in die Vollen greifen, um weiterhin vom großen Journalistenpreis träumen zu dürfen, den er von seinesgleichen um den Hals geworfen bekommt:

Schon der teure, aber schlecht sitzende Maßanzug zeigt, mit wem man es hier zu tun hat: Üblands Machthaber Hübs ist eine Schande für sein Land, die sich aber dank undurchsichtiger Manöver im Sattel hält. Einige sagen, dass die Wahlen gefälscht wurden. Experten aus dem In- und Ausland bescheinigen ihm eine labile Psyche. Es gibt Berichte über Wutanfälle und Drohungen. Hübs geht ans Mikro und stellt das Parlament unbewegt und mit kalt polternder Stimme vor vollendete Tatsachen: Er wird Üblands Schuldenlast in irrwitzige Höhen steigern, um Prestigeprojekte zu finanzieren. Seine Hofschranzen applaudieren artig.

Und das war noch vor der Angst vor einer durch Lumpenpazifisten hervorgerufenen Kriegsmüdigkeit. In der nächsten Zukunft werden wir vermutlich direkt erfahren, was wir alle zu denken haben, wer unsere Freunde sind und wer als unwert zu betrachten ist. Eine neue Qualität wäre das nicht mehr.

p.s.: Man kann es freilich auch so machen.

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