journalismus


 
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Original: Keith Ivey

In ihren Jahresberichten erweist sich das Bundesamt für Verfassungsschutz stets als eine Kampfabteilung, die selbst definierten Feinden schaden will. Es reicht dabei, sich ein Feindbild zurecht zu zimmern und krude Theoreme zu bilden, nach denen jemand dort hinein passt.

Die Junge Welt betreffend, besteht deren übergeordnetes Verbrechen in "fundamentale[r] Kapitalismuskritik". Es reicht den Reaktionären dieses Landes nicht, Kommunismus und Sozialismus im Keim erstickt zu haben; die Kritik am Bestehenden, das sich deutlich in Richtung eines autokratischen Imperialismus entwickelt, reicht schon aus, um kriminalisiert zu werden.

Umsturz, Diktatur, Schießbefehl

Das ideologische Ziel ist ein totales Basta über strukturelle Gegensätze, die schlicht logisch sind und unterschiedlichen Interessen entspringen. Da die JW "von einem bestehenden Klassenkampf ausgeht", ist sie gefährlich. Mehr als Tarifverhandlungen darf es nicht geben, um die Klassengegensätze zu verhandeln. Dieses Ritual muss – noch – wohl oder übel geduldet werden, aber dass die Profiteure den Erzeugern des von ihnen abgeschöpften Mehrwerts antagonistisch gegenüber stehen, darf nicht gesagt werden. Gibt es eigentlich ein Einreiseverbot für Warren Buffet?

Die Phantasie der Interpretation, die von den Nachfolgern Gehlens und der reichsdeutschen Richterschaft an den Tag gelegt wird, ist beeindruckend. So ist es ein schlagender Beweis für den Versuch, ein "Einparteiensystem, [mit] fehlender Gewaltenteilung und Opposition" zu etablieren, wenn ein rechtmäßig gewählter Präsident als rechtmäßiger Präsident betrachtet wird, obwohl die USA ganz offiziell dessen durch nichts legitimierten Gegner bevorzugen.

Was wäre denn wohl, wenn die JW sich diesen Interpretationen anschlösse? Hieße das nicht, sie hintertriebe demokratische Wahlentscheidungen und zeigte ihre demokratiefeindliche Fratze? Hieße es nicht, sie bediente sich dazu noch der absurdesten Argumente? So oder so gehört sie offenbar verboten – zum Schutz der Pressefreiheit vor Missbrauch.

 
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Ich wurde ausgelost, sagen sie. "Sie", das ist ein "Institut für Publizistik", mithin das universitäre Irgendwasmitmedien, und so kommt es auch daher. Als "Chefredakteur" meines Blogs wurde ich "Journalist" gebeten, Fragen im Rahmen einer 'Studie' zu beantworten. Das macht mich weder reich noch relevant und: nein, ich werde nicht.

Was sie da auffahren, ist ein schwerer Verkehrsunfall. Ich habe einmal ein paar der Fragen hier dokumentiert, was völlig ausreicht, um das Ganze als mythologischen Stuss einordnen zu können. Was wird hier getan? Es wird nach "Einschätzungen" gefragt, und zwar nach Einschätzungen über Einschätzungen im Rahmen von nicht definierbaren Items. Es ist ein Lehrbeispiel für das Gegenteil von Validität.

Irgendwas mit …

Das fängt an mit dem Begriff "Demokratie", der hier völlig unkritisch durch die Items geschubst wird, als sei das eine Entität und nicht ein höchst problematischer Begriff, unter dem man alles Mögliche verstehen kann. Mit der Diskussion darüber kann man nicht nur Bibliotheken füllen, es gibt sie bereits.

Zudem gibt es einen Konfettiregen weiterer Unschärfen wie "respektvoll", "Desinformation", "glaubwürig(e Quellen)" usf.. Man hat keine Chance zu erkennen, ob auch nur zwei Probanden darunter annähernd dasselbe verstehen. Hier wird etwas 'gemessen', das man nur deshalb nicht heiße Luft nennen kann, weil das bei der durchaus geht.

Was etwa sind "gute Argumente"? Ist das eine Entität? Kann ich die anfassen? Wie unterscheiden sie sich von schlechten und wer beurteilt das? Ach ja, der Proband, womit siehe oben. Dieses Item ist besonders dumm, weil es ohne das Adjektiv ggf. etwas taugen könnte.

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Meine Lieblingsstelle ist aber die hier:

"Denken Sie an Ihre tägliche Arbeit: Wie bewerten Sie die folgenden Aspekte?

Meine Berichterstattung […] positioniert sich gegen Feinde der Demokratie"

Zunächst einmal positioniert sich eine Berichterstattung überhaupt nicht, sonst ist sie keine mehr. Dann wird hier angefragt, ob jemand, von dem man gar nicht weiß, ob er überhaupt "berichtet", eine Vorstellung davon hat, die sich nicht nicht nur auf eine Vorstellung von "Demokratie" bezieht, sondern ebenso auf eine von deren "Feinden" und wie sich das eine auf das andere auswirkt.

Es ist keineswegs Polemik, darauf hinzuweisen, dass "Feinde der Einhörner" hier eher messbar wäre, zumindest wenn der Proband welche kennt. Ein schönes Beispiel eigentlich, weil die Meisten dabei vermutlich an komische Pferde denken, die man kämmen kann. Das sollte man daher besser klären.

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Im Englischen nennt man so etwas wohl "train wreck". Wenn ich immer wieder dafür kritisiert werde, dass ich darauf beharre, Wissenschaftlichkeit sei unerlässlich, wenn man wissen will, was ist, liegt es wohl nicht zuletzt an solchen sogenannten "Studien". Es kommt von einer Uni und wird von der DFG gefördert, aber daran ist absolut nichts Wissenschaftliches.

Es muss klare Kriterien dafür geben, was man untersucht, wie man auch wirklich misst, was man zu messen vermeint und dass Entitäten, mit denen man hantiert, nicht beliebig interpretierbar sind. Hier passiert das Gegenteil: Einschätzungen in der dritten Metaebene von Projektionen, deren Gegenstand undefiniert bleibt. Ich empfehle den Verantwortlichen irgendwas mit Gartenarbeit.

 
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Die von mir bevorzugten Medien versorgen mich mit detaillierten aktuellen Informationen. Was für die Älteren klingt wie eine Binse, markiert inzwischen das Gegenteil dessen, was die Massenmedien bieten. Dort bekomme ich nur mehr Wiederholungen religiöser Formeln, Wunschdenken und ungeschminkte Lügen, die in Zeiten der Kriegspropaganda den Meinungskorridor eingrenzen.

Über das Geschehen in der Ukraine habe ich in den vergangenen zwei Jahren Hunderte von Informationen erhalten, die ich mit dem Fortgang im Kriegsgebiet abgleichen konnte. Als zuverlässig erweisen sich nach guter rationaler Tradition diejenigen, sie sich im Laufe der Zeit als wahr erweisen. Wenn eine Quelle zutreffende Prognosen abgeben kann, besser noch: den Empfänger selbst dazu befähigt, taugt sie etwas.

Kriterien

Diese Quellen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie deutlich machen, welche Informationen gesichert sind, welche zweifelhaft und welche als Gerücht eingestuft werden – und selbstverständlich, warum das so ist. So etwas kann man lernen. Wenn man das gelernt hat, fällt man als Redakteur kapitalistischer Medien aus. Wenn man das kann, ist man auch in der Lage, aus den Quellen der Pro- und Kontrapropaganda seine Schlüsse zu ziehen.

Ein Wort zu 'alternativen' Medien am Beispiel der Nachdenkseiten: Ich werde immer wieder mal gefragt, wieso ich die noch verlinke. Die Frage ist berechtigt. Ich bin bei denen irgendwann in Ungnade gefallen, niemand sagt mir, warum. Mails werden von ihnen nicht beantwortet, mit gelegentlicher Ausnahme von Jens Berger, den ich ja auch persönlich kenne. Der ist allerdings dort nicht für alles zuständig.

Diskurs vs. Bestätigung

Inhaltlich bzw. qualitativ ist hier bekannt, was ich von dem Auftritt halte: Zu wenig bis gar keine Analyse, keine grundlegende Kritik am Kapitalismus, teils dumpfe Meinungsmache, vor allem in Bezug auf eine diffuse Opposition beim Thema Corona, die u.a. offenbart, dass dort offenbar niemand Studien versteht und mangelndes Verständnis gern durch laute Meinung kompensiert wird.

Die NDS sind gleichwohl ein Portal, von dem ich weiß, dass es von Menschen frequentiert wird, die vielleicht in einem nächsten Schritt hier aufschlagen. Ja, das ist schwierig, wenn die mich ignorieren, aber es wäre nicht konsequent, sondern ein Akt weiterer Abschottung, keinen solchen Auftritt mehr in der Liste zu haben. Tatsächlich liegt mir etwas daran, etwas anderes zu fördern als das, was der große Einheitsbrei täglich bietet. Die NDS kann ich akzeptieren. Das ist weniger ein Lob an sie als Tribut an den Niedergang des Journalismus.

 
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Die Kriegsbefürworter wiederholen in Endlosschleife widerlegte oder unsinnige Gründe, die sie nicht nur vorschieben, sondern für die sie unbedingt Zustimmung einfordern. Wer diesem Quatsch widerspricht, so die einhellige Strategie, sei auf der Seite des Feindes, Putin.

Das Haupt-Pseudoargument dabei ist nicht falsifizierbar. Eine nicht falsifizierbare These als vorgeblicher Kriegsgrund, das ist ein nicht mehr zu überbietender Skandal. Sollten nicht Kriegsgründe so eingehend wie nur denkbar geprüft werden? Stattdessen ein ausgemachter Unfug: "Putin" (der stets als handelndes Subjekt anstelle Russlands phantasiert wird) wolle nicht nur die Ukraine, sondern danach ganz Europa erobern.

Diese reine Unterstellung – Putin oder andere verantwortliche in der russischen Führung haben stets das Gegenteil beteuert – ist nicht nur eben nicht falsifizierbar, sie ist auch ohne jeden Beleg. Obendrein kommt dasselbe Narrativ mit der Behauptung daher, Russland habe sich in zwei Jahren als unfähig erweisen, jedwede Geländegewinne zu erzielen. Nach welcher Logik soll es dann aber fähig sein, sich binnen Kurzem durch Europa zu fräsen?

Bis die Grotte bebt

Die zweite tragende Säule der Propaganda ist das Mantra des unprovozierten Angriffskriegs. Diejenigen, die von Anfang an mit Recht das Gegenteil behauptet haben, werden bis heute als Putintrolle diffamiert. Eines unserer Kernargumente war der Hinweis auf Minsk II und die permanenten Verstöße der Ukraine gegen diesen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag.

Obwohl inzwischen Merkel und Hollande unisono beteuert haben, dass ihr Völkerrechtsbruch von Anfang geplant war, und zwar ausdrücklich in der Absicht, diesen Krieg vorzubereiten, schwafeln dieselben Protagonisten nach wie vor vom unprovozierten Überfall. Was soll das? Was soll das sein außer dümmster, entlarvender Kriegspropaganda?

Weitere Details, die allesamt aus Spinnereien auf Kindergartenniveau bestehen, Projektionen mit dem Charme von Groschenromanen, kann man sich sparen. Der Feind ist künstlerisch längst verewigt in Splattermovies und Horrorporn. Das glaubt niemand, nicht einmal die Mischpoke, die das selber predigt. Aber je mehr sie am eigenen Glauben zweifeln, desto lauter beten und predigen sie. Jemand meinte neulich zu mir: "Die können doch nicht alle lügen!" Nein, können sie nicht?

 
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Ab und an muss ich noch dort hineinschauen. Man kann sich das kaum vorstellen, selbst die Älteren wollen sich nicht mehr erinnern, dass man dafür einmal Geld ausgegeben hat und es informativ fand, das Sturmgeschütz der Demokratie. Der Landser- und Patriotendemokratie zum Mitmarschieren. Humba! Täterä!

Neben dem üblichen Lifestylemist, Erziehungstips für Mittelschichtseltern, einmal ins "Gym" und schon schöner, schneller, gesünder, oder wie man das Glück® trotz Krise findet, bla, erfahren wir von der müdesten Propagandawerft an der ganzen Küste das Älteste im kältesten Aufguss, das Dümmste als Infotainment für Schlauerfühler. Der Hammer heute: Sie haben den "Hacker des Bösen" geschnappt. Es war einmal ein böser böser Wolf …

Ganz vorn aber, auf den ersten fünf Plätzen, landen, damit wir sie nicht vergessen, Putin, Putin, Putinland und Russland. Ernsthaft werden wir in der Welt der Spiegelredaktion vom jüdisch-bolschwestischen Bösen aus dem Raum im Osten "abgehört und unterwandert"! Von den Russen, sicher, ihrer CIA, NSA, DHS, wissens schon, mit diesem Prism, Tempore, XKeyscore, total und rundum über DNS und Atlantikleitung bis hin zu den ganzen Klubs, Blasen und Basen, die sie hier unterhalten.

Kim ante portas

Diese Russen! Wenn sie so weitermachen, laufen sie den Nordkoreanern noch den Rang ab. Derweil das Duell des Tages: der Kanzler gegen den Papst. Ganz ganz wichtige Männer, die die Weltläufte unterschiedlich einordnen. Das gehört eingeordnet. Ist der Papst etwa auch unterwandert? Nein! Doch!

Ein Gastautor darf schwadronieren über Putins Putinrussland und dass es an der Front nur "im Vorteil" sei derzeit. Das bisschen Überlegenheit bei Luftabwehr, Artillerie, Munition, Bewaffnung, Luftunterstützung, Truppenstärke, Nachschub, Produktion, Strategie und Logistik darf man aber nicht überbewerten. Die bessere Moral ist nämlich das, was zählt. Und die Moral natürlich.

Knallhart recherchiert außerdem: Es gibt ein schlechtes Foto von irgendeiner blaublütigen Uschi, Probleme kranker Piloten und CO2-Reduktion in Ihrem Landkreis. Voll am Puls der Zeit, am Maul des Volkes, mittendrin im Zentrum der Mitte statt nur schnöde Mitte oder Mittelschichtsrandlage. Zwei Fragen hätte ich da allerdings noch: Woher kommt eigentlich diese Krise des Journalismus und wie konnte es damals® eigentlich dazu® kommen?

 
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Der Chefredakteur rückt ins Meeting vor, reckt die Faust und bellt: "Ave Relotius!" Vielstimmig erfolgt das Echo. Chef fährt fort: "Wir wollen, dass der Leser sich gut fühlt. Wir wollen, dass der Leser sich bestätigt fühlt. Wir wollen, dass der Leser weiß, was ihn erwartet und dass seine Erwartung nicht enttäuscht wird." Vielstimmige Antwort: "Yes, Chef!"

Jemand sagte mir neulich, es gebe Dinge, die er nicht vergisst. Ach was. Trotz unseres vorgerückten Alters? Nein, er hat ja Recht. Auch konkret. Was Sascha Lobo uns ins Gesicht gespuckt hat, bleibt unvergessen. Hier kommt tonnenschwer zum Tragen, dass die Hetzer, die Offiziellen, die Mittelschichtsmischpoke, die Extremisten des inneren Zentrums, keine Kriterien für gar nichts haben.

Hätten sie solche, müssten sie sich vor Scham in den Staub werfen, oder wie kann das Wort vom Lumpenpazifisten etwas anderes sein als Hass, Hetze und die unterste Schublade aggressiver Kriegspropaganda? Hängt irgendwo in der Nähe der Relotius, Verzeihung, Ericusspitze noch ein Spiegel? Werden dort die Straßen bei Regen mit dem Handtuch getrocknet, damit sie ihre Gesichter nicht mehr sehen müssen?

Unvergessen

Und was ist eigentlich legal und legitim im Umgang mit solchen Typen? Darf man sie "blöde Wichser" nennen oder ist die darin implizierte, eher harmlose Unterstellung schlimmer? Ist es hilfreich sie aufzufordern, gefälligst an die Front zu gehen und sich in Stücke schießen zu lassen, immer und immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass die Hetzer selbst nie zum Sterben losgeschickt werden?

Wäre es nicht wenigstens als erzieherische Maßnahme richtig und angemessen, zumal das auch psychohygienisch guttäte, ihnen mit einem trockenen Schlag in die Visage ein Jota der Schmerzen zuzufügen, die die verstümmelten Erfolge ihrer Kommunikationsbeiträge an der Front erleiden? Das sind keineswegs nur rhetorische Fragen. Es geht um die Werteorientierung.

Während dergleichen also aus allen Rohren journalistischer Schaumkanonen geballert wird und ihre Artilleristen noch das ganze Verrecken und Elend leugnen, das damit verbunden ist, ist ihre Kamarilla auf der Jagd nach Hassbotschaftern im Internet. Damit ist nicht etwa jemand wie der Nazi Melnyk gemeint, dem der Bundestag stehend applaudierte. Damit sind wohl eher Beiträge wie dieser hier gemeint. Etwas stimmt nicht in diesem Land.

 
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"Krankenstand drückte Deutschland wohl in Rezession", orakelt Tagesschaum.de auf seiner Hauptseite und belegt den hohen Standard seiner journalistischen Qualität schon nach einem Klick, wo es dann heißt: "Drückte Krankenstand Deutschland in Rezession?" Spekulation, Weißmannicht, aber für die Propaganda reicht es auf jeden Fall noch.

Es ist schon bemerkenswert dumm, einen einzigen Parameter aus dem Wirtschaftsjahr zu isolieren, so zu tun, als wäre der beliebig variabel und diesen dann, je nach Wert, allein für die Tendenz verantwortlich zu machen. Das hieße nämlich, dass, selbst wenn alle Werte schlechter sind als in Vergleichsjahren, man jeden einzelnen beliebig herauspicken und dann so tun könnte, als hätten alle anderen Faktoren nichts damit zu tun.

Was hätten wir denn sonst noch für Erklärungen? Sinkende Exporte? Hohe Energiepreise? Sinkende verfügbare Einkommen und damit sinkende Nachfrage? Wirtschaftlicher Schaden durch Sanktionen gegen Russland? Ach was, das ist alles nichts. Die Blaumacher sind schuld. Die Würstchen, die neuerdings eine Erkältung zum Anlass nehmen, es sich bequem zu machen.

Keine weiteren Fragen

Erwähnte ich, dass das erbärmlich dumm und ebenso durchsichtig ist? Und dass es keineswegs dadurch besser wird, dass andere Mimi-Medien denselben Unsinn verzapfen, wie eben immer alle Mimi-Medien denselben Unsinn verzapfen? Der Pluralismus® der Mitte der Mitte der Mitte halt.

Das Schlimme an solchen ehemaligen Nachrichten ist die Offensichtlichkeit der Absicht. Man will glauben und glauben machen, was man da verbreitet. Jeder, der sich auch nur laienhaft mit Wirtschaft befasst, kennt die Probleme, vor allem jene, die uns in den kommenden Jahren bis Jahrzehnten noch gewaltig auf die Füße fallen werden, und diese Trommelschläger kommen uns mit Krankenständen. Das ist eine Beleidigung für jede Normalintelligenz.

Aber selbst, wenn man sich auch nur mit diesem Faktor beschäftigen will, fällt doch auf, dass nicht einmal der hinterfragt wird. Wie kommt es, dass er so hoch ist? Wo ist der Vergleich zu den Zahlen weltweit? Was haben die Krankenstände mit Arbeitsbedingungen zu tun? Warum sind diese offensichtlich so schlecht? Was muss man tun, um das zu ändern? Ist das überhaupt möglich?

Anständigen Journalismus erkennt man daran, dass er offene Fragen stellt, aus denen man etwas lernen kann. Propaganda erkennt man daran, dass sie einfache Antworten auf komplexe Probleme im Sinne bestimmter Interessen liefert. Diese durch Zwangsabgaben finanzierte Form ist dabei das größte Übel, weil sie nicht einmal in den verdienten Konkurs entlassen werden kann.

 
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Identitäre mögen Fantasy, weil es da noch einfach und geordnet zugeht: Fantasy, das ist Pferde, Schwerter, Burgen und Fabeltiere. Und im Norden ist es immer kalt. Verkitschtes Mittelalter, europäische Gemütlichkeit und ein Kult der Härte, wo das Wetter eben immer grimmig ist, und egal, auf welchem Planeten oder in welcher Parallelwelt das stattfindet, es ist eben wie im Wertewesten, als die aus Süd und Ost noch Barbaren genannt werden durften.

Die komplexe postmoderne Welt überfordert die Menschen. Die Anpassungsprozesse sind stets in Beschleunigung begriffen. Nehmen wir mal die Arbeit: Die 40er Jahrgänge hatten noch einen Job fürs Leben, die 50er mussten am Ende ihres Arbeitslebens noch einmal umlernen, die 60er/70er kennen nur mehr Unsicherheit und die später Geborenen machen sich keine Vorstellung mehr davon, wie ihr Leben in zehn Jahren aussehen wird. Da braucht es Orientierung, und die findet man wohl am Besten in radikaler Weltflucht.

Wo Gott dich hinstellt

Hartmut Finkeldey (Grüße!) hat einmal wunderbar auf den Punkt gebracht, was Konservativismus ausmacht: "Alles ist an seinem Platz." Jeder weiß, wohin er gehört und stellt das nicht infrage. Niemand muss nach Höherem streben und keiner wird gestürzt (es sei denn, er bedroht die Ordnung, indem er sich an ihr versündigt).

Die Identitären von rechts bis pseudolinks haben das inhaliert. Rechts ist der Revanchismus und die Restauration, die Pseudolinken stellen eine neue Hierarchie auf, aus der ebenfalls kein Entrinnen ist. Hie die Guten, die Opfer, da die bösen Täter. Wird ein bisschen komplizierter, wenn definierte Opfergruppen in Konflikt geraten, aber da diese Ideologie sich in keiner Praxis bewähren muss, kann sie nach belieben zündeln und weiterziehen, bis sie sich endlich überall unmöglich gemacht hat.

Dabei profitieren diese identitären Strukturen vom Bedarf der Neocons und Neoliberalen, der Kapitalisten und Kriegstreiber, die es gern moralisch und unumstößlich haben. Jeder an seinem Platz: Die Guten, die Bösen, die Faulen und die Leistungsträger. Die Ordnung ist gottgewollt oder doch zumindest aus der Warte höherer Gerechtigkeit in Kraft. Kein Zweifel, keine Differenzierung.

Zu viel Stress

Wo die Moderne mit ihren tief in die Geschichte reichenden Erzählungen gescheitert ist, weil alle die Ziele, alle die Enden der Geschichten, sich als unzutreffend erwiesen haben, hat sich nicht etwa ein Materialismus durchgesetzt, der seinerseits auf ein Ende der Geschichte verzichtet hätte – wie etwa ein Marxismus ohne das Versprechen einer Befreiung des Proletariats.

Es hat sich kein wissenschaftlicher Blick etabliert in der öffentlichen Wahrnehmung, die Frage nach dem, was ist, wie es wurde und welche Optionen sich daraus ergeben. Das würde ja in permanenten Stress ausarten. Vielmehr hat sich Narrativ noch von Historie getrennt und erzählt uns wieder was vom Pferd. Folgerichtig ging Journalismus längst vom Storytelling zum Fairytaling über.

 
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Ich lese jeden Tag zuerst tagesschau.de. Warum? Weil ich dort die jüngste Westpropaganda, atlantische Geopolitik, neoliberale Wirtschaftspläne und aktuelle Ereignisse erfahre. Warum Tagesschau? Weil ich dort nicht in Mittelschichtsmüll versinke wie gesunde Ernährung, gesundes Leben, Häuslebau und Hecke Schneiden. Ein paar Beispiele dafür von heute, aus drei Webauftritten großer Medienhäuser:

"Größte Fehler beim Joggen" "Kann man in 45 Minuten 1000 Kalorien verbrennen?". "Kraftzuwachs schon nach drei Sekunden", fehlt nur noch "Diese Übung für Rentner macht ihren Orthopäden sauer". Weiter geht es mit "83 Männer in 17 Jahren" (irgendwas mit Sex – soll mich das beeindrucken?) und "Saufen ist keine Rebellion". Ach was? Hätte ich das nur früher gewusst, ich hätte mir den Alkoholismus gespart. Nächste Woche erfahre ich, dass der Booze nicht mal gegen Burnout hilft.

Gesund und munter

Zum Thema "Flut" gibt es beim nächsten Kandidaten Tips zur Versicherung. Einfach gut versichert sein, dann ist der Klimawandel gar nicht mehr schlimm. Spocht auch hier, mit Zen gar: "Beim Tennis bin ich ganz im Hier und Jetzt". "Sechs Rezepte für Faule" folgen. Der 'faule' Mittelschichtler spart in der Freizeit an Kochzeit, da bleibt er fit fürs Roboten. Außerdem: was wir immer schon über Wärmepumpen, Fettleber und Muskellähmung wissen wollten. Nachrichten®, die man einfach kennen muss, wenn man mitreden will.

Eins noch, reicht dann: Immobilienstress bei der Scheidung, Aktien mit Rendite, KI in Las Vegas, "Bin ich gut genug im Bett?". Das ist dann die 'konservative' Variante. Allüberall geht es Tag für Tag um dasselbe: das wohlverdiente höhere Gehalt gut anlegen, sich körperlich stählen, dem Bösen (Müßiggang, ungesunder Genuss) abschwören und meinen, was alle meinen.

Das Ende vom Lied: Obwohl sie doch schon so geschickt ihre Werbekunden im sogenannten Inhalt bedienen (Versicherungen, Immobilienbranche, Autohersteller, Freizeitindustrie), reicht es nicht vorn und nicht hinten. Ein Vögelchen flüstert mir dann und wann, dass die Sorgen groß sind in den Verlagen und selbst bei den Werbekunden. Seriös wollen sie sein, relevant und attraktiv, aber kaum jemand zahlt noch für ihren hart erarbeiteten Content. Woran kann das nur liegen?

 
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Man könnte etwas wissen von der einen oder anderen Operation, die NATO-Geheimdienste so an den Start bringen. Ist es nicht gar so, dass wir häufig direkt aus deren Kreisen – vom Musterdemokraten Maaßen bis hin zum GCHQ – direkt erfahren, was wir zu denken haben? Warum also erfahren wir dann nichts über den Filz zwischen CIA und dem ukrainischen Nazinetzwerk aka "SBU"? Eine rhetorische Frage.

Nach all den Geländegewinnen, Durchbrüchen und den horrenden Verlusten der Russen ist die Frühjahrs-Sommer-Herbstoffensive der Banderas also jetzt "misslungen", wie ich aus denselben Quellen erfahre, die zuvor permanent jene Erfolgsmeldungen vertröteten. Wie kommt das nun? Richtig, auch eine rhetorische Frage.

Alles paletti

Komm, bleiben wir einfach im Modus und hauen die nächste raus: Joe Biden. Tattern, mümmeln, murmeln. Warum fragt eigentlich nur das alte Schandmaul von RT, wie ganz Europa sich zum Spielzeug eines dementen Wracks machen kann? Bleiben wir mal bei Scholzens: Wenn der Greis pfeift, kuscht das Olafchen.

Nimm mich hart, Amerika! Die Alternative Pussygrabscher reloaded scharrt derweil schon mit den Hufen. Da sagst du doch nicht nein oder vielleicht, richtig? Da bückst du dich und stöhnst lächelnd: "Sir, Yassir!" Klare Sache.

Keine weiteren …

Derweil haben sie während meiner Rekonvaleszenz noch herausgefunden, dass es jetzt nämlich ganz sicher dieser ukrainische Geheimdienstmann aus dem ukrainischen Geheimdienst war. Er hat mit seiner wilden Bande Nordstream gesprengt. Rhetorisch: Deshalb muss die BRD der Ukraine also jetzt mehr Geld und Waffen schicken? Klingt komisch, ist aber so.

Und niemand stellt in diese Richtung irgendwelche Fragen, sei es für den Anfang auch nur eine rhetorische? Die Freie Presse®, dieser stramme Vierte Gewalttäter, hält das alles für ausrecherchiert und nicht weiter relevant? Aha. Eigentlich geht es mir heute durchaus besser. Ich gehe trotzdem wieder ins Bett.

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