journalismus


 
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"Immer mehr" untertitelt das Hetzblatt beim Bäcker heute, und allein anhand dieser beiden Wörter kann man schon erkennen: Hier kommt die Lüge des Tages. "Immer mehr" ist Propaganda wie in "immer mehr Straftaten". Hat man schon einmal von "immer weniger Kriminalität" gelesen und dass man vielleicht "weichere Strafen" brauche?

Sie kämpfen für "Meinungsfreiheit", weil "immer mehr" Deutsche Angst haben. Angst, zu sagen, was sie denken. Ich glaube zwar keine Minute, dass das "immer mehr" sind, aber durchaus, dass viele sich fürchten. Dass sie befürchten, wenn sie sagen, was sie denken, könnten sie als Deppen dastehen.

Immer wieder wird das unsägliche Sarrazin-Narrativ bedient. Gemeint ist stets, dass der Gestank rechtsextremen, rassistischen, widerwärtigen Dungs auf den Verursacher zurückgeführt wird und dessen kognitiv vollgeschissene Hose keinen Respekt erfährt. Dung, der zudem gern der Kopfball dessen ist, für das ein Verblödungsblatt die Flanke geschlagen hat.

Helden, Deppen, Sensationen

Die Verlage profitieren von jeder Art Empörung; erst wanzen sie sich etwa an Kritiker® von Viren an, um sie am nächsten Tag als Abschaum darzustellen. Sie kämpfen für 'Meinungen', die sie ausbeuten können. Ob du der größte Depp bist oder der Held, ist egal. Wir brauchen Extreme, tagesaktuell.

Seit es sogenannten "Boulevard" gibt, gibt es den Streit darüber, ob man eigentlich oberstüblich restlos entkernt sein muss, um dessen Produkte – von meinem Geld!11! – auch noch zu kaufen. Nun, ich bin schon davon überzeugt, dass es ein oberes Limit für die Kunden gibt, die es womöglich für einen Akt von Freiheit® und Rebellion halten, die souveräne Kaufentscheidung zu treffen.

Den Kern bildet aber seit eh und je ein gelangweilter sensationslüsterner Voyeurismus, auf dessen Boden die nicht nur intellektuelle Verkommenheit sprießt.
Der anderen Seite möchte man fast einen feinsinnigen Humor bescheinigen, wo die größte Dreckschleuder einen Zwang zur Sauberkeit herbeideliriert. Furchtbar, diese linksgrüne Moraldiktatur – gut, dass sich jemand dagegen wehrt!

 
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"Das ist genau der Journalismus, der die Menschen interessiert. Sie wollen Nachrichten mit Unterhaltungswert. Da müssen Geschichten erzählt werden, in die man sofort einen Einstieg hat. Sex, Krimi, Hitler, das ist es, was ein Nachrichtenmagazin ausmacht."

Heute habe ich nach längerer Zeit einmal wieder bento aufgerufen, ihr wisst schon: Das ehemalige Nachrichtenmagazin, jetzt Pluscontent minus Content, mithin Headline, Hook, schon genug. Tatsächlich blieb ich an gar nichts hängen, das mich zur Lektüre animiert hätte, immerhin aber reichte es zu einigen Spasmen im gastrointestinalen Raum.

Gähn …

Inzwischen ist die Frontpage refreshed, und es fängt an mit ein bisschen Kabbala. Die Zahl sei sieben, sieben deine Zahl und sie sei sieben. Siebenmal Corona zum Einstieg, das ist ein Niveau, für das Schalke nullvier in der aktuellen Saison die Messlatte aufgelegt hat. 'Der Spiegel' macht den Limbo mühelos und tanzt unterm Parkett weiter. Immerhin bis hierher schon zweimal 'plus' aka mussmanehnichtlesen. Daneben noch dreimal 'plus', angeblich "top", vermutlich aber andersrum: Von denen meistverspeist, die dafür auch noch zahlen. Bah!

Dann Lobo, Schäuble, Macron, Lapid, Gates. Personenkult ohne Plus und Content. Außerdem noch viermal plus und wirres Zeugs; bis zum Höhepunkt muss man ganz schön tief scrollen: "Deutsche soll eigenen Tod vorgetäuscht haben – und wird offenbar von ihrem Pudel verraten". Jaa, das ist es, was wir wollen. Jahrhunderte alte 'Bild'-Witze, hemmungslos neu inszeniert. Noch tiefer gibt es nur das "manager magazin"; keine Ahnung, ob die das verdient haben.

Was mich ein wenig verwirrt: Ist das jetzt Zufall oder wieso finde ich da heute weder Titten noch Hitler? Man kennt sich ja nicht mehr aus. Vor zehn Jahren hatte ich noch mehr Spaß mit dem Trümmerhaufen, der inzwischen von der Brandstwiete zur Ericusspitze gefegt wurde. Damals durfte Jan Fleischhauer auch noch so richtig seinen faschistischen Dung dort verbreiten. Dann wurde es selbst dem zu bento. Keine Spur von Kunst mehr. Das kann weg.