journalismus


 
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Im Blogarchiv, vor allem dem aus den ersten Jahren, finden sich tausende Artikel, die sich mit Details der je aktuellen politischen Situation befassen. Ich selbst kann das nicht mehr, weil es keinen Sinn macht, täglich den Puls an einem toten Gaul zu messen. Aktuell kann ich das aus Gründen der Befindlichkeit noch weniger, aber der allgemeine Trend überrollt die noch ganz locker.

Niemanden interessieren mehr Details, weil sich zwischen lethargischem Abfinden aus gewohnter Gefolgschaft, lethargischem Abfinden aus Resignation, lethargischem Abfinden aus der Einsicht in die Alternativlosigkeit und lethargischem Abfinden aus Entzehrung keine Beteiligung an politischen Prozessen mehr konstruieren lässt. Es ist wie eine kirchliche Messe, die in einem bizarren Kultus vor Atheisten zelebriert werden muss.

Alternative Medien für Deutschland

Corona saugt die letzten Ressourcen auf, weil manische Pseudointellektuelle sich lieber in psychotischen Trotz hinabreißen lassen, als sich auch nur in die Nähe einer Analyse des Zustands zu begeben. Nicht, weil sie resigniert haben, sondern weil sie nie damit begonnen haben. Jahr für Jahr habe ich mangelnde bzw. fehlende Analyse beklagt bei denen, die sich "links" nannten. Jetzt ernten wir die Früchte dieses Desasters.

Ich dachte, ich sei selbst nur zu schwach und zu verbraucht, um das noch mitzumachen, aber ich sehe, dass da draußen kein bisschen mehr Energie ist, um die Dekadenz wenigstens dokumentarisch zu begleiten. Welch eine Horde von Versagern, wobei die abhängigen Lohnempfänger der Massenmedien wenigstens noch einen guten Grund dafür haben. Sie leben ja davon.

Was 'alternative Medien' derzeit nichtleisten, ist nicht einmal mehr durch eine mittelschwere Depression zu erklären. Das ist intolerabel. Ich meine damit nicht bloß – aus Sicht der Mehrheitsfraktion quasi – das Abkippen in trotziges Gehabe und Verschwörungstheorien, sondern nicht weniger die Vernachlässigung all dessen, was ja weiterhin passiert in der Welt. Keine Zeit für Realität, wir sind im Widerstand®.

Kein Thema

Nehmen wir einmal die Katastrophe in der Pflege. Nehmt ihr das eigentlich wahr da draußen? Es gibt übrigens viele davon, zum Beispiel in der Erziehung. Habt ihr mal erwähnt, dass Leute dort ebenfalls bis aufs Blut ausgebeutet werden, weil sie in unterfinanzierten Kommunen um Fälle konkurrieren müssen, während die Kirchen noch das Ihre zum Dumping beitragen? Habt ihr mal geguckt, was eine Erzieherin 'verdient'? Und dann gibt es inzwischen noch Chargen darunter, die noch schlechter bezahlt werden.

Ausbeutung, anyone? Schon mal von gehört? Mal überlegt, wo die herkommt? Mal festgestellt, dass das noch nie besser geworden ist, egal wer regiert hat? Dass vielmehr ein Systemzwang Hand in Hand mit einer mörderischen globalen Konkurrenz tobt und zum Beispiel die NATO da eine nicht ganz untergeordnete Rolle spielt? Wir haben jetzt eine Bundesregierung, in der sogar die 'Linken' (sie malen fleißig Sternchen) den Fahneneid auf das Imperium erwarten. Alles kein Thema für euch?
Jämmerliche Versager!

 
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Ist eigentlich das, was in den Massenmedien massenhaft mediert wird, dadurch schon relevant? I mean: Wir pandemieren jetzt seit fast zwei Jahren und immer noch lese ich Coronacoronacoronacorona; Inzidenzen, Flatulenzen, Maske ja oder nein, aber wer denkt denn an die Kinder!?!1

Erst kürzlich fiel mir dabei wieder auf, dass 'alternative' Medien die Agenda schlicht kopieren. Wäre da irgendetwas wirklich alternativ, fände es womöglich mal eigene Themen. Für einen Wimpernschlag der Geschichte erschien es mir, als könnten wir, in der Zeit, da es noch Blogs gab. Bevor Facebook, Twitter und Instaa ihren Shit in den Ventilator geschaufelt haben. Früher® halt.

Borjans for Future

Das andere Thema, Greta und Freitagszukunft, Rebellion mit Markennamen und Konferenzen von Idioten für Idioten – wir hegen die Luft ein, alles wird gut – ist eigentlich klassische Sozialdemokratie: So tun als ob, das Kapital gewinnt und am Ende sterben Millionen. Normalintelligente spielen Weltrettung für Normalintelligente. Der zwangsläufige Extremismus des Durchschnitts.

Dazu passen auch Überschriften wie "Walter Borjans – Der SPD-Politiker sieht mit dem Wahlsieg seine Mission als erfüllt an". Ach ja, eine Mission? Das war quasi sein Wahlsieg, als der von ihm maßgeblich als Parteichef verhinderte Scholz die Wahl gewann, weil die Anderen noch signifikant blöder waren und sich um Kopf und Kragen dilettierten? Ernsthaft?

Oder auch dieser Umstand: "Merz führt in Umfragen zum CDU-Vorsitz". Wie oft noch? Der brutale Unsympath aus dem Rachen des Großkapitals tritt so lange an, bis er zwar tot, aber endlich gewählt sein wird. Bislang hat noch immer eine Pfeife aus dem zweiten Glied die Nase vorn gehabt, er aber hält sich nach wie vor für den Geborenen. Na dann lasst ihn halt. Es sind eh keine Jedi mehr da, die ihn aufhalten könnten, und die Macht wohnt ja den Meistern inne. Da kann man nix machen.

 
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"Immer mehr" untertitelt das Hetzblatt beim Bäcker heute, und allein anhand dieser beiden Wörter kann man schon erkennen: Hier kommt die Lüge des Tages. "Immer mehr" ist Propaganda wie in "immer mehr Straftaten". Hat man schon einmal von "immer weniger Kriminalität" gelesen und dass man vielleicht "weichere Strafen" brauche?

Sie kämpfen für "Meinungsfreiheit", weil "immer mehr" Deutsche Angst haben. Angst, zu sagen, was sie denken. Ich glaube zwar keine Minute, dass das "immer mehr" sind, aber durchaus, dass viele sich fürchten. Dass sie befürchten, wenn sie sagen, was sie denken, könnten sie als Deppen dastehen.

Immer wieder wird das unsägliche Sarrazin-Narrativ bedient. Gemeint ist stets, dass der Gestank rechtsextremen, rassistischen, widerwärtigen Dungs auf den Verursacher zurückgeführt wird und dessen kognitiv vollgeschissene Hose keinen Respekt erfährt. Dung, der zudem gern der Kopfball dessen ist, für das ein Verblödungsblatt die Flanke geschlagen hat.

Helden, Deppen, Sensationen

Die Verlage profitieren von jeder Art Empörung; erst wanzen sie sich etwa an Kritiker® von Viren an, um sie am nächsten Tag als Abschaum darzustellen. Sie kämpfen für 'Meinungen', die sie ausbeuten können. Ob du der größte Depp bist oder der Held, ist egal. Wir brauchen Extreme, tagesaktuell.

Seit es sogenannten "Boulevard" gibt, gibt es den Streit darüber, ob man eigentlich oberstüblich restlos entkernt sein muss, um dessen Produkte – von meinem Geld!11! – auch noch zu kaufen. Nun, ich bin schon davon überzeugt, dass es ein oberes Limit für die Kunden gibt, die es womöglich für einen Akt von Freiheit® und Rebellion halten, die souveräne Kaufentscheidung zu treffen.

Den Kern bildet aber seit eh und je ein gelangweilter sensationslüsterner Voyeurismus, auf dessen Boden die nicht nur intellektuelle Verkommenheit sprießt.
Der anderen Seite möchte man fast einen feinsinnigen Humor bescheinigen, wo die größte Dreckschleuder einen Zwang zur Sauberkeit herbeideliriert. Furchtbar, diese linksgrüne Moraldiktatur – gut, dass sich jemand dagegen wehrt!

 
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"Das ist genau der Journalismus, der die Menschen interessiert. Sie wollen Nachrichten mit Unterhaltungswert. Da müssen Geschichten erzählt werden, in die man sofort einen Einstieg hat. Sex, Krimi, Hitler, das ist es, was ein Nachrichtenmagazin ausmacht."

Heute habe ich nach längerer Zeit einmal wieder bento aufgerufen, ihr wisst schon: Das ehemalige Nachrichtenmagazin, jetzt Pluscontent minus Content, mithin Headline, Hook, schon genug. Tatsächlich blieb ich an gar nichts hängen, das mich zur Lektüre animiert hätte, immerhin aber reichte es zu einigen Spasmen im gastrointestinalen Raum.

Gähn …

Inzwischen ist die Frontpage refreshed, und es fängt an mit ein bisschen Kabbala. Die Zahl sei sieben, sieben deine Zahl und sie sei sieben. Siebenmal Corona zum Einstieg, das ist ein Niveau, für das Schalke nullvier in der aktuellen Saison die Messlatte aufgelegt hat. 'Der Spiegel' macht den Limbo mühelos und tanzt unterm Parkett weiter. Immerhin bis hierher schon zweimal 'plus' aka mussmanehnichtlesen. Daneben noch dreimal 'plus', angeblich "top", vermutlich aber andersrum: Von denen meistverspeist, die dafür auch noch zahlen. Bah!

Dann Lobo, Schäuble, Macron, Lapid, Gates. Personenkult ohne Plus und Content. Außerdem noch viermal plus und wirres Zeugs; bis zum Höhepunkt muss man ganz schön tief scrollen: "Deutsche soll eigenen Tod vorgetäuscht haben – und wird offenbar von ihrem Pudel verraten". Jaa, das ist es, was wir wollen. Jahrhunderte alte 'Bild'-Witze, hemmungslos neu inszeniert. Noch tiefer gibt es nur das "manager magazin"; keine Ahnung, ob die das verdient haben.

Was mich ein wenig verwirrt: Ist das jetzt Zufall oder wieso finde ich da heute weder Titten noch Hitler? Man kennt sich ja nicht mehr aus. Vor zehn Jahren hatte ich noch mehr Spaß mit dem Trümmerhaufen, der inzwischen von der Brandstwiete zur Ericusspitze gefegt wurde. Damals durfte Jan Fleischhauer auch noch so richtig seinen faschistischen Dung dort verbreiten. Dann wurde es selbst dem zu bento. Keine Spur von Kunst mehr. Das kann weg.