Januar 2022


 
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Wie immer hetzt die hier nicht genannte 'Zeitung' allen voran und will Deutschlands Freiheit in der Ukraine verteidigen. Der Hindukusch ist ja jetzt frei von deutschen Musterdemokraten, die sich Hakenkreuze tätowieren und auf Leichen pissen; außerdem war das kein Gegner. Der Iwan muss wieder bluten. Dafür unterstellt die freiheitlich demokratische NATO ihm unisono die Absicht, ein potentielles NATO-Land okkupieren zu wollen.

Anjatanja pirscht sich derweil an Waffenlieferungen ins nämliche, von Faschisten und Milliardären regierte Halbland heran. Das ist auf jeden Fall gut für den DAX. Wir erinnern uns überdies, wie Russland schon zweimal deutsches Territorium zurückerobert hat. Diesmal aber sind wir mit den Guten im Bunde, die seit Jahrzehnten für Sicherheit und Freiheit sorgen, in Korea, Ägypten, Libanon, Laos, Vietnam, Kambodscha, Bolivien, Jordanien, Angola, El Salvador, Nicaragua, Libyen, Iran, Kuwait, Jugoslawien, Irak, Haiti, Afghanistan, Panama, Jemen und Syrien – gern auch mehrmals.

Friedenundfreiheit

Die Presse jubelt: FAZ, Tagesspiegel, Atlantik-Zeit sowieso, der Spiegel – alle wollen sie hart sein gegen den Russen, den Diktator, den Aggressor, der überall Krieg führen wolle. Das muss dieser Trick sein, nach dem die Vorbereitung eines Angriffskrieges strafbar ist, der Angriffskrieg selbst hingegen nicht – und die Guten vom Völkerrecht ausgenommen sind, wenn es Friedenundfreiheit® dient.

Was sie vorhaben, diese atlantischen Kettenhunde aus den Young Leaders-Programmen oder dem Vorstand der 'Brücke', man muss es sich fragen. Ihre Hetze ist so plump, dass es quietscht, und sie werden trotz aller Bemühungen nicht herbeischmieren, dass die Deutschen wieder "Ja!" schreien, wenn die Panzer rollen. Selbst wenn es den Michel kratzte, dass der Russe bös ist – wer soll denn glauben, dass er sich fröhlich verdampfen ließe für die fucking Ukraine?

Westliche Werte

Die hirnlosen Kapitalroboter wissen vielleicht selbst nicht, was sie tun und wozu, und folgen sicher wieder nur vorauseilend Befehlen. Die Lösung ist aber nicht so schwierig: Die USA führen einen Weltkrieg, weil sie an der Klippe stehen. Hegemoniestreben werfen sie ernsthaft Russland vor, es ist zum … Schießen. Der Krieg ist längst im Gange, es geht nur noch um die Frage nach der nuklearen Option.

Dass am Ende allerdings sehr reale Bomben, selbst die ganz dicken, fliegen können, scheinen die widerlichen Hetzer nicht zu bedenken, oder ihre faschistische Gesinnung geht tatsächlich wieder so weit, dass sie die totale Vernichtung anstreben. Und während sie die Panzer an die Grenzen Russlands heranrollen, droht auf der anderen Seite Donald Trump, der auch nur eine Variable für jeden anderen durchgeknallten Faschisten ist. So sieht es aus 2022, und das ist der Qualitätsjournalismus, der ihn uns erklärt.

p.s.: Hier noch einmal eine Übersicht über die Ausweitung des russischen Imperiums seit 1999.

 
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In dem gestern fertiggestellten Podcast habe ich einen Satz gesagt, der mich beim Schneiden selbst ein wenig überrascht hat, den ich aber durchaus unterschreiben kann: "Eigentlich will ich niemanden mehr überzeugen." Wenn man das oft und lange genug gemacht hat, kann einem durchaus irgendwann einfallen, einmal Aufwand und Erfolg dieser Bemühung abzugleichen, um zu dem Schluss zu kommen: Makes no sense.

Schon lange habe ich mir angewöhnt, in den Simulationen von Diskussion, die ich durchleide, ein Statement abzugeben, das ggf. noch zu erläutern und es dabei bewenden zu lassen. Damit kann man dann machen, was man will. Nicht ich muss überzeugend sein, sondern mein Argument. Ist es das nicht, hat es auch keinen Zweck, darzulegen und rhetorisch anzureichern, warum es gut, wahr und richtig sei.

Freiheit …

Alles andere ist Meinung, mithin ein Gemisch aus vermeintlichen Erkenntnissen, beliebigen Interpretationen, Halb- bis Unwissen, persönlichen Anwürfen, Sucht nach Aufmerksamkeit und anderem Firlefanz, der nicht dazu geeignet ist, inhaltlich weiterzukommen, sehr wohl aber dazu, jede Form von Triebabfuhr und Gruppenzwang zu begünstigen. Das kann man mitmachen, sollte sich aber gewahr sein, dass es eben nichts mit Diskurs zu tun hat.

Meinung ist Spaß, Privatvergnügen. Die Folgen sind weitreichend, denn es ist durchaus diese Meinung, von der im Grundgesetz die Rede ist. Dort steht demgemäß, dass du labern darfst, was dir einfällt, ohne dafür bestraft zu werden. Einschränkungen siehe StGB, etwa "Beleidigung", "Nötigung", "Verleumdung" oder "Verunglimpfung" sowie MarkenG. Ja, so frei ist das dann auch wieder nicht hier.

Nirgends ist auch nur ansatzweise gesagt, dass irgendwer ein Recht hätte, seine Meinung wirksam zu äußern. Erst recht nicht, er dürfe es unwidersprochen oder auch nur folgenlos. Nope. Das ist so bei Erwachsenen. Du reißt das Maul auf, du wirst dafür verantwortlich gemacht. Freiheit bedeutet nicht Safespace. Ganz im Gegenteil. Insofern haben wir also alle das Recht, uns etwas Spaß zu machen. Viele kennen das: Viel Spaß, viel Aua – der nächste Tag kommt ganz bestimmt, und wir sind dann oft froh um die Hilfe von Big Pharma. Danke, Alka Seltzer!

Davon war nie die Rede

Böse irreführend ist der Spuk, den das Bürgertum mit seiner parlamentarischen Parteiendemokratie ins Leben brachte, Stichwort "politische Willensbildung". Wie schon so oft hier zelebriert, ist das von vorn bis hinten Quatsch und naiver Humanismus. Die Wirkung ist aber kaum zu unterschätzen: Ja, ihr dürft euch das Maul fusselig labern und dabei zur Willensbildung® beitragen. Dass euer Wille dann irgendwen interessiert, ist aber nicht Teil der Abmachung.

Insofern: Macht euch Freude! Simuliert Diskurs, spielt "Diskussion", seid überzeugt davon, dass eure Überzeugungen für andere einfach überzeugend sein müssen. Wiederholt das, bis ihr erschöpft auf den Grund des Goldfischglases sinkt, und klopft euch auf die Schultern. Wieder ein großer Sieg im Kampf um das Gute, Schöne und Rechte! Nur kommt mir bitte nicht mit "Wahrheit". Die ist nämlich kein Spaß, die ist eine wirklich ernste Sache.

p.s.: Ich habe gern Spaß. Ich finde es auch nett, wenn mir per Depesche, Telegramm oder Postkutsche Nachrichten zugehen, aber dann haben die anderen ja gar keinen Spaß daran. Also bitte: siehe unten.

 
Die Ferien sind um und es gibt eine neue Ausgabe von Keine Ahnung.
Wir haben diesmal über "Kompetenz" gesprochen.

Viel Spaß!

 
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Wir sind erst vor acht Wochen hier gelandet. 300 Leute, die aus einem gut vorbereiteten Basiscamp mit allem nötigen Material eine ständige Siedlung auf dem roten Planeten einrichten sollten. Die Vorgabe war klar: Es wird nach Leistung bezahlt, jeder kriegt das, was er beiträgt, aus dem Fundus entgolten. Effizienz, Nützlichkeit, Arbeitsdauer werden berücksichtigt. Sobald der Fundus geleert ist, herrschen Marktgesetze. Man kann weiterhin reinhauen oder sich zurücknehmen, anderen eine Leistung abkaufen oder die inzwischen produzierten Waren erwerben.

Es ging unglaublich schnell. In den ersten beiden Wochen haben wir eine Arbeitsleistung hingelegt, die niemand für möglich gehalten hätte. Einige hatten damit gerechnet, dass wir ein halbes Jahr oder länger brauchen würden, aber alles stand. Wasserversorgung, Abschirmung, Lazarett, Kraftwerk, Gewächshäuser, Vorratshaltung. Sehr schnell hatte sich auch eine Spezialisierung ergeben. Die Meisten hatten ihre künftige Aufgabe gefunden, andere mussten sich den Stärkeren anschließen.

Marktwirtschaft funktioniert

Es erwies sich tatsächlich als wahr, dass marktwirtschaftliche Prinzipien allen anderen an Effizienz überlegen waren und uns zu Höchstleistungen antrieben. Dass es hier und da auch Nachteile gab, war eingepreist. Eine Ingenieurin, die auf dem Weg krank geworden war, konnte leider nichts am Fundus verdienen, aber sie hatte ja die Möglichkeit, sich nach ihrer Genesung als nützlich zu erweisen. Tatsächlich hatte sie sogar bald ihren Weg gefunden. Die Männer haben sie gern unterstützt, ohne ihr dafür zu viel abzuverlangen.

Es stellte sich weiterhin heraus, dass es eben wichtig war, wirtschaften zu können und die richtigen Prioritäten zu setzen, wenn es vorwärts gehen sollte. Manche haben das nicht erkannt oder konnten es nicht besser, sodass sie sich bald verschulden mussten. Da die Geldmenge durch den Fundus strikt begrenzt war, mussten sie ihr Geschäft verpfänden und im Zweifel ganz dem Gläubiger übertragen. Das alles entwickelte sich sehr schnell.

Lange Geschichte kurz erzählt: Ich war wohl mit Abstand der beste Ökonom der ganzen Siedlung und habe auch nicht versäumt, für meine Sicherheit zu sorgen. Schon bald hatte ich die meisten Geschäfte der anderen übernommen und sie zu günstigen Konditionen zurückvermietet. Solange sie im entsprechenden Maß ihre Arbeit als Gegenleistung anbieten konnten, ließ ich sie eben arbeiten. Instrumente, die zu formidablen Waffen taugten, hatte ich auch in meinen Besitz gebracht, als der erste grobe Unmut aufkam. Einige arbeiteten eine Zeitlang in meinem Sicherheitsdienst.

Konjunkturdelle

Es zeigte sich allerdings, dass die Schulden in der jeweiligen Höhe bald nicht mehr durch Arbeit abgetragen werden konnten. Ich entließ also fast alle Siedler aus dem Camp, nachdem sie mir ihr Eigentum übertragen hatten. Ihre Chance war jetzt da draußen, und wenn sie tüchtig waren, konnten sie sich eine noch größere Siedlung errichten. Als ihre Vorräte knapp wurden, musste ich meine rebellierenden Sicherheitsleute zu meinem Bedauern neutralisieren.

Nun, einige Vorräte gehen schon zur Neige, aber im Augenblick bin ich noch satt und zufrieden. Das Experiment war ein voller Erfolg und ich habe mich als der beste Führer erwiesen. Ich bin nicht so geschickt mit dem Wasser und den Gewächshäusern, aber das wird schon. Sicher werden bald einige von den anderen zurückkehren und mich um Jobs anbetteln. Ich bin darauf vorbereitet.

 
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Was ist eigentlich mit der Volksgesundheit? Man ist doch sehr überrascht, dass in einem gewissen Milieu keinerlei Sinn vorherrscht für das Wohlergehen der Nation und des deutschen Volkes, obwohl sich gerade unter denjenigen, die sich oft, gern und laut äußern, wiederum gerade solche finden, die dabei Volk und Nation im Munde führen.

Wollen sie wirklich nicht, dass Deutschland sich nach Kräften immunisiert gegen das Übel, das von auswärts droht? Gerade, wenn es doch von Kapitalisten, von Mächtigen und Herrschenden mutmaßlich erschaffen wurde, um weiter um- und auszuvolken? In der Tat, man wundert sich.

Held und Freiheitskämpfer

Dabei ist es nicht zuletzt einer der Ihren, den große Teile der Bewegung verehrten und verehren für seinen unermüdlichen Kampf um die Meinungsfreiheit, die ihm so schmählich genommen wurde, dass er durch den Verkauf seines Bestsellers wohl zum Millionär wurde. Es handelte sich dabei zweifelsfrei um exakt jene Unterdrückung, die ein staatlich verordnetes Schweigegebot stets in jammerndes Dauergeplapper verzaubert.

Aus diesem Opus magnum, das nach Angaben des Autors selbst auf Basis frei erfundener Zahlen und Fakten entstand, um die einzig wahre Wahrheit erst so pur und rein erstrahlen zu lassen, will ich einen Satz herausstellen, der wie ein Leuchtfeuer der Freiheit verdeutlicht, wes reinen Geistes Kinder sein Urheber und dessen Anhänger sind:

"So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen, bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten, eine erhebliche Rolle und sorgen für den überdurchschnittlich hohen Anteil an angeborenem Schwachsinn und anderen Erbkrankheiten." Für mehr davon siehe hier.

Und ihr?

Da hat sich jemand in der einsamen Kammer seiner Festungshaft kargen Zelle eines Oberstübchens mächtig Gedanken gemacht, wie man frei von Wissen, Anstand und Hemmungen wieder posaunt, was der gesunde Volkszorn denkt über die. Juden, Araber, Türken, das ganze Gesindel, vor dem man sich fürchten muss, weil es einem über ist oder eben den Volkstod qua Erbkrankheit einschleppt.

Ja, Freunde, dieser Freiheitsheld hat eben noch an ein Morgen gedacht, das Deutschland droht, und wie es abzuwenden wäre. Und ihr? Denkt nur an euch und die Unversehrtheit eurer Pfirsichhaut. Was seid ihr bloß für Kämpfer? Pfui Deibel!

 
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Seit fast zwei Wochen warte ich darauf, dass mein Bekannter mein Auto repariert. Es ist irgendwas mit der Lichtmaschine. Er hatte mir zugesagt, sich kurzfristig darum zu kümmern, dann aber den Termin schon zweimal abgesagt. Ich brauche die verdammte Karre und bin völlig mit den Nerven runter.

Ich muss damit zur Arbeit fahren, das ist schon eigentlich gar nicht machbar, da mit den Öffentlichen hinzugurken. Klar meint mein Arbeitgeber®, ich hätte pünktlich da zu sein und wartet nur darauf, mich abzumahnen, wenn ich es nicht hinkriege. Das ginge ja vielleicht noch irgendwie, aber ich muss nachher meine Tochter aus der Schule abholen. Geht nicht. Völlig unmöglich.

Ich bin also davon abhängig, dass sich entweder jemand um die Kleine kümmert oder mir jemand einen Wagen leiht. Eine Reparatur in einer Werkstatt kann ich mir nicht leisten, also bin ich von meinem unzuverlässigen Bekannten abhängig. Ich stehe völlig neben mir. Und wenn ich das Unmögliche nicht hinkriege, verliere ich entweder meinen Job oder meine kleine Tochter steht stundenlang vor der Schule und wartet.

Wie Sie jetzt von Ihrer Ausbeutung profitieren

So ungefähr könnte die Beschreibung eines Alltags aussehen, die Schilderung von Problemen, die für Millionen relevant sind. Was hören, sehen, lesen wir davon? Bürgerlicher Journalismus, die Bezeichnung sagt schon alles, ist ein schrumpfender Mikrokosmos. Er ist fast durchgängig Symbolpolitik, Konsumanreiz und Selbstoptimierungskult. Für die Ausgebeuteten hat er nur Zynismus übrig, gern in der romantisierenden Art.

Da werden die Frühaufsteher®, die Sozialberufe und Sympathieträger noch einmal ausgebeutet, als sei die Hetze des rechtsgerichteten Boulevards eine Wohltat, für die man obendrein noch einen satten Euro hinlegen soll. Und selbst die gemäßigte Journaille hält es ernsthaft für angemessen, Menschen, die sich kaputtschuften, dafür mit Applaus zu entlohnen.

Inhaltlich siehe oben, wird die Trommel für Kriege geschlagen, Wirtschaftsmythologie für Aktienbesitzer zelebriert und Wellnessmüll für die Mittelschicht verklappt. Wo aber ist die Realität der Arbeitslosen, Alleinerziehenden, Ausgebeuteten, Gegängelten, Abgehängten, der Ausländer, der Kleinstselbständigen, der Verlierer, kurz: der Mehrheit? Lasst doch mal einen 'Freien', dem ihr ein paar Hundert Euro im Monat zahlt, aus seinem Alltag berichten anstatt von der bunten Scheinwelt hinter der Möhre vor seiner Nase.