Januar 2022


 
Aus Anlass eines aktuellen Ärgernisses, das ernsthaft Völkerrecht durch "Moral" rhetorisch aushebelt, nämlich die der NATO und ihrer Propagandisten, wiederhole ich mich: Hier einen beliebigen anstehenden Krieg einfügen, im Originalartikel war es der Kanonendonner zu einer möglichen Intervention im Iran.
 
Wir sollen das jeweils glauben, so wie die Geschichte mit den Brutkästen vor dem Golfkrieg 1991:
 
 xx

Wir sollen das glauben wie die Erklärungen Colin Powells in der UNO vor dem Golfkrieg 2001. Später sah er darin übrigens einen "Schandfleck in seiner politischen Karriere" – nicht etwa eine Schuld am Tod Hunderttausender.
Wir sollen das glauben wie die Erklärungen der Bundesregierungen, "unsere Freiheit am Hindukusch" müsse verteidigt werden, deutsche Soldaten leisteten nur "Aufbauhilfe", Fischers Kampf gegen die Auschwitz-Nazis in Serbien oder Schröders "uneingeschränkte Solidarität" vor dem Angriffskrieg auf Afghanistan.

Wir sollen das glauben wie Rudolf Scharpings Erklärungen zum "Massaker' von Rugova:
 xx

Folgendes gab der damalige Kriegsminister zu Protokoll:

"Sie zeigen Fotos, die äh ein äh Massakrieren äh am 29. äh in der Nähe von Rugova äh deutlich machen, und äh sie belegen im Übrigen, dass der Plan zur Vertreibung der Kosovaren äh schon im Januar in die Tat äh umgesetzt worden ist. […]"Äh das macht auch deutlich, dass äh Armeekräfte, Spezialpolizei, später dann auch äh äh im Fortgang äh äh nicht nur äh diese, sondern auch äh regelrechte Banden äh, freigelassene Straf…, äh Strafgefangene und andere an solchen Mordtaten beteiligt sind."

Dabei wartet man nur darauf, dass er aus Langeweile über sein eigenes erlogenes Geschwätz einschläft. Ich erwähne dies, um deutlich zu machen, dass die selbst für Scharping grenzwertige Tranigkeit, mit der er diese Pflichtübung absolviert, eine unerhörte Gleichgültigkeit gegenüber den Konsequenzen seiner Lügen demonstriert. Er erscheint vollkommen unbeteiligt, als erledige er da den Job eines anderen. Und genau das wird es sein, was solche Kriegstreiber denken: "Was geht's mich an? Tue ich's nicht, tut's ein anderer". Ein anderer hat das mal so ausgedrückt: "Ich habe nur meine Pflicht getan."

Im Nachhinein erweist sich, dass offenbar kein einziger Krieg seit Vietnam ohne großangelegte Manipulationen und vorgeschobene Gründe im Vorfeld begonnen wurde. Haarsträubende Propagandalügen standen am Beginn der Kriege, die inzwischen von allen großen Parteien in Deutschland außer der Linken befürwortet werden. Bislang war trotz aller Manipulationen und Fehlinformationen die Mehrheit der Deutschen stets gegen diese Kriege. Sie wurden dennoch geführt, und noch keiner der Beteiligten wurde dafür je zur Rechenschaft gezogen – sei es auch nur, dass er abgewählt worden wäre. Ihre nachgewiesenen Lügen werden ebenfalls ohne Folgen für sie bleiben.

Und wenn ich jetzt eines nicht brauche, sind es weitere Rechtfertigungen des Ausbaus der NATO-Kriegsmaschinerie durch eine höhere "Moral", die zudem von historischer Einäugigkeit, Unkenntnis und Naivität nur so strotzt. Das kriege ich schon von den Atlantikern geboten, die dafür bezahlt werden.

 
xx

Es ist schon lustig, wie über einzelne Messenger und deren Techniken im Laufe ihrer Geschichte berichtet wurde. Ich kann mich noch an IRC und ICQ erinnern, die in den 90ern der heiße Scheiß waren. Auch in diesem Bereich hat sich das Beste nicht durchgesetzt. Wer kennt schon Jabber – oder zahlt satte 2,99 Euro für Threema?

Zuletzt ging alles durcheinander, weil sich ein paar Angebote durchgesetzt haben, die auch öffentliche Formate vorhalten – die dort nicht so 'moderiert' werden wie bei Facebook. Berüchtigt wurde (hierzulande) vor allem Telegram, weil sich dort diverse Sprallos zu Haterclubs zusammengeschlossen haben.

Böse ist unsicher

Die in Sachen Inkompetenz bestens geschulten Vertreter deutscher Behörden und Medien, die im Grundstudium lernen, wie man technische Plattform und Inhalte verwechselt, finden hier eine wunderbare Spielwiese für krude Behauptungen, Dumlall, Unsinn, Verdächtigungen und eifrige Forderungen nach mehr Überwachung, autoritären Praktiken und zensurähnlichen Gesetzen.

Weil sie alles herauskriegen, haben sie auch knallhart recherchiert, wie unsicher Telegram ist. Money Quote: "Sicher ist, dass alle Chats und selbst Tastatureingaben auf Telegram-Servern landen und ausgewertet werden können." Nein! "Intime Inhalte [können] in sehr dubiosen Ecken der Welt landen." Ohgott! Heise spricht gar von "böswilligen Dritten", die Daten abschnorcheln können.

Bis hierhin alles wie gehabt. Da draußen sind sie böse, die unbekannten Russen suggerieren bloß Datensicherheit und auf ihrer Plattform tummeln sich Hater. Wie gut ist da doch Facebook mit seiner E2E-Crypto, an deren Hintertür nur die Guten® mithören. Und wo sie deine Daten schützen, indem eine Künstliche Dummheit alles filtert, was aussieht wie Titten oder wen Wichtiges stört.

Härter verbieten

Das alles aber ist ja noch immer Schale, kommen wir also mal zum Kern: Facebook, Google, Amazon, Ebay, Instaa, das ganze Geraffel, bei dem eure Leser, mit denen ihr das Kompetenzniveau so innig teilt, ihr Leben, ihr Inneres und Äußeres, Wünsche, Gewohnheiten, Bewegungsprofile et cetera et cetera bereitwillig abkippen – das ist also gut, sicher und prima? Da macht es einen Unterschied, was sie auf einem fucking Messenger mit angeschlossener Asocial Media palavern?

Ach ja, die sind ja nicht die Guten. Da hören die Bösenrussen® mit, so wie bei TicTac die Chinesen. Das. Ist. Gefährlich einself. Da muss man aufklären und nebenbei ganz neutral informativ gleich mal fragen, ob und wie man es "verbieten" kann. So wie er das halt macht, der Qualitätsjournalist*_:in.
Ich geh dann wieder ins Bett.

 

Die neue Ausgabe von Keine Ahnung beschäftigt sich mit Propaganda. Gehet hin und höret davon, denn es ist edel und schmeckt feyn.

Viel Spaß!

 
xx

Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F041435-0028 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0

Wer hier seit Längerem mitliest, weiß um die Geschichte der deutschen 'Dienste', des Sumpfes der 'Inneren Sicherheit', der von Nazis gegründet wurde und unter tatkräftiger Mithilfe alliierter Antikommunisten bis heute blühende Landschaften hervorbringt. Dazu habe ich auch die Linkliste noch einmal aufgesetzt.

Der 'Verfassungsschutz', dessen vornehmliche Aufgabe es zu sein scheint, Faschisten vor der Verfassung zu schützen, hat ein Problem: Er muss ggf. widerwillig die AfD als rechtsextremen Verdachtsfall einstufen. Das dürfte einigen Mitarbeitern vielschichtige Probleme bereiten, vom ehemaligen Chef Maaßen, der seit dem Verlassen des Amtes versucht, aus seiner rechten Gesinnung politisches Kapital zu schlagen, ganz abgesehen.

Kameraden

Trotz aller frühzeitigen Warnungen und bei allem Theaterdonner ist die Distanzierung der Partei von ihren als rechtsextrem bis faschistisch überführten Kameraden ganz offensichtlich nur vordergründig. Das reicht aber nicht, sich aus der Schusslinie zu bringen. Wozu auch? Nehmen wir an, die Jungs organisieren demnächst Fackelzüge mit komischen Fahnen und heben dabei den rechten Arm, um das Wetter zu prüfen. Soll sie dann jemand verbieten?

Der Extremismus der Mitte, die faschistische Gesinnung, die immer wen braucht, der lebensunwert ist und jede denkbare Tortur verdient hat, ist ungebrochen, sucht sich nur dann und wann leicht veränderte Formen. Es ist auch das Gegenteil eines Zufalls, wenn Horst Seehofer das Gutachten zur AfD hat aufweichen lassen. Nicht aus Sympathie, darüber könnte ich nur spekulieren, sondern weil es einfach zu peinlich ist, der Partei vorzuwerfen, dass sie ihn zitiert.

Der Staat im Staate hält seine schützende Hand über die Nazis, bis hin zu Terroristen, deren Machenschaften sich selbst mithilfe anwesender VS-Mitarbeiter nicht verschleiern ließen. Satte 120 Jahre soll geheim gehalten werden, was sich jeder zusammenreimen kann. Es ist halt zu gefährlich, offiziell zu erfahren, wie die Kooperation der Dienste mit Naziterroristen konkret aussieht. Jetzt wird das aber brutalstmöglich aufgeklärt, mit Milchglas, Rauchbomben und einem dicken Betondeckel.

Keine Breitmaulfrösche

So wie sich das Querdenker-Gesumse von Hartfaschos bis zu Blümchenesoterikern zieht, ist die AfD keine Randpartei, sondern – da hat sie völlig recht – eine der Mitte. Allein die rhetorischen Mittel sind andere, sie trollen halt bis zur Weißglut und tun nicht einmal so, als hätten sie irgendwelche Ziele. Es reicht ihnen, auf allem Schwachen herumzutrampeln und eine autoritäre Ordnung zu beschwören, die in den Teilen, wo sie realisierbar ist, längst Wirklichkeit wurde.

Der Clusterfuck geht weiter, mit der Farce um die Einstufung einer regionalen Mehrheitspartei als verdächtig, beobachtbar oder wirklich wahr verfassungsfeindlich kommt nur eine weitere Zwiebelschale um einen stinkenden Komplex hinzu, der sich jeder Rationalität entzieht. Gäbe es belastbare Kriterien für Extremismus, hätte man allein darum die 'Dienste' längst auflösen müssen. Da es keine gibt, müsste man die 'Dienste' längst auflösen. Leider gibt es keine Instanz, die sich mit diesem Umstand befasst.

 
ddnAus aktuellem Anlass poste ich noch einmal die Linkliste zum Buch, weil sie nicht im Archiv verstauben sollte. Bei der Gelegenheit sei der Schmöker auch noch einmal beworben. Er ist zeitlos und formschön.

Ich will weiterhin Quellen sammeln, die zu Hintergründen dessen führen, was im Buch zur Sprache kommt. Sie sind weder vollständig noch ausgewogen und vorläufig auch weitgehend unsortiert. Das kann sich im Laufe der Zeit ändern. Es sind auch schon welche dabei, die ich noch nicht berücksichtigt habe.
In den Kommentaren können weitere genannt werden, die ich ggf. mit aufnehmen werde. Wohlan!

Alle Blogartikel: hier.

 
Bücher:
Heinrich Hannover: Die Republik vor Gericht 1954-1975; Aufbau-Verlag 1998
OMGUS. Ermittlungen gegen I. G. Farbenindustrie AG – September 1945; Greno 1986

Links:

Journalismusforschung:"Ganz auf Linie mit den Eliten" | Telepolis
Dokument: Rede: Ernst Nolte: Die Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte
Geheimdienstakten zum Oktoberfestattentat bleiben geheim | Telepolis
NSA-Untersuchungsausschuss: Abgeordnete halten BND-Akten für manipuliert | ZEIT ONLINE
Bundestag Inquiry into BND and NSA
NSA-Überwachung: Feigheit vor dem Freund | ZEIT ONLINE
War Strauß Agent des OSS? | Telepolis
Komitee für unamerikanische Umtriebe – Wikipedia
Gehlen jagt ein Phantom | Telepolis
(nicht) Verurteilte NS-Verbrecher
Geschichte: Der BND und die dunkle Geschichte der Nazi-Seilschaften
Historikerkommission: BND vernichtete Personalakten früherer SS-Leute – SPIEGEL ONLINE
Der "Katzenschlosser": Eine Schlüsselfigur im Oktoberfestattentats-Rätsel? | Telepolis
Im SPIEGEL des BND | Telepolis
Deutschland: BND-Chef Gehlen plante Staatsstreich – SPIEGEL ONLINE
Nach Lektüre vernichten – Kultur – Tagesspiegel
Richard Tüngel – Wikipedia
Henri Nannen – Wikipedia
NSU-Prozesstag 80: Wortprotokoll der kompletten 3. Vernehmung von Andreas Temme am 29.01.2014. | NSU-Prozess-Blog
Evangelische Kriche akzeptiert Demokratie (1984)
Luther Nachwirkungen | Telepolis
Bundeswehr feiert NS-Helden
Konrad Adenauer :: 1946-03-24 Uni Köln
'Zigeuner' aus Sicht der BRD-Justiz
Nazis in Innenministerien
Kirche und Staat, Kirche und Politik ab 1900 (Antiklerikale Karikaturen und Satiren XXV)
Nachkriegszeit: Von Hitler zu Adenauer | ZEIT ONLINE
/Feynsinn Rückkehr zum Kapitalismus in der BRD
Das schwere Erbe des Otto Dibelius (1) | hpd
www.bundespraesident.de: Der Bundespräsident / Reden / Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa
15.04.2017: »Kirche wirkt systemstabilisierend« (Tageszeitung junge Welt)
Kirchen und Atomkrieg
Radikalenerlas
Der Geheimdienst der CDU
Wer wählte Hitler? 25 S. pdf Peter Borowsky /Uni Hamburg
Schröder/Blair-Papier
Lambsdorff-Papier
Destruktives Verhaltes konkurriernder Menschen/Aktienhandel | DER SPIEGEL und die Referenzstudie
DIE SPRACHE DES SPIEGEL – DER SPIEGEL 10/1957
Relotius-Artikel über die Ukraine (Telepolis)
Kirche und Militär
Christliche Atombomben
Scheidemann und das 'Ausrufen der Republik'
Luthers "monströser Gott"
Luther und Vernunft
W. Droste über Luthers Judenhass
Gewerkschaften und Marx
Ein Nazi bei der Nationalmannschaft (Hans-Ulrich Rudel 1978)
Daimler Benz und Argentiniens Junta
Noske, "präfaschistische figur"
Das Leben der Anderen – war ganz anders.
1999: Propaganda zum Angriffskrieg der NATO gegen "ein neues Auschwitz"
Linke Geschichte der BRD v. Wal Buchenberg / Marx-Forum (nur mit JavaScript)
Mythos Trümmerfrauen[Youtube, 19 min.]
Staat und Rechtsextremismus in der Bundesrepublik
Hermman Ploppa: 70 Jahre BRD- alles andere als friedliche Anfänge
Verfilzung zwischen Staatsmacht und der Neuen Rechten
(Dezent OT): Warren Buffet über Klassenampf, NYT 2006
Halle-Anschlag:Keine Kenntnis von der rechten Szene
Quellen-TKÜ für Dienste
Hausdurchssuchung wg. Bundeswehr-Adbusting

Hitler-Parodie als Nazi-Inhalt in Polzeichat entdeckt

Braunstaat BRD?
NSU-Akten für die Ewigkeit geschlossen – und ein Feigenblatt drauf.
AfD nur rechtsextrem, wo sie nicht Seehofer zitiert.
Bundeskanzleramt und Bundesarchiv verweigern Aktenseinsichtt auch nach über 60 Jahren.

 
xx

Todd und Geufel sitzen wie jeden Freitag am Ufer des Flusses und schauen Leichen beim Vorbeitreiben zu.

Wir müssen nochmal über 2016 reden, sagt Geufel.

So, müssen wir?

Yo, ich hab nämlich Langeweile.

Valider Punkt. Sag an!

Bowie? Der hätte doch noch ein bisschen draußen spielen können. Und was zur Hölle wolltest du mit Roger Cicero?

Na, Bowie sollte hier auf einer Party singen. Und der Andere passte vom Design her perfekt. Aber was war mit Prince?

Der war einfach drüber und mein Vorrat an Arschlöchern musste mal wieder aufgefüllt werden. Alan Rickman hab ich dir allerdings wirklich übel genommen. Da gibt es so viel Zweitklassiges unter Oscars Himmel und du holst dir den?

Das war … ein Versehen. Aber jetzt, wo ich ich ihn habe … du solltest seine Parodie auf mich sehen. Köstlich! Und jetzt erzähl mir mal, was du mit Westerwelle und Genscher angestellt hast. Und dann auch noch Margot!

Na, was glaubst du? Seit der Schmidt bei uns rumläuft, ist die Hölle los. Ich hab ihn erst zum Scholl-Latour gesperrt, da haben die zwei unaufhörlich geplappert und genuschelt und nachher ihren Frauen erzählt, sie hätten ein großartiges Gespräch gehabt.

Na und?

Loki ist abgenervt und Frau Scholl-Latour lebt noch. Ich hab ihm also die alte Schraube und die Liberalalas auf den Hals gehetzt. Ist viel lustiger so.
Ich würde mir ja gern mal Muhammad Ali ausleihen.

Ist nicht, manchmal muss ich auch hier einen disziplinieren, und die mit den Waffen sind ja alle bei dir.

Okay, aber wir sollten langsam mal zu Potte kommen mit Fidel. George Michael kriegst du, ist geklärt, aber ich will Fidel.

"Ich will Fidel." Geht nicht klar. Der Mann ist quasi heilig. Göttlich nachgerade.

Richtig, und das ist Blasphemie. Der kommt zu mir.

Verdammt!

Eben. Noch ein Grund. I win.

Okay, die Runde geht an dich. Aber nächste Woche machen wir 2017, das mache ich dir nicht so leicht.

Ist gebongt, Chef! Bis dann!

Bis dann! (Zu sich selbst:) Fidel verloren. Wie konnte ich bloß Fidel verlieren?!
Dammit!

 
xx

Wie immer hetzt die hier nicht genannte 'Zeitung' allen voran und will Deutschlands Freiheit in der Ukraine verteidigen. Der Hindukusch ist ja jetzt frei von deutschen Musterdemokraten, die sich Hakenkreuze tätowieren und auf Leichen pissen; außerdem war das kein Gegner. Der Iwan muss wieder bluten. Dafür unterstellt die freiheitlich demokratische NATO ihm unisono die Absicht, ein potentielles NATO-Land okkupieren zu wollen.

Anjatanja pirscht sich derweil an Waffenlieferungen ins nämliche, von Faschisten und Milliardären regierte Halbland heran. Das ist auf jeden Fall gut für den DAX. Wir erinnern uns überdies, wie Russland schon zweimal deutsches Territorium zurückerobert hat. Diesmal aber sind wir mit den Guten im Bunde, die seit Jahrzehnten für Sicherheit und Freiheit sorgen, in Korea, Ägypten, Libanon, Laos, Vietnam, Kambodscha, Bolivien, Jordanien, Angola, El Salvador, Nicaragua, Libyen, Iran, Kuwait, Jugoslawien, Irak, Haiti, Afghanistan, Panama, Jemen und Syrien – gern auch mehrmals.

Friedenundfreiheit

Die Presse jubelt: FAZ, Tagesspiegel, Atlantik-Zeit sowieso, der Spiegel – alle wollen sie hart sein gegen den Russen, den Diktator, den Aggressor, der überall Krieg führen wolle. Das muss dieser Trick sein, nach dem die Vorbereitung eines Angriffskrieges strafbar ist, der Angriffskrieg selbst hingegen nicht – und die Guten vom Völkerrecht ausgenommen sind, wenn es Friedenundfreiheit® dient.

Was sie vorhaben, diese atlantischen Kettenhunde aus den Young Leaders-Programmen oder dem Vorstand der 'Brücke', man muss es sich fragen. Ihre Hetze ist so plump, dass es quietscht, und sie werden trotz aller Bemühungen nicht herbeischmieren, dass die Deutschen wieder "Ja!" schreien, wenn die Panzer rollen. Selbst wenn es den Michel kratzte, dass der Russe bös ist – wer soll denn glauben, dass er sich fröhlich verdampfen ließe für die fucking Ukraine?

Westliche Werte

Die hirnlosen Kapitalroboter wissen vielleicht selbst nicht, was sie tun und wozu, und folgen sicher wieder nur vorauseilend Befehlen. Die Lösung ist aber nicht so schwierig: Die USA führen einen Weltkrieg, weil sie an der Klippe stehen. Hegemoniestreben werfen sie ernsthaft Russland vor, es ist zum … Schießen. Der Krieg ist längst im Gange, es geht nur noch um die Frage nach der nuklearen Option.

Dass am Ende allerdings sehr reale Bomben, selbst die ganz dicken, fliegen können, scheinen die widerlichen Hetzer nicht zu bedenken, oder ihre faschistische Gesinnung geht tatsächlich wieder so weit, dass sie die totale Vernichtung anstreben. Und während sie die Panzer an die Grenzen Russlands heranrollen, droht auf der anderen Seite Donald Trump, der auch nur eine Variable für jeden anderen durchgeknallten Faschisten ist. So sieht es aus 2022, und das ist der Qualitätsjournalismus, der ihn uns erklärt.

p.s.: Hier noch einmal eine Übersicht über die Ausweitung des russischen Imperiums seit 1999.

 
xx

In dem gestern fertiggestellten Podcast habe ich einen Satz gesagt, der mich beim Schneiden selbst ein wenig überrascht hat, den ich aber durchaus unterschreiben kann: "Eigentlich will ich niemanden mehr überzeugen." Wenn man das oft und lange genug gemacht hat, kann einem durchaus irgendwann einfallen, einmal Aufwand und Erfolg dieser Bemühung abzugleichen, um zu dem Schluss zu kommen: Makes no sense.

Schon lange habe ich mir angewöhnt, in den Simulationen von Diskussion, die ich durchleide, ein Statement abzugeben, das ggf. noch zu erläutern und es dabei bewenden zu lassen. Damit kann man dann machen, was man will. Nicht ich muss überzeugend sein, sondern mein Argument. Ist es das nicht, hat es auch keinen Zweck, darzulegen und rhetorisch anzureichern, warum es gut, wahr und richtig sei.

Freiheit …

Alles andere ist Meinung, mithin ein Gemisch aus vermeintlichen Erkenntnissen, beliebigen Interpretationen, Halb- bis Unwissen, persönlichen Anwürfen, Sucht nach Aufmerksamkeit und anderem Firlefanz, der nicht dazu geeignet ist, inhaltlich weiterzukommen, sehr wohl aber dazu, jede Form von Triebabfuhr und Gruppenzwang zu begünstigen. Das kann man mitmachen, sollte sich aber gewahr sein, dass es eben nichts mit Diskurs zu tun hat.

Meinung ist Spaß, Privatvergnügen. Die Folgen sind weitreichend, denn es ist durchaus diese Meinung, von der im Grundgesetz die Rede ist. Dort steht demgemäß, dass du labern darfst, was dir einfällt, ohne dafür bestraft zu werden. Einschränkungen siehe StGB, etwa "Beleidigung", "Nötigung", "Verleumdung" oder "Verunglimpfung" sowie MarkenG. Ja, so frei ist das dann auch wieder nicht hier.

Nirgends ist auch nur ansatzweise gesagt, dass irgendwer ein Recht hätte, seine Meinung wirksam zu äußern. Erst recht nicht, er dürfe es unwidersprochen oder auch nur folgenlos. Nope. Das ist so bei Erwachsenen. Du reißt das Maul auf, du wirst dafür verantwortlich gemacht. Freiheit bedeutet nicht Safespace. Ganz im Gegenteil. Insofern haben wir also alle das Recht, uns etwas Spaß zu machen. Viele kennen das: Viel Spaß, viel Aua – der nächste Tag kommt ganz bestimmt, und wir sind dann oft froh um die Hilfe von Big Pharma. Danke, Alka Seltzer!

Davon war nie die Rede

Böse irreführend ist der Spuk, den das Bürgertum mit seiner parlamentarischen Parteiendemokratie ins Leben brachte, Stichwort "politische Willensbildung". Wie schon so oft hier zelebriert, ist das von vorn bis hinten Quatsch und naiver Humanismus. Die Wirkung ist aber kaum zu unterschätzen: Ja, ihr dürft euch das Maul fusselig labern und dabei zur Willensbildung® beitragen. Dass euer Wille dann irgendwen interessiert, ist aber nicht Teil der Abmachung.

Insofern: Macht euch Freude! Simuliert Diskurs, spielt "Diskussion", seid überzeugt davon, dass eure Überzeugungen für andere einfach überzeugend sein müssen. Wiederholt das, bis ihr erschöpft auf den Grund des Goldfischglases sinkt, und klopft euch auf die Schultern. Wieder ein großer Sieg im Kampf um das Gute, Schöne und Rechte! Nur kommt mir bitte nicht mit "Wahrheit". Die ist nämlich kein Spaß, die ist eine wirklich ernste Sache.

p.s.: Ich habe gern Spaß. Ich finde es auch nett, wenn mir per Depesche, Telegramm oder Postkutsche Nachrichten zugehen, aber dann haben die anderen ja gar keinen Spaß daran. Also bitte: siehe unten.

 
Die Ferien sind um und es gibt eine neue Ausgabe von Keine Ahnung.
Wir haben diesmal über "Kompetenz" gesprochen.

Viel Spaß!

 
xx

Wir sind erst vor acht Wochen hier gelandet. 300 Leute, die aus einem gut vorbereiteten Basiscamp mit allem nötigen Material eine ständige Siedlung auf dem roten Planeten einrichten sollten. Die Vorgabe war klar: Es wird nach Leistung bezahlt, jeder kriegt das, was er beiträgt, aus dem Fundus entgolten. Effizienz, Nützlichkeit, Arbeitsdauer werden berücksichtigt. Sobald der Fundus geleert ist, herrschen Marktgesetze. Man kann weiterhin reinhauen oder sich zurücknehmen, anderen eine Leistung abkaufen oder die inzwischen produzierten Waren erwerben.

Es ging unglaublich schnell. In den ersten beiden Wochen haben wir eine Arbeitsleistung hingelegt, die niemand für möglich gehalten hätte. Einige hatten damit gerechnet, dass wir ein halbes Jahr oder länger brauchen würden, aber alles stand. Wasserversorgung, Abschirmung, Lazarett, Kraftwerk, Gewächshäuser, Vorratshaltung. Sehr schnell hatte sich auch eine Spezialisierung ergeben. Die Meisten hatten ihre künftige Aufgabe gefunden, andere mussten sich den Stärkeren anschließen.

Marktwirtschaft funktioniert

Es erwies sich tatsächlich als wahr, dass marktwirtschaftliche Prinzipien allen anderen an Effizienz überlegen waren und uns zu Höchstleistungen antrieben. Dass es hier und da auch Nachteile gab, war eingepreist. Eine Ingenieurin, die auf dem Weg krank geworden war, konnte leider nichts am Fundus verdienen, aber sie hatte ja die Möglichkeit, sich nach ihrer Genesung als nützlich zu erweisen. Tatsächlich hatte sie sogar bald ihren Weg gefunden. Die Männer haben sie gern unterstützt, ohne ihr dafür zu viel abzuverlangen.

Es stellte sich weiterhin heraus, dass es eben wichtig war, wirtschaften zu können und die richtigen Prioritäten zu setzen, wenn es vorwärts gehen sollte. Manche haben das nicht erkannt oder konnten es nicht besser, sodass sie sich bald verschulden mussten. Da die Geldmenge durch den Fundus strikt begrenzt war, mussten sie ihr Geschäft verpfänden und im Zweifel ganz dem Gläubiger übertragen. Das alles entwickelte sich sehr schnell.

Lange Geschichte kurz erzählt: Ich war wohl mit Abstand der beste Ökonom der ganzen Siedlung und habe auch nicht versäumt, für meine Sicherheit zu sorgen. Schon bald hatte ich die meisten Geschäfte der anderen übernommen und sie zu günstigen Konditionen zurückvermietet. Solange sie im entsprechenden Maß ihre Arbeit als Gegenleistung anbieten konnten, ließ ich sie eben arbeiten. Instrumente, die zu formidablen Waffen taugten, hatte ich auch in meinen Besitz gebracht, als der erste grobe Unmut aufkam. Einige arbeiteten eine Zeitlang in meinem Sicherheitsdienst.

Konjunkturdelle

Es zeigte sich allerdings, dass die Schulden in der jeweiligen Höhe bald nicht mehr durch Arbeit abgetragen werden konnten. Ich entließ also fast alle Siedler aus dem Camp, nachdem sie mir ihr Eigentum übertragen hatten. Ihre Chance war jetzt da draußen, und wenn sie tüchtig waren, konnten sie sich eine noch größere Siedlung errichten. Als ihre Vorräte knapp wurden, musste ich meine rebellierenden Sicherheitsleute zu meinem Bedauern neutralisieren.

Nun, einige Vorräte gehen schon zur Neige, aber im Augenblick bin ich noch satt und zufrieden. Das Experiment war ein voller Erfolg und ich habe mich als der beste Führer erwiesen. Ich bin nicht so geschickt mit dem Wasser und den Gewächshäusern, aber das wird schon. Sicher werden bald einige von den anderen zurückkehren und mich um Jobs anbetteln. Ich bin darauf vorbereitet.

Nächste Seite »