April 2021


 
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Wie ich höre, ist einer der brutalsten Kollateralschäden der Pandemie eine weitere tektonische Niveauverschiebung auf der journalistischen Resterampe. Ich bin kein ausgewiesener Gegner von Herrn Lauterbach, aber dass er inzwischen ausgiebig abgefeiert wird, liegt wohl nicht zuletzt an den Hammerwerfern, die ihn umgeben, von Laschet bis Lanz. Vor Jahren schrub ich Folgendes:

Wenn ich einen Bot auf dem Bildschirm habe, will ich ihn auch erschießen können”, fiel mir zu ihm heute ein. Der existiert doch gar nicht, oder? Ich habe mir ja einiges an Dummtalk angetan, wenn auch nur beim Durchzappen und minutenweise in den letzten Jahren, aber diesen Krawattenzombie mit Frisurtragevorrichtung – wer tut sich den an? Wozu ist das gut? Ist das eine Art Testbild? Oder vielleicht eine Prüfung der verschwörerischen Weltregierung, ob Fernsehzuschauer ihr Oberstübchen endgültig und vollständig vom Mobiliar befreit haben? Gehen die Sparprogramme inzwischen so weit, dass uns jeglicher Verstand gestrichen wurde? Oder handelt es sich um eine Dauerwerbesendung der Stiftung Schädel-Hirn-Trauma? Kommt da am Ende womöglich eine Therapieempfehlung gegen Hohlfruchtsyndrom und Logorrhoe? Oder ist das nach Schicklgruber und Ackermann der nächste Versuch barbarischer Alpenvölker, der Welt den Rest zu geben?
Hilfe
!”

Tiefer schießen!

Christiane Sabinsen war nur der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, deren primäres Ziel die mediale Überwindung der Blut-Hirn-Schranke zwecks Einbringung zerebraler Massenvernichtungswaffen ist. Dass ausgerechnet die Schwarzen Messen beim Meister der zeremoniellen Zubereitung jauchigen Großhirnrindentees aktuell den Goldstandard pseudopolitischen Infotainments darstellt, ist zweifellos ein neuer Tiefpunkt.

Schon lange erübrigt sich die Frage, wer sich das denn noch freiwillig anschaut. Ich zweifle nicht nur ohnehin an der Existenz eines Willens, sei er ‘frei’ oder ‘politisch’, es ist auch für weniger scharfe Analysten offenbar, dass das Gegenteil notwendige Bedingung ist für das Beiwohnen solch okkulter Simulakren ehemaliger Kommunikation. Was dich durch die Nacht bringt, ist egal, Hauptsache, es bringt dich ordentlich runter.

Eine Frage des Trainings

Kiffen ist da längst nicht mehr das Mittel der Wahl, es sei denn unter Verwendung jener genetisch veränderten Biowaffen, von denen schon zwei Stickies ausreichen, um einen Einschlag zu bewirken, für den du früher jahrelang das übelste Acid einwerfen musstest. Minimalanforderung wären wohl hochdosierte Benzos, von denen aus du dich langsam hochdopen kannst. Für die ganz Harten tut’s wie immer die Lobotomie mit dem Schraubenzieher.

Allein diesem Text merkt man bereits an, wie viel dazu noch zu sagen ist. Wir bleiben abstrakt, weil ohne die oben genannten Anxiolytika das Risiko einer konkreteren Beschäftigung mit sog. “Inhalten” dem einer einbeinigen Ski-Abfahrt aus der Eiger Nordwand gleichkommt. Muss man nicht tun. Wer das unbedingt braucht, sollte tunlichst ein paar Monate auf mindestens 7000 Metern Höhe mit vogonischer Lyrik trainieren. Das ist nichts für Anfänger. Lasst die Finger davon!

 
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Was ist eigentlich ein “Recht”? Diese Frage stellen sich wenige und extrem selten diejenigen, die darauf beharren. Das Verhältnis gerade derjenigen, die nichts als ihr ‘eigenes’ im Blick haben, zum Rechtsstaat ist das eines Teenagers zu den Eltern, und das ist gar kein Zufall.

Ebenso wenig ist es ein Zufall, dass Protestbewegungen in der Regel von jungen Menschen dominiert werden, da sie gerade aus der Dominanz des Elternhauses erwachsen sind und diesen Entwicklungsschritt der Emanzipation auf die Gesellschaft übertragen, der sie angehören. Dies ist kulturell durchaus ein Impuls für Fortschritt.

Mutti eins auswischen

Es wird aber wild und wirr, wenn man so gar nicht weiß, was man da tut und worauf man sich bezieht. Wie ein bockiger Teenie darauf zu pochen, etwas zu dürfen, ohne die Konsequenzen des Handelns tragen zu müssen oder zu erkennen, führt selten zu wünschenswerten Ergebnissen.

Der Bürgerliche Staat hat mit dem “Recht” einen Pakt mit seinen Bürgern geschlossen. Der Staat erhält das Gewaltmonopol, dafür muss er die Bürger schützen, versorgen und darf sie nicht mehr als nötig einschränken. Keineswegs ist er dafür zuständig, das, was die Bürger dürfen, auch zu ermöglichen oder sie vor Konsequenzen zu schützen, wenn sie dabei Schaden anrichten. Das ist ggf. bei den Eltern noch so, aber nicht beim Staat.

“Rechte”, auch Grundrechte, gelten mithin keineswegs bedingungslos. Sie werden (zumindest formal) ausgehandelt und können eingeschränkt werden. Hier ist vor allem festzuhalten, dass es nicht primär der Staat ist, der Rechte einschränkt, sondern die Interessen anderer. Diese können direkt oder vermittelt durch den Staat und seine Organe wahrgenommen werden.

Die Bewegung

Es ist daher nicht besonders schlau, gegen das Interesse der Mehrheit zu handeln und dabei das Recht auf solches Handeln einzufordern; schon gar nicht, wenn gleichzeitig die Basis dieses Rechts infrage gestellt wird. Das ist dann schlicht kindisch und nicht minder dumm.

Dass das aktuell überhaupt funktioniert, liegt eher zuerst als zuletzt daran, dass eine faktisch dominierende Minderheit auf beiden Seiten steht: Rechtsextreme bei der Polizei, insbesondere in den Hundertschaften, und bei den Querfrontlern. Nur so ist es möglich, dass ein paar Tausend Halbhirne eine Pandemie antreiben, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Und natürlich, weil sie nicht sehen können, wer wegen ihnen schwer erkrankt oder durch ihr Handeln stirbt. Es handelt sich dennoch m.E. um Eventualvorsatz. Nach einem solchen wird obendrein massenhaft gehandelt. Stünde diese widerwärtige Charge auch nur im geringsten Verdacht, ‘links’ zu sein, würde sie längst als terroristische Vereinigung verfolgt. Sie sonnt sich aber eben im Schutz der Faschisten.

 
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Eine der besten Strategien, sich in seiner eigenen Dummheit einzukapseln, ist eine Lesart, die identifiziert, ob etwas dem Weltbild entspricht oder nicht – um all das zu diskriminieren, was eben nicht hineingehört. Der ganze Prozess des Lesens – und damit auch der des Schreibens – dient der Versicherung der eigenen Peergroup. Wer gehört dazu (die Guten) und wer nicht?

Die Struktur dieses Vorgehens ist im eigentlichen Sinne reaktionär. Es gilt nicht, offene Fragen zu klären oder Widersprüche zwischen unterschiedlichen Deutungen von Wirklichkeit möglichst genau zu beschreiben, sondern das, was vermeintlich der eigene Standpunkt ist, zu verteidigen.

Nicht zufällig nimmt solche Kommunikation Züge an, wie man sie von Schulkindern kennt. Es werden eben Gruppen definiert, gemeinsame Orte aufgesucht und ein Jargon entwickelt, der nach innen verbindet und nach außen abschottet. Niemand soll überzeugt werden, der es nicht schon ist, die ‘draußen’ werden verurteilt. Überhaupt geht es nicht um die Frage, was ist und was daraus folgt, sondern wer die Schuld für unliebsame Zustände trägt.

Kenne den Feind

All dies sind klassischerweise Strategien der politischen Rechten. Sie sollen eben ein ‘Wir’ installieren, konservieren und bevorteilen, ein ‘Nicht-Wir’ identifizieren, verurteilen und womöglich ‘zur Verantwortung ziehen’. Kommunikation soll da gar nicht stattfinden; eine Anhörung der Delinquenten ist unerwünscht, da sie ohnehin nur das Falsche/Böse verkörpern. Ihnen gleiche Rechte zuzugestehen, wäre Sakrileg und Beleidigung der Opfer dieses Bösen.

Ebenso typisch für reaktionäre Ideologien ist der Verzicht auf Analyse, Definition der Problemstellung und Lösungsorientierung aufgrund von Fakten und Kausalverbindungen. Eine Reihe von festgelegten ‘Wahrheiten’/Axiomen treten an die Stelle der (wissenschaftlichen) Fragestellung. So sieht eine öffentliche ‘Debatte’ aus, die jeden Erkenntnisprozess durch Meinungsbildung ersetzt hat.

Die Klimakrise wird und wurde fast ausschließlich von dya cis Männern verursacht. Trotzdem werden FINTA*s viel stärker durch die Klimakrise beeinflusst. Der Fehler liegt im System.[via]
Spitzhacke!