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trp

Ich hatte neulich einen kurzen Dialog über IT-Sicherheit, aus dem ich einen Ausschnitt hierher raubmordkopiere:

"Wer investiert da in Code, mit dem du dich von Leuten abhängig machst, von denen die meisten inzwischen auch Idioten sind? ist IT-Sicherheit profitabel?"

"Ich stelle mir das sehr unbefriedigend für die Entwickler vor. Du weißt, wie man es richtig machen müsste, aber du darfst nicht, weil es der BWLer verbietet."

Ich meinte dann, das sei ein gutes Thema – ob man IT-Sicherheit profitabel machen könne, dass mir dazu aber die Kompetenz fehle. Wozu mir freilich nicht die Kompetenz fehlt, ist Fragen in einen Raum zu stellen (siehe Grafik). Ich habe da eine klare Tendenz, aber mit fehlt die Erfahrung und der Hintergrund, dergleichen allgemein durchrechnen zu können.

Dann eben nicht

In einem Träger der Kinder-und Jugendhilfe war ich einmal die IT, zunächst als Sekretärin und dann neben meiner Funktion als Pädagoge, mithin quasi für umme. Hätten wir das externalisiert und die Kosten auf Tagessätze und Fachleistungsstunden umgelegt, wären wir zu teuer geworden. Fun am Rand: Der Chef bestand ohnehin auf ein Maximum an Unsicherheit, weil er nur so den Einschaltknopf fand.

Wir werden ja nicht nur längst von Software der Weltmarke Dakannmannixmachen regiert, es wird auch zusehends noch blöder und wir unter dem Einsatz von Neurotischen Netzwerken immer tiefer in die Hölle der ohnmächtigen Abhängigkeit geführt. Es gibt keinen nennenswerten Widerstand dagegen.

Die größere Frage ist aber die: Wenn wer das wollte, also eine möglichst sichere IT einrichten, die auch nur den notwendigen Mindestprofit noch zulässt, wäre das überhaupt machbar? Dass es nämlich unmöglich ist, auf diesen zu verzichten, ist ein ehernes Gesetz des Kapitalismus. Und wenn es also nicht möglich ist, folgt dann nicht die logische Konsequenz, dass man ganz auf IT-Sicherheit verzichten muss, um in der Konkurrenz zu bestehen?

 
trp

Trabt bei der Kriegstucht voran: Wehrhorny

Magisches Denken bestimmt zusehends das politische Theater. Wo Magie Physik durch Willen ist, toppt der aktuelle Hauptdarsteller der Demokratur den Ansatz noch, indem er ausdrücklich Gefühle als bestimmende Wirkung über die objektiven Kennzahlen stellt. Die Parole des großen Kanzlers lautet: "Die Zahlen hinken der Stimmung aber hinterher."

So wie die messbare Inflation – vor allem die im Bereich der lebenswichtigen Versorgungsgüter – als "gefühlte" dargestellt wird, welche die falschen Gefühle zum Ausdruck bringt, wird die Konjunktur als solche dargestellt, als sei sie quasi uneinsichtig gegenüber der Sektlaune in den Villen und Häusern des Kapitals und seiner treuen Diener.

Emotionaler Faktencheck

Das Storytelling des postmodernen Journalismus wird hier aus guten Gründen seit Jahren Fairytaling genannt, nunmehr ist das quasi offizielle Doktrin. Es gilt, was sein soll nach dem Willen derer, die es vermeintlich bestimmen. Der Führer befehligt nicht mehr nur seine Truppen, sondern gleich die Welt als solche. Wer sie anders sieht, das Feld ist ja ebenfalls bestellt, wird wohl fortan als Miesmacher rechtlich belangt werden können, als Wehrkraftzersetzer, der nur Putin dient.

Nein, das ist keine Übertreibung, dafür muss man nur die Linie, der diese Mischpoke folgt, einen Zentimeter weiter ziehen. In ganz Europa radikalisiert sich die Mitte, siehe aktuell Tschechien. Linientreue wird erst eingefordert und dann mit den Mitteln des kapitalistischen Staates durchgesetzt.

Parteiverbote, Entzug des passiven Wahlrechts, Hausdurchsuchungen, 'Sanktionen' gegen missliebige Journalisten. Das ist der europäische Rechtsstaat auf den Weg in die 30er Jahre. In dessen Kern wütet einmal mehr die schiere Mythologie. Wer sie radikal in Zweifel stellt, anders ausgedrückt: noch alle Latten am Zaun hat, läuft unmittelbar Gefahr, als Staatsfeind markiert zu werden.

 
trp

Quelle: Pixabay

Wir Niederrheiner sprechen drei Sprachen fließend: Deutsch, Platt und über andere Leute. Letzteres beruht auf einem Bedürfnis, das sich wiederum aus zwei Quellen speist: der Lust zu urteilen und dem Glauben, der Wille und die Entscheidung Einzelner bestimmten das Sein. Als Marxianer muss man das nur noch vom Kopf auf die Füße stellen.

Als ich 2005 mit der Bloggerei begann, habe ich mich großenteils mit den konkreten Äußerungen von Politikern und Journalisten befasst und sie mit der Realität konfrontiert, mit dem, was ist. Blogs waren damals angesagt; ebenso angesagt ist es immer, über andere Leute zu reden. Der Leser mag das und es brachte mir einige tausend täglich ein.

Über die Kreidestriche

Ich habe mich bis zur inhaltlichen Erschöpfung an diesem Betrieb und seinen Sichtweisen abgearbeitet, bis zu dem Punkt, an dem es für mich nichts Zielführendes mehr zu sagen gab. Es gibt wahrscheinlich auch andere Wege, an diesen Punkt zu kommen, aber dieser besticht durch eine gewisse Gründlichkeit. Allemal ist man danach endgültig davor gefeit, sich Geschichten erzählen zu lassen oder, noch wichtiger, selber welche zu verbrämen.

Ein Kollateraleffekt auf diesem Weg ist die Trennung von Weggefährten, die sich nicht haben lösen können und die den Märchen der anderen ihr eigenes entgegenhalten. Das Spiel ist äußerst attraktiv, bietet es doch neben vermeintlicher Informiertheit stets auch die Unterhaltung über andere Leute, die Welt als Willen und Phantasie.

Unterhaltung ist ihrerseits gut und schön, sie soll und muss leben, aber als exotisches Tierchen lässt man sie besser in ihrem Reservat, hier auch unter "kunstlyriklamauk" bekannt. Man genießt sie besser nicht über dem teuren Teppich. Für alle anderen Texte, die eigenen wie die anderer, gilt: Wenn es nichts zu lernen gibt, kann man sie getrost unverzüglich vergessen.

 
trp

Serviervorschlag: Gesunde Vitamine

Vor 19 Jahren habe ich eine Serie über Doping im Radsport geschrieben. Seitdem ist viel nichts passiert. Die Omertà hält wieder, nachdem sie Anfang der 2000er kurzfristig durch – nicht zuletzt deutsche – Eiferer unterbrochen wurde, die wie immer mit viel Moral und wenig Expertise zu Werk gingen.

Hierzulande wurde Jan Ullrich öffentlich verbrannt, wobei sich ein Sozialdemokrat als besonders widerlicher Heuchler hervortat: Rudolf Scharping, der sich als Funktionär im Radfahrerbund zu gern mit Ullrich hat ablichten lassen, ließ ihn kalt fallen und predigte Moral und sauberen Sport. So kennen wir sie.

Rausgerutscht

Während die Wogen noch wogten, das ging einigermaßen durch, hat der Radstar der 70er in der BRD, Dietrich Thurau, den bemerkenswerten Satz gesprochen: "Wir waren doch früher alle gedopt". Dies bestätigte meine Auffassung, dass man einen gedopten Fahrer daran erkennt, dass er eine Startnummer trägt.

In Spanien haben die Funktionäre ihre Stars eher gedeckt, in den USA haben sie dichtgehalten, bis es selbst für Armstrong nicht mehr ging, und nachdem eine Zeitlang die Weltdopingagentur ihre Profis nicht ausreichend schützen konnte, ist längst wieder Ruhe eingekehrt. Doping, das gibt es nur noch in Russland, wie wir von Fachpharisäern des Typs Hajo Seppelt (heißt wirklich so) wissen.

Monstern wie Pogacar, Vingegaard und Evenepoel, die sich bei der "Tour" aktuell um die Ohren fahren, spritzen die Hormone aus denselben. Alles aber selbstverständlich natürlich, schieres Talent und gesunde Ernährung. Niemand fragt nach. Niemand vergleicht. Niemand spricht aus, was alle wissen: Früher ist heute. Sie sind alle gedopt, und das wäre auch gut so.

Märchenwelt

Es ist aber illegal, so wie das Doping auf der Straße mit Koks, Schore oder geklautem Fentanyl. Immerhin wird dort nicht noch die Existenz der Stoffe und ihrer Konsumenten geleugnet. Es wird weiterhin gelogen, dass sich die Balken biegen, getarnt und getäuscht, auf dass der Rubel weiter da rollt, wo man damit nicht bezahlen kann.

Was das hier schon wieder soll? Wenn ich, wie zuletzt so oft, höre, unsere Medien könnten doch nicht alle lügen, führe ich gern dieses Beispiel an. Hier gibt es keine politische Vorgabe aus der Zentrale oder eine Kriegsfront, an der ausdrücklich Propaganda für die Tüchtigkeit gemacht wird. Es ist aber genau so verlogen, und die Bösen sind auch da immer die Russen. Das ist das Märchen, für das sich seine Erzähler auch noch mit Preisen behängen.

Update, Zur Ergänzung: Täve Schur über Doping, Sport und Kapitalismus

Jan Ullrich zu seiner Geschichte

 
trp

Die Zeit der Narzissten, heißen sie Trump, Baerbock oder Merz, ist nicht zufällig über die Welt hereingebrochen. Es ist das endgültige Umkippen in den Untergang des Imperiums, der Supermacht und ihrer Vasallenstaaten. Jene zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich nicht anders verhalten kann als ein unangefochtener Hegemon. Das Fatale daran: Sie ist keiner mehr.

Ignoranz, in der Folge Inkompetenz und Größenwahn, machen Narzissten zu den natürlichen Repräsentanten. Trump als Zentrum des Desasters führt sich auf wie der Allmächtige und ruiniert im Bunde mit kondebilen Partnern – daheim vor allem Lindsey Graham, draußen Gestalten wie Macron, Starmer und Kallas, die eigene Wirtschaft in dem Ansinnen, die Welt nach Belieben zu beherrschen.

Blühende Phantasien

Machen wir einen Sprung nach Deutschland, dem treuesten Vasallen, der ob der aktuellen Besetzung des Papststuhls in D.C. zwar verwirrt, aber gewohnt devot und gleichzeitig größenwahnsinnig handelt. Das Memo, nach dem Russland sich nicht ruinieren lässt und China noch weniger, haben sie nicht gekriegt. Sie wollen jetzt auch Weltmacht spielen, Geld spielt keine Rolle.

Hätten sie diesen Satz nur verstanden! Es ist nämlich erstens nicht möglich, militärische Macht einfach zu kaufen, das hatten wir hier bereits hinreichend. Zudem ist es äußerst ungeschickt, mit der Kohle zu wedeln, weil das die Preise noch mehr erhöht als in Zeiten hoher Nachfrage ohnehin schon. Und dann geht noch die Beschaffungschefin hin und sagt: Macht schnell, wir zahlen alles.

Kaum an den Start gegangen, geht es auch schon los, q.e.d.. Der neue Faschismus ist mithin nicht nur bunt, er ist eine Karnevalsveranstaltung, die gleichwohl mit dem Abbrennen des Festsaals enden kann, denn allein schon Russland wird sich das nicht Jahrzehnte lang angucken, bis ggf. eine echte Bedrohung daraus wächst.

Konsequenzen

Es hat bereits gezeigt, dass es binnen Kürzestem seine Militärmacht anpassen, vergrößern und optimieren kann, in einer Weise, von der ein System, das sich eine Rüstungsindustrie nur für Profite hält, nicht einmal träumen kann. Aber da gibt es noch ein Problemchen, das in den hiesigen unkritisch ahnungslosen Medien gar nicht vorkommt.

Nehmen wir für einen Wimpernschlag an, Deutschland käme je in die Nähe einer militärischen Präsenz, die jemand – zumal ein Gigant wie Russland – ernst nehmen müsste. Wie werden wohl andere Staaten, die heute noch als 'Partner' betrachtet werden, darauf reagieren? Und wie wiederum wird ein großmächtiges Deutschland auf die Vorsichtsmaßnahmen seiner Nachbarn reagieren, die sich wieder wappnen müssen? Wo soll das enden?

 
trp

Die Speerspitze der öffentlich-rechtlichen Geschmacksrichtung journalistischer Verkommenheit, "Tagesschau", bemüht sich täglich nach Kräften, ihren Status als unangefochtene Instanz der Lächerlichkeit zu verteidigen. Aktuell stellen sie dort fest, dass das böse Russland des bösen Putin vielleicht eventuell Fake Videos produziert, auf denen man sieht, wie der Kanzler arme süße Eisbären tötet.

Ich habe es ja satt, aufzuschreiben, was Profis wie die USA so investieren, um weltweit Medien zu manipulieren. Was sie sicher nicht tun: Aufwand betreiben, um lächerliche Schmutzkampagnen zu starten, von denen niemand etwas mitkriegt. Zum konkreten Fall: Niemand wirft Fritz aus Brilon vor, kein Veganer zu sein.

Man wirft ihm vor, ein derart verlogener Hanswurst zu sein, dass er unter all den verlogenen Hanswursten seiner Zunft die Oberwurst gibt. Man wirft ihm vor, von höchst korruptem Charakter zu sein, den Füllstand seiner Taschen noch zu leugnen und, eigentlich ohne politische Ziele, im Wind des Trends segelnd Deutschland in einen Weltkrieg zerren zu wollen. Unter anderem.

La Le Lu

Die grottendumme Erzählung, ein Russland hätte Interesse daran, davon abzulenken, um ihm zu schaden (Merkt ihr selber? Nein?) ist halt der Tagesabschaum, mit dem die Verachtung der Rezipienten zum Ausdruck kommt, die ja gar nicht so verblödet sein können, auch das noch zu schlucken. Aber vielleicht sind sie ja inzwischen hinreichend betäubt.

Was selbstverständlich nicht aufs Tapet kommt: Die Art und Weise etwa, wie der Wertewesten seine Hegemonie u.a. mit juristischen Mitteln aufrecht erhält. Jahrhunderte lang ausplündern, vom daraus geschlagenen Profit eine überlegene Infrastruktur aufbauen, in der man Produktionsmittel entwickelt, mithilfe derer man sie weitere Jahrhunderte abhängig hält – und Putin ist der "Imperialist".

Worüber dort auch niemand redet: Die Welt als Schachbrett (Kollege Mersmann erinnert), das Treiben der Neocons, Geostrategie als solche. Steht hier auch jeden zweiten Mittwoch. Wie kann man eigentlich noch in den Spiegel gucken, ohne sich zu schämen, wenn man diesen Märchen glaubt? Am besten wohl, wenn man eh Grün wählt. Adabei sein ist alles.

 
trp

Wer dachte, das Plappermädchen wäre bereits die größtmögliche Chance gewesen auf einen Weltkrieg, der von deutschem Gelaber ausgeht, wird nunmehr von einem amtlichen Bundeskanzler eines Schlechteren belehrt. "Wir werden bereits von Russland angegriffen", faselt der Mann und begründet damit sehr konkrete Kriegsvorbereitungen.

Der Beleg sei u.a. die Existenz von Russia Today, einem Portal, dessen Reichweite im Promillebereich dessen liegt, was allein deutsche Massenmedien ausliefern. Irgendwo las ich etwas von "1,4 Millionen Anfragen im Monat", was immerhin 300.000 mehr wären als bei Feynsinn. Die Zahl kann aber a) nicht stimmen und ist b) völlig irrelevant, da sie mit der Nutzeranzahl null zu tun hat. Aber Hauptsache was mit Millionen. Die Russen kommen!

Der Feind ist unser Unglück

Ist es schon grottendämlich, ein Medium, bestenfalls vergleichbar mit der DW, mit dem nuklearen Holocaust zu vergleichen, so wird das noch erbärmlicher, wenn man sich anschaut, was allein die USA diesbezüglich auffährt, zumal im Bunde mit ihren atlantischen Vasallen. Wenn RT ein Angriff ist, was ist dann das? Oder die Sprengung von Nordstream? Der totale Weltvernichtungsangriff der USA auf alles, was ihnen noch nicht die Stiefel leckt?

Immerhin reichen diese teils daherphantasierten Vorwürfe für Existenzvernichtungen à la Reichsacht, wobei auf Zuruf unüberprüfbarer Behauptungen unkontrollierter Geheimdienste die unantastbare EU-Führung einzelne Menschen 'sanktioniert', ihnen also ohne Anhörung und Gerichtsverfahren die Existenzgrundlage raubt. Dass überhaupt natürliche Personen, dazu noch EU-Bürger, 'sanktioniert' werden können, ist ein Rückfall ins Mittelalter.

Und was sagen unsere der Karikatur einer Demokratie vorstehenden Stellvertreter dazu? Eigentlich ist es zwar unmöglich, sich unter diesen Umständen legal auch nur Rechtsbeistand zu verschaffen, aber das sei ja irgendwie doch gelungen. Alles paletti also mit der Rechtsstaatlichkeit. Fazit: Es gibt wieder autoritäre Herrschaft und rechtlose Untertanen, basierend auf krudem Feindstrafrecht. Willkommen im Faschismus. Noch schlägt er selektiv zu.

 
trp

Die Populisten kommen. Unsere schöne EU wird von antidemokratischen rechtsrechten Kräften zerstört. Dabei haben wir doch den sichersten Grenzschutz der Welt, von Frontex über die CSU bis hin zu Polen. Das Supergrundrecht Sicherheit wird durch Superbehörden wie die Kommission® wie es sich gehört zentral und hierarchisch geregelt. Alles tun wir für euch, und wie dankt ihr es?

Wir geben sogar mehr Geld aus, als wir euch abnehmen können, damit der Wiedergänger uns nicht bald alle zu Russischstunden und 15 Jahren Dostojewski verurteilt. Die Ukraine kämpft schon tapfer gegen alles Widergängerische und wir ziehen nach. Dazu haben wir euch just ein paar Impressionen aus dem jüngsten Manöver der EUNATOBundeswehr mitgebracht:

Für eure Sicherheit

Hier wird das nach Hause Kommen geübt. Hier das Kinder und ihre Mütter Küssen. Hier das rettende Kindertragen. Hier auf Objekte in der Ferne Zeigen und hier Daumen aus dem Cockpit Heben. Neu im Programm: Udos Lieder Singen. Der sprechende Hut bekennt sich auch endlich zum Supergrundrecht und schwört den Zeiten ab, in denen er noch davon abhängig war, dem Lumpenproletariat Tonträger zu verscherbeln. (Die Bilder zum Text werden nachgeliefert, sobald unsere KI sie gefaxt haben wird.)

Ewig Gestrige aber bestehen darauf, wenigstens aus ihrer Hauptstadt und in ihrer Landessprache verarscht zu werden. Dabei spricht unsere Seidenbaronin Albrecht-von der Leyen doch Englisch mit einem hervorragenden deutschen Akzent. Aber nein, das mundet den Populisten nicht, die in ihrer wutbürgerlichen Küche einen Brei anrühren, der est recht niemandem schmecken kann. Sie fordern bezahlbare Mieten und Lebensmittel, das Gefühl, irgendetwas selbst bestimmen zu dürfen und eine Vorstellung von Zukunft, die ihnen lebenswert erscheint.

Was soll das denn? Wann hat es das je gegeben, zumal in Krisen? Die Bedürfnisse des Volkes als Ziel der Politik? Solch infame Hirngespinste kann nur der Dämon mit seinen sozialen Medien verbreiten. Das ist doch schon per Definitionem Populismus. Bürger, lasst euch nicht verführen, bleibt demokratisch und folgt den Anweisungen der Autoritäten!

 
trp

Ich habe einmal einem Jungen, den ich vollstationär betreute, viermal seine Bewerbung um ein Schülerpraktikum zurückgegeben mit der Aufforderung, zu lesen, was er da ausgedruckt hatte. Beim fünften Mal ist ihm dann aufgefallen, dass er sich als Mädchen bewerben wollte.

Diese Form der Oberflächlichkeit kann man einem Teenager kaum durchgehen lassen, inzwischen haben wir aber Millionen von Leuten, die es für ihren Job halten, sich von Maschinen irgendeinen Blödsinn zusammenfaseln zu lassen, in dem Glauben, das sei so schon in Ordnung. Als ich neulich bestimmte Klimadaten suchte, fand ich unter einer der Top gerankten Websites Folgendes:

"Der Winter dauert von Ende Januar bis Ende Dezember. Die drei Wintermonate sind Dezember, Januar, Februar und März."

Ist doch prima

Wir leben in einer Welt von Idioten für Idioten, die jüngst ein Spielzeug gefunden haben, das das ohnehin erstaunliche Tempo ihrer Verblödung noch einmal beachtlich beschleunigt. Immer wieder höre ich von Angehörigen der mir ohnehin so ans Herz gewachsenen Mittelschicht, man könne 'KI' (aka Artificial Idiocracy) doch prima für dies und das nutzen.

Selbstverständlich ignorieren sie wie immer sämtliche Studien dazu. Selbstverständlich ignorieren sie wie immer die Entwicklung, die das Gegenteil belegt. Selbstverständlich halten sie sich wie immer für die Chefs im Ring, die alles unter Kontrolle haben. Ja, die Anderen, die können das nicht, aber ich, ich weiß ja, was ich tue – um selbstverständlich zu ignorieren, dass das selbst dann deppert wäre, wenn es so stimmt.

Womit sie exakt dieselben Skills an den Tag legen wie die statistischen Puzzlespieler, deren Simulationen neuronaler Netzwerke auf ihre Weise dem eigenen Schwachsinn durchwälzen, um ihn als Antwort auf eine Frage zu präsentieren. Das obige Beispiel zeigt es doch in aller Deutlichkeit: Die Resultate sind geprägt von Unwissen, Fehlen jeder basalen Logik und elementaren Fehlfunktionen.

Nützliche Idiokratie

Wohlgemerkt gilt das auch und gerade in jedem Fall, in dem ein Text entsteht, den man als sachlich korrekt einstufen kann. Er ist dann sachlich wahr, obwohl schon die Kategorien wahr und falsch für die Maschinen gar nicht operabel sind. Die Maschine ist dumm wie Toast. Was dieser Mist liefert, wird durch jede halbherzig gepflegte Datenbank einer Gang von kiffenden Studenten in den Schatten gestellt, denn dort werden noch Tugenden wie simple Logik, einfache Addition und ein Minimum an Wissen aufgeboten.

Und nein: Die Maschine halluziniert nicht, das kann sie nämlich auch nicht. Sie ackert stumpf nach Vorschrift in totaler Ignoranz ihre Sortierroutinen durch, und ob dabei eine Art LSD-Trip oder profunde Sachlichkeit herausspringt, ist Zufall. Es gibt nur einen einzigen Grund, warum diese horrend energiehungrige Scheiße noch nicht in der Kanalisation gelandet ist: Es steckt ungeheuer viel Kohle drin, und die muss sich noch amortisieren – egal, ob das überhaupt möglich ist.

 
skal

Mal wieder keine Idee. Im Fernsehen spielt Jan Josef Liefers wie immer Jan Josef Liefers. In einer Talkshow, die ich einmal gut fand. Inzwischen quakt dort eine gewisse Charlotte Roche ihr fürchterliches Quaken, grinst ihr gräßliches Grinsen und labert ihr fürchterliches Labern. Was Anne Will und nicht kann, was “ill Maibrit”, wie der Brite sagt, verbrät, ist nichts gegen diese talentfreie Inkarnation des Untergangs von Literatur und Kultur im hiesigen Lalaland. Da guck ich lieber meinen Zehennägeln beim Wachsen zu. Und weil die Welt das nicht besser verdient hat, poste ich heute auch sinnfrei, ein Geschwätz von vorgestern, das ich in meiner Rumpelkammer fand:

Der Kreter, der angeblich gesagt haben soll: „Alle Kreter lügen“, hat der Welt nicht etwa ein Paradoxon hinterlassen, sondern eine Lüge. Abgesehen davon, daß, hätte er wirklich diesen Spruch getan, das Problem mit einer simplen Fallunterscheidung gelöst wäre (er hätte dann eben gelogen), hat der Kreter dies so nie behauptet.

Er meinte vielmehr, und damit hatte er zweifellos Recht: „Alle Schweizer lügen“. Das gilt nicht nur für gewisse Banker, sondern sogar für Paola und Kurt Felix oder DJ Bobo, obwohl diese mangels Verstand kaum etwas hervorzuwürgen wissen, dem man einen Wahrheitswert zuordnen könnte. Gelingt es ihnen aber einmal, lügen sie. Immer.

So ist natürlich auch die Geschichte vom Wilhelm Tell erlogen. Der einfältige Friedrich Schiller, von Fischliebhabern seiner Locken wegen auch zärtlich „von“ Schiller genannt, ist den perfiden Alpensäcken natürlich auf den Leim gegangen und hat den ganzen Mist aufgeschrieben. Wie hieß der Sohn des Tell? Niemand weiß es, es ist auch völlig unwichtig, weil schon der Name „Tell“ aus alter Tradition erlogen sein dürfte. „Tell“ heißt schließlich im Englischen auch „Erzählen“, was ja schon so viel sagt wie „Wer’s glaubt, wird selig“. Neuere geomorphologische Studien haben ergeben, daß wahrscheinlich sogar der Teil der Alpen, in dem die Lochkäsefresser wohnen, eine Fake ist. Und dann diese angeblichen “Städte” Bern, Luzern, Zürich? Was soll das sein? Erstunken und erlogen, billig wie Bergisch-Bielefeld.

Doch zurück zum Tell: Der Vater, also Wilhelm, war tatsächlich einer, der es nicht ertragen konnte, daß ein gewisser Geßler Landvogt war, weil er einen Hut auf einen Stock hängen konnte. Ein Kunststück, das der Rest der gestutzten Bande eben nicht beherrschte. Also wollte der Tell auch ein tolles Kunststück zeigen, nämlich seinem Sohn einen Apfel von der Birne schießen. Unglücklicherweise traf er denselben zufällig genau in der Mitte, als sein Filius, nicht sonderlich klug, weil eben Schweizer, gerade hineinbiß. Der Pfeil sauste darob durch Apfel und Birne, trat hinterkopfs wieder aus und hinterließ einen qiuetschvergnügten Tell Junior.

Das Schauspiel wurde damals beobachtet von einem Badenser Braumeister, der schon aus Vorsicht und Erfahrung nicht glaubte, was er sah. Immerhin inspirierte ihn das dazu, ein Getränk durch Destillation herzustellen, das ähnliche Schmerzfreiheit hinterläßt (jedenfalls vorläufig) wie der Pfeil des Tell sen. beim Tell jun.. Daher heißt das Zeug auch „Apfel- und Birnenschnaps“. Es hat nie einen Apfel oder eine Birne gesehen. Es dient einzig dazu, sich selbst oder mißliebige Gäste wegzubeamen. Schaltet den Schmerz, den Spalt, den Gast ab. Alles andere auch. Sofort.

Ich muß an dieser Stelle spontan eingeschlafen sein oder sonstwie autoimmun reagiert haben. Einiges deutet darauf hin, daß ich rund um das hermetisch abgeriegelte Areal meines Denkschwamms, dem dieser Nonsens entsprang, die Schädelfliesen mit Ätznatron zu schrubben begonnen habe. Bis heute blitzblank, die Ecke. Ich kann mich nicht erinnern, wann, warum und in welcher Absicht ich zu dieser rüden Grätsche gegen mögliche Leser angesetzt habe. Was soll’s, irgendwer sollte wegen irgendwas bluten. Jetzt trifft es halt Blogleser. So ist das nun mal in der Gratisküche, liebe Agenturkunden: Hier wird gelesen, was auf die Tafel kommt. Wenn ihr euch auch partout den Qualitätsjounalismus aus der Oberstadt nicht leisten wollt.

(Irgendwann vor) 2009

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