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Archiv ab 12 / 2013
2005-2013 (alle Beiträge)
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Best of 2005-2013

 
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Ich mag heute einmal über die Dörfer gehen und mit ein paar Andeutungen aus meiner Biographie beginnen. Ein für mich sehr wichtiger Satz ist: "Ich bin kein Opfer". Das hat, wie man unschwer ahnt, mit Gewalterfahrung zu tun. Gewalt in jeder Form war in meiner Kindheit und Jugend eine Art Kommunikationsmittel, und zwar sowohl von Eltern gegen ihre Kinder als auch unter denen. Ich war ein schmales Hemd, aber keineswegs wehrlos.

Dennoch hatte ich einen extrem schweren Stand und habe regelmäßig ordentlich auf die Fresse gekriegt. Das ging so weit, dass jemand signalisierte, man könne damit mein Selbstbewusstsein zerstören. Das war ein wichtiger Moment, denn ich beschloss trotzig, gerade das nicht zuzulassen. Obwohl ich sprichwörtlich an meine Grenze gekommen bin, habe ich mir diese Haltung bewahrt. Ihr könnt mich verletzen, vielleicht töten, aber nicht zerstören. Ich habe Narben und Macken, aber ich brauche keinen Zivi.

Mess with me?

Inzwischen bin ich relativ alt, was zu den ersten Eingeständnissen körperlicher Art führt. Es geht nicht mehr alles, was bei mir Jammern auf extrem hohen Niveau ist, aber eine Erfahrung, die man auch erst mal verdauen muss. Ich habe ein bisschen was auf den Weg gebracht in meinem Leben, das sehe ich, wenn ich die nächste und inzwischen übernächste Generation anschaue. Materielle Reichtümer gingen mir schon immer am Arsch vorbei; was für mich gezählt hat, sind die Menschen, für die ich da bin.

Ich habe Solidarität auch immer so verstanden und bin der Ansicht, dass dies der Kern dessen ist, was 'links' bedeutet: Sich gegenseitig unterstützen; keiner steht über dem anderen und keiner gehört niemandem. Keine Herren, keine Sklaven, keine Hierarchien, keine Diskriminierung. Das ist nicht nur das Ziel einer politischen Agenda, das kann auch gleichermaßen der Weg sein.

Wenn ich also noch immer und immer wieder lese, ich sei als alter weißer Mann® ein geborener Unterdrücker, der Diskussionsgegner "missbraucht", wenn er ihnen widerspricht, werde ich zornig. Wer mir, mit meiner Erfahrung und meinem Werdegang so etwas andichtet, ist mein entschiedener Gegner. Ich bekämpfe solchen Rassismus mit Nachdruck, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich weiß, dass Gewaltopfer eines ganz sicher nicht brauchen: Verwöhnte Mittelschichtsblagen, die deren Erfahrungen verklären, sie im Opfermodus halten und für ihre identitäre Scheiße benutzen.

 
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Was nützt es, in Zeiten wie diesen ständig zu mahnen, zu alarmieren, zu nörgeln und zu warnen? Wenn die Prognosen nicht besser werden und die schlechten von gestern bereits eingetroffen sind, ist es dann nicht erst recht Pessimismus, das alles immer wieder zu kommentieren? Damit schwächt man sich nur. Ich habe in den vergangenen Jahren in Grunde nur schlechte Stimmung gemacht und damit der Sache geschadet.

Es gibt doch nicht nur auch Schönes im Leben, wir leben schließlich auch, um trotz der Unbilden desselben das Große und Großartige hervorzubringen. Das Positive, Inspirierende, das, was einen größer macht und eben nicht kleiner. Wir müssen dahin zurückfinden, was uns stark macht. Ich will meinen Beitrag dazu hier und heute leisten und wieder einmal etwas Positives beitragen.

Und wir können doch

Es geht um Freude, Begeisterung, Spaß, Erfolg, vorwärts Kommen und nicht rückwärts Gehen. Es geht um Freundschaft, Liebe, Freiheit, Es geht um Siege, nicht um Niederlagen. Es geht um Lachen, Tanzen und Feiern. Wir können alles schaffen, wenn wir nur daran glauben. Reden wir uns nicht ein "Das geht nicht.", "Das können wir nicht.", "Das wird schlimm." - der größte politische Erfolg des Jahrhunderts, der etwas für unmöglich Gehaltenes hat Wirklichkeit werden lassen, folgte dem Slogan "Ja, wir können!".

Manchmal ist es eine einfache Entscheidung: Ich will. Ich kann. Ich werde. Verlassen wir das Tal des Jammers und bewegen wir etwas! Schritt für Schritt einer besseren Zukunft entgegen, das ist jetzt einfacher als je zuvor. Wenn Sie diese Begeisterung erleben wollen, Freundschaft, Freiheit, Liebe, dann kaufen Sie heute noch Produkt - ganz einfach für Geld!

Verpassen Sie auf keinen Fall auch Produkt und irgendwas mit Fußball und
Produkt und irgendwas mit Sex!

Produkt - Ich. Bin. Glücklich.

 

Nur Sozialdemokraten an der Spitze konnten diesen Terror decken. Denn jedes andere Regime wäre vor 100 Jahren von der Wut der Massen hinweggefegt worden.

 
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Abb.: Mußeplatz des verhätschelten Autors

Ich bin ja so glücklich darüber, wie das deutsche Verlagswesen meine Interessen vertritt! Als Kreativer® muss ich mir nie wieder Gedanken um meinen Wohlstand machen, sollen Urheber® doch vor den schröcklichen Urheberschaftsdieben geschützt werden. Auch für uns gilt nämlich das Supergrundrecht Sicherheit.

Das erinnert mich an die Krankenschwester, die FDP gewählt hat wegen deren Slogan "Leistung muss sich wieder lohnen". Die dürfte dadurch ähnlich glücklich geworden sein. Kreative® sind derweil obendrein meist studierte Leute, die ja ohnehin nicht wissen, aus welchem Trog sie das ganze fette Fleisch noch fressen sollen. Was ich allein durch die ganzen Kurzfristverträge an Unis verdient habe - wohin nur mit all dem Gold?!

Mit dem Blubb

Was von unseren Profiteuren in die Welt verklappt wird, kann man nicht mehr Narrativ nennen, das ist im Grunde schon für Propaganda zu blöd. Das Maß, in dem wir verkaspert werden, wird auf das Level 'Endgegner' gehievt, wo man den Betroffenen selbst verzapft, wie gut es ihnen eigentlich geht und was nicht alles für sie getan wird. Es wäre inzwischen aber wohl anmaßend, etwas anderes zu erwarten.

Wir hätten es von den Schweinen lernen können: Die sind schließlich auch alle glücklich, ganz offiziell. Alles kleine Grinseschweinchen, die uns mit großen Augen ihr Glück entgegen strahlen. Wer wäre auch nicht glücklich - eingepfercht, mit Müll vollgestopft, mit Pillen gemästet, im stickigen Karren zur Tötungsfabrik deportiert und nach stundenlangem Warten im Gequieke der Artgenossen endlich abgeschlachtet? Es kommt immer auf den Vergleich an.

Da muss man als Kreativer® fast neidisch sein, aber ein paar Punkte machen wir auch: In seinem eigenen Namen vereimert, verwertet, ausgebeutet und wenn man es wagt, nicht nur selbst zu publizieren, sondern dabei einen Link mit zu viel Zitat zu setzen, auch noch ruinös abgemahnt. Und jetzt sind wir auch noch diejenigen, für die alle Welt zensuriert werden soll. Ich fühl' mich saugut!

 

Das Projekt BER wird endgültig eingestellt.

 

Schon wieder Erster.

 
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Soziale Marktwirtschaft, nichtwahr, das ist dieser Trick, mit dem aus dem Bösen (Kapitalismus) das Gute (siehe oben) wird. Arbeit und Kapital versöhnt, staatliche Kontrolle und kapitalistische Freiheit versöhnt, Umwelt und Kapital versöhnt, alles versöhnt. Nun, dann wollen wir mal tun, was dieser Trick so tut, nämlich 'Nachhaltig' und Kapital versöhnen. Die Idee: Wir verbieten ab sofort das Schürfen neuer Rohstoffe für die Produktion. Kunststoffe, Metalle, seltene Erden, die ganze Materialschlacht, haben ab sofort aus Müll destilliert zu werden.

Ja sicher, das geht, und ich bin ebenso so sicher, dass da draußen eine Menge grüngewaschener Sozen glauben, das wäre wirklich eine gute Idee. Dolle Sache! Die Idee ist derweil in der real existierenden Wirklichkeit kompletter Quatsch. Wer es noch nicht bemerkt hat: Selbst solche Petitessen wie Erbschafts- und Vermögenssteuern sind kompletter Quatsch. Warum? Weil sie keiner will, ihr Dödel! Seit Jahrzehnten niemand, der irgendwo regiert hat. Warum? Das zweite Warum ist immer die falsche Frage.

It's A Feature

Sie tun es nicht, obwohl sie es können. Ich könnte das jetzt auch erklären, aber es ist einfach zu müßig. Wie lange muss ein System dieselben Dinge tun und lassen, bis wirklich alle gemerkt haben, dass genau darin das System besteht? Ich weiß: Ein paar Tage länger als ewig. Macht nix, machen wir halt danach weiter mit den guten Ideen.

Proben wir nunmehr den Relotius rückwärts (Merkt ihr? Es sind Relotius-Wochen. Der Mann hätte einen Preis verdient!) und kommen zu einer Anekdote: Als ich noch jung und hässlich war, wurde ich beim Trampen einmal von einem Anzugträger mitgenommen, der mich vollblubberte und zu einem Bier einlud (nee, der wollte nix weiter außer mich vollblubbern). Er erklärte mir, wie man Kapital und Umwelt ... ihr ahnt es schon. Sprach von Recycling und wie uns das alle grün und glücklich machen würde und von einem völlig unbekannten Projekt namens "Duales System". Heute schon Joghurtbecher geduscht?

Was geht

Damit Schluss mit dem Geschwätz und zurück zum Inhalt: Wo immer Kapital versöhnt hat, sah es nachher noch trostloser aus als vorher. Wo immer Staat Kapital 'kontrolliert' hat, war es kurz darauf wieder umgekehrt. Ihr wollt das ändern? Okay, wie ist euer Vorschlag? Kontrollieren? Versöhnen? Ja prima! Setzen, der Abdecker kommt gleich. Wie sähe hingegen eine wenigstens nicht vollkommen illusorische Lösung aus?

Ich schlage vor, wir versuchen es einmal mit Kommunismus. Sagt, was ihr wollt, aber der hat wenigstens - darum heißt der übrigens so - immerhin mal real existiert. Und wer ihr jetzt meint, man habe mir das Oberstübchen quer tapeziert, dann schleudere ich euch mannhaft entgegen: Ich habe außerordentlich hohen Kontakt zu werktätigen Menschen, die ich selbstverständlich auch alle liebe.

 

"No Future" war unser Lebensmotto,
wir haben trotzdem freitags blaugemacht.

#punksnotdead

 
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Ist das nicht eine wunderbar grauenhafte Überschrift? So etwas muss man sich leisten können. Ich war eben in Früher® unterwegs, meinem Blogarchiv, bei dessen Lektüre mich so oft das Gefühl überkommt, unter all dem, was früher besser war, wäre auch meine Schreibe zu verorten. Ist aber gar nicht so. Kommentare zum politischen Tagesgeschäft und deren journalistische Begleitung sind oft einfach nur öde. Dennoch will ich heute wieder einmal einen Artikel würdigen.

Das ehemalige Magazin "Spiegel" stellt nämlich eine Frage, die richtige sogar an der richtigen Stelle. Sodann wird die ganze Chose in das Schwarze Loch der eigenen Geschwätzigkeit gezogen, das ich eben "Relotius-Singularität" nennen will. Was dabei herauskommt, ist ein Haufen Irrelevanz, der sich wie ein Verblödungs-Tsunami über den Leser ergießt.

Nicht wichtig

Es geht um die Pflege in Deutschland. Milena Hassenkamp fragt: "Oder sollte man nicht lieber die Arbeitsumstände so verbessern, dass auch Menschen in Deutschland den Job machen wollen? Mit einem besseren Gehalt? Oder geringerer Belastung?" und kommt zu dem Schluss: "Für Pflegekraft Anastasija stellen sich diese Fragen nicht." Damit ist das Thema also erledigt. Puh!

Was erfahren wir zum Komplex, wie ist die Sachlage, was die Argumente? Für die preiswürdige Topjournalistin folgende: Sie 'berichtet', wie das Wetter ist, wie Anastasija aussieht, wie sie sich schminkt, woher sie kommt, welche persönlichen Beziehungen sie pflegt, ihre Essgewohnheiten, bla bla BLA. Und eben, dass sie sich nicht fragt.

Vergessen Sie es!

Dafür antwortet eine angebliche Pflegedienstleiterin: "Wenn ich die Stellen nicht besetzen kann, werden die Arbeitsbedingungen schlechter ...". Die Arbeitsbedingungen werden also schlechter, wenn man nicht Lohndrücker einstellt, was dazu führt, dass die Arbeitsbedingungen schlechter werden. Da kann man nichts machen. Aber Anastasija interessiert das eh nicht, und die ist ja das Thema hier.

Angesichts solch erbärmlicher Propaganda wundere ich mich nicht, wenn Geistesgrößen mit vergleichbarer Kapazität den Schluss ziehen, man müsse sich gegen Ausländer wehren, die vom Merkel-Regime hergelockt werden, um den Volkskörper zu schwächen. Und überhaupt: Wer nicht für Anastasija ist, ist gegen Anastasija. Wie komme ich jetzt darauf? Worum geht es gerade? Moment, nur ein Werbespot, dann geht es weiter!

 

Logisch betrachtet, ist das Schlechteste extrem gut.

 
Wer das nicht versteht, hat lebenslänglich Kommentarverbot. säzzer

 

Ein Teil von jener Kraft,
die stets das Böse will und stets das Gute schafft

Bekannter Undichter

Unter allen Herrschaftstechniken, zumal denen westlicher Prägung, ist die Drohung mit dem Chaos eine der wichtigsten. Im heimischen Narrativ sind die Rollen dabei wie eisern vergeben: Linke Chaoten® und das konservative Bollwerk, das die Nation vor dem Untergang rettet. Wir hatten das in mindestens einer Diskussion hier am schon antiken Beispiel des Thukydides*, der sich schon vor 2500 Jahren dieser Vision bediente, um die Athener vor den fremden Teufeln zu schützen.

Bis heute wird das vor allem von Reaktionären georgelt - mir klingt noch die Warnung vor dem schlimmen "Rot-Grünen Chaos" im Ohr, aber bis weit hinein in sich als 'links' bezeichnende Kreise wird immer wieder der Segen der Ordnung gegen den Fluch des Chaos' in Stellung gebracht. Welch ein grotesker Unsinn! Es gibt immer nur diese oder jene Ordnung, in die die Welt sich einfügt, auch und gerade die der Menschen.

Hui Buh

Nehmen wir kurz einmal die schlimmste aller Unordnungen an, die, wo kein Staat existiert. Das ist einerseits bekannt als "Anarchie", die gern verklärt wird, etwa mit Hinweisen auf das Spanien der 30er Jahre. In diesen fehlt dann meist schon der auf die nicht ganz unlogische Folge, dass sie zwischen Faschisten und Partei-'Kommunisten' zerrieben wurde. Es gibt aber auch andere, überall da, wo Warlords, Kartelle oder Tyrannen übernehmen.

All dies sind Ordnungen. Man kann sie beschreiben, wie sie funktionieren, wie sie strukturiert sind, was sie stabil macht und wo ihre Schwächen liegen. Vermutlich wird dabei jeder kleine Despot in seinem kurzlebigen Miniaturreich vor dem Chaos der Anderen warnen. Dessen Schrecken hat vor allem einen Zweck: Nichts darf so schlimm sein wie der Niedergang der Ordnung, wodurch alle denkbaren Mittel zu deren Aufrechterhaltung gerechtfertigt sind.

In einer sogenannten "Demokratie" wird das irgendwann wahlweise komisch oder pervers. Da wird ein Volk, das offiziell über sich selbst herrscht, in Gruppen zersprengt, von denen immer mehr zur Gefahr erklärt werden. Global betrachtet, wird es vollends absurd, wenn nach innen und außen Gleiche gegen Gleiche gehetzt werden, weil das angeblich in deren Interesse sei. Was Reaktionäre als "Chaos" bezeichnen, ist mithin nichts anderes als der Verlust der Macht aus den Händen derer, die sich daran festkrallen.

*Lange habe ich bei solchen Gelegenheiten Wikipedia verlinkt, aber diese Quelle ist so verkommen, dass ich darauf inzwischen verzichte.

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