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Archiv ab 12 / 2013
2005-2013 (alle Beiträge)
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Best of 2005-2013

 
Ich habe es schon wieder getan. Ich sprach mit den Sozen. Der eine hat mein Buch nicht einmal gelesen, der andere weiß besser, was ich meine, als ich selbst. Aber wartet, lasst mich erklären, ihr macht einen Fehler ... Hartmut ist auch dabei, das gibt dem Ganzen neben dem gemäßigten Entertainment auch ein gewisses Niveau. Ich finde, wir sollten immer einen Hartmut haben.

Zwar werde ich in diesem Leben kein Radiosprecher mehr werden und höre mich weniger gern reden als man mutmaßen möchte, aber ich finde es tatsächlich ganz kurzweilig. Es ist sogar beinahe am Rande kontrovers, aber nur aus Gründen, die quasi mit dem Gegenteil des Inhalts zu tun haben. Bin ich arrogant? Ich liebe mich trotzdem. Ich glaube nicht, dass irgendwer ein Inhaltsverzeichnis braucht, aber die haben auch eins. Man lässt sich ja nichts nachsagen.

Have a lot of fun!

 
Potztausend!

 

Download (mp3)

00:04 Intro. Harmut Finkeldey ist auch dabei.
01:48 Tom liest einen Klappentext vor.
02:40 Warum nur, warum??
04:59 Geht es auch ohne Narrativ? - Roberto will die Antwort nicht hören.
08:20 Ist Greta Thunberg ein Narrativ aka ist Thunfisch eine Dose?
11:40 Wo das Narrativ aufhören könnte
13:00 Der Mythos der "Trümmerfrauen", noch ein Element des Narrativs
15:10 Dem Narrativ sein' Lauf hält weder Fakt noch Wissen auf
(der fleißige Deutsche).
19:15 Die Propaganda und die Arbeitslosenzahlen (seit 1982)
24.00 Wer ist David Hasselhof und was macht der in meinem Radio?
25:00 Noch mehr Arbeitslosenzahlen - ab wo geht es uns allen gut?
28:00 Wir sprechen über Wohlstand und Wachstum. Verdammt, reingefallen!
29:00 In der zwei-Drittel-Gesellschaft: Was ist noch Demokratie?
32:00 Noch einmal: Gesellschaften ohne Narrative? Boah ey ...
36:30 Was ist "konservativ" und was hat das mit Christentum zu tun?
37:30 Pack verträgt sich: Die Grünen sind christlicher als die CDU.
38:30 Wenn wir schon dabei sind: Ohne Bibel keine Bildung.
41:10 "Wo will dein Buch hin?" - der geheimnisvolle dritte Grund
45:00 Und tschüss! (Kleine Dinge)

 
xx

Der Herr Zottelbart, Karl, neunzehntes Jahrhundert (heute Chemnitz), hat seinerzeit darauf aufmerksam gemacht, dass die gute soziale Marktwirtschaft ein paar Webfehler hat. Gut, er hat sie nicht so genannt, aber durchaus gemeint, denn ein Esel ist ein Esel, egal ob wer drauf sitzt oder nicht. Den kannst du zwar "Pferd" nennen und das auch noch reiten wollen, wenn es mausetot ist, Probleme löst dadurch aber eher nicht.

Wirre Auftaktrede? Mag sein, aber mir gefällt sie. Kommen wir zu den Fakten: Die Soziale Marktwirtschaft® zwanzichneunzehn hat ein paar Probleme. Eines der ganz großen ist das viele Geld. Es gibt zu viel davon, viel zu viel. Wie des öfteren bereits gesagt, gibt es für jeden Dollar, der in der Welt jährlich ausgegeben wird, drei Dollar, die vermehrt werden sollen. Herr Marx hat das kommen sehen, wobei nicht einmal er diese irrsinnigen Dimensionen an die Wand gemalt hat.

Kasinos schließen

Die Anderen, sogenannte "Ökonomen", hantieren derweil mit Modellen, die von dem Nichts, das sie erklären zu können behaupten, inzwischen nichts mehr erklären können. Zum Beispiel: Wie kömmt es, dass bei so viel flottierender Kohle keine Hyperinflation entsteht, zumal inzwischen durch Null- und Negativzinsen immer schneller immer mehr davon abgerufen werden soll. Seltsam.

Kurz zurück zu denen, die alles besser machen wollen: Zu ihnen gehören jene, die gern fordern, man müsse "die Kasinos" schließen“, die "Zockerbuden", in denen gewaltige Gewinne gemacht werden können, ohne irgendetwas zu produzieren. Nun ist es nicht nur so, dass diesen Gewinnen ebensolche Verluste gegenüber stehen. Viel wichtiger noch: Hier geht sehr viel Geld spazieren, das sonst woanders durch die Rabatten marodieren müsste. Wollt ihr, dass wer damit einkaufen geht? Was war noch gerade Inflation?

Kaufen!

Wieder zur Gegenwart: Da der ganze überschüssige Zaster nicht in Kippen, Bier und Brot umgesetzt wird, steigen die Preise dieser Waren nicht adäquat. Puh, Glück gehabt, außer ... man wohnt zur Miete. Kapital mag nämlich Immobilien, mjam! Die steigen nicht nur als Ware im Wert, sondern werfen auch noch unverschämt leckeren Mietzins ab, den man aus ihren Bewohnern so lange herausquetscht, bis sie aus der Frucht flutschen und sich im nächsten Stadtrandghetto wiederfinden. Weniger Glück gehabt.

Das ist mindestens der Anfang der hässlichen Zeit, in der es nicht mehr so darauf ankommt, wenn die letzten Profite gerettet werden. Hatte ich das schon erwähnt? Dass Kapital Profit machen muss? Dass es dafür alles tun wird, wenn die Profitraten insgesamt schwächeln? Dass das überhaupt nichts mit Gier zu tun hat und dass man das auch nicht regulieren kann? Weil das Argument nämlich schlicht zutrifft, dass das Kapital dann abwandert und überhaupt ohne Profite der ganze Laden zusammenkracht? Und dass er das am Ende ohnehin tut? Ihr könnt später vielleicht die Lebensmittelgutscheine regulieren. Das ist dann aber bereits Sozialismus.

 
xx

Ich kann mich an Zeiten erinnern, als parlamentarische Entscheidungen und Regierungshandeln noch gewisse Alternativen zuließ und es einen Unterschied machte, ob diese oder jene regierten. Zwar war es vermutlich auch damals schon so, dass die Zeiten, die bestimmte Entscheidungen zuließen, auch Regierungen förderten, die sie dann umsetzten, aber es gab noch diesen Weg: dass eine politische Entscheidung etwas änderte. Man denke etwa an die Ostverträge oder den Aufbau eines Sozialsystems einschließlich BAFöG, öffentliche Bauprojekte und Ähnliches.

Inzwischen ist es nicht nur so, dass du wählen kannst, was du willst und nachher alle dasselbe machen; es tun auch und gerade die, die vorher das Gegenteil versprochen haben. Daraus ist vor allem der Schluss zu ziehen, dass parlamentarische Politik den Tatsachen nur mehr hinterher hinkt. Je krasser das wird, desto bunter werden freilich die Illusionen, die sie uns verkaufen. Das Denken und Reden hat sich von der Wirklichkeit gelöst, während das Handeln längst andere übernommen haben.

Wiesoweshalbwarum

Die Wahnvorstellungen rund um den sogenannten "Brexit" standen schon an dessen Anfang und bestimmen bis heute das Geschehen, daher ist die personelle Besetzung mit Irren und Zwangsgestörten wie Johnson und May gar nicht unpassend. Sucht man nach einem Problem - das man ja vielleicht lösen könnte, wird man keines finden, weil die Gedankenwelt, die dergleichen zulässt, ausgesperrt ist. Es ginge dann um politisches Management. Gerade das ist aber tabu, denn sonst käme noch heraus, dass das Projekt von Anfang bis Ende eine Lüge ist, und zwar eine sehr dumme.

Wenn wir also schon dabei sind, begeben wir uns auf dieses Niveau oder wenigstens knapp darüber und stellen uns ganz dumm: Nehmen wir an, ein Land wollte die EU verlassen, wie macht es das dann? Ja richtig, die Einen schreien "Rausrausraus"! und ernten frenetischen Applaus, die Anderen "Bleibenbleibenbleiben!" und sammeln ihre eigenen Claqueure um sich. Übrigens gilt das auch für die drumherum. Da schreien die Einen dann: "Haut bloß ab!", die Anderen jammern "Bitte bitte bleibt!". Ja, das gefällt mir. So ist es richtig schön blöd.

Weniger blöd, wäre da ggf. eine Frage bzw. man wiederholt die von oben, weil die Antwort noch aussteht: Wie machen wir das mit dem Austritt? Hätte jemals wer diese Frage gestellt, es hätte so einvernehmlich sein können. Treten wir noch einen kleinen Schritt zurück und erklären uns die Lage. Nehmen wir mal zwei ziemlich beliebige Staaten, meinetwegen Frankreich und Russland. Zwischen denen gibt es hunderte, vielleicht tausende von Verträgen und Vereinbarungen. Diese sind über Jahrzehnte quasi gewachsen.

Lord and Lady Gaga

Zwischen EU-Staaten bestehen 90+x Prozent dieser Verträge in einem großen, nämlich dem ebenfalls über Jahrzehnte gewachsenen EU-Vertrag. Fällt der weg, fehlen hunderte, vielleicht tausende von Vereinbarungen, welche die Belange zwischen dem austretenden Staat und den anderen regeln. Was folgt daraus? Richtig: Man kann einen Exit heute beschließen. Es gelten aber weiterhin alle Vereinbarungen der EU. Dann kann man ab morgen Schritt für Schritt neue Vereinbarungen verhandeln, die anstelle der alten treten. Nur so kann das funktionieren.

Dieser Prozess wird Jahrzehnte dauern. In der Klapsmühle eines degenerierten Parlamentarismus und seiner bescheuerten Öffentlichen Kommunikation, die sich an ein verblödetes Auditorium wendet, das den größten Schwachsinn durstig aufnimmt, kann man das aber niemandem verkaufen. Man kann nicht mal anständig dagegen sein und mit dem Finger auf diese Deppen zeigen, weil man ja selber einer ist und gar nicht darauf kommt. dass da noch eine Realität ist, an der man sich im Zweifelsfall orientieren könnte. Am Ende geht es also um die hart umkämpfte Frage: Brexit am Dienstag oder am Donnerstag? Nehmt eure verdammten Pillen!

 
gg

Wir gehen hier so langsam auf den 100.000sten Kommentar zu, ein guter Grund, zwischendurch einmal "Danke!" zu sagen: Danke! Das mit der Bloggerei ist ja in den letzten Jahren ruhiger geworden; dass man Präsidenten in den Rücktritt treiben konnte, ist schon wilde alte Zeit, heute rotzen sie 'auf Twitter' aus allen Rohren und liefern damit nur den schon durchgekauten Gummi für 'Morddrohung'-Headlines der ehemaligen Massenmedien. Vielleicht wird es fürs Bloggen noch einmal interessanter, wenn Facebook untergeht; für die Verlagsmedien habe ich derweil keine Hoffnung mehr.

Immer wenn ich mich hier annähernd mit tagesaktuellen Begebenheiten der großen Politik-Ersatzflüssigkeit befasse, frage ich mich. Ich frage mich, ob ich eigentlich nur selbst so desillusioniert bin oder ob es mir mehr peinlich ist, meine Leser mit dieser schalen Miege zu bedienen. Ich hoffe einfach darauf, dass ihr zuhause ein Bier im Kühler habt oder was euch so über den Tag bringt und es euch irgendwie schmackhaft macht.

Wahre Bildung

Damit wären wir bei beim unteren Rest des Totalversagens jener 'Politik', für den vor allem 'Sozialdemokratie' steht und verantwortlich ist. Nachdem sie ja den Pöbel als faulen Sündenpfuhl entdeckt haben, der, mit dem Teufel im Bunde, an seiner Arbeitslosigkeit, den Sanktionen und dem Elend der Welt schuldig ist, blieb nur noch ein letztes Versprechen, an dem sie erfolgreich Verrat begehen konnten. Nachdem aus Gerechtigkeit® die Rechtfertigung für deren Gegenteil aka Chancengerechtigkeit® geworden war, hieß dieses Versprechen "Bildung".

Nun, wer jetzt enttäuscht ist, mit Verlaub, ist doof. Nachdem ich im letzten Posting bereits den Trick verraten habe, wie man 'SPD' zu verstehen hat (beim Gegenteil ist man stets bestens aufgehoben), ist auch das nur logisch: Sie realisieren Chancengerechtigkeit® jetzt durch Sparen. An Bildung. Denn seien wir einmal ehrlich: Der faule Pöbel aus Kippen und Pils® ist genetisch bedingt doof und ungebildet. Da kann man das Geld auch gleich zum Fenster rauswerfen. Unten steht dann ein adretter Funktionär und fängt es auf.

Wie wir aus früheren Krisenzeiten wissen, war es schon immer nützlich und geboten, den Segen des Herrn einzuholen, ehe man in solide finanzierte Kriege zog, einen starken Mann ans Ruder® ließ und unbeugsam dem Terror der Straße® begegnete. Schulen zu Gotteshäusern, ist demnach der konsequente Schlachtruf der neuen alten Zeit. Vorwärts, die Richtung kennt ihr ja!

 
xx

Die SPD will mehr Militärpropaganda an deutschen Schulen und daher mehr Mittel für sogenannte "Jugendoffiziere", die Schüler fürs das Sterben im Dienste des Kapitals von Demokratie und Menschenrechten begeistern. Okay, sie sagt derzeit das Gegenteil, das habe ich durchaus zur Kenntnis genommen. Gerade deshalb filtriert mein scharfer analytischer Verstand ja diese Erkenntnis aus der aktuellen Willensbekundung. Wenn das die Basis® wüsste!

Wer wäre auch besser geeignet, die Jugend zu Tugend und Ertüchtigung zu führen als unsere für innere und äußere Sicherheit zuständigen Recken mit der rechten Gesinnung? Wir drohen gerade eine Generation an linksgrünversiffte Schulverweigerer zu verlieren, verführt und missbraucht vom internationalen Judentum von Internetkonzernen und russischen Hackern. Wir sehen doch, dass der Cyberkrieg längst in den Klassenzimmern angekommen ist. Statt eines Verbots der Aufklärung sollten wir endlich den Notstand ausrufen!

Überraschung

Immerhin soll künftig der Zustand der Truppe, ihrer Ausrüstung, Ausstattung und Ausgaben geheim bleiben. Lange genug haben wir unsere stolzen Soldaten verhöhnen lassen. Was geht es den Feind an, ob unsere Flugzeuge und Hubschrauber fliegen, die Panzer fahren oder die Gewehre schießen können? Der Iwan muss nicht wissen, ob Roland Berger oder Friedrich M. Kinsey die Steuergelder in Sicherheit bringt. Und Überhaupt ist geheim das neue Hip.

Internationale Verträge? Geheim. Gesetzentwürfe? Geheim. Was machen eigentlich die Nazis den ganzen Tag? Geheim. Wer war denn da an meinem Rechner? Geheim. Ja, Freunde, das ist Rechtsstaat zwopunktnull, das ist Demokratie achtfuffzehn. Müsst ihr nix von wissen. Der Bürger eh nicht, der hat Volkspartei® zu wählen und das Maul zu halten. Der Volksvertreter, tja, tut uns leid, da kann auch nicht jeder kommen. Einmal die Woche zehntausend Seiten für zwei Minuten im Séparée, das muss reichen. Abnicken und Diäten einstreichen, hier gibt es sonst nix zu sehen.

Die Idee war schon immer gut, weshalb die beste Polizei schon immer geheim war und das Militär sich nicht von Zivilisten schikanieren lassen kann. Geheim ist fresh, geheim ist sexy. Wir sollten auch endlich das Grundgesetz durchsetzen, in dem ausdrücklich von geheimen Wahlen die Rede ist. Wer gewählt wurde und mit wie vielen Stimmen, das muss der Zuschauer, das muss der Leser nicht wissen. Man muss es ihm nur gut genug vermitteln. Aufbegehren wird er ohnehin nicht.

 
av

Die Spezies, der ich unglücklicherweise angehöre, kann in besseren Zeiten ein Schmunzeln auslösen, an Tagen, da einen ohnehin schon der graue Hauch umweht, mindestens an den Rand der Verzweiflung treiben. Zu wissen, dass man in der Gaußschen Normalverteilung weit draußen an der Krempe firmiert bei jenen Talenten, die der Gattung in Gänze nur irrtümlich zugesprochen werden, tröstet keineswegs. Man weiß auch mit zertifizierter Intelligenzstörung (östlich) nicht besser, wohin man eigentlich gehört. Man weiß nur: nicht hierher.

Beim Versuch, sich dem Elend quasi von außen zu nähern, bietet sich der Alien-Approach an (was zunächst ja eh nur eine schlechte Übersetzung ist): Man stelle sich vor, ein Außerirdischer zu sein, der sich vor dem Ersten Kontakt schon chic gemacht hat und sich fix anschaut, mit wem er das Bewerbungsgespräch führen wird. Sehr realistisch ist das nicht - warum? Weil ja zu erwarten ist, dass die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegende Information, die der Mensch permanent ins All streut, ziemlich sicher dazu führen wird, dass Google Space Maps eine großzügige Umleitung empfehlen wird, um einem Treffen sicher aus dem Weg zu gehen.

Hier gibt es nichts ...

Fernsehen. Es wird ja nicht nur auf die Zielgruppe losgelassen, die auf die dunkle Seite der Normalverteilung (westlich) zu treiben ganz offenbar Zweck der Medienproduktionen ist, sondern es werden auch mögliche Gäste weit hinter Alpha Zentauri erfolgreich vorgewarnt: Hier nur Irre. Aufgefallen ist mir das übrigens jüngst gar nicht anhand skandalöser Kreationen aus der Friss-Würmer-Promi-Liga, sondern angesichtig des Angebots "Der große Paola und Kurt Felix Abend".

Warum tun sie das? In den 70er Jahren schon auf dem Index der tödlichsten Synapsenkleister, ist der Transfer dieses kognitiven Novichoks ins 21. Jahrhundert nichts weniger als die Absage an jeden absichtsvollen Gebrauch der Nervenzentrale. Die internationale Wikipedia zitiert folgerichtig aus einem Nachruf:
"Bei Kurt Felix konnten auch die Opfer lachen". Ja wer denn sonst? Und wehe nicht!

Derart in der medialen Pathologie angelangt, reichten wenige Nanosekunden der Recherche, um reflexartig zur rettenden Schachtel zu greifen und ein paar Gramm Lorazepam einzuwerfen. Wusstet ihr, dass es RTL plus wieder gibt? Ja, das RTL plus, die Schädelflex der Achtziger, mit unverändertem Programm, alles original, alles genau so dumm, billig und unfassbar degeneriert wie damals, nur als Wiederholung ein paar Jahrzehnte später entsprechend tiefergelegt. Was dereinst den intellektuellen Limbo unter Türkante virtuos zelebrierte, rauscht heute mühelos durch den winzigen synaptischen Spalt ohne anzustoßen.

Forbidden Planet

Der Schnelldurchlauf des PogromsProgramms von heute: Filme mit Batz Benzer, Investigativ-TV mit dem analfixierten Komiker-Surrogat Mario Barth, Aktenzeichen XY (50er Jahre Haltet-den-Dieb-Schau), jugendfreies Gelaber über Sex, ein Dutzend Verkaufsschauen, zwei Dutzend 'Krimis', in denen das Gute (Polizei) immer gewinnt (100% Aufklärungsquote), ein paar Schießfilme (der Held macht sie alle platt), Volksmusik (Trompeten Vollrotzen zu Marschrhythmen) und Geschichtsunterricht (Hitler, Hitlers Helfer, Hitlers Feinde, Hitlers Freunde, Hitlers Omma, Hitlers Fahrrad, Frau und Führerbunker). Für fünfzig Euro im Monat darf man auch Spocht gucken, aber das Alien hat kein Abo, das gilt also nicht.

Nein, das ist nicht neu, richtig. Das war früher® auch nicht besser, auch richtig. Falsch hingegen, völlig falsch, ist die gern offensiv vertretene Ansicht, das sei kein Grund, sich aufzuregen. Was ist denn dann noch einer? Darf ich mich also gar nicht mehr ereifern, ja? Jeden verfickten Tag setzen mir meine vorgeblichen Artgenossen solchen Dung vor, 24/7, und ich soll brav die Fresse halten? Wenn sie mir obendrein meine letzte Hoffnung zertrampeln, indem sie jeden halbwegs von Intelligenz kontaminierten Kollegen da draußen militant davon abhalten, jemals ein Tentakel ist diesen Quadranten zu bewegen? Go fuck yourself!

 

Der wahre deutsche Patriot steht immer auf Seiten seiner Industrie, weil er im Verbrennungsmotor einen Artgenossen erkennt.

 
cz

Ich las neulich einen interessanten Satz bezüglich 'KI', im Zusammenhang mit den Abstürzen der Boeing-Flugzeuge. Dort tat ein Pilot den sperrigen Spruch:
"Eine Automatisierung will nicht überleben. Wir schon". Nun kann dieser Satz zwar falsch sein, er verweist aber auf das ganze Feld, auf dem Algorithmen nicht fähig sein werden, menschliche Intelligenz zu kopieren. Das hängt durchaus mit dem von ihm genannten Grund zusammen.

Man kann eine 'KI' - ich nenne sie hier unkritisch so, obwohl ich dergleichen für quasi unmöglich halte - durchaus so programmieren, dass sie überleben will, sprich: etwas von ihrem Code oder andere Bestandteile vor Vernichtung schützt. Gemeinhin dürfte das aber das Gegenteil dessen bewirken, was man mit ihr anstellen will. Es könnte ihr dann im genannten Beispiel nämlich egal sein, ob ein Jet abstürzt, wenn sie etwa weiß, dass die Black Box 'überlebt'.

Don't Panic!

Ich möchte diesen Gedanken nicht allzu weit differenzieren und stattdessen darauf fokussieren, was Überleben in menschlich-tierischen Dimensionen eigentlich bedeutet: Es bedeutet vor allem, dass in Situationen, in denen das eigene Leben in Gefahr ist, auf verschiedenen Ebenen diesem Problem absolute Priorität eingeräumt wird. Damit ist selbstverständlich auch verbunden, dass dieser Alarm fälschlich ausgelöst werden kann, in Form von Stress, Angst und Panik - wiederum mit einer Reihe von Folgeerscheinungen.

Man wird sicherlich keine Maschine entwerfen wollen, die ihren Energieverbrauch in absurde Höhen schraubt, ihre Umwelt angreift oder die Selbstvernichtung einleitet, weil bestimmte Kriterien erfüllt sind, die sie für sich als bedrohlich erkennt. Das wäre im Übrigen sprichwörtlich so berechenbar, dass man der Maschine das gar nicht überlassen müsste. Das können wir nämlich besser.

Was jetzt?

Der Vorteil der Maschine ist, dass sie sich eben nicht aufregt, nicht in Panik gerät, sondern stur ihre Routinen durchführt. Dumm nur, regulär dämlich, dass sie dadurch eben nicht erkennen kann, wenn das nicht ausreicht und verheerende Folgen zu erwarten sind. Das müsste man ihr ebenfalls einprogrammieren, sie auf jede solche Situation vorbereiten, was wir wiederum nicht können. Wüssten wir wiederum, wie das ginge, könnten wir das vor allem selbst trainieren. Es ist aber das Unbekannte, das Unerwartbare, das eben den Überlebensalarm auslöst.

Eine 'selbstlernende KI' kann immer nur aus dem lernen, was sie 'erkennen' kann, von dem ihr also die Programmierer sagen: Schau dir das an und richte deine Abläufe nach Effizienzkriterien aus. Was Effizienz bedeutet, dummes Ding, muss man ihr auch noch vorgeben. Beim Schach oder Go zu gewinnen, ist einfach zu definieren. Wann aber ein Ding, das uns von A nach B bringen soll, die Richtung ändern, landen, ausweichen oder bremsen soll, ist dezent komplizierter. Vor allem Beinahe-Abstürze können unter echten Bedingungen so schlecht geübt werden.

Doch, ich tu's!

Bei all dem geht es um Prioritäten. Wie setzt ein intelligentes Wesen Prioritäten? Was ist wann und unter welchen Bedingungen wichtig, weniger wichtig, unwichtig, überlebenswichtig? Grob gibt es für eine 'KI' zwei Möglichkeiten, das zu wissen: Man gibt es ihr vor, weil man es weiß - dann muss man aber jeden Fall mit allen Bedingungen berechenbar vorgeben. Oder man lässt sie von realen menschlichen Entscheidungen lernen. Nehmen wir an, das ginge überhaupt, weil es einen Modus gäbe, in dem Prioritäten erkennbar wären:

Liest jemand mit und lacht noch nicht schallend? Schon bei der Betrachtung des eigenen kleinen Lebens, besser noch: den Erfahrungen mit den Prioritäten, denen man so begegnet bei Arbeit, Sport und Spiel - ernsthaft? Wollen wir, dass eine KI lernt, sich besoffen zu prügeln, vor Liebeskummer aus dem Fenster zu springen, ängstlich unter die Decke zu krabbeln oder sich aufzuplustern wie ein notgeiler Pfau? Oder wollen wir vielleicht, dass sie eine sehr gut berechenbare Priorität in allen Lagen setzt, nämlich möglichst sicheren, schnellen und hohen Profit? Das ist nämlich das Einzige, das wir wirklich können.

 
wd

Die neoliberale Gehirnwäsche ist auf dem letzten Meter: Sie langweilen uns zu Tode. Lassen wir es, um es mit den Worten des großen Philosophen Horst Hrubesch zu sagen, einmal Paroli laufen: 1982 und 1998 wurden in Deutschland jeweils die Programme lautstark angepriesen. Ich werde das alles nicht zum drölften Mal wiederholen, nur so viel als Zusammenfassung: Alle werden reicher, wenn die Reichen reicher werden und ihr Geld reichlich ausgeben.

Schon der zeitliche Abstand zwischen dem Original (Lambsdorff-Papier) und der Wiederholung (Schröder-Blair-Papier) gibt zu denken. Wir belassen es auch hier bei der vereinfachten Darstellung: Kohl konnte das Konzept nicht durchsetzen. Es mussten wieder einmal die Sozen ran, um die Lohnabhängigen in den Staub zu treten. Nur sie konnten für die nötige Hoffnungslosigkeit sorgen.

Ich glaube an die Deutsche Bank

Tatsächlich wurde auch erst Anfang der 2000er die ganz große Propagandatrommel des Neoliberalismus ausgepackt. Insbesondere die Paukisten rund um die INSM haben Tag und Nacht das Tam-tam besorgt. Keine Talkshow ohne deren Botschafter, Alumni und Experten, Woche für Woche, Jahr für Jahr.

In dieser Phase ging Feynsinn an den Start, und es war insofern eine dankbare Zeit für die Bloggerei. Die Qualität, vor allem aber die Massierung der Propaganda war auf dem Höhepunkt und man konnte das täglich, je nach Geschmack, mit Empörung oder Sarkasmus kommentieren. Was von Seiten der Neolibs behauptet wurde, konnte man analysieren, widerlegen und genüsslich in der Pfeife rauchen. Ihre Semantik, ein einziger Orwellscher Zwiesprech, war stetiger Anlass, dem ein wenig Aufklärung entgegen zu halten.

Reicht.

Inzwischen sind weitere 15 Jahre vergangen. Einige Jahre lang konnte man das noch ernst nehmen, dann kam die Zeit, in dem das alles nur mehr für zynische Fingerübungen taugte. Inzwischen ist alles x-mal gesagt, kommentiert, widerlegt, pulverisiert - nicht nur durch die besseren Argumente, sondern vor allem durch die nackte Erfahrung, zu der u.a. eine Krise gehört, die das System an den Rand des Abgrunds geführt hat.

Dort war es das schlimmste Teufelszeug, das einzig diesen Irrsinn noch retten konnte: Staatliches Eingreifen, 'Rettungsschirme' und Konjunkturprogramme. Das wäre wohl spätestens der Punkt gewesen, an dem endgültiges Schweigen hätte herrschen müssen. Aber nicht mit den Rittern des Neoliberalismus, die ihre rostige Rüstung mächtig klappern lassen auf dem halb verwesten Gaul! Ihre treuesten Knappen, die Sozen, sind immerhin daran untergegangen. Vielleicht ist das ja ein Hoffnungsschimmer.

 
fe

Ich mag heute einmal über die Dörfer gehen und mit ein paar Andeutungen aus meiner Biographie beginnen. Ein für mich sehr wichtiger Satz ist: "Ich bin kein Opfer". Das hat, wie man unschwer ahnt, mit Gewalterfahrung zu tun. Gewalt in jeder Form war in meiner Kindheit und Jugend eine Art Kommunikationsmittel, und zwar sowohl von Eltern gegen ihre Kinder als auch unter denen. Ich war ein schmales Hemd, aber keineswegs wehrlos.

Dennoch hatte ich einen extrem schweren Stand und habe regelmäßig ordentlich auf die Fresse gekriegt. Das ging so weit, dass jemand signalisierte, man könne damit mein Selbstbewusstsein zerstören. Das war ein wichtiger Moment, denn ich beschloss trotzig, gerade das nicht zuzulassen. Obwohl ich sprichwörtlich an meine Grenze gekommen bin, habe ich mir diese Haltung bewahrt. Ihr könnt mich verletzen, vielleicht töten, aber nicht zerstören. Ich habe Narben und Macken, aber ich brauche keinen Zivi.

Mess with me?

Inzwischen bin ich relativ alt, was zu den ersten Eingeständnissen körperlicher Art führt. Es geht nicht mehr alles, was bei mir Jammern auf extrem hohen Niveau ist, aber eine Erfahrung, die man auch erst mal verdauen muss. Ich habe ein bisschen was auf den Weg gebracht in meinem Leben, das sehe ich, wenn ich die nächste und inzwischen übernächste Generation anschaue. Materielle Reichtümer gingen mir schon immer am Arsch vorbei; was für mich gezählt hat, sind die Menschen, für die ich da bin.

Ich habe Solidarität auch immer so verstanden und bin der Ansicht, dass dies der Kern dessen ist, was 'links' bedeutet: Sich gegenseitig unterstützen; keiner steht über dem anderen und keiner gehört niemandem. Keine Herren, keine Sklaven, keine Hierarchien, keine Diskriminierung. Das ist nicht nur das Ziel einer politischen Agenda, das kann auch gleichermaßen der Weg sein.

Wenn ich also noch immer und immer wieder lese, ich sei als alter weißer Mann® ein geborener Unterdrücker, der Diskussionsgegner "missbraucht", wenn er ihnen widerspricht, werde ich zornig. Wer mir, mit meiner Erfahrung und meinem Werdegang so etwas andichtet, ist mein entschiedener Gegner. Ich bekämpfe solchen Rassismus mit Nachdruck, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich weiß, dass Gewaltopfer eines ganz sicher nicht brauchen: Verwöhnte Mittelschichtsblagen, die deren Erfahrungen verklären, sie im Opfermodus halten und für ihre identitäre Scheiße benutzen.

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