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12/2013-02/2021 (alles)
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2005-2013 (alle Artikel)
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Best of 12/2013-02/2021
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Best of 2005-2013

 
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"Krankenstand drückte Deutschland wohl in Rezession", orakelt Tagesschaum.de auf seiner Hauptseite und belegt den hohen Standard seiner journalistischen Qualität schon nach einem Klick, wo es dann heißt: "Drückte Krankenstand Deutschland in Rezession?" Spekulation, Weißmannicht, aber für die Propaganda reicht es auf jeden Fall noch.

Es ist schon bemerkenswert dumm, einen einzigen Parameter aus dem Wirtschaftsjahr zu isolieren, so zu tun, als wäre der beliebig variabel und diesen dann, je nach Wert, allein für die Tendenz verantwortlich zu machen. Das hieße nämlich, dass, selbst wenn alle Werte schlechter sind als in Vergleichsjahren, man jeden einzelnen beliebig herauspicken und dann so tun könnte, als hätten alle anderen Faktoren nichts damit zu tun.

Was hätten wir denn sonst noch für Erklärungen? Sinkende Exporte? Hohe Energiepreise? Sinkende verfügbare Einkommen und damit sinkende Nachfrage? Wirtschaftlicher Schaden durch Sanktionen gegen Russland? Ach was, das ist alles nichts. Die Blaumacher sind schuld. Die Würstchen, die neuerdings eine Erkältung zum Anlass nehmen, es sich bequem zu machen.

Keine weiteren Fragen

Erwähnte ich, dass das erbärmlich dumm und ebenso durchsichtig ist? Und dass es keineswegs dadurch besser wird, dass andere Mimi-Medien denselben Unsinn verzapfen, wie eben immer alle Mimi-Medien denselben Unsinn verzapfen? Der Pluralismus® der Mitte der Mitte der Mitte halt.

Das Schlimme an solchen ehemaligen Nachrichten ist die Offensichtlichkeit der Absicht. Man will glauben und glauben machen, was man da verbreitet. Jeder, der sich auch nur laienhaft mit Wirtschaft befasst, kennt die Probleme, vor allem jene, die uns in den kommenden Jahren bis Jahrzehnten noch gewaltig auf die Füße fallen werden, und diese Trommelschläger kommen uns mit Krankenständen. Das ist eine Beleidigung für jede Normalintelligenz.

Aber selbst, wenn man sich auch nur mit diesem Faktor beschäftigen will, fällt doch auf, dass nicht einmal der hinterfragt wird. Wie kommt es, dass er so hoch ist? Wo ist der Vergleich zu den Zahlen weltweit? Was haben die Krankenstände mit Arbeitsbedingungen zu tun? Warum sind diese offensichtlich so schlecht? Was muss man tun, um das zu ändern? Ist das überhaupt möglich?

Anständigen Journalismus erkennt man daran, dass er offene Fragen stellt, aus denen man etwas lernen kann. Propaganda erkennt man daran, dass sie einfache Antworten auf komplexe Probleme im Sinne bestimmter Interessen liefert. Diese durch Zwangsabgaben finanzierte Form ist dabei das größte Übel, weil sie nicht einmal in den verdienten Konkurs entlassen werden kann.

 
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Ich mache meinen Job auch deshalb unverändert gern, weil ich weiß, welch engagierte Mitarbeiterschaft die DB hat. Ich bin stolz auf diese Frauen und Männer – sei es in unseren Führerständen, in unseren Zügen, auf unseren Bahnhöfen, in unseren Speditionen, in unseren Werkstätten, in unseren Verwaltungen oder wo auch immer. Ich bin stets aufs Neue beeindruckt nicht nur vom Einsatz aller DB-Mitarbeiter, sondern vor allem auch davon, in welch hohem Maß Sie sich mit unserem Unternehmen identifizieren.

Sie identifizieren sich so mit diesem Unternehmen, dass Sie gar nicht merken, wie ich mit ihnen Schlitten fahre. Ich lasse Sie Sonderschichten kloppen, streiche Ihnen die Wochenenden und zahle nur das Nötigste. Ich spare an Ihnen wie ein guter Manager und privatisiere den ganzen Laden. Die Kohlen, die ich an Ihnen einspare, streichen das Management und die Aktionäre ein. Ich behandle Sie fast so abschätzig wie einen Kunden auf dem Land.

Divide et impera

Überhaupt – Sie und die Kunden! Das wäre ja eine Mischpoke, würden wir nicht dafür sorgen, dass Sie sich gegenseitig an den Karren fahren. Wir hetzen unsere Bluthunde auf die Schaffner, die Schaffner auf die Kunden und schließlich die Kunden wieder auf die Bahnmitarbeiter. Funktioniert genial, sonst hätten Sie sich längst zusammengerauft und dagegen protestiert, dass selbst unsere teuersten Züge lebensgefährliche Sparbüchsen sind. Ich bin sehr stolz auf Sie!

Allein, was Ihre Organisationen für uns leisten! Erst lassen Sie sich von unserem blindesten Maulwurf führen, der die größte Gewerkschaft gegen die einzig entschlossene in Stellung bringt. Diese GdL nehme ich von meinem Lob übrigens ausdrücklich aus. Diese stasigestählten Arbeiter und Bauern gehören verboten, aber vor Gericht konnte ich mich leider nicht damit durchsetzen. Nun ja, aber die Transnet hat mir schon Freude gemacht.

Inzwischen lasse ich den Hansen Personalmanager spielen und lasse ihn in Tarifverhandlungen auf die ehemaligen Kollegen los. Da kann er ganz lässig von oben herab zeigen, wo der Bartel den Most holt – wenn er ein guter Bartel ist. Wie liebe ich doch eine Arbeitnehmerschaft, die sich das bieten lässt! Anstatt den Hansen an seiner Krawatte aufzuknüpfen, verhandeln Sie mit ihm und nennen ihn “Partner”. Großartig!

Stolz auf euch

Nicht zuletzt ist da Ihre Geduld zu nennen, Ihre bewundernswerte Bescheidenheit! Hansen erzählt Ihnen, zwölf freie Wochenenden im Jahr seien völlig inakzeptabel, und Sie feiern es als Riesenerfolg, wenn sie dann doch ab und an frei haben. Da draußen sind zweiundfünfzig Wochenenden üblich, ohne Kompromisse. Dafür haben echte Gewerkschaften schon in den Siebzigern erfolgreich gekämpft.

Was bin ich stolz auf solche Mitarbeiter! Selbstverständlich werden Sie nicht bespitzelt, wozu auch? Wir sorgen nur dafür, daß Sie auch gute Mitarbeiter bleiben. Damit wir auch morgen noch stolz auf Sie sein können – auf diejenigen von Ihnen, die dann noch für uns buckeln dürfen.
Ich danke Ihnen. Ich liebe Sie!

02.02. 2009, damals hieß es noch "Mehdorn".

 
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Der Begriff "Arbeit" bedeutet in dem Zusammenhang, in dem ihn die Nazis zum Motto von Auschwitz gemacht haben, ein konsequentes Naturverhältnis. Natur, das ist für den industriellen Blick auf die Welt das, was als Lebendiges in tote Nützlichkeit umgewandelt wird.

In Auschwitz waren das eben Menschen, die verwertet wurden, im Gegensatz zur regulären Produktion nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern ebenso ihr Leben und ihre Körper als Rohmaterial.

Faszinierend, dass es in dem großen Getriebe keine wirksame Kraft gab, die an irgendeiner Stelle das Verfahren stoppen konnte. Auschwitz war der endgültige Triumph der Verwertung über auch nur rudimentäre Menschlichkeit – dass Menschen einander als eine gemeinsame Spezies erkennen.

Du bist Volk

Totale Vereinzelung: Es gibt kein Gemeinsames, nirgends. Nicht einmal unter den Verwertern oder den Verwerteten. Beide Gruppen zerfallen in Exemplare. Die einen als Stückgut, die anderen als Rädchen in der Befehlskette. Ein verbindendes Kollektiv gibt es nicht, es gibt nur das abstrakte 'Volk' und seine militärische Ordnung. Man trifft sich nicht; man marschiert auf.

Die erbarmungslose Verwertungslogik bedient sich dabei zweier Methoden, um die Menschen blind füreinander zu machen. Die eine ist der archaische Mechanismus, in 'Wir' und 'Die' zu trennen. 'Volk' ist das einzige große Wir und kann durch seine Herrschaft Inhalte festlegen, gern in Verbindung mit moralischer Empörung, die die Basis ist für Raserei und Lynchmob. 'Die' haben es so verdient.

Die zweite Methode ist die Übertragung der strengen Bewertung nach Nützlichkeit, von der Sphäre der Dinge und Waren auf die der Menschen. Was nichts nützt, hat keinen Wert und ist Ausschuss. Krematorien sind dann nichts anderes als Müllverbrennungsanlagen.

Menschen nach Nützlichkeit zu bewerten mündet nicht zufällig in Parolen wie denen von den unnützen Essern, eben wertlosem Menschenmaterial, das kein Recht zu leben hat. Es ist dieselbe Weltsicht wie in der Überschrift. Entweder bist du Verwerter oder ein Ding. Solange du an der Verwertung teilnimmst, bist du frei.

Verwertung

Längst ist die Herabwürdigung der Faulen und Nutzlosen wieder ein Kern der Propaganda, die den Interessen der großen Verwerter folgt. Empörung und Affekt sorgen dabei für Aufmerksamkeit und Auflage. Zudem kann man sich derart aufgeladene Stories gut merken und weitertratschen.

Wo schließlich das (völkische) Wir sich ganz von selbst gegen das Die stellt, bei der Zuwanderung, stehen schließlich alle Zeichen auf Trennung zwischen nützlich und unnütz. Die Politik aller Parteien außer der Linken verlautbart ganz offiziell: Nützliche mit einer Ausbildung, die uns nichts kostet, sind willkommen, der Rest gehört "im großen Stil" abgeschoben. Heute ist das Motto der Sozialdemokratie: Fass meinen Kumpel nicht an, schlag den Schmarotzer da tot!

In einer solchen Atmosphäre, in der ein allgemein Menschliches keinen Zugang hat, weil es eben die Verwertungslogik stört, ist der Siegeszug des Faschismus keine Sache eines bösen Extremismus. Er ist systemisch und hat sein stabiles Fundament in der 'Mitte' und ihren Tugendwächtern.

 
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Ich werde im Folgenden einiges aus den Kommentaren zitieren und das mit weiteren Bemerkungen garnieren. Zunächst zum Umgang mit der AfD und den Erwartungen, die man an diese Partei knüpfen kann:

Ich hatte schon den Impuls zu schreiben, dass mit der AfD die Löhne und Renten steigen, die Preise sinken und der Weltfrieden winkt. Deren Konzept, das ihrer psychischen Grundeinstellung entspricht, warum sie auch in Krisen immer nach oben gespült werden, ist aber das Gegenteil: Wir kämpfen jetzt bis zur totalen Zerstörung gegen die Feinde im und um das Vaterland. Endsieg halt. Hat ja schon immer so gut geklappt.

Endsieg sofort

Die Fundamentalopposition gegen eine Politik, die sich kaum von der eigenen unterscheidet, ist, wo sie ernst gemeint ist, nämlich das alte rechte Selbstvernichtungsprogramm. Alles Mist, und wenn wir nicht zurück in die schönen 50er Jahre dürfen, machen wir halt die 30er wieder auf. Nichts aber würde selbst eine 'herrschende' AfD effektiv ändern, außer der Außenpolitik – wenn man sie lässt. Da dürften aber die atlantischen Ketten stark genug sein, auch diese Geschmacksrichtung der Neokonservativen ganz schnell in die Reihe zu bringen. Selbst in der Umweltpolitik würde sich nur eines ändern: Das Greenwashing fiele weg.

Auch interessieren würde mich, wie viele der Antifaschisten®, die da so herumgelatscht sind, bei den Banderas keinen Faschismus finden. Vermutlich sind solche Fragen aber bereits Anti-Antifaschismus, AfD-Verteidigung und Putinismus. Tatsächlich scheint der Idioten-Umkehrschluss im Rahmen des Wir-sind-die-Guten zur goldenen Regel des Gutsprechs avanciert zu sein: Wenn du nicht dafür bist, bist du dagegen, also für das Gegenteil. Und je blöder der Idiot, desto lauter krakeelt er.

Im Gegengegenteil

Lagerdenken tötet den Verstand schnell, effizient und … tödlich. Ich muss einmal meine Mutter zitieren, von der es kaum etwas Zitierfähiges gibt, aber dem Kindergarten da draußen sei es in Spiegelschrift auf die Stirn tätowiert: Der Dumme fragt: "Ist es so recht?", der Kluge fragt: "Was passiert dann?" Politik wird leider fast flächendeckend in Fußballfan-Manier absolviert und biedert sich von Bekenntnis zu Bekenntnis der Peergroup an. Wenn ich aber verstehen will, muss ich mir offene Fragen stellen und vorurteilslos antworten.

Nachtrag zu Rishi Sunak: Gegen seine Idee, Flüchtlinge einfach nach Ruanda zu deportieren, stellt sich jetzt ein Richter quer. Die machen einem den ganzen schönen Faschismus kaputt, diese Juristen. Wie weit die Heuchelei und Dummheit der Anständigen geht, zeigt ein Artikel aus dem vergangenen Sommer. Da steht schon alles drin, und kein Hahn hat danach gekräht. Wie gesagt: Freunde (wie Sunak) sind nicht rechts. Da ist dasselbe keine "Wannseekonferenz" mehr, sondern kreative Asylpolitik.

 
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Der Deutsche geht auf die Straße. Der ganze Deutsche? Nein. Es ist, wen wundert’s, der Mittelschichtsdeutsche, der Deutsche der Mittelschichtsmischpoke. Als Mitte der Mitte der Mitte steht er auf gegen die Abweichler. Die von rechts. Die Bösen von der AfD, deren Speerspitze kürzlich Pläne ausgeheckt haben wie sie Rishi Sunak in UK gerade in die Tat umsetzt. Aber der ist Freund und Freund ist nicht rechts.

Schon gar nicht rechts sind die Freunde aus Israel, die das Ganze aus einem Anlass just tatkräftig und konsequent umsetzen. Aber da ist das mit der Abschiebung freiwillig. Sie müssen ja nicht nach Ägypten gehen, die millionen Terroristen. Das Meer ist doch auch schön. Oder die Wüste, die kürzlich noch eine Großstadt war.

Alles wird gut

Hatte ich nicht bei einigen Gelegenheiten vor der 'Solidarität' der Nazienkel mit den Nachkommen der Opfer der Schoah gewarnt? Nun heißt es da draußen, selbstverständlich müsse Deutschland Netanjahu unterstützen. Schließlich kenne man sich hier aus mit Massakern und Genoziden. Derweil gehen in Israel die Leute gegen Netanjahu auf die Straße. Krasses Ding, diese Solidarität. Endet immer auf derselben Seite. Hinweis: Es ist nicht die der Armen und der Arbeiter.

So lassen sich also hierzulande die Mimis (Mittelschichtsmischpokenmenschen) auf die Straße treiben von denen, die das, was die Bösen planen, gerade umsetzen: "endlich Abschiebungen im großen Stil", wie das solidarische Kanzlerwort lautet. Sie fordern das Verbot des Bösen. So wie auch die von der Leyens und der Digital Services Act. Man muss doch was tun gegen die Feinde der Demokratie, die einfach sagen wollen, was sie wollen!

Angekommen ist derweil nicht nur 'die Politik' auf den schwindelerregenden Höhen einer Komplettverblödung, wie man sie nur aus Phasen entsetzlichster Dekadenz kennt. Die Journaille, ja ja, Mimis, wohin man schaut, winkt ebenfalls vom höchsten Gipfel. Ihre Leistungsträger stellen sich vor und machen "etwas mit Internet". Buchstäblich. Meinen sie ernst. Das, meine Lieben, ist nichts anderes als ein faktisches Satireverbot. Ein weiterer vernichtender Schlag.

 
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Es hätte so schön werden können, in den 90ern. Der Kalte Krieg war beendet, die Truppen der Warschauer Vertragsorganisation sind heimgegangen. Es gab keinen Existenzgrund mehr für die NATO. Man hätte sie auflösen können, vielleicht eine Außenverteidigung Europas organisieren. Mancher träumt von den verpassten Chancen eines demokratischen Neuanfangs in Deutschland, bei dem ein Gemeinwesen hätte entstehen können anstelle eines marktkonformen Albtraums.

Es kam anders. Die NATO wurde zu einem Militärbündnis für völkerrechtswidrige Operationen aller Art. Sie marschiert ein, wo es ihr gefällt und fragt die UNO entweder gar nicht oder belügt sie nach Strich und Faden. Ihre Methoden sind brutal, Menschenrechte wurden ausgesetzt; Folter, Mord und Totalüberwachung installiert. Derweil hält man es für opportun, sehr wohl die Einhaltung von Völker- und Menschenrechten bei anderen einzufordern, unter der Androhung von Krieg und Terror.

Die Wende

Erklärtes Ziel dieser Maßnahmen sind ein – wie absurd – 'Krieg gegen den Terror' und die "Sicherung der Handelswege". Das Konzept ist eingebettet in den anderen großen Trend nach dem Lüften des des Eisernen Vorhangs: Der Durchmarsch des Neoliberalismus, die Durchsetzung aller denkbaren Maßnahmen zur Sicherung der Kapitalinteressen: Lohndumping, Privatisierungen, Förderung von Transaktionen jedweder Art, mithin Deregulierung, Abschaffung von Sozialleistungen, Senkung der Steuern für Unternehmen und 'Investoren', drastische Kürzung staatlicher Leistungen, dafür Haftung der Staatshaushalte für Verluste bei Banken und Versicherungen.

Es reicht eigentlich, diese Maßnahmen aufzuzählen, um zu erkennen, was dort passiert ist. Genannt sei allerdings noch im Gegenzug das Versprechen, diese Maßnahmen schafften Arbeitsplätze bzw. bauten Arbeitslosigkeit ab. Das Gegenteil ist in dramatischem Maße der Fall, worüber man sich in Deutschland, das bislang davon profitiert hat, vielleicht noch hinweg betrügen kann. Allerdings auch schon nicht mehr, wenn man einen Blick auf den Rest Europas wirft.

Nehmen wir die Ukraine: Das Volk ist tief gespalten. Viele wollen mit dem alten Partner Russland verbunden bleiben, viele andere Teil der EU werden, wieder andere eine starke Nation sein und noch andere sozialistisch bleiben. Die Ukraine ist Spielball der Interessen von NATO, Russland, Kapital und EU, liegt an der neuen Grenze des Einflusses jenes Westens aus Banken und Militär zum neuen Russland aus Banken, Militär, Öl- und Gasmultis. Jene Grenze, an der auch das schon vergessene Georgien liegt, das mit ein wenig Pech einen Atomkrieg hätte auslösen können.

The Name of the Game

In der EU sieht es nicht viel besser aus. Warten wir mal den Sommer ab, ob das nicht noch ganz finster wird. Was in Griechenland und Spanien derzeit gärt und rumort (siehe den letzten Artikel und die Kommentare dazu), die Maßnahmen der Staaten und ihrer Geheimpolizeien, Hand in Hand mit korrupten Politikern und denen, die sie schmieren, bilden ein einziges Pulverfass. Wer glaubt, die Entwicklung in der Ukraine habe nichts mit ‘uns’ zu tun, übersieht die Gemeinsamkeiten.

Dieser von Abhängigkeiten und Interessen im Äußeren wie im Inneren zerrissene Staat ist bloß eine Art Avant Garde des Untergangs. Was sich dort zeigt, ist die Unversöhnlichkeit von Kapitalismus mit Menschenrechten, Frieden, Demokratie und am Ende mit Politik überhaupt. Es ist die Blaupause der aufkommenden Barbarei und hat nichts mit einer sogenannten Krise zu tun, wie es auch generell keine 'Krisen' gibt, wie solche Symptome seit 2007 täglich genannt werden.

Immobilien-, Banken-, Kapitalmarkt-, Euro- und Staatsschuldenkrise? Ist irgend eine davon je überwunden worden? Hat derweil jemals wer steigende Armut und obszönen Reichtum eine Krise genannt? Ist irgend etwas besser geworden? Als nächstes werden sie uns Arbeitsmarkt- und Inflations- oder Deflations- Krise servieren, wenn es nicht gar der Verteidigungsfall oder sonst ein allgemeiner Notstand sein wird. Egal, wie sie es nennen; nur wer sich nicht verblöden lässt, kennt den wahren Namen.

Januar 2014

p.s.: Damals wusste auch niemand etwas von Ukronazis.

 
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Identitäre mögen Fantasy, weil es da noch einfach und geordnet zugeht: Fantasy, das ist Pferde, Schwerter, Burgen und Fabeltiere. Und im Norden ist es immer kalt. Verkitschtes Mittelalter, europäische Gemütlichkeit und ein Kult der Härte, wo das Wetter eben immer grimmig ist, und egal, auf welchem Planeten oder in welcher Parallelwelt das stattfindet, es ist eben wie im Wertewesten, als die aus Süd und Ost noch Barbaren genannt werden durften.

Die komplexe postmoderne Welt überfordert die Menschen. Die Anpassungsprozesse sind stets in Beschleunigung begriffen. Nehmen wir mal die Arbeit: Die 40er Jahrgänge hatten noch einen Job fürs Leben, die 50er mussten am Ende ihres Arbeitslebens noch einmal umlernen, die 60er/70er kennen nur mehr Unsicherheit und die später Geborenen machen sich keine Vorstellung mehr davon, wie ihr Leben in zehn Jahren aussehen wird. Da braucht es Orientierung, und die findet man wohl am Besten in radikaler Weltflucht.

Wo Gott dich hinstellt

Hartmut Finkeldey (Grüße!) hat einmal wunderbar auf den Punkt gebracht, was Konservativismus ausmacht: "Alles ist an seinem Platz." Jeder weiß, wohin er gehört und stellt das nicht infrage. Niemand muss nach Höherem streben und keiner wird gestürzt (es sei denn, er bedroht die Ordnung, indem er sich an ihr versündigt).

Die Identitären von rechts bis pseudolinks haben das inhaliert. Rechts ist der Revanchismus und die Restauration, die Pseudolinken stellen eine neue Hierarchie auf, aus der ebenfalls kein Entrinnen ist. Hie die Guten, die Opfer, da die bösen Täter. Wird ein bisschen komplizierter, wenn definierte Opfergruppen in Konflikt geraten, aber da diese Ideologie sich in keiner Praxis bewähren muss, kann sie nach belieben zündeln und weiterziehen, bis sie sich endlich überall unmöglich gemacht hat.

Dabei profitieren diese identitären Strukturen vom Bedarf der Neocons und Neoliberalen, der Kapitalisten und Kriegstreiber, die es gern moralisch und unumstößlich haben. Jeder an seinem Platz: Die Guten, die Bösen, die Faulen und die Leistungsträger. Die Ordnung ist gottgewollt oder doch zumindest aus der Warte höherer Gerechtigkeit in Kraft. Kein Zweifel, keine Differenzierung.

Zu viel Stress

Wo die Moderne mit ihren tief in die Geschichte reichenden Erzählungen gescheitert ist, weil alle die Ziele, alle die Enden der Geschichten, sich als unzutreffend erwiesen haben, hat sich nicht etwa ein Materialismus durchgesetzt, der seinerseits auf ein Ende der Geschichte verzichtet hätte – wie etwa ein Marxismus ohne das Versprechen einer Befreiung des Proletariats.

Es hat sich kein wissenschaftlicher Blick etabliert in der öffentlichen Wahrnehmung, die Frage nach dem, was ist, wie es wurde und welche Optionen sich daraus ergeben. Das würde ja in permanenten Stress ausarten. Vielmehr hat sich Narrativ noch von Historie getrennt und erzählt uns wieder was vom Pferd. Folgerichtig ging Journalismus längst vom Storytelling zum Fairytaling über.

 
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Wenn die NATO ihre Plapperkäfer über die Welt herfallen lässt, ist Gegenteiltag. Man fährt ganz gut damit, das Gegenteil dessen anzunehmen, was sie sagen, das ist genau wie mit den Versprechungen deutscher Parteien im Wahlkampf.

So verhält es sich auch mit den Begriffen "Expansion", "Imperialismus", "Regeln" und "Ordnung". Man muss sich nur anschauen, wie sich das Gebiet der NATO verändert hat, seit sie das einzige große Militärbündnis ist. Dazu gehören nicht nur die Mitgliedsstaaten, sondern auch die US-Basen in aller Welt.

Die kommen immer näher

Während das aber metastasiert hat, wirft man Staaten, die ihre unmittelbaren Grenzen und Landsleute verteidigen, "Imperialismus" vor oder, wie das Plappermädchen, das sich dieser Staat anstelle eines Außenministers leistet, neulich sagte, "Expansion". Die nämlich sei es, wenn China weiterhin ein waches Auge hat auf einen Teil seines Territoriums, das selbst Deutschland als solches anerkennt.

Nicht Expansion ist es hingegen, wenn der Meister vom anderen Ende der Welt rund um China Militärbasen unterhält und den abtrünnigen Teilstaat Chinas bewaffnet. Das ist dann nämlich regelbasierte Ordnung®: Wenn mit Militär und Krieg die geltenden Regeln der UNO, OSZE und internationaler Gerichte mit Füßen getreten werden, stets eigene Interessen als für alle geltend betrachtet und ganze Regionen durch Bomben und Raketen ins Chaos gestürzt werden.

Unerlässlich für solches Gebaren ist dabei die Sprengung des Fundaments der eigenen Kultur, also der wertewestlichen. Der Bürgerliche Staat und seine Konglomerate beruhen nämlich auf einem Vertragswesen, das alle Parteien verbindlich zur Einhaltung geltender Vereinbarungen verpflichtet. Die Vertragspartner sind dabei Gleiche; ihre Herkunft oder Eigenheiten können ihnen diese Gleichheit nicht nehmen.

Überlegene Rasse

Während der Wertewesten aber inzwischen vom Gegenteil ausgeht, die Welt in Gut und Böse, würdig und unwert einteilt, haben die anderen, die im Süden und im Osten, gelernt, ihre Differenzen und Unterschiede beiseite zu schieben und Vereinbarungen zu treffen, die sie unabhängig von ihren religiösen, kulturellen und politischen Unterschieden zum gegenseitigen Vorteil nutzen.

Mithin ist es das bürgerliche Element der Vertragstreue, mit dem Schwarze, Asiaten und Mohammedaner der überlegenen weißen Rasse und ihren hohen Repräsentanten die Hacken zeigen. Das ficht uns aber nicht an, denn wir sind die Guten. Wir bestimmen dabei ganz am Rande, wie man Kolonialisierung und imperialistischen Rassismus definiert.

Wenn die Wilden und die mit dem zivilisatorischen Nachholbedarf das ganz anders sehen als der Weltliberalismus, zeigt das nur, das sie womöglich nie unseren kulturellen Stand erreichen werden. Für die Sicherheit der Welt aufgrund dieser ungebrochenen Überlegenheit bedarf es eben ganz spezieller Regeln. Das müssen sie da unten nicht verstehen.

 
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Lasst uns über Software reden. Ihr meint, davon versteht ihr nichts? Das ist nicht nur eine gefährliche Einstellung, weil sie euch von morgens bis abends und Nord- bis Südpol umschmeichelt, sondern auch, weil das etwas mit der Einstellung der 'Macht' gegenüber euch zu tun hat.

Okay, es wird sich auch hier am Ende wieder herausstellen, dass es nicht "The Force" ist, die mit uns ist oder auch nicht, und die Lichtschwerter schwingende Zenmeister uns nahebringen, sondern Ihr-wisst-schon-was. Ich will heute mal mit Design anfangen, der Gestaltung der Oberflächen und Bedienung von Anwendungen.

Alles so schön bunt hier

Aktuell geht mir mein Mailhandler auf die Murmeln. Wo immer zum Abrufen der Mails im globalen Posteingang ein "Abrufen" stand, neben dem sich ein Pfeil befand, auf den klickend man einzelne Konten abrufen konnte, ist jetzt ein Wölkchen. Ein fucking Wölkchen! Das will bitte gerechtsklickt werden, dann darf ich u.a. auch meine einzelnen Konten abrufen.

Notwendige Updates haben zudem dazu geführt, dass meine Taskleiste abgeraucht ist und alles, was irgendwie mit dieser korrespondierte, durchdrehte. Ich kann das alles reparieren, aber das ist nicht das Thema hier. Am Rande btw. ein bisschen was zur Karriere von Microsoft, das passt gerade so schön. (Via Hirnfick 2.0)

Die Ugrades von Billys Systemen sind ebenso wirr; von XP zu Vista, von 7 zu 8, auch von 10 zu 11; man fragt sich immer wieder: "Was soll das?!" Ich nutze Windows kaum, aber es gibt halt ein paar Sachen, dafür brauche ich das, dann kaufe ich das, und bei jeder neuen Version muss ich wieder alles Mögliche suchen.

Widerstand ist möglich

Nicht nur, dass es nicht besser wird, nie; nicht bloß, dass ich mich regelmäßig vereimert fühle wie bei dem Supersicherheitsfeature in Karren, bei denen man seinen Rücken unter den Sitz schinden muss, um den verdammten Tankdeckel zu entriegeln. Nein, was hier zutage tritt, ist die prinzipielle Verachtung alles Menschlichen zugunsten des Spieltriebs einiger bekokster Snowboarder-Affen und der Notwendigkeit, Schulungen für nichts abzuhalten, mit denen sich jedes Mal haufenweise Kohle schaufeln lässt.

Der Mensch ist, wenn eines, dann ein Gewohnheitstier. Die berühmte Macht der Gewohnheit wird jedes Mal überwunden, der Mensch unterworfen und die Energie, die sich dabei entlädt, ist Frust, Zorn und latenter Vernichtungswille. Ich! Will! Töten! Womit wir auch mitten in der Zeitenwende sind und dem geheimen Zweck des Ganzen: Sie wollen uns kriegstüchtig machen. Fügen wir uns doch endlich! Bewaffnen wir uns!

p.s.: Ceterum censeo Freiheit für Gonzalo Lira.

 
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Die Staatsräson von Grün bis Atlantisch-Links steht wie ein Mann; Motto: Jeder Schuss ein Russ. Die SPD steht dabei in der Mitte der Mitte, Feldherrenhügel, Augen in die Ferne gerichtet. Olaf hat als Führer und oberster Befehlshaber im phantasierten Krieg mit Russland schon einmal Stellung im Bunker bezogen, auf den sich auch Anjatanja schon freut wie Bolle, weil sie da immer so schön rumhüpfen kann.

An der Front die mit der harten Kante: Mehr Waffen, Sieg auf Sieg, allen voran der kommende Kriegskanzler Pistorius, der sein Volk ruckzuck zackig zur Kriegsertüchtigung antreiben wird. Ein Soze der neuen Zeit. Er hat gelernt: Alles falsch früher, das mit dem Frieden und der falschen Rücksicht auf Russland. Auch das ein Fanal der neuen Einigkeit: Alles Russenfreundliche, die guten Geschäfte, Respekt vor deren Sicherheitsbedürfnis war falsch. Sogar den Mützenich, einen der letzten Verirrten, haben sie endlich eingenordet.

Flammneue Geschichte

Geschichte wird gemacht, und zwar alles neu: Schröder, bis kürzlich Held der sozialdemokratischen Marktertüchtigung, ein Putinfreund. Schande! Tiefer hätte man nicht sinken können, aber sie haben gelernt. Die Distanzierung ist aufrichtig und total. Auch das mit dem "Wandel durch Annäherung" ist in Arbeit. Noch will man Willy nicht verleugnen, aber die Säge liegt bereit an der Wilhelmstraße 140. Verhandeln mit den Russen? Ein historischer Fehler, den sie nie wieder® machen werden. Putin ist nicht Breschnew.

Vorbild Ukraine: Hier sind die Männer noch Helden, Patrioten, die ihr Land und Europas Demokratie verteidigen gegen die russische Barbarei. Im Übereifer hatte man sich von Lumpen und Linksextremisten einst entzweien lassen von den Brüdern und Schwestern im letzten Bollwerk an der Ostflanke. Ihre Folklore ist etwas rauh, das liegt am Wetter und den Umständen. Unter Freunden ist man nachsichtig. Die Sozen haben verstanden – und sind endlich in den Schoß der großen atlantischen Familie zurückgekehrt.

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