2005-2013 (alle Beiträge)
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Best of 2005-2013

 
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In Januar 2005, mithin vor 15 Jahren, existierte dieses Blog noch gar nicht. Wieso eigentlich nicht? War ich nicht schon immer da? Also hier? nein, hier! Ach, egal. Ich stöbere mal wieder. "Auf den Tag genau vor ...." ist das Thema, und nämlich "... 13 Jahren" schrub ich einen der Sätze, die der Nachwelt ungelesen hinterlassen wurden. Selber schuld, bescheuerte Nachwelt, nimm das:

"Vor allem aber war Existenzialismus ein -ismus mit schwarzen Rollkragenpullovern, Gauloises rauchen und Filme gucken, die keinen Spaß machen." Hättest du dir jetzt ein Philosophiestudium sparen können. Überhaupt: Wer will einen Bachelor in Philosophie? Absurd!

"... 10 Jahren" hat ein Internetverbrecher (klarnamenlos, anonym, aus dem Darknet) einen Kommentar hinterlassen mit Hinweis auf ein Youtubedingsbums, das nicht nur die Finanzmarktbankensubprimeeurokrise erklärt, sondern gleich auch schon mal den Klimawandel. Aliens versklaven uns erst und klauen uns dann unsere Meere. DANKE MERKEL!!!!¹¹¹° Die SPD hat damals übrigens vorgeschlagen, Alien-Weltherrschaft höher zu besteuern.

Das war vor Jaahren

"... vor sieben Jahren" war ich noch in der aufklärerischen Phase und habe meine Mitbürger über die Gepflogenheiten des deutschen Wahlrechts informiert:

"Wenn die Erststimme verloren geht, unleserlich wird oder aus anderen Gründen nicht gewertet werden kann, insbesondere aufgrund höherer Gewalt, klimatischer Störungen oder eines schweren Ausnahmefehlers, kommt die Zweitstimme zum Einsatz. Sie muss anders sein als die Erststimme, denn wenn die gewählte Partei selbst ausfällt (zum Beispiel durch Verbot oder Sterbefall), muss eine Vertretung gewährleistet sein."
Heute würde ich das verständlicher formulieren. Und dann an mir rumspielen.

Einen Punkt auch für 2014: "Nun ist es schon dem Irrsinn schmiegsam nahe, Kindergärten als "Sozialleistungen" zu bezeichnen." Dezent. Gnädig. Was bin ich doch ein geiler Typ gewesen manchmal. Hoffentlich habe ich an mir ... das sind übirgens die Nachwehen der just überstandenen Bronchitis, die aus dem Tourettekeller die Reste von der nächsten Überschwemmung ange ... äh, -schwämmt haben. Also mit dem Schwamm. Mit dem Schwamm anschwemmen. Keine Ahnung, warum. Muss ich das denn immer wissen?! Zitiert wird derzeit von einer Parallelinstanz der hiermit beschäftigten Neuronen ein Satz, der sowohl in "Schweigen der Lämmer" als auch in "Clerks" vorkommt. Und du kennst den auch noch, du Ferkel!

Mindestens so erotisch auch 2017: "Es dauerte aber nicht lange, bis der Reflex, das industriell perfektionierte 'Argument' und das virtuose Spiel der professionellen Lügner mit den Hormonen der Massen neue Dimensionen erreichten." Party im synaptischen Spalt! Neurotransmitter in Lingerie. Sadomaso im zerebralen Bordbistro. Tempo, Tempo Tempo! Ich brauche jetzt dringend ein Bier.

 
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Schon oft wurde hier festgestellt, dass Sozialdemokratie gescheitert ist, weil sie beim Versuch, Kapital und Arbeit zu 'versöhnen', am Ende immer zum Kapital steht. Das ist aber gar nicht so, weil sie irgendwie böse oder moralisch korrupt wäre, nicht einmal ihre Bosse. Es liegt in der Struktur der Sache. Nun ist es leider so, dass Sozialdemokraten die Sozialdemokratie am wenigsten verstehen. Ihr Grundirrtum macht sie zu einer politischen Witzfigur.

Zwischen Arbeit und Kapital steht nach Ansicht der Sozen der Staat. Ein weiterer furchtbarer Irrtum. Wenn man sich gerade aktuell umschaut, wird das sehr deutlich. Die Nationalismen von den USA über die Türkei, Ungarn bis hin zu Deutschland weisen darauf hin, was der moderne Staat eigentlich ist, nämlich vornehmlich ein nationales Vehikel zur Vertretung von Interessen, die wiederum zuerst die des Kapitals sind. Leuchtende Beispiele dafür: die Politik "America First" mit Frackinggas, Schwerindustrie, Strafzöllen und 'Sanktionen', aber auch die 'Deutsche Autos zuerst'-Politik der Bundesregierungen.

Schland First

Dass ein Feigenblatt namens "Klimapaket" noch kritisiert wird, weil es "der Wirtschaft" schade, versteht sich von selbst. Deutschland über alles; unsere schönen Exporte verteuern sich! Die Kumpanei bei Manipulationen in der Autoindustrie, ständige Flugbegleiter der Bundesregierung aus der Industrie - es gibt erstens keine Unabhängigkeit des Staats vom Kapital und zweitens schon gar keine Gegnerschaft.

Die aber wäre Voraussetzung für die Kontrolle des Staates über Wirtschaft, für das Einhegen® derselben, für wirksame Regulierungen. Das kapiert die Sozialdemokratie aber nicht, dass es hier die Strukturen sind, die Machtverhältnisse, die Bedingungen für das Mögliche und Unmögliche, die jedwede Kontrolle verhindern. Sie glauben lieber an den Weihnachtsmann, es fehle nur der politische Wille®, man müsse diesen nur herstellen. Unsinn. Selbst wenn ihn alle Beteiligten hätten, würde das noch immer an den Strukturen scheitern.

Immer dieselbe Wand

Die Kontrolle der Wirtschaft durch den Staat kann nur funktionieren, wenn dieser jene an sich reißt. Ein autoritärer Staat, wie ihn Steinzeitkommunisten fordern, kann das, und selbst der holt sich die Pest ggf. durch den Außenhandel ins Haus. Ein politisches Vehikel, das Kapitalismus ausdrücklich fördert und aus ästhetischen Gründen umbenennt (soziale Marktwirtschaft®, my ass!) wird aber durch das Kapital kontrolliert, nicht umgekehrt. Das zeigt nicht zufällig alle Erfahrung.

Deshalb ist Sozialdemokratie gescheitert, und zwar zum drölften Mal. Ihr könnt das endlich zur Kenntnis nehmen und euch überlegen, was daraus folgt; welcher Strukturen es bedarf, um politisch wenigstens die furchtbarsten Entwicklungen verhindern zu können - oder ihr könnt das tote Pferd "man müsste nur wollen" weiter reiten, getreu dem Motto: Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.

 
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Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F054975-0011 / Gräfingholt, Detlef / CC-BY-SA 3.0

Tomasz Konicz benennt einige schwere Symptome des Zerfalls einer Parlamentarischen Demokratie in den USA. Er nennt es "Oligarchie im Panikmodus" oder auch, präziser, das Entgleiten der "Kontrolle über den politischen Prozess".

Es war mir selbst bereits aufgefallen, dass in hiesigen Medien offenbar niemand ein Problem darin sieht, wenn für die vorgeblich 'linke' Variante des US-Establishments ein Milliardär ins Rennen gehen will. Die Netzwerke der Superreichen funktionieren zwar intern offenbar noch gut, sie verlieren aber den Anschluss an die Mittelschicht, die bislang in ihrem Sinne das Geschäft besorgt hat. Konicz bringt es auf die Formel, dass die sich nicht mehr einfach kaufen lässt.

Jeder gegen jeden

Derweil findet in den Institutionen, namentlich hier der Justiz, der faschistische Putsch bereits statt. Die unter den rechten (GOP/Republikaner) schon immer gepflegte Tradition, Richterposten mit ideologischen Handlagern zu besetzen, vollzieht sich derzeit mit immensem Druck. Juristische Qualifikation ist eher hinderlich; Fanatismus ist gefragt. Dass sie damit einen massiven, unversöhnlichen Konfikt mit der großen Mehrheit der Bürger heraufbeschwören, ficht sie nicht an.

Während also die rechte Säuberung im Staat bereits läuft, ist es eine andere Schicht derselben Ideologie, die aggressiv mit "Bürgerkrieg" droht für den Fall, dass sich dem jemand entgegenstellt. In dem Maße, in dem sie die Mittelschicht verliert, bindet die dem Faschismus nicht abgeneigte Oligarchie den niedersten Plebs an sich, religiöse wie politische Eiferer, die durch keinerlei Beziehung zu Aufklärung, Rechtsstaat oder Kultur gebremst werden. Diese amerikanischen Taliban warten nur darauf, dass sie endlich den Befehl hören, alles Moderne und Unchristliche zu vernichten.

Krise? Welche Krise?

Die im Establishment als nachgerade linksradikal geltenden Sozialdemokraten wie Bernie Sanders sind in diesem Stadium eine letzte Hoffnung auf ein bisschen politische Stabilität; sie aber haben keinen Rückhalt in den verkrusteten Machtstrukturen. Industrie, Militär und Oligarchie betrachten sie als Feinde. Der Teil des Volkes, der sich nicht durch sie repräsentiert fühlt, ebenfalls, angereichert durch eine Paranoia, die der amtierende Präsident in ungeahnten Dimensionen befeuert.

Zu glauben, dieses Pulverfass könne ein "Bündnispartner" sein, fällt nur Menschen ein, die das Märchen des westlichen Narrativs auch dann noch mit der Wirklichkeit verwechseln, wenn der POTUS ihnen persönlich den Totalen Krieg erklärt. Da kann man nix machen, das sind doch die Guten®. Alles andere ist Antiamerikanismus. Derweil sorgt Amerika selbst dafür, dass von ihm nichts übrig bleibt, dem noch jemand folgen könnte. Wir brauchen wohl wieder einen eigenen Führer.

 
kl

Am Anfang war der Kaffee. Auch im 21. Jahrhundert glauben viele Menschen noch an höhere Wesen, aber muss es die Bibel sein? Fake News von Anfang an. Okay, ein Buch fängt mit Wörtern an, so viel ist wahr, aber das Leben? Das Universum? "Am Anfang war das Wort"?!

Sagen wir es einmal ganz einfach: Der Tag fängt am Morgen an. Dabei macht es überhaupt keinen Unterschied, ob es sich um einen Schöpfungstag oder einen Mittwoch handelt. Es ist auch komplett wurscht, ob der Morgen am Morgen oder am Mittag beginnt; das Einzige, das nicht zur Debatte steht, ist der Kaffee.

Hmm ...

Alles andere ist Beiwerk. Der Eine braucht seinen Bademantel, die Andere ihre Zigarette, irgendwer Brötchen, Croissants, Müsli, Honig, Zeitung, Sex oder Fernsehen. Ich ahne, dass bereits an dieser Stelle die halbe Nation beleidigt ist. Ist euch eigentlich schon einmal aufgefallen, dass es immer die Nation ist, die beleidigt ist? Komisches Ding, so eine "Nation" und sicher nicht meins.

Ich rede vor allem von Teetrinkern: "Wer denkt denn an die Teetrinker?" Hoo, Brauner! Hier muss niemand jemanden schlechtmachen von wegen Nichtraucher, Teetrinker, Schattenparker. Mit all dem kann man leben. Es ist gar nicht nötig, jeder Nation eine Gegennation an die Front zu stellen - Kaffee gegen Tee, Mann gegen Frau, Schwarz gegen Weiß, Amiga gegen Atari. Wo ist da der Sinn? Also, Teetrinker: Euer Kaffee ist halt Tee. Das heißt keineswegs, dass damit §1 außer Kraft wäre. Ohne Kaffee ist alles nichts.

Selbstverständlich und dementsprechend entstanden diese Zeilen auch erst nach dem Kaffee. Vor dem Kaffee ist vor dem Wort. Immer. Das ist Regel null. Wer steht denn auf und fängt sofort an zu plappern? Ernsthaft: Es gibt Leute, die mögen einen, Leute, die mögen einen nicht und Leute, denen man egal ist. Alles verhandelbar, so lange eines klar ist: Vor dem Kaffee Schnauze halten. Laber' mich nicht vor dem Kaffee an, du wirst nicht mögen, was du dann erlebst. Denn das könnte durchaus biblisch werden.

 
Ich lese eine Nachricht; eine mehr. Ist es die eine zu viel? Etwas in mir schreit: Ich ertrage das nicht mehr. Etwas Anderes kommentiert sie lapidar. Als ob man gelähmt mit staundenden Augen dasitzt und sieht, wie sich ein großes Puzzle allmählich zusammensetzt. Ist es jetzt soweit? Oder jetzt? Morgen vielleicht?
Diesmal gibt es keine Zuflucht, nicht auf diesem Planeten.

Update: Ich muss etwas sagen, respektive schreiben, um mich nicht durch die politische Lage zu Boden deprimieren zu lassen. "Wir befinden uns an einem gefährlichen Punkt der Eskalation. Durch Umsicht und Zurückhaltung ist es jetzt wichtig, zur Deeskalation beizutragen", hat uns die Sprechblasendesignerin der Kanzlerin wissen lassen, anlässlich des Mordes, ineins Kriegserklärung, befehligt durch den Volkstribunen Trump, vor die Füße gekübelt.

Da simmer dabei

Es gibt noch immer keine Grenze, die der Westführer oder seine Killer überschreiten könnten, damit irgendwer hier bemerkt, dass es ums Überleben geht. Ich erinnere bei dieser Gelegneheit an eine Warnung des damiligen Oberbürgermeisters von Saarbrücken 1983:

Leute, die einen Atomkrieg für führbar und gewinnbar halten, die können niemals unsere Bündnispartner sein. Das sind Verrückte. […] Es gibt Bedingungen, zu denen eine Mitgliedschaft in der Nato nicht mehr tragbar ist, das heißt, wenn diese Nato uns auf ein Pulverfass setzt, bei dem die Lunte gleich mitgezündet wird.

Meine Ehre

Dafür wurde er freilich von seinem Parteivorsitzenden zurechtgewiesen. Wenn man bündnistreu ist, verdampft man auch artig, das hat der Deutsche so gelernt. Von einem Bundeskanzler kann man da schon gar nichts anderes erwarten, eine Lahme Ente wie Frau Merkel, die noch nie schwimmen, fliegen oder auch nur einen eigenen Gedanken entwickeln konnte, erst recht nicht. Da schickt sie lieber wen vor, der noch treublöder blökt.

Ich habe heute einen recht guten Film über Brechts Projekt "Dreigroschenfilm" gesehen. Sicher hätte ich eine Menge zu meckern, aber er ist nicht nur fein verschachtelt und künstlerisch ansprechend, sondern auch eine bewegende Reminiszenz. So viel Einfluss hast du als Autor und Künstler. Mir bleibt der Trost, dass mit meinem Gehampel wenigstens kein brauchbarer Profit zu machen ist.

 
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Wer nennt eigentlich sein Flugzeug "Boing"? Und wundert sich dann, wenn es sich quasi wie angekündigt zerlegt, dass der Konkurrent, der bei der Namensgebung zwar weniger Phantasie, aber ein durchaus glücklicheres Händchen hatte, einem auftragsmäßig davon fliegt? Ich muss nicht alles verstehen. Selbst Kapitalismus hatte ich mir eigentlich rationaler vorgestellt.

Wie bereits in den Kommentaren, empfehle ich auch hier oben diesen Talk von David Kriesel über seine Untersuchung zur Pünktlichkeit der Bahn im Fernverkehr. Das ist große Wissenschaft verständlich dargelegt. Übrigens auch dieser ältere hier von ihm, wo er sich mit Spiegel Online beschäftigt hat. Was man aus Daten so alles lesen kann, ist ebenso faszinierend wie gruselig.

Nicht minder gruselig ist korrumpierte Wissenschaft nach 'Experten'-Art. Ich wurde neulich eines 'Interviews' im Radio gewahr, das mir den Schaum zwischen die Zahnreihen trieb. Dort behauptete ein "Verkehrsexperte" Professor Sowieso, ein Tempolimit bringe gar nichts und verargumentierte ernsthaft solche Weisheiten wie dass es keinen Unterschied mache, ob man mit 160 oder 130 auf einen Stau auffahre oder dass die moderne Technik dabei auch kaum mehr Spritverbrauch generiere. Das fand ich dann auch unter diesem Link.

Fachexperten rektal

Schon das ist so frech gelogen, dass man sich getrost auch als Laie aufregen darf. Befragt, wusste er aber auch gar kein Argument, das denn für ein Tempolimit spreche. Okay, dass mit dem Spritverbrauch weiß er nicht; er ist ja auch nur Experte, die lernen vermutlich bestimmte Verdrängungstechniken in Seminaren der Autoindustrie. Vor allem aber die höhere Unfallgefahr durch Geschwindigkeitsunterschiede ist ihm ebenso wenig bekannt wie empirische Daten.

Übrigens ist dieser Spezialfachexperte offenbar eine weitere Quelle für den Schwachsinnsvergleich eines Dieselmotors mit einer Kerze, den Herr Neffton in der "Anstalt" zur Lachnummer verwurstet hat. Fun Fact am Rande: Mario Barth, Investigativ-Darsteller, zeigt auf, dass nur "ein diverser Veganer" sich von Dieselruß gestört fühlen kann. Treffen sich ein Diverser, ein Unterschiedlicher und ein Ähnlicher, sagt der Ungefähre ...

Man fragt sich, wer solche Schwätzer eigentlich noch einlädt und warum sie nicht täglich mit gebrauchtem Obst beworfen werden, weil sie sich zum Schaden der Allgemeinheit regelmäßig zum Horst machen. Wenn man sich als Kontrast die Vorträge von David Kriesel anhört, erkennt man den Unterschied: Transparenz der Methoden, Nachvollziehbarkeit der Untersuchung und sehr defensive Formulierungen bei der Auswertung vs. stumpfe Behauptungen als fertige Meinungspackung zur flutschigen Verwendung für Propaganda. Es ist ja nicht immer so eindeutig, aber manchmal wird doch sehr deutlich, dass es nicht an der Wissenschaft liegt, sondern an der Berufsauffassung.

 
Watch this (YT, schlimme Musik, oma- und frauenfeindlich).
Ich erwarte die Hinrichtung aller Verantwortlichen.

 
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Ich tue mich nicht nur schwer, das Meiste dessen, was aktuell als "links" bezeichnet wird, so zu akzeptieren. Was ich von Soizaldemokratie halte, muss ich hier nicht wiederholen. Tatsächlich haben auch die ganzen anderen Strömungen, deren Anhänger sich als links verstehen, den Begriff völlig zersetzt; den Rest gibt ihm die Wahrnehmung derer, die sich anderswo verorten. Die Konzepte sind schon immanent, in sich, widersprüchlich. Bestes Beispiel ist das Konglomerat von Rassisten und Sexisten, die sich ein "Anti-" davor pinseln und leider keine Ahnung haben, was das eigentlich ist.

Eine Ideologie, die jemanden wegen seiner Hautfarbe abwertet, ist rassistisch. Die ideologische Abwertung eines Geschlechts ist Sexismus. Dabei spielt es keine Rolle, ob die vorgeblich Minderwertigen oder Wertlosen Schwarze, Weiße oder Blaue sind, die Minderwertigen und Bösen Männer oder Frauen. Ausgebeutete kranke alte Menschen, die ihr Leben lang für ihre Familien gesorgt haben, als "privilegiert" zu brandmarken und ihnen eine Art Täterschaft zu unterstellen, weil sie Alteweißemänner® sind, ist widerwärtig. Begriffe wie "toxische Männlichkeit" "Manspreading", "Mansplaning" und Ähnliches entspringen Hirnen, die aggressive Diskriminierung für gut und gerecht halten. Sie sind dasselbe wie Geschwafel über Hexen und Untermenschen.

Immer wieder gleicher

Was traditionell als links firmierte, führte Gleichheit im Schilde. Alle Menschen sollen gleich sein - niemand hat weniger Rechte, niemand ist minderwertig. Der Gipfel dessen, was diese Linke stets bekämpfte, waren Ideologien, die Angehörigen bestimmter Gruppen qua Geburt einen Makel zuordneten und sie deshalb herabstuften. Dieser Gedanke führt in der Konsequenz dazu, dass Hierarchien abzulehnen sind - in diesem Bezug hat die organisierte Linke in ihrer Geschichte schreckliche Fehler gemacht. Das, was sich heute so nennt, kriegt zum Teil gar nicht genug von Hierarchien und abgestufter Wertigkeit.

Andere 'linke' Gruppen, die sich anderen ideologischen Dogmen verschrieben haben, stehen im krassen Widerspruch zu den beschriebenen. Zwar haben sie nichts mit den o.g. Diskriminierungen zu schaffen, dafür pflegen sie ihre eigenen, etwa die Antideutschen, die sich besondere Meriten verdient haben durch ihre Vernichtungsphantasien wie den Einsatz einer israelischen Atombombe oder den infantil-zynischen Jubel über "Bomber Harris". Deren Antinationalismus kippt teils ins Gegenteil, vor allem aber rechtfertigt er Massenmord - als Konsequenz aus dem Holocaust. Nazienkel at their best.

All diesen Strömungen ist - im Gegensatz zur Linken nach Marx - eine Unwissenschaftlichkeit gemein, die sie in Form von Pseudowissenschaft gar an die Unis gebracht haben. Satirische Beiträge sind hier nicht mehr von universitären zu unterscheiden, einzig das Resultat steht fest. Das hat die Katholische Kirche kaum besser gemacht. Das Weltbild ist geschlossen, Diskurs wird nirgends als solcher wahrgenommen. Man muss niemanden mehr überzeugen außer sich selbst. Es weht irgendeine Fahne über dem Camp (wie neuerdings bei "Extinction Rebellion", die in unfreiwilliger Komik im NSDAP-Design daherkommt).

Wo der Feind steht

Bestimmend ist einzig die Identität, die wiederum ist geklaut. Man ist Anti, insofern ein Spiegelbild der Pros. Das Feindbild schweißt zusammen und die Soldaten der Bewegung wachen nicht einmal auf, wenn sie exakt dasselbe tun wie die Bösen, nur eben als die Guten. Was darf das Gute? Alles. Was tun wir mit dem Bösen? Wir vernichten es. Dies exakt ist übrigens der Erfolg von Moral mit ihrem Konzept von Gut und Böse, weswegen ich sie auch rundweg ablehne. Ethik wie gesagt ist die Wissenschaft der sozialen Ordnung.

Unter diesen Umständen muss ich darauf verzichten, links sein zu wollen. Aktuell ergibt der Begriff keinen Sinn. Er wird freilich dennoch weiterhin in aller Munde bleiben. Das Spiel ist auch zu lustig: Rechte erkennen ihrerseits in jedem verbohrten Deppen jener 'Linken' einen veritablen Feind, der ihre Reihen zusammenhält. Viel Feind, viel Ehr', viel Identität. Dem allgemeinen Trend politischer Dekadenz folgend, hat sich auch hier die Herrschaft des Rückenmarks etabliert.

Tatsächlich nicht konsensfähig - wohlgemerkt in der sogenannten Linken - scheint das Prinzip zu sein, in dem ich das Urmotiv dessen sehe, was ich einmal unter dem Begriff verstanden habe: "Keine Herren, keine Sklaven". Auf niemanden mehr herabblicken, niemanden bespucken, so ganz ohne Führer und Gefolgschaft soll es offenbar nicht sein. Dann am Arsch, Genossen, ohne mich!

 
Januar: Die Schuldenbremse tritt in Kraft. Das ist der glorreiche Sieg der Schwäbischen Hausfrauenhirne über jede Form ökonomischen Sachverstands. Selbst Marc Beise würde sich im Grabe drehen. Keine Schulden bei Nullzins, keine Investitionen der öffentlichen Hand, das ist Teufelszeug! Lang lebe das Schlagloch, hoch das digitale Mittelalter!
Ihren hundertsten Geburtstag feiern nicht Isaac Asimov und DeForest Kelley. He‘s dead, Jim, he‘s dead! In den USA werden J. Edgar Hoover zum 125. Statuen errrichtet. Zur Feier des Tages feuert die Nationalgarde Salutschüsse – zwischen die Augen der jüngsten Whistleblower. Hail First America! Der „Brexit“ wird auf Juli verschoben.

Februar:
Am 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens fordert die AfD die Revision des Westfälischen Schandfriedens und Deutschland in den Grenzen von 1142. Ein CDU-Spacko findet auf Twitter, dass sei „ein interessanter Ansatz, den man in einer Demokratie diskutieren darf“. Eine linke Zeitung aus Zittau findet das „skandalös“. Don Dingsbums twittert um 5:45 zurück.
Schalttag, Valentinstag, Ananas. Wahlen in Hamburg. Scholzomat verliert sein Amt an einen Hut von den Nazihanseln. Er macht die Bundespartei dafür verantwortlich und fordert Neuwahlen.

März:
Chuck Norris wird 80. Die Sonnenfinsternis vom Dezember wird vorverlegt. Als es auch nach Abzug des Mondes dunkel bleibt, schreit Gott verzweifelt immer wieder: „Es werde Licht!“ Norris dazu: „Ich habe immer noch kein ‚Bitte!‘ gehört“.
Zum 250. Geburtstag Hölderlins wird überall seine Kacklyrik in ödesten Geschwurbel über den Klee gelobt. Jeder näselnde Langweiler, der sich für einen Literaturkenner hält, schwafelt sich um Kopf und Kragen. Der Umsatz von Kiffzeug steigt dramatisch an, hilft aber auch nicht.

April:
Zum 100. von Richard von Weizsäcker zeigt Guido Knopp „Helden der Wehrmacht“ in Spielfilmlänge. Alle Schulen in Deutschland übertragen live.
Helmut Kohls 90. wird zum Desaster. Annekramp Karre-Gretlbauer verwechselt ihn in ihrer Eloge mit Heiner Geißler. Im Tumult zwischen Rücktrittsforderungen und der Selbsternennung Friedrich Merzens zum Parteiführer auf Lebenszeit entkommt Wolfgang Schäuble mit einem Koffer.
Anlässlich seines 75. Todestages zeigt ZDF History „Hitlers Omma sein Friseur“ und „Hitlers letzte Skatrunde – der dritte Mann im Führerbunker“. Ein Meisterwerk.

Mai:
Noch ein Fünfundsiebzigster: Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs. Eine dreitägige Parade von Paris bis Berlin findet ohne den russischen Diktator und mutmaßlichen Drahtzieher Putin statt. Moskau habe nichts beizutragen, so der designierte Bundeskanzler Flip am Tor.
Am 300. Geburtstag des berühmten Baron von Münchhausen schweigt die Republik.Manche Vorbilder bleiben ungefeiert.

Juni:
Zu Ernst Albrechts Neunzigstem ruft seine Tochter das KSK nach Brüssel, um einen fingierten Anschlag auf das Atomium zu verüben. Niemand schert sich einen Dung um das Stück Schrott. Glück gehabt, Uschi!
Es wird über 40 Grad - in Tal-und Muldenlagen. Egal, der alte Mann ist trotzdem schon wieder rattig und kompensiert durch Bergetappen auf geschmolzenem Asphalt.

Juli:
Deborah Harry wird 75. Fünfundsiebzig! Deborah Harry! Leck mich am Arsch, wie lange hab ich eigentlich noch?
Hans-Peter Uhl fordert die Vorratsdatenspeicherung.
Ronald Pofalla erklärt die Fußball-Europameisterschaft für beendet.
Der „Brexit“ wird auf den Tag der Eröffnung des BER verschoben.

August:
Zum 125. Todestag von Friedrich Engels fordern Ex-Bundespräsident Gauck, August Steinmeier und Norbert Walter-Borjans „Nie wieder Diktatur, nie wieder Krieg gegen die Freiheit“. Weil einige Mitglieder der Partei „die Linke“ an einer Trauerstunde um die Mauertoten nicht im Bundestag erscheinen, fordert Hans-Georg Maaßen deren Verbot, und zwar rückwirkend bis 1945. Die Partei „Die Partei“ fordert daraufhin die Hinrichtung von Hans-Georg Maaßen. Der Vorstand der Partei „die Keine Partei“, neu gegründet von Olaf Schlz und Friedrich Mrz, fordert ein Ende der Forderungen. Pofalla findet das gut (like!).
Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski verbrennen die Grünen eine Kritische Gesamtausgabe seiner Werke. In einigen Stadtteilen Berlins wird der Name „Bukowski“ verboten. Heinz Buschkowsky führt eine Gegendemo von 1200 Alkoholikern an, die Bioläden in Prenzlauer Berg mit Leberwurst attackieren.

September:

Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen holt die SPD fast sieben Prozent. Walter Dingens-Bumsjans und Marlene Eckes-Edelkirsch zeigen sich erleichtert. „Mit der Sozialdemokratie ist wieder zu rechnen“, twittern sie auf Twitter. Niemand antwortet darauf.
Der Kaiser wird 75. Franz Beckenbauer haut zur Feier des Tages sechs Dinger in die Torwand, säuft eine Gallone Weißbier auf ex und tanzt nackt Polka. Er kann sich an nichts erinnern und ist weiterhin prozessunfähig.
Zum 50. Todestag Jimi Hendrix‘ spielt der säzzer einen Blues.

Oktober:
Zur Eröffnung des BER kommen Gäste aus aller Welt. Allerdings müssen sie mit der Bahn anreisen. Die Eröffnungsrede hält Hartmut Mehdorn, der verspricht: „Wir werden schon sehr sehr bald Boom, Waam. Sobald sämtliche Gebäude entsorgt und neu aufgebaut sind, werden wir mit den neuen Landebahnen beginnen.“
Der Brexit kommt. England heißt ab sofort „Hongkong Nordwest“. Der Rest Großbritanniens ist bereits unabhängig.
Am 30. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung warnen die Partei-und Fraktionsführungen der demokratischen Parteien der BRD vor Kommunismus, Sozialismus und Diktatur. Die Volksrepublik China kauft alle deutschen Flughäfen.

November:
Donald Trump wird wiedergewählt. Sein Gegner, ein zynischer Milliardär, der versprochen hatte, Russland zu erobern, beschuldigt China, Russland und den Iran. Die genauen Vowrürfe nennt er nicht, diese seien geheim.
Anlässlich des 200. Geburtstages von Friedrich Engels warnen u.a. Ex-Bundespräsident Gauck, August Steinmeier, Andreas Scheuer, Andi Borg, Norbert Walter-Borjans, ZDF, ARD und FIFA vor Diktatur, Krieg und Unfreiheit.
Bundesweit werden Bezieher von ALG II zu Arbeiten auf dem Gelände des BER verurteilt. Nur Bayern macht nicht mit; von hier aus werden Arbeitskräfte für die Sanierung der Asse vermietet.

Dezember:
Die totale Sonnenfinsternis über dem Pazifik fällt aus (siehe oben). Greta Thunberg verklagt Chuck Norris und gewinnt. Thunberg-Witze haben Hochkonjunktur. Kleine Kinder haben Angst. Mütter auch. Väter betrinken sich. Lecker.
An Lemmy Kilmisters Fünfundsiebzigsten gibt Disaster Area ein Konzert im Alphaquadranten. Ich kippe einen Gin Tonic und werfe mir das Handtuch über. Was war das für ein Albtraum; macht‘s gut und danke für nichts!

 
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Wie auch allgemein in der 'historischen' Betrachtung des Nationalsozialismus in Deutschland ist der Blick auf die Vorgeschichte verseucht vom gängigen Narrativ. "Weimar", so ist der wabernde Konsens, wurde durch zu viele Kleinparteien und die Extremisten von links und rechts® entdemokratisiert. (Zur Extremismustheorie hier ein kurzes Video). Das ist keine Analyse, es ist lediglich eine Behauptung, die den Mythos bedient von der guten Demokratie der Mitte, die nur von außen bedroht werden könne.

Falscher geht gar nicht. Was Weimar an Demokratie zu bieten hatte, konnte nicht standhalten gegen die Angriffe von innen - Wehrmacht, Polizei, Gerichte und die mangelnde Autorität des Rechtsstaats. Sobald die wirtschaftliche Situation, in diesem Fall sowohl für das Kapital als auch für die Menschen, instabil wurde, wurde aufgeräumt mit der "Quasselbude", und der längst vorbereitete Putsch musste nur noch losrollen.

Déjà vu

Diese Aspekte sind es, die zu einem Vergleich mit der aktuellen Entwicklung zwingen. Es springen nicht nur die Faschisten aus der Deckung auf die Bühne und erzielen gewaltige Wahlerfolge. Nicht minder werden die Faschisten im Staatsdienst mutiger und besetzen mit ihrer Machtgier die Stellen, an denen der Rechtsstaat bereits ausgehöhlt wurde. Außenpolitisch wurden die Menschenrechte geradezu aufreizend zu einer Frage der kulturellen, westlichen Identität. Muslime, Afrikaner, Russen und Chinesen sind Feinde; im Zweifel "gesetzlose Kämpfer", die gefoltert und ohne Urteil hingerichtet werden.

Innenpolitisch sind die Bürgerrechte das Papier nicht mehr wert. Jeder darf überwacht werden, und zwar von allem, was irgendwie staatlich ist - Geheimdienste, Kriminalämter, Polizeien und Zoll. Aus dem unbedingten Schutz der Privatsphäre wurde das Gegenteil - jeder ist jederzeit verdächtig.

Nicht nur, dass man vor solchem 'Rechtsstaat' keinen Respekt haben kann; es wurde damit ein unerschütterliches Fundament für die nächste Diktatur gelegt. Alle Instrumente sind da. Zu dumm, dass von den Geheimdiensten über die Bundeswehr bis hin zu den Polizeien die gesamte Exekutive Spielwiesen für Nazis sind. Tag für Tag 'Pannen', 'Skandale' und 'Einzelfälle', nicht zuletzt unter 'Elitesoldaten' und in SEKs, und jetzt das:

Ein bisschen verrannt

Die Ermutigung der Faschisten durch deutsche Gerichte geht wieder genau so los wie dereinst. Faschistische Terroristen, zum Mord bereit - nachdem ihre Kumpane bereits zugeschlagen haben - können sich auf den Rückhalt durch Gesinnungsgenossen in Roben verlassen. Zitat aus der Aufforderung, fleißig weiter einen faschistischen Umsturz vorzubereiten: (danke, R@iner):

"Das Gericht sah das alles etwas anders. Es nahm Marko G.s Reue ab und dass er sich bei der Vorbereitung auf einen Tag X verrannt habe. Waffen und Munition seien zwar „teilweise unsystematisch aufgefunden worden“ und Marko G. habe sich auch nach der ersten Durchsuchung 2017 illegalerweise Behördenmunition beschafft, das sei allerdings „in einem deutlich geringerem Umfang als zuvor“ gewesen. „Das ging schon in die richtige Richtung“, so der Richter. [..] Auch dass die Nordkreuz-Gruppe ein Kassenbuch zum gemeinsamen Munitionskauf führte, spreche gegen kriminelle Energie. „Wer Straftaten plant, der schreibt es nicht so einfach auf.“ [..] Zu Gunsten des Angeklagten wertete das Gericht auch, dass es ein großes mediales Interesse an dem Prozess gegeben habe. Zusammen mit den erheblichen Sicherheitsmaßnahmen könne da sehr schnell der Eindruck einer Vorverurteilung entstehen."

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