2005-2013 (alle Beiträge)
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Best of 2005-2013

 
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Die Antifa und die politisch korrekte Linke sind hinter mir her. Ich werde ignoriert, unterdrückt und verunglimpft. Meine Werke sollen begraben und ich mundtot gemacht werden. Ich wende mich hiermit an die Öffentlichkeit, um diese Angriffe auf meine Freiheit und meine Lebensgrundlage publik zu machen. In der Folge werde ich Petitionen, Unterschriftenaktionen und Kundgebungen ankündigen.

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichsten an: Wo ist mein Wikipedia-Beitrag? Hm? Einst einer der einflussreichsten Publizisten in diesem Land, bin ich zudem einer der Letzten der Ersten, gar in der Lehre tätig, Buchautor, Kingkiller und nicht zuletzt weithin beliebtes Feindbild. Dennoch werde ich von diesem Auswurf der Schwarmblödheit nur zitiert, wenn es um andere Dödel geht. Zufall?

Try Harder

Meine Beiträge zu 'Werken' anderer Anbieter wurden und werden regelmäßig unterdrückt, sogar von einflussreichen Sozialdesolaten wie Roberto de Püntes. Das ist Kanzelkultur vom Übelsten. Ich werde meine Anwälte einschalten, was sage ich, Dieter Nuhr! Und wo wir bei den Heinis aus der (ehemaligen) Nachbarschaft sind: Seit Jahren werde ich nicht mehr von den Naschdenkseiten verklinkt. Niemand hat mir je gesagt, warum. Ich kann es mir denken: Dieser Hanswurst Berger ist neidisch; nicht nur auf meine Schreibe, auch auf meinen geilen Arsch. Das ist sexistisch!

Obwohl alle alles tun, um mich irrelevant erscheinen zu lassen, werde ich seit eineinhalb Jahrzehnten ungemindert attackiert, im Inneren wie im Äußeren. Trolle in den Kommentaren und solche, die sich für 'Blogger' halten, pöbeln und rotzen ein Zeugs, das jedem Schweinestall zur Unehre gereicht. Ja, und Morddrohungen waren auch darunter. Also das, was man dafür hält, wenn ein Spacko mit dem Finger im Arsch am heimischen Pezeh seine Vernichtungsphantasien in die Tastatur adlert.

Wo bleibt die verdiente Ehrung? Das Beste, was mir widerfuhr, war bislang die Verglimpfung als Zensor. Auf der anderen Seite schrecken die Hetzer nicht einmal vor der Verballhornung meines Namens zurück, womit sie auch meine Mutter beleidigen, was wiederum eine zünftige Vendetta legitimiert. Ich weiß, wo eure Autos wohnen! Was ist das hier für ein Land, das seine intellektuelle und literarische Elite mit Faustschlägen in die Tonne treibt? Es wird euch nichts nützen. Nennt mich Oscar; ich werde immer wieder den Weg ans Licht finden!

 
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Die Sozialdemokratie, deren eminenter Nachteil es ist, nicht nur eine Partei zu sein, sondern auch noch so zu heißen, kann in ihrem Stammland die Tapeziertische jetzt in aller Ruhe zum Museum tragen. Am Stammtisch ist gerade eh nix los, die alten Kneipen pleite, viele Genossen schon tot, also kann man - das Wetter spielt ja wunderbar mit - in den Park gehen und Enten füttern. Oder gleich durch zum Friedhof, warten, bis man dran ist.

Die Komik daran ist so verschlungen, filigran und vielschichtig, dass keiner lacht, weil es niemand kapiert. Die beste Voraussetzung dafür - also das Nichtkapieren - liegt schon in den Tiefen des Wurzelwerks, heißt "sozialdemokratisch" doch ungefähr "zu doof für Kapitalismus". Ihr findet das polemisch? Ich nenne es beschreibend, denn sie setzt seit hundertfuffzich Jahren auf den Bürgerlichen Staat. Die vermeintliche Arbeiterpartei setzt ausgerechnet auf den Bürgerlichen Staat!

USP: Es war einmal

Sagt, was ihr wollt, aber schlau ist das nicht. Was die Eigentümer, Profiteure, Kapitalisten, heute hochgeehrt als "Arbeitgeber" und "Investoren", brauchen konnten an Sozialstaat, haben sie zugelassen, bei anderer Gelegenheit wieder einkassiert, und was davon übrigblieb, verwaltet die bürgerliche "Union" allemal besser als der entsetzlich deprimierende Rest eines SPD-Personals. Wer Bürgerlichen Staat will mit ein bisschen Sozialleistungen (aber bloß nicht zu viel; die Faschisten in der SPD haben ja sehr deutlich gemacht, dass man die Unnützen besser verhungern ließe), ist mit Merkel, Laschet und Söder gut versorgt.

Dann diese 'Linke', omfg. Noch mehr Sozialdemokraten, und wenn ihnen etwas Eigenes einfällt, ist es blödes Zeugs. Kann weg. Weil nämlich unter anderem alles, was diese verwöhnten Mittelschichtsrevoluzzer können, bei den verwöhnten Mittelschichtsgutmenschen der Grünen einfach besser aussieht. Die stehen für gutes, professionelles Design. Es ist immer noch Kapitalismus, aber mit gutem Gewissen, weil man es ja immerhin wollen würde. Und irgendwas mit Umwelt. Genau, was die verblödeten VW-Kunden brauchen. Kauf' ich!

Der Rest geht an die Hassgesichter einer neidischen braunen Truppe mit dem Herz der FDP, dem Spirit eines SA-Stammtischs und dem Verstand eines besoffenen Hauptschülers. Überall immerhin Alleinstellungsmerkmale. Das der SPD ist Gestern. Vorbei, verpasst, unnütz. Wie ein Blind Date, bei dem du versetzt wirst. Immer wieder. Jedes Mal verspricht die Braut dir weniger und schickt dir ein hässlicheres Foto. Das braucht kein Mensch. Wer soll das wählen?

 
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Die Merkel-Junta macht das doitsche Volk fix und fertig. Ihre neueste, perfekte Perfidie: Warnungen vor Warnungen, die dann nicht stattfinden. Das ist die Hölle! Und wer denkt denn an die Kinder?!! Die armen Kleinen mit den großen Augen, die vor dem drohenden Sirenengeheul unter Tischen und Aktentaschen kauernd auf ihr jähes Ende durch den Atomschlag warten, sie werden nicht einmal mehr erlöst und müssen dort bis zum nächsten Probealarm verharren - wenn der jemals stattfindet.

Unsere Alten, die das alles noch von Vierzigfünfundvierzig kennen, haben sich im Keller verbarrikadiert, wo - mit brutaler Präzision geplant - ihre Alarm-Äpp nicht funktionieren kann, weil sie keinen Empfang haben. Sowieso nicht, wegens (was ist eigentlich das Gegenteil von Digitalisierung? Fingeramputation?), sondern eben wegens Keller. Dann, obendrein, weil funktioniert eh nicht. So elendig im Stich gelassen, paniken unsere Senioren ein letztes Mal und sterben ohne Corona - um die Statistiken aufzuhübschen!

Kaputt? Profitabel!

Dass in diesem Land nichts funktioniert, das irgendwie unter "Infrastruktur" gebucht werden kann und keine Fernschnellstraße ist, kennt man ja schon. Nunmehr wird es als Waffe eingesetzt. Dazu hat unter anderem die Dachorganisation deutscher Inkassovampire einen ganz neuen Service im Portfolio: Nicht nur, dass Energieversorgung, Telefon, Gesundheitsdienste und so fort den Profiteuren zum Schmaus auf den Grill gelegt worden sind, nein:

Jetzt haben sie eine freshe Idee, wie sie "Kundenbindung" wörtlich nehmen dürfen: Einfach Fesseln anlegen. Du wechselst deinen Anbieter, weil er dich mit Lockangebot angelockt und konsequent mit Abzockpraxis abgezockt hat? Ha! Das gehen wir sagen! Dann ist es aus - erst mit Wechseln, dann mit Versorgung; denn du gehörst uns, Melkviech, Kundenpack, Zahlsklave!

Und ihr so, (Ossis) ...

Hand in Hand, Seit' an Seit‘ woll'n wir schreiten, Kapital und Politik, Neo und Liberal, Arsch und Zwirn. Das Beste an dem ganzen Geraffel: Das hat alles einmal euch gehört. In der DDR sowieso, tzia. Dann kam der Bananenaufstand, gefolgt von den Kohlwählern und der gerechten Strafe. Und das Allerallerbeste, ich mache mir fast ins Hemd vor Vergnügen:

Dass wir euch ein paar Dollars überweisen, die wir vorher den Arbeitern (also auch euch) abnehmen, nennen wir, ich krieg mich nicht mehr ein, erst "Solidarität" und dann "Enteignung der Steuerzahler". Enteignung! Nachdem wir euch aber auch wirklich alles abgenommen haben, das ihr-seid-das-Volkseigentum war und ihr noch brav "Danke!" gesagt habt. Echt jetzt. Ich liebe diesen Staat. Ich stehe einfach auf gute Satire.

 
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Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0909-423 / Sindermann, Jürgen / CC-BY-SA

Kommen wir zum Kern des Begriffs: "Demokratie", eine Herrschaft des Volkes. Im Grunde reicht das schon, um den mythischen Charakter der Idee festzumachen. Was soll das sein, ein "Volk" und wie soll es (über sich selbst) herrschen? Nicht zufällig ist "Volk" ein politisch rechts zu verortender Begriff, der entsprechend mit allen möglichen Mythen aufgeladen wird.

Es gibt Entstehungsmythen, Abstammungsmythen, rassische Mythen und religiöse Mythen, auf denen sich der Begriff aufbauen lässt. Einer rationalen Definition entzieht er sich. Und gerade wenn man ihn entkleidet und auf die eben anwesende oder eingeschriebene Bevölkerung bezieht, zerfällt er.

Mitbestimmung

Herrschaft nämlich, Macht, ist keine rein politische und Politik schon immer abhängig, das sollten nicht nur Marxisten verstanden haben, von der Ökonomie - viel mehr als umgekehrt. Das deutsche Projekt "Bundesrepublik" war u.a. darum von Anfang an ein sozialdemokratisches. Prototypisch für diesen Ansatz steht die Idee "Betriebliche Mitbestimmung".

Nicht nur der Staat sollte vermeintlich von innen und außen durch seine Bewohner kontrolliert werden, auch die Wirtschaft, nämlich über die Betriebe und ihre innere Organisation sowie über Gewerkschaften, an deren Macht vorbei kein Unternehmen sollte walten können. Das sah anfangs auch beinahe so aus, als könne es funktionieren.

... geht vom Kapital aus

Nehmen wir den Schnelldurchlauf: Ehe jemals wirklich Arbeiter und Angestellte über ihren beruflichen Alltag oder gar die Produktionsbedingungen bestimmen konnten, wurde ihnen das bisschen, das sie hatten, wieder genommen. Der Trend geht seit Langem zum Mietsklaven, Hire and Fire, Lohnstagnation und sowieso Befehl und Gehorsam. Ja, die 'Demokratie' postuliert "Gleichheits- und Freiheitsrechte, die sie aufgrund ihrer Eigentumsverhältnisse gar nicht einlösen kann." Man hätte das wissen können, zumal in den 50ern Marx noch gelesen wurde.

Der Staat, jene Demokratie, die sich ausdrücklich "liberale Demokratie" nennt, schwächt sich absichtsvoll und seiner Grundideologie folgend selbst und gleichermaßen innerhalb seines schwindenden Einflusses den der Arbeiterschaft. Der Verzicht auf die Bestimmung der Produktionsbedingungen - was ja kommunistisch gewesen wäre - und die Beschränkung auf 'Mitbestimmung' hat nicht gehalten. Das Kapital, der Verwertungszwang, bestimmt über Arbeit und Staat, am Ende total.

 
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Die Idioten mit ihrer Idiotenpropaganda sind unterwegs. Was macht man da bloß? Nun, das ist wie Fußball-WM und Olympia gleichzeitig: Man haut mal so richtig alles das raus, wofür sich selbst die strammsten auf Linie gebürsteten Trommelschläger sonst schämen. Dass ihnen nicht einmal irgend etwas Neues dazu einfällt, belegt einen unbändigen Vernichtungswillen gegen jeden Intellekt.

Einmal mehr wird ein russischer Staatsbürger 'vergiftet'; einmal mehr mit "Nowitschok". Von dem wurde die Öffentlichkeit bei Ersterscheinung informiert, es sei speziell von russischen Giftspezialisten erschaffen worden, um das tödlichste, nein das Tödlichste zu sein, das je den Erdball verseuchte.

Zu doof zum Töten

Seitdem hat fast jedes Opfer dieses Zeugs überlebt, und jetzt kommt einer hinzu, der das Kontaktgift sogar saufen kann, ohne daran zu verenden. Hört man da Zweifel? Es kommt drauf an, was man hört. Auf gleich drei Sendern dudelte mir im Radio der Stuss in die Ohren: "Gift, das mit dem russichen Geheimdienst in Verbindung gebracht wird". Wie herrlich verschämt unverschämt; nur dass wir die B-Note leider abziehen müssen, müsste es doch heißen: "Das wir immer mit den Russen in Verbindung bringen".

Und kaum ist der Dreck geworfen, werden (das muss diese KI sein) automatisch "Sanktionen" gefordert. Prompt springt der Chefschaumschläger der Atlantiker und Lautsprecher des Militärisch-Industriellen Komplexes, Wolfgang Ischinger, aus dem Trump Busch, um die Sabotage von Nord Stream 2 zu fordern. Gut, dass die Russen so blöd sind.

Die publizistische Strategie ist offenbar die, dass der Niveaulimbo nie zu Ende gehen soll. Mit dem Straßenkarneval der Aluhüte wähnt man sich sicher, alles abledern zu können, das den Mief hier riecht, denn nur Verschwörungstheoretiker können ja an den Produkten der Freien Presse® zweifeln. Weiß man doch jetzt, wo die anderen alle so irre sind.

Na dann ...

Zu dumm nur, dass diese neuerliche Attacke der unsäglichen Atlantiker, die durch ihren NATO-und Rüstungslobbyismus die totale Verwüstung der Außenpolitik in Parlament und Redaktionen zu verantworten haben, nicht nur die Aluhüte auf die Palme bringt, sondern jeden, der nicht die Tagesschau einschaltet, um eine Heilige Messe zu feiern. Nicht unerwähnt sei am Rande auch, dass sogenannte Think Tanks wie die INSM von Gesamtmetall innenpolitisch ebenso ganze Arbeit geleistet haben.

Es werden Glaubenssätze gesprochen, Satane bekämpft und Rituale bedient. Es wird gesungen und gefeiert, und wenn das nicht reicht, eben gebrüllt und gemobbt. Es wird phantasiert, gefiebert und gefordert, projiziert und halluziniert. Ganz Gallien? Nein. Ein paar Unbeugsame stehen noch immer am Dorfrand und kratzen sich. Einen Zaubertrank haben sie freilich nicht. Was uns bleibt, ist der Alkohol.

 
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Die Rechten fühlen sich derzeit pudelwohl; wollen sie doch nichts anderes als das, was ist, nur angereichert mit offener Diskriminierung, ethnisch gesäubert und klarer Befehlsgewalt für einen, den sie als Übervater anbeten können. Kapitalismus ist okay, nur nicht mit Juden; Willkür ist okay, nur nicht von Ausländerfreunden; Ungerechtigkeit ist okay, wenn nur die Richtigen bevorzugt werden.

So weit, so blöde. Nicht weniger blöd ist aber das, was von einer vermeintlich 'Linken' übrig ist, was ich ausnahmsweise einmal ausdrücklich auf die von 'Corona' bestimmte Lage beziehe. Eine Linke ohne Theorie, ja, ohne jedes Verständnis von Ökonomie, Rechtswissenschaft und den systemischen Zwängen der politischen Sphäre, ist so nahe an der Blödheit des vermeintlichen politischen Gegners, dass die Verschwörung zum gemeinsamen Offenbarungseid naheliegt.

Der 'Linken' ist Marx längst zu kompliziert, selbst Bontrup zu hoch. Sie haben sich in einer Parallelwelt eingekuschelt, in der politische Entscheidungen allein vom Willen der Entscheider abhängen und diese eben verantwortlich sind für die politische und wirtschaftliche Realität. Sie folgen dem Niveau journalistischer Narrative, in denen immer Personen im Vordergrund stehen und Macht die der "Mächtigen", "Eliten" und "Herrschenden" ist. Eben das "Danke, Merkel!"-Niveau.

Starke Männer

Nun wird im Alltag selten etwas herausragend entschieden, was ihnen eine Art Passivität bedeutet oder eben Stabilität - alles gut! - und nicht etwa das mitgerissen Werden im Fluss des Kapitals. Seit Jahrzehnten verhält sich Politik unauffällig alternativlos im Kielwasser von Industrie und Kapital. Alles, was einer 'Linken' dazu einfällt, sind Forderungen einer Restauration, aber das hat dann auch wieder keine Eile.

Faschisten und Sozialdemokraten sind sich einig: Sie wollen zurück ind die 70er Jahre. Die Einen eben ins neunzehnte, die Anderen ins zwanzigste Jahrhundert. Auf einen Willi könnte man sich auch einigen. Beide Fraktionen sind sich, außerparlamentarisch, auch darin einig, dass man sich mit den realen Bedingungen politischer Entscheidungen (rechtlich und ökonomisch) nicht lange zu befassen hat. So eine Aktentasche ruiniert bloß die rebellische Pose.

Und dann kommt Corona daher, eine Ausnahmesituation, in der man tatsächlich Entscheidern beim Entscheiden zugucken kann, Beratern beim Beraten und Praktikern beim praktizieren. Als sei dies nun endlich der Beweis für das Willkürregime einerseits, das auf die Theorie der Willkür (s.o., "Mächtige") ja ganz gut passt, erhebt sich Rinks wie Lechts, und sie klagen an, weil sie das Regime entlarvt haben.

Rebellion

Zudem fühlt es sich alles so unmittelbar an: Man darf dies nicht und muss das, ganz ungewohnt und plötzlich. Anders als bei jahrzehntelang eingeschliffenen Unterdrückungsregimen wie Hartz-Gesetzen oder Angriffskriegen (die einem ja eh nicht wehtun). Da ist dann Rebellion angesagt gegen die große Mutti, ohne sich für irgendetwas selbst verantworten zu müssen. Zum Tragen kommen dabei wie bei anderen Pubertierenden auch alle 'Argumente', die jede Diskussion im Keim ersticken.

Und so zieht man dann zusammen los mit seinen Allmachtsphantasien, ohne rechts rüber zu schauen, wo komische Leute herumlaufen, die bestimmt von Mutti geschickt wurden, um den Spaß an der Fete zu trüben. Dass das Nazis sind, waschechte Faschisten, mit denen man sich da auf einer Ebene trifft, muss ausgeblendet werden.

Nicht nur, dass die Jungs mit den Hakenkreuzen auf die Dauer eine echt unangenehme Gesellschaft sind und man nicht weiß, wie man sie wieder loswird. Die Ähnlichkeit der Motive und das, worauf solche Experimente hinauslaufen, kann die Psyche auf keinen Fall zur Kenntnis nehmen. Lieber schnell zur nächsten Demo, dem Zweifel immer einen Schritt voraus.

 
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Wenn ich mich schon wiederhole, dann substanziell: Ich kann diese Spezies nicht leiden, der anzugehören ich verflucht bin. Mehr noch: Als mit den Gesetzen der Physik Vertrauter habe ich keine Hoffnung auf irgendeine Erlösung durch Aliens. Dieses Billiguniversum ist auf Lichtgeschwindigkeit limitiert, und bei der Lektüre der publizistischen Erzeugnisse dieser Tage ist das extrem deprimierend.

"Tausende" las ich zuletzt quasi täglich. Wer schreibt so etwas? Tausende hier (Berlin), tausende da (Weißrussland). Es gibt nicht viele Ausdrücke, die ganz unabhängig von Inhalt und Hintergrund Propagandamittel sind. "Tausende" ist einer davon. Das muss eigentlich jeder Schmierfink zumindest ahnen, der sich dessen bedient. Zwischen zweitausend und einer Million minus eins liegt die ganze Welt, der Unterschied zwischen Macht- und Ohnmachtsdemonstration.

Der beste Text der Menschheitsgeschichte

Es geht ja nur mehr um Symbolik und großes Tamtam, um die sicher folgende Enttäuschung einzuleiten. Ich nutze selten Youtube, heute weiß ich wieder, warum. Egal, was du suchst und worum es geht, es ist alles "epic", "best ever", "AMAZING" und sowieso "!!!!!". Ich empfinde das als Belästigung. Wer so etwas mitmacht, ist ein Idiot unter Idioten.

Und dann diese Bilder. Aber die Kinder!!! Wenn einem nichts mehr einfällt, um seine irrelevante Meinung auf das Level 'unangreifbar' zu hieven, dann sucht man sich ein paar traurige Kinderaugen, projiziert seinen unmaßgeblichen Dung auf das vermeintlich ohnmächtige Opfer und versteckt seine Interessen dahinter. Das kann ja wohl niemandem egal sein, da muss man sofort etwas tun vieleausrufungszeichen

Ich gucke gern

Wenn du nur in Bildern denken kannst, gibt es Möglichkeiten: Male Bilderbücher. Kommuniziere in Emojis. Werde Fotograf. Aber lass das mit den Texten, das beißt sich nämlich. Die Penetranz des Bildes verwüstet den Text. Jeden Text. Deshalb schreien sie auch alle nur noch Judenstern, Hitler, Kinderschänder, Kampf bis zum Tod. Ach ja, und "Wer denkt denn an die Kinder?!", längst ein Running Gag im Netz.

Es ist kein Unterschied zwischen Propaganda und Gegenpropaganda. Es ist auch keiner zwischen Mainstream- und Alternativmedien. Es gibt keine "Gegenöffentlichkeit". Was es gibt, ist hirnloses Geschrei aus allen Kanälen und die theoretische Option, sich von einem Zweifel zum nächsten vorzutasten, der immer unsicheren Erkenntnis entgegen. Aber das schreibe ich auch schon wieder für diejenigen auf, die das ohnehin wissen.

 
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Bildquelle: Wikimedia Commons / Colin Smith

Nein, es ist trotz der aktuell naheliegenden Themen nicht die Rede von überrechtlichem Notstand; aber mit dem kann man ganz gut einsteigen. Eine gute Gesetzgebung - oder auch Regelung sozialer Beziehungen jenseits des Bürgerlichen Staats - geht sparsam um mit den Festlegungen. Will man also dem Gegenteil noch irgend akzeptabler Zustände beim Metastasieren zuschauen, nehme man sich das deutsche Steuerrecht vor. Je weniger, je einfacher, desto besser, denn man kann nicht alles im Vorhinein bestimmen.

Katastrophen gleich welcher Art etwa kann man organisatorisch vorbereiten, aber was wo wie im akuten Fall geregelt werden muss, kann man nicht wissen, weil man Art und Umfang des Notstands nicht vorab definieren kann. Es braucht daher Ressourcen, über die im Notfall verfügt werden kann, Instanzen, die organisieren und die Kommunikation mit den direkt oder indirekt Betroffenen. Das ist auch ganz allgemein empfehlenswert, aber schon bei den Ressourcen deutet sich an, dass die Eigentumsordnung dem entgegensteht.

Nur das Beste

Gesetze also müssen sich aufs Wesentliche beschränken und nicht für jede frische Idee oder die Interessen Einzelner zugänglich sein. Sie bieten den Rahmen einer Rechtsgesellschaft, der allgemein akzeptiert werden muss und dürfen nicht zum Instrument herrschender Gruppen oder Personen werden. Die Gefahr, dass gerade das geschieht, liegt in der Möglichkeit von Sondergesetzen und dem Herumschrauben am Gesetzeswerk aufgrund von Stimmungen und kurzfristigen Einflüssen.

Wie so oft, erweisen sich hier die Bürgerliche Gesellschaft, ihr Staat und der politische Umgang damit als eine Fehlerkette, die nicht zufällig in der sozialdemokratischen Variante ihre Reinform findet. Das ergibt sich wie so oft nicht aus dem Hass gegen eine politische Strömung, sondern aus der Analyse der Strukturen. Dass die Sozialdemokratie gerade untergeht, hat sie durchaus mit ihrem Staat gemein. Der wird zwar gern benutzt, aber kaum mehr respektiert.

Sozialdemokratie ist der naiven (oder bereits senilen) Ansicht, man könne den Staat und seine Gesetze dazu benutzen, den Massen, den Arbeitern, Arbeitnehmern, Angestellten, okay, den höheren Angestellten ein auskömmliches und angenehmes Leben zu sichern. Man könne durch Gesetze jeweils auf den akuten Zustand des Kapitalismus so reagieren, dass dieser den Menschen diene.

Dem deutschen Volke

Was dabei herumkommt, ist ein Filz von Gesetzen (insbesondere Wirtschafts- und Steuerrecht), der ein reges Eigenleben führt und im Endeffekt strikt dem Lobbyismus folgt. Würde sie je allerdings ihr seit über einem Jahrhundert gebrochenes Versprechen wahrmachen, wie könnte sie das? Sie könnte es nur, indem sie rigide Sondergesetze erließe, die enteignen, brutal umstrukturieren und mit der gesetzlichen Eigentumsordnung jede Rechtssicherheit zerstören.

Das will sie freilich nicht, das kann sie nicht, aber wenn es darauf ankommt, so hat sie immer wieder unter Beweis gestellt, wird sie gegen jeden Anstand alles (mit)machen, um die Eigentumsordnung zu erhalten. Ja, bis jemand kommt, der die Eier hat, zuerst Sondergesetze zu erlassen, um dann die Rechtsordnung komplett in die Tonne zu treten - um einmal mehr Volk und Nation zu retten.

 
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Der Rückfall in Mythologie ist immer ein Symptom dafür, dass wer in der Moderne nie angekommen ist oder sie nicht mehr erträgt. Das Erstarren des Systems ohne auch nur die Aussicht oder große Idee einer Alternative leistet den Kräften Vorschub, die ihre Aktivitäten am besten gleich ganz auf die symbolische Ebene verlegen. Der Kapitalismus ist übermächtig, also erklärt man ihn implizit oder ganz offen für alternativlos, um eben irgendwelche Symbole zum Kulturkampf aufzublasen und das für Politik zu halten.

Ein Sportclub, der Jahrzehnte lang "Chiefs" hieß, also "Häuptlinge", verbietet seinen Mitgliedern, Federn im Haar zu tragen. Das sei antirassistisch und löse Probleme, denken jene, die sich mit solchen nutzlosen Aktionen billige Aufmerksamkeit verschaffen. Auf der anderen Seite verklären selbsterklärte Helden und Opfer mit ganz großer Geste die Papiermaske zum Judenstern und die Pflicht zum Tragen dieses Schutzutensils in bestimmten Arealen für einen Holocaust. Kleiner geht's nicht, und zwar nicht bloß, wie hier schon beschrieben, wegen der Inflation in der Aufmerksamkeitsökonomie, sondern auch, weil Mythologie stets aufs Ganze geht.

Geisterglaube

Es geht in den Narrativen der Mythologen immer um die ganze Welt, die geheimen Zirkel der Allmächtigen, den Kampf auf den Tod, totale Vernichtung oder den eben solchen Triumph. Wie schön, dass uns die Elendsphase des Kapitalismus eine weltweite Pandemie beschert, denn damit ist ja schon das endgültig Globale des Ereignisses gesichert. Jetzt muss nur noch der heldenhafte Kampf her. Der funktioniert paradoxer Weise sehr gut angereichert mit nationalem Pathos oder wenigstens solcher Ignoranz. Die Verschwörung ist zwar global, aber erst in nationales Geschehen zerlegt, kann man sich damit effektiv gegen allzu komplexe Befunde immunisieren. In Amerika sterben sie hunderttausendfach? Aber hier doch nicht; trotzdem werden wir noch schlimmer geknechtet!

Dasselbe haben wir längst unter denen, die ihre Nische im Kapitalismus polstern, sprichwörtlich Sicherheitszonen fordern, wo ihnen kein Leid mehr geschehen kann, während die wütende Ausbeutung Failed States, Hungertote und Fenstersprünge als alltägliche Kollateralschäden hinnimmt. Da kann man nichts machen. Für den Fall aber, dass eine Handvoll transsexueller Menschen sich durch die deutsche Sprache beleidigt fühlt, muss diese zur Unleserlichkeit geändert werden, das ist dann der große Freiheitskampf der 'Linken'.

Darunter und buntgemischt tummeln sich Homöopathen, Esoteriker, Spiritualisten und komplette Spinner, sodass man beinahe die traditionellen Anhänger unsichtbarer Wesen vergisst. Deren Organisationen sind allerdings so eng mit dem Establishment verbunden, so korrupt, kriminell und widerwärtig, dass ihr Einfluss langsam, aber immerhin, nachlässt. Dummerweise aber ausgerechnet dort nicht, wo die öffentliche Kommunikation bestellt wird: in der Mittelschicht und ihrer politischen Vertretung, die durchsetzt ist von Pfaffen und Kirchenfunktionären und die obendrein von einer 'christlichen' Partei dominiert wird.

Das große Märchen

Im Grunde ist also das Establishment ein guter Grund und Anlass, umso aufgeklärter dagegenzuhalten. Die Dekadenz ist aber zu weit fortgeschritten, und mangels Aussicht auf positive Veränderung wird das Vakuum vorläufig besetzt durch Endzeitpropheten und andere Märchenerzähler. Deren Vorteil liegt auf der Hand: Sie haben für jeden Geschmack eine Story zu bieten und laufen auf der Höhe ihrer Widersprüche erst zu ganz großer Form auf, wo rational orientierte Geister schweigen und grübeln.

Der ganze Salat wird vorzüglich angerichtet in den Schüsseln, wo jeder Depp sich ein Kostüm seiner Fa­çon umhängen kann, um - der kaputte Zustand wird ja herzzerreißend adäquat durch die Kulturindustrie gespiegelt - als einer von tausend Superhelden oder rülpsendes Ekelpaket der Zombieapokalypse herumzuschlurfen. So weit, so elend, und wie immer ist der Clou der Angelegenheit, dass sich niemand angesprochen fühlt. Man hat sich schließlich informiert!

 
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Wenn ich mir so zuhöre in meinen bisherigen Ausführungen zum Thema, komme ich zu dem Schluss, dass kein Mensch Gleichheit will. Menschen sind nicht gleich und wollen nicht gleich sein. Sie wollen auch gar nicht als Gleiche alle mitentscheiden. Vielmehr mögen viele - unter unterschiedlichen gesellschaftlichen Realitäten - durchaus gern andere machen lassen - solange sie nicht völlig entmündigt werden.

Der Gedanke der Gleichheit in der Bürgerlichen Gesellschaft bzw. ihrer Revolution war ohnehin negativ definiert: Es sollte eben keine Fürsten mehr geben, die über ihren Untertanen standen. Das deutet in der Tat auch schon darauf hin, dass der Grundgedanke nicht nur feudale oder absolutistische Dynastien ablehnte. So etwas wie Geldadel war durchaus nicht Teil des Narrativs. Die neue Gesellschaft sollte weniger ungleich werden.

Hierarchien

Das Gegenteil hat sich ergeben, nicht weniger ungleich und noch viel mächtiger als je ein Königshaus gewesen ist. "Gleichheit" meinte weniger Ungleichheit, meinte das Recht, als Mensch unter Menschen leben zu dürfen und niemandem zu gehören. Es sollte die Knechtschaft abschaffen und nicht durch die Schuldknechtschaft für alle ablösen. Die Theorie war idealistisch, in die Idee verliebt, ohne die Bedingungen der Realität zu erkennen. Das musste scheitern.

Der Kommunismus ging in der Theorie endlich noch den entscheidenden Schritt weiter und hatte sogar ein Organisationsprinzip parat, das Selbstbestimmung ermöglichen sollte, nämlich über die Räte, wobei das so gedacht war, dass die Kommunen souverän entscheiden sollten und nicht eine zentrale Hierarchie über ein Weltreich. Der Leninismus hat insofern den Kommunismus auf den Kopf gestellt und alle seine depperten Ideen mit der Stabilität militärischer Hierarchien durchgesetzt.

Es deutet sich an, dass sich dies als das zentrale Dilemma erweist: Bestimmte Strukturen, und zwar eben hierarchische, sind effizienter und stabiler als andere. Wer also den Ausweg aus der systembedingten Fremdbestimmung und Ungleichheit sucht, muss Wege finden, gesellschaftliche Strukturen stabil zu machen ohne Hierarchien zu zementieren. Dabei kann es sich gleichzeitig erweisen, dass in Organisationsstrukturen Hierarchien unerlässlich bleiben.

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