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Best of 12/2013-02/2021
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Best of 2005-2013

 
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Das generische Maskulinum ist ihnen spinnefeind. Die Unfähigkeit, sich auch nur vorzustellen, dass eine Form alle Menschen meint, ist die Eintrittskarte. Es darf diese Form nicht geben, weil es sie bereits gibt und sie eben in wichtigen Bereichen Maskulinum ist. Für eine einflussreiche halbgebildete Peergroup in Medien und Politik (das, was von der Uni gleich in die entsprechenden Bereiche verklappt wurde und dort seinen Fanatismus auslebt) ist alles 'Männliche' ausdrücklich "giftig".

Die Person, das Subjekt, der Mensch – die Sprache nimmt in ihrer generischen Gestaltung keine Rücksicht auf natürliche Geschlechter. "Sie" ist nicht fraulich, "er" nicht männerhaft und "es" keine Sache. Das ist jedem klar, der sich ernsthaft und wissenschaftlich mit Sprache befasst. Wem die Ideologie wichtiger ist, darf hingegen die Inkompetenz pflegen, das nicht zu wissen.

Kapitalismus pur

Alte weiße Männer sind das Feindbild dieser Ideologen, ein solches ist ihnen offenbar unverzichtbar. Identitäre Konstrukte (Binnen-I, Sternchen, Unterstrich, Doppelpunkt, LBGTQI+UKWMfG) sind ersichtlich gescheitert und taugen nur dazu, nach der Art von Schauprozessen Abweichler zu markieren. Es geht darum, die Moral der Peergroup allen Sprechern und Autoren überzustülpen.

Das Konzept will Menschen entrechten, anstatt endlich Gleichheit zu schaffen. Es geht um Kategorien, in die man Menschen einordnet: Rassen, Sexualität, Geschlechter, Altersgruppen. Das haben wir aber alles längst. Linke haben einmal ihr Leben dafür eingesetzt, das zu ändern. Heute nennt sich ein neuer Rassismus "links", weil er den der Rechten auf den Kopf stellt.

Es ist im Kern eine Kopie kapitalistischer und vorkapitalistischer Herrschaftsformen. Es ist ein Herrschaftskonzept. Obendrein sind die Protagonisten so blöd, nicht zu erkennen, dass sie damit Herrschaft zementieren und die bestehende als solche anerkennen. Auch hier triumphiert die Dummheit der Moral: Das 'Gute' soll gewinnen, anstatt endlich die Dualität von Gewinnern und Verlierern zu durchbrechen. Es ist eine Ausgeburt der Konkurrenz, der kapitalistisch geheiligten Ungleichheit.

 
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Die Opfer dieses Massakers werden posthum als “mutmaßliche Extremisten” diskreditiert. Welchen Sinn macht das? Liegt in diesem Status, gegen den sie sich nicht mehr wehren können, der gute Grund für ihre Tötung? Sind die Toten alle gleichermaßen selbst Mörder, zumindest potentielle? Sind sie nicht vor allem weitere Opfer, tote Menschen? Nein, sie sind “mutmaßliche Extremisten”. So klingt pure Kriegspropaganda, und es sollte niemandem, der solch extremen Mist publiziert, gestattet werden, sich Journalist zu nennen.
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Da Herr Liefers höchstpersönlich in Syrien war, ist er nun Experte für alles. Er weiß genau, wer dort gegen wen kämpft, wie das alles einzuschätzen ist und was daraus zu folgern. Vorher war nämlich, so die FR, noch kein “westlicher Prominenter” dort. Es braucht also westliche Prominente, um die Lage endlich zu durchschauen und die einzig richtige auch “humanitäre” Entscheidung zu treffen: Bomben gegen Bomben.
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In den kommenden Jahren musste man sich daran gewöhnen – die Amerikaner kannten kein Zurück, Deutschland beteiligt sich seitdem an seinem längsten Krieg seit dem 17. Jahrhundert, aber daheim blieb es friedlich und einigermaßen übersichtlich.
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Die dezentralen Folterlager der ‘Guten’ im Irak werden flexibel vor Kontrollen verborgen, die den Kampf gegen den Terror der Bösen beeinträchtigen könnten. Da kann es schon mal passieren, dass Inhaftierte ratzfatz von “Lager Ehre” in “Lager Gerechtigkeit” verlegt werden.
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Kann man wirklich nein sagen zum treuen Partner Saudi-Arabien, dem bislang noch alles geliefert wurde, was er verlangt hat? Kann man den Ölprinzen verbieten, präventiv nachzurüsten, wenn die Dämme ohnehin gebrochen sind? Wie sollte man das rechtfertigen? Sicher nicht mit Menschenrechtsverletzungen, denn die werden den Scheichs seit Jahrzehnten als Folklore ausgelegt. Vielmehr foltert der freie Westen ja inzwischen auf Augenhöhe mit.
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Oder ist “Verantwortung” nur das, wo ‘wir’ oder unsere ‘Freunde’ töten? Afghanistan? Irak? Kassettenbomben, Abu Ghreib und Guantanamo? Ist das “Verantwortung”? Regime hochrüsten und dann ihre Länder mit Luftangriffen überziehen, wenn einem die Nase des Diktators nicht mehr passt?
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Schicke Bilder in Panzerweste machen ihm Spaß, ebenso wie semantische Spielchen. Der letzte Hit ist “nicht-internationaler bewaffneter Konflikt” als Sprachregelung für den Krieg in Afghanistan. Zuvor hatte es neue Orden gegeben und Durchhalteparolen.
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Das Kosovo ist weniger Staat als Schalke 04, es schien aber den außenpolitischen Strandhaubitzen Merkel und Steinmeier opportun, ihrer launigen Ahnungslosigkeit freien Lauf zu lassen, um Russen und Serben eins auszuwischen.
Die Anerkennung des Kosovo war reine Provokation, der Versuch, dort irgendwie Fuß zu fassen, ist zum Scheitern verurteilt. Mit dem Kosovo haben sich Deutschland und die EU ihren eigenen Mini-Irak geschaffen, mit der Einschränkung, daß dort nichts zu holen ist. Das furchtbare Resultat der Stümperei ist für die Bevölkerung des Kosovo eine Geiselhaft. Für jede Laune bekannter und unbekannter Mächte werden die Menschen dort leiden, ohne jede Aussicht auf ein annähernd ziviles Leben.
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Was habt ihr denn geglaubt, wie es zugeht, wenn ein Land besetzt wird? Wie viele Kriege hat es gegeben, in denen keine Unschuldigen zu Opfern wurden, in denen nicht wahllos gemordet, gefoltert und vergewaltigt wurde?
Was die Dummheit der Empörten offenbart: Die meisten derjenigen, die sich derzeit über die bösen Ungerechtigkeiten im gerechten Krieg erregen, werden beim nächsten Mal wieder in der Koalition der Willenlosen mitmarschieren.

 
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Chronistenpflicht: Ich habe vor einigen Tagen ganz allgemein darauf hingewiesen, wie Propaganda funktioniert, und angedeutet, was wir derzeit in deutschen Medien erleben. Im Folgenden habe ich nach den Regeln der Kriegspropaganda nach Arthur Ponsonby einige Beispiele aufgeführt, die ich auf die Schnelle fand – ein Kollege ist auch dabei.

Das ist weder vollständig noch repräsentativ, aber es dokumentiert, dass hier auf breiter Front Kriegspropaganda gemacht wird – von Medienschaffenden, die sich ernsthaft als objektiv und der Wahrheit verpflichtet betrachten. Q-Journalismus halt; dabei werte ich die Beispiele nicht, sondern zitiere sie nur. Da das Ganze dokumentarischen Charakter hat, dürft ihr gern eure persönlichen Highlights in den Kommentaren hinterlassen.

1. Wir wollen den Krieg nicht.
2. Das feindliche Lager trägt die Verantwortung.

Unprovoziert
Unschuldig
Russland will sich die Ukraine einverleiben
Ukraine-Konflikt: Putins Imperialismus
Putin-Stellvertreter will "bis Lissabon"
Großmacht-Vision ist eine Kampfansage


3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel.

Putin macht den Stalin
Putin ist ein gefährlicher Narzisst
Mafiaboss und Blutsäufer
Putins Schuld und Merkels Beitrag
Das Böse
Der neue Hitler
Ein Verbrecher hat kein Mitspracherecht


4. Wir kämpfen für eine gute Sache.
8. Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.

Präsident Wolodimir Selenski sagte in der Nacht zum Mittwoch, in die Anstrengungen zu ihrer Rettung seien einflussreiche internationale Vermittler eingeschaltet.

Ukraine-Konzert: Mit Bob Dylan für die gute Sache
Die Ukraine kämpft auch für unsere Sicherheit und die demokratische Zukunft Europas.
Bundle for Ukraine: Gute Games für eine gute Sache
Charity-Konzert für die gute Sache

Prominente, die im Ukraine-Krieg Partei ergreifen
Prominente erzählen: So gehen wir mit dem Krieg in der Ukraine um
Ukraine: Von DiCaprio bis Maschmeyer – Promis spenden

5. Der Feind kämpft mit unerlaubten Waffen.

Indes fragt sich der Westen, ob Moskau auch chemische Waffen einsetzt.
Setzt Putin Giftgas ein?
Putins Phosphorbomben – darum sind sie so schrecklich
Putin soll bereits Phosphor-Waffen eingesetzt haben
Wladimir Putin: Schock-Video aus der Ukraine: Kreml-Tyrann setzt Phosphorbomben ein


6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.


Zahllose Kriegsverbrechen wurden unter Wladimir Putin begangen
Russland als Weltmeister der Kriegsverbrechen
Gliedmaßen werden einfach abgeschnitten
Ohne Grund erschossen
Russischer Soldat gesteht Kriegsverbrechen
auch Kriegsverbrechen von der ukrainischen Seite wurden vereinzelt gemeldet

[Zur NATO/US und ihren Kriegen:]
Untersuchungen von Kriegsverbrechen der US-Streitkräfte sollen derweil “depriorisiert” werden.
der präziseste Luftkrieg der Geschichte
Kollateralschaden einer humanitären Intervention
Terroristen mit Präzisionsbomben getötet
Unbeteiligte kamen nicht zu Schaden

7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.

Russischer Angriff stockt
Putins Offensive stockt
Wladimir Putin stinksauer: Invasion fehlgeschlagen
Mariupol kostet Russland viele Kräfte

Die Helden der Schlangeninsel
Totgeglaubte Helden von ukrainischer Schlangeninsel wohl noch am Leben Ihr Schicksal bewegte die ganze Welt
Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in seiner Videoansprache, die Ukraine brauche ihre Helden lebend
Kiew will alle Soldaten aus Azovstal-Stahlwerk retten

9. Unsere Mission ist heilig.

Stoppt Putin jetzt
Mariupols Helden in Putins Gefangenschaft
Asow-Stahlwerk in Mariupol evakuiert: Diese Soldaten sind Helden
Kaum einer der Kriegsgegner leugnet, dass diesem Nato-Waffengang gute Absichten zugrunde liegen
Im ARD-Presseclub vom 27. März wurde auf Qualitätsunterschiede in der Kriegspropaganda hingewiesen; auf die Ziele russischer Desinformation, die den Angriff rechtfertigen wolle, während ukrainische PR als Mittel der Selbstverteidigung und zur Stärkung der Moral diene.


10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.


Lumpen-Pazifisten
Wie kann man da noch Pazifist sein?
Pazifismus muss man sich leisten können
Unreflektierter Pazifismus
Toxischer Pazifismus
Putinversteher
Hass auf die Nato, dafür Verständnis für Russland
Wer sind die deutschen "Putin-Versteher"?

 
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Der Trend ist eindeutig: Nachdem der Kommunismus schon in den 70ern mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden ist, hat es in den 2020ern den Rest linker Positionen abgeräumt. Wirtschaftsliberalismus und atlantischer Bellizismus haben den totalen Durchmarsch geschafft. Was sich heute noch "links" nennt, kann das nur wegen seiner kompletten Geschichtsvergessenheit. Wer linke Politik will, bleibt den Wahlen fern.

Pazifismus und Internationalismus, die Vorstellung einer allgemeinen Solidarität, der zufolge Arbeiter nicht auf Arbeiter schießen, ist von der politischen Bühne verbannt. Ausgerechnet ein überaktiver Teil der verwöhnten Mittelschichtsjugend hat das ehemals pazifistische und sozialistische Milieu zersetzt. Wo einmal antikapitalistische Solidarität gefeiert wurde, herrscht nunmehr Klassismus im Gewand eines "Anti", das im Kern selbst rassistisch und sexistisch ist.

Mittelschichtsterror

Einerseits versteigt sich die unreflektierte Sauce einer Pseudotheorie in die 'Kritik' einer "Meritokratie" – es soll niemand für seine Leistungen befördert werden – andererseits unterstützt die darunterliegende Religiotie die Ideologie des Leistungsträgertums, das eben nichts mit Leistung zu tun hat, sondern für Eigentum steht. Die Hierarchien der Parteien sind die perfekten Filter, um nur kapitalfreundliche Halbgescheite vorankommen zu lassen. Wer abweicht, wird niedergeschrieben und niedergeschrien.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist nach wie vor gegen jeden Krieg, gegen jede Beteiligung und gegen Aufrüstung. Die letzten Jahrzehnte, vor allem der Angriffskrieg in Afghanistan, haben gezeigt, dass die politische Elite mit dem Gegenteil durchkommt. Die deutsche Kriegspolitik wird in D.C. bestimmt. Das ausführende Personal bestimmen die Atlantiker. Sozialpolitik wird vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall (INSM) entworfen, von Verlagseigentümern propagiert und dann exekutiert. Wer sich dagegenstellt, wird medial bis aufs Blut bekämpft.

Dennoch sind die Meisten nicht überzeugt. Während CDU und FDP noch echte Klientelpolitik machen wie eh und je, machen die ehedem Linken Klientelpolitik für CDU- und FDP-Anhänger. Die SPD mit Aktentasche, die Grünen schön bunt. Die sogenannte Partei "die Linke" hat sich zwischen faulen Ostwurzeln, Gendergeschwafel und Restradikalismus selbst zerlegt. Zudem haben reflektierte Linke längst erkannt, dass der korrupte Parlamentarismus kein Terrain für sie ist.

Syntax Error

Das Ergebnis sehen wir: Immer weniger Menschen gehen zur Wahl; es ist vollkommen egal, wer gewählt wird, die Inhalte sind festgelegt. Eine grundlegende Kritik der Zustände findet selbst in 'alternativen' Medien kaum statt, weil die Analysen grundfalsch sind. Obwohl sie einen anbrüllt, verbieten sie sich die Erkenntnis, dass die parlamentarische Demokratie systemisch bedingt im Würgegriff des Kapitals keine Alternativen zulässt. Da ist nichts zu reformieren.

Allein die Möglichkeit, abweichende Ansichten zu äußern, so dass sie gehört werden, ist schon beschränkt und wird durch waschechte Zensur ("Netzsperren") inzwischen auf Diktaturniveau unterdrückt. Selbst wenn es um Leben und Tod geht, hat allein die politische Aristokratie das Wort. Inzwischen verweigern sich die Massen, dem noch zuzustimmen. Was ist der nächste Schritt?

 
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Es klingt ein bisschen platt, mit Charaktermasken ohne Charakter einzusteigen, aber die Diskrepanz zwischen dem Personenkult im politischen Betrieb und der Qualität der Besetzung legt es nahe: Wir haben es mit leeren Gefäßen zu tun, die hohle Phrasen absondern und nicht einmal mehr versuchen, ihre roboterhaften Entscheidungen zu vermitteln.

Sie kriechen seit Jahrzehnten aus denselben Faselfabriken, den "Young Leaders"-Programmen von WWF bis Atlantikbrücke e.V. und ihren Altherrenklubs, den Netzwerken der Neoliberalen und ihrer transatlantischen Verfilzung; sie sind Politiker, Vermögende, Ökonomendarsteller und Journalisten, die sich früh kennenlernen und ein dichtes Netz aus Kumpanei bilden. Willfährige Adabeis.

Netzwerke

Es kann sich jeder selbst auf den Weg machen und sich anschauen, wer sie sind und wie sie aufsteigen – oder auch abstiegen, wenn sie den Pfad verließen. Der Eine war "gefährlichster Mann Europas", die Andere vielleicht nur nicht distanziert genug von irgendwas. Prototypisch vielleicht die Karriere von Cem Özdemir, der erst einer Banalität wie der Bonusmeilenaffäre zum Opfer fiel, um später als glühender Atlantiker zurückzukehren.

Es ist noch immer nicht so, dass sie alle Befehle von der zentralen Weltregierung bekommen, aber die Strukturen sind so poliert und geölt, dass sich die Einheitsfront geschmeidig formiert, wenn der Große Bruder sie ruft. Die Peergroup verlangt Einigkeit; wer nicht dabei ist, ist dagegen und fliegt raus. Wer am lautesten brüllt, was alle brüllen, wird zum Vorbild verklärt. Ausgerechnet eine Stulle wie Anjantanja Borbeck wird zur großen Außenpolitikerin hochgejazzt.

Wirklich? Was hat sie denn so Großartiges geleistet? Welche diplomatischen Erfolge hat sie vorzuweisen? Ach so, die Schmierfinken haben in ihrem Bücklingsgehorsam schon völlig verdrängt, dass das Anjas Job gewesen wäre. Kriege verhindern, nicht anfachen. Gewalt vermeiden, nicht verlängern.

Ende der Politik

Oder was sind ihre Fähigkeiten, wenn es darum geht, eine politische Lage zu analysieren? Die Verflechtungen von ausgeübter Macht mit ökonomischen Zwängen, Strategien, Interessen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Hemmnisse? Wann hat sie das wem wie erklärt? Ach, gar nicht? Nie? Kein Stück? Aber chic unterm Eiffelturm posen, das findet die Generation Insta geil. Wiederwählen!

Ich habe neulich ein Lob erfahren für mein "politisches Blog" (thnx, T.S.), was mich nachdenklich gestimmt hat. Ist das noch ein politisches Blog? Gibt es noch Politik da draußen? Es nagt der Zweifel ganz gewaltig an mir. Andererseits habe ich das hier schon lange als eine Art Trost empfunden. Irgendwie diese Zeiten aushalten, in denen Hoffnung wieder einmal die kleine feige Schwester der Angst ist.

 
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Todd und Geufel sitzen wie jeden Freitag am Ufer des Flusses und schauen Leichen beim Vorbeitreiben zu.

Sag mal, Todd, ist dir schon wieder der Kanister mit den Arschlöchern ausgelaufen?

Wäre das nur so! Ich habe beim letzten Mal wohl noch viel tiefer in die Grütze gegriffen, als wir dachten.

Das sag mal laut! Was ist bloß in die gefahren? Reiche ich denen nicht? Jetzt gehen diese Besserverdiener geschlossen auf die alten slavischen Untermenschen los. Ich dachte, das hättest du abgestellt.

Ich? Wieso schon wieder ich? Gar nichts hab ich. Ich habe ihnen diesen freien Willen …

Muuhahah! Alter, soll ich mich jetzt abrollen vor Lachen oder hörst du auf, mich zu verarschen?

Du weißt, was ich meine. Ich entscheide nicht, sie entscheiden.

Was du "meinst" … fängst du jetzt auch an mit Meinungen? Ich bin ja nicht blöd. Du entscheidest nix, okay. Aber die da im Wasser? Die rennen alle hinter irgendwem her und schreien "Hurra", bis sie hier vorbeischwimmen. Früher musste ich ihnen noch Tips geben, wie sie sich gegenseitig abmurksen und noch so tun können, als wär das genau das Richtige.

In meinem Namen, wohlgemerkt, in meinem Namen!

Völlig richtig, das war ja das Geile. Dann hast du was getan? Ein bisschen Verstand nachjustiert? Und das kam dabei raus?

Du hast das ja nur wieder ausgenutzt, damit sie den für blutige Revolutionen missbrauchen.

Blutig, blutig … für Revolutionen, ja, sonst wär das ja nicht vorwärts gegangen. Das mit dem Blut machen diese Schwachmaten ganz von alleine. Das ist ein Feature. Das ist deine Grütze.

Ach ja, immer meine Grütze. Was willst du denn so? Ein Ding, das du an einer Feder aufziehen kannst und das dann immer brav im Kreis läuft?

Es gibt ja auch ein Mittelding. Das da macht mir echt zu viel Punk. Als Nächstes machen die dein komplettes Werk ein, rien ne vas plus. Haben sie schon zweimal versucht, nur haben sie diesmal endlich das passende Besteck dafür. Boom!

Sollen sie doch. Ich kann sie eh nicht in den Kanister zurückschütten.

Yo, dann kannst du das ja nochmal mit etwas edleren Materialien versuchen.

Ich? Nochmal das ganze Theater? Dann baue ich mir lieber ein paar Einhörner und Ponys zum Kämmen. Das nächste Mal kannst du ja den Schöpfer machen und ich übernehme das Qualitätsmanagement.

Das inspiriert mich beinahe zu einer kleinen Motivationshilfe.

Untersteh dich! Wenn, dann sollen sie das gefälligst auch selbst durchziehen.

Klar, Chef. Ich geh dann mal in den Puff, solange es noch einen gibt. Nächsten Freitag kann das ja schon vorbei sein.

Ja, mach das mal. Bis nächste Woche!

Hau rein, bis dann!

 
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Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.

Hermann Göring 1946

 
 
"Russische Soldaten sollen auch Männer und Jungen vergewaltigt haben."

Ehemaliges deutsches Nachrichtenmagazin 2022
 
"Auf der anderen Seite steht ein substanzieller Teil der Friedensbewegung, die ich den deutschen Lumpen-Pazifismus nennen möchte."

ebenda
 

"Wir können auch einmal frieren für die Freiheit. Und wir können auch einmal ein paar Jahre ertragen, dass wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben."

Joachim Gauck, Pfarrer und ehemaliger Bundespräsident

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‘We do not target civilians’, says Nato spokesman Jamie Shea. Yet it stretches credibility to describe all Nato attacks on civilians as ‘accidents’. The bombs that hit Nis marketplace on 3 May, for example, were cluster bombs designed to kill and maim people with shrapnel, although the stated target was an airport runway. Similarly, when Nato hit a bus on 1 May, killing 47 people, was it also an accident that Nato aircraft returned for a second strike, hitting an ambulance and injuring medical staff at the scene? It is certain at least that the attack on the television building in Belgrade was carried out in the full knowledge that civilians were inside. Nato’s definition of a ‘legitimate military target’ is flexible enough to include homes, schools and hospitals.

Übersetzung:

"Wir zielen nicht auf Zivilisten", sagt Nato-Sprecher Jamie Shea. Dennoch ist es unglaubwürdig, alle Nato-Angriffe auf Zivilisten als Unfälle zu bezeichnen. Die Bomben, die beispielsweise am 3. Mai den Marktplatz von Nisch trafen, waren Streubomben, die dazu bestimmt waren, Menschen mit Granatsplittern zu töten und zu verstümmeln, obwohl das erklärte Ziel die Landebahn eines Flughafens war. Als die Nato am 1. Mai einen Bus traf und dabei 47 Menschen tötete, war es ebenfalls ein Unfall, dass Nato-Flugzeuge für einen zweiten Angriff zurückkehrten, einen Krankenwagen trafen und Mediziner verletzten?
Sicher ist zumindest, dass der Angriff auf das Fernsehgebäude in Belgrad im vollen Wissen um die Anwesenheit von Zivilisten durchgeführt wurde. Die Nato-Definition eines "legitimen militärischen Ziels" ist flexibel genug, um Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser einzuschließen.

Die Regeln der Kriegspropaganda nach Arthur Ponsonby:

1. Wir wollen den Krieg nicht.

2. Das feindliche Lager trägt die Verantwortung.

3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel.

4. Wir kämpfen für eine gute Sache.

5. Der Feind kämpft mit unerlaubten Waffen.

6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.

7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.

8. Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.

9. Unsere Mission ist heilig.

10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

 
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Was ich bislang noch gar nicht in der gebotenen Deutlichkeit gesagt habe, weil die Moralisten mit ihrem Gebrüll alles Andere in die Defensive drängen: Was ihr da treibt, ist nach euren eigenen Maßstäben Beihilfe zum Massenmord. Schlimmer noch: Ihr tut euer Bestes, um die ganze Spezies auszulöschen, aus niederen Motiven.

Was ihr für Ideale haltet in eurer Selbstgerechtigkeit, verlängert einen Krieg, erzeugt tausende Opfer und birgt das realistische Risiko von Milliarden Toten. Das ist im Gegensatz zu euren Szenarien, die stets das Heilige der Wirklichkeit vorziehen, inzwischen erschreckend realistisch. Freiheit oder Tod, ja? Russland darf nicht gewinnen, das ist das vornehmste aller Ziele. Als sei das ein Fußballspiel.

Für Gott und Vaterland

Ich will einmal beispielhaft für viele idiotische Einlassungen zum Thema Folgendes zitieren: Auf die Folgen der Kriegsverlängerung hingewiesen ("folglich wollen sie weiter kämpfen und scheinen zu glauben, den Krieg "gewinnen" zu können. Das ist eine zynische Politik, der Menschenleben egal sind – von beiden Seiten") antwortet ein Diskutant ernsthaft:

"Definiere "vorbei". Vorbei im Sinne von Russland ist jetzt um eine Ukraine größer? Soll das so sein? Fänden die Ukrainer|innen das cool? Und was käme als nächstes? Alle Nicht-NATO-Staaten mit Grenze zu Russland werden ebenfalls "eingemeindet"? Ich weiß nicht, aber das kommt mir kein Stück weniger zynisch vor."

Schon die Sprache ist so infantil, dass es einen graust. Ob jemand das "cool" finde, sei hier die Frage angesichts ja genau der Verbrechen (es gibt keine Kriegsverbrechen, der Krieg ist das Verbrechen), die solche Hanswurste in ihre Moralpredigten einbauen. Es soll weitere tausende Opfer geben, für die Gerechtigkeit.

Frieden und Freiheit

Die Möglichkeit einer Kapitulation wird von diesen Kriegstreibern kategorisch ausgeschlossen. Die einzige Möglichkeit, die weiteres Sterben verhindert und die Eskalation beendet, wird aus moralischen Gründen für unmöglich erklärt. Ergänzend folgt stets das 'Argument', das Böse würde dann ja weiteres Böses tun. Wie blöd muss man sein, wie ignorant gegen Fakten, (Vor-)Geschichte und politisch/ökonomische Interessen?

Ihr mit eurer Moral befeuert einen Krieg, dessen Ausgang von vornherein feststeht. Der Irak wurde von den USA mit einem brutalen Angriffskrieg überzogen, dessen Anlass eine Propagandalüge war. Hat der Aggressor sich von der Gegenwehr beeinflussen lassen? Interessiert es die Befehlshaber, wie viel ihres Menschenmaterials sie dabei verbrauchen? Ihr wisst, dass eure Moral eine Lüge ist.

Die Folgen sind noch insofern unklar, als dass man nicht weiß, ob diese militärische Phase eines Wirtschaftskriegs zur Auslöschung der Menschheit führt. Eure Unterstützung für die Verlängerung und Eskalation des Krieges aber ist Beihilfe zum Massenmord. Das folgt aus einer moralischen Sicht, wenn sie die Fakten nicht für ihren Hokuspokus ausblendet: Sie selbst ist ein Verbrechen.

 
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Dieser Zeit stinken die Früchte des narrativen 'Journalismus' zum Himmel. Wer Storytelling für eine schlimme Entwicklung hält, muss sich deutlich machen, dass die Schicht darunter bereits um eine entscheidende weitere Stufe kompostiert ist: Religion. In der Tat, man riecht den Haufen nicht mehr.

Sogenannte "Verkündigungssendungen" sind ein wichtiger Teil der Verflechtung von Kirche und Staat, die den Kirchen trotz aller kriminellen Machenschaften in ihren Reihen, ihrer gegenaufklärerischen Missionen und der millionenfachen Abkehr ihrer Schäfchen die Macht sichern. Was sie im Gegenzug dafür leisten, ist ebenso fatal wie unbezahlbar.

Halt du sie …

Die Kinder vergewaltigenden Moralhüter und ihre sexuell anders orientierten Kumpane impfen die Gesellschaft mit Magischem Denken und dem Gehorsam vor Autoritäten. Ihre vor allem asketischen Heilslehren und Hierarchien sind die sinnbefreite Blaupause für das auf Effizienz getrimmte Pendant in der Industrie und die ewige Selbstoptimierung. Ihr Bekenntnis wie ihr vormodernes Modell von Himmel und Hölle sind das Vorbild für lebensverachtende und mordlüsterne Ideologien aller Art.

So wie Putin seinen Patriarchen hofiert, auf dass der ihm heilige Weihen verleiht, ist die hiesige Landschaft von christlichen Fanatikern geprägt – von den amerikanischen Evangelikalen bis hin zu den eifernden Evangelen der deutschen Grünen. Sie stehen für erbarmungslose menschenfeindliche Moral, den Heiligen Krieg und die totale Unterwerfung unter einen festgelegten 'Willen'. Seit es nicht mehr der von Fürsten und Führern sein darf, ist es halt der einer 'Demokratie' – die Ideologie der politischen Herrschaft.

Exorzismus

Vor nichts hat diese Kirche mehr Angst als vor Rationalität, Wissenschaftlichkeit und Zweifel. Der rationale Zweifel, die Triebkraft des Wissens, die Neugier der Forschung ist der Tod des Glaubens, der Bekenntnisse und des Gehorsams. Selbstverständlich war den Kirchen die Idee der Demokratie im Innersten zuwider. Wie immer hat sie sich aber nach langem Widerstand angepasst und das Ganze von innen zerfressen.

Heute brüllen sie wieder die Bekenntnisse von den Kanzeln und in die Kameras, prangern die Ketzer an und führen Kreuzzüge gegen das Böse. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Das Konglomerat der kirchlichen Prediger und ihrer weltlichen Mitstreiter aus der Mittelschicht hat ein gemeinsames Ziel: Machterhalt oder Tod! Dabei kommt nicht einmal mehr die Frage auf, um wessen Macht es da geht. Der Tod scheint ohnehin attraktiver. Es ist dieselbe Untergangslust, die überkommene Ideologien schon immer ausgezeichnet hat – und die Kernkompetenz der Kirchen.

 
Unser nächstes kleines Thema. Opa Hayek erzählt vom großen Omm-Omm, irgendwer versucht, Waren zu "allozieren" und wir finden das alles ganz schön heilig.

Bitte hier entlang.

Viel Spaß!

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