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Bildquelle: Bundesarchiv Bild 183-J05235, Berlin, Großkundgebung im Sportpalast.jpg

Der real Existierende® à la Sowjetunion oder DDR war nicht nur für Wessis in vielerlei Hinsicht eine Veranstaltung, die als “Farce” zu bezeichnen gerade annähernd die unfreiwillige Komik streift, die Verachtung des Volkes, der Menschen, die man auf beleidigende Art und Weise für dumm verkaufte.

Die Reden des Staatsratsvorsitzenden eine einzige Strapaze, lächerlich in Attitüde und Selbstbeweihräucherung, erträglich nur durch das bizarre Genuschel, dem man wenigstens etwas Erheiterndes abgewinnen konnte, wenn man zynisch genug unterwegs war.

Die Parteitage eine einzige Inszenierung, Realitätsverweigerung mit Bügelfalten, Absurditätenkabinett von Parteipfaffen für Blindgläubige oder Zwangsrekrutierte, staubiger als eine katholische Messe in lateinischer Sprache. Immerhin gab es das Andere, an das die Hoffnung sich klammern konnte, das Draußen, das dem Drinnen keine Ruhe ließ.

Nichts gelernt

Die Sieger der Geschichte haben nichts gelernt. Und gerade weil sie nichts gelernt haben von den Verlierern, verhalten sie sich längst genau so wie diese in der Zeit vor ihrem Untergang. Die Dekadenz trieft aus allen Poren der fetten Gesichter einer Klasse, die sich ihre absurde Weltsicht von sprichwörtlichen Claqueuren schönklatschen lässt.

Befehlsempfänger, Abnicker, Applausroboter. Funktionäre, deren erpresste Zustimmung total zu sein hat. Steht einer nicht auf oder klatscht nicht mit, wenn der Faschistenfeldherr kommt, dann ist er Putinmann oder gegen Demokratie. Er muss gelistet und gemeldet werden. Man muss aufpassen, denn der Russ ist überall – im Kongress, in der Nachbarschaft und im Dienst als Doppelagent.

"Wachsam" müssen wir sein, sagt der Herr Minister. Wer ist verdächtig? Wer macht nicht mit? Wer applaudiert womöglich ironisch? Deutschland, du kannst ruhig schlafen. Unsere Regierung, unsere Medien und die von ihnen zur Wachsamkeit aufgerufenen Bürger passen auf. Hüben wie drüben. Damals wie heute.