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Neulich spazierte ich an einer S-Bahn-Trasse entlang, als eine Bahn passierte, die in Tarnlook gestaltet war. Eine fahrende Reklame für eine Bewerbung um das Amt des Kanonenfutters bei der Bundeswehr. “Mach was Sinnvolles” stand darauf oder so ein dummdreister Quatsch. Wie hieß das damals noch: “Be a man. Kill a man!”

Jemand (vermutlich Jungvolk, man fragt sich allerdings, woher sie das Wort überhaupt kennen) hatte diesen Waggon erklommen und auf äußerst rebellische Art die Spraydose angesetzt, um in deutlich sichtbaren Lettern, weiß auf Camouflage, das Folgende aufzusprühen:
Nein, Zivildienst!!!” Auch hier wird erbarmungslos und ohne Vorwarnung vom Exklamationszeichen Gebrauch gemacht.

So weit geht das mit der sozialdemokratisch verblödeten Jugend. So sieht ihr Widerstand gegen imperialistische Kriege und die Werbung dafür bei Menschen, die zwar noch nicht wählen, aber schon einmal töten lernen dürfen, aus. Wir wollen uns anders ausbeuten lassen, um die ohnehin mickrigen Löhne in der Pflege drücken zu helfen. Befehl und Gehorsam, jawoll, aber nur an der anderen Blut- und Scheißefront. Ohne schießen.

Sirjasir!

Wie immer, wenn so ein Quatsch verzapft wird, ist reichlich Unwissen dabei, vor allem geschichtlicher Art. Ich möchte hier nicht einmal auf den militärischen Zweck des Zivildienstes eingehen, aber zu bedenken geben, dass das ZDG weitgehend eine Abschrift des WPflG ist. Fahnenflucht geht da so:

(1) Wer eigenmächtig den Zivildienst verlässt oder ihm fernbleibt, um sich der Verpflichtung zum Zivildienst dauernd oder für den Verteidigungsfall zu entziehen oder die Beendigung des Zivildienstverhältnisses zu erreichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.

Ich kann mich sehr gut an das Verfahren erinnern. Das wollen sie wieder haben, als Ergänzung zur Bundeswehr. Für Leute, die sonst nix können und nicht einmal zum Pflegehelfer taugen, vielleicht? Wie wäre es stattdessen gewesen mit “Gehorche und stirb!” oder Ähnlichem? “Zivildienst”! Du kannst gleich mal anrücken, ich bepiss mich nämlich gerade.