Die Arbeitslosen sind unser Unglück
Posted by flatter under kapital , politik[10] Comments
31. Aug 2025 14:30
Die Besserverdiener, die in der SPD zu Spitzenfunktionär:_*Innen aufgestiegen sind, haben offenbar einen Plan: Nie wieder soll ein Arbeitsloser diese Partei der Fleißigen und Eigenverantwortlichen wählen. Kooperation mit der AfD – das ist fies und muss trotz weitgehender inhaltlicher Überschneidungen bestens vorbereitet werden, aber mit faulem Pack kann es keine Berührungspunkte geben.
Noch schneller, härter, automatischer müssen die Ärmsten der Ärmsten zum Hunger verurteilt werden. Eine Strategie scheint besonders probat: Termin verpasst, warum auch immer – da muss sofort das ohnehin unzureichende Minimum, das schon die Inflation unter die Grenze jedes Verfassungsgebots drückt, zur sozialpolitischen Folter genutzt werden.
Trickle Down
Satte 43 Jahre werden wir schon mit dem wasserdicht widerlegten Stuss neoliberaler Mythologie gefüttert, von Tietmeyer/Lambsdorff über Schröder/Blair, Westerwelle und Nahles bis hin zu Merz und Bas. Magisches Denken auch hier: Faulpelze verschulden Arbeitslosigkeit und mangelnde Kauflaune® verursacht Rezession. Blanke Idiotie bestimmt das herrschende Weltbild.
Die Ausgaben für Bürgergeld im Jahr 2025 werden auf 25 Milliarden Euro taxiert. Gehen wir davon aus, dass jeder Zehnte einmal im Jahr auf null sanktioniert wird, besteht darin ein Einsparpotential von grob 209 Millionen Euro (die Wohnkosten sind bislang sakrosankt, wenn auch dieselbe Charge davon träumt, diese auch noch zu deckeln). Dafür muss man natürlich ein Riesenfass aufreißen und den Betroffenen das Leben zur Hölle machen.
Sparerfolg
Schließlich müssen wir jedes Jahr mehr als das Tausendfache irgendwo rausquetschen, um die Kriegstucht (geschätzte 225 Milliarden/Jahr) zu finanzieren, und irgendwo muss man ja anfangen. Was nützt einem auch der schöne Rückfall in die Barbarei Magischen Denkens, die noch mit jedem Faschimsus verbunden war, wenn es gar keine Menschenopfer gibt?
Allerdings sollte man es sich doch gut überlegen, ob man die Leute einfach anonym verhungern oder unter die Brücken treiben soll. Wo bleibt denn da das leuchtende Beispiel der Scheiterhaufen? Ohne das drohen die Maßnahmen schließlich wirkungslos zu verpuffen.
August 31st, 2025 at 14:58
Jetzt haben wir wieder drei Millionen arbeitsscheue Tagediebe, die dem Volkskörper zur Last fallen und ihn auszehren, aber gleichzeitig fehlt es hinten und vorne an der Rüstungsproduktion. Da dauert es bestimmt nicht mehr lange, bis ein Politdenker aus der radikalen Mitte eins und eins zusammenzählt und Mittelbau-Dora herauskommt. Wissenschon: War ja nicht alles schlecht, damals. Zumindest hat man da auf den Straßen kein Lumpenpack gesehen. Und außerdem: wegen Putin und der Bedrohung aus dem Osten muß man Dinge mal ganz unvorbelastet neu denken.
Mittlerweile schrammen Ironie und Sarkasmus nur noch bedenklich knapp an der Realität vorbei. Fehlt bloß noch, daß ich von den gegenwärtigen Protagonisten der Faschopolitik aus der bürgerlichen Mitte wegen Aufruf zur Unmenschlichkeit belangt werde.
August 31st, 2025 at 15:24
Btw.: Eine neuerliche Bertelsmann-Studie kam zu dem Ergebnis, dass etwa 70% der gesamten Ausgaben für das Bürgergeld denen zugute kommt, die auf der richtigen Seite des Schreibtischs sitzen und die ihren Pendants (mit denen sie wahrscheinlich in vielen Fällen direkt den Platz tauschen könnten) das Leben schwer machen. (Jobcenter stecken deutlich mehr Geld in Verwaltung als in Vermittlung)
Nein! Doch! Hat da hinten jemand 'Bullshitjobs' gerufen? Schnauze!
August 31st, 2025 at 15:33
Habe ich just recherchiert und amtlich bestätigt.
August 31st, 2025 at 16:02
Wir sind gerettet. Lohnunterschied zwischen Ost und West wächst wieder, Waxdumm für Alle, Hauptsache es geht vorwärts, die Richtung ist egal, oder wie titelt die FAZ:"Ran an den Sozialstaat".
August 31st, 2025 at 17:55
Nichts spricht gegen den Einkaräter im Champagnerglas – wenn das der Traum des Paares ist. Sollte er drei Monatsgehälter kosten? Darf ich ihn meiner besten Freundin nachkaufen? An einer Kette tragen statt am Finger? Wie Sie einen Ring finden, der zu Ihrem Lieblingsmenschen passt. Und zu Ihnen selbst.
Andere Probleme, andere Fragen. Lösungen dafür heute auf spiegel.de. Während ich mich wie häufig in letzter Zeit nach stabilen Laternen frage und danach, wieviele Rundtörns ein ordentlicher hangman’s knot braucht. Dabei gehts allerdings nicht um meine Lieblingsmenschen.
August 31st, 2025 at 18:21
Hangman's knot? Umerziehungslager, so wie PuYi in Bertoluccis "Der letzte Kaiser", 1000 Mal, 10000 Mal den eigenen Mist handschriftlich wiederholen und anschließend selbstkritisch bewerten. Und wenn die Selbstkritik dann irgendwann zur Zufriedenheit der Aufsicht ausfällt, im Mao-Anzug wieder in die Gesellschaft entlassen.
August 31st, 2025 at 18:33
Selbstkritikern trau ich nicht, mit Lagern hab ichs nicht so, und Mao-Kittel sehn einfach Scheiße aus, außer an schlanken, nicht allzu groß gewachsenen Chinesen. Aber tatsächlich muss es ja nicht immer gleich der Strick sein. Zum Beispiel find ich Schandhüte und Schandesel gut!
August 31st, 2025 at 19:13
Das ist ja gar nicht lustig. Ich bin für Gleichheit. Die Herrschaften dürfen wählen zwischen Fahrsklave für Hermes, Packsklave für Amazon, Bediensklave für Subway oder – gesund! – Fahrradsklave bei Lieferando. Alles zumutbar. Sagen wir, erst mal nur fünf Jahre. Dann weiter Maul aufreißen.
Ach so, und wenn sie es dann immer noch nicht lassen können, geht es zum Tönnies. Auch zumutbar.
August 31st, 2025 at 19:28
@8
Zuzüglich täglich 3 Gesamtstunden Pendelei zum Arbeitsort und zurück nach Hause. Auch zumutbar. Mit den besten Empfehlungen von der Arbeiterpartei und ihren olivgrünen Kumpels.
Bei Tönnies gibts übrigens gestellte Unterkünfte. Bißchen gedrängt, bißchen Schimmel. Aber ansonsten praktisch wie Hotel. Wer da rumheult, jammert auf hohem Niveau.
August 31st, 2025 at 19:36
Ich spende ein " " für den ersten Satz.
r@iner (#2)
die Zahlen sind zwar erschreckend, aber nicht "gesamte Ausgaben".
Das Bürgergeld selbst ist hier nicht enthalten, es sei denn ich versteh was grundlegend falsch.
danke, ist transferiert. säzzer