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Anjatanja Borbeck, wie ich sie zu nennen beliebe, was durchaus auch von mangelndem Respekt zeugt, den man sich bei mir im Einzelfall, wo nicht verdienen muss, so doch zumindest verscherzen kann, arbeitet sich an einem neuen Endgegner ab: Barbara Streisand lässt grüßen. Jemand tat öffentlich kund, er halte sie für siehe oben, woraufhin sie ihn auf Leberwurst verklagte.

Nun ist die als Tatsachenbehauptung zu werten schon zweifelhafte Aussage im Kern gar nicht falsifizierbar und sollte schon deshalb unter dem Schutz der Meinungsfreiheit durchgehen. Sollte die Klage in der Absicht ergehen, Genugtuung für eine Ehrverletzung zu erlangen, wird der Schuss freilich donnernd nach hinten losgehen.

Ihre Claqueure sind darauf geeicht, die Kaiserin niemals für nackt zu halten und stattdessen ihre formidabel luftige Bekleidung zu loben. Jetzt aber auch alle diejenigen darauf zu verpflichten, die bislang schamvoll weggeschaut haben, kann sich als Fehler erweisen. Man könnte Amtskollegen fragen, die ihr nicht per NATO-Statut zum Beifall verpflichtet sind, aber wer wollte die Antwort hören?

Im Lichte

Wie kommt der Mann eigentlich auf die Idee? Lassen wir doch, um es mit dem Wort des großen Horst Hrubesch zu sagen, ein paar ihrer großen Worte und Taten Paroli laufen. In einem Podcast machte ich darauf aufmerksam, dass es traumatisch sein kann, "dumm dazustehen" und es wohl darauf ankommt, wie man mit einer solchen Situation umgeht. Ganz schlecht: die eigene Unzulänglichkeit in Grandiosität umzuwandeln.

Wenn man selbst eigentlich nicht die hellste Kerze ist, enden Versuche, andere zu überstrahlen, in Peinlichkeit. So etwa, wenn man offiziell ein Jährchen in einer Anstalt ohne großen Ruf in einer Sprache, die man offenbar nicht beherrscht, ein bisschen zugehört hat und dann gegenüber jemandem, der immerhin wirklich studiert ist, trompetet:

"Vom Hause her kommt er [Habeck] Hühner, Schweine, weiß nicht – was haste? Kühe melken. Ich komm eher aussem Völkerrecht."

Die Miene des so vermeintlich Gedemütigten war eine recht angemessene Strafe; ebenso wie die Dokumentation dieser und anderer Szenen, die ihre Wirkung ganz ohne Gericht und Urteilsspruch entfalten.

Gut vor allem für alle anderen, dass ihre Fremdschämattacken bislang ohne große Folgen geblieben sind, wie etwa die – hoppla – versehentlich heraus geplapperte Kriegserklärung an die wohl mächtigste Militärmacht der Welt:

"Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander."

Rückwärts nimmer

Wenigstens naiv und durchaus nicht wirklich folgenlos ist ein Glaubenssatz anstelle einer Strategie, Fanatismus und die mit ihm einhergehende Alternativlosigkeit angesichts eines aussichtslosen Unterfangens. Dabei reden wir von Krieg. Fräulein Borbeck dazu so:

"Die Ukraine muss gewinnen" – als gehe es um ein Fußballspiel; und selbst da scheitert dieser Ansatz. Dass ebenjener Fanatismus darin besteht, verbohrt auf Kurs zu bleiben, wenn die Wand schon sichtbar wird, führte zu der Ansage: "Egal, was meine deutschen Wähler denken, ich möchte der Ukraine liefern." Dass sie denen das glatte Gegenteil versprochen hatte, kam in der Debatte dazu ein wenig kurz.

Es gebe nichts zu verhandeln, hieß es zu demselben Komplex, einen namhaften Mangel an Bildung und Verständnis für einfache geometrische Regeln offenbarend: "Wenn er [Putin] sich nicht um 360 Grad ändert". Dass sie auch das nicht auf sich beruhen ließ, sondern irgendwie mit ihrem Geplapper noch zu retten versucht hat – von wegen Perspektive – unterstreicht die ihr eigene Souveränität.

Auch ihre Unbekümmertheit machte sie zeitweilig zu einem der beliebtesten Hardcore-Atlantiker in von der Hardcore-Atlantikerpresse eingeholten Meinungen zu der Darstellung der Einen durch die andere. So wurde etwa kein Wort der Besorgnis um ihren Geisteszustand oder die Aussichten bezüglich der Abwendung eines drohenden Atomkriegs geäußert, als sie im finnischen Großbunker spontan ein in Kindergärten beliebtes Hüpfspiel darbot. Ist das womöglich dennoch ein Indiz für das D-Wort?

Unentschieden

Dass sie sich ständig schon in ihrer Muttersprache verplappert, kann man hinnehmen – solange sie sich nicht wiederholt und damit Bildungslücken dokumentiert, in denen man einen Öltanker einparken kann. Dazu zitieren Trolle gern das Wort vom
"Kobold. Wo kommt das eigentlich her? Wie kann das eigentlich recycelt werden?" und "Da gibt es jetzt die ersten Batterien, die auf Kobold verzichten können."

Wer des Englischen mächtig ist, erfreut sich eher am – Momentchen noch – übernächsten Zitat. Ob sie das bei dem berühmten Frühstück geschmiedet hat, wo sie erfuhr, "Kinder sagen schon beim Frühstück, dass sie die NATO wirklich mögen", ist nicht bekannt. So, jetzt aber:
"Der Weg Südafrikas in die Freiheit war ein Speck der Hoffnung." Bacon statt beacon. Kann passieren. Muss aber nicht.

Ob dies – zumal hinreichende – Belege für die überragende Dummheit des Deutschen Außenministernchen ist, kann wie gesagt nicht valide beantwortet werden; man müsste ja auch sämtlichen Amtskollegen eine Chance geben. Ohne Zweifel wird aber die Nachwelt das eine oder andere Wort dazu sprechen. Damit können doch alle zufrieden sein. Schließen will ich also mit dem großen Wort, dessen Verwirklichung ihr durchaus zugetraut wird, weswegen man es vielleicht als Versprechen ernst nehmen darf:

"Lasst uns dieses Europa gemeinsam verenden!" Amen.