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Ich wage einmal die Prognose, dass sich bis zum Ende des kommenden Jahres die Pandemie so weit abgekühlt hat, dass man mit Corona umgehen kann wie mit der Grippe. Zur hoffentlich letzten ernsthaften Welle auch ein Abschiedsgruß an meine Freunde, die Quarkdenker.

Die sich als "Querdenker" missverstehenden Pseudo-Widerständler sind losgelassene Systemlinge: Ihr konformistischer Individualismus beruft sich inflationär auf Freiheitsrechte, die der Bürgerliche Staat ihnen angeblich einräumt. Dabei sind sie konform und individualistisch, das heißt, dass ihnen Solidarität, zumal aktive, nicht bloß egal ist – sie bekämpfen sie aktiv und missachten sie bis hin zur Gefährdung der Leben und der Gesundheit anderer.

Es gibt keine Gesellschaft

Der Gedanke an Kollektive und kollektive Interessen kommt ihnen erst gar nicht, er wurde ihnen von der Bürgerlichen Gesellschaft vollständig aberzogen. Anstatt ein minimales Risiko einzugehen und einen minimalen Eingriff in ihren Körper zuzulassen, muten sie anderen eine konkrete Lebensgefahr zu und machen alle Konzepte, die auf kollektives Handeln abzielen, zunichte.

Ihr Konzept ist obendrein kindisch, weil sie nicht bereit sind, ihrerseits irgendeine Konsequenz dafür zu tragen. Werden sie von Veranstaltungen ausgeschlossen, jammern sie, das sei eine Beschneidung ihrer Freiheit. Nimmt jemand Schaden durch eine von ihnen verursachte Infektion oder stirbt gar daran, erklären sie das zu dessen individuellem Risiko, an dem sie keinen Anteil hätten. Um ihre eigene Borniertheit zu kaschieren, versteigen sie sich schließlich in die Blödheit kruder Gedankengebäude, als gebe es eine Diktatur, deren Opfer sie seien.

Der Bürgerliche Staat hat sie durch und durch geformt und geprägt. Sie glauben an Rechte, an das freie Individuum und freie Entscheidungen. Wie die JobCenter Arbeitslosigkeit zu Eigenverantwortung verklären, verklären sie gesamtgesellschaftliche Zustände zu einer Frage persönlicher Entscheidungen.

Was ihr wollt

Nichts aber ist so unpersönlich wie eine Pandemie, die deshalb auch nicht real sein darf. Um die Hirngespinste ihrer bürgerlichen Freiheit aufrecht zu erhalten, verleugnen sie die Realität und erklären zugleich den Staat, der ihnen die spinnerte Freiheitsideologie eingetrichtert hat, zur Diktatur, weil sie plötzlich merken, dass dessen Freiheitsversprechen nicht realisierbar sind.

In einer Pandemie wohlgemerkt, in der vernünftige Menschen abwägen, wie groß die Gefahr für Leib und Leben vieler ist – und nicht etwa in einer Normalität, in der sie zwischen Arbeitszwang, Konsumterror und einer brennenden Krise des Kapitalismus Spielball anonymer Systeminteressen sind. Es ist gar diese 'Freiheit', für die sie mit großer Geste und taumelnd zwischen Opfer- und Heldenpose 'kämpfen'. Die Sprallos sind die besten Kämpfer für die Diktatur des Kapitals. Wahrlich tragikomische Helden.