Didi Thurau und die Omertà (Update)
Posted by flatter under journalismus[11] Comments
14. Jul 2025 20:50
Serviervorschlag: Gesunde Vitamine
Vor 19 Jahren habe ich eine Serie über Doping im Radsport geschrieben. Seitdem ist viel nichts passiert. Die Omertà hält wieder, nachdem sie Anfang der 2000er kurzfristig durch – nicht zuletzt deutsche – Eiferer unterbrochen wurde, die wie immer mit viel Moral und wenig Expertise zu Werk gingen.
Hierzulande wurde Jan Ullrich öffentlich verbrannt, wobei sich ein Sozialdemokrat als besonders widerlicher Heuchler hervortat: Rudolf Scharping, der sich als Funktionär im Radfahrerbund zu gern mit Ullrich hat ablichten lassen, ließ ihn kalt fallen und predigte Moral und sauberen Sport. So kennen wir sie.
Rausgerutscht
Während die Wogen noch wogten, das ging einigermaßen durch, hat der Radstar der 70er in der BRD, Dietrich Thurau, den bemerkenswerten Satz gesprochen: "Wir waren doch früher alle gedopt". Dies bestätigte meine Auffassung, dass man einen gedopten Fahrer daran erkennt, dass er eine Startnummer trägt.
In Spanien haben die Funktionäre ihre Stars eher gedeckt, in den USA haben sie dichtgehalten, bis es selbst für Armstrong nicht mehr ging, und nachdem eine Zeitlang die Weltdopingagentur ihre Profis nicht ausreichend schützen konnte, ist längst wieder Ruhe eingekehrt. Doping, das gibt es nur noch in Russland, wie wir von Fachpharisäern des Typs Hajo Seppelt (heißt wirklich so) wissen.
Monstern wie Pogacar, Vingegaard und Evenepoel, die sich bei der "Tour" aktuell um die Ohren fahren, spritzen die Hormone aus denselben. Alles aber selbstverständlich natürlich, schieres Talent und gesunde Ernährung. Niemand fragt nach. Niemand vergleicht. Niemand spricht aus, was alle wissen: Früher ist heute. Sie sind alle gedopt, und das wäre auch gut so.
Märchenwelt
Es ist aber illegal, so wie das Doping auf der Straße mit Koks, Schore oder geklautem Fentanyl. Immerhin wird dort nicht noch die Existenz der Stoffe und ihrer Konsumenten geleugnet. Es wird weiterhin gelogen, dass sich die Balken biegen, getarnt und getäuscht, auf dass der Rubel weiter da rollt, wo man damit nicht bezahlen kann.
Was das hier schon wieder soll? Wenn ich, wie zuletzt so oft, höre, unsere Medien könnten doch nicht alle lügen, führe ich gern dieses Beispiel an. Hier gibt es keine politische Vorgabe aus der Zentrale oder eine Kriegsfront, an der ausdrücklich Propaganda für die Tüchtigkeit gemacht wird. Es ist aber genau so verlogen, und die Bösen sind auch da immer die Russen. Das ist das Märchen, für das sich seine Erzähler auch noch mit Preisen behängen.
Update, Zur Ergänzung: Täve Schur über Doping, Sport und Kapitalismus
Jan Ullrich zu seiner Geschichte
Juli 15th, 2025 at 07:32
Diese ganze Dopinggeschichte muss natürlich im Zusammenhang mit der Gesellschaft gesehen werden, in der sie stattfindet. Man müsste bei diesem Thema übrigens auch darüber reden, was überhaupt, eben nicht nur im Sport, die Menschheit in sich hineinstopft, um immer leistungsfähiger zu werden. Der Kapitalismus macht die Menschen eben auf ganz unterschiedlichen Wegen kaputt.
(aus einem konkret-Interview mit dem unverbesserlichen Radfahr-Stalinisten Täve Schur)
Juli 15th, 2025 at 10:39
Jan Ulrich sagte 2023 in einem Interview: “Ohne nachzuhelfen, so war damals die weitverbreitete Wahrnehmung, wäre das so, als würdest du nur mit einem Messer bewaffnet zu einer Schiesserei gehen“
Interessantes Interview und ich denke, man kann das Gesagte auch auf die Medien und gesellschaftlichen Gegebenheiten adaptieren. Wenn du nicht konform bist, bist du raus, egal in welchem Bereich, ganz besonders dann wenn es um Krieg und Frieden geht.
Juli 15th, 2025 at 12:02
Ich hab die beiden Quellen mal oben verklappt. Die Fahrer dann noch (in Deutschland gab es in guter Tradition einen besonders eifrigen Staatsanwalt) mit Strafverfahren zu überziehen, ist auch extrem hilfreich. Die machen das schließlich alles selber. Telekom hat sich ja damals von ihren Angestellten, die sie mit universitärer Staatshilfe haben dopen lassen, in einer öffentllichen Erklärung schwören lassen, dass sie nie nichts Illegales getan hätten. So können sie theoretisch noch Zivilklagen hinterherschieben. Schuldig ist nämlich immer das schwächste Glied in der Kette.
Juli 15th, 2025 at 17:25
Wie wohl sonst als mit gnadenlosem Doping soll denn der Assistenzarzt nach der 36 h Wochenendschicht noch die Montagmorgen OP wuppen?
Juli 15th, 2025 at 17:34
Das ist verfaschungsschutzrelevante Bevölkerungsverunsicherung!
Juli 16th, 2025 at 09:18
Assistenzärzte ließen sich entlasten, wenn mehr im Familienkreis oder von hilfsbereiten Nachbarn (Ehrenamt!) operiert würde. Viele OPs sind durchaus auch zu Hause machbar, selbst für neurochirurgische Eingriffe wie z.B. eine Lobotomie bedarf es lediglich eines Eispickels, eines Hammers und einer halbwegs ruhigen Hand. Wer sich da trotzdem noch nicht rantraut, kann den Patienten wahlweise auch im Fernsehsessel fixieren und ihn ein paar Tage in Folge die Tagesschau gucken lassen. Ein Woche sollte eigentlich mehr als genügen, um denselben Effekt zu erzielen.
Juli 16th, 2025 at 13:09
@keine ahnung: Ab Min. 3:25: Loriot – Du und Dein Körper
Deine Idee ist nicht ganz neu. Versuch's doch als Berater fürs Kriegsministerium.
Juli 16th, 2025 at 13:28
"Ich mach meinem Schwager den Blinddarm."
Und ich dachte, ich kenne alle. Aber DEN kannte ich noch nicht. Tausend Dank, du hast meinen Tag gemacht!
PS.
Wenn der Pistorius mal Blinddarm hat, dann soll er mich einfach anrufen.
Juli 16th, 2025 at 17:25
OT:
Bester Internetkommentar zum letzten Rutte Auftritt in Washington:
Sit! Sit, Mark! Quiet! Good Boy.
Juli 23rd, 2025 at 12:49
Das meinen die ernst. m(
Juli 23rd, 2025 at 13:24
"Beim Red-Bull-Team gibt des dafür einen eigenen "Kitchen Truck", in dem das Essen von Ernährungswissenschaftlern zubereitet wird. Für Teamchef Ralph Denk ist die Weiterentwicklung der Ernährung im Radsport ein "absoluter Gamechanger". Das sei für ihn einer der Hauptgründe, warum die Profis immer schneller werden."
Klar, und der Drink verleiht die passenden Flüüügel.