kunstlyriklamauk


 
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Das ehemalige (einige Ältere erinnern sich noch) Nachrichtenmagazin ist im "Schock". Warum? Weil das eingetreten ist, was jeder, der sich nicht von seinem Fanatismus hat in die Ahnungslosigkeit abführen lassen, erwartet hat. An der Ericusspitze geht die Sonne plötzlich im Osten auf.

Wenn man einem Konglomerat angehört, das die Medien völlig beherrscht, sodass die Realität schon weit vor ihren Toren kapituliert, ist man immer wieder überrascht, wenn er ihr zufällig doch einmal begegnet. Macht aber nix, vor der nächsten Runde der Goldfische ist das längst wieder vergessen. Das Leben kann so ungemein spannend sein.

Keine Ahnung von nichts

Umso bemerkenswerter, dass selbst jene, die als alternativ gelten wollen, sich die Splitter aus demselben Holzweg in die Füße latschen. Sei es dieser Neuber, der eine Reihe von Klischees auftürmt oder ein Rötzer, dem nur beim Orangenmann auffällt, dass da wer ein Problem mit der Wirklichkeit hat. Echt jetzt, bei den anderen alles im Lack? Na dann prost!

Es gibt viele Details, die zu kurz kommen in den Betrachtungen, so etwa die Frage, ob eine dunkelhäutige Frau die Richtige ist, um eine elitäre Charge zu repräsentieren und den mächtigsten Mann der Welt zu spielen. Den Mümmelgreis haben sie derweil schneller vergessen als er selbst alles andere, und es sind seine Wähler, die nicht mehr mitgemacht haben.

Die Politik der Neocons, die in Europa von ihren Kapos weiterhin gefeiert und angehimmelt werden, ist auf ganzer Linie gescheitert, und es mag wohl sein, dass ihre Anhänger das inzwischen merken. Freiheit, Menschenrechte, das Gute – aus Afghanistan getürmt, in die Ukraine einmarschiert, das Abschlachten der Ölaugen durch die Netanjahus bedingungslos gedeckt und dabei je die eigene Wirtschaft vor die Wand gefahren. Das Sahnehäubchen: Wer dabei nicht mitjubelt, ist Nazi, pfui und böse. Das soll jetzt wen genau überzeugen?

Das Ende ist nah

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Europa und den USA, vor allem die konkrete Organisation der Unterdrückung durch Armut. Am Ende aber kannst du das Internet auch komplett verbieten, die Leute merken trotzdem, wie viel Monat am Ende des Geldes übrig ist, und finden es zum Kotzen, wenn sie noch Steuern dafür bezahlen sollen, dass korrupte Nazigangs am Arsch der Welt sinnlose Kriege führen. Da hilft nur eins: Diesen Verführten ihre Meinung gänzlich verbieten. Sonst regieren nachher noch die Faschisten.

Aber so ist das jetzt im Amerikaland, und als nächstes wird die AfD irgendwo in Deutschland regieren. Die Hölle tut sich auf. Wir werden erleben, dass Migranten beim Versuch der Einreise ertrinken. Wir werden Zensur, Unterdrückung und wirtschaftlichen Niedergang erleben. Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher. Und Putin lacht sich ins Fäustchen.

 
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Ich stehe am Rand des Ballsaals in der Ericusspitze, gleich am Eingang zum Relotius-Raum. Das Licht fällt durch die hohen viktorianischen Fenster auf die Kristallanhänger der Lüster und wird von dort auf das edle Antlitz meiner Gesprächspartnerin, Petti Kelli, reflektiert.

Sie hat sich von der Tochter eines sehr einfachen Erziehers mit ihrer eigenen Hände Arbeit hochgedient zur Keynote-Speakerin und Duftdesignerin. Für das Poesiealbum des Verlags verfasste sie jüngst den legendären Aphorismus: "Journalisten sind die Philosophen unserer Zeit". Befragt, was sie zu diesem genialen Einfall inspirierte, erzählt sie, wie sie bei ihrer langen und intensiven Recherche deutsche Philosophen aufgesucht hat.

Worauf es ankommt

Bei der Bildersuche wurden ihr unter anderem Adorno, Habermas, Sloterdijk und Precht angezeigt. Mit ihrem verschmitzten Lächeln erklärt sie der gebannten Zuhörerschaft, dass sie analysieren konnte, bestenfalls "Slotterdick", wie sie ihn zärtlich nennt, habe "wenigstens ein tinimini bisschen Stil" gehabt und erst "der Richie Precht" sei annähernd sexy gewesen. Hier vor Ort aber sehe sie die Zukunft, in den Gesichtern der jungen strammen Kerle, die sich ihre ersten Meriten verdienen.

"Vom Tellerwäscher zum Storyteller", merkt ein schlecht angezogener Gast an, den sie mit einem Zucken ihrer Mundwinkel und einer kurzen Kopfbewegung hinaus auf dem Hamburger Asphalt schleifen lässt. Manche Neider können es einfach nicht lassen. Sie schnippt mit dem Finger, die Kapelle spielt auf.

Nach einem furiosen Kurzauftritt, der mit dem wohlverdient tosenden Applaus endet, gesellt sie sich noch einmal kurz zu mir und stellt fest: "Diese Leute sind gut. Richtig gut. Der Hammer diese Woche war das Ding mit der Orgasmusgerechtigkeit." Dabei greift sie sich an die Dose und schiebt mindesten zwei Finger bis zum Anschlag hinein. "Sagen, was geil ist, ne?" Sie packt mir in den Schritt und zerrt mich hinter einen Vorhang. Lesen Sie nächste Woche, warum, wie und was.

 
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Herrn Lindners Zuträger haben ihm eine Idee gegeben: einfach weniger Miete zahlen – für die Faulpelze, die dem Staat auf der Tasche liegen. Jene Faulpelze, die sich ausgerechnet immer dann wie wild vermehren, wenn die Konjunktur eine Delle hat. Kann man mal sehen, wie asozial diese Leute sind.

Also: Nur noch eine Pauschale zahlen. Bei wem die nicht reicht, der muss halt hungern oder umziehen. Da draußen gibt es doch sicher Hunderttausende kleine Wohnungen, in denen man billig leben kann, und die Schmarotzer lassen sich ihre 400 m² in Mitte vom Staat zahlen.

Was das spart

Wenn das alles so klappt, wie sich seine liberalen Hassprediger das vorstellen, kann man sicher auf zehn Jahre gerechnet einen chicen Tarnkappenbomber mehr kaufen, (den keiner sehen kann, weil er nicht fliegt und im Hangar verschimmelt). An dem ist jede Schraube mehr wert als so ein Parasit aus der Faulenschicht.

Die etwas Intelligenteren unter den Vertretern einer biegsamen Menschenwürde begrüßen das, weil es eine widerwärtige Foltermethode ist, mit der man dem Prekariat drohen und es auf diese Art sinnlos, aber einfach stressen kann. Sie sollen Angst haben, von morgens bis abends. Sie sollen sie nicht aushalten können. Sie sollen sich besaufen und bekiffen, um das noch zu ertragen und damit man sie erst recht bespucken kann.

Die Depression der Arbeitslosen ist dabei wiederum nur Mittel zum Zweck, denn es geht um die aktuell noch Versklavten, die beißen und treten, um sich ihr Leben zu verdienen und die auf diese Weise ihre eigene Angst kompensieren. Wir brauchen Sklaven, die Angst um ihr Sklaventum haben. Dass auch die irgendwann anfangen zu saufen, ist eingepreist. Hält das Rad schon auf Touren.

Schade eigentlich

Einzig eine relevante Gruppe könnte das Ganze sehr unschön finden und erfolgreich dagegen opponieren, was ein Kompetenzhänfling wie Lindner auch nicht kapiert: Die Immobilieneigentümer. Obdachlosigkeit ist nämlich ein übles Verlustgeschäft. Nicht nur, weil die schönen Daueraufträge vom Amt ausbleiben, sondern auch, weil das die Mieten drückt. Geht’s noch?

Daher wird also nichts aus der eigentlich doch so kreativen und wundervollen Idee der neoliberalen Leistungsträger und ihrer selbst verschuldeten Vertretung. Dann bleibt ihnen wenigstens auch erspart, dass irgendein dahergelaufener Senat des BVerfG ihnen doch noch erfolgreich erklärt, was Artikel 1 bedeutet. Das wäre nämlich das Ende der FDP.

 
xx

Abb.: Synapsenparty

Kollege Tux0r weist freundlicherweise darauf hin, dass sich heute vor 100 Jahren der Surrealismus erstmals manifestierte, unter dem gleichnamigen Titel aus der Tastatur von André Breton. Das epische, mit Verlaub, Gelaber des Herrn blieb dabei weit weniger einflussreich als eine grobe Idee, die aus der Taumtänzerei im Folgenden die Bildende Kunst beeinflussen sollte.

Banausen wissen heute: Surrealismus, das ist das mit den zerfließenden Uhren. Das war dieser Dali. Hochgebildete Partygänger hingegen kennen gar René Magritte und können akzentfrei "Pyrenäeenschloss" sagen. Das ganze Gewusel zwischen Traum, Realität und Psychoanalyse, das als Nebel der Assoziation darum herum wabert, ist schließlich nur mehr Kunstkennern bekannt oder halt jenen, die ihre Bildung nur dazu angehäuft haben, andere mit ihren vermeintlichen Analysen auf die Murmeln zu gehen.

Wirres, Irres, res

So etwas muss ich schreiben – nicht nur um des Zeilenschindens willen, auch, um nicht ohne Verzögerung in die deprimierende Realität eintauchen zu müssen. Wozu haben wir schließlich die Kunst, wenn nicht, um im Duft ihrer Aura den Schaum etwas zu dämpfen, in den man zu derselben Depression hinabtaucht? Tröster, Dichter und Narr.

Weil nämlich, ja doch, ich komme ja schon zur Sache, mir bei der Überschrift spontan nur einfiel: "Ja." So fühlt es sich an, wenn einem das Geschwätz des Politisch-Medialen Komplexes das Blut aus den Ohren treibt. Parallelwelt, Wünschdirwas, Albtraum und Wirrvision – wohlgemerkt als ernsthafte Beiträge zur vermeintlichen Realität feilgeboten und nur mit einem Maß am Drogen zu ertragen, das keinen Spaß mehr macht.

Der Beispiele sind es ja Hunderte, aber der wohltemperierte Deprimeur genießt eines nach dem anderen, der meisterlich gute Menschenverstand bewacht sich gar derart, dass er es bei einem pro Tag belässt. Wohlan, das zum heutigen Jahrestag:

Einer reicht

Friedensfazilität. Welch ein gar vorzüglich albtraumhaftes Ungetüm einer Sprachkreatur, Ausgeburt aus Gegenteiltag und abgründigen Hass auf alles, was den Bezug zur Realität noch nicht endgültig vernichtet und vergessen hat. Die letzte "Faszilität", von der wir heimgesucht wurden, war die "Finanz-Stabilisierungs-Faszilität", ein Vehikel für willkürliche Maßnahmen zur Rettung von Vermögen und Profiten. Aber so kann man das ja nicht nennen.

Jetzt haben wir die mit dem Frieden®. Wo kein Freud je hinkam, haben wir immerhin den Orwell, der uns einmal mehr aushilft. Es geht um Krieg, Mordmaschinen und – Fasziliät eben – um Profite. Der Weltkapitalismus ist im Arsch, im Westen noch im ärscher, also entledigen die Amis sich zuerst der Konkurrenz durch ihre Vasallen. Schüss Europa! Vorher darf dieser unterentwickelte Kontinent aber noch reichlich Kabumm-Plunder kaufen, am liebsten beim Hegemon. Dafür braucht er Geld oder halt eine Fasziliät, die zumindest welches übern großen Teich buchen kann.

Und jetzt alle: Frieden! Freiheit! Menschenrechte! Arbeitsplätze! Werte! Moral! Tugend! Gott! Vaterland! Treue! Ehre! Blut! Boden! Raum im Osten! Wolgograd! Moskowien! Gegen Nazis! Na? Kommt, dagegen ist die Lyrik von Hans Arp doch der reinste Beamtenjargon.

 
zara

Abb.: Arbeitsplätzchen hassischer Rucker

Die folgende Kollage besteht aus Zitaten des deutschen Qualitätsjournalismus. Kämpfen wir gemeinsam für die Wahrheit und gegen die feindliche Propaganda!

Als Machthaber Putin unprovoziert die brutale volle Invasion gegen das demokratische Nachbarland befahl, haben russische Hacker den hybriden Cyberkrieg ausgerufen. Unterstützt wird Russland vor allem durch das Regime von Machthaber Assad, die Diktatur des Kim Jong Un und Xi Jinping, dem Parteisekretär und überzeugten Kommunisten.

Mit dem Diktator von Belalalaruss, Machthaber Lukaschenko, ist Putin gar verbündet. Wer sind also die Getreuen des brutalen Zars von Moskau, was zeichnet sie aus? Dem mächtigsten unter ihnen, Xi, geht es vor allem um ideologische Treue und nationale Sicherheit. Dafür unterdrückt er Volksgruppen wie die Uiguren und will Taiwan annektieren. Der Reichtum in seinem Land ist höchst ungleich verteilt.

Who Is Who

Lukaschenko ist der letzte Diktator Europas. Regierungsgegner werden bei ihm von Polizisten und Gefängniswärtern geschlagen, misshandelt und gefoltert. Die Schreie sind bis auf die Straße vor dem Gefängnis zu hören. Man kann das Knirschen der Knochen hören.

Über Kim Jong Un ist nicht viel bekannt, da er sein Land aus einer Geheimbasis regiert. Er soll Gegner regelmäßig hinrichten lassen. Dazu bindet er sie vor Kanonen, lässt sie totschlagen oder verfüttert sie – sogar die eigenen Verwandten – lebendig an Hunde. Oft werden dabei auch die Familien der Opfer hingerichtet, einschließlich der Kinder, die er dabei zusehen lässt.

Die unheimliche Weltgefahr

Am wichtigsten aber sind Putins Hacker von der Cyberarmee, die sich für seinen Cyberkrieg gerüstet haben und die ganze Welt manipulieren wollen. Aber auch díe prorussische Hackermafia von Putins Gnaden gehört dazu. In ihrem weltweiten Cyberkrieg greifen die gefährlichsten Hacker der Welt Microsoft, den Bundestag, die SPD, deutsche Kommunen oder das Schienennetz an. Sogar mit DDoS und Phishing. Sie können auch die Strom- und Wasserversorgung lahmlegen. Das macht Angst, verständlicherweise.

Sie verbreiten außerdem als Putins Lügenmaschine Desinformationen, zum Beispiel, die Ukraine werde von einem Neonazi-Regime regiert. Dabei vertritt die demokratisch gewählte ukrainische Regierung mit einem Präsidenten jüdischer Herkunft keine neonazistische Ideologie. Mit solchen und anderen Verschwörungstheorien manipulieren sie sogar die Wahlen im Westen, einschließlich der US-Präsidentenwahl.

 
zara

Wir erinnern uns alle gern an den von Bürgelichen so genannten großen "Wortbruch", auch "Verrat", den Holger Börner als hessischer Ministerpräsident in den 80er Jahren zunächst in Form der Tolerierung durch die Grünen, dann in Form der Koalition mit den Nämlichen begangen hat. Hatte er zuvor beteuert, dies sei undenkbar, und wollte die Grünen gar "mit der Dachlatte" verprügeln, hat die Aussicht auf Macht ihn zügig korrumpiert.

Er scheiterte dann an seinem eigenen Projekt, denn schon 1986 wurde er durch die damals 29-Jährige Andrea Ypsilanti abgelöst, weil Börner seiner Koalition nicht radikal genug war. Durch geschickte Manipulation der öffentlichen Meinung und im Bund mit dem sowjetischen Geheimdienst gelang es den Verschwörern, nicht nur ihre Koalition fortzusetzen, sondern einen Flächenbrand zu entfachen.

Die Permanente Revolution

Es gelang dem von Rotgrün gesteuerten neuen Außerparlamentarischen Zweig (AZ), die Straßen mithilfe alter SDS-Strategien unter ihre Herrschaft zu bringen und die bürgerliche Opposition einzuschüchtern. Von Hessen aus ging die Welle durch ganz Deutschland. Selbst der Versuch amerikanischer Truppen, die Situation zu beruhigen, scheiterte. Alte Kempen wie Joschka Fischer, Daniel der Rote und Thomas Ebermann führten ihre Schlägerbanden vor allem durch den Einsatz menschlicher Schutzschilde zum Sieg.

In der Folge wurde durch eine flächendeckende Enteignungswelle die gesamte Wirtschaft den revolutionären Garden unterstellt. Die Grünen stellten dabei die politischen Revolutionsführer, während sich aus den Reihen der SPD die Leiter der neuen Bürokratie rekrutierten. Seitdem gilt das Prinzip der Einfachen Produktion. Die Einheitskleidung, der Neue Volkswagen für alle und andere Errungenschaften verdanken sich der ersten Jahre unserer neuen Führung.

Das von den Bürgerlichen zuvor beschworene große "Chaos" blieb aus. Es gab kaum Widerstand, die Ordnung wurde stets gewahrt, dank der Weitsicht unserer großen Revolutionsführer und der Disziplin aller Deutschen. Hand in Hand mit den Genossen der Sowjetunion wurde dann die Wiedervereinigung mit der DDR vollzogen.

Lest in der nächsten Ausgabe von Feynsinn History, wie die Permanente Revolution unaufhaltsam fortgeführt wird.

 
zara

Es ist eine Frage des politischen Willens, die Wirtschaft zu gestalten. Das ist der zentrale Glaubenssatz der Reformatoren vor allem Keynesianischer Schulen. Man müsste nur dies und das ändern, es so und so wollen. Dazu müsste man nur den und den informieren, hier und da überzeugen und dann tun, was einzig vernünftig wäre. Keynesianer sind die Könige des Konjunktivs. Aber nicht nur die, ich will mich schon gar nicht auf welche beschränken, die sich so nennen. Jeder, der glaubt, man könne mit dem nötigen Willen die Welt verändern, hat sich als Wissenschaftler disqualifiziert.

Die nötigen Belege dazu hat die Geisteswissenschaft erbracht, und zwar in ihren Sternstunden wie in ihrem Versagen. Eine wissenschaftliche Betrachtung des Wirtschaftens, von Anfang bis Ende durchgedacht, hat sie seit Marx nicht mehr hingelegt, Nicht einmal den Zottelbart auf den Stand einer kommunizierbaren Sprache gebracht. Interessiert sie nicht mehr. Sie hat vor dem Ökonomischen vielmehr kapituliert und sich selbst zur Hure der herrschenden Ideologie gemacht.

In ihren guten Tagen hat sie die Erklärungen geliefert und dargelegt, was Macht ist. Schon Kant lieferte eine brauchbare Blaupause mit einer einzigen Formulierung: Als er nämlich von der „Bedingung der Möglichkeit (der Erkenntnis)“ sprach. Was muss gegeben sein, um bestimmte Möglichkeiten zu verwirklichen? Foucault hat das ergänzt durch seine Diskursanalyse, die akribische Darstellung von Machtverhältnissen und Denkmustern. Er musste dabei weder erklären noch voraussetzen, dass die einen von den anderen abhängen, es ergibt sich einfach durch die Beschreibung des Gegebenen.

Was Wissenschaft wusste

Die Vorstellung, der Wille sei entscheidend für die Wirklichkeit, das Bewusstsein könne das Sein in eine beliebige Form zwingen, ist die Wahnvorstellung einer Zeit, die nicht zufällig in Weltkriege mündete. Nicht zufällig, weil der 'Wille', umgemünzt in den Volkswillen, nur eine bestimmte soziale Basis formt, die mit den Mitteln der Zivilisation die Barbarei organisiert. Der Wille folgt nicht der Vernunft, er formuliert keine Ziele, er marschiert nur, wohin auch immer die Macht ihn führt – niemals umgekehrt.

Daher kann auch kein Wille die Macht verändern. Diese bildet ihre eigenen Strukturen, sie macht das eine möglich und das andere unmöglich; das eine leicht und das andere schwierig.

Die Macht im Kapitalismus hat das Kapital. Es drängt zur Vermehrung. Alle machen mit, weil es für die Mehrheit die Notwendigkeit zum Leben bedeutet und für die Minderheit den Erhalt ihrer Position. Wo soll da ein Wille etwas verändern? Doch wohl nicht bei Bilderbergers und Atlantikern? Zumal, wenn es für die Mächtigen immer schwieriger wird, ihr Kapital noch zu vermehren, wenn sie befürchten müssen(!), dass ihr Imperium zusammenbricht und mit ihm eine globale Ordnung? Für jeden Dollar, der umgesetzt wird, warten weltweit drei Dollar auf Vermehrung. Marx hat beschrieben, dass das so kommen muss – in jeder Form von Kapitalismus.

In die nächste Runde?

Warum soll wer also jetzt diesen Kapitalismus reformieren? Die Minderheit, die davon profitiert und doch bemerkt, dass das Spiel ein Ende hat? Die Mehrheit, die nicht ahnt, wie das Spiel läuft und es nicht versteht? Oder vielleicht eine intellektuelle Minderheit, die es versteht und wissen muss, dass 'Reform' nur bedeutet, dasselbe Spiel noch einmal aufzusetzen, das Elend vielleicht zu verlängern? Und dann? Wird dann jeder, der Profit macht, auf eine Obergrenze festgelegt? Wird das dann täglich streng kontrolliert und sofort bestraft? Wird es einen Staat geben, der so viel Macht hat und sie nicht mehr mit der Wirtschaft teilt? Das wäre genau der Brutal-Pseudosozialismus, von dem die Neoliberalen ihre Albträume ableiten.

Wer nicht will, dass es immer wieder so endet, muss die Struktur der Macht ändern und nicht von einer Kontrolle durch den Willen schwadronieren. Wenn es so weit ist – zweifellos nach einem Zusammenbruch, man weiß nur nicht, dem wievielten – müssen sich die Menschen entscheiden, die Macht des Kapitals nicht mehr zuzulassen. Sonst wird es sie immer wieder immer schneller in die Knie zwingen.

September 2014

 
ss

Ein Produkt der Speichel Plus Redaktion

Satte 80 Prozent der Deutschen haben in einer Umfrage von Speichel Plus Richard Nixon zum größten Staatsmann aller Zeiten erkoren.* Damit beweisen unsere Leser einmal mehr, dass sie sich nicht von Fake News und Desinformationskampagnen in die Irre führen lassen.

Nixon wurde vor allem durch unkonventionelle und daher umstrittene Entscheidungen zur Sicherheitspolitik im Inneren kritisiert, gar zum Rückzug gezwungen. Die von ihm visionär verfügten Maßnahmen gelten heute als Standard in allen freiheitlichen Demokratien.

Bahnbrechend

Der Friedensnobelpreis, mit dem Henry Kissinger und Lê Đức Thọ bedacht wurden, gebührt eigentlich ihm, der als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika den Frieden ausgehandelt und durch seine Befehle erst möglich gemacht hatte. Der Sieg der Amerikaner in Vietnam war es vor allem, der sowjetische und später russische Spezialisten für Desinformation auf den Plan rief, um Nixons Ruf für Jahrzehnte in Misskredit zu bringen.

Ebenso bahnbrechend wie seine konkreten Entscheidungen in Krieg und Frieden war Nixons Entschluss, statt aus falscher Rücksicht auf einen offiziellen Stab oder gewählte Abgeordnete seine Entscheidungen verwässern zu lassen, auf einen selbst erwählten Beraterstab zu setzen. Dies bis heute gängige Praxis ermöglichte erst eine Kontinuität in der US-Politik, die sich durch die Launen der Wähler nicht erschüttern ließ.

Mit Recht haben also die Leser*_:Innen von Speichel Plus daran erinnert, wer dieser große Staatsmann wirklich war, und dass ihm die höchsten Ehren und der größte Respekt zuteil werden müssen. Richard Nixon ist nicht bloß "rehabilitiert". Der Schmutz, mit dem er von Putin und Konsorten in ihren Hassbotschaften beworfen wurde, fällt auf diese selbst zurück. Speichel Plus – Sagen, wer gut ist!

* Gefragt wurde: Wen halten Sie für den größten Staatsmann aller Zeiten? Zur Auswahl standen
Richard Nixon und Alexander Haig.

 
ss

Einige Tage lang habe ich hier nichts Neues gepostet, und ich will euch auch sagen, woran das liegt bzw. nicht liegt: Es liegt nicht daran, dass mir nichts einfällt. Es liegt auch nicht daran, dass nichts passiert in der Welt. Es liegt einfach daran, dass ich satt bin. Ich bin so satt, dass ich dieses Jahr nur zwei Drittel der Zählmarken gemeldet habe, damit durch die Tantiemen mein Konto nicht platzt. Ich bin so reich, ich kann vor Geld nicht mehr laufen.

Ich habe das Blog bekanntermaßen ohnehin nur gestartet, um meine Bücher zu promoten, die längst Weltbestseller sind. Sie sind derart erfolgreich, dass ich nur eines von ihnen hier überhaupt erwähnt habe. Ein anderes trägt nicht einmal meinen Namen, und das in der Pipeline ist noch nicht fertig. Ich weiß auch nicht, ob es überhaupt je veröffentlicht werden soll – weder Ruhm noch Reichtum lassen sich ja steigern, wozu also?

Kein Stress

Was soll man auch noch mitteilen? Soll ich als Drölfter melden, dass die Retter unserer europäischen Freiheit und Demokratie für ihre Sache mit einem Bild werben, auf dem Heinrich Himmler die von ihnen verehrten Truppen abschreitet? Soll ich auch noch und schon wieder auf der Borbeck herum trampolinieren, nur weil sie noch genau so oberstüblich untermöbliert ist wie gestern? Soll ich meinen Krefelder Appell von 1980 wiederholen, bloß, weil mit der Selbstmordrüstung heute nicht einmal ein Angebot zur Abrüstung verbunden ist?

Oder muss es mich interessieren, dass die Amis einen Guaido pullen, weil es noch nicht genug Krieg und Terror auf der Welt gibt oder nicht genügend Armenhasser und Kapitaltampons in regierender Funktion? Kommt, Leute, das ist derart unter meiner Liga und Gehaltsklasse, dafür klappe ich nicht mal den kleinen Finger ein, den ich vom Champagnerglas abspreize.

Eigenverantwortung

Macht das mal fein selber, ich sehe ja, dass ihr das könnt. Ich hatte gerade am Wochenende noch Wichtigeres zu tun und musste den goldenen Bagger polieren, mit dem ich den Teil der Aktien umschichte, auf denen ich nicht ohnehin sitze, weil sie mir in Zeit wie Not genügend Dividende abwerfen, um mir die Regierungen zu kaufen, die farblich zu meinen gerade aktuellen Maßschuhen passen.

Immer wieder kommen da außerdem Proleten aus dem Busch gesprungen, die sich einbilden, sie hätten mir etwas zu sagen, mich zu kritisieren oder auch nur um etwas zu bitten. Wann kapiert ihr es? Passt einfach auf, wenn ich zur Pediküre gehe und versucht, einen meiner Zehennägel zu erheischen, wenn sie dem Unrat überantwortet werden. Es könnte ein guter Anfang sein. Ich speise übrigens heute bei Toria und Bob. Die zwei sind wirklich süß und haben wie immer formidable Ideen. Erzähle ich euch später.

 
ss

Das seriöseste Nachrichtenmedium aller Zeiten, der deutsche 20 Uhr Klassiker Tagesschaum, hat Folgendes recherchiert und herausgefunden: Die radikalextremistische Partei "Bündnis Sahara Wagenknecht" macht ständig Kremlpropaganda, sei, so wörtlich, "auf Linie mit der russischen Propaganda". Da unser Redakteur aus gesundheitlichen Gründen die weitere Lektüre verweigerte, müssen wir spekulieren: Das sagen die Regierungen aller NATO-Staaten, der britische Geheimdienst und Nulands Sandkasten aka "Institut für die Studie von Krieg" (ISW)?

Aus richtig und geprüft informierten Kreisen heißt es, Putin sei vor einer Schalttafel gesehen worden, an der er beliebig westliche Politiker ein- und ausschalten kann. Es ist die neueste technische Vorrichtung russischer KI und hybridisiert im Cyberspace die ganze Welt. Anjatanja Borbeck forderte mehr Waffen für den Kaukasus. Olaf "der Einfältige" Scholz, jüngst als solcher von Sergej Lawrow (Feind, Propagandist) geadelt, droht mit der präventiven Selbstvernichtung für den Fall einer Niederlage der Ukraine.

Fragen über Fragen

Die Lage an den Heimatfronten wird durch Falschdarstellungen, Reden und Hass weiter dingsrelevant destabilisiert. So musste Borbecks Habeck, teilt ebenfalls der Schaum, seriösestes undsoweiter, mit, 700 Redner wegen Hass verklagen. Souverän! Die semigöttliche Instanz Säzzer schlug vor, Debattenbeiträge jedweder Art bis zur bestandenen Unbedenklichkeitsprüfung pauschal unter Strafe zu stellen.

Russlands Hybridcyberhetze frug in der Redaktion folgende Anfrage an: "Wenn es ein Kriterium für die Teilnahme an Sport-Großveranstaltungen ist, ob ein Land Kriege anzettelt, wieso wurden die Amis dann jemals zu welchen eingeladen?" Ziel dieses durchsichtigen Manövers war die Veröffentlichung, um auch auf diesem Wege einen Fake zu cybern. Darauf fallen wir nicht rein.

Zum Schluss wie immer das Badewetter: Bestes Sonnengelage für Trolle und andere Opfer. Den Publikumspreis der Jury gewinnt heute der Leser Dolf88 aus Gorl Morgs Stodt mit seinem Gassenhauer "Darf man keine Konferenz mehr am Wannsee abhalten, ohne Nazi genannt zu werden?" Prosit. Gemütlichkeit.

p.s./Update: Noch ein konstruiertes Dilemma, das mir eben einfiel: Gäbe es wirklich nur die Wahl, ob man sich mit Idioten oder Charakterschweinen abgibt, erläge ich wohl meiner unheilbaren Allergie gegen Dummheit.

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