kapital


 
frogs

Ich verstehe es noch immer nicht. Udo Vetter versteht es auch nicht. Er fragt nach Gründen für den eisernen Willen zum Überwachungsstaat, gegen alle Regeln, ohne jeden Anlass. "Anlasslos", das ist ein Doppelsinn. Es gibt keinen Anlass für die anlasslose Überwachung, auch nicht im Orwellschen Horrorbegriff “Höchstspeicherfrist”, hinter der sich wie immer öfter das Gegenteil verbirgt.

Es gibt keine rationalen Gründe, die uns die Betreiber liefern könnten. Schon gar nicht in diesem internationalen Ausmaß. Die Koalition der Willigen, NATO/EU/USA rüsten auf zum totalitären Regime. In Österreich sieht es genau so aus wie hier, nur dass die noch keinen Naziskandal hatten. Deren "Verfassungsschutz" bastelt aber ebenso fröhlich am "Spitzelstaat". Frankreich steht dem in nichts nach und nützt das Gottesgeschenk 'Charlie Hebdo' seinerseits zum Errichten seines Überwachungsstaats.

Sie wollen alles und alle kontrollieren, und sie werden es tun. Es zeigt sich, dass der notwendige Wille und die Fähigkeit fehlen, diese Staatssicherheitsmonstren auch nur annähernd zu kontrollieren. Was die NSU-Ausschüsse hervorholen, ist eine Tragikomödie imperialer Dimensionen. Wer stellt sich dem entgegen? Wer sorgt für Aufklärung? Wo ist die vierte Gewalt?

War was?

Sie ist taub, blind und beredt, wenn es darum geht, den ekligsten Schmeißhaufen noch für den Wohlduftspender edler Geister zu erklären. Einer, der wenigstens - wenn auch aus Versehen - einen Schritt Richtung Wahrheit wankt, schreibt für seinen publizistischen Lehnsherrn [Link geht zu Fefe, der hat einen auf Springers Postille]:

"Hebt sofort die Exportrestriktionen für die Rüstungsindustrie auf, um der deutschen Industrie faire Chancen im Wettbewerb [...] zu geben."

Totale Überwachung der Bürger, totale Freiheit dem Export! Wir haben es hier nicht mit den Profiteuren selbst zu tun, die uns diese Entwicklung bescheren, sondern mit der Elite aus Politik und Journalismus. Die einen dreschen so lange auf die Verfassungen ein, bis auch der Letzte begriffen hat, dass Widerstand dagegen zwecklos ist. Ihre eigenen Vehikel, die Grundlage ihrer Macht, zerstören sie bereitwillig, um sich dem Neuen anzudienen. Doch was wird das sein? Die anderen blasen zum Halali und machen den Massen klar, das es keine Alternative gibt. Die marktkonforme Demokratie muss sich auch dem totalen Markt anpassen.

Der nicht genannt werden darf

Ich kann es nicht begreifen, und ich begreife übrigens auch nicht, wieso in der Nachbarschaft, bei den Kritischen, den Linken, das kleine Einspluseins nicht stattfindet. Wo ist der Zusammenhang? Auf welchen Begriff bringe ich das, wenn gnadenlos auf allen Ebenen aufgerüstet wird, am stärksten gegen das eigene Volk? In einem Verbund von Staaten, in denen politische Funktionäre immer offener geschmiert werden, wenn sie nicht ohnehin alle selbst Millionäre sind wie im amerikanischen Kongress oder ehemalige Manager von Investmentfirmen wie in vielen europäischen Regierungen? Ganze 76 Personen leisten 42% der Parteispenden in Großbritannien.

Verfassungen, Parlamente, Gesetzgebung, alles wird auf den Kopf gestellt, durchgemixt, kleingeklotzt, zusammengeschustert, gefressen und wieder ausgespuckt, bis es passt fürs Kapital. TTIP zum Beispiel will kein Mensch auf der Welt. Niemand außer ein paar Großaktionären und ihren windigen Vorständen, die die letzten Profite an sich raffen, bevor nichts mehr geht und sich "Stiefel" wieder auf "Gesicht" reimt. Wie nenne ich das? Wie, wenn nicht Klassenkampf?

Und wo wird der enden? Wenn das Kapital wieder einmal endgültig versagt haben wird, wird etwas kommen und dankbar vollenden, was heute vorbereitet wird. All die wunderbaren Werkzeuge zur Dressur der Sklaven werden ihm dienen. Wenn es schon vorbei ist mit Wachstum und Wohlstand, kann man wenigstens welche dafür leiden lassen. Auch dafür steht längst wieder alles bereit.

 
pauls

Noch vor einigen Jahren wähnten sich einige Publizisten, die Blogs als alternative Medien für sich entdeckt hatten, auf einer Insel der Unabhängigkeit. Aus der Innenansicht hat sich daran grundsätzlich auch nicht allzu viel geändert. Wie nicht anders zu erwarten war, aber vielleicht naiv gehofft wurde, ließ das Kapital allerdings nicht lange auf sich warten, um mit der Planierraupe durch unsere Vorgärten zu schroten und ein Regime des Deppenterrors zu errichten.

Dabei ist man noch fast gut bedient, wenn breitbeinige Jungblogger/innen, die sogar im steten Bemühen um so etwas wie Schriftsprache hier und da ein gewagtes Komma setzen, jeden Konsumschrott mit 'wow' und 'toll' anpreisen, den eine Agentur ihnen zum Gutfinden anliefert. Ich musste mir tatsächlich erklären lassen, so gehe Bloggen heute - da sind wir mitten drin im "Heutzutage", und die wenigen Glücklichen, die ein Jahr auf zwei aus der immer gleichen Satzstanze zu den immer gleichen Posen überteuerten Markenschund anbeten, halten sich gern für jemanden.

Tiefer als die Hölle

Meine realistische Einschätzung ihrer Zukunft werten sie als irrelevant und pessimistisch (im Sinne von depressiv, nehme ich an ). Am Ende bin ich vermutlich nur neidisch und eh Nullerjahre. Ein alter Freak halt, den der fröhliche Umzug nicht mitgenommen hat. Die Party läuft ohne dich, Opa. Ich muss wirklich schrecklich alt sein, denn ich kann mich über diese Art schnöseliger Hybris nicht einmal mehr aufregen.

Wie gesagt, ist man mit dieser Art Klientel noch gut bedient, denn zumindest die Simulation einer Kommunikation kann im günstigen Fall stattfinden. Nicht so mit denen, die in der Lotterie das Los des Asistars gezogen haben und auf Youtube unverständliches Zeug brabbeln, um Millionen von Halbhirnen damit zu begeistern, dass es da draußen noch einen Hirngünter gibt, dessen Schwachsinn sogar von Schwachsinnigen als Schwachsinn erkannt wird. Dazu trägt er sie es wiederum Logos, zeigt Spielzeuge mit Logos oder findet irgendwelche Marken einfach so krass geil töfte. Der Markenname ist dabei das Einzige, das deutlich intoniert wird.

Diese Inszenierungen sind wiederum die Schublade im Erdkern, drunter geht einfach nicht mehr. Ich habe mit Moral nichts am Zettel, davon will ich gar nicht anfangen. Was mich vielmehr beeindruckt, ist die Reinheit, mit der ein gestrippter Kapitalismus zutage tritt. Konsum ist hier Inhalt, Stil, Kommunikation, Sinn und Zweck ineins. Das Ideal, das dazu gebraucht wird, ist ein entkernter Restmensch ohne Verstand, Fähigkeiten oder auch nur Geschmack. Die Beliebigkeit wird nur durch ein einziges Element durchbrochen, nämlich den Privateigentümer, der zahlt; der Marke, die dessen Produkte repräsentiert.

Rock'n Roll ohne Rock und Roll

Das Perfideste an dieser erfolgreichen Strategie ist ihre integrative Wirkung. Jeder Idiot kann das, was die Superstars da machen. Jeder erkennt das. Alle sind vereint in ihrer totalen Inkompetenz und dem Traum vom absolut mühelosen Konsum. Der Depp als Star ist das neue Ideal, sein Status leitet sich unmittelbar ab von den Waren, die er erwirbt. Die eine halt im Päckchen von der Agentur, der andere für einen unverschämten Preis im Fachhandel.

Die Szene funktioniert wie Pop allgemein, nur eben ohne alles - ohne Musik, Sport oder sonstwas, wofür jemand noch etwas Spezielles tun müsste. Hysterische Teenager machen sich nass, weil ihr unreifer Narzissmus eben auf die personifizierte Beliebigkeit anspringt, weil die Industrie den Befehl gibt, das gut zu finden. Sex, Drogen und Rock'n Roll ohne Sex, Drogen und eben alles. Fetisch statt Sex, Konsum statt Drogen und nochmal Konsum statt Rebellion. Kurzum: Das Produkt ist hier Subjekt und die Konsumenten die Objekte.

Die gute Nachricht: Um in diesem Schlamm mit zu catchen, kann man nichts tun. Es gibt nichts, das man lernen kann, nichts, dass man tun oder lassen müsste. Vielleicht einen kennen, der gerade bei einer Agentur darüber entscheidet, wer in der nächsten Runde den Dorfdeppen gibt. An die könnte man sich ranzecken, falls die dazu nötige Intelligenz einen nicht schon wieder disqualifiziert.

 
allewege"Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau" war die einfache Formel, auf die die CDU schon in den Vierziger Jahren ihre Propaganda brachte, um alles, was links von ihr stand, mit dem alten und neuen Feind in Verbindung zu bringen. Ein bisschen was hatte sich geändert: Es war nicht mehr der slavische Untermensch, der aus dem Raum im Osten zu vertreiben war, auch wurde den Bolschewisten die Assoziation "jüdisch" abgezogen, übrig blieb dann aber immer noch der gemeingefährliche Massenvergewaltiger und Kommunist, der deutsche Kriegshelden wie Vieh in seiner Gefangenschaft hielt.

Dieses formidable Feindbild sollte so kräftig wie möglich auf den innenpolitischen Gegner abfärben. Eine Strategie, die sich bis in die Gegenwart fortgesetzt hat, wenn dafür auch gedreht und gewrungen werden muss. Von Anfang an war die Propaganda, was sie eben immer ist, eine Lüge. Es gelang der Linken aber nie, sich erfolgreich dagegen zu wehren.

In der Frühzeit der BRD war es gerade deshalb schwer, weil es noch durchaus diskutabel war, Marxist zu sein. Der von Adenauer ausgelegte Köder hatte noch nicht gewirkt, und auch die Aussage des Plakates war noch nicht als alternativlose Weltsicht in den Köpfen verankert. Während jene, die wirklich lernen wollten aus dem Krieg, Marxismus für eine Interpretation und Analyse wirtschaftlicher wie politischer Vorgänge hielten, wurde ihnen das von den anderen als Verschwörung mit dem Feind angeklebt. Schon bald war der Marxismus indiskutabel, und je mächtiger da Bild vom bösen Russen in dessen neuer Aufgabe wurde, desto stiller wurde es um den Teil der Linken, der Marx noch gelesen hatte und nicht ohnehin verboten wurde.

Indiskutabel

Eine Auseinandersetzung um die impertinente Behauptung, Marxisten hätten etwas mit der Sowjetunion zu tun oder die mit Marx, hat nie wirklich stattgefunden. Es mag innerhalb linker Splittergruppen Diskussionen darüber gegeben haben, aber die Geschichte der Unterdrückung einer bahnbrechenden Theorie hat bis heute nicht den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Kein Wunder, denn sie stellt alles in Zweifel, was seit Jahrzehnten als alternativlos verkauft wird.

Man könnte jetzt versuchen, Marx zu erzählen, zu erklären, was er vielleicht tatsächlich gemeint haben könnte oder wo er missverstanden worden ist. Ich halte das aber für den falschen Ansatz. Es gibt ein paar einfache Dinge, auf die man hinweisen kann, um die unsägliche Gleichsetzung seiner Theorie mit dem Sowjetimperium zu durchbrechen.

Es beginnt schon damit, dass das Plakat Unsinn ist und dass was damals in Moskau zelebriert wurde, Stalins amokartige Auslegung war - und zwar schon nicht des Marxismus, sondern des Leninismus, dessen Anpassung an seine letztlich militärischen Strategien Marx' Ideen zum großen Teil widersprachen. Die Interpretation der CDU hätte genau so zu der Aussage führen können, dass alle Wege der Demokratie zu 'Mauer und Stacheldraht' führen. Schließlich war es die "Deutsche Demokratische Republik", die sich selbst eingemauert hat.

Brennpunkt der Macht

Viel wichtiger aber ist die Lehre aus der Unterdrückung von Menschen durch sogenannte "Kommunisten". Der Kommunismus heißt so, weil Kommunen die Basis des politischen Systems sein sollen. Regionale Zusammenschlüsse von Menschen, die ihre Arbeit selbst organisieren. Die Zentralgewalt Moskaus, in der Tat ein Übel historischen Ausmaßes, war aber das genaue Gegenteil (wie übrigens in Peking auch). Die Zentralmacht, die Konzentration der Macht weniger über die Massen, eine Befehlskette, die von einem Punkt ausgeht, ist das Übel, das sogenannten "Kommunismus" zu einer Mordmaschine hat werden lassen.

Dies wiederum möchten die Demokraten, die aus den Parteizentralen, den Hauptstädten und Vorständen über ihre Untertanen regieren, nicht gern hören. Es ließen sich nicht nur Rückschlüsse ziehen auf die aktuellen politischen Verhältnisse. In einer Stellvertretergesellschaft, die von oben nach unten regiert wird, lassen sich mit relativ wenig Aufwand alle relevanten Kräfte beeinflussen, sei es per Befehl, durch Geld oder andere Machtmittel. Es ließe sich nicht nur der autoritäre Charakter dieser Demokratie bloßlegen. Es drohte obendrein die Erkenntnis, dass es da womöglich doch noch bessere Ideen gibt, und das eine der wichtigsten eben noch nie ausprobiert wurde.

 
eurfasc

Die europäische Union sollte eine Vereinigung werden, die aus politischer Sicht Krieg unmöglich macht. Natürlich war sie von Anfang an eine wirtschaftlich begründete Verbindung, aber es wurden auch große Hoffnungen in eine politische Vereinigung gesetzt.

Am Anfang war das alles andere als selbstverständlich, denn Europa hatte gerade zwei Weltkriege ausgefochten. Auch gingen die Friedenspläne natürlich zu Lasten der Beziehungen zwischen Ost- und Westeuropa, die nur noch durch den engmaschigen Eisernen Vorhang stattfanden. Vor allem die Sowjetunion, heute Russland, avancierte zum Feind.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bemühte sich die EU, eingebunden in die NATO, alle möglichen Staaten Osteuropas wirtschaftlich und strategisch einzubinden. Russland gehörte freilich nicht dazu. Tatsächlich ist die Entwicklung Europas durch diverse Verknüpfungen, u.a. militärischer Art, so vorangeschritten, dass Kriege zwischen den einzelnen Ländern beinahe ausgeschlossen sind. Beinahe, denn es gibt Bruchstellen, u.a. die herzliche Animosität zwischen den NATO-'Partnern' Griechenland und Türkei sowie deren Dauerfehde um Zypern.

Völkerfreundschaft

Um die Vereinigung Europas noch enger zu gestalten, so die offizielle Darstellung, wurde 2001 eine für viele Länder gemeinsame Währung eingeführt. Einige Staaten zogen nicht mit, unter anderem das nie ganz integrierte Großbritannien, eine weitere Bruchstelle. Eine gemeinsame Währung, die eine gemeinsame Wirtschaftspolitik voraussetzt, sollte eine große gesamteuropäische Freundschaft begründen. Doch, an dieser Stelle darf gelacht werden.

Bekanntermaßen ist es die mit Abstand größte Volkswirtschaft der Eurozone, die so fest im Glauben an den ihr heiligen Wettbewerb steht, dass sie die gemeinsame Währung dazu genutzt hat, die Partner gnadenlos an die Wand zu konkurrieren. Die vereinbarte Inflationsrate wurde Jahr um Jahr unterschritten, ein groß angelegtes Lohndumping machte den abonnierten Exportweltmeister zum Albtraum der Europartner. "Death or Debt" hießen die Alternativen für unsere Freunde, Tod oder Schulden, also haben sich die weniger konkurrenzfähigen Länder bis Oberkante Unterlippe verschuldet.

Nicht ganz zufällig geschah dies im Gefolge der Weltwirtschaftskrise und der "Bankenrettung" und führte zur totalen Abhängigkeit Südeuropas von jenen 'Partnern', die es immer tiefer ins Elend stürzen. Keine Arbeit, keine Hoffnung, keine Zukunft, kurz: "Austerität" heißt das Rezept, das die reichen Euroländer und ihre Banken vor allem Griechenland verordnet haben.

Privat statt Staat

Hinter den Kulissen werden derweil Verträge ausgehandelt, die nationale Verfassungen, den EU-Vertrag und alles, was noch halbwegs rechtlich haltbar ist, aushebeln. Im Zusammenhang ist vor allem die Absicht zu erwähnen, dass künftig jedwede Privatisierung für die Ewigkeit gelten soll, Verstaatlichungen also strikt verboten werden sollen. Zwar behauptet die Bundesregierung hier (3.) das Gegenteil, zumindest aber dürften derartige Entscheidungen so hohen Schadenersatz nach sich ziehen, dass es sich die ewig klammen Kommunen wohl kaum leisten können, Privatisierungen rückgängig zu machen.

Wir haben also einige wenige Profiteure der Währungsunion, die anderen werden zum großen Ausverkauf gezwungen. Der bringt sie aber ja keinen Meter weiter, im Gegenteil macht sie das in der Folge noch ärmer. Welche Möglichkeiten haben diese Staaten aber, die Situation zu ändern? Im Grunde nur eine: Sie müssen aus dem Euro aussteigen, um wieder solide wirtschaften zu können, sie müssen einen kompletten Schuldenschnitt vornehmen, ihren Bankrott erklären und deutlich machen, dass die Kreditgeber sich verzockt haben. Kein Geld mehr von uns, wir haben ein Volk zu ernähren!

Bis zu dem Tag, an dem es ein Land wagt, die neue Alternativlosigkeit zu verkünden, muss es aber zwangsläufig weiter Schulden machen. So ist also Griechenland derzeit gezwungen, Geld anzunehmen, von dem es weiß, dass es nie zurückgezahlt werden kann. Wollen die Griechen also irgendwie eine Wende schaffen, so werden sie buchstäblich zur Untreue und zum Kreditbetrug gezwungen. Das kann eigentlich niemanden wundern, denn das ist die logische Folge der von der Troika verordneten Konkursverschleppung.

Die Betrüger

Was dann? Müssen sich die Gläubiger das Geld dann nicht holen? Die Schulden eintreiben? Güter beschlagnahmen? Und wie setzt man das durch, wenn nicht militärisch? Und was ist mit den anderen Ländern, die in einer ähnlichen Situation sind? Spanien und Portugal zum Beispiel? Das sind dann übrigens nur die Euroländer; es gibt ja durchaus noch andere, die auch solche Probleme haben. Oder die Alternative: der Schuldendienst wird gnadenlos von Regierungen exekutiert, denen die Währung wichtiger ist als das Volk. Werden sie das Programm so lange fortsetzen, bis überall die Barrikaden brennen?

Neulich hieß es, wer Kapitalismus mit Krieg assoziiert, sei linksradikal. Ob sich jemand findet, der die genannten Fragen im Rahmen der rechten Gesinnung beantwortet?

 
nova

Einfach beschrieben, ist eine Supernova ein Stern, der explodiert, weil er ausgebrannt ist. Sein Kern fällt zusammen, die Hülle wird abgesprengt. An diesen Vorgang muss ich denken, wenn ich mir die Entwicklung der 'westlichen Demokratien' so anschaue, denn da tut sich offenbar Ähnliches. Vielleicht wohnen wir derzeit dem Endstadium bei, in dem sich ein superdichter Kern von Kapital bildet und all das abgesprengt wird, das nicht unmittelbar zu dessen Stabilität beiträgt. Jene Aspekte des Rechtsstaats zum Beispiel, die mit einer allgemeinen Ethik oder naiven Vorstellungen wie "Gerechtigkeit" einhergehen.

Die Entwicklung ist, ähnlich wie in einer Sonne, keine Fehlfunktion oder ein dramatischer kosmischer Unfall, sondern sprichwörtlich 'Business as usual'. Okay, wenn wir das Bild allzu naiv betrachten, fällt zuerst auf, dass ein sterbender Stern nicht lügt. Ebenso ähnlich ist, dass es auch keine dramatischen Wenden gibt, sondern die sichersten Vorboten ganz einfache kleine Vorgänge. Hier findet mangels Material keine Kernfusion mehr statt, dort ist der Profit am Ende. Das Verhältnis von Masse und Energie ändert sich fließend und unauffällig, aber entscheidend. Eine gigantische Menge Kapital, das sich vermehren soll, dem gegenüber eine relativ immer geringere Wirtschaftsleistung, irgendwann ist das Ende erreicht.

Ende Gelände

Steigen wir für einen Moment aus aus dem Raumschiff und schauen uns die Vorgänge auf der Erde genauer an: Eine merkwürdige Meldung ist in der "Zeit" heute zu lesen. Danach sei es den Kommunen verboten, über TTIP zu diskutieren, das habe der wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten befunden. Zitiert wird dort eine „Rastede-Entscheidung“ des Bundesverfassungsgerichts. Ich lese diese allerdings völlig anders und verstehe, dass es dort um "wirtschaftliche Betätigung durch Gründung privatwirtschaftlich organisierter kommunaler Unternehmen" geht.

Es mag nun sein, dass die eine oder andere Kommune aus der Sicht ihrer Unternehmen spricht und dies irgendwie angeblich in die Kompetenz des Bundes eingreift. Wie auch immer man das aber auslegt, ist es keiner Kommune verboten, sich Gedanken über die Folgen von TTIP zu machen und das im Rat zu diskutieren. In arg vorauseilendem Gehorsam betätigt sich die "Zeit" hier als Komplize derjenigen, die den Putsch des Kapitals möglichst still und geschmeidig voranbringen wollen. Niemand hat etwas zu sagen, niemand hat etwas zu wissen, und dafür werden auch abstrus konstruierte Argumente mit einer angeblichen Verfassungstreue angeschleppt, während das Ganze gerade jede Rechtsstaatlichkeit zur Karikatur verbiegt und das Grundgesetz zum Klopapier abwertet.

Vorzeichen

ACTA, CETA, EFSF/ESM, TISA, es wird von Profiteur zu Profiteur gesprochen, was hat da der Bürger verloren oder die Gremien, die er wählt? Demokratie ist, wenn Spitzenvertreter von Verbänden und Parteien, und ja doch, auch die Regierung vom Ergebnis informiert werden. Die besorgen eh längst die PR für Verabredungen, die sie gar nicht kennen. Es herrscht Wettberwerb®, global. Das Kapital reißt sich zusammen und hebelt, da möchte man einfach nicht auf der falschen Seite stehen. Wer nicht spurt, wird aufgekauft und zerschlagen, fragen Sie Herrn Varoufakis.

Ein anderes Symptom ist stets der Zustand der Sozialdemokratie, jener Parteigängerpartei, die sich Recht, Ordnung und Marktwirtschaft® verschrieben hat. Was Schröder tat und Müntefering auf die Formel "Wer nicht arbeitet, muss auch nicht essen" brachte, exekutiert Nahles unter dem Sprechblasenschirm ihres wendig geschwätzigen Vorsitzenden. Der hat von der Bleiernen Kanzlerin und Plaudertasche Steinbrück gelernt, einfach mit größt möglicher Selbstverständlichkeit heute dies und morgen das Gegenteil zu erzählen. Damit ist er meist für das, was anderen gefällt und kann das tun, was den Wichtigen wichtig ist. Seine Nahles macht derweil den Rest der Gewerkschaften fertig.

Alles wie gehabt

"Partikularinteressen" sieht sie, wenn sich eine Gewerkschaft, die wohl zu klein war, um sie zu korrumpieren, noch Mittel hat, mit denen sie ihre Interessen durchsetzen kann. Das muss natürlich schleunigst verboten werden. Wo kämen wir hin, wenn 'Arbeitnehmer' im fairen Wettbewerb® mit Oligarchen und Konzernen einfach streiken? Woanders sieht man doch, wohin das führt: Wenn Arbeiter ihre Rechte fordern, macht man notfalls den Laden eben dicht. Da ist es doch besser, man hetzt die Lohnabhängigen rechtzeitig aufeinander und lässt die Experten entscheiden, was gut für sie ist. Zur Belohnung gibt es dann auch lecker Mindestlohn. So geht Gesetzgebung in der Endphase.

Noch woanders sind sie stets ein paar Schritte voraus. Im Land der Freien, unserer Verbündeten und Vorbilder, wo längst nur noch Millionäre im 'Parlament" sitzen. Dort haben sie Probleme, von denen wir noch träumen: Bloß nicht zu viele Millionen auf einmal für die Demokratie! Das sind diese Vorgänge, und davon spricht hier niemand. Ein Zusammenhang findet nicht statt. Es ist dieselbe Prozedur wie jedes Mal, und es ist die beste aller Welten. Wer da komische Geräusche hört oder die Messergebnisse alarmierend findet, ist ein Psychopath oder arbeitet für den Feind. Für beides haben wir wieder Einrichtungen, die sich darum kümmern.

 
zomb

Eine der ältesten Strategien der Lautsprecher des Kapitals ist das absurde Argument gegen den Feind von links, jener "sozialistische" oder schlimmer noch "kommunistische" Herdenmensch, er gebe die individuelle Freiheit auf und ordne die Einzelnen sklavisch dem Kollektiv unter. Dazu ist ihnen kein Fehlbeleg zu dumm, wie zum Beispiel das ewig absichtliche Missverständnis von der "Diktatur des Proletariats" - als hätte Marx die Diktatur eines 'Proletariers' gewollt, oder als wolle irgendwer Unternehmer und Einzelhändler in Ketten übern Marktplatz peitschen. Diktatur des Proletariats ist als Grundgedanke nicht viel anderes als "Demokratie", die ja auch meint, dass das Volk über sich selbst bestimmt. Der Unterschied liegt halt nur da, wo es hie noch Klassen gibt und dort eben nicht - in der Theorie wohlgemerkt.

Ich will aber gar nicht auf dieses auch meines Erachtens dumm formulierte Detail einer alten Theorie hinaus, sondern auf das Schreckgespenst eines die Einzelnen knechtenden Kollektivs. Geknechtete Einzelne, massenhaft, das kenne ich wohl - unterdrückt und ausgebeutet in Hungerjobs, ausgeschlossen aus der Gesellschaft als Arbeitslose, beschimpft und erniedrigt als Verlierer aka "Faulpelze". Das gibt es reichlich unterm Banner der "Freiheit des Einzelnen", einem perfide gefälschten Etikett, unter dem sich die Freiheit Einzelner verbirgt. Es ist die hierarchische Gesellschaft, die den Massen die Freiheit nimmt, heute und weltweit eine der monetären Hierarchien. Oben ein paar Reiche, unten der zusehends schlimmer verarmende Rest.

Albtraum Gleichheit

Dabei muss es jedem Halbgescheiten klar sein, dass es nur das Kollektiv sein kann, das für das Wohlergehen sorgt - sei es für einzelne Profiteure oder eine Gesellschaft. Was ist denn ein Betrieb, eine Abteilung, eine Familie, eine Genossenschaft, ein Verein? Das sind alles Kollektive, und ohne die würde niemand überleben. Die Propaganda aber erzählt wieder und wieder die Geschichte von den freien Einzelnen, großen Persönlichkeiten, Unternehmern und anderen Herrenmenschen, an denen man sich ein Beispiel zu nehmen hätte und auf die allein es ankomme. Eine ganze Unterhaltungsindustrie singt dasselbe Lied vom einsamen Helden, der es ganz allein richtet.

Dem gegenüber der Albtraum vom Kollektiv, in dem jeder jeden kontrolliert und alle immer gleich sein müssten, jede Individualität getilgt werde. Wo bitte soll es das eigentlich geben? Guter Witz, die furchtbare Gleichheit, als sei nicht eine unfassbare zerstörerische Ungleichheit die Geißel dieser Zeit. Riesenkracher, die gegenseitige Kontrolle, wo die Kommunikation total überwacht wird durch Geheimdienste, die längst über dem Gesetz stehen, in Staaten, die alles und jeden überwachen und auch nicht vergessen, jene Bürger zu schikanieren, die keiner Lohnarbeit nachgehen.

Aus, der Traum

Das Ammenmärchen vom bösen Kollektiv und der schrecklichen Gleichheit ist so dumm, das ihm vielleicht deshalb kaum wer widerspricht. Alter Trick der Trolle: Wenn du dich nicht weißt, wo du anfangen sollst, den Sermon zu zerpflücken, lässt du's lieber bleiben. Schlichte Gemüter und solche, die zu magischem Denken neigen - womöglich die Mehrheit - vermuten aber gern auch ganz großen Zauber in der Geschichte. Was so absurd scheint und doch ständig wiederholt wird, kann nur etwas Heiliges sein! So sprießt dieser giftige Spaltpilz fröhlich weiter und verwandelt eine elende Masse Gleichgesinnter in einen endlos konkurrierenden, atomisierten Mob potentieller Lottogewinner.

Mit der schwarzen Muttermilch haben sie aufgesogen, dass es sie spontan zerstört, wenn sie sich mit anderen zusammentun, um gemeinsame Interessen zu verwirklichen. Die Idee, als Gleiche unter Gleichen für gemeinsames Wohl zu sorgen, so haben sie gelernt, ist das Ende des Traums von der Million und damit das Ende aller Träume. Es bedeutet das Ende des Traums von Freiheit, denn Freiheit, dass ist die Freiheit über andere. Unter Gleichen, so ahnen sie, kann man nicht herrschen. Und wenn sie schon nicht selbst zum Herrscher geboren sind, so wollen sie doch wenigstens welche wählen, welche bewundern, welchen helfen und mit viel viel Glück vielleicht doch eines Tages dazugehören.

 
goIch möchte nicht, dass Frauen gefördert werden, wie sie gefördert werden. Ich wundere mich derweil, dass es Frauen gibt, die wollen, dass Frauen so 'gefördert' werden. Ich finde es ohnehin seit eh und je betrüblich, dass viele Formen des sogenannten "Feminismus" sich nur dazu eignen, das Prinzip des "Divide-et-impera" nach Kräften zu unterstützen, indem Fronten aufgezogen werden, wo keine sind und solche ignoriert werden, an denen es vielleicht irgendwann vorwärts ginge.

Was ich meine, ist der schnöde Klassenkampf, dessen Fortgang für genau die Hierarchien sorgt und sie ausbaut, die eben die zeitgemäße Form der Herrschaft repräsentieren. Natürlich ist das patriarchalisch, und ich habe überhaupt nichts gegen eine Diskussion über die Verflechtung von Patriarchat und Kapitalismus. Ich habe aber etwas gegen Weltbilder, die letzteren Ignorieren oder gar leugnen. Ich habe etwas gegen Kategorien, die aus dem Bedürfnis heraus gebildet werden, recht zu behalten, Schuldige zu finden und Pauschalurteile zu fällen.

Dazu gehört der Blödsinn vom alten weißen Mann, der als solcher über die Restwelt herrsche, die in solchen Kategorien übrig bleibt. Ich falle ja zufällig in diese Kategorie, müsste also mächtig Macht ausüben, wenn es den stimmte. Die Wirklichkeit der 99% unserer Kategorie ist aber die, dass wir wenn wir Glück haben, lohnabhängig beschäftigt sind und wenn wir Pech haben, eben nur lohnabhängig. Sind wir deutlich über 40, tendieren unsere Chancen, noch einmal irgendwo unterzukommen, gegen Null. In Südeuropa ist selbst das inzwischen nicht mehr wichtig; da sind die Jüngeren schon alle arbeitslos, also alle gleich hoffnungslos.

Weißer Mann herrschen über Welt

Ich falle in die Kategorie weißer Akademiker. Ich bin Prekariat. Ich bewerbe mich auf Jobs an Unis, in denen Frauen 'gefördert' werden. Das sieht dann so aus: Zunächst einmal wird der Vertrag befristet, in der Regel mit der Begründung, es handele sich um ein Projekt, für das ein begrenztes Budget zur Verfügung steht. Diese Budgets werden dann aber gern jahrelang erneuert, so dass von einem begrenzten Projekt nicht mehr die Rede sein kann.

Egal, die Stellen werden trotzdem befristet, damit man bloß nicht Personal versorgen muss, von dem man sich ggf. einmal flugs trennen will. Obendrein verhängen die Hochschulen danach Sperrfirsten, das heißt, dass Bedienstete nach 2 Jahren Vertragslaufzeit für drei Jahre ausgeschlossen werden - damit die gesetzliche Grundlage der Befristung eingehalten wird und die "Entfristung" nicht verbindlich wird.

Dieses Leben von der Hand in den Mund gibt es noch in diversen anderen Varianten, die Situation lässt sich aber einfach zusammenfassen: Wer keine Professur innehat, darf kaum je auf ein dauerhaftes Auskommen hoffen. Das hält die Unis aber nicht davon ab, von "Frauenförderung" zu faseln, wenn sie bevorzugt weibliches Personal in dieser Knechtschaft halten. Ich halte es sogar für denkbar, dass sie auch in dieser Liga glauben, mit Frauen könne man das leichter machen.

Viele kleine Minderheiten

Vordergründig sind viele dieser Jobs gut bezahlt, aber wenn ich mir alle zwei Jahre einen neuen suchen muss, kann ich das nicht mehr so sehen. Wie gesagt: Das Gros des akademischen Personals vegetiert so vor sich hin, und das einzige Mittel dagegen wäre es wohl, diese Ausbeutung in Grund und Boden zu streiken. Ja, es ist sogar der Gewerkschaft GEW aufgefallen, dass sich da etwas ändern sollte, und was macht da eine Gewerkschaft? Sie verlautbart:

"Die GEW hat sich kritisch mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz auseinandergesetzt und fordert dessen Abschaffung zu Gunsten sachgerechter tarifvertraglicher Regelungen."

Ja leck mich fett! Die Fordern ein Gesetz! Dabei gibt es ein Gesetz, das in der Praxis aber so absurd ausgelegt wird, dass es eben ist wie es ist. Vielleicht sagt die GEW ja noch lieb "bitte bitte", dann klappt das bestimmt!

Sie verarschen uns. Alle. Junge, Alte, Männer, Frauen, weiß und schwarz, arm und noch nicht ganz so arm. In diesem System zu dieser Zeit in dieser Form Frauen zu "fördern", ist der blanke Zynismus. Ich gönne den Frauen diese Scheißjobs nicht. Ich will sie selbst nicht machen. Niemand, der sich selbst nicht auf eine skurrile Weise hasst, will solche Jobs. Es will auch niemand in die Mühle der "Agentur" oder der "JobCenter". Niemand will Jobs, in denen das Personal weiter verhökert wird wie Vieh und aussortiert, wenn es zu alt ist. Das betrifft uns alle. In dieser Situation einzelne nach Alter, Geschlecht, Hautfarbe oder sonstwas zu diskriminieren, ist der Job der Ausbeuter. Da brauche ich nicht auch noch Verräter auf dieser Seite, die sich als verfolgte Minderheit aufspielen und freiwillig aus der Mehrheit viele möglichst kleine Minderheiten machen.

 
waha

Eigentlich war es als Opener nicht gedacht, aber diese Nachricht passt einfach zu gut: Die Entwicklungsorganisation Oxfam meldet heute, dass 2016 das reichste Prozent der Menschen mehr Vermögen haben wird als die restlichen 99% zusammen. Dabei sind die folgenden 9% auch noch verdammt reich!

Ich möchte über die nächsten vier Buchstaben sprechen, heute "TISA", was als "Dienstleistungsvertrag" um den Globus gelogen wird. Nach ACTA, CETA, TTIP und was weiß ich der nächste Anschlag auf die Reste von Demokratie und Rechtsstaat. Diesmal, um direkt zur schlimmsten Konsequenz zu kommen, soll die Infrastruktur des Westens®, namentlich die Wasserversorgung, nicht nur geplündert werden, sondern das Ganze gleich unumkehrbar gemacht. Die Wasserwerke sollen also künftig Privateigentum werden und ausdrücklich nie mehr in Gemeineigentum zurückgeführt.

Ewige Sklaverei

Dieser Clusterskandal wird wieder einmal geheim eingestielt, wieder einmal trifft die Wirtschaftsnato Verabredungen jenseits allen geltenden Rechts und hält ihre Völker in Unwissenheit - bewusst, geplant und auf allen Ebenen rechtswidrig. Es handelt sich hierbei übrigens um eine mustergültige Verschwörung. Es ist ganz offenbar, dass sie stattfindet, nur ihre Inhalte bleiben zum Teil unbekannt. Lieber wäre es den Mobstern, die sich da treffen, dass alles unbekannt bliebe, aber da hat schon wieder jemand das Wasser nicht halten können.

Vor dem Hintergrund sogenannter "Schuldenbremsen" wird die Sache erst richtig appetitlich. Die Staaten sollen in der (bewusst herbeigeführten) Not nicht mehr Geld aufnehmen dürfen, sondern gezwungen sein, Infrastruktur zu verkaufen. Nach TISA eben unumkehrbar. Das heißt, dass unsere korrupten Vertreter, die sich für ein paar Jahre haben wählen lassen, ihre Völker für alle Zukunft an Investoren® verkaufen wollen. Wir werden ihre Sklaven sein und für sie arbeiten.

Sie bestimmen, wie lange jeden Tag. Sollten sie eines Tages freilich feststellen, dass es sich nicht mehr lohnt, weil Wasser auch Leitungen und Kanalisation braucht und das zu teuer wird, gehen sie wieder. Dann arbeiten wir, um den Schaden zu reparieren. Sollte es jemand wagen, diese "Verträge" zu kündigen, zahlen wir für die Kündigung. Sonst zahlen wir eben dafür, dass es ihnen gehört. Was sie dafür leisten? Nichts.

Das Biest

Natürlich unterwandern sie derweil jede Rechtsgrundlage, auf der so etwas steht. Verfassungswidrig, ein Verstoß gegen EU-Recht, ja im Kern so marode, dass zurecht von einem "Systembruch des Völkerrechts" die Rede ist. Verabredungen ohne rechtliche Prinzipien, der endgültige Umbau der Staaten in ein mafiöses Konglomerat.

Sozialdemokratisch sozialisierte Zeitgenossen fragen sich hier, wie das so weit kommen konnte, warum die Gier plötzlich so aggressiv auftritt und die Hyperreichen alles tun, um ihren absurden Reichtum noch zu vergrößern. Sie fragen sich das, weil sie es nicht begreifen wollen. Ich halte es für völlig abwegig zu glauben, es gebe auch nur fünf Hanseln, denen ihre Milliarden so sehr zu wenig sind, dass sie die Völker derart gegen sich aufbringen. Sie handeln aus schierer Not.

Das letzte Gefecht ist im Gange, alle Claims abgesteckt, und jetzt wird alles verramscht, was noch nicht ausgequetscht wurde, mit aller Gewalt. Kein Profit mehr machbar da draußen, also fluten sie jetzt den ganzen Laden vom Keller bis zum Dach. Die Blaupause dafür liegt derweil noch immer im Giftschrank. Seltsam? Aber dort steht es geschrieben.

 
t34

Ein oft unterschätzter Aspekt der neoliberalen Agenda ist die ausdrückliche Vorgabe, positiv über wirtschaftliche Zusammenhänge zu sprechen. Daraus resultiert nicht bloß die Pflicht zur Propaganda, sondern ein 'Denken'. das stets vom gewünschten Resultat her die Wirklichkeit kommuniziert. Weil das oft nicht mehr geht ohne sich in den Schleudergang der Gehirnwäsche zu begeben, werden Techniken wie Neusprech, Zwiesprech und das absurdeste Argumenteyoga veranstaltet. Ein Beispiel für erschreckende Dimensionen des Realitätsverlusts schenkt uns aktuell die FAZ:

Deutschland hat gute Laune. Kaum einer ist arbeitslos, alle konsumieren, viele sind optimistisch. Nur die Firmen halten sich zurück und horten Bares, statt zu investieren. Es fehlen die Ideen. Und der Mut.

Ähm, ja genau. Nein, ich habe das nicht erfunden und es finden sich auch keinerlei Anzeichen für Ironie, das ist ernst gemeint. Millionen Aufstocker, weitere Millionen Arbeitslose, noch weitere, die in Maßnahmen, wegen ihres Alters oder anderer Tricks nicht erfasst werden, ganz zu schweigen von prekär Beschäftigten, und die Kapelle da oben spielt "Uns geht's gut". Dass wir unsere Arbeitslosigkeit obendrein größtenteils in die Länder unserer Währungspartner exportiert haben, wird nur mit einer weiteren Jubelmeldung quittiert, nämlich dass Deutschland Wachstum Wachstum®, während "um uns herum" alles schrumpft. Alles super!

Darf nicht, kann nicht

Kreuzerbärmlich dumm genug, aber diese Höchstleistung ist nur einmal mehr die Folge eindimensionaler Analyse, wenn man die denn noch so nennen mag. Die Kernaussage ist nämlich die, Wirtschaft sei Resultat eines Willens. Woher kenne ich das bloß? Die Angst sogenannter "Ökonomen" und ihrer schreibenden Kolonne vor einer Wahrheit aus dem Jenseits ist grotesk. Die geringste Anleihe bei Marxschen Theoremen ließe ihnen sofort einen hässlichen Bart wachsen und russische Panzer auffahren. Wir wagen es trotzdem:

Wie schon öfter betont, warten auf einen Dollar, der irgendwo auf der Welt umgesetzt wird in Produktion oder Dienstleistungen, drei Dollar, die vermehrt werden wollen. Sogenanntes "Wachstum", was nichts anderes bedeutet als Profit, ist also real kaum mehr zu schaffen. Nettowachstum geht nur über höhere Schulden, gesucht werden also Schuldner, die noch mehr aufnehmen als andere längst zurückzahlen müssten. Wo sollen die herkommen? Irgendwo ist da ein Ende der Fahnenstange.

Es ist nebenbei ja überhaupt nicht so, das niemand investiert, welch ein Unsinn! Es wird nur insgesamt eben weniger investiert, weil das große Fressen im Gange ist. Das holde Wachstum geht nur noch auf Kosten anderer. Monopole fressen die Konkurrenz; gerade jüngere Wirtschaftsbereiche bilden extrem schnell Riesenkonzerne mit gewaltiger Macht. Google, Microsoft, Amazon, Facebook, Apple zum Beispiel. Kalte Wette: in den nächsten fünf Jahren wird mindestens eine dieser Marken auch von einer der anderen aufgekauft. Das nur am Rande.

Das Paradies, zum Greifen nah

Ja, und selbst Wachstumsexportweltmeister Deutschland wie gesagt konkurriert andere an die Wand, um noch ein mickriges Prozentchen zu wachsen. Das ist eine Heuschreckenstrategie, denn die so ruinierten Wirtschaften "um uns herum" werden "wir" als Kunden noch bitter vermissen. Obendrein lassen wir uns von den Amis zwingen, nicht mehr beim Russen zu kaufen. Deren Strategie ist derweil ein imperialistischer Amoklauf. Nicht nur TTIP soll eine US-dominierte Handelszone schaffen, gleichzeitig wird eine "transpazifische" aufgebaut, um die Wirtschafts-NATO zu ergänzen.

Hier schließt sich der Kreis, denn was ich da lese, macht mich hart lachen. "120 Milliarden Dollar" soll der ganze Spaß jährlich bringen. Das sind etwa 0,5 Promille des um die Welt schwappenden Kapitals. Das geht ab wie Rizinus, wetten dass? Kommt Leute, wir müssen das positiv kommunizieren!

Im übrigen sind Wille und besseres Wissen überall vorhanden. Die New York Times hat eine erhellende Analyse der Kommunikation von Fracking-Unternehmen erstellt. Daraus geht hervor, dass intern immer klar war, wie wackelig der Boom war, dass die mit Fracking verbundenen Hoffnungen völlig überzogen waren und die Vision, die USA könnten Energie netto exportieren, geradezu idiotisch. Aber so kannst du das natürlich nicht sagen. Nicht als Mitarbeiter, nicht als Ökonom und schon gar nicht als journalistischer Marktschreier.

 
egonap

Raubmordkopiert bei Egon Forever

Immer mehr Deutsche sind Fremde im eigenen Land. Die Fremden nehmen ihnen die guten Arbeitsplätze und lassen ihnen bestenfalls Niedriglöhne. Es gibt keine Heimat mehr, immer mehr werden zu Nomaden, weil die Fremden es so wollen. Keine Heimat mehr. Nicht in den ländlichen Regionen, wo Deutsche flüchten müssen vor Arbeitslosigkeit und Strukturwandel, besonders im Osten. Nicht in den Städten, wo immer weitere Wege gemacht werden müssen, um eine schlecht bezahlte Arbeit zu bekommen.

Aus dem Ausland werden wir bespitzelt, was die meisten noch verdrängen, aber die Freundschaft zu Amerika ist passé für jeden, der wissen will, was diese "Freunde" so alles treiben. Allein die Treuesten halten an dieser Freundschaft fest, im Glauben an den Krieg gegen den gefährlichen Moslem.

Das wenigstens ist noch ein echter Kampf, in dem getötet und gestorben wird, in dem die Fronten gezogen scheinen zwischen Christen hier und Moslems da. Die anderen haben angefangen, wir den Fehdehandschuh nur aufgenommen. Die anderen, die man noch erkennt: dunklere Haut, andere Kleidung, Bärte, eine unverständliche Sprache - sogar die Schrift ist anders. Das sind Fremde, gegen die man kämpfen kann. Und wenn schon nicht direkt kämpfen, weil man keinen zu Gesicht bekommt, dann wenigstens demonstrieren.

Kampf der Kulturen

Der gefährliche Fremde, den man erkennt, die Gefahr um Leib und Leben, das ist die Welt, die jeder versteht. Der Moslem der Feind, auf den sich die meisten schnell einigen können. Die Fremden müssen weg, ihre Macht zurückgedrängt werden, auf dass wieder Ruhe einkehrt, man sich zuhause fühlen kann und sicher.

Das andere Fremde hat nämlich kein Gesicht, keinen Ort, keinen Namen. Man kann es nicht bekämpfen. Die Macht, die einen zwingt, alles mitzumachen, was "zumutbar" ist. Die erwartet, dass man täglich 2,5 Stunden pendelt zu einer Arbeit, die man hasst. Die einen heute hierher schickt und morgen dorthin, wo man niemanden kennt. Die ständig alles ändert und nie etwas zum Guten und die dafür sorgt, dass man im Leben nicht arm bleibt, sondern immer ärmer wird. Oder die einen Angst haben lässt, dass es einmal soweit kommt.

So etwas braucht ein Gesicht, und damit es eins hat, braucht man die Augen, es zu sehen. Die einfache Perspektive aus einer einfachen Weltsicht. Wenn die nicht hier wären, wäre alles gut. Wenn wir die besiegen, sind wir am Ziel. Es kann schließlich nicht sein, dass in Deutschland Deutsche Deutsche unterdrücken. Das wüsste man doch. Alle sagen doch, dass die Krisen draußen aus der globalen Welt kommen und wir wegen dem Wettbewerb mit Ausländern sparen müssen.

Was wäre auch die Alternative? Kommunismus? Gegen das Geld kämpfen, von dem man lebt? Gott bewahre!

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