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Die Vorstellung von Wirtschaft, Arbeit und Eigentum ist im Kapitalismus und insbesondere in Deutschland tief verstrickt in ein Geflecht von Mythen und Fetischen. Nirgends war der Antikommunismus so radikal wie in Deutschland, wo die Nationalsozialisten nach dem Krieg vollendet haben, was sie zuvor begonnen hatten, unter der wohlwollenden Aufsicht von Amerikanern, ihren neuen Parteifreunden und den Sozialdemokraten.

Das hatte Folgen. Nicht nur das Verschwinden einer Theorie mitsamt ihres Potentials; auch wurde jeder Umstand, der den zu "Arbeitnehmern" degradierten Arbeitern nicht gefallen konnte, zum Gegenstand mythologischer Erklärungen. In der Regel waren und sind Ausländer schuld: als globale Konkurrenz, als Feinde der Sozialen Marktwirtschaft®, als Arbeitsplatzvernichter.

Der Boss denkt nur an uns

Alles, was mit Profiten, Mehrwert und Ausbeutung zu tun hat, muss irgendjemandes böser Wille sein. Wer kein Marxist sein will, muss sich ständig Schuldige suchen, die die Früchte unserer Arbeit an sich reißen. Irgendwo da draußen, denn hier gibt es nur Gute. Mutige Unternehmer, die uns Arbeit geben. Kapitalisten und Ausbeuter haben wir hier nicht mehr, seit wir die Juden verjagt haben.

Die Heldengeschichten deutscher Ausbeuter werden bis heute erzählt. Ich erinnere mich gut an die Mannesmann-Fusion; aktuell gibt es eine Fusion zweier Stahlkonzerne; Thyssenkrupp und Tata Steel. Letztere sind Inder. Die finden wir niedlich, wenn sie ausgezehrt am Straßenrand sitzen und wir ihnen etwas spenden. Jetzt klauen sie uns Arbeitsplätze und ein Traditionsunternehmen®. Sieht so Dankbarkeit aus? Dabei weiß der Deutsche Arbeiter: "Der alte August würde sich im Grab umdrehen".

Nehmen uns die Arbeitsplätze weg

Wenn das der Führer wüsste! Der alte August (Thyssen) hat euch enterbt, Freunde. Euch und die Generationen vor euch. Wenn heute immer weniger von euch gebraucht werden, um die Seinen reicher zu machen, dann liegt das an Maschinen, die euch ersetzen. Die hat er gekauft von dem Mehrwert, den ihr erwirtschaftet habt, und während er sich noch um die Erbschaftssteuer drückt, habt ihr euer Erbe in Form des Mehrwerts längst abgegeben - Generation für Generation. Eure Lohnarbeit ist erbschaftstechnisch betrachtet Enteignung.

Die Maschinen sind die Frucht eurer Arbeit. Es ist eure Arbeit, die Verträge, die ihr eingegangen seid, die euch überflüssig und arm machen. Kein Gastarbeiter, kein ausländischer Lohndrücker, keine Weltverschwörung. Es ist das nackte einfache Gesetz des Kapitalismus, das ohne Abstriche auch in eurer schönen deutschen Marktwirtschaft wirkt. Wenn ihr Glück habt, lassen sie euch einen Anspruch auf staatliche Almosen, von denen ihr Leben könnt. Wenn nicht, lassen sie euch hungern, während sie sich von eurem Erbe Nutten und Koks leisten.

 
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Beginnen will ich mit einem etwas seltsamen Artikel von Michael Wendl. Er hebt an mit einem Blick auf die ökonomischen Hintergründe des AfD-Programms und liefert in diesem Rahmen eine schöne Zusammenfassung neoliberaler Theorien. Insbesondere die quasireligiöse Macht des Marktes (Hayek) wird dort schön dargelegt. Ärgerlich allerdings, dass Wendl, der bis zum Schlussabsatz mit Recht von "Vulgärmarxismus (bzw. -Leninismus)“ spricht, dann dieses Fazit zieht:

"Letzteres liegt darin begründet, dass Marx geldtheoretisch auf der Höhe seiner Zeit war; aber diese Zeit war vom Goldstandard und vom Gold als Weltgeld geprägt. Erkenntnisfortschritte über Marx hinaus können sich Marxisten offensichtlich nicht vorstellen."

Plötzlich sind es alle Marxisten, und Marx ist wieder 19. Jahrhundert und Goldstandard. Während Marktökonomen von Hayek bis Keynes inhaltlich dargestellt werden, gibt es auf der anderen Seite nur vorgestrige Deppen. Marx hat trotz Goldstandards bereits alle(!) Wirkungen des Kapitalismus beschrieben, die heute dank endloser Kreditschöpfung eine entsprechende Beschleunigung erfahren. Für Marxianer gibt es kein "raffendes Kapital".

Raffendes Kapital

Die Kritik geht völlig ins Leere. Um wie immer am Kreidestrich stramm zu stehen, wird wieder und wieder das Argument gebracht, Newton habe Unsinn erzählt, weil er keine Ahnung von Raumkrümmung hatte. Pff, Theorien des 17. Jahrhunderts, der Mann war Alchemist! Wer sich auf Newton beruft, muss ein Idiot sein. Wer heute noch Marx zitiert, erst recht. Marxisten können nur Marx und keinen Markt.

Machen wir einen Sprung nach vorn (obwohl das nicht geht, ich bin ja Marxist, ich kann das gar nicht): Ich habe hier in den Diskussionen schon häufig die Vorstellung angesprochen, der Todeskampf des Kapitalismus könne auf eine Reihe von Resets hinauslaufen. Im Grunde ist das nichts Neues; das macht er immer schon. Währungsreformen, Kriege, 'Staatspleiten' sind solche, und im Grunde kann man auch den 'Brexit' als einen betrachten. Ein 'Grexit' wäre ganz sicher einer. Alles auf Null stellen und von vorn anfangen.

Das hat oft gut funktioniert. Ich gehe hier nicht näher darauf ein, dass m.E. diese Resets heute nicht allzu lange wirken können, weil die Konzentration von Kapital und der Mangel an lebendiger Arbeit ('Arbeitsplätze') immer schneller in neue 'Krisen' führt. Ich möchte hier nur darauf aufmerksam machen, dass die Wirkung von Resets in den ökonomischen Theorien und politischen Konzepten zu kurz kommen.

Hat doch toll funktioniert

Wie immer sind meine Freunde, die Sozialdemokraten und Keynsisten da ganz weit vorn. Wenn diese von den tollen Konzepten der Nachkriegszeit schwärmen, ignorieren sie mit furioser Sturheit die Tatsache, dass der ganze Glanz durch Wiederaufbau und andere günstige Faktoren bestimmt war. Sie raffen es nicht. Von der anderen Fraktion, den neoliberalen Voodoo-Experten mal ganz zu schweigen, die von Anfang an nichts anderes gemacht haben als virtuose Konkursverschleppung. Immer, wenn sie genug Erde verbrannt haben, räumen andere auf, bis der nächste mit denselben großartigen Ideen die nächste Diktatur errichtet.

Nehmen wir das einmal ernsthaft positiv: Die Märkte sind halt so und brauchen ab und zu einen Reset. Wenn der ganze Pfusch an den Rahmenbedingungen mit Finanzprodukten, ESM, Kriegen um Rohstoffe und Einflusszonen et cetera, dann doch nicht mehr hilft, kommt es ohnehin dazu. Weltkrieg oder New New Deal oder Währungsreformen oder oder. Denkt man das zu Ende, kommt man sogar wieder beim fairen Wettbewerb® aus: Wenn beim 100-Meter-Lauf der Vorsprung des Siegers jeweils beim nächsten Mal angerechnet wird, ist das nach neoliberalen Grundsätzen heute "fairer Wettbewerb". Annähernd fair wäre aber nur einer, der immer wieder bei Null beginnt.

Konsequenz aus dieser Idee wäre ein System, das von vornherein den Reset einplant. Sagen wir: Ihr habt jetzt zehn Jahre Zeit, rauszuholen, was drin ist, dann fangen wir von vorn an. Das wäre eine Form von Kapitalismus, die alle Erkenntnisse über ihn berücksichtigt. Einzig die endlose Akkumulation wäre durchbrochen. Ich frage mich: Könnte so etwas funktionieren? Entspräche es nicht sogar eher der Beschreibung der 'Marktwirtschaft' in den einschlägigen Theorien? Wäre das die einzig konsequente Form, mit unvermeidlichen Krisen bewusst umzugehen?

p.s.: Das ist kein Vorschlag, es ist ein Denkmodell.

 
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Die schlimmsten Erfahrungen mit dem Studentenparlament habe ich mit einer Hochschulgruppe gemacht, der ich selbst für kurze Zeit angehörte. Das darf man eigentlich keinem erzählen, aber es gab damals eine "Fachschaftenliste"; kurz darauf gründete sich eine "Liste die Fachschaften". Ich weiß nicht mehr, welcher ich angehörte. Jeder nur ein Kreuz!

Jedenfalls haben die Geschäftsordnungsprofis es regelmäßig geschafft. bereits gefasste Beschlüsse zu torpedieren, indem sie mit einer anderen (meist negativen) Formulierungen neu haben abstimmen lassen. Wurde also beschlossen, künftig dienstags eine Mütze zu tragen, kam prompt der Antrag, es möge beschlossen werden, künftig dienstags keine Mütze zu tragen. Er wurde eingereicht, wenn auf der Gegenseite jemand fehlte oder so formuliert, dass irgendwelche Nebengleise einzelne Mitglieder umstimmten.

Radikalisiert

Das Ganze geht also auch auf Bundesebene bei einer Partei, die eine Fraktion im Bundestag sitzen hat. In dem Fall ist es halt so, dass ein paar Promis, die im Arsch der Kirchen wohnen, den Beschluss "zurückgeholt" haben. Die "Parteiführung" hatte die Kündigung der Staatsverträge mit den Kirchen "nicht vorgesehen". Da hätte man sich einmal gegen die Kirchentagspartei der 'Grünen' positionieren können, aber man will sich ja nicht direkt anlegen.

Ansonsten haben sie den Spitzensteuersatz wie zu Zeiten Kohls im Programm, minus ein paaar Prozent Koalitionsräson, macht FDP. Immerhin sind sie gegen Geheimdienste, die sie "perspektivisch abschaffen" wollen. Die trauen sich ja was! Das ist dann für die Zeit, wenn sie die Zweidrittelmehrheit haben. Eine Partei, die von allen als linksextrem gedisst wird, biedert sich so lange an, bis sie endlich komplett in die CDU eintreten kann. Dieser tote zahnlose Haufen ist das Radikalste, das man hier wählen kann. Ein Traum!

Derweil kriecht die versammelte Journaille Herrn Macron dorthin, wo kein Licht scheint und himmelt ihn nachgerade an. Von "radikalen Reformen" ist die Rede. Lasst mich raten: Niedrige Löhne, Privatisierungen, schlanker Staat, Sozialleistungen kürzen? Interessant, dass sie das endlich "radikal" nennen. Bleibt die Frage, wo die Pariser Lichtgestalt sich radikalisiert hat. Im Internet? Wohl eher bei Rothschild & Co. An die hirnentkernten Nazis, die sich jetzt im Spamfilter tummeln werden: Das ist eine Investmentbank, keine jüdische Weltverschwörung.

p.s.: Ja, ich weiß, die 'Linke' ist auch "gegen Kriegseinsätze". So wie das Grundgesetz. Kapieren die wirklich nicht, wie in der BRD Politik funktioniert?

 
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Chuulz! Allüberall in den Vorstandsspitzen sah ich soziale Gerechtigkeit® sitzen. Beginnen wir mit etwas Tröstlichem: Wie erwartet, war der "Schulz Hype" ein mediales Strohfeuer, eine plumpe Kampagne, der nur eingefleischte Spezialdemokraten auf den Leim gehen konnten. Was der Messias wirklich will, unendlich verständlich jetzt aus Ihrer Gebetsmühle: "So viel Markt wie möglich".

Die Parteilinke Nahles [Lacher vom Band] hat zwar nicht gesagt, ein Grundeinkommen halte die Menschen von dem Wunsch ab, schlecht bezahlte Arbeiten zu tun - diese krasse Falschmeldung des Kuhjournalismus (DLF), die zunächst fleißig abgeschrieben wurde (wozu auch den O-Ton lesen?) kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sie es dennoch meinte. Ganz große Akrobatik. Was sie 'alternativ' vorschlägt, ist ein bürokratischer Rohrkrepierer, der wie immer diejenigen begünstigt, die es nicht wirklich brauchen. Dass Nahles "kein Geld vom Staat" wolle, ist der nächste obszöne Witz.

Immer mehr Faulpelze

Es kann nie genug Zwang, Schikane, Quälerei geben, um Arbeitslose für die Sünde ihrer Existenz büßen zu lassen. Dafür sorgen traditionell ebenfalls 'Sozialdemokraten', nämlich in der Sklavenzentrale der 'Agentur', aktuell Detlef Scheele. Lest das; die Inquisition geht weiter. Pünktlich springt auch der Kriminelle Hartz wieder mit tollen neuen Ideen aus dem Busch. Morgen auch Frankreich und übermorgen die ganze Welt.

Die Grundidiotie der Sozen ist bekanntermaßen das Zwangsverhalten, Kapitalismus um jeden Preis zu verteidigen und in diesem Rahmen die Liebe zu den Menschen zu propagieren. Die Basisblödheit ihres Neoliberalismus ist wiederum die, Arbeitslosigkeit auf die Motivation und das Verhalten von Arbeitslosen zurückzuführen. Das eine folgt logisch aus dem anderen und ist eben die gängige Form des Narrativs, sprich "Eigenverantwortung" aka selber Schulz schuld. Schuldige wiederum müssen bestraft werden - zumindest die mit dem selbst verschuldet geringen Einkommen.

 
zb

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Wer sich noch nicht hinreichend mit der deprimierenden Praxis von Hartz 4 befasst hat, kann das durch Twisters Berichte hier nachholen. Aber das Problem ist nicht erst diese staatlich organisierte Sklaverei. Arbeit selbst ist es. Als Mehrwert-Erzeuger versagt sie zunehmend; als Identität stiftender Wert ist sie ein Horror; ein dunkler Mythos, der einst den Sklaven Beine machen sollte, die erst durch Unterwerfung ihr Leben 'verdienen'. Heute ist sie nur noch das schicksalhafte Urteil über diejenigen, die nicht mitmachen dürfen.

Twister beschreibt, wie sie leiden und wie sie – im Rahmen der sadomasochistischen Ethik, auf die sie gedrillt sind – verzweifelt Erklärungen suchen. Die Einen wenden die Gewalt gegen sich selbst, die Anderen suchen Sündenböcke: Fremde, „Syrer“, „Flüchtlinge“. Als hätten die Ausbeutung, Roboter und Industriemaschinen auf die 'Märkte' losgelassen; als profitierten ausgerechnet die von Kapital und Monopolbildung!

Arbeit macht den Zombie

Ich weiß nicht, ob es politische Lösungen für die Zombieapokalypse des Kapitalismus gibt, aber wenn man keine sucht, findet man ganz sicher keine. Wo sind eigentlich die Politiker, Wissenschaftler, Analysten, die sich einmal ernsthaft mit einer Welt ohne (Lohn-)Arbeit befassen? Wo sind die Fragen, die Vorschläge, die Forschung, die Experimente, die Modelle, die sich mit dem Unvermeidlichen beschäftigen? Wenn die neoliberalen Menschenfresser „Wachstum“ und „Arbeitsplätze“ grunzend hirntot durch die Welt marodieren, ist das Gegenmittel was?

Doch wohl bitte nicht 'bessere Arbeit' und 'gerechtes Wachstum'! Es hat sich ausgewachsen. Das Ammenmärchen, der Kapitalismus sorge für eine angemessene Verteilung von Gütern, kann man nicht korrigieren. Es ist von vorn bis hinten Blödsinn. Es ist auch nicht Kapitalismus, der technische Erfindungen macht, er macht sie nicht einmal nutzbar. Kapitalismus steuert jeden Prozess so, dass die Eigentümer davon profitieren. Ob dadurch wer genährt wird oder verhungert, Gesundheit oder nacktes Elend gefördert wird, schert ihn einen Kehricht.

Fertig damit

Seine Basis war und ist schon immer Arbeit, und er hat sie schon immer so organisiert, dass zwei Bedingungen erfüllt waren: Die Eigentümer werden reicher und die Lohnabhängigen bleiben dort, wo sie sind. Es ist Arbeit, die Knüppel und Gewehre einsetzt. Es ist Arbeit, die Propaganda und Lügen besorgt. Es ist Arbeit, die Menschen aufeinander loslässt, die eigentlich gleiche Interessen haben, und es ist Arbeit, die jede Ungerechtigkeit gegen Veränderung verteidigt. Bezahlte Arbeit.

Wer keine Arbeit hat, macht sich nicht schuldig – im Gegenteil! Vielleicht ist das ja ein Grund mehr, warum Arbeitslose verteufelt werden – weil sie nicht mitmachen im großen Irrenhaus, im Knast, im Krieg gegen Sinn und Verstand. Weil sie aufhören, die menschenfressende Maschine zu bedienen.
Sie sollten nicht dummen Hass und noch blöderen Neid erfahren, sondern Respekt.

Wenn die Menschheit überleben will, muss sie sich völlig anders organisieren. Ohne Kapital, ohne Geld, ohne 'Arbeit'. Sie muss lernen, Probleme zu erkennen und zu lösen, sich zu versorgen und zu entwickeln. Arbeit hat eine Zeitlang Versorgung ermöglicht; inzwischen ist sie das Werkzeug der Zerstörung. Wir müssen erkennen, dass sie ausgedient hat und unsere Mühen darauf ausrichten, sie aktiv abzuschaffen.

 
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Wer noch nicht genug hat vom Ostereier suchen, kann ja mal in den Verlagsmedien blättern und einen Bericht über die Hintergründe der Schlachtplatte Nahost suchen. Geld, Gas, Geschäfte? Ach was, es geht doch um Demokratie! Die Endlösung ohne Assad® wird angestrebt, jetzt noch offizieller und noch blöder. Zuerst sollten wir aber dem Iwan, Verzeihung, Vlad, in den Arsch treten, das ist nämlich die Grundvoraussetzung dafür.

Pipelines? Korruption? Knallharte Kapitalinteressen? Das ist unendlich unverständlich, das kann man dem Leser nicht zumuten. Ich weiß, das ist nicht neu, aber man muss sich ja wenigstens selbst auf dem Laufenden halten, wenn man nicht mitverblöden soll. Lesen Sie jetzt, was wir wissen®, schunkeln Sie mit und merken Sie sich gut, was wir nicht wissen®, denn das geht Sie nichts an.

Im Westen nichts Neues

Im heldenhaften Kampf gegen FuckFake News geht der Mainstream an den Rand des Bewusstseins, wie immer von der falschen Seite aus. RT (deutsch) ist ein Sender, der auch ohne den Anspruch zurecht kommt, ausgewogen zu berichten. Wenn aber ausgerechnet der die ARD bis auf die Knochen blamiert, hören und lesen wir davon ...

Auf die Farbe kommt es an. Die Weißhelme® zum Beispiel. Erinnert sich noch wer an die "Blauhelme"? Die hatten sogar ein echtes Mandat, nämlich von der UNO, und mussten damit dem einen oder anderen Massaker® tatenlos zuschauen, so dass nur noch ein Angriffskrieg rückwirkend Auschwitz verhindern konnte. Die "Farbenrevolutionen" überspringen wir und kommen direkt zu den Helmen, die im Dienste eines britischen Milliardärs die offiziellen Non-Fake-News in Szene setzen. Jetzt weiß, jetzt noch unschuldiger - die reine Wahrheit, präsentiert von Henkel.

Derweil rollt uns der unsägliche Klüngel der Atlantiker mit dem türkischen Diktator vor die Füße. Entgegen seiner Ankündigung wird er für die Nibelungentreue seiner Nützlichsten Idiotin und zur Feier seiner selbst demnächst Deniz Yücel freilassen lassen. Dann ist alles wieder gut. Es werden Autobahnen entstehen, die auch in Deutschland Arbeitsplätze sichern. Es ist ja doch nicht alles schlecht.

 
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John Holloway hat einen höchst interessanten Beitrag zur Kapitalismus-Debatte verfasst. Ich empfehle, ihn selbst zu lesen, fasse ihn aber kurz zusammen:

Ware ist die Form, in der gesellschaftlicher Reichtum unter der Macht des Kapitals verwaltet wird: Produziert, verteilt, zugeteilt. Gleichzeitig wird damit die Herrschaft festgelegt; das Kommando über die Zeit der Einzelnen – ihre Arbeitszeit, die Bedingungen der Arbeit, ihre Freizeit, das Konsumgut und die Zugehörigkeit oder des Ausschluss aus dieser Welt der Waren.

Für Anfänger: Der Begriff „Ware“ bedeutet, dass etwas gekauft wird, um es teurer zu verkaufen und damit Profit zu erzielen. Der Profit ist der Zweck dieses Vorgangs. Ohne Profit findet er nicht statt, da niemand tätig wird, wenn er dabei Verluste macht.

Käuflich

Als Form des Klassengegensatzes ist die Warengesellschaft / der Kapitalismus nach klassischer Lesart (nur) durch eine Revolution überwindbar. Die Arbeiterklasse muss sich demnach – wie sie es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts getan hat – erheben und die Herrschaft des Kapitals beenden. Holloway setzt anders an, nämlich beim „Reichtum“; nach Marx

die volle Entwicklung der menschlichen Herrschaft über die Naturkräfte, die der sog. Natur sowohl wie seiner eignen Natur“; Reichtum, der durch das Zwingen in die Form der Ware pervertiert wird.

Demnach muss die Revolution nicht als Aufstand der Arbeiterklasse gegen die der Kapitalisten stattfinden, sondern gegen die Form der Ware. „Eine Mahlzeit ist keine Ware“, so Holloway, „sondern eine Geste der Liebe“. Kann man dies auch als pathetisch aufgeladen betrachten, so wird dennoch deutlich, wie weit sich die Warenwelt von den wahren Bedürfnissen der Menschen entfernt hat. Anderes Beispiel: „Bildung ist Reichtum, aber sie sollte keine Ware sein.“Kurzum: Die Warenform verwandelt Reichtum in trostlose Manövriermasse des Kapitals.

Der Kampf geht tiefer

Für den Klassenkampf bedeutet das:
Der Klassenkampf ist der Kampf der Klassifizierten gegen die Klasse, gegen ihre Klassifizierung: Wir werden uns nicht einfügen, wir werden uns nicht klassifizieren lassen. Wir werden die Herrschaft des Geldes nicht hinnehmen. Wir sind die Bewegung des Reichtums gegen die Ware.“

Was das für konkrete Ideen, Projekte, Aktionen, politische Konzepte bedeutet, ist die Frage. Ganz offensichtlich ist ja längst, dass vor allem die eifrigsten Kämpfer für die Macht des Kapitals, ihre Ideologen wie ihre militärischen Handlanger, nicht in ihrem eigenen Interesse handeln. Sie handeln auch kaum mehr im Interesse einer „herrschenden Klasse“, sondern aus dem blinden Zwang des Systems heraus.

Es ist die Warenform, der Zwang, selbst aus obszönem Vermögen noch mehr zu machen, während Unternehmen, Staaten und Gesellschaften dadurch sprichwörtlich ruiniert werden. Es sieht derzeit so aus, als würde die Ware über die Menschheit obsiegen, weil sich die Menschheit global und fast unterschiedslos auf Befehl der Ware gegen sich selbst richtet. Die Lösung kann kaum darin liegen, noch mehr blutige Kämpfe zu führen. Sie muss darin liegen, den wahren Feind zu erkennen.

 
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Ich werde regelmäßig denunziert als jemand, der quasi die Weltrevolution mit anschließendem Bällchenbad fordert, und zwar spätestens bis nächsten Mittwoch. Wenn einem das Hirn einschläft, breitet sich ein sanftes Summen aus, das unbedingt mit Bekenntnissen übertönt sein will. Leider sind die Symptome nicht so eindeutig wie bei den Füßen, deren Kribbeln deutlich die Durchblutungsstörung anzeigt.

Ich sei also revolutionär, weil mich der ganze Quatsch nicht überzeugt, der sich die Erkenntnis verbietet, dass es der Kapitalismus ist, der mordet, zerstört und versklavt. Das sind keine Auswüchse, das ist die unvermeidliche Anhäufung von Kapital und damit der Macht eines furchtbaren Zwangs. Bei der Frage, was man denn dagegen tun könnte, kommen einem die 'Reformer', deren Reformen man als untauglich erkennt, eben mit dem Vorwurf, man sei revolutionär. "Revolutionär" wiederum ist irgendwie falsch und daher alles radikal Linke, zumal kommunistische, indiskutabel.

Ich möchte einmal bei einem Punkt ansetzen, der sich gar nicht mit Kapital, Wirtschaft, Reichtum und Armut befasst, sondern mit einer politischen Idee, die vom 'real Existierenden' genau so mit Füßen getreten wurde wie vom Kapitalismus. Es ist hier bereits Konsens, das in einer Gesellschaft, die etwas taugt, Menschen selbst entscheiden, wie sie leben und arbeiten wollen. Das wiederum tun sie gemeinsam dort, wo sie leben. Hierarchische Gesellschaften wie Preußen, Nordkorea, die Sowjetunion oder jeder kapitalistische Staat, sind das Gegenteil.

Wille und Macht

Kommunismus kommt von "Kommune", und mir hat noch selten jemand widersprochen, wenn ich ausgeführt habe, dass echte Demokratie, also die Entscheidungsgewalt der Menschen über sich selbst, nur praktikabel ist, wenn die Kommunen die höchste Entscheidungsgewalt innehaben. Was immer also auf einer anderen Ebene entschieden wird, kann durch die Kommune aufgehoben werden. Alles, was auf regionaler oder 'Bundes'-Ebene koordiniert wird, bedarf der Zustimmung der Kommunen. Wenn eine nicht mitmachen will, kann sie niemand dazu zwingen.

Als Marxianer ist mir klar, dass sich diese politische Forderung in einem Kapitalistischen System nicht umsetzen lässt, weil das Kapital Macht konzentrieren muss, vor allem im fortgeschrittenen Stadium, in dem sich Monopole Bilden. Nun sind es aber die 'Reformisten', die ich "Sozialdemokraten" zu nennen pflege, die vom Gegenteil ausgehen. In deren Weltbild gibt es ja eine politische Macht, die Kraft ihres Willens die Gesellschaft regeln und formen kann. Sie kann ja - wenn man nur will - sogar den Kapitalismus zähmen.

Nun frage ich mich, warum dann die naheliegendste Idee, innerhalb einer 'Marktwirtschaft', die politisch regelbar ist, nicht einmal diskutiert wird. Die holden Halblinken lassen sich nicht einmal auf die Veränderung der politischen Strukturen ein. Warum verzichten ausgerechnet diejenigen, die an den Primat des Politischen glauben, auf die entscheidende Reform der Machtverhältnisse, die sich in deren Universum relativ leicht umsetzen ließe? Weiterhin frage ich mich, ob sie erkennen würden, woran das scheitert. Wenn sie doch bloß wollten ...

 
cl

Eine interessante Kritik zum „Equal Pay Day“ weist auf das ewige Problem hin, dass Frau vs. Mann eben ein erwünschter Effekt ist, der vom Klassenkampf ablenkt. Übrigens ist auch hier zu bemerken, dass „Gender Gap“ schon tendenziös ist, denn „Gender“ ist ein absurdes Konstrukt und es wird ja auch gar nicht erfasst, wie sogenannte ‚Gender‘ entlohnt werden, sondern nur die Geschlechter.

Es wird hier noch einiges mehr übersehen. Dem Kapital ist‘s eigentlich egal, aber Männer sind offenbar marktkompatibler, jedenfalls als ‚Verdiener‘. Das hat u.a. historische Gründe, Männer sind aber auch eher darauf dressiert, sich „selbständig“ zu machen. Ihre Karrieren sind eher ununterbrochen (der Artikel spricht das an), sie streben geradliniger in Spitzenpositionen. Erst weiter oben wiederum entstehen die großen Unterschiede in den Einkommen. Im Übrigen, das hatten wir schon, sind es ‚typische Frauenberufe‘, die oft schlechter entlohnt werden, hier trifft es aber auch die Männer.

Zeitlose Verblödung

Bezogen auf Familieneinkommen sieht die Welt anders aus, denn es müssen alle mit der Kohle auskommen. Dass Einkommen generell so ungerecht verteilt wird, dass Familiengründung ein ruinöses Unterfangen wurde, trifft ebenfalls alle. Es dient dem Kapital, hier die Rechnung aufzumachen, Frauen würden benachteiligt, um den Mann zu animieren darauf zu beharren, sie gebe ja sein Geld aus. So lange es wenigstens noch Kleinfamilien gibt, ist solcher Streit hirnrissig. Dergleichen ist ein Luxus für kinderlose Alleinstehende, die Lieblingsdrohnen der Ausbeuter.

Die Erzählung, die mich aktuell einmal mehr belustigt, ist die von Cinderella oder Aschenputtel, ein zeitloser Klassiker der Herrschaftsliteratur. Sie stammt vermutlich aus dem späten 17. Jahrhundert. Die relevanten Geschichten drehten sich schon in der Antike um Fürsten. Die Kommödie war die Geschichte des Pöbels, wenn es aber um das große Schicksal ging, in der Tragödie, waren gekrönte Häupter die Spielfiguren.

Aschenputtel ist die Geschichte des Aufstiegs der unterdrückten mittellosen Schönheit, die vom Prinzen erlöst wird, indem er ihr einen Schuh reicht. Das Muster geht gerade heute wieder gut; Kinofilme, in denen der Millionär die Hure heiratet, sind die Adaption der Geschichte; für die emanzipierte Frau gibt es Zalando. Die postmoderne Variante verdient sich selbst die Moppen, um damit sinnlos Schuhe zu kaufen. Es darf aber weiterhin devot gestöckelt werden.

Du bist dein Feind

Als Konsumentin sorgt die Frau dafür, dass die Kohle nicht nur reinkommt, sondern auch wieder rausgehauen wird. Seit jeher ist sie die erste Adressatin der Werbung, sei es als Hausfrau, sei es als Prinzessin. Dabei wickelt die Psychiatrie der PR-Experten sie bis zur Schnappatmung ein. Will die Reklame den Kerl anmachen, schickt sie maximal halbnackte Genossinnen vor die Kameras. An denen wiederum soll das Weib sich ein Beispiel nehmen und sich wenigstens permanent zurecht renovieren, um zu gefallen und die Konkurrenz auszustechen.

Da wünscht sie sich beinahe die Zeit zurück, als sie noch die souveräne Entscheiderin im Haushalt war und ihr Lenorgewissen mit der Riesenwaschkraft zu beruhigen wusste. Wie gesagt: Dem Kapital ist‘s egal, Hauptsache irgendwer lässt sich ausbeuten und jemand streckt sich nach der Decke, um möglichst hohe Absätze zu sichern. Die Vorbilder leuchten uns stets entgegen: Lottogewinner, Prinzessinnen und andere erlöste Huren. Im echten Leben ist Erlösung rar, und doch bücken sich alle und hoffen. Das ist nirgends eine Frage des Geschlechts. Es ist Klassenkampf, Dummkopf!

 
kl

Bundesarchiv, B 145 Bild-F009346-0008 / Steiner, Egon / CC-BY-SA 3.0

Was mich an der 'Jungen Linken', die ich mir erlaube so zu nennen, besonders stört, ist ihre Geschichtsvergessenheit. Sie ist nicht die erste Generation, in der maßgebliche Teile das Ende der Geschichte für gekommen hält oder schon den Anfang verpasst hat. Neu ist vielleicht, dass man gar nicht viel studieren oder um Jahrhunderte zurückgehen müsste, um epochale Veränderungen aufzufinden. Es würde völlig ausreichen, Zeitzeugen zu befragen.

Unter denen, die heute als "privilegiert" gelten, sind noch welche, die den Krieg erlebt haben, vor allem aber die Nachkriegszeit. Ich beschränke mich wie meist auf die BRD in meiner Betrachtung, weil ich eben hier aufgewachsen bin. Die Generation meiner Eltern hat Hunger erlebt. Es ging für sie nicht bloß um fehlendes Fleisch oder leckeres Essen; sie hatten teils gerade genug, um nicht zu verhungern. Wer schon abgemagert aus der Kriegsgefangenschaft kam, hatte vielleicht Pech. So geschwächt, konnte jedes Zipperlein tödlich enden.

Auferstanden ...

Apropos Krieg: Nicht nur die Nazis wurden zerbombt oder an der Front getötet. Familien ohne Väter waren 'normal', was den Müttern kein Trost gewesen sein dürfte. Das tausendjährige Reich hat nicht danach gefragt, woher wer kam, ob er Männlein oder Weiblein war, es hinterließ größtenteils Ruinen. Allein die Reichen sind reich geblieben - wenn sie keine Juden waren. Die Ausgebeuteten haben zuerst wieder aufbauen müssen, um dann - ausgebeutet zu werden.

Die Teilhabe der Arbeiter am 'Wachstum' wurde in den frühen Jahren teuer bezahlt. Im Bergbau hat sich niemand über Staublunge oder "jauchige Bronchitis" gewundert. Was die Ausbeuter heute wieder feiern wollen, ist dass viele Männer nicht viel von ihrer Rente hatten. Chemiearbeiter haben in Giftstoffen gebadet, auf dem Bau wurde mit Asbest geaast.

Hart, aber ungerecht

Niemand wäre auf die Idee gekommen, das Rauchen zu verbieten. Männer, die hart genug waren, Wetter, Buckelei und Gift zu ertragen, hätten es sich auch nicht verbieten lassen, ebenso wenig wie Frauen, die es nicht leichter hatten und oft aus Hunger damit angefangen hatten. Das Privileg gesund zu leben hatten die Reichen und erst allmählich die (gehobene) Mittelschicht.

Als elende Armut, Hunger und Tod zunehmend exportiert wurden, ging es den Menschen hier immer besser. Zwar wurde meine Generation noch fröhlich vergiftet (ich habe 30 Jahre in Schule und Uni in Asbest- und PCB-verseuchten Gebäuden zugebracht), die Lebenserwartung stieg aber durchaus mit dem Standard. Starke Gewerkschaften sorgten dafür, dass gerade in den Betrieben immer bessere Gesundheitsbedingungen umgesetzt wurden, was für die Industrie im Allgemeinen keine Einbußen bedeutete.

Konsum und Sühne

Aus der zweiten Generation bildeten sich Bürgerinitiativen und aus denen u.a. die Grünen. Deren Gründungsmitglieder waren deutlich antikapitalistisch aufgestellt. Ihnen wurde vorgeworfen, "industriefeindlich" zu sein und sie waren es durchaus auch, da sie eine andere Vorstellung von Gesellschaft hatten als eine, die zu Wohle des Kapitals die Umwelt zerstört und ganze Erdteile in Armut hält. Das hat sich sehr schnell geändert, denn schon bald sollten sie ihre politischen Ziele auf Massenkonsum zuschneiden. Konsum und Profit stehen nicht mehr infrage, dafür wurde der Mythos eines 'sauberen' Kapitalismus verfasst.

Genau aus dieser Perspektive laboriert die linksgrüne Jugend von sich hin, die die Erfahrungen der älteren Generationen ignoriert, die Kritik am Kapitalismus aufgegeben hat und stattdessen lieber Verhaltensvorschriften erfindet, mit deren Hilfe die Umwelt sauber, die Arbeit gut, das Leben gesund und die Gesellschaft gerecht werde. Damit vertreten sie nicht nur unmittelbar Kapitalinteressen; sie sind auch völlig mit der protestantischen Wurzel der religiösen Ideologie versöhnt, die den Kapitalismus seit jeher getragen hat.

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