kapital


 

Die erzwungene Deregulierung begünstige aber eindeutig "die Großen gegenüber den Kleinen", weil sie "gleiche Bedingungen für ungleiche Akteure" festlege; dabei sei [dies] nicht "unvermeidbar", sondern "ein politisches Projekt"

German Foreign Policy

Es soll keiner sagen, das seien rein wirtschaftliche Reformen. Ein bisschen Leidenschaft für die Gute Sache® ist schon dabei.

 
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Es ist für aufgeklärte Geister schwer zu ertragen, wie durch Berufspolitik reale Zusammenhänge ignoriert und durch absurde Geschichten ersetzt werden. Gemeinhin wird aus einer Scheinwelt geplaudert, die geschichtliche Erfahrung auf den Kopf stellt, sich immer tiefer in Lügenkonstrukte verstrickt und am Ende eigentlich nichts mehr erzählt. Vermittelt werden diese Stories durch Personen, die nichts mehr verkörpern als das 'Es-ist-so', als sei es unveränderliches Schicksal, das die Zustände hervorbringt.

Die Dekadenz einer Herrschaft, die sich und anderen nichts mehr zu sagen hat, birgt dabei durchaus auch Vorteile. Eine glaubhafte Geschichte, dargeboten durch charismatische Persönlichkeiten, ist nämlich angenehm zu hören und unterhaltsamer, wo aber die Bindungskräfte fehlen, die solchen Geschichten innewohnen, entsteht ein neuer Raum für Wahrheit. Die Lügen werden unverschämt, wo die DJs der Herrschaft überhaupt noch zu deren Legitimation Platten auflegen, Lieder, die kein Mensch hören mag und durchsichtige Texte, an die nicht einmal mehr jene glauben, die sie aufsagen.

Das Märchen wird weltweit erzählt, der Text ist vereinheitlicht: "Es war einmal das Gute, und es lebt glücklich und zufrieden bis ans Ende aller Tage". Es gibt Tage, da möchte ich wenigstens verarscht werden, aber dazu taugt das Narrativ nicht mehr. Das unterscheidet die Parlamentarische Postdemokratie auch von Faschismus. Der wurde als tausendjähriges Reich annonciert, als Einheit von Volk und Rasse, Geburt des Großen und Mächtigen, von dem jeder Volksgenosse ein Teil war. Sie wurde in Teilen sogar umgesetzt.

Nichts ist alles

Was haben wir heute? Erstens, zweitens und drittens Kapitalismus. Der Neokapitalismus, zumeist "Neoliberalismus" genannt, unterscheidet sich in zwei Belangen vor seinen Vorläufern: Er bildet keine nationalen Strukturen mehr aus und er leugnet seine eigene Geschichte, indem er sie weiter erzählt, aber beliebig die Wahrheitswerte umkehrt. Eine solche Strategie kennen wir aus "1984", wo sie "Zwiesprech" oder "Neusprech" heißt.

Der Neoliberalismus war hervorgegangen aus dem Keynesianismus. Dieser firmierte hierzulande unter "Soziale Marktwirtschaft", dem Versprechen, alle würden teilhaben am erarbeiteten Reichtum. Als das nicht mehr funktionierte (das ist so, wenn man eine Zeitlang kapitalistisch wirtschaftet), wurde die neue Erzählung aufgesetzt, das neoliberale "Trickle-Down-" Theorem. Danach gehe es allen gut, wenn man den reichen Eigentümern alle Wünsche erfülle. Der Trick(le): Es wird mehr Reichtum produziert, und von dem, was die oben einnehmen, kommt bei allen unten auch etwas an. Davon profitieren alle.

Die Schizophrenie: Von Anfang an wurde jeder vorgebliche Segen dieses Kapitalismus gleichzeitig als Fluch und Drohung aufgebaut. "Globalisierung", die doch so wunderbar die Produktion ankurbelt, ist gleichzeitig härteste Konkurrenz. Ausgerechnet der abonnierte Exportweltmeister Deutschland, so wurde es hier stets behauptet, sei durch "Globalisierung" bedroht. Konsequenz: Niedrige Löhne, zunehmend schlechtere Sozialleistungen, Privatisierung et cetera. Es gab nie einen Weg und nie einen Modus, auf dem vom Reichtum etwas unten ankommen könnte, im Gegenteil: Jedes weitere Symptom der Krise führte zu weiterer Verarmung der unteren Schichten, jede Erholungsphase ebenso - denn das "Wachstum" war ja sonst bedroht.

Kein Ende in Sicht

Es gibt also keine Geschichte, weder wahr noch gelogen, der die Menschen folgen könnten. Es gibt keine Wünsche, die jemand erfüllt. Es gibt keine Zukunft, auf die sich irgendwer freuen könnte, nicht einmal irgend eine Aussicht auf ein Ende der "Krisen". Genau so sehen sie dann auch aus, die Verwalter dieser aschgrauen Welt. Jeder neue Promi, den die Zombies in Kostüm oder Krawatte hervorbringen, ist ein größerer Lügner als der zuvor, den sein eigenes Geschwätz noch weniger schert. Ob Rautenchucky, die seit jeher taub an allen Sinnen ihre Gefolgschaft beherrscht oder Charakterwracks wie Özdemir, Nahles, Gabriel - es wird immer erbärmlicher.

Es herrscht das Vakuum. Es herrscht, weil es keine Geschichte gibt, die dem mit allerletzter Konsequenz wütenden Kapitalismus noch eine ansehnliche Fassade überstülpen könnte. Es herrscht, weil es noch niemanden gibt, der eine andere Geschichte erzählt, die man ihm glaubt, die ein anderes Ende verspricht, an dem man noch leben möchte. Immerhin: Noch ist es nicht die alte Platte, die immer wieder aufgelegt wird, wenn sonst nichts geht, die von Volkssturm und Feindvolk. Es ist daher noch ein wenig Zeit, eine neue zu schreiben. Vielleicht wird es die von den Menschen Südeuropas, die sich gewehrt haben.

 
grebrd

Fürwahr, wir leben in interessanten Zeiten. Was wird da nicht alles kommuniziert, aufgebauscht, abgenudelt und im Bühnenvordergrund abgebrannt. Ich surfe so durch die Onlinemedien und stelle fest, dass Bürgerpflicht bei der Journaille zutiefst verinnerlicht ist. Oder wagt es irgendwer "Jehova" zu sagen? Jehova, das ist in diesen Tagen die Deutsche Bank, too big to save. Ich halte nichts von Ratingagenturen, aber da ich mit dieser Ansicht ziemlich einsam bin, durchbricht das BBB+ (Tendenz nicht wirklich steigend) für die Mulitbillionenbank die Ruhe vor dem Sturm.

Es wird wenig helfen, die Fenster zu vernageln, denn was dann folgt, lässt keinen Stein auf dem anderen. Laut kreischend sägen sie uns derweil in die Ohren, der böse Linksgrieche müsse an die Kette genommen werden. Warum das so ist? Axels Springerstiefel marschieren stramm in den braunen Sud und machen rassische Minderwertigkeit als Ursache aus (Dafür keinen Link. Dank an R@iner.):

Woran erinnert mich das?

"Die Vorstellung, dass es sich bei den Griechen der Neuzeit um Nachfahren eines Perikles oder Sokrates handeln würde und nicht um eine Mischung aus Slawen, Byzantinern und Albanern, wurde für das gebildete Europa zu einem Glaubenssatz. Dem konnten sich auch die Architekten der EU nicht entziehen. In seinem Sinne holten sie das schon 1980 klamme Griechenland ins europäische Boot. Die Folgen sind täglich zu bestaunen."

Es wird allerorten gerüstet; die Ukraine ist ja so ein Gottesgeschenk. Endlich rollen wieder Panzer aus Deutschland nach Osteuropa. Der Slave, von Athen bis Moskau eine Bedrohung, muss in Schach gehalten werden. Allein der Griechenslave kann den Turm zu Einstürzen bringen, in dem die Deutsche Bank firmiert. Als Griechenland seine letzte Überweisung an den IWF nicht pünktlich tätigte, haben sich die Chefs dann mal verabschiedet. Alles Griechenbashen hilft nix, die Spatzen pfeifen ohrenbetäubend das Lied vom Domino-Day.

Ohne Russland ist der Untergang viel schöner, denkt sich eine verzweifelte Wirtschaftsnato und bespricht sich lieber ohne den neuen Feind, der am Ende alles sein wird, was man noch hat. Wenn es heißt "rette sich, wer kann", stellt sich die Frage: Ja, wer kann denn? Odysseus, nehme ich an. Ein Heidenspaß, bei dem schon an denen geübt wird, die nicht mitmachen wollen. Wollt ihr den totalen Krieg? Klar wollen sie, aber sie machen sich mal wieder keine Vorstellung davon, was das bedeutet.

 
shoo

Es reicht nicht, sich zu schminken als Weibchen, es muss schon der Blowbusting Double Evesdropping Skyline Massaker von Meppelin Schade sein. Die junge Dame von Welt weiß, dass das kein psychotisches Gestammel ist, sondern das neueste Beautyprodukt. Solche Monstren, in denen das Bullshitbingo drogenzerfressener PR-Fuzzi-Hirne freidrehen darf, sind 'heutzutage' Marke. Das Gestammel konterkariert in Länge und oberflächlicher Komplexität die Orgie der Irrelevanz, deren Teilnehmer das leider für ihr Leben halten.

Ich habe mir Germany's Next Topmodel angeschaut. Was mich tatsächlich am meisten beeindruckt, ist nicht das, was üblicherweise im Kontext für Empörung sorgt. Klar sind die Mädels zu dünn und animieren zur Bulimie. Sie sind auch viel zu jung, um zu checken, wie sie da in einem knallharten Business verheizt werden. Die Klum ist komplett unerträglich und offenbar in den Bereichen, wo ihr gerade nicht ein paar aktive Synapsen fehlen, grandios zynisch. Skripted Reality schließlich hinterlässt auch in diesem Format blamiertes Jungvolk, das sich nicht klarmacht, wie teuer ein ruinierter Ruf ist.

Alles pillepalle aber gegen die Haupthandlung, das Marketing für „Mode, Beauty und Shopping“. Warum? Weil das nicht nur die Medien von Print bis TV durchgängig prägt. Es ist auch das aktuelle Leitmotiv der Blogs und der Youtube-Kanäle, der kurzfristig einmal als unabhängig und alternativ missverstandenen Medien. Wer politische Nischenblogs liest, weiß davon vielleicht gar nichts.

Völker, stürmt die Regale

Konsequent hat der Hauptsponsor, ein Autohersteller, sich auch einen Youtube-Star geholt, um die Spots zu produzieren. Der ist mit mäßig originellen Gimmicks für Kenner ein Langeweiler, für die Kids aber supercool. Ich habe regelmäßig mit Studentinnen zu tun (Männer sind kaum darunter), die gern Bloggerinnen werden wollen. Mittelschichtskinder, so gebildet wie man das heute haben kann. Was glaubt ihr, was die im Portfolio haben? Richtig: Mode, Beauty, Shopping, Reisen.

Das ist die Piste, auf der die Agenturen in den letzten Jahren immer wieder billig junges Volk einkaufen, das sich ein bisschen Stammleserschaft zusammen gebloggt hat. Die Qualität dieser Auftritte ist gemeinhin erbärmlich und zwar bis in solche Gefilde, wo große Zahlen große Zahlen schaffen. Wen soll das auch wundern, wo der Kaufbefehl das Bewusstsein ersetzt, wenn es nur noch darum geht, etwas zu haben, am besten als Erster zu haben.

Eine Welt, aus Konsum gegossen, wo alles dem sinnlosen Kauf nutzloser Waren dient und gar nicht mehr erkennbar ist, was Ware ist, was Arbeit und was Person. Letztere hat als Model, so wird dauernd betont, „Äddituud“ zu haben, muss auf Kommando posen, lachen, geil machen, und zwar „authentisch“. Der Auftraggeber dieser Mädchen, die dort auch nur Vornamen haben, kauft sie, damit sie andere zum Kauf anregen. Dargestellt wird das im Rahmen eines Produktes, das Produktion und Absatz darstellt, wobei es selbst Produkt ist mit dem Ziel, den Absatz anderer Produkte zu fördern.

Schuhe kaufen ich

Die Rahmenhandlung ist hierbei die Bewertung handelnder Personen, als ginge es dabei um deren wie auch immer menschliche Qualitäten. Die Vorgaben macht die Verwertungskette; wer sich am besten eignet den meisten Mehrwert zu schaffen, wird belohnt. Dieses schnöde Spiel begeistert nicht nur Massen junger Frauen und Mädchen, es schafft auch ein Identitätsraster, das keinerlei Abstand mehr bietet zwischen Mensch und Konsum. Dieser ist völlig in jenen eingebettet, Konsumieren ist keine Handlung mehr, sondern die oberste menschliche Dimension.

Es ist völlig zwecklos, in diesem Schleudertrauma durch die Gehirnwaschmaschine über Rollenklischees, Magersucht oder Kindeswohl zu räsonieren. Das kann man nämlich alles nicht kaufen, und bunt ist es auch nicht. Die verblödete Unterschicht findet hier kleine Träume, die sie sich exemplarisch sogar verwirklichen kann. Die Mittelschichtsdrohnen, die sich vormachen müssen, das Ganze sei etwas anderes als eine hocheffiziente Irrenanstalt, finden auf diesem Level ihrer Bewusstlosigkeit gar das Paradies. Sie wissen, dass wenn sie fleißig bleiben, sie sich das alles leisten können, sogar in verschiedenen Farben. Dieser Ausdruck ihrer Überlegenheit ist sogar sichtbar. Wenn die teuren Schuhe schmutzig werden, zieht man halt andere an, die auch nicht billiger sind.

 
apoc

Im folgenden werde ich noch einmal kurz und einfach zusammenfassen, was Kapitalismus ist, und warum die naive bis verdummende Vorstellung von „Marktwirtschaft“, wie sie von vielen sogenannten Ökonomen und vor allem von politischen Vorbetern gepflegt wird, kompletter Unsinn ist. Für die meisten Leser/innen hier ist das nichts Neues, aber ich versuche mich an einer möglichst einfachen Argumentation.

Kapitalismus ist der Zwang, aus Geld mehr Geld zu machen. Egal, ob ich Geld auf ein Konto lege, einen Kiosk aufmache, Mitarbeiter einstelle oder eine Aktiengesellschaft gründe, ich muss aus dem, was ich an Geld investiere, mehr Geld machen. Schaffe ich das nicht, wird niemand meine Aktien haben wollen, ich werde nachher ärmer sein, vermutlich Schulden haben und auf jeden Fall weniger als vorher. Dafür arbeitet niemand.

Wenn es viele Möglichkeiten gibt, Geld zu investieren – mit der Aussicht auf Erfolg -, ist das gut fürs Kapital. Eine Nachkriegszeit zum Beispiel, besser geht es gar nicht. Es ist kaum etwas vorhanden, die Produktion muss neu aufgebaut werden und die Infrastruktur, es gibt viel Bedarf an Arbeit, und die schafft Werte. Hier fühlt sich Kapital pudelwohl. Obendrein gibt es so viel zu tun, dass Arbeitslosigkeit kein Thema ist und die damit verbundenen Kosten nicht anfallen.

Wachstumwohlstandarbeitsplätze

Dieses Modell wird nun gern als das einer sogenannten „Marktwirtschaft“ vorgestellt, als sei das die normale Situation und nicht eben das Gegenteil dessen, was wir heute haben. Was wir heute haben, ist (grob gerundet, aber die Dimensionen stimmen) eine Masse von Geld, der viel zu wenig Arbeit gegenüber steht. Zirka 240 Billionen Dollar wollen vermehrt werden, aber nur zirka 80 Billionen werden jährlich weltweit erwirtschaftet. Dieses Verhältnis wird immer krasser, Abhilfe nicht in Sicht. Dabei ist das Weltsozialprodukt, jene 80 Billionen, auf immer weniger Arbeit angewiesen. Paktisch alle wirtschaftlichen Vorgänge brauchen immer weniger Arbeit, übrigens auch Dienstleistungen.

Wir befinden uns also in einer Situation, in der Gewinne nicht mehr hauptsächlich durch neue Waren und Dienstleistungen gemacht werden, sondern auf Kosten anderer. An den Börsen und in fast allen Finanzgeschäften ist das schon immer so gewesen, dass der Gewinn des Einen den Verlust des Anderen bedeutet. Auf die Dauer überleben hier nur die ganz Großen. Das sind die, die ohnehin am günstigsten produzieren und verkaufen können. Immer weniger, immer größer, immer reicher, ist hier der Trend.

Auf der anderen Seite stehen Arbeitskräfte, die immer weniger gebraucht werden, deren Position schwach ist, die immer ärmer werden und auch noch um die wenige Arbeit konkurrieren, die es gibt. Gut für die Produzenten, denn das macht Arbeit billig. Dumm nur, dass sich immer mehr Menschen immer weniger leisten können. Die einen, weil sie schlecht bezahlt werden, die anderen, weil sie keine Arbeit haben. Die werden immer schneller immer mehr, man braucht sie eben nicht. Das ist fatal, denn die allermeisten Menschen kommen nur über Arbeit an Geld und mit Geld an Brot.

Für immer 1950

In dieser Situation, in der das Kapital schon der Produktion völlig über den Kopf gewachsen ist und die Produktion immer mehr mit immer weniger Arbeit herstellt, haben die Vorbeter der Marktwirtschaft nun zwei Lösungen, die sie seit Jahrzehnten von ihren Minaretten jodeln: Wachstum und Arbeitsplätze! Frau Merkel ist da eine der fleißigsten, sie kommt kaum zwei Wörter weit ohne eines dieser beiden zu singen. Als sei es noch immer 1950. Als könne man immer noch Verteilung durch Arbeit regeln. Als sei 'Wirtschaftswachstum', sprich Profit, nicht längst der Zünder an der sozialen Bombe.

Es gibt keine Marktwirtschaft, schon gar keine "soziale", die es Menschen ermöglicht, durch Arbeit und Fleiß für ihr Auskommen zu sorgen. Eine Zeitlang hat der Kapitalismus das zugelassen, doch das ist Jahrzehnte her. Der ganze Sermon von Wachstum® und Arbeitsplätzen® ist der bizarre Irrsinn einer grausamen Religion. Ihre Hohepriester reiten durch die Trümmer Europas wie einst die Pest. Ihnen folgen Hunger, Krieg und Tod.

 
frogs

Ich verstehe es noch immer nicht. Udo Vetter versteht es auch nicht. Er fragt nach Gründen für den eisernen Willen zum Überwachungsstaat, gegen alle Regeln, ohne jeden Anlass. "Anlasslos", das ist ein Doppelsinn. Es gibt keinen Anlass für die anlasslose Überwachung, auch nicht im Orwellschen Horrorbegriff “Höchstspeicherfrist”, hinter der sich wie immer öfter das Gegenteil verbirgt.

Es gibt keine rationalen Gründe, die uns die Betreiber liefern könnten. Schon gar nicht in diesem internationalen Ausmaß. Die Koalition der Willigen, NATO/EU/USA rüsten auf zum totalitären Regime. In Österreich sieht es genau so aus wie hier, nur dass die noch keinen Naziskandal hatten. Deren "Verfassungsschutz" bastelt aber ebenso fröhlich am "Spitzelstaat". Frankreich steht dem in nichts nach und nützt das Gottesgeschenk 'Charlie Hebdo' seinerseits zum Errichten seines Überwachungsstaats.

Sie wollen alles und alle kontrollieren, und sie werden es tun. Es zeigt sich, dass der notwendige Wille und die Fähigkeit fehlen, diese Staatssicherheitsmonstren auch nur annähernd zu kontrollieren. Was die NSU-Ausschüsse hervorholen, ist eine Tragikomödie imperialer Dimensionen. Wer stellt sich dem entgegen? Wer sorgt für Aufklärung? Wo ist die vierte Gewalt?

War was?

Sie ist taub, blind und beredt, wenn es darum geht, den ekligsten Schmeißhaufen noch für den Wohlduftspender edler Geister zu erklären. Einer, der wenigstens - wenn auch aus Versehen - einen Schritt Richtung Wahrheit wankt, schreibt für seinen publizistischen Lehnsherrn [Link geht zu Fefe, der hat einen auf Springers Postille]:

"Hebt sofort die Exportrestriktionen für die Rüstungsindustrie auf, um der deutschen Industrie faire Chancen im Wettbewerb [...] zu geben."

Totale Überwachung der Bürger, totale Freiheit dem Export! Wir haben es hier nicht mit den Profiteuren selbst zu tun, die uns diese Entwicklung bescheren, sondern mit der Elite aus Politik und Journalismus. Die einen dreschen so lange auf die Verfassungen ein, bis auch der Letzte begriffen hat, dass Widerstand dagegen zwecklos ist. Ihre eigenen Vehikel, die Grundlage ihrer Macht, zerstören sie bereitwillig, um sich dem Neuen anzudienen. Doch was wird das sein? Die anderen blasen zum Halali und machen den Massen klar, das es keine Alternative gibt. Die marktkonforme Demokratie muss sich auch dem totalen Markt anpassen.

Der nicht genannt werden darf

Ich kann es nicht begreifen, und ich begreife übrigens auch nicht, wieso in der Nachbarschaft, bei den Kritischen, den Linken, das kleine Einspluseins nicht stattfindet. Wo ist der Zusammenhang? Auf welchen Begriff bringe ich das, wenn gnadenlos auf allen Ebenen aufgerüstet wird, am stärksten gegen das eigene Volk? In einem Verbund von Staaten, in denen politische Funktionäre immer offener geschmiert werden, wenn sie nicht ohnehin alle selbst Millionäre sind wie im amerikanischen Kongress oder ehemalige Manager von Investmentfirmen wie in vielen europäischen Regierungen? Ganze 76 Personen leisten 42% der Parteispenden in Großbritannien.

Verfassungen, Parlamente, Gesetzgebung, alles wird auf den Kopf gestellt, durchgemixt, kleingeklotzt, zusammengeschustert, gefressen und wieder ausgespuckt, bis es passt fürs Kapital. TTIP zum Beispiel will kein Mensch auf der Welt. Niemand außer ein paar Großaktionären und ihren windigen Vorständen, die die letzten Profite an sich raffen, bevor nichts mehr geht und sich "Stiefel" wieder auf "Gesicht" reimt. Wie nenne ich das? Wie, wenn nicht Klassenkampf?

Und wo wird der enden? Wenn das Kapital wieder einmal endgültig versagt haben wird, wird etwas kommen und dankbar vollenden, was heute vorbereitet wird. All die wunderbaren Werkzeuge zur Dressur der Sklaven werden ihm dienen. Wenn es schon vorbei ist mit Wachstum und Wohlstand, kann man wenigstens welche dafür leiden lassen. Auch dafür steht längst wieder alles bereit.

 
pauls

Noch vor einigen Jahren wähnten sich einige Publizisten, die Blogs als alternative Medien für sich entdeckt hatten, auf einer Insel der Unabhängigkeit. Aus der Innenansicht hat sich daran grundsätzlich auch nicht allzu viel geändert. Wie nicht anders zu erwarten war, aber vielleicht naiv gehofft wurde, ließ das Kapital allerdings nicht lange auf sich warten, um mit der Planierraupe durch unsere Vorgärten zu schroten und ein Regime des Deppenterrors zu errichten.

Dabei ist man noch fast gut bedient, wenn breitbeinige Jungblogger/innen, die sogar im steten Bemühen um so etwas wie Schriftsprache hier und da ein gewagtes Komma setzen, jeden Konsumschrott mit 'wow' und 'toll' anpreisen, den eine Agentur ihnen zum Gutfinden anliefert. Ich musste mir tatsächlich erklären lassen, so gehe Bloggen heute - da sind wir mitten drin im "Heutzutage", und die wenigen Glücklichen, die ein Jahr auf zwei aus der immer gleichen Satzstanze zu den immer gleichen Posen überteuerten Markenschund anbeten, halten sich gern für jemanden.

Tiefer als die Hölle

Meine realistische Einschätzung ihrer Zukunft werten sie als irrelevant und pessimistisch (im Sinne von depressiv, nehme ich an ). Am Ende bin ich vermutlich nur neidisch und eh Nullerjahre. Ein alter Freak halt, den der fröhliche Umzug nicht mitgenommen hat. Die Party läuft ohne dich, Opa. Ich muss wirklich schrecklich alt sein, denn ich kann mich über diese Art schnöseliger Hybris nicht einmal mehr aufregen.

Wie gesagt, ist man mit dieser Art Klientel noch gut bedient, denn zumindest die Simulation einer Kommunikation kann im günstigen Fall stattfinden. Nicht so mit denen, die in der Lotterie das Los des Asistars gezogen haben und auf Youtube unverständliches Zeug brabbeln, um Millionen von Halbhirnen damit zu begeistern, dass es da draußen noch einen Hirngünter gibt, dessen Schwachsinn sogar von Schwachsinnigen als Schwachsinn erkannt wird. Dazu trägt er sie es wiederum Logos, zeigt Spielzeuge mit Logos oder findet irgendwelche Marken einfach so krass geil töfte. Der Markenname ist dabei das Einzige, das deutlich intoniert wird.

Diese Inszenierungen sind wiederum die Schublade im Erdkern, drunter geht einfach nicht mehr. Ich habe mit Moral nichts am Zettel, davon will ich gar nicht anfangen. Was mich vielmehr beeindruckt, ist die Reinheit, mit der ein gestrippter Kapitalismus zutage tritt. Konsum ist hier Inhalt, Stil, Kommunikation, Sinn und Zweck ineins. Das Ideal, das dazu gebraucht wird, ist ein entkernter Restmensch ohne Verstand, Fähigkeiten oder auch nur Geschmack. Die Beliebigkeit wird nur durch ein einziges Element durchbrochen, nämlich den Privateigentümer, der zahlt; der Marke, die dessen Produkte repräsentiert.

Rock'n Roll ohne Rock und Roll

Das Perfideste an dieser erfolgreichen Strategie ist ihre integrative Wirkung. Jeder Idiot kann das, was die Superstars da machen. Jeder erkennt das. Alle sind vereint in ihrer totalen Inkompetenz und dem Traum vom absolut mühelosen Konsum. Der Depp als Star ist das neue Ideal, sein Status leitet sich unmittelbar ab von den Waren, die er erwirbt. Die eine halt im Päckchen von der Agentur, der andere für einen unverschämten Preis im Fachhandel.

Die Szene funktioniert wie Pop allgemein, nur eben ohne alles - ohne Musik, Sport oder sonstwas, wofür jemand noch etwas Spezielles tun müsste. Hysterische Teenager machen sich nass, weil ihr unreifer Narzissmus eben auf die personifizierte Beliebigkeit anspringt, weil die Industrie den Befehl gibt, das gut zu finden. Sex, Drogen und Rock'n Roll ohne Sex, Drogen und eben alles. Fetisch statt Sex, Konsum statt Drogen und nochmal Konsum statt Rebellion. Kurzum: Das Produkt ist hier Subjekt und die Konsumenten die Objekte.

Die gute Nachricht: Um in diesem Schlamm mit zu catchen, kann man nichts tun. Es gibt nichts, das man lernen kann, nichts, dass man tun oder lassen müsste. Vielleicht einen kennen, der gerade bei einer Agentur darüber entscheidet, wer in der nächsten Runde den Dorfdeppen gibt. An die könnte man sich ranzecken, falls die dazu nötige Intelligenz einen nicht schon wieder disqualifiziert.

 
allewege"Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau" war die einfache Formel, auf die die CDU schon in den Vierziger Jahren ihre Propaganda brachte, um alles, was links von ihr stand, mit dem alten und neuen Feind in Verbindung zu bringen. Ein bisschen was hatte sich geändert: Es war nicht mehr der slavische Untermensch, der aus dem Raum im Osten zu vertreiben war, auch wurde den Bolschewisten die Assoziation "jüdisch" abgezogen, übrig blieb dann aber immer noch der gemeingefährliche Massenvergewaltiger und Kommunist, der deutsche Kriegshelden wie Vieh in seiner Gefangenschaft hielt.

Dieses formidable Feindbild sollte so kräftig wie möglich auf den innenpolitischen Gegner abfärben. Eine Strategie, die sich bis in die Gegenwart fortgesetzt hat, wenn dafür auch gedreht und gewrungen werden muss. Von Anfang an war die Propaganda, was sie eben immer ist, eine Lüge. Es gelang der Linken aber nie, sich erfolgreich dagegen zu wehren.

In der Frühzeit der BRD war es gerade deshalb schwer, weil es noch durchaus diskutabel war, Marxist zu sein. Der von Adenauer ausgelegte Köder hatte noch nicht gewirkt, und auch die Aussage des Plakates war noch nicht als alternativlose Weltsicht in den Köpfen verankert. Während jene, die wirklich lernen wollten aus dem Krieg, Marxismus für eine Interpretation und Analyse wirtschaftlicher wie politischer Vorgänge hielten, wurde ihnen das von den anderen als Verschwörung mit dem Feind angeklebt. Schon bald war der Marxismus indiskutabel, und je mächtiger da Bild vom bösen Russen in dessen neuer Aufgabe wurde, desto stiller wurde es um den Teil der Linken, der Marx noch gelesen hatte und nicht ohnehin verboten wurde.

Indiskutabel

Eine Auseinandersetzung um die impertinente Behauptung, Marxisten hätten etwas mit der Sowjetunion zu tun oder die mit Marx, hat nie wirklich stattgefunden. Es mag innerhalb linker Splittergruppen Diskussionen darüber gegeben haben, aber die Geschichte der Unterdrückung einer bahnbrechenden Theorie hat bis heute nicht den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Kein Wunder, denn sie stellt alles in Zweifel, was seit Jahrzehnten als alternativlos verkauft wird.

Man könnte jetzt versuchen, Marx zu erzählen, zu erklären, was er vielleicht tatsächlich gemeint haben könnte oder wo er missverstanden worden ist. Ich halte das aber für den falschen Ansatz. Es gibt ein paar einfache Dinge, auf die man hinweisen kann, um die unsägliche Gleichsetzung seiner Theorie mit dem Sowjetimperium zu durchbrechen.

Es beginnt schon damit, dass das Plakat Unsinn ist und dass was damals in Moskau zelebriert wurde, Stalins amokartige Auslegung war - und zwar schon nicht des Marxismus, sondern des Leninismus, dessen Anpassung an seine letztlich militärischen Strategien Marx' Ideen zum großen Teil widersprachen. Die Interpretation der CDU hätte genau so zu der Aussage führen können, dass alle Wege der Demokratie zu 'Mauer und Stacheldraht' führen. Schließlich war es die "Deutsche Demokratische Republik", die sich selbst eingemauert hat.

Brennpunkt der Macht

Viel wichtiger aber ist die Lehre aus der Unterdrückung von Menschen durch sogenannte "Kommunisten". Der Kommunismus heißt so, weil Kommunen die Basis des politischen Systems sein sollen. Regionale Zusammenschlüsse von Menschen, die ihre Arbeit selbst organisieren. Die Zentralgewalt Moskaus, in der Tat ein Übel historischen Ausmaßes, war aber das genaue Gegenteil (wie übrigens in Peking auch). Die Zentralmacht, die Konzentration der Macht weniger über die Massen, eine Befehlskette, die von einem Punkt ausgeht, ist das Übel, das sogenannten "Kommunismus" zu einer Mordmaschine hat werden lassen.

Dies wiederum möchten die Demokraten, die aus den Parteizentralen, den Hauptstädten und Vorständen über ihre Untertanen regieren, nicht gern hören. Es ließen sich nicht nur Rückschlüsse ziehen auf die aktuellen politischen Verhältnisse. In einer Stellvertretergesellschaft, die von oben nach unten regiert wird, lassen sich mit relativ wenig Aufwand alle relevanten Kräfte beeinflussen, sei es per Befehl, durch Geld oder andere Machtmittel. Es ließe sich nicht nur der autoritäre Charakter dieser Demokratie bloßlegen. Es drohte obendrein die Erkenntnis, dass es da womöglich doch noch bessere Ideen gibt, und das eine der wichtigsten eben noch nie ausprobiert wurde.

 
eurfasc

Die europäische Union sollte eine Vereinigung werden, die aus politischer Sicht Krieg unmöglich macht. Natürlich war sie von Anfang an eine wirtschaftlich begründete Verbindung, aber es wurden auch große Hoffnungen in eine politische Vereinigung gesetzt.

Am Anfang war das alles andere als selbstverständlich, denn Europa hatte gerade zwei Weltkriege ausgefochten. Auch gingen die Friedenspläne natürlich zu Lasten der Beziehungen zwischen Ost- und Westeuropa, die nur noch durch den engmaschigen Eisernen Vorhang stattfanden. Vor allem die Sowjetunion, heute Russland, avancierte zum Feind.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bemühte sich die EU, eingebunden in die NATO, alle möglichen Staaten Osteuropas wirtschaftlich und strategisch einzubinden. Russland gehörte freilich nicht dazu. Tatsächlich ist die Entwicklung Europas durch diverse Verknüpfungen, u.a. militärischer Art, so vorangeschritten, dass Kriege zwischen den einzelnen Ländern beinahe ausgeschlossen sind. Beinahe, denn es gibt Bruchstellen, u.a. die herzliche Animosität zwischen den NATO-'Partnern' Griechenland und Türkei sowie deren Dauerfehde um Zypern.

Völkerfreundschaft

Um die Vereinigung Europas noch enger zu gestalten, so die offizielle Darstellung, wurde 2001 eine für viele Länder gemeinsame Währung eingeführt. Einige Staaten zogen nicht mit, unter anderem das nie ganz integrierte Großbritannien, eine weitere Bruchstelle. Eine gemeinsame Währung, die eine gemeinsame Wirtschaftspolitik voraussetzt, sollte eine große gesamteuropäische Freundschaft begründen. Doch, an dieser Stelle darf gelacht werden.

Bekanntermaßen ist es die mit Abstand größte Volkswirtschaft der Eurozone, die so fest im Glauben an den ihr heiligen Wettbewerb steht, dass sie die gemeinsame Währung dazu genutzt hat, die Partner gnadenlos an die Wand zu konkurrieren. Die vereinbarte Inflationsrate wurde Jahr um Jahr unterschritten, ein groß angelegtes Lohndumping machte den abonnierten Exportweltmeister zum Albtraum der Europartner. "Death or Debt" hießen die Alternativen für unsere Freunde, Tod oder Schulden, also haben sich die weniger konkurrenzfähigen Länder bis Oberkante Unterlippe verschuldet.

Nicht ganz zufällig geschah dies im Gefolge der Weltwirtschaftskrise und der "Bankenrettung" und führte zur totalen Abhängigkeit Südeuropas von jenen 'Partnern', die es immer tiefer ins Elend stürzen. Keine Arbeit, keine Hoffnung, keine Zukunft, kurz: "Austerität" heißt das Rezept, das die reichen Euroländer und ihre Banken vor allem Griechenland verordnet haben.

Privat statt Staat

Hinter den Kulissen werden derweil Verträge ausgehandelt, die nationale Verfassungen, den EU-Vertrag und alles, was noch halbwegs rechtlich haltbar ist, aushebeln. Im Zusammenhang ist vor allem die Absicht zu erwähnen, dass künftig jedwede Privatisierung für die Ewigkeit gelten soll, Verstaatlichungen also strikt verboten werden sollen. Zwar behauptet die Bundesregierung hier (3.) das Gegenteil, zumindest aber dürften derartige Entscheidungen so hohen Schadenersatz nach sich ziehen, dass es sich die ewig klammen Kommunen wohl kaum leisten können, Privatisierungen rückgängig zu machen.

Wir haben also einige wenige Profiteure der Währungsunion, die anderen werden zum großen Ausverkauf gezwungen. Der bringt sie aber ja keinen Meter weiter, im Gegenteil macht sie das in der Folge noch ärmer. Welche Möglichkeiten haben diese Staaten aber, die Situation zu ändern? Im Grunde nur eine: Sie müssen aus dem Euro aussteigen, um wieder solide wirtschaften zu können, sie müssen einen kompletten Schuldenschnitt vornehmen, ihren Bankrott erklären und deutlich machen, dass die Kreditgeber sich verzockt haben. Kein Geld mehr von uns, wir haben ein Volk zu ernähren!

Bis zu dem Tag, an dem es ein Land wagt, die neue Alternativlosigkeit zu verkünden, muss es aber zwangsläufig weiter Schulden machen. So ist also Griechenland derzeit gezwungen, Geld anzunehmen, von dem es weiß, dass es nie zurückgezahlt werden kann. Wollen die Griechen also irgendwie eine Wende schaffen, so werden sie buchstäblich zur Untreue und zum Kreditbetrug gezwungen. Das kann eigentlich niemanden wundern, denn das ist die logische Folge der von der Troika verordneten Konkursverschleppung.

Die Betrüger

Was dann? Müssen sich die Gläubiger das Geld dann nicht holen? Die Schulden eintreiben? Güter beschlagnahmen? Und wie setzt man das durch, wenn nicht militärisch? Und was ist mit den anderen Ländern, die in einer ähnlichen Situation sind? Spanien und Portugal zum Beispiel? Das sind dann übrigens nur die Euroländer; es gibt ja durchaus noch andere, die auch solche Probleme haben. Oder die Alternative: der Schuldendienst wird gnadenlos von Regierungen exekutiert, denen die Währung wichtiger ist als das Volk. Werden sie das Programm so lange fortsetzen, bis überall die Barrikaden brennen?

Neulich hieß es, wer Kapitalismus mit Krieg assoziiert, sei linksradikal. Ob sich jemand findet, der die genannten Fragen im Rahmen der rechten Gesinnung beantwortet?

 
nova

Einfach beschrieben, ist eine Supernova ein Stern, der explodiert, weil er ausgebrannt ist. Sein Kern fällt zusammen, die Hülle wird abgesprengt. An diesen Vorgang muss ich denken, wenn ich mir die Entwicklung der 'westlichen Demokratien' so anschaue, denn da tut sich offenbar Ähnliches. Vielleicht wohnen wir derzeit dem Endstadium bei, in dem sich ein superdichter Kern von Kapital bildet und all das abgesprengt wird, das nicht unmittelbar zu dessen Stabilität beiträgt. Jene Aspekte des Rechtsstaats zum Beispiel, die mit einer allgemeinen Ethik oder naiven Vorstellungen wie "Gerechtigkeit" einhergehen.

Die Entwicklung ist, ähnlich wie in einer Sonne, keine Fehlfunktion oder ein dramatischer kosmischer Unfall, sondern sprichwörtlich 'Business as usual'. Okay, wenn wir das Bild allzu naiv betrachten, fällt zuerst auf, dass ein sterbender Stern nicht lügt. Ebenso ähnlich ist, dass es auch keine dramatischen Wenden gibt, sondern die sichersten Vorboten ganz einfache kleine Vorgänge. Hier findet mangels Material keine Kernfusion mehr statt, dort ist der Profit am Ende. Das Verhältnis von Masse und Energie ändert sich fließend und unauffällig, aber entscheidend. Eine gigantische Menge Kapital, das sich vermehren soll, dem gegenüber eine relativ immer geringere Wirtschaftsleistung, irgendwann ist das Ende erreicht.

Ende Gelände

Steigen wir für einen Moment aus aus dem Raumschiff und schauen uns die Vorgänge auf der Erde genauer an: Eine merkwürdige Meldung ist in der "Zeit" heute zu lesen. Danach sei es den Kommunen verboten, über TTIP zu diskutieren, das habe der wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten befunden. Zitiert wird dort eine „Rastede-Entscheidung“ des Bundesverfassungsgerichts. Ich lese diese allerdings völlig anders und verstehe, dass es dort um "wirtschaftliche Betätigung durch Gründung privatwirtschaftlich organisierter kommunaler Unternehmen" geht.

Es mag nun sein, dass die eine oder andere Kommune aus der Sicht ihrer Unternehmen spricht und dies irgendwie angeblich in die Kompetenz des Bundes eingreift. Wie auch immer man das aber auslegt, ist es keiner Kommune verboten, sich Gedanken über die Folgen von TTIP zu machen und das im Rat zu diskutieren. In arg vorauseilendem Gehorsam betätigt sich die "Zeit" hier als Komplize derjenigen, die den Putsch des Kapitals möglichst still und geschmeidig voranbringen wollen. Niemand hat etwas zu sagen, niemand hat etwas zu wissen, und dafür werden auch abstrus konstruierte Argumente mit einer angeblichen Verfassungstreue angeschleppt, während das Ganze gerade jede Rechtsstaatlichkeit zur Karikatur verbiegt und das Grundgesetz zum Klopapier abwertet.

Vorzeichen

ACTA, CETA, EFSF/ESM, TISA, es wird von Profiteur zu Profiteur gesprochen, was hat da der Bürger verloren oder die Gremien, die er wählt? Demokratie ist, wenn Spitzenvertreter von Verbänden und Parteien, und ja doch, auch die Regierung vom Ergebnis informiert werden. Die besorgen eh längst die PR für Verabredungen, die sie gar nicht kennen. Es herrscht Wettberwerb®, global. Das Kapital reißt sich zusammen und hebelt, da möchte man einfach nicht auf der falschen Seite stehen. Wer nicht spurt, wird aufgekauft und zerschlagen, fragen Sie Herrn Varoufakis.

Ein anderes Symptom ist stets der Zustand der Sozialdemokratie, jener Parteigängerpartei, die sich Recht, Ordnung und Marktwirtschaft® verschrieben hat. Was Schröder tat und Müntefering auf die Formel "Wer nicht arbeitet, muss auch nicht essen" brachte, exekutiert Nahles unter dem Sprechblasenschirm ihres wendig geschwätzigen Vorsitzenden. Der hat von der Bleiernen Kanzlerin und Plaudertasche Steinbrück gelernt, einfach mit größt möglicher Selbstverständlichkeit heute dies und morgen das Gegenteil zu erzählen. Damit ist er meist für das, was anderen gefällt und kann das tun, was den Wichtigen wichtig ist. Seine Nahles macht derweil den Rest der Gewerkschaften fertig.

Alles wie gehabt

"Partikularinteressen" sieht sie, wenn sich eine Gewerkschaft, die wohl zu klein war, um sie zu korrumpieren, noch Mittel hat, mit denen sie ihre Interessen durchsetzen kann. Das muss natürlich schleunigst verboten werden. Wo kämen wir hin, wenn 'Arbeitnehmer' im fairen Wettbewerb® mit Oligarchen und Konzernen einfach streiken? Woanders sieht man doch, wohin das führt: Wenn Arbeiter ihre Rechte fordern, macht man notfalls den Laden eben dicht. Da ist es doch besser, man hetzt die Lohnabhängigen rechtzeitig aufeinander und lässt die Experten entscheiden, was gut für sie ist. Zur Belohnung gibt es dann auch lecker Mindestlohn. So geht Gesetzgebung in der Endphase.

Noch woanders sind sie stets ein paar Schritte voraus. Im Land der Freien, unserer Verbündeten und Vorbilder, wo längst nur noch Millionäre im 'Parlament" sitzen. Dort haben sie Probleme, von denen wir noch träumen: Bloß nicht zu viele Millionen auf einmal für die Demokratie! Das sind diese Vorgänge, und davon spricht hier niemand. Ein Zusammenhang findet nicht statt. Es ist dieselbe Prozedur wie jedes Mal, und es ist die beste aller Welten. Wer da komische Geräusche hört oder die Messergebnisse alarmierend findet, ist ein Psychopath oder arbeitet für den Feind. Für beides haben wir wieder Einrichtungen, die sich darum kümmern.

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