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Da ich heute weitgehend mit meiner feuchten alten Sackmatratze zu einer muffig-infektiösen Einheit verschmelze, im folgenden eine weitere Zweitverwertung aus 2008. Dabei hätte ich sogar das eine oder andere zu sagen, aber der Planet, auf den es mich verschlagen hat, saugt mich fest. Lasst mich einfach hier liegen. Seht zu, dass ihr durchkommt!

Nach einer an Zwillingen durchgeführten Forschung über dies und das hat die Wissenschaft festgestellt:

“35 Prozent der Unterschiede zwischen männlichen Homo- und Heterosexuellen sind demnach genetisch bedingt“.

Außerdem bestätigen die Betroffenen 22% mehr Spannkraft und 34,8% weniger Lachfältchen. Die “Zeit” langweilt ihre Leser mit unsortiertem Blabla zu einer weiteren überflüssigen Studie aus der Zwillingsforschung. Wenn man solche Artikel liest, darf man keine Fragen haben. Man muß in die Gemütlichkeit des Boulevards ganz eintauchen und entspannt in den Bauch atmen. Wenn die Dümpelbläschen dann mit einem leisen “Plitsch” an der Schädeldecke zerplatzen, entweicht die Erkenntnis ganz von selbst. Sex? Schwul? Gen! 35%. Alles wird gut. Haben nicht auch SPD und CDU bei der letzten Wahl 35% geholt? Alles ist Gen. Alles ist 35%. Alles ist Sex.

Der Q-Journalist belässt es aber nicht lange beim Vorbehalt der Komplexität, der unsere wohlige Erkenntnisgewinnung stören könnte. Es ist doch alles ganz einfach:

Zwillinge haben sich in dieser Studie einmal mehr als besonders wertvolle Probanden für die Forschung erwiesen. Eineiige Zwillinge haben dasselbe Erbgut, zweieiige Zwillinge dagegen stammen aus zwei verschiedenen befruchteten Eizellen. Durch den Vergleich beider Gruppen ist es möglich festzustellen, welchen Einfluss die Gene und welchen die Umwelt haben“.

Umwelt oder Gen, was nicht Umwelt ist, ist Gen. Sonst nichts. Schöne alte Welt.
Zum Beispiel Homosexualität: Nehmen wir einmal lesbische Zwillinge, die seit der Geburt getrennt sind. (Hier kann die Zeit noch lernen: “lesbische Zwillinge” kommt viel geiler als “Schwulsein”) Da weder (Pflege-)Vater, noch (Pflege-)Mutter lesbisch sind oder die Kinder zu lesbischem Sex animieren, stellt sich also Frage: Wo hat das Kind das von?

Richtig, auch das ist Gen. 35%. Wenn nämlich beide Zwillinge lesbisch sind, sind es 100%. Ist es nur eine, sind es 50%. Keine von beiden: 0%. Macht im Schnitt, bei Berücksichtigung von Ausgleichs- und Überhangmandaten roh und rund 35%.
Die kleine Spitze im wissenschaftlichen Bericht der “Zeit” ist auch einer Würdigung wert: Zwillinge “einmal mehr als besonders wertvolle Probanden” – ein wunderbar zubereitetes Häppchen zur Geschichte der Zwillingsforschung!

p.s.: „Lesbische Zwillinge“, wie nicht anders zu erwarten war, ist eine der am häufigsten eingegebenen Suchanfragen, die hierherführen. „Andrea Nahles Titten“ – die ich hier zum zweiten Mal zitiere, also zum dritten Mal erwähne, sind allerdings noch erfolgreicher. Höre ich da Laute des Missvergnügens?

 
Lölölöö … das ist doch mal ein Anfang, oder? “Lölölöö”! Fresst das, Systemmedien, das bringt ihr nicht! Was ihr bringt? “George Clooney in Goslar” bringt ihr. Ja leck mich fett, Hein Blöd in Braunlage, das machen wir ganz dick auf. Drauf gedüngt. Im hinteren Blätterwald, im Unterholz, im unteren Hinterwald quasi, lesen wir dann so etwas wie dass Saudi-Arabien die angeblichen Killermassenmonstermörder gekannt und das Amiland vor denen gewarnt hatte. Also hört mal, wer petzt denn sowas? Haben wir noch nicht oft genug “Sind die so doof, fördern sie das, faken sie das oder machen sie es gleich selbst?” gespielt? “Hey, da kommt ‘ne Warnung vor ein paar Irren, die bei uns Dschihad spielen wollen!” “Cool, die rufen wir mal an, ob die beim Boston Marathon mitmachen” – so ungefähr? Wo zur Hölle ist eigentlich George Clooney, wenn man ihn braucht?

Yo, als Nächstes sticht dann ins Auge: Ein gewisser Konzern, der es geschafft hat, seine Kunden derart gehirnzuwaschen, dass sie alles cool und hip finden, was der Vorstand ausscheidet, tat Seltsames: Er nahm einen Milliardenkredit auf, um seine Teilhaber zu befriedigen. Also normal zahlt eine AG den Gewinnanteil an die Aktionäre ja vom Gewinn aus. Nicht so “Apple”, die leihen sich dafür Geld. Weil das billiger ist. Weil sie dabei Steuern sparen wie bei Hoeneß unterm Sofa, diese Cleverles. Nun kann man die Volks- und Schankwirtschaftler fragen, ob das nicht über Inflation, Deflation, kontenbereinigte Quadrierung der Maximalsollstufenrendite vor Wien und peergenerierte Einmaleffekte wieder diejenigen abzahlen dürfen, die eh nix haben, aber das lassen wir künftig einfach und stellen fest: Steuern sparen ist asozial! Etwas Ähnliches meinte übrigens auch der Präsident der neoliberalen Einheitspartei, woraufhin ich mich fragte: Der Gauckler wird doch nicht auch?! Hat die Bleierne ihm etwa schon das Vertrauen ausgesprochen?

Lohnarbeit ist Fronarbeit

Die Nacht vor dem heißen Mai, der Tanz in ebendiesen, das jährliche Ritual mit Reifenlichtspielen und urbanen Jagdszenen sollte dieses Jahr anlässlich der eifrigen Beteiligung von Faschodumpfbacken besonders grell ausfallen. Ist es dann allerdings – ausgefallen nämlich. Auf nix ist mehr Verlass, nicht mal auf die Prognosen des Verfassungsschutzes. Ha. Haha. Hahahahaha. Kleiner Scherz. Apropos erster Mai und von wegen “Tag der Arbeit”; da muss ich dem persönlich sehr geschätzten Herrn Wecker leider eine Vier minus anheften. Der meint nämlich:

Und insgeheim träume ich von einem Aufstand an diesem ersten Mai. Und dass wir uns all die Rechte zurückholen, die sie uns gestohlen haben. Das Recht auf Arbeit, das Recht auf Wasser, das Recht darauf, von der Gesellschaft versorgt zu werden, wenn man es selbst nicht mehr kann. Das Recht auf einen Mindestlohn. Das Recht auf eine Welt ohne Zeitarbeitsfirmen. Das Recht auf unser Recht.

Autsch. Was jetzt? Recht oder Arbeit? Lohnarbeit ist Fronarbeit, liebe Genossen, nehmt das endlich zur Kenntnis. Das “Recht des Arbeiters” ist die erste Blase, die geplatzt ist, lange vor denen mit den Technologieaktien, Immobilien und Staatsanleihen. “Leeres Wort, des Armen Rechte!” Was müsst ihr noch alles erleben, um das wirklich zu kapieren?

 
Zwei Minister schlagen sich gegenseitig für einen Orden vor – das “Bundesverdienstkreuz” – und wollen sich damit vom eigenen Ministerpräsidenten behängen lassen. Aus gewissen “Kreisen”, wie es heißt, also aus den Hinterstübchen irgendwelcher Kaschemmen wie dem Café Einstein, in denen korrupte Politiker und deren Gehilfen aus der Journaille sich treffen, um auszubaldowern, was “der Zuschauer nicht wissen” [Link geht zu Youtube] muss, aus solchen Kreisen also wird lanciert, das gehe so nicht – nicht “im Wahlkampf”. Sonst aber schon, oder was, ihr Arschgeigen? “Verdienstkreuz”, das heißt für euch Besserverdienstkreuz, richtig?

Diese grandiose Idee kommt dabei aus der Riege derer, die gerade ihren Fraktionsvorsitzenden abgestoßen haben, weil der für die angeblichen Dienste seiner Frau nach Berechnungen aus Feynsinn-Kreisen circa 1,5 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt hat. So verfährt man in Kreisen, die einem ständig mit Gott, Vaterland und Moral kommen, versteht sich ganz nebenbei. Kreise, die sich für “Leistungsträger” halten. Kreise, die “Kriminalität” nicht scharf genug anprangern, verfolgen und bestrafen lassen können, soweit es nicht ihre eigenen Gaunereien betrifft.

Wisst ihr was …

Man kann schauen wohin man will: Die Nomenklatura von Griechenland bis Spanien, die auf Befehl Deutschlands ihre Völker auszehrt, ist korrupt bis ins Mark und das ist auch bekannt. Dort reicht das immerhin für die eine oder andere empörte Demonstration. In der Zentrale der europäischen Sklavenverwaltung, sprich: des Kapitals und seiner Politik, ist das Ganze aber unübersichtlicher, denn hier gibt es ja keine Korruption, jedenfalls juristisch nicht, also gibt es auch keine öffentliche Empörung. Erschwerend hinzu kommt nämlich die Mentalität der hiesigen Untertanen, die noch immer nicht bemerkt haben, dass sie seit 1945 eigentlich keine mehr sein müssten. Die katzbuckeln selbst noch in ihrem Genörgel und halten es für ein Naturgesetz Gottesurteil, dass diejenigen, die sich immer schamloser die Taschen vollstopfen, fröhlich weiter über die anderen herrschen.

So kommt es, dass solche, die man hie noch immer für “Intellektuelle” hält, dort zwangsweise in einen üblen Jargon verfallen, so sie überhaupt noch willens sind sich zu äußern. Man liest dann Wörter wie “Kotzen”, “Scheiße” und “Arschgeigen” und eben all das, was der Stammtisch authentischer in die Welt zu spucken weiß. Wohin soll das also führen? Zu nichts, wenn nicht irgendwann die feuchten Träume der Linken wahr werden, der Stammtisch ebenfalls über sich hinaus wächst und endlich die Worte findet, in denen er sich seine Situation realistisch zu beschreiben vermag – und seine Schlüsse draus zieht. Darauf aber können wir lange warten, und deshalb lassen wir uns lieber weiter von Arschlöchern unterjochen und gehen uns allenthalben gegenseitig an die Gurgel, weil die nicht so hoch hängt. Ach wisst ihr was … leckt mich doch alle!

 
Ein Offizier:

Gefreiter, Sie können nicht einfach hier Geschichten erzählen über den Herrn General. Das ist Wehrkraftzersetzung, das ist üble Nachrede, das geht überhaupt nicht. Ach, Sie beharren aber darauf, weil das alles wahr ist? Wissen Sie was, wenn sie sich beschweren wollen – und das ist wohl mindestens eine Beschwerde, das ist geeignet, die Truppe in Aufruhr zu versetzen und um ganz ehrlich zu sein: ich kann mir das gar nicht vorstellen, das hätte man doch schon vorher mal gehört, wenn der Herr General Sie wissen schon – also dann gehen Sie den Weg der offiziellen Beschwerde und melden Sie das beim Major, wie sich das gehört.

Ein Adjutant:

Nein, ich kann Sie nicht einfach zum Major vorlassen, wie stellen Sie sich das vor? Sie müssen schon den Antrag ausfüllen, Ihren Beweggrund schildern, um einen Termin anhalten, dann werde ich sehen, was ich für Sie tun kann.
… Nein, ich kann Sie leider nicht vorlassen, Ihrem Antrag wurde nicht stattgegeben.

Ein Berater:

Nein, Sie können das so natürlich nicht machen. Hier steht “Angriff”, das ist äußerst missverständlich. “Demütigung” kann man so auch nicht stehen lassen. Schreiben Sie “Zurechtweisung” und “möglicherweise nicht ordnungsgemäß” und dann hier “zur Überprüfung”, dann sollte das kein Problem sein.

Ein Adjutant:

Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann …
Nein, ich kann Sie leider nicht vorlassen, Ihrem Antrag wurde nicht stattgegeben, weil die Sache belanglos ist.

Einige Kameraden:

Wir haben uns entschlossen, dich zu unterstützen. Schreib’ uns mit auf die Beschwerde, dann können die das unmöglich unter den Tisch kehren.

Ein Adjutant:

Nein, ich kann Sie leider nicht vorlassen, Ihrem Antrag wurde nicht stattgegeben, weil Sammelbeschwerden nicht zulässig sind.

Ein Offizier:

Sie wurden zum Major gerufen, begeben Sie sich unverzüglich dorthin, die Sache ist dringend.

Der Major:

Warum haben Sie das nicht vorher gesagt? Dieser Vorgang ist seit Tagen in aller Munde und zieht Kreise, das kann sich die Armee nicht leisten. Das ist geeignet, die Truppe in Aufruhr zu versetzen. Sie hätten das verhindern können, warum haben Sie nicht den nötigen Einsatz gezeigt? Das ist doch ein handfester Skandal, da werden immer üblere Details bekannt!

Auf dem Schreibtisch steht sein Namensschild: “Major C. Narrative, Leiter des Presse- und Informationszentrums“.

 
karfrei

Zwei Jahre habe ich in einer Wohnung gewohnt, die an einem wunderschönen Platz lag, zentral, aber dennoch beschaulich, Tempo-30-Zone mit benachbarter Spielstraße, Kastanienbäume, Altbauten, Kopfsteinpflaster – von der Art, die man auch problemlos mit dem Fahrrad benutzen konnte. Kein großer Autolärm, nicht vor dem Haus und auch nicht von nahegelegenen Fernstraßen. Es hätte wirklich schön sein können.

Wären da nicht diese Störenfriede gewesen, Lärmterroristen übelster Sorte, die sich auch nicht damit bescheiden konnten, einen ab und zu mal aus dem Bett zu werfen, es bei hundert Dezibel zu belassen oder vielleicht Sonntags mal Ruhe zu geben. Nein, das infernalische, unerträgliche Gedröhne musste sprichwörtlich rund um die Uhr sein. Wenn sie einmal im Schwung waren, konnte man bei offenem Fenster sein eigenes Wort auch dann nicht mehr hören, wenn man schrie. Sonntags fanden sie’s am geilsten, schon morgens früh, wenn anständige Menschen gerade mal schlafen.

Lärmterror, infernalischer

Das Beste an der ganzen Chose: Es war vollkommen legal. Hätte ich das gewusst – okay, ich hätte es wissen können, vielleicht müssen, aber ich habe mir das nicht so höllisch vorgestellt – ich hätte nie diesen Mietvertrag unterschrieben. Dass ich schon recht bald wieder ausgezogen bin, hatte zwei Gründe, von denen einer die besagte unerträgliche Lärmbelästigung war. Der Grund für die Erlaubnis, derartigen Stress zu veranstalten, derartige Menschenverachtung nachgerade genussvoll zu zelebrieren: Es handelte sich um eine Gemeinschaft solcher Typen, die an höhere Wesen glauben und okkulte Handlungen mit diesem Lärm eröffnen. Die Häuser rund um die sogenannte “Kirche”, in der abartig riesige Metallglocken schwangen, hatten einen Abstand von Luftlinie dreißig Meter.

Wozu, frage ich, muss also die sogenannte “Gemeinde” auf ihre “Messen” aufmerksam gemacht werden, die ohnehin immer um dieselbe Zeit stattfinden? Unter den genannten Bedingungen, dass also der Schall ohnehin direkt auf die Gemäuer traf, in denen er unschuldige Opfer um Schlaf und Verstand brachte? Und wozu musste Tag und Nacht jede verfickte Viertelstunde mit einem Schlag dieser Hölleninstrumente begangen werden?

Das, meine verständnisvollen Empathen, ist das eine. Das andere ist dann diese Geschichte mit dem Lattenjuppfreitag. Da darf keiner niemals nicht in einer Kneipe eine Musik hören und schon gar nicht tanzen. Begründung: Das sei ein stiller Feiertag. Stiller Feiertag! Und wetten, dass diese “Stillen” ihre akustischen Massenvernichtungswaffen wieder baumeln lassen, bis uns das Blut die Hälse herabrinnt? Wetten?!

 
salatmuell

Fefe hatte gestern gleich zwei Hinweise auf eine Spielart des Stumpfsinns, die “unternehmerisch” zu nennen schon Satire wäre. Die Weisheit, der Teufel scheiße immer auf den größten Haufen, ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber das ganze Tun des Managements darauf abzustellen, ist schlicht … zeitgemäß, wie es scheint. Zu den Sachen: Es werden Bratwurststände vor Einkaufstempeln aufgestellt, damit der Kerl sich draußen den Wanst vollschlägt und derart seine Ische nicht stört, die drinnen die Kohlen verprasst. Überhaupt wird versucht, massiv auf die Frauen zu setzen in der Shoppinggilde. Die geben das meiste Geld aus, kaufen spontaner, also werden sie umgarnt – und nur sie.

Ich habe bei der einen oder anderen Gelegenheit versucht darzulegen, was eine Investition eigentlich wäre und warum das nichts mit dem Treiben sogenannter “Unternehmer” zu tun hat. Zum Heulen rührend sind längst die Mythen von den Unternehmern, ihrer Verantwortung und ach dem großen Risiko. Das machen heute die Manager. Die geben sich vielleicht noch ‘unternehmerisch’ und fordern den Status für sich ein, weil sie die entsprechende Attitüde an den Tag legen. Sie tragen “Boss”, weil’s draufsteht und geben sich höflich. So höflich, dass sie bei der Versicherungsparty die Damen mit den weißen Bändchen siezen. Manche sprechen ihre Begleitung womöglich gar mit “Frau Koksnutte” an.

Ich schweife ab. Was sie können, ist Power Point. Power Point sagt, wir können hiier die Ausgaben senken, dann haben wir doort mehr Gewinn. Niemand geht hin und sagt: “Ich würde für diese meine Idee mal soundsoviel Bündel Scheine raushauen und gucken, ob das was wird, weil meine Idee nämlich hervorragend ist, meine Damen und Herren!“. Jedenfalls nicht die, bei denen das hinkäme, weil sie wirklich gegen den Strom etwas reißen würden, sondern höchstens jene, die sich vor der Sitzung eine zu fette Line gezogen haben.

Worauf ich hinauswill: Wie bescheuert ist das eigentlich, immer die Hälfte der Menschheit aus den Augen zu verlieren? Meist sind es ja die Mädels, auf die keiner achtet, weil die anderen Adabeis auch immer nur von hier bis zur Pissrinne denken. Beim Shoppen aber sind wir also jetzt die Deppen. Fein. Dann weiß ich wenigstens, warum immer das, was ich gerade zu brauchen glaube, nicht da ist. Das haben sie gerade irgendwelchen Weibern aufgeschwatzt, die es gar nicht haben wollten. Ich liebe Kapitalismus.

Die Älteren unter Euch kennen den Text schon, aber da ich gerade nix Besseres hab und mir neulich ein Kollege zusprach, ich sollte mich getrost wiederholen, packe ich noch mal den Text aus 2002 hier rein, der 2006 auch in diesem Blog schon erschienen ist. Mit feynem Gruß vom Zeylenschinder.

Versicherungsvertreter! Versicherungsvertreter sind in Ansätzen gute Niederrheiner: Sie haben meist von nichts eine Ahnung und auf alles eine Antwort. Fragt der Niederrheiner seine Lieblingsfragen: “Wie isset?” und “Weiße, wer toot is?”, ist der Versicherungshansel bei seinem Stichwort: Kapitallebensversicherung. Beide haben auch ein gespaltenes Verhältnis zum Tod. Sie gönnen zwar niemandem ein frühes Ableben – der Versicherungsvertreter zumindest nicht, bevor die Beiträge vollständig bezahlt sind – sind aber dennoch sehr fasziniert von dem Thema. Der Typ, der mir neulich eine Lebensversicherung andrehen wollte, malte mir derart farbenfroh die diversen Möglichkeiten aus, indiskret, unangenehm und plötzlich aus dem Leben zu scheiden, daß ich ihn sofort fragte, ob er Niederrheiner sei.

Als er dann noch in melodramatischer Weise das mögliche Schicksal meiner Töchter schilderte, standen uns beiden die Tränen in den Augen, und ich habe mich geärgert, das nicht mitgeschnitten zu haben, um es als Drehbuch zu verkaufen. Nur die Passage, wo meine Große, über und über gepierct mit Kanülen, auf den Strich geht, hat er ausgelassen. Ich sah zwar den Willen in seinen Augen, mir auch diese schreckliche Wahrheit zuzumuten, aber auf seinem Rhetorikseminar hat er gelernt, einen gewissen Level nicht zu überschreiten.

Und er hat gut aufgepaßt. Mein Versicherungsmännlein war Stifthalter. Stifthalter sind diejenigen unter den Rhetorikkursopfern, die eigentlich zu verklemmt sind, ihre Hände zu bewegen. Sie haben keine Gestik, stehen entweder mit verschränkten Armen oder wie Soldaten vor ihren Gesprächspartnern und studieren das Schuhwerk ihres Gegenübers. Im Rhetorikkurs lernen sie dann, die Nasenwurzel anzupeilen, und um ihnen die Angst zu nehmen, zwingt der Rhetorikkursleiter sie dazu, sich vorzustellen, auf der Nasenwurzel säße ein Vögelchen oder eine nackte Frau oder sonstwas Reizendes.
Achten Sie einmal darauf! Ich traue niemandem, bei dem ich nicht weiß, in welches Auge er mir gerade schaut. Von einem Freak, der mir nackte Frauen auf die Nasenwurzel setzt, lasse ich mir jedenfalls nichts verkaufen.

Sobald also die Frau oder das Vögelchen es sich bequem gemacht hat, ziehen sie, wie sie es gelernt haben, den Kuli aus der Tasche, um damit ungelenk Löcher in ihren Odolatem zu stechen. Dabei, und das machen sie wiederum sehr geschickt, umkreisen sie ihre Krawattennadel oder eine bestimmte Stelle im Muster ihrer Krawatte. Folgen Sie niemals mit den Augen dieser Bewegung! Entweder die Hypnose funktioniert und Sie unterschreiben alles, einschließlich des Termins Ihres Todestages, oder die Sache funktioniert nicht, und in Ihre Netzhaut brennt sich ein Anblick ein, der das nackte Entsetzen auslöst.

Über Krawattennadeln will ich mich gar nicht auslassen, wer so etwas trägt, richtet sich selbst. Was aber einstmals nackt zur Welt gekommene Geschöpfe, zur Krawatte gezwungen, sich um den Hals Knoten, verrät genau die Todessehnsucht, die sich in den Kapitallebensversicherungen wieder Bahn bricht.
“Geld oder Leben”, so lautet ihr Motto, und sie haben sich insgeheim fürs Geld entschieden. So kriechen sie als gebügelte Monster von Klinke zu Klinke und infizieren ihre Opfer mit ihrer Schicksalsfrage.

Womit sie nicht rechnen, wofür sie auch nicht trainiert werden, ist der Fall, daß ihr potentielles Opfer das alles weiß. Ich habe mir neulich dies Wissen schamlos zunutze gemacht und quasi experimentell überprüft, ob diese meine Mußtmaßungen über Herrn Kaiser und seine Schergen zuträfen. Zunächst ließ ich ihn in meine Wohnung und ließ ihn seinen Standardvortrag halten. Während er also dozierte und fröhlich den Kugelschreiber schwang, fixierte ich seinen Blick, der nicht, wie man es von anständigen Menschen erwartet, zwischen meinen Augen hin- und herwanderte, sondern starr meine Nasenwurzel anvisierte. Alles lief also nach Plan.

Ich hatte mir wohlweißlich einen Notizblock zurechtgelegt, aber keinen Stift, so daß ich mir unter einem Vorwand seinen Kuli leihen mußte. Er war fortan dazu verdammt, seine Hände auf meinen Tisch zu pressen, als seien sie dort angeleimt. Sein Blick wanderte jetzt endlich, und zwar zwischen seinem Kuli und meiner Nasenwurzel. Mir fiel sofort ein Zitat von Büchner ein: “Woyzeck, er sieht gehetzt aus!” Aber Herr Kaiser war noch nicht geschlagen. Ich konnte nicht ewig Notizen simulieren, und in der Hundertstelsekunde, in der die Mine das Papier verließ, bat er mich schwitzend und zitternd, aber höflich, ihm doch bitte seinen Stift zurückzugeben.

Einen Augenblick ließ ich ihn noch schmoren, dann durfte er den Strohhalm ergreifen, der sein Schicksal noch einmal wendete. Aber nicht für lange! Allmählich kehrte die Farbe in sein Gesicht zurück, und ich ließ ihm diese Verschnaufpause wie die Katze der Maus. Dann nützte ich einen Augenblick, in dem er in seine Unterlage schaute, dazu, mir ein haarfeines Fadenkreuz auf die Nasenwurzel zu stempeln. Noch ehe er wieder hochblickte, stellte ich ihm die Masterfrage:

“Sagen Sie, wenn ich dann also meine Beiträge so weit geleistet habe, wann werde ich dann hingerichtet? Ich würde mich übrigens gern erschießen lassen, das hat so etwas von militärischer Würde. Oder kann man sich nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Frist auch selbst töten? Ich habe hier eine alte Dienstpistole, das wäre mir natürlich noch lieber”. Das war offenbar so übertrieben, daß er es als Scherz erkannte und kurz auflachte. Für den Verlauf meines Experimentes war das optimal, und noch war er schließlich nicht derjenige, der zuletzt lachte.

Es blieb ihm auch schnell stecken. Als er sich nämlich wieder an meiner Nasenwurzel festkrallen wollte und versuchte, das Fadenkreuz zu fokussieren, verschluckte er sich. Als höflicher Gastgeber bot ich ihm ein Glas Wasser an, das ich schon vorbereitet hatte, klaute ihm aber mit einem lässigen “Ich darf doch noch mal?” wieder seinen Kuli. Ich machte mir eine kurze Notiz, steckte den Kuli in die Hemdtasche und stand auf, als er sein entsetztes Fischmaul öffnete, um etwas zu stammeln, das ich natürlich überhaupt nicht verstehen konnte.

Ich schlurfte zur Anrichte, öffnete die Schublade und holte Opas Pistole hervor, mit der er sich dereinst, aber das ist eine andere Geschichte. Polternd ließ ich sie auf den Tisch fallen und fragte gleichzeitig, ob meine Kinder als Begünstigte gegebenenfalls dem Henker assistieren dürften, sie hätten auch schon Erfahrung mit jungen Katzen. Das Kreuz auf meiner Nasenwurzel hatte ich derweil mit einem roten Edding nachgezogen.

Herr Kaiser japste ob dieses Anblicks etwas von “meinen Sie nicht ernst”, was ich mit der freundlichen, aber bestimmten Aufforderung korrigierte “Nana, wir wollen doch nicht unhöflich werden”. Er solle mir doch jetzt bitte meine Fragen beantworten. Als er dann ansetzte, die letzte Bastion seiner Versicherungsvertreterrhetorik hervorwürgend, nämlich den Namen des Kunden, also meinen, versetzte ich ihm den Todesstoß…

- Ist Ihnen das eigentlich schon aufgefallen? Das ist das Erste, was man den Hanseln eintrichtert: Pausenlos den Namen des Kunden herunterzuleiern, am besten mit Lametta: “Hören Sie, Herr Dr. Flatter, sehen Sie, Herr Dr. Flatter, da haben Sie recht, Herr Dr. Flatter”. Es ist grauenhaft.
“Müller”, antwortete ich also, “ich heiße Müller!” Hansel lächelte, als hätte ich einen Witz gemacht. “Ja, sehen Sie doch in die Unterlagen”, sagte ich verständnislos und reichte ihm die von mir manipulierten Verträge, “da steht es doch: Meier!”

Er glotzte in die Papiere, und ich setzte mir schnell mit geübter Hand die Katzenaugen-Kontaktlinsen ein. Er sah mich an. Das Entsetzen in seinem Blick wich gnädigem Wahnsinn.
Der Rest ist schnell erzählt, ich habe ihm einige Waschmaschinen, den Polo von meinem Cousin und eine Pauschalreise angedreht und ihn vor die Tür gesetzt. Das Schlimmste an diesen Typen ist ja, daß sie solche Weicheier sind. Ich hasse schwache Gegner.

 
In den folgenden Bereichen suchen wir noch engagierte folgsame Mitarbeiter mit marktkompatiblen Ansprüchen an einen hinreichend menschenwürdigen Arbeitsplatz:

Spamleerer

Reinigen Sie die Mailboxen der Kollegen, die Angst haben, sie könnten beim Löschen von Nachrichten das Internet ausschalten. Entsorgen Sie die Verpackungen geöffneter Anhänge und putzen Sie die Vorschaufenster.
Bewerbung per Mail (html) oder animiertem .GIF.
Bezahlung: Nach Gewicht der entsorgten Daten

 
Fernsehprogrammierer

Machen Sie, dass Lassie wieder kommt. Und Black Bewtey. Und das Haus am Eaton Place (North Cobblestone Hall). Und Derrick.
Bewerbung via Teletext Seite 333.
Bezahlung: Chips, Cola, Weightwatchers-DVD

 
Webshopping Assistant

Finden Sie das günstigste Angebot einschließlich Rabatte, Steuern, Versand, Zoll und Verlust. Holen Sie den Kleber aus dem Regal. Gehen Sie nicht über “Los”.
Bewerbung per Paypal (Vorkasse).
Bezahlung: Nach Erfolg, in der Währung des zuständigen Gerichtsstands.

Sozialer Netzwerkadministrator

Reden Sie, was das Zeug hält. Blöde Frisuren, Erfahrung mit Drogen (Koks beidhändig, Kir Royal, Ritalin) und Privatinsolvenz von Vorteil.
Bewerbung (Schlauchtrinken) freitags ab 19 Uhr im “Relax”.
Bezahlung: Französisch, von hinten und ins Knie.
 
Amazonenverwalter

Servieren Sie Namen im billigsten Warenhaus der Welt. Wissen Sie, wessen Stroh in der Ecke liegt, verkaufen Sie es den Gewerkschaften als Jobwunder.
Bewerbung zwecklos, wir finden Sie auf Empfehlung.
Bezahlung: Anteilig an der ver.di-Kaffeekasse
 
Hackmesser

Beobachten Sie die Datenströme und erstellen sie Excel-Tabellen dazu. Verfertigen Sie Expertisen. Erklären sie, warum alles sicher ist, außer es waren die Chinesen (wird rechtzeitig mitgeteilt).
Bewerbung per Xingderassabum.
Bezahlung: Cash, In Dollars. Keine Fragen!
 
Trojanerjockey

Seien Sie Grieche, setzen Sie kleine Männlein in Holztiere und lassen Sie diese auf Troja und andere Feinde los.
Abschlusszeugnis der Schule mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung erforderlich.
Bewerbung bitte auf dem Desktop des Admin-Accounts.
Bezahlung: Gratis-Mitbenutzung unserer Proxyserver in Asien
 
Ebaywatch

Bieten Sie in letzter Sekunde deutlich über Neupreis, in Schritten von 0,5 Cent.
Bewerbung per Erwerb unserer Unterlagen, jetzt bieten, Artikelnummer: 2243738301
Bezahlung: Haldol all you can honk.

Abmahnwache

Recherchieren Sie per Google, ob etwas schon einmal geschrieben oder abgebildet wurde. Machen Sie Screenshots. Zeigen Sie alles an, was Ihnen seltsam vorkommt. Sollte Ihnen etwas bekannt vorkommen, melden Sie es sofort. Unsere Rechtsabteilung übernimmt dann.
Bewerbung via fiesbuck. Gern im Unterhemd auf der Fensterbank.
Bezahlung: 30 Silberlinge

Datenbankkaufmann

My wife, my SUV, my house, my horse, mysql.
Sie verkaufen verbrieften PHP-Code und gebrauchte Tabellen an deutsche Behörden als Virenscanner-Update. Den nötigen Support vor Ort übernehmen unsere Programmierer. Bewerbung ausschließlich per Mailanhang!
Bezahlung: China-Rolex, Russendisco, afghanisches Gras.

First Level Endgegner

Beraten Sie unsere Kunden am Telefon. Kenntnisse unnötig, Neigung zu spontanen Antworten und kontrollierter Größenwahn erwünscht. Sie lassen den Konsumenten spüren, dass er recht hat. Sie aber auch. Gehen Sie an Ihre Grenzen und leiten Sie den Anruf dann weiter. Wenn er wieder bei Ihnen ankommt, fechten Sie es aus. Unser eingespieltes Team freut sich auf Sie.
Bewerbung telefonisch unter unserer Service-Nummer.
Bezahlung: 1,00 Euro/Stunde. Wir wissen ja, wie sie zu uns gefunden haben.

 
testtrip

Der Junge auf der Kinderschokolade hat schwarze Haare und trägt eine Fliege, kapiert? Sonst ist das ein Scheiß-Remake wie so eine Mexico-Strat oder noch schlimmer eine aus Korea. Geht. Gar. Nicht. Und Prilblumen. Die klebt man auf eh geblümte Fliesen zum Beispiel oder egal wo drauf. Am besten auf ein Ringbuch oder einen Tornister. Am besten gleich überall drauf. Überhaupt sieht eine Jugend aus wie ein Trip und nicht das, was die Kamera vom verkackten Streichelhändi zeigt von der zugeparkten Designerwüste einer Spätkrisokratie.

Es gab auch Grau, eine Menge sogar. Fabriken, Straßen, Häuser – Arbeit war schon immer scheiße und machte arm. Ach ja, und das Fernsehen natürlich. Den Unterschied zwischen Weiß, Schwarz und hundert Stufen Grau kennt jeder, der weiß, was ein Testbild ist. Testbild war cool. Zwölf Stunden Testbild am Tag statt Shoppingsender, ich bin dafür! Okay, Testbild konntest du am Wochenende auch länger haben, je nach dem, was du abends so eingefüllt hattest. Kannst du heute noch haben, wenn du’s willst. Das darf sich dann gern mit dem Bunten vermischen und den Trips aus Blümchenmustern, Sinuskurven und Sexy-mini-super-flower-pop-op-Cola. Da war Kapitalismus noch bunt. Wir haben ihn geliebt. Ist uns gar nicht aufgefallen, dass der Kult in den Waren geronnen war. Hätte uns zu denken geben können.

Back to the Roots

Kurzen Sprung nach vorn, noch bevor man nicht mehr auf die Straße kam, ohne über ein Auto zu springen, noch ehe 24-Stunden-Berieselung von Kohls und Kirchs in die gute Oberstube einzog. Später las ich von Nietzsche (sicher auch auf dem Trip, der Mann, mit dem man Pferde umarmen konnte): “Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.” Es war der Commodore PET, der dem Spruch Sinn einflößte. Mein erstes ‘Programm’ in Spaghetti-Basic war ein tanzender Stern. Danach kam ein “Tannenbaum”, der durfte schon nicht mehr tanzen. Von Chaos übrigens keine Spur. Programm will Ordnung, Programm will Struktur. Mehr als Pascal und später GFA-Basic programmieren wurde nicht, aber alles schön von oben nach unten und von innen nach außen. Ich gehörte zur Atari-Fraktion, bekanntermaßen. Genau so gut hätte es auch ein Amiga getan, aber man hat sich halt mit einer Marke identifiziert. Warenfetisch für Nerds. Hätte uns auffallen können.

Bis dahin war noch alles gut, sogar die diversen Verkleidungen, in denen man sich gruppieren konnte. Iro hier, Schmalztolle dort, Matte da, Hauptsache kein Pöppi-Pilzkopf. Sie trugen Lacoste und Benetton und fuhren tuntige Roller. Fiel uns auf. Sich mit einer Edelmarke identifizieren, sich für was Besseres halten. Blöde Idee, wenn man weder besonders schlau war noch besonders schnell oder stark. Klamotten werden so schnell dreckig, wenn man nicht aufpasst. Außerdem haben sie so eine Scheißmucke gehört von geschminkten Arschgeigen, die auf Synthies und E-Drums herumdilettierten. Komplett daneben. Wir mit der richtigen Musik wurden von denselben Labels beliefert. Konnte man Schlüsse draus ziehen, wenn man wollte.

Heute ist alles durchgestyled und trotzdem hässllich, selbst was sich für Punk hält oder sonstwie from-the-gutter, muss dafür Markenklamotten kaufen, zum Designercoiffeur rennen, sich schminken und einölen. Merken die noch was?
Wir müssen zurück zu den Wurzeln. Als alles noch gut war. Die richtigen Marken, das richtige Maß, der richtige Zusammenhalt. Allerdings darf das nicht zu radikal werden. Ganz ohne Marken geht es eben nicht. Wir hätten dann nichts mehr, nicht einmal eine Erinnerung. Ohne Marktwirtschaft hätten wir keine Geschichte. Unsere Jugend wäre für immer verloren.

 
Fanatiker kennen keine Kultur und keinen Respekt vor der Geschichte. Sie zerstören alles, was ihrer Ideologie und der Ausbreitung ihres religiösen Wahns im Wege ist. Wie jetzt wieder einmal die altbekannten Taliban.

Drakonische Strafen in religiösem Eifer

Wer die teils drakonischen Urteile religiös motivierter Justiz nicht versteht, weiß wenig über die Verstrickungen der verantwortlichen Richter mit den Strukturen fanatischer Fundamentalisten. Die Scharia etwa ist für sich noch kein Quell grausamer Strafen, sondern vielmehr eine Ethik, die sehr von Auslegung und Anwendung geprägt ist. Islamische Gerichte, die sich auf die Scharia berufen, können daher fair und besonnen sein, wenn die Richter es eben sind.

Das hat oft wenig mit mittelalterlichen Wurzeln zu tun und kann durchaus in modernem Gewand daherkommen. So wurde etwa eine ganze Firma sprichwörtlich von einem Richter an den Pranger gestellt und zur öffentlichen Selbstanklage gezwungen. Der Richter wiederum wurde offenbar danach von der Partei für künftige Fatwas gedungen, welche die Klage eingereicht hatte. Konkreter: Nachdem Sir Robin Jacob Apple im Sinne des Gegners Samsung in einem bizarren Urteil dazu verknackt hatte, sich auf der eigenen Website zu kasteien, wird er jetzt von Samsung als Rechtsexperte bezahlt, sagt die Quelle.

Sinnlose Gesetze

So werden innerhalb der Glaubensgemeinschaft die verdeckten Machtkämpfe immer häufiger auf der Ebene sogenannter “Gesetzgebung” ausgetragen. Dabei geht es um pure Klientelwirtschaft, in der familiäre Beziehungen stets eine gewichtige Rolle spielen (siehe z.B. den Klaeden-Clan). Die ‘Argumentationen’ erweisen sich folgerichtig als umso geistloser, je größer der Einfluss der (hier marktreligiösen) Geistlichen ist.

Mehrheiten in derartigen Pro-forma-Parlamenten beruhen daher regelmäßig auf Unwissenheit und Korruption. Ausgerechnet die Urheber eines der lächerlichsten Gesetze des neuen Jahrtausends nennen ihren vermeintlichen Feind Google selbst “Taliban”. Die Leistungsschützer zeigten von Anfang an ein beträchtliches Talent, sich selbst zu treffen bei dem hilflosen Versuch, andere zu schlagen.

Bizarre Auslegung

Im angeblich so kühlen Norden überraschen die Richter immer wieder mit fiebrigen Rechtsauslegungen. Wenn nämlich ein Ketzer der Marktreligion (Assange) ohne Gummi den Beischlaf vollzieht, so gilt er als Vergewaltiger, wird international gesucht und muss in den U.S.A. mit der Todesstrafe rechnen, sollte er wegen besagten Gummimangels nach Schweden und von dort aus an den großen Bruder ausgeliefert werden. Eine Frau beim Sex totzuschlagen gilt hingegen als so etwas wie Sachbeschädigung. So sind halt die Prioritäten in mittelalterlichen patriarchalischen Gesellschaften.

Fried ist Kriegen, gaga heißt jetzt twix

Last not least: Pazifismus ist die Befürwortung von Kriegen zur Verhinderung neuer Auschwitze als “Notoperation, um Schlimmeres zu verhindern“. Wer sich derart ins koginitive Nirwana eifert, muss wohl von den “Grünen” sein? Richtig: Kerstin Müller, Talibanane des Tages.

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