kunstlyriklamauk


 
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Er hat doch schon so faire Löhne® gezahlt, der Herr. Er war so gut zu seinen Untergebenen - und nicht nur zu denen. Eine Mission hatten sie alle miteinander: die Welt besser zu machen, indem sie sie schöner machten. Schöne Welt durch gute Laune, Fernsehen ohne Trash und schlechte Nachrichten. Einfach alles gut® sein lassen. Aber dann kam alles anders. Waren es am Ende sogenannte "Arbeitnehmerrechte", die einer großen Vision das Genick brachen [jadoch, das ist eine gebrochene Metapher]?

Nicht nur, dass es derart überkommene bürokratische Hürden noch gibt, es gibt auch tatsächlich Störenfriede, Sozialneider und Besitzstandswahrer, die davon Gebrauch machen. Ein Betriebsrat in einem Unternehmen von Red Bull, wie absurd! Die Belegschaft und ihr Eigentümer Dietrich Mateschit sind erzürnt. Der Mann, der durch seiner Hände Arbeit ein Imperium geschaffen hat, soll sich hineinreden lassen, wie er seinen Plebs seine Leute behandelt?

Self Made Billionaire

Ihm gehören Rennställe, Fußballvereine, Fußballschulen, Flugshows, Eishockeyvereine, Basejumper und sonst noch was, auf vier Kontinenten, sowie die Stratosphäre. Für all das gibt er sein hart erarbeitetes Geld® aus. Ein Wohltäter des Sports, der Kultur und der guten Laune - braucht so einer Vorschriften und Aufpasser, die deren Einhaltung überwachen? Man sollte ihn eher heilig sprechen (oder wenigstens Voraussetzungen dafür schaffen). Ohne Männer wie Mateschitz gäbe es keinen einzigen Arbeitsplatz® auf der Welt.

Anonyme Gewerkschaftsterroristen "von Außerhalb" wollten den Gutsherrn also zum Betriebsrat zwingen. Das war das Ende vom Ende, er muss jetzt das ambitionierte Unternehmen ServusTV aufgeben, abwickeln, Arbeitskräfte freisetzen. Vernichtet sind hunderte Arbeitsplätze®, und alles nur wegen brutaler Heckenschützen unsichtbarer kommunistischer Kräfte. Im Kreml wird man darüber feixen. Solche Störfeuer nützen nur Putin.

Die Partei "die Linke", die sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt hat, faire Löhne® in Deutschland zu erreichen, hat sich bislang nicht zu diesen Vorgängen geäußert. Jetzt heißt es Farbe bekennen. Geht es ihnen um die Pfründe einer überkommenen Nomenklatura von Seilschaften, Trittbrettfahrern und Bürokraten, die mithilfe von Gesetzen die Arbeit der Besten zerstören oder wollen sie wirklich Arbeitsplätze® und faire Behandlung? Es besteht die Gefahr, dass das Volk doppelt Schaden erleidet: indem es arbeitslos wird und obendrein nichts Lustiges im Fernsehen® kommt. Das kann doch niemand wollen!

 
gn

Hätte ich eine Botschaft an Außerirdische, ich malte ihnen keinen albernen Bilder und legte ihnen keine Langspielplatte bei. Sie sollten schon ihre überragende Intelligenz benutzen und die Worte aus der Essenz meines Lebens richtig interpretieren. Ich würde sie nicht langweilen wollen und käme gleich zum Wichtigsten:

Wenn ich ihm die Zehn reinwerfe, bin ich auf der Farbe blank, Mann!

Die nächste Rote ist der Frameball.

Afghane für nen Heiermann? Nie im Leben!

Tu mal ein A rüber!

Die Schwarze ins Gegenüberliegende.

Nur den Riemen, die Rollen sind noch astrein.

Ein Konditional ist wahr, wenn die Bedingung falsch ist.

Das ist ein Bootleg, da gibt es keine Originalpressung.

Erster alles!

Habe ich ihm eben wertschätzend deutlich gemacht.

Nullte Stunde, und der zockt nur Sneakers.

Wen ich mit Harz erwische, den lasse ich die Halle mit der Zahnbürste schrubben.

Du brauchst einen Abschlusswiderstand.

Das ist ja ne Alufeile!

Ich brauche die dritte Hand.

Wer bremst, verliert.

BFG mit Quad Damage, na schönen Dank!

Draußen gibt’s nur Kännchen.

W-W, W-G-W, G-W-G, G-G

rtfm

/ig /god

 
cl

Aus gutem Grund zitiere ich nicht einmal den Namen des gehetzten Druckwerks, dessen Webauftritt ich noch viel weniger verlinkte. Ich kann es leider aber nicht vermeiden, dass mir dessen Großbuchstaben aus der Auslage entgegenspringen, um auf dem kurzen Weg durch den Sehnerv Anschläge auf meinen Schädelschwamm zu verüben. Heute las der Ärmste daher etwas von „unseren Stränden“, die von „Terror“ bedroht seien.

Eine durchsichtige Übung mit dem Ziel, gewisses Volk in Alarmstimmung zu halten. Ich weiß bis heute nicht, was man mitbringen muss, um dergleichen freiwillig zu konsumieren und noch weniger, was es braucht, dafür Kleingeld rauszurücken. Zu meiner Zeit habe ich die aufs Nötigste reduzierte Erfahrung mit echten Arbeitern in deren Habitat gemacht, die mich mit all ihrer Existenz befremdeten. Fette alte Kerle mit schlechten Zähnen, die mir anvertrauten, was sie mit der jungen Frau auf Seite drei so alles täten. Ich kann mich in diesen Geisteszustand nicht versetzen.

Sie sind überall!

Aus der Vogelperspektive, nur einen sprichwörtlichen Augenblick wagend, stelle ich mir hingegen Fragen. „Unsere Strände“; das wird wohl Mallorca sein, aber auch der Lido, Rimini, Kreta, West-Sinai, Long Beach und Key West. Längst ist es eine Binsenweisheit, dass die Krauts als Crowds zurückkamen, das MG gegen die Goldkarte getauscht haben und die Panzer gegen Billigflieger und Bumsbomber. Wir verteidigen unsere Freiheit überall, wo Sand auf Salzwasser trifft, mit Handtüchern, weißen Socken und schlechten Manieren. Das mit dem Hindukusch war nur ein kleiner Exkurs mit anderen Mitteln.

Jetzt sind also unsere vom Mund abgesparten und bereits von unserem Geld bezahlten® Teilzeitkolonien bedroht, und zwar – so nehme ich stark an - von ischlamischtische Terrorischte. Nirgends ist man mehr sicher vor denen, nicht einmal in ihrer Heimat! Sie haben doch schon in New York, Paris und Brüssel nach getaner Untat ihre Personalausweise auf die Asche gelegt und ihre Laptops akkurat am dem Tatort jeweils nächstgelegenen amtlichen Mülleimer abgelegt. Das hat doch längst gereicht, um die angestrebte Schreckenswirkung zu erzielen (Hysterie, Überwachung, Talkshows).

Immerhin sind wir jetzt gewarnt. Dank knallharter Recherche weiß der Leser seit heute: Er ist nicht paranoid, er wird verfolgt. Wohin er auch flüchtet, der Flüchtling ist schon da und gleich hinter ihm sein Bruder, der Bombenleger. Seien Sie also auf der Hut vor dem Personal, halten Sie Ausschau nach vagabundierenden Ausweispapieren und Laptops auf Papierkörben. An weiteren Anweisungen arbeiten bereits fieberhaft ihre Koksexperten von der Red.®.

 
tz

Hiermit erkläre ich die drölften Touretteweltmeisterschaften für eröffnet. Ist es nicht herrlich, wie es jetzt aus allen hervorbricht wie Galle auf dem Weg ans Licht? Frau Pandora hat ihre Dose für die Ferien dem Böhmermann geliehen, wie es scheint. Kaum scheißt der auf den Respekt vor dem Sultan, suhlen sich die Schweine aller Höfe wonnig darin. Hoho, "Drecksau" traut sich der Lucke was und zeigt's dem Kerl, der die Wellen schlug, aus denen dieses Würstchen einen Zipfel herausragen lassen möchte. Nicht mal dazu aber reicht es. Kindergarten.

Nein, das kann er auch nicht, der Querflötist des Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Das klingt irrsinnig schwul, aber schwul kann er auch nicht, dazu bräuchte es nämlich einen Schwanz. "Lucke!" Das ist die Beleidigung, die ich mir wirklich nicht gefallen ließe. Bei mir geht eine Menge, nix gegen "Tucke" oder "Mothafucke", aber sage nicht "Lucke" zu mir, sonst gibt's was auf den Hassmagneten, den deine Fresse zu nennen eine brutale Beschönigung wäre. Lucke, das ist die Maßeinheit für kniefällige Frömmigkeit in der Kirche der Kapitalisten der letzten Tage, ein Indikator für neoliberale Verrohung, die Vehemenz, mit der die letzten tröstlichen Bemühungen um Menschlichkeit zu Pulver vermarktet werden.

Impressive! Excelent! Headshot!

Dieses Lucke bittet also um Aufmerksamkeit, indem es sich aufplustert und Worte in den Wind piepst, die es für stark und männlich hält. Sind sie aber nicht, per se nicht, und wären sie es, bei ihm erschienen sie dennoch verbraucht, schwächlich und sowieso gelogen. Wie kommen wir jetzt nur hierher? Nun, irgendwer muss doch den Deckel auf die blöde Büchse kriegen, und da bietet es sich an, wenn es jemand versucht, dem auch die verfickteste Hurenscheiße so vertraut ist, dass er sich nicht beeindrucken lässt von Hutzelmännchen und Geifergnomen, die einen neuen Modus gefunden haben: Jetzt noch lauter und noch schriller nichts sagen. Sie wollen damit nur von allem ablenken, das auch nur den Hauch der Relevanz schnuppert.

Welche Blase wird gerade mit fauliger Luft betankt, um bald zu platzen und die nächste 'Krise' auszulösen? Wo fahren gerade die Flugzeugträger auf? Was hecken die Faschisten aus, um die Opfer des Krieges noch mehr zu peinigen? Welche Parolen werden wir als nächste hören, um auf die nächste Minderheit loszugehen? Das wüsste ich gern mal, ihr Lucken! Eines erfahre ich immerhin, womit wir wieder die wirklich wahre Welt betreten: Unser neuer Hurensohn aus der Region heißt al Sisi. Herr Gabriel, den ich nicht virtuell beleidigen kann, weil ich es ernst meinen müsste, nennt ihn einen "beeindruckenden Präsidenten". Zahlende Staatsgäste dürfen bei Sisi sogar Jehova"Menschenrechte" sagen, ohne dass es ihnen ergeht wie den Einheimischen. Er hat nicht einmal geklagt. Beeindruckend!

 
xx

Beginnen wir mit Letzterer: Die Preußen haben die Zensur eingeführt - weil sie's konnten. Zensur ist angewandte Macht, egal ob in ihrer definierten Form oder einer anderen. Es ist Unsinn, sich dann über ein vermeintlich falsch gedeutetes Recht zu beschweren. Die Macht ist das Problem, nicht die Zensur.

Hetze ist und war schon immer erlaubt - wenn sie der Macht gefiel. Beispiel:
"Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden."
Das ist bereits die Hetze. Daran kann man jetzt anknüpfen, was das Gen so aus diesen Juden macht. Im vorliegenden Fall meinte der Experte, es mache sie klüger und:

So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen, bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten, eine erhebliche Rolle und sorgen für den überdurchschnittlich hohen Anteil an angeborenem Schwachsinn und anderen Erbkrankheiten.

Steht da "inzüchtige Ziegenficker"? Nein, denn das wäre Schmähkritik, die meidet ein moderner Sozialdemokrat. Alles im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Horntierliebhaber

Beleidigung ist einfach und wird, wenn, dann meist einfach geahndet, mit einer Geldstrafe. Beispiel: "Herr flatter ist ein Arschloch" kostet etwa 1000 Euro. Meist wird sie aber gar nicht geahndet, weil niemand, der bei Trost ist, dafür zum Gericht rennt. Die härteste Konsequenz für den Beleidiger ist die öffentliche Dokumentation. Wenn ich also sage: "Frau Merkel ist eine Pfotze", wessen Würde ist dann wohl getroffen (neben der der Orthographie)? Im Grunde handelt es sich immer um ein Machtspiel. Ich habe Anwalt, du zahlst! Der Grundgedanke der gesetzlichen Regelung geht dabei aber vom Gegenteil aus: Niemand hat das Recht, andere (fortgesetzt) zu schmähen, nur weil er die Macht dazu hat.

Ein Chef oder 'Arbeitgeber', der seine Untergebenen mit Tiernamen begrüßt oder der Bully, der täglich entscheidet, wer jeweils der dumme Pimmel ist, sind Erscheinungen, deren Wirkungsgrad eingedämmt werden soll. Vielleicht hilft da ein Gesetz, was aber eher hilft: Nehmt den Beleidigern die Macht, nicht das Wort. Sie werden nämlich immer Möglichkeiten finden, andere auch im Rahmen der Regel zu piesacken. Erfolgreich bestrafen kann man daher nur die Dummen unter ihnen, und denen sollte man auch anders beikommen.

Am Ende der Nahrungskette stehen immer die Majestäten, die zu 'beleidigen' eine schwere Straftat ist. Jeder kann wissen, dass etwa Herr Gauck ein charakterloses Arschloch ist - wer ihn aber so nennt, hat die beiden Probleme, die im Recht und der Formulierung liegen. Er kann dafür jahrelang einfahren und hat sich obendrein zum Spaten gemacht, denn diese wie jede andere Beleidigung ist sachlich falsch, zeugt von einem Mangel an Phantasie und Kultur und verschafft der Ehre des Schmähers erheblichen Lackschaden.

Primaten der Politik

Es sind Relikte aus einer Zeit, als sich die Besserverdienenden noch gegenseitig füsilieren mussten, wenn die Gefahr einer fehlerhaft tolerierten Bemerkung bestand. Wer einen anderen ohne Konsequenz beleidigte, galt damit als der höhere Affe, was der vermeintlich niedere eben durch primitive Gewalt korrigieren musste. Das hieß dann "Ehre". Anstatt diesen dummen Zirkus seiner Lächerlichkeit preiszugeben, wurde das äffische Getrommel "zivilisiert" und wird heute von Sekundanten in Roben ausgetragen. Das gefällt wie gesagt der Herrschaft, denn da die Äffchen das offenbar angemessen finden, stimmen sie grundsätzlich dem Verbieten von Worten zu.

Die einzige demokratische Verfahrensweise mit Schmähungen, Lügen, Hetze und Beleidigung ist die generelle Erlaubnis für Jedermann zu sagen, was ihm einfällt. Die soziale Kontrolle und die Erfahrung des Auditoriums mit sprachlichen Ausfällen ist das einzig tragfähige Korrektiv für ausgesprochenes Unrecht. Das Nähere regelt die Gegenrede. Majestäten vor dem Volk zu schützen, war hingegen schon immer ein durchsichtiges Spiel, egal auf welche Weise. Gebt ihnen also nicht noch mehr Macht, erkennt ihre Autorität einfach nicht an und lasst euch den Mund nicht verbieten. Wer allerdings offensiv über andere spricht, ohne zuvor die Wirkung und den Sinn seiner Worte abgewogen zu haben, ist eine dumme Sau. Was sagt das wiederum über unsere Präsidenten?

 
ay

Links muss wieder sexy werden. Das steht und fällt mit einem attraktiven Zugang, ohne den Ballast und Muff aus den alteingesessenen Zirkeln. Flexibilität ist angesagt, Leichtigkeit und Spaß. Die Zeiten der tausendjährigen Reiche und tausendseitigen Bücher sind vorbei. Niemand liest mehr Marx, wir brauchen linke Vordenker, die es auf Twitter können. Hundertvierzig Zeichen geballte Message, das ist das neue Links.

Links muss mit mit jedem Gadget können und auf jeder Plattform. Das neue Links ist Lol auf Youtube, kewl aus Instagram und wow auf Facebook. I like Links. I follow and share Links. Die Linke muss die Leute abholen, muss Angebote machen, die niemand ablehnen kann. Gerade wo die Nachfrage schwach ist, muss sie neu erzeugt werden. Sagt den Leuten, dass es hip ist, Links zu sein. Links sein ist geil. Links sein ist wie Koks, nur ohne Reue. Alles ist in Links: Freundschaft, Freude, Team Spirit! Schluss mit dem Gejammer und der Regelungsgwut. Du willst es? Links hat es. Links erlaubt. Links macht mit. Links bringt voran.

Mega! Sexy!

Gebt den Leuten, was sie wirklich wollen! Mädchen wollen Rosa? Mädchen kriegen Rosa. Mädchen wollen shoppen? Gehen wir shoppen mit Links! Jungs wollen Blau? Wir haben Blau für euch. Jungs wollen Baumarkt, Bier und Ball? Niemand hat mehr davon als Links. Links ist geil, weil ihr es wollt. Links hat das Ohr am Puls der Zeit. Links ist in aller Munde. Links steht früh auf, feiert lange und schafft was. Links ist jung und Links ist sexy, sexy, sexy. Weitersagen!

Die Müesligänger schiebt beiseite - kein Marxist ist je etwas geworden außer Marxist, so lange er Marxist war. Seht euch die wirklich coolen linken Leute an: Sie wissen, was sie wollen, sie kommen voran, mit oder ohne Ticket, zu Fuß und mit dem Flieger. Flexible Linke kommen überall rein, auch ins Kanzleramt. Feynsinn setzt den neuen Trend und erfindet sich selbst neu. Raus aus dem verstaubten Salon, rein in die Mega-Medien. Demnächst überall, wo die krassen Leute sind. Für den Anfang gibt's ein heißes Tänzchen mit dem Leuchtturm der neuen Linken. Freut euch auf ein Interview mit Mega-Trendsetter Sigmar Gabriel!

 
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Am Terrortag sind die Menschenrechte das große Thema. Nicht die in Syrien und auch nicht die in Europa, wo wir alle überwacht werden müssen als Ausgleich für die komplette Unfähigkeit einer Polizei, die erst vier Monate braucht, um einen Kriminellen zuhause zu finden und dann nicht ahnt, dass dessen Spießgesellen sich rächen könnten. Wir brauchen dringend härtere Strafen und Gesetze!

Nein, es ist eine Art Karneval der Menschenrechte. Da darf der Kasper aus dem Grüßaugustinum, der Bürgerrechtler® der DDR, nicht fehlen. Gauck reist durch China und kämpft für Menschenrechte, also gegen den Kommunismus®. Während der "freitag" schon zurecht auf den feinen Unterschied zwischen Menschenrechten in China und Menschenrechten in der Türkei hinweist, bläst die TAZ gleich das große Horn:

"Kann Gauck sich die Freiheit abkaufen lassen, die Sorge über Menschenrechtsverletzungen öffentlich anzusprechen? // Auf keinen Fall."

Die roten Unmenschen

Nein, nicht bei den Kommunisten! Ich hätte da vielleicht die Frage gehabt, ob in einem Land, in dem die Todesstrafe vollstreckt wird und das von mehr als 500 Milliardären beherrscht wird, Menschenrechte überhaupt vorgesehen sind. Oops. Herrn Gauck hätte ich vielleicht gefragt, was er an einem solchen Land für "kommunistisch" hält. Bei der Gelegenheit, Q-Journaille: Wer ernsthaft von der "kommunistischen DDR" spricht, sollte bitte den Hauptschulabschluss nachholen, ehe er sich weiterhin als schreibende Maultasche verdingt.

Den Kracher der Woche hat aber Kriegsnobelpreistreiber Obama gelandet. No Shit, auch er hat Menschenrechte eingefordert. Auf Kuba. Nein, nicht in Guantanamo, in Havanna. Leute, ist das geil! Das ist nämlich so: Wir sind der Freie Westen® und das sind die Kommunisten®. Da gehört sich das so, dass wir Menschenrechte einfordern. Na, aufgepasst in der Grundschule? Woher kommen denn die Menschenrechte? Ja, Barack? Richtig: Von den freien Märkten®. Leckerli!

Wer übrigens lesen will, wie man diesen Abgesang auf die letzte Synapse noch mit einer Hetze überbietet, die sicherheitshalber den Schädel von innen desinfiziert, dem sei ein gewisser Medick empfohlen. Dessen Aufsatz verrät sich durch Absurditäten und Stilemente journalistischen Mobbings, dass man einen Hautarzt braucht. Alles wiederholt sich, und so tief kann man weder schießen noch sinken. Ich empfehle mich daher mit der Forderung nach Vorratsdatenspeicherung und dass wir endlich in Belgien einmarschieren. Schnellschnell Pommfritz!

 
bg

Landesvater Kretschmann wird mit überschäumender Freude, Stolz und Demut von seiner Volksfamilie begrüßt, nachdem er die heutige Wahl mit absoluter Mehrheit der Stimmen gewonnen hat. Der geläuterte Ex-Linke Grüne, ehemaliger Kommunist, Pazifist und Atomkraftgegner, hat bewiesen, dass in dieser Gesellschaft jeder Mitte sein kann. Die Grünen ebenso wie Baden-Württemberg haben bewiesen, dass sie wie ein Mann hinter der unangefochtenen Führungsperson stehen können. Heute steht Kretschmann für konservative Werte wie Pflichtbewusstsein, Religiosität und Fleiß, ganz der Schwabe, der auch keinen Zweifel daran lässt, wer ihn gewählt hat: Eben fleißige christliche Deutsche. Der moderne weltoffene Konservative lädt jeden ein, sich ihm und den Seinen anzuschließen. Ein Stück gelebte Leitkultur. Das deutsche Volk kann ihm nur herzlich gratulieren.

Aufbruch

Einen ähnlich grandiosen Erfolg feiert die AfD in Sachsen-Anhalt. Man kann das nicht länger ignorieren, und es sind ja auch nicht nur "besorgte Bürger", die den nationalstolzen Wirtschaftsexperten ihre Stimmen gegeben haben. Auch sie sind fleißige deutsche Bürger, die für fleißige deutsche Bürger stehen. Das ist die Mitte der Gesellschaft, jene Mitte, die Gerhard Schröder geöffnet hat für alle von links bis rechts, die Verantwortung übernehmen. Was Kretschmann in Baden-Württemberg, vertreten diese Anhänger einer frischen Kraft in ganz Deutschland. Die christliche Familie, das gesunde Deutsche Unternehmertum, harte Arbeit und Eigenverantwortung. Auch hier kann jeder mitmachen, der ein guter Deutscher sein will und das Zeug dazu hat. Politikverdrossen? Im Gegenteil! Hier formiert sich eine engagierte neue Bewegung mit Potential.

Es ist überdies sehr zu begrüßen, dass die Nachfolgepartei der SED in allen Wahlen verloren hat und ihre Anhänger zunehmend den Wahlen fernbleiben. Die alte Diktatur von Mauer und Stacheldraht ist endgültig überwunden, heute gehen ganz neue Signale aus vom ehemaligen Stammland der Stalinisten. Es ist ein Tag der Freude, des Aufbruchs, des Mutes und der Wiederkehr der besten Werte. Ein Volk steht auf. Die fleißigste, disziplinierteste Demokratie Europas will es der Welt einmal mehr zeigen: Wir schaffen alles. Wir werden auch das größte Problem und die schwierigste Frage lösen. Von den Wahlen geht dabei ein gemeinsames Signal aus: Wer seine Heimat liebt, hat in Deutschland noch immer eine große Zukunft. Dagegen ist alles andere nichts.

 
sg

Bundesarchiv, B 145 Bild-F054975-0007 / Gräfingholt, Detlef / CC-BY-SA 3.0

Wir sind im Krieg. Was das für die öffentliche Atmosphäre gilt, kennen wir aus Anschauung in den USA: Die Majestät wird nicht mehr kritisiert, der Präsident ist unantastbar, es wird nicht mehr berichtet, sondern verkündet. Die Regierung Bush Junior hat daraus ungeniert das Prinzip des "Embedded Journalism" gemacht, des "eingebetteten Journalismus", der ganz offen an der Seite der politischen Herrschaft die Trommel rührt. "Propaganda" war nicht immer ein Schimpfwort, heute braucht es ein wenig Wortdesign, um dasselbe zu sagen.

In Deutschland ist das alles etwas schwieriger, denn während die Einen "Lügenpresse" spucken, weil ihnen der Inhalt der Propaganda nicht gefällt, müssen die Anderen sich weiterhin "kritisch" nennen, auch wenn sie so kritisch sind wie ein Kaugummi unterm Schuh. Mal schauen, was wir da haben, am Beispiel der "Zeit", der treuen Atlantikerpostille. Kritik oder Propaganda?

Den Herrschaften dort fehlt nicht nur die Contenance, sich ihrerseits der Kritik zu stellen, sie sind nicht bloß komplett humorlos, sondern auch noch aggressiv gegen Gegner, die ihnen die Wahrheit nachsagen. Die (abgewiesene) Klage Josef Joffes gegen "Die Anstalt" steht dafür nicht nur symbolisch. Warum leugnen die Atlantiker, welche zu sein, wenn es doch so transparent ist? Nicht bloß, dass sie als eingebettete Hofberichterstatter dastehen, der Herausgeber hat per Klage auch noch nachgewiesen, dass Kabarettisten die besseren Journalisten sind.

Der allmächtige Feind

Das Blatt scheut nicht vor den übelsten Techniken der Trolle zurück, sie machen sich unbelegbare Spekulationen zu eigen, die anderswo als Verschwörungstheorie abgetan werden, drehen sie einmal durch den Wolf und werfen sie dann in einer wüsten Projektion dem Feind vor. Ich habe letztes Jahr unter dem Vorbehalt, es sei eine Verschwörungstheorie (wenn auch eine plausible), folgendes geschrieben:

"Eine These, die in der entschärften Form noch mehr Sinn ergibt: Die USA führen einen 'Krieg', der sie wieder einmal nicht erreichen kann, auf Kosten zweier Kontinente, und finden kollateral den Grund, alle Welt permanent zu überwachen."

Der Krieg im Nahen Osten destabilisiert ja sowohl (Nord)Afrika) als auch Europa. Treibt man dann noch einen Keil zwischen Russland und Resteuropa, ist wirtschaftliche Konkurrenz durch die 'Freunde' fürs Erste erledigt. Und hier ist die Theorie der "Zeit" dazu:

"Instrumentalisiert Russland Flüchtlinge? - Tausende Flüchtlinge kommen über die russische Grenze nach Norwegen und Finnland. Selbst in der EU-Kommission gibt es den Verdacht, Russland benutze sie als Druckmittel."

Unsere Freunde

Die NATO bombardiert seit mehr als zehn Jahren Afghanistan, den Irak, Libyen, Pakistan, Syrien, liefert kilotonnenweise Waffen in die Krisenregionen und unterstützt Brandstifter wie Saudi-Arabien. Hier schlagen daher Millionen Flüchtender auf, aber Putin will Europa destabilisieren, indem er welche nach Skandinavien reisen lässt? Auf so etwas kann man nur kommen, wenn man alle Fakten so sortiert, dass sie zu einem vorbestimmten Ergebnis führen. Das muss man schon lange trainieren, um es so konsequent abliefern zu können. Dafür dürfte vor allem der Gottvater der deutschen Atlantiker gesorgt haben, der ehemalige "Zeit"-Herausgeber Helmut Schmidt.

Dessen innige Freundschaft zu Henry Kissinger lässt da schon tief blicken, vielsagend auch wiederum dessen Ruf in Deutschland. Der Mann, der fast überall auf der Welt mit "Herr Kriegsverbrecher" angesprochen werden dürfte, wird hier hofiert wie ein Friedensnobelpreisträger. Ach richtig, das ist er ja sogar, der Schlächter "vom Hackfleischhügel". Ich kann das hier nicht ausreichend vertiefen, aber über Schmidt und Kissinger sollte man sich eingehend informieren, wenn man eine Ahnung von Geopolitik und Deutschlands Rolle darin gewinnen will.

Was die weiteren Interessen am Krieg, die Rolle von Energiequellen und den Kampf um Profite anbetrifft, darüber erfahren wir aus den 'Qualitätsmedien' nahezu nichts. Wenn ein kleines Journalistenteam eine Doku im Nachtprogramm plazieren darf oder ein Gastartikel veröffentlicht wird, der solche Zusammenhänge benennt, werden im Gegenzug dutzende 'Berichte' und Kommentare abgesetzt, die deren Inhalt ignorieren oder ins Gegenteil verkehren. Derzeit kursiert derweil eine Einschätzung der Situation von Robert F. Kennedy, die den Atlantikern Schmerzen bereiten dürfte. Der ist dann wohl keiner von uns. Tun wir so, als hätten wir's nicht gelesen!

Die Wahrheit

Dem "Pluralismus" ist Genüge getan, wenn ab und an einer widersprechen darf, den man dann hintenrum für verrückt erklären kann. Wie solch kritischer Pluralismus in der "Zeit" aussieht, spuckt die Suchfunktion unter dem Schlagwort "Putin" aus. Das da unten ist in fünf Minuten Copy und Paste zusammengekommen, nur aus Überschriften und Teasern, jede Zeile aus einem anderen Artikel. Bild' dir unsere Meinung!

"Putins neue Weltordnung - Zwei Supermächte, apokalyptische Atomdrohung, kontrollierte Eskalation, dann Einigung der Großen und Ruhe allerorten – so soll es sein. Findet die russische Regierung.

Putin ist zynisch

Putin, der Assad-Unterstützer

Syrien-Waffenstillstand: Putin entscheidet - Das Ende der Kämpfe ist jetzt das Wichtigste in Syrien. Der nächste Schritt ist es, ein Nachkriegssyrien zu gestalten. Die Russen müssen einsehen: Es geht nur ohne Assad.

Russland: Putins Krieg - Der russische Herrscher betreibt klassische Machtpolitik mit modernen Mitteln.

Bürgerkrieg: Obama wirft Russland Mitschuld an Zerstörung in Syrien vor

Wladimir Putin: Ist er so perfide ... oder sind wir so dumm?

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde deutlich, wie zynisch Russland den Syrien-Krieg instrumentalisiert.

Putins Spiel mit dem Krieg

Ob in der Schublade des russischen Präsidenten ein Plan zur Spaltung Europas liegt?"

Wer mehr davon mag, weiß ja, wie man es findet.

 
ee

Was für Zeiten! Es fällt mir schwer einzuschätzen, ob die Aussicht da draußen wirklich so trübe ist oder ich sie mir mache, weil sie drinnen auch so aussieht. Wie gesagt war die Zukunft mal schöner als heute, aber ist das ein Grund? Ich las just, die Gedanken seien frei, auch wenn sonst nichts mehr frei ist und frage mich schon länger, warum bloß keiner was draus macht. Jadoch, das Sein bestimmt das Bewusstsein, aber können wir gar nicht anders?

Wenn man sich die geisteswissenschaftliche Fashion und Beauty so anschaut, sollte man das meinen. Sloterdijks neoliberal verseuchtes philosophisches Endzeitblabla etwa nährt diesen Verdacht. Wie gut andererseits, dass seine semantische Zombieapokalypse darauf angelegt ist, dass niemand ihn versteht. Das ist genau wie in den anderen zeitgenössichen Horrorserien. Deren Zweck besteht auch nicht darin, etwas Gehaltvolles zu sagen oder einer bekannten Variante der Logik zu entsprechen, sondern auf unterhaltsame Weise schlechte Laune zu verbreiten.

Die Unmoderne

Ein paar Jahrzehnte lang hatte sich der soziologische Stardesigner N. Luhmann auf den Catwalks der spätkapitalistischen Show gehalten; ganz zufällig war seine Theorie binärer Systeme aufgebaut wie ein Unternehmen. Ein System besteht demnach im Kern aus einem binären Code und einem Programm. Sagen wir zum Beispiel: "Gewinn/Verlust und Unternehmensstrategie". Warte! Mensch, was ein Zufall! Derart reduzieren Systeme also Komplexität, schlicht gesagt: Sie schaffen ein einfaches Weltbild, das auf diese Struktur passt. Übrigens auch "psychische Systeme" - was vom Menschen übrig blieb: ein sich dem System anpassender Rest, der nur mehr als Funktionierendes in Erscheinung tritt. Der Mensch als Subroutine des Marktes®. Noch so ein Zufall!

Ich sitze manchmal einfach da, weil ich einfach nur da sitzen will und denke vor mich hin. Mir fallen ständig tausend Fragen ein, denen sich eine Wissenschaft widmen könnte, wäre sie nicht mit wichtigeren Dingen beschäftigt wie der Optimierung von Mordmaschinen oder einfach 'Geld Reinholen', was auf dasselbe hinausläuft. So fragte ich mich neulich, ob nur das Leben so komplex ist wie es ist. Eine Sonne zum Beispiel stellen wir uns vor als blöden Backofen, der zwei Protonen aneinander pappt, um stur Edelgas zu produzieren, bis er sich selbst um die Ohren fliegt. Aber ist das wirklich alles? Liegt es an dem doofen Ofen, dass der so simpel gestrickt ist oder an unserer Art zu denken?

Was ist die vierte Dimension? Ich habe mit immerhin mäßigem Erfolg versucht, mir einen vierdimensionalen Würfel vorzustellen und bin auf ein Modell gestoßen, das dem sehr nahe kommt. Wenn wir uns nun vorstellen, dass eine vierte Dimension real ist, was bedeutet das für unsere drei? Wie muss ein Sinnesorgan beschaffen sein, das Orientierung im vierdimensionalen Raum ermöglicht? Das sind doch Fragen, denen man nachgehen kann. Vielleicht lassen sich die Ergebnisse dieser Forschung sogar so anwenden, dass man damit was irre Großes total kaputt machen kann.

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