kunstlyriklamauk


 
pestIch habe einmal einen Artikel über Jan Duweißtschonwer geschrieben. Ein Mal. Da steht eigentlich alles drin. Wie er funktioniert, dass er ein Troll ist und dass er auch schamlos die brutalsten Nazis heranzieht, um das zu untermauern, was er als Moral ausgibt. Auch die ist eher so etwas wie eine Tagesmoral, denn wie alle anderen Moralen ist sie wandelbar wie das Wetter, und ihr Urheber schert sich nicht um sein Gehetz von gestern.

Ich habe auch dem Wagner einmal geantwortet. Ein Mal. Der ist so etwas wie die Sparausgabe, der Typ Stammtischkasper, der nicht mit Messer und Gabel essen kann, aber am Ende in dasselbe Horn stößt. Es fällt dabei übrigens auf, dass der Pöbelpapst im dreckigen Bademantel noch eher Hemmungen zeigt als der im Zwirn. Was soll er auch machen? Göbbels zitieren? Das fiele dann ja doch auf. Wie dem auch sei, sie sind halt Trolle, die ihrer Rolle treu bleiben müssen. So ist das im Showbiz.

Immer wieder lese ich dennoch Repliken auf die gammeligsten Auswürfe ihrer klaffenden Rachen, regelrechte Shitstorms, als sei es hilfreich, dem Pesthauch auch noch die Fäkalfahne zu reichen. Verzichtbar.

Die Quinte des Trolls

Ich habe darüber nachgedacht, was die Quintessenz des gut dotierten Medientrollens ist und landete nach der üblichen Zeit, die meine CPU zum Kalkulieren solcher Gedanken braucht, wieder beim ersten Gedanken, mit dem ich bei „Hartz IV“ losgelaufen war. Hatz IV, das kann man auch austauschen gegen Griechen, Moslems, 'Wirtschaftsflüchtlinge', Kinderficker oder Handtaschendiebe.

Die rassistische Grundkonstellation, die Menschen ausweglos Minderwertigkeit bescheinigt, sich selbst darüber erhebt und in der Folge härteste Urteile fällt (gern begleitet durch eine blasse Vision, sie auch ohne weiteren Prozess vollstrecken zu können) ist der Fluchtpunkt solcher Hetze. Da es aber verpönt ist, Menschen ihrer bloßen Existenz wegen dem Hass auszusetzen, muss der rechte Troll ihnen Verfehlungen andichten; eine Schuld, die sie zu sühnen hätten.

So wird der Hilfebedürftige flugs zum „Schmarotzer“ und der Profiteur derselben Veranstaltung zum „Leistungsträger“ qua Kontostand. Hat jemals wer eine Kampagne gegen Milliardärserben gelesen, die täglich Millionen verprassen und sich benehmen wie Ernst August auf Koks? Nein. Die Moral der Geschichte ist schnell erzählt: Jeder kriegt, was er verdient, und wer nichts verdient, hat es verdient zu leiden. Je schlimmer, desto besser. Das ist Gerechtigkeit unterm Kapital, schon immer gewesen.

Gönnen können

Sieht man das anders und hat etwas über die Elite zu melden, ist das „Sozialneid“. Denn es geht nicht um die Personen, auch da ist der Propagandist ganz nah an der Wahrheit, sondern darum, nicht das Ganze anzuzweifeln, das die Rollen zuweist.
Es ist daher auch schwierig, denen zu zürnen, die es aufs Oberdeck gespült hat und die in ihrer eigenen Unzulänglichkeit auf die unter ihnen spucken in dem Ansinnen, doch wieder die Einzelnen für ihre Situation verantwortlich zu machen. Die Reaktion ist menschlich.

Ich neide es ihnen nicht und gönne ihnen gar nicht das Schlechteste. Ich wünsche ihnen und mir vielmehr das größte Vergnügen. Bewegung an frischer Luft zum Beispiel. Wie wäre es mit einem Ausritt durchs Stadttor? Ich würde nicht sparen und ihnen reichlich geben. Teer vom Fass um Beispiel, da wäre ich extrem großzügig. Und auch an Federn soll es ihnen nicht mangeln, gern auch bunt und groß. Beim Feiern ist man nicht geizig, das haben wir uns schließlich verdient!

 
tbDas dem unabhängigen Verleger dienende "Blatt" interviewte heute den Terrorexperten Teewissen. Wir drucken das zuvor genehmigte Gespräch im folgenden ab:

Blatt: Wir sprechen heute mit dem Terrorexperten Teewissen über Terror. Herr Teewissen, was sagen Sie?

Teewissen: Naagh.

Blatt: Wie bitte?

Teewissen: Naagh.

Blatt: Hm. Versuchen wir es anders: Wie gefährlich sind die muslimischen Terroristen?

Teewissen: Drei gefährlich. Vier noch mehr, ab hundert oh-ooh! Naagh.

Blatt: Ähm, aha. Müssen wir künftig auch mit mehr Anschlägen in Deutschland rechnen?

Teewissen: Doppelt. Dreifach. Hundertfach.

Blatt: Ist die Lage wirklich so bedrohlich? Woran machen Sie das fest?

Teewissen: Das wissen wir von Heinrich Welsch, Kaygasse. Kannte sich wie kein anderer aus mit Terroristengesocks. Und natürlich mit der Mathematik des Horrors.

Blatt: Mathematik des Horrors?

Teewissen: Mathematik des Horrors. Da bleibt nichts übrig am Ende, egal wie weit sie vervielfältigen.

Blatt: Das heißt, wir haben keine Chance?

Teewissen: Nein, das Ergebnis bleibt immer dasselbe.

Blatt: Wir müssen uns also wirklich fürchten?

Teewissen: Ja Selbstverständlich, das ist erste Bürgerpflicht.

Blatt: Was kann der Einzelne jetzt tun?

Teewissen: Bonker. Gehen Sie in den Bonker! Rufen Sie unterwegs die Polizei und melden Sie alles, was Sie sehen. Vor allem Verdächtige. Vor allem Ausländer. Vor allem mit Bart. Und Turban. Und so komischen Klamotten. Und Kalaschinkows, ganz wichtig. Melden Sie jeden mit Kalaschnikow! Und natürlich die mit Bombengürtel.

Blatt: Wie unterscheidet man denn den friedlichen Islam von den anderen?

Teewissen: Friedliche Terroristen lassen ihre Ausweise nicht liegen. Wenn sie irgendwo einen Ausweis sehen, wo er nicht hingehört, gehen Sie geordnet nach Hause. Gehen Sie in den Keller! Sehen Sie zu, dass immer Vorräte da sind und ihre Fenster weiß getüncht. Lagern Sie nicht nur Nahrungsmittel, auch Kleidung, Elektronik, Handtaschen etcetera. Der Terrorist will nur, dass wir die deutsche Wirtschaft jetzt im Stich lassen.

Blatt: Von wem geht derzeit die größte Gefahr aus?

Teewissen: Putin.

Blatt: Nein!

Teewissen: Doch!

Blatt: Oh! Was können wir tun, um ihm nicht in die Hände zu fallen?

Teewissen: Ich sehe da keine großen Möglichkeiten. Jodtabletten sollten auch im Keller sein. Wer hat, Gasmasken, Geigerzähler, Wassertank. Putin kann in zwei Tagen mit Panzern vor unserer Tür stehen, russische Soldaten nicht viel später.

Blatt: Sind Sie beunruhigt?

Teewissen: Ja sicher. Alles extrem aufregend. Und alle machen mit. Wir sind ja auch alle bedroht. Haha. Hahaha. Naagh. Unser Leben ... ist ... in Gefahr. Gniihiihii.

Blatt: Aber Sie machen gar keinen besorgten Eindruck.

Teewissen: Das ist muuhahaa ... Verzweiflung. Übersprungshandlung. Naagh. Und schließen Sie besser noch heute eine ... huahuahua ... Lebensversicherung ab! Am besten bei der ... ichkannichtmehr ... Extremus ... gniihi

Blatt: Herr Teewissen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Teewissen: Naagh.

 
shopafMister Anderson, aka "Kiezneurotiker", hätte das Zeug zum Erlöser gehabt, war, wie ich just erfuhr, schon vor Jahren ein Underdog und besiegte die vielköpfige Kassenschlange mit einer Dose Bier und einer Büroklammer. Heute jammert er nur noch, Diagnose: too old to fuck. R.I.P., Neo! Dieses Schicksal war freilich zu erwarten von einem, der sich vom "Opa des Grauens" mehr als einmal überholen ließ, anstatt das Quäntchen Ehrgeiz zu zeigen und solcher Konkurrenz den sprichwörtlichen Vortritt zum letzten großen Ziel zu verabreichen.

Meine Antwort auf dieses Elend braucht ein wenig Anlauf und mündet in einen hoffentlich noch mäßig warmen Aufguss. Die Anlaufstelle sei die Frage, was eigentlich aus den furchtbaren "Killerspielern" geworden ist? Pädophile und Terroristen spuken fröhlich um die Achterbahn der intellektuellen Schiffsschaukelbremser und haben nichts von ihrem Schrecken eingebüßt, während der Amokläufer z.A., die egoschießende Kreatur aus dem dunklen Keller, offenbar ausgedient hat. Mag das wohl zu tun haben mit einer geistigen Aufrüstung, die solche Phänomene inzwischen begrüßt? Das ist ungewiss; alles, was man weiß: Putin ist schuld.

"Killerspiele" waren der Aufhänger des folgenden Artikels, in dessen Verlauf ich deutlich zu machen versuchte, dass Nordic Staksing, Jogging und rückenmarkstärkender Kraftspocht einen nicht weiter bringen im Leben. Sicher, Übung muss sein. Aber eben solche:

Killer, Spieler, Killerspieler

Zu den aktuellen Schäublereien rund ums Killerspiel gibt es Argumente bei Kiesows und MMsSenf. Während kiesow den Betrunkenen Schützen an der Kirmesbude den Egoshooter um die Ohren haut, weist MM darauf hin dass “River Raid”, ein rührendes Klötzkesspiel, bis 2002 indiziert war. Echtes, womöglich tödliches Ballern einschließlich Zugang zu scharfen Waffen soll weiterhin erlaubt sein, während die lächerlichsten pseudomedientheoretischen Argumente aufgefahren werden, um den Aktionismus der Verbieter und Bestrafer zu untermauern.

Eines kommt allerdings dabei zu kurz, obwohl das Argument von beiden Bloggern gestreift wird: Der Trainingseffekt. Zwar weisen sie zurecht darauf hin, dass die Gewöhnung ans echte Schießen mehr Bedeutung haben dürfte als die Übungen auf virtuellem Terrain. Aber beide verkennen die Situation. Die Gegenseite argumentiert nämlich aus guter Erfahrung. Wem ist noch es noch nicht aufgefallen: Gerade in Deutschland wird der Bürger durch tägliche Konditionierung auf die gnadenlose Vollstreckung geeicht.

Das große Terrorcamp

Kritiklos und unbewusst lernt er, sich blitzschnell zu bewegen und ohne Rücksicht auf Schäden an Mensch und Material sein Ziel zu verfolgen. Selbst die geschicktesten stoßen dabei stets an ihre Grenzen und versuchen es doch wieder und wieder. Dieses vor allem von der Wirtschaft geförderte Verhalten, das selbst Gemütsmenschen zu hektischen Kämpfern für den Konsum ausbildet, ist äußerst erfolgreich und durchaus erwünscht.

Nur diesem einen Zweck dient das Unverschämtheit überbietende Gebaren deutscher Verkäufer und Verkäuferinnen, die Waren derart über das Band schießen zu lassen, dass es schlicht unmöglich ist, sie heil in den Einkaufswagen zu verbringen. Der Einfall, sie beim Einräumen gleich sortieren zu wollen, kann nur hoffnungslosen Irren in den Sinn kommen. Wäre auch nur einer der Millionen Probanden dieses permanenten Freilichtexperiments in der Lage, sich in dieser Situation bewußt und souverän zu verhalten, man würde davon bald in Funk und Fernsehen erfahren. Vermutlich würde er unverzüglich in einen Schützenverein eintreten, sich eine Knarre besorgen und die Schnalle kaltmachen, die ihm ständig die Saftflaschen zwischen Eier und Joghurt wirft.

Tut aber keiner. Und weil das so tadellos funktioniert, haben sie Angst vor den Killerspielern. Eines Tages könnte einer unter ihnen sein, der schnell genug ist. Der die eine Sekunde Zeit hat, nachzudenken. Der es tut.

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Im Donezkbecken ist was los, und wie immer geht es um Kohle. Leider können wir nicht berichten, weil Putin. Dafür haben wir hier allerdings einen Verschwörungstheoretiker aus den Tiefen der Kommentarspalte. Mit wem er sich wozu verschworen hat, konnte bis Redaktionsschluss nicht ermittelt werden. Leider waren auch die Spalten bereits geschlossen, so dass eine bereitstehende Seilschaft nur noch verhindern konnte, dass weitere Theorien oder Verschwörer zum Vorschein argumentierten.

Derweil warnt die Regierung aus gut unterrichteten Kreisen nach Medienberichten und verabschiedet ein Paket. Auch ein Gabriel warnt, ein Lotharmatthäus und zwei schwarze Nullen. "Das wird man wohl noch sagen dürfen", wird ein Sprecher zitiert. Der Zentralrat jüdischer Muslime teilt die Empörung am rechten Rand, womit ein weiterer Linksrutsch bevorsteht. Die Regierung warnt, die Industrie warnt, der Bundespräsident mahnt: linksrutschende Spalten sind verantwortlich, dafür muss man Verständnis haben, solange nicht die Sorgen und Nöte der Wirtschaftsflüchtlinge ihre Verfolgung genießen. Wer ins volle Boot steige, könne nicht die halbe Miete zahlen, da sei sich das Volk einig.

Wir sind ein Wir

Der Hund mit der Stihl schloss sich dem Henkel an und warf sich weg. Niemand müsse vor einer Wirtschaft fliehen, schon gar nicht global. Der Fall eines weiteren Flugzeugs machte die Runde. Stoppt Putin jetzt! Jetzt aber! Dann eben jetzt! Die Märkte reagierten zögerlich mit Kurswechseln, was ein EU-Außenbeauftragter mit der Lage der Menschenrechte im nahen Osten des kaukasisch chinesischen Hindukusch erklärte. Man sei da, wenn der russische Imperialismus an die Tür der NATO klopfe. Man sei ihm lange und weit genug entgegen gekommen. Der Imperator werde Europa nicht spalten, kein Kommentar. Keine Spalte, keine Verschwörung. Kein anderes Bier!

Die Wahl des Griechen gilt als extrem links und darf austreten, sagte die Kanzlerin am Abend in Baden mit der schwäbischen Hausfrau. Die Börsen notierten schwach, aber lustlos. Griechenland sei ein Reiseland, da dürfe man Unmündige nicht aufhalten. Die Zinsknechtschaft sei eine Eigenverantwortung. Es gebe rechtlich verbindliche Verabredungen mit verfassungsflexibler Laufzeit. Da könne nicht jeder wie er wolle. Da könnte ja jeder. So geht das nicht. Eine Griechisierung des Abendlandes stehe nicht unmittelbar bevor, die abstrakte Bedrohungslage hingegen bedarf der Speicherung eines Vorrats. Gegen Porno, Islam und Schlimmeres. Da ist aber endgültig Schluss.

Lesen Sie die Beiträge!

 
2015

Liebe Volksgenossen!

Der Russe steht vor der Tür. Wir sind ein Volk, und wir sind immer bereit!
Wir sind Weltmeister.
Arbeitsplätze®, Arbeitsplätze®, Wettbewerb®, in Frieden und Freiheit®.

Amen.

Das Gewäsch von Rauten-Chucky könnt ihr euch damit sparen.

Zum endlich finalen Jahresabschluss will ich aber gar nicht die Nachgeburten des Politbüros überbewerten, deren Sermon sich ohnehin niemand freiwillig anhört. Ich suche vielmehr nach ein paar bunteren Worten als denen, die ich bislang zum getrommelt und gepfiffen absolvierten Jahr gefunden habe.

Manchmal denke ich so vor mich hin, ich wäre gern Teil einer Community. Dann fällt mir ein, dass ich es fast bin. Als Vorturner fühle ich mich oft ein bisschen außen vor, aber ich sehe, dass im zehnten Jahr Feynsinn doch eine feine kleine Gemeinschaft mit gewisser Fluktuation gewachsen ist, die nicht zuletzt etwas Tröstliches hat in diesen Zeiten. Einige peppen das Forum durch ihre Kommentare auf, andere zeigen sich spendabel, wieder andere lesen still mit. Ich danke euch allen. Es rettet mich vielleicht vor dem finalen Wirrwahn.

Im letzten Jahr schrub ich so wenig wie in keinem zuvor, die Umstände sind ausreichend besungen. Dennoch hat hier kein Exodus stattgefunden, was mich sehr entspannt. Natürlich sind es nicht mehr ganz so viele Leser/innen und weniger Kommentare, aber ich sehe keinen Qualitätsverlust auf dieser Seite. Die beste Nachricht allemal, jedenfalls für mich: auch in schwierigen Zeiten ist Feynsinn nicht verschwunden und ich sehe noch immer eine Perspektive weiterzumachen.

Derweil finden einige Umbrüche statt, nicht zuletzt in meinem Blick auf die Welt. Sie ist sehr viel kleiner geworden, was über Kurz oder Lang auch die Artikel beeinflussen wird, ich schätze, zu ihrem Guten. Das ist mir bislang noch nicht gelungen, aber das wird kommen. In Sachen Zorn bin ich ziemlich gut, aber es gibt da noch andere Ressourcen, die einen vorwärts bringen. Ich werde mich da vielleicht überraschen.

So, genug gelabert. Schö Zwanzichvierzehn, komm nicht wieder!
Ihr anderen kommt gut rüber, und auf ein Neues, das ich nur einmal verabschieden muss.

 
maz

Zurück ins Meer. Der Hering. Er will zurück. Ins Meer. Vielleicht will er das ganze Salz loswerden, das ihn so 'lecker' macht. Auf der Gabel sah das Viech gar nicht so aus, als könnte es noch schwimmen, aber kaum habe ich den Fisch zwischen die Bratkartoffeln gesteckt und Richtung Süden geschaufelt, fängt er an zu paddeln. Passt schon.

Das da oben ist ein Tannenbaum. Sagt man ja so. Es gibt Buche, Fichte, Eiche und Tannenbaum. Ist mir zugelaufen und hat sich die Kugel gefangen. Konnte ich nicht verhindern. Ich habe noch nie etwas gekauft, das am Ende "Baum" heißt, gerade mal einen Meter hoch ist und nicht mal Wurzeln hat. Nein, auch nicht mit und größer. Die kleine da stand am Straßenrand und fuhr einfach mit, heißt es.

Ein Gast zuviel

War trotz allem ganz nett am Ende dieses Scheißjahrs. Hoffnung macht keinen Spaß, sie ist die feige aufgedonnerte Schwester der Angst. Seit April wohnt sie bei uns.
Im November hat es dann auch noch den Underdog erwischt. Er ist mit auf dem Bild, in der kleinen Kiste. Jetzt fällt noch Hamburg aus, da wäre ich heute gern. Na ja, guck ich halt im Stream. Oder auch nicht.

Es gibt Tage, da kannst du vor Kraft nicht laufen, und es gibt die anderen. Für die hat sich die blaue Murmel die coole Nummer mit ihrem eigenen Schatten ausgedacht. Macht die Tage schön kurz. Da kannst du hängen, abhängen und rumhängen. Fressen. Saufen. Wieder fressen. Rumhängen. Musst du nicht mal arbeitslos für sein. Bin ich jetzt trotzdem auch noch, man gönnt sich ja sonst nichts.

Ich könnte endlich mal meine alte Strat verdrahten, die immer noch nicht nach Gitarre klingt. Ich habe beschlossen, neue Potis einzubauen, einmal Tabula rasa und alles neu verlöten. Ist also nicht so, als hätte ich nichts zu tun. Habe ich auch so genug. Aber alles, was sich in mir bewegt, ist dieser Fisch. Zu viel Fisch gefressen. Werde gleich mal was drauf schütten. Bald ist dieses Drecksjahr vorbei. Kann nur besser werden. Und wenn nicht, bin ich diesmal wenigstens drauf vorbereitet.

 
ratrace

Nur kein Neid! Ich schmeiße ungern Dinge weg, die noch nicht endgültig unbrauchbar sind, und obwohl es mich zum Erbrechen nervt, Mäuse zu reparieren, weil es meist eh schiefgeht und beim Versuch immer irgend ein winziger Plastikzapfen zu Sollbruch geht oder dergleichen, meide ich diese Arbeit. Nun gibt es aber diese Teile nicht mehr, weil es der Firma Billyboy so gefällt. Es hat eben nicht gereicht, dass die Schalter nach einer Weile ständig doppelklicken oder hängenbleiben. In diesem Preissegment durfte es so etwas nicht geben. Also wurde gemodelt, umbenannt und eingestellt. Die Kohle, die man für gebrauchte dieses Modells inzwischen verlangt, ist eine Absurdität.

Aber so ist das halt. Warum ist eigentlich noch keiner auf die Idee gekommen, das für echte Haustiere auch so einzustielen? Hamster sind zu billig und Hunde leben zu lange. Da muss was gehen! Ein Bisnisplan muss mehr, kein Problem: Zielgruppe: das, was nach Hipster kommt, also unkritisches genormtes Volk, das sich über Äußerlichkeiten definiert und absolut Konsum- sowie normfähig bliebt. Mittelschichtsberufsjugendliche, die jeden Dreck kaufen, wenn sie sich dann für etwas halten dürfen. Die keine Gadgets mehr finden, die ihnen noch Identität spenden.

Das neue Bio

Denen dreht man die neuen Produkte an: Ein Freund ohne Ansprüche. Dose Futter, einmal am Tag ein paar paar Meter kacken, dafür schönes Fell, weiße Zähne und kurzes Haltbarkeitsdatum. Sagen wir drei Jahre, höchstens, dann muss ein neuer her. Rock'n Roll Hund zwonull, the best die young, yolo lol kewl. Spart ganz nebenbei die Last, das Viech mitnehmen zu müssen, wenn man eh alle paar Jahre umzieht. Der Trend geht zum Jahreshund, kaum gebraucht und hält sicher noch übern nächsten Frühling.

Wo wir dabei sind: Ist Jürgen Marcus eigentlich auch tot? Fallen ja um wie die Fliegen, diese Barden. Ich hätte besser nicht über Troubadix schreiben sollen, ja sicher! Warum Jürgen Marcus? Weil der doch immer sung: "Eine neue Leber wäre mir jetzt lieber". Gebrauchtteilehandel, da geht doch sicher auch noch was. Nein, ich meine jetzt keinen ordinairen Organhandel, der ist ja verboten. Leihorgane! Du kriegst das Ding nach ein zwei Jahren wieder, man macht einfach einen Ringtausch gegen Credits oder so. Da haben doch alle was von!

Okay, ich geb's zu: Mir geht diese düstere Schaumschlägerzeit einfach auf die Eier und ich suche Mitleid. Das findet man am sichersten, indem man andere mit leiden lässt. Yeah baby, let it trickle down!

 
mon

Dieses Jahr war anders. Anders scheiße. Dermaßen, dass ich diesmal auch ein bisschen zurückblicke, durchaus auch im Zorn. Nicht zornig, vielmehr zustimmend, zwischen Nicken und Schmunzeln, lese ich einen Beitrag, den ich so ähnlich geschrieben hätte, wenngeich der Matussek mir in dem Zusammenhang nicht eingefallen wäre. Ja, der Matussek ... ein Bot, das habe ich allerdings auch schon gewusst. Erinnert euch, ich habe Lanz entlarvt. Der Mattussek also auch.

Verschwörungsspinner

"Verschwörungstheorien", vor allem in Form des dumpfen Vorwurfs, haben das Jahr allerdings geprägt. Hier hat das sogar zu einer eigenen Kategorie geführt. Wir werden dran bleiben. Ansonsten war dieses Jahr des Kalten Krieges das 25. Nach dem "Mauerfall". Grund genug sich zu erinnern, dass alles Böse aus dem Osten kommt und im Kommunismus® endet, also in Moskau. Beides Böse®. Man könnte das ggf. umlabeln, allerdings vermutlich nicht lange. Ein dem Westen wohl gesonnener Milliardär als Staatschef und zur Korruptionsbekämpfung ein paar Investmentbänker des Guten® in der Regierung, dann kann sogar aus Moskau noch etwas werden. Hat in der Westrestukraine ja auch geklappt.

An dieser Stelle muss freilich ein Haftungsausschluss stattfinden. Der Herr Poroschenko, ein von Selbstlosigkeit und Menschenfreundschaft gezeichneter Schokoladenfabrikant, ist der beste Freund, den sich irgendwer vorstellen kann. Wir kennen aber die Verführungskünste der Hure Russland, denen zu erliegen ihm im Fadenkreuz des Finstren jederzeit droht. Wer weiß; vielleicht erweist auch er sich eines Tages als Hurenbock des Bösen, und wir müssen unsere Freiheit am Dnepr auch gegen ihn verteidigen.

Der Prekar ist geduldig

Was war noch? 10 Jahre Hartz IV, aka "Probleme lösen, Menschen stärken, Existenzen sichern, Chancen bieten, Zukunft planen, Ziele setzen, Geduld haben, Wege finden, Mut machen, Hoffnung geben." Ja, der Große Bruder liebt Weihnachtskarten. Wie war das noch mit dem großen Plan? Die Profite tendieren gegen Null? Nur Mut¹, all die Menschen², deren Existenzen³ in Industrie und Handel gefährdet sind, haben wieder Hoffnung⁴. Chancengerechtigkeit® ist das Zauberwort, deine Chance⁵ auf Profit ist da, da muss der Prekar halt mal Geduld⁶ haben und Lotto spielen, wenn er je wieder über die Runden kommen will. Die Zukunft⁷ ist der Niedriglohn, der Weg⁸ dorthin Sozialabbau, dieses Ziel⁹ längst erreicht.

Und die Profite? Oops. Das reicht ja immer noch nicht. Na dann: Alles muss raus! Kauft griechische Inseln, Elektrizitätswerke, Wasserwerke, Bahnhöfe, und wenn ihr seht, dass es dann vorbei ist mit dem Wachstum®, seid ihr nur phantasielos. Man kann noch viel mehr kaufen und verkaufen. Das Ereignisfach. Spielbrett und Figuren. Die Nieren des Gegners. Seine Mutter, die Erde, Feuer, Luft (Wasser hatten wir doppelt, das müssen wir abziehen). Gott, Engel, Teufel, die verfickte dunkle Materie. Ihr glaubt, Kapitalismus sei endlich? Frevler, Dummköpfe, linke Spinner!

 

qui ipsorum lingua celtae, nostra galli appellantur

In der Sprache der Kelten hießen die Kelten "Kelten". Die Römer nannten sie "Galli", was heute und hier wiederum "Gallier" genannt wird. Sie hießen so in der Sprache der Imperialisten und ihres Feldherrn, jenes Aggressors, der später erster "Caesar" werden sollte und die Ära der Gottkaiser des Römischen Reiches begründete. Warum also heißt es dann "Asterix der Gallier" und nicht "der Kelte"? Schon im Titel zeigt sich die unkritische bis zustimmend reaktionäre Haltung der Autoren und ihrer Leser.

Aber es kommt noch dicker. Rassistisch, frauenfeindlich, ethnozentrisch - die "Asterix"-Comics sind alles, was an politisch widerwärtigen Attributen zu vergeben ist. Man sehe sich nur den einzigen Schwarzen an, der regelmäßig erscheint. Er ist der Einzige, der nicht anständig sprechen kann. Dabei stünde ihm mit seinem Kameraden auf dem Piratenschiff der einzige Mann zur Seite, der Lateinisch spricht - einschließlich der Römer!

Die Frauenfiguren nehmen, wie es sich in einem patriarchalischen Paradies gehört, kleine Nebenrollen ein. Die Frau des Chefs ist eine und heißt "Gutemine". Die Frau des Fischhändlers(!), "Jellosubmarine" zankt sich ständig mit ihr, das ist alles, was wir von ihnen erwarten dürfen. Der Dorfälteste hält sich derweil eine junge Blondine mit Modelmaßen, die gar nicht erst einen Namen trägt. Die anderen Frauen im Dorf schweigen. Die Protagonisten geben sich erst gar nicht mit welchen ab, bekennen sich aber auch nicht zur Homosexualität, sondern gaukeln asexuelle 'Männerfreundschhaft' vor.

Eine Schande für alle Linken

Die männliche Figur, der es nicht nur um Prügeln und Fressen geht wie den "Helden" dieser Saga, der Barde "Troubadix", wird stets am Ende des "Abenteuers" zusammengeschlagen und gefesselt, um zusehen zu müssen, wie alle anderen ein Gelage feiern. Die ganze Reihe ist eine Ode auf Dummheit, Gewalt und die Herrschaft chauvinistischer weißer Männer. Dabei geriert sie sich vordergründig antiimperialistisch, denn schließlich ist es ja das große Rom, gegen das Klein-Gallien sich wehren muss.

Wem es um eine Kultur der Gerechtigkeit geht, wer will, dass Werte wie Geschlechtergerechtigkeit, Völkerverständigung und eine humane Kultur ohne patriarchale Bevormundung vorangebracht werden, muss sich dafür einsetzen, dass derartiger Schund keine weitere Verbreitung findet. Wahre Linke kennen keine Toleranz gegenüber dem Gedankengut der Unterdrückung, schon gar nicht als scheinbar harmloser Comic.

Die anderen werden es wie das Leben und den Rest des Universums mit Fassung tragen und womöglich auf Ressourcen wie Humor und Ironie zurückgreifen, die schon immer der Feind revolutionären Fortschritts waren.

Originalbild: Uderzo

 
bb

Originalbild: Barbara Klemm

Die Machenschaften in Putins Imperium, wie Europas investigativstes Nachrichtenmagazin neulich vor dem Hintergrund systematischen Dopings im Sport so trefflich formulierte, sie werden immer schlimmer. Der kriegslüsterne Fürst des Ostens regiert mit eiskalter eisenharter Hand und beruft sich dabei auch noch auf westlichen Rat!

Unter der Knute des ehemaligen KGB-Agenten ist das Land tief gespalten. Wenige Reiche stehen einem Volk gegenüber, das immer ärmer wird. Schuld sind angeblich jene EU-Staaten, die gut wirtschaften. Ausgerechnet Frau Dr. Merkel habe diese Politik verlangt! Es herrscht allenthalben Korruption. Putins Regime ist mit absoluter Mehrheit an der Macht, obwohl das Volk überall murrt und aufbegehrt. Seltsam! Ganze Regionen wollen sich lossagen vom Zentralstaat. Der aber lässt Volksabstimmungen nicht zu, wo es ihm nicht in den Kram passt.

Das Maß ist voll, Herr Putin!

Obwohl die staatlichen und privaten Medien, die zutiefst verflilzt sind mit einem Kartell aus politischen Funktionären und privaten Profitinteressen, in ihrer Berichterstattung entweder schweigen oder abwiegeln, gehen immer öfter immer mehr Menschen auf die Straße, um gegen Korruption und Armut zu demonstrieren. Sie wollen nicht länger unter Putins wirtschaftlicher Inkompetenz leiden, der von den Armen nimmt und den Reichen gibt.

Aber jetzt ist Schluss mit Demonstrieren. Ein aberwitziges Paket neuer Gesetze wird Demonstranten bestrafen, die wie bisher ihrem Unmut Luft machen wollen. Der Trick des Diktators: Protestler sollen wirtschaftlich ruiniert werden. Bis zu 600 000 Euro werden bei Verstößen gegen das neue Demonstrationsrecht fällig. Dieser Höchstbetrag dürfte nach den Regeln des russischen Unrechtsstaats eher die Regel sein. Wenn es dem Regime gefällt, sind bestimmte Schauplätze verboten und Verstöße werden drastisch betraft. Auch reichen drei Bagatellverstöße gegen das Versammlungsunrecht, um den Rest seines Leben dafür zu büßen.

Das Schlimmste: Künftig dürfen Polizisten vor Ort ohne Richter oder Anwalt gnadenlos abkassieren. Das ist ausdrücklich so gewollt, um die Menschen zum Schweigen zu bringen, denn zuletzt wurde immer wieder bekannt, dass Polizisten Falschaussagen gemacht haben. Wer jetzt immer noch nicht einsieht, dass Putins Russland ein furchtbarer Terrorstaat ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Madrid muss endlich von diesem Despoten befreit werden, die Sanktionen können gar nicht scharf genug sein.

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