Links

Archiv

Best of


 
schirm“Rettungsroutine” wurde also just zum “Wort des Jahres” gewählt und hat gleichermaßen das Zeug, auch “Unwort” zu werden, wenngleich “Unwort” ein Unwort ist und nur aus dieser doppelten Negation seinen Wortstatus bezieht. Selbst das allerdings nur, wenn man den Adorno-Algorithmus unberücksichtigt lässt, der für Kenner Hegelscher Kopfstände darauf hinwies, dass die Negation einer Negation auch bedeuten kann, erstere sei “nicht negativ genug” (Irgendwo im stw “Negative Dialektik” bei S. 161ff, wenn ich mich nicht irre hihihi).

Das Wort war mir bislang kaum bekannt, vermutlich weil es unter all den “Brandmauern”, “Rettungsschirmen”, “Krisen” und “Spaßmaßnahmen” “Sparmaßnahmen” nicht weiter auffiel; allesamt Unwörter im Unwortsinne, Schwachfug, Hirnbrand, Neusprech und Psychose. Ob das “Sparen” durch Ausbluten von Volkswirtschaften, “Rettungen”, die nichts als Profitschleudern sind oder “Krisen”, die von größerer Dauer sind als die Phasen, die sie angeblich trennen – Sprache ist eine Fünfeurohure, wo die Propaganda dem Kapital die Öffnungen leckt.

Immerhin weist die Jury darauf hin, spricht von einer “instabilen europäischen Wirtschaftslage” und benennt “eine wiederkehrende, wenn nicht gar auf Dauer angelegte und auf Erfahrungen basierende Entwicklung.”

Keine weiteren Fragen

“Krise” ist eigentlich die meist kurze Umwälzung zwischen zwei Lagen (von der eine meist besser ist als die andere), hier aber ist das, was so bezeichnet wird, selbst längst die Lage. Ziemlich exakt die Lage übrigens, die Marx als Spätphase des Kapitalismus beschrieben hat. Aber der ist Pfui, also muss man die Sprache so zurechthämmern, dass es keiner merkt.

“Auf Dauer angelegt” ist nichts weniger als die “Krise”, deren Mittel jene “Rettung” ist, die weder je etwas gerettet hat noch dafür vorgesehen war. Jetzt höre ich wohl die Kritikaster, die mich erregt zu korrigieren wissen, weil da doch etwas gerettet werde. Ja ja, das Kapital!
Nein, sage ich. Denn am Ende – das ist das, was kommt, und zwar an sich und immer dicke – rettet auch niemand mehr das Kapital. Das ist ja das Verrückte. Nachdem nämlich die Staaten zu Tode gerettet sein werden, ist wieder die Phase mit dem Esspapier dran. Schlückchen Chablis dazu?

Semantik ist inzwischen ein Geschäft für Fachexperten, weil sich niemand mehr etwas fragt. Dabei ist die Kunst eigentlich leicht, wenn man eine kleine Anleihe aus dem Reich der Syntax macht. Die Satzstruktur ‘Subjektiv-Prädikat-Objekt’ weist den Weg: “Wer spricht wovon zu wem?” ist die Frage, die solche Unwortgetüme zu Staub der Propaganda zerfallen lässt. Wie gut, dass die Pflichtschulen aller Zweige sich zum gedungenen Mord an jeder Neugier vereinigt haben und alle Fragen eifrig ausgerottet.

 
Es gibt Zeitgenossen, die gern extreme Maßnahmen empfehlen, auch deshalb, weil sie bei ihnen selbst keine Anwendung finden. Würden sie zum Beispiel hundertmal Artikel eins des Grundgesetzes abschreiben müssen, vielleicht wäre es hilfreich, und wenn nicht, hätten sie zumindest eine Gelegenheit gehabt, sich über das zu orientieren, was sie tun und was sie nicht tun. Was Zivilisation einmal auch wollte und wo sie schon wieder gelandet ist. Was gerade Deutsche einmal gelernt zu haben glaubten und was davon noch übrig ist.

Eine andere Lösung wäre nicht weniger extrem, stattdessen radikal, auf einfachste, nämlich primitive Art gerecht und ihnen angemessen. Denjenigen, die nicht begreifen, dass Zivilisation gerade vor Grausamkeiten schützen sollte, die Menschen Menschen antun, die vielmehr gerade jene dazu benutzen, feige und nicht einmal im eigenen Namen andere zu demütigen. Die ernsthaft nach Gesetzen schreien, deren Zweck letztendlich solche Demütigungen sind, die Gesetze, Vorschriften und all das, was ihnen ein bisschen Macht verleiht, zum Werkzeug der Entwürdigung machen.

Ihnen angemessen, obwohl im Grunde zu gerecht, wäre das Beenden dieses gescheiterten Experimentes “Zivilisation”, da sie ohnehin nicht im Mindesten begriffen haben, was daran gut war und was fatal. Ich möchte ihnen gern die Gelegenheit geben, ihre Angelegenheiten wieder ohne den Schutz der Gesetze zu regeln, deren Sinn ihnen ja nicht eingeht. Lasst sie mit Äxten und Knüppeln aufeinander losgehen und sich gegenseitig die bräsigen Schädel einschlagen. Einfache Regeln, unmittelbare Wirkung.

Feige Barbaren

Wo ist der soziale Fortschritt? Nach der Aufklärung kam spätestens mit dem Nationalsozialismus die Steigerung barbarischen Menschenhasses zur industriell organisierten Ausrottung der Menschlichkeit. Immerhin reichte das für einen Schock. Es blieben noch genügend Nazis und Menschenschinder anderer Sorte übrig, der “Schoß” blieb stets “fruchtbar noch, aus dem das kroch”. Aber immerhin wurde kurzfristig erkannt, dass da etwas schiefgelaufen war. “Kapitalismus” wollte man nicht mehr, “Menschenwürde” wurde groß geschrieben, “Demokratie” sollte es werden. Es stand auf dem Papier, und es wurde in den Reden verkündet, so dass das Volk das glaubte.

 
 

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken

 
 

Es hat nicht lange gedauert, bis alles, aber auch alles wieder vergessen wurde. Die Masse interessiert sich nicht für Demokratie, nicht für Kapitalismus und nicht für Menschenwürde. Das eine erscheint ihnen als Naturgesetz, das andere sagt ihnen nichts. Wer nicht ist wie sie, ihre Schicht, ihre Sicht, ihre Herkunft, Sprache oder Religion, der ist kein “Mensch” mehr. Der ist Ausländer, Arbeitsloser, Grieche, Moslem oder Kommunist. Der hat demnach keine Würde, die es zu schützen gilt, sondern nur Schuld. In Leserbriefen hetzen sie über eine Jugend in Südeuropa, die “Anreize” bräuchte um zu arbeiten, wo mehr als jeder Zweite keinen Arbeitsplatz findet. Das liege daran, dass sie alle faul seien. Denen sei nichts zu gönnen. Kein rationales Argument hilft dagegen.

Beam me up

Die widerlichen Schikanen in den Job Centern, die vor nichts zurückschrecken, zu dem sie Arbeitslose zwingen können, finden nur Applaus in einer verrohten Mittelschicht. Neuestes Beispiel: Da werden den “Kunden” Schrittzähler verordnet, um festzustellen, ob das faule Pack sich auch genügend bewegt. Tut ja nicht weh, das kann man doch leisten, wenn man die Hand aufhält!

Nichts haben die Charakterschweine gelernt, die jeden Zwang befürworten, den sich ein eifriger Kollaborateur ausdenken kann. Das Existenzminimum muss sich niemand “verdienen”. Es ist das, was jedem zusteht, den die Gesellschaft nicht hat integrieren können. Auch die Faulen und die Renitenten. Punkt. Aber nein, diese verschwindende Minderheit taugt ihnen vielmehr zum Grund für den Weg zurück in die gepflegte Barbarei. Einer faul, alle faul. Alle faul, alle unwert. Das wird durchgekaut bis zum Erbrechen und dann noch einmal und noch einmal.

Woanders können sie das auch in unserer Friedensnobelpreis verseuchten Union der Demokratien. In Ungarn wollen sie nach der Ghettoisierung der “Zigeuner” wieder Juden zählen, in Holland wollen sie Ghettos für Asoziale. Was sind das für Leute? Ich möchte mit denen nicht auf demselben Planeten wohnen. Wenigstens würde ich aber gern irgendwo hin, wo Leuteschinderei endlich als die Niedertracht gilt, die sie ist und von allen stets mit der größten Verachtung quittiert wird. Wo die Würde des Menschen endlich verdammt nochmal unantastbar ist.

Nachdem der SPD-Chef für den Durchmarsch des ESM gesorgt hatte, hat er sich bekanntermaßen dafür ausgesprochen, dagegen zu sein und verhindern zu wollen, dass seine Unterstützung Merkels zu den gewünschten Resultaten führt. Nunmehr hat er sich die Meinung dreier großer Männer zueigen gemacht, die noch einen Schritt weiter gehen wollen. Gabriel weiß zwar nicht, in welche Richtung, ist aber entschieden dafür. Aus gut informierten Kreisen heißt es, er arbeite bereits an einem vehementen Widerspruch zu seiner aktuellen Meinung.

Drei, die niemand gefragt hat – Habermas, Bofinger und Nida-Rümelin, wollen einen “Verfassungskonvent”, um endlich die lästige Haushaltssouveränität des Bundestages abzuschaffen. Dabei zeigen sie sich recht geschmeidig in der Frage, wer das Geld den Menschen künftig abpressen und weiterleiten darf: “Europäische Institutionen” sollen es sein, nur welche, das bleibt ungewiss.

Zwar ist vom Europäischen Parlament die Rede, das aber vertritt weder “Kerneuropa” noch die Eurozone, wäre also nach wie vor der falsche Repräsentant. Ganz außen vor lassen die drei Genies, dass eine EU-Verfassung nicht erwünscht ist und der “Vertrag” all dem widerspricht, was sie fordern sowie all dem, was längst getan wird. Wollen sie vielleicht so lange Abstimmungsmikado spielen, bis sich endlich kein Widerstand mehr gegen eine Blankoermächtigung regt?

Fair is foul and foul is fair

Der Kniefall der Politik vor der Verwüstung Europas durch die neoliberale Ökonomie soll endgültig sein, und das ist nicht bloß alternativlos, sondern die einzige Rettung vor Hölle und Verdammnis: Alles andere nämlich sei der “Abschied von der Weltgeschichte“. Es gab Zeiten, da hat man sich mit einem tausendjährigen Reich bescheiden können. Die deutsche Geistesgröße von heute hingegen droht gleich mit der Ewigkeit.

Dass Gabriel nicht der Einzige ist, der sogar mit diesem intellektuellen Limbo unter der Türkante überfordert ist, wird sogleich dröhnend unter Beweis gestellt. Diejenigen, die eigentlich dafür sein müssten, weil der von ihnen angeleierte Putsch nur so zum Erfolg geführt werden kann, sind erst einmal dagegen und nennen das Vorhaben “Schuldensozialismus”; ein Wort, das so dumm ist, dass man beim Versuch einer semantischen Annäherung selbst den Verstand zu verlieren droht. Wenn sie sich beruhigt und die nächste Landtagswahl überstanden haben werden, darf man ihrer nicht minder lauten Zustimmung gewiss sein.

Woran erinnert mich das? An Ozeanien, Eurasien und Ostasien. Es ist egal. Alles egal. Heute dafür, morgen dagegen, mit denselben Argumenten oder den Gegenargumenten, es spielt keine Rolle. Die neuen Bosse sind die alten Bosse.

Ich erlaube mir aus aktuellem Anlass einen fluffigen Wohlfühlartikel, weil das Unerträgliche zu so weitreichender Taubheit geführt hat, dass man es schon wieder ungespitzt in Amüsement überführen kann. Man stellt routiniert fest, dass die Demokratie in herzlicher Umarmung mit ihrer sozialen Marktwirtschaft® am Ziel ist. Die korrupten Banker zum Beispiel machen sich gleich ihre Parameter selbst, das ist ungefähr so, als brächte bei den Olympischen Spielen jeder seine eigene 100-Meter-Strecke mit und bei einigen wäre sie halt kürzer.

Ein Mappus

Die neue Berechnungseinheit “Mappus” misst die Dreistigkeit, mit der regionale Tyrannen sich Vorstands- und Aufsichtsratsposten verdienen, derweil sie den Schaden des Staates mehren und den Nutzen “outsourcen”. Der Staat kann halt nicht mit Geld umgehen, da schenken wir es besser gleich den Banken. Das geht auch ganz ohne Rettungsschirm. Nur erwischen lassen sollte man sich nicht dabei. Nicht einmal das wissen sie mehr, unsere “Vertreter”. Wir müssen dringend mehr in Bildung investieren.

Nuhr Nullen

Der Konservativismus hat sich einen kondebilen Ablenker und Wertschöpfer zugelegt, der sich bei schlechtem Wetter für einen Kabarettisten hält. Nicht nuhr, dass der Dieter Menschen, die gegen politischen Irrsinn demonstrieren, gern beleidigt oder ACTA-Gegner für Diebesgesindel erklärt, nein. Er moderiert jetzt eine Spielshow, in denen die anderen Nullen sprichwörtlich mitgewinnen und macht dafür Werbung. In der Hörfunkversion streiten sich dafür zwei Frauen darüber, was ihre Männer im Leben erreicht hätten. Die Haus-Auto-Pferd Nummer halt, aber weil es eben doofe Weiber sind, müssen ihre Kerle das alles “verdienen”. In Dieters Welt ist das so in Ordnung. Die guten alten Zeiten kommen wieder, da gehört er zur Avantgarde.
Bei der Gelegenheit ein Satz, den ich schon lange mal loswerden wollte: Hätten Frauen in diesem Land etwas zu sagen, wäre uns Merkel erspart geblieben.

Rettungsrettung durch Zinseszins

Auch sonst ändert sich nix. Ein Wirtschaftsministernchen verliert “die Geduld mit Griechenland”. Und jetzt? Besetzen? Aushungern? Brandschatzen? Läuft doch längst. Auch die Ideen zur Rettung der Rettung sind geistiger Zinseszins bei totaler Insolvenz: Eine “Reichenabgabe” wird vorgeschlagen. Das geht so: Um die Zinsen auf die Schulden der Staaten bei ihren reichen “Bürgern” noch abzahlen zu können, leihen sich die Staaten bei den Reichen Geld, das diese später verzinst zurückbekommen. Genialer Plan! Ich hätte dabei gern einen variablen Zins, bzw. eine Anleihe, die an den Börsen gehandelt wird und nicht von den Zentralbanken gekauft werden darf.

Karrierealos

Aus dem Mappusland hört man heute von einem grünen “Realo”. “Realo”, Kurzform von “Realpolitiker”, das ist einer, der in Parteien, die als “links” gelten, die reine Lehre des Neoliberalismus vertritt. Das ist einer, der als “Pazifist” im Verein Atlantikbrücke Kriegspläne ausbrütet und im Bundestag für die nötigen Mehrheiten sorgt. Das ist einer, der als Demokrat dafür sorgt, dass die Interessen einer Minderheit mit Zweidrittelmehrheit durchgepaukt werden. Das ist einer, der als Innenminister einer “Bürgerrechtspartei” dafür sorgt, dass es ordentlich auf die Fresse gibt, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Verfassungsschutzstaffel

Womit wir beim Stichwort der Woche sind und bei des Pudels Kern: Was sogenannte “Sicherheitsbehörden” in Deutschland treiben, dass der braune Abschaum innen nicht mehr von dem außen zu trennen ist und neben einem traditionsorientierten Wertekonzept (Blut, Boden, Vaterland) der blanke Irrsinn herrscht, daran hat man sich schnell gewöhnt. Wer soll sich noch darüber aufregen, dass der angebliche Topterrorist ein harmloser Student ist? Niemand weiß, wie sein Bild in die Fahndungsakten kam. Man darf sich aber darauf verlassen, dass es nie mehr hinaus kommt. Spätestens beim nächsten Besuch in den USA gibt es einen Kubaurlaub gratis, wetten dass? So ist das halt in der großen Spielshow mit den vielen Nullen. Besser man arrangiert sich damit, denn so ist sie, die Realpolitik.

 
wahlfyIch nehme an, man erwartet von einem politischen Blogger eine Stellungnahme zum Wahlausgang? Es ist nicht statthaft, sich angewidert und leicht deprimiert zu verkriechen? Nein?

Also gut. Fangen wir mit diesem Lindner an, seinem Stamme Nimm und den hohlen Früchten, die das gewählt haben. Neiiin, der ist ja soo nett! Und der muss ganz ganz wichtig sein, der war nämlich jeden Tag im Fernsehen. Morgens, mittags und abends. Dann wähle ich den mal.

Aargh! Man kann sich nicht nur verlassen auf die Dummheit der Menschen und ihre völlige Unfähigkeit, Lügen oder Propaganda zu erkennen, man kann sich inzwischen auch darauf verlassen, dass sie reichlich und ungehemmt damit eingedeckt werden. Der Triumph einer unglaublichen Manipulation durch pure Präsenz dürfte einmalig sein in der Geschichte des Landes. Vielen Dank für die Wiederbelebung der Splitterpartei durch ihre Freunde in den Etagen. So blieb uns das korrupteste Stück erhalten, das man in der Politik kaufen kann. Ich baue ein Hotel in der Schlossallee.

Ein Loch ist im Eimer

Wäre der Eimer nicht längst voll, hätte er noch ein bisschen für Sylvia Löhrmann aufnehmen können. Die schon wieder in ihrer ersten Reaktion der SPD gratuliert hat. Frau Löhrmann braucht keine Einführhilfe, sie kennt sich bestens aus. Frau Kraft kann mit ihr Tennis spielen, Schlitten fahren und sogar Schwimmen gehen. So etwas kann ich nicht analysieren, da kommen mir die Wortstämme durcheinander.

Wie ich zuletzt sehr intensiv wahrgenommen habe, kommt es vielen auf die Personen an. Neulich schrub ich bereits, dass das nicht klug ist, weil der Ton eigentlich nicht so wichtig ist, in dem die bizarren Ankündigungen vorgetragen werden und das Gesicht auch nicht. Perfekt ergänzt wird das Spiel aber durch die andere Fraktion der Kreuzchenmaler. Die nämlich, denen alles egal ist. Egal? Hauptsache nicht so wie die anderen? Dafür gibt es doch jetzt diese Piraten, die nehm’ ich! Herr, misch’ Hirn ins Treibholz!

Und dann die Linke. Ihre Klientel ist weitgehend so frustriert und derart bedient, dass sie gar nicht mehr wählt. Hat ja doch alles keinen Sinn. In dieser Depression werden sie nach Kräften bestärkt von einer Bundespartei, die sich die beiden abgefahrensten Freaks aus der Muppetsshow ausgesucht hat, um potenziellen Wählern den Rest zu geben. Die abgehalfterten Führern Geburtstagskärtchen schreiben und rhetorisch so virtuos unterwegs sind wie eine Mischung aus Günther Oettinger und Edmund Stoiber.

Danke für den Fisch

Die Landespartei befehdet sich erst bis aufs Blut und findet dann öffentlich nicht mehr statt. Und die Medien haben ihren Spaß daran, genau das nicht zu ignorieren, was zwar irrelevant, aber höchst erregungsfähig daherkommt. Was müssen diese Leute für schlechten Sex haben, wenn ihnen sowas gefällt?

Ist das eine Ödnis, in der ich mich nicht einmal über das wohlverdiente und völlig angemessene Wahlergebnis der CDU freuen kann! Eine demokratische Wahl hat stattgefunden. Ich glaube, das ist nichts mehr für mich.
Bitte führen Sie mich nicht zu Ihren obersten Repräsentanten! Niemals! Auch mit dem Rest Ihrer Spezies möchte ich bitte keinen weiteren Kontakt haben. Ich werde diesen Planeten sofort wieder verlassen. Sobald ich einen verdammten Lift kriege.

 
mentzKlaus Baum hat seinem Missmut gegenüber dem unreflektierten Geschwätz einer überschätzten Schriftstellerin bereits deutlich Ausdruck verliehen. Ich fühle mich bewogen, da anzuknüpfen. Zu ihrer armseligen Namenswahl und der depperten Begründung dafür habe ich mich bei Klaus ebenfalls bereits geäußert.

Ich will mich aber auf ein Detail ihrer Äußerungen beziehen, das noch absurder ist als das schon langweilige Blabla neoliberaler Erfolgsmenschen über faule Arbeitslose. Für Klickfaule: Frau “Thea Dorn”, eine meiner Ansicht nach bedingt talentierte Krimischreiberin, die ihren Künstlernamen Adorno ‘widmet’, gab auf die Ansicht, die Mehrheit der Arbeitslosen würden arbeiten wollen, zum Besten:

Dem würde ich empirisch, dem würde ich nicht zustimmen.”

Sich selbst auf der Tasche liegen: die regelmäßige Ausnahme

Bei Klaus Baum wurde dazu hinreichend Stellung genommen. Noch besser aber finde ich folgende Äußerungen:

Ich halte es für die Grundbedingung Menschlichen Lebens, dass wir dazu verdammt sind auf die Welt zu kommen und zuständig zu sein für uns selber [...] und die Tatsache, dass man nicht imstande ist, sich selber zu alimentieren, muss ein Ausnahme- und Notfall bleiben.”

Die Grundbedingung ist es, dazu verdammt zu sein, auf die Welt zu kommen? Das muss ich nicht verstehen. Was ich verstehe, ist dass sie meint, wir alle seien “zuständig für uns selber”, sonst niemand und für niemanden. Dieser grobe Unsinn, den Frau “Dorn” im folgenden in geahnte Untiefen treiben wird, verneint jede Existenz einer Gesellschaft oder Gemeinschaft von Menschen, die füreinander sorgen.
“Alimentieren” bedeutet übrigens ausdrücklich “andere” zu unterhalten. Man kann sich nicht “selbst alimentieren”.

Wohlgemerkt: der in hölzernem Pathos vom “menschlichen Leben” daher kommende neoliberale Sermon belässt es nicht dabei, auf einen Beitrag zur Gemeinschaft abzuheben, den jeder zu leisten hätte. Er vereinzelt den Menschen absolut, die Selbstsorge wird zu einer Art Existenzial. Man muss also so weit gehen festzustellen, dass eigentlich schon der Säugling schuldig wird, weil er an Mutters Brust schmarotzt. Wer das für eine übertriebene Unterstellung hält, sei hiermit eines Besseren belehrt:

Nackte Einzelkämpfer

Selbst wenn wir in reiche Familien geboren sind, kommen wir nackt zur Welt und müssen gucken, wie wir uns durch dieses Leben schlagen“.

Pardon? Die nackten Kinder der Reichen schlagen sich selbst durchs Leben? Was will die im übrigen teilweise schlicht stammelnde Künstlerin uns damit sagen? Die Reichen sind auch Menschen, die sich aber Kleidung und Nahrung ‘verdienen’, weil sie’s eben haben? Was man hat, gilt als Leistung, als “durchschlagen”, und wer nichts hat, schlägt sich nicht durch? Dass Reiche wie Arme vor der Abnabelung noch gleich (nackt) sind, beweist grundsätzliche Gleichheit, welche die Armen sich durch Arbeit “verdienen” müssen? Jene Armen, die mehrheitlich nicht arbeiten wollen?

Die Urheberin dieser Höchstleistung an intellektueller Verkommenheit hat so viel mit Adorno zu tun wie mein Abbild mit dem von Marilyn Monroe. Ist Dorns Ranting schon strukturell völlig verwüstet, bar jeder nachvollziehbaren Grammatik und ein Stiefeltritt ins Gesicht der Logik, besorgt die Faktenlage den Rest: Was nach ihrem Credo “Ausnahme- und Notfall bleiben” soll, betrifft am unteren Ende der Einkommenskurve bis zu zehn Millionen Menschen. Am anderen Ende horten weitere 8 Millionen so viel Vermögen wie die anderen 72 Millionen zusammen. Diese Menschen werden also nie in die Verlegenheit kommen, für ihr Brot arbeiten zu müssen, das tun andere für sie. So viel zu der einfachen Darstellung der Sachlage. Mit Volkswirtschaft mag man ihr ja gar nicht erst kommen, auf der Ebene liegen bei ihr geistige Rossbreiten.

Kein Sinn, keine Ahnung, fest im Glauben

Für die Ignoranz ihrer Weltsicht steht auch der eingestammelte Halbsatz:
… die Piratenpartei, die auf so lustige Ideen kommen wie das Bedingungslose Grundeinkommen
Dass das BGE ein Modell ist, welches unter anderem von Teilen der CDU favorisiert wird und dessen Entwürfe schon Anfang des 20. Jahrhunderts diskutiert wurden, die bis heute variiert und aktualisiert wurden, muss man ja nicht wissen. Es ist aber umso peinlicher, sie der Piratenpartei unterzuschieben, weil es einem gerade passt, diese vermeintlich zu diskreditieren.

In der Tat stellt sich die Frage, warum niemand diesem unerträglichen Geschwätz Einhalt geboten hat. Spätestens die nackten Reichen wären doch die Gelegenheit gewesen, den Geisteszustand der Rednerin zu überprüfen. Stattdessen werden wir uns wohl immer wieder fragen müssen, wer solche Narren noch zu ernsthaften Diskussionen einlädt und warum. Man zwingt uns ja obendrein auch noch dazu, sie mit der Rundfunkpauschale zu alimentieren.

 
freudmindEs ist schon traurig. Wenn man sich da draußen so umschaut, finden sich Gläubige aller Art, die sich dennoch anmaßen “kritisch” zu sein. Als sei es schon ein Beleg für kritisches Denken, dass man gegen den Mainstream ist oder nicht glaubt, was in der Tagesschau erzählt wird. Nein, das ist nicht kritisch und keinen Deut besser, wenn man nicht bereit ist, sich selbst zu hinterfragen, offen zu sein für neue Erkenntnisse und die Überprüfung dessen, was man einmal für “wahr” genommen hat. Das wäre kritisch, und das ist übrigens der Geist der Wissenschaft, wie sie sich von der Renaissance in die Moderne hinein entwickelt hat. Wer allerdings das ‘wissenschaftliche’ Establishment nicht von der Wissenschaftlichkeit selbst unterscheiden kann, für den ist Sozialismus auch DDR (böse) und Demokratie Helmut Kohl (gut).

Der Anfang der modernen Wissenschaft ist das rationale Experiment – eine gedankliche Leistung, die im Mittelalter noch als Wahn gegolten hätte. Man stellt eine These auf und sucht nach Methoden, diese praktisch zu überprüfen. Ein Verfahren, das vor allem die Naturwissenschaften voran brachte, ist es doch auf die Anwendung von Technik und deren Verfeinerung angewiesen. Obendrein bieten mathematische Verfahren im Zusammenhang mit Messtechnik eine quasi beliebige Exaktheit, die zu wiederum klar bewertbaren Aussagen führt. Inzwischen können wir in Echtzeit mit Australien chatten, zum Mond fliegen und haben viele der furchtbarsten Infektionskrankheiten beinahe ausgerottet. Dies ist unmittelbar auf die Entwicklung von Wissenschaft und Technik zurückzuführen.

Geisteswissenschaften und “Menschenverstand”

Der Versuch der Geisteswissenschaften, damit Schritt zu halten, darf als weitgehend gescheitert betrachtet werden. Es liegt in der Natur der Sache, weshalb im angloamerikanischen Sprachraum auch unterschieden wird zwischen “Arts” und Science”. Es ist nicht möglich, Gemeinschaft, Kommunikation, Anpassung oder Meinung exakt zu messen. Die Rolle der Definition in vorgeblich quantitativen Methoden der Geisteswissenschaften führt daher oft zu Resultaten nach sprichwörtlicher Beliebigkeit. Während in den Naturwissenschaften eine Wahrnehmung oder Messung ausgewertet wird, muss ich hier schon vorher wissen, was ich beobachten will.

Zu erhellenden Einsichten kommen die “Künste” dennoch, wo sie sich historischer Entwicklungen annehmen, sie beschreiben und auswerten. Was hat wozu geführt, welche Bedingungen zeitigen welche Entwicklungen, wie nahm sich zu einer bestimmten Epoche das Denken selbst wahr, wie beschreibt sich der belesene Betrieb und was folgt daraus für all das, was noch als “vernünftig” gilt? Wo sind die Tabus, wie werden sie begründet, was gilt als richtig oder falsch und wann hat sich unter welchen Umständen diese Geltung verändert? Solche Fragen kann gründliche Geisteswissenschaft beantworten, zwar nicht exakt, aber plausibel. Sie trägt daher durchaus Züge dessen, was auch der gemeine “Menschenverstand” kennt.

Behält sich Wissenschaft ihren kritischen Grundansatz – den Zweifel, die Frage, ob etwas so ist oder anders -, ist sie ein Motor des Fortschritts. Verbarrikadiert sie sich hingegen in Dogmen und Abwehrschlachten, um vermeintlich gültiges Wissen gegen Erneuerung zu verteidigen, wird sie zum Herrschaftsinstrument, zur Mythologie, zur Religion.

Moderne Mythologie

Die Zeremonienmeister schaffen es derweil, die Errungenschaften ihrer Zunft virtuos klein zu machen. Es ist durchaus nicht so als wüsste man nichts über Wirtschaftskreisläufe und die Resultate bestimmter Vorgänge ‘am Markt’. Dennoch hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Riege von Dilettanten in der Öffentlichkeit breit gemacht, die Angehörige anderer Berufsgruppen glauben machen, als “Wirtschaftswissenschaftler” müsse man einen hohen Grad geistiger Versehrtheit schon mit ins Studium bringen.

Und auch die Mediziner zum Beispiel haben sich Witze verdient. Verkürztes Beispiel: Ein Klempner wird zu einem Arzt gerufen, der einen Wasserrohrbruch im Keller hat. Der Klempner wirft ein paar Dichtungen ins Wasser und sagt: Wenn es bis Montag nicht besser ist, rufen Sie noch mal an!

brainpipeBeide Beispiele deuten darauf hin, dass der Wissenschaftsbetrieb und die daraus folgende Praxis bedauernswerte Zustände zeitigen. Dies ist aber gerade kein Hinweis darauf, dass Wissenschaftlichkeit als solche abzulehnen wäre. Im Gegenteil zeigen sie, dass einerseits die Wissenschaft permanent ihr Niveau unterschreitet und sich eher Cliquen von Verkündern bilden und dass anderereits der Übergang von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur alltäglichen Praxis arg vernachlässigt wird. Er sollte aber selbst Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und Methodenentwicklung sein. Dies würde freilich eine Kaste elitärer Narzissten ebenso methodisch vom Sockel stürzen.

Der organisierte Zweifel

Die Abwehrreaktionen auf eine Wissenschaft, die keine mehr ist, weil sie auf den kritischen Selbstbezug verzichtet, sind ebenso bedauerlich. Die einen übernehmen die Überheblichkeit des Betriebs, setzten den Stand ihrer Kenntnisse zum Standard und erwarten ernsthaft von allen anderen, sich diesem anzupassen. Dies ist leider ein Standardverfahren von Marxisten, aber auch von Keynesianern und anderen -isten und -ianern.

Noch lustiger wird’s dann mit Esoterikern und Mythologen aller Art, die sich ernsthaft als ‘kritisch’ betrachten, weil sie gleich jedes Hinterfragen ihrer Methoden ablehnen und sich auch nicht dafür interessieren, aus welchem historischen Kontext ihr Omm-omm stammt. Sie sind ja meist nicht einmal für die Frage zu gewinnen, wer mit ihrem Geisterglauben schnöden Mammon macht. Wenn der Zweifel an den Wissenschaften also in die Auslöschung jeden Zweifels am eigenen Weltbild führt, kann man nur noch abwinken.

Der organisierte Zweifel ist Basis jeder Wissenschaft sowie jedes kritischen Denkens, hier besteht keinerlei Widerspruch. Dass aber der Zweifel eingedämmt werden muss, wenn man als denkende Person nicht irre werden soll, versteht sich ebenso von selbst. Es bedarf daher eines Maßes an (Selbst-)Zweifel, das einerseits noch Raum lässt für Neues und Anderes, andererseits aber ein konsistentes Denken zulässt, das nicht noch zu hinterfragen hätte, ob Wasser nass ist. Diesen Zweifel auszutarieren ist die Kunst, die Kommunikation erst ermöglicht. Dogmen jedweder Art sind hier Fehl am Platze. Wer nicht zweifeln will, kommuniziert nicht. Er bleibt wirkungslos oder er herrscht.

Wir werden sie alle schnappen, die Unholde, wenn wir erst den Bundestrojaner haben. Natürlich unter größten Vorsichtsmaßnahmen, Einhaltung der Prinzipien des Rechtsstaats, streng im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich. Die Terroristen und Kindermörder werden uns nicht entkommen, das Internet ist kein rechtsfreier Raum®. Es kann doch nicht sein, dass ein Säuglingsvergewaltiger straffrei ausgeht.

So weit der Prolog, der auf “log” endet und von Rentnerschreck von der Leyen bis hin zu “darf ich bitte alles mitmachen” – Wiefelspütz in der Schlucht erklang, in der jeder Diskussionsfluss endet, wo sein geistiges Fluidum sich donnernd und in vermutlich suizidaler Absicht in die Tiefe stürzt.

facpaObenauf, in der luftarmen, rauchgeschwängerten Höhe über den Stammtischen, fanden sich wohl auch jene Strafverfolger und ihre willigen Programmierer, die unversehrt in solch sauerstoffreduzierter Atmosphäre gedeihen können, weil ihr Hirn keinen verbraucht. Dies ist der Raum über dem Olymp, in dem die Komödien und Tragödien entstehen, die Helden geboren werden, deren Geschichten die Menschen stets an ihren Ursprung im Göttlichen erinnern, daran, dass auch die Götter fehlbar sind und manches Drama in irdischen Maßstäben nicht mehr zu erfassen ist. Dort entstand auch der Staats- Bundes- Backdoor- “Trojaner”, ein Dokument der Notwendigkeit von Alkohol. Das Stück trägt fürwahr einen gelungenen Titel: “0zapft is”.

Genialer Slapstick

Ich spare mir technische Details, die ich selbst nur zum Teil begreife, den Hohn über Experten, die nur Windows kennen und den Einsatz von Richtmikrophonen, die dem Knuspern einer Festplatte lauschen. Ich gehe auch nicht ein auf die reichlich kommentierten Rechtsverstöße auf jeder nur denkbaren Ebene. Nicht dass ich dazu nichts zu sagen hätte, aber zu viele Details machen einfach keinen Spaß, wenn dabei der geniale Slapstick untergeht, der den Streifen erst zum Meisterwerk macht.

Schauen wir uns einen Fall an, der durchaus nicht extrem erscheint, eher repräsentativ für den Einsatz des Trojanischen Möbelwagens, der durch die Wand in die kriminellen Gefilde “implementiert” wurde. Dabei dürfen wir uns das erste Mal wundern, dass nämlich die Einsatzkräfte den Code nicht mit Edding auf die Festplatte gekritzelt haben oder ihn gleich mit den Schraubenzieher eingeritzt. Das Resultat wäre allerdings dasselbe gewesen.

Der Delinquent, was ist das für ein Unmensch? Wie viele Kinder hat er vergewaltigt, wie viele Unschuldige ermordet, wie viele Omas zu Boden getreten? Der Titel sagt es schon, heißt es doch nicht “O” zapft is, sondern “Null” zapft is. Null Kriterien treffen auf ihn zu. Null Erfolg hatten die Fahnder trotz null Rücksicht auf Gesetze, am Ende gab die Festplatte null Daten mehr her, die solche Vollpfosten noch hätten bergen können. Der Strafverfolgte war ein mutmaßlicher Steuerhinterzieher, der mit Zigaretten handelte.

Mysteriöse Todesfälle

Die anderen bislang aufgeflogenen Fälle stammen aus ähnlichen Kategorien furchtbarster Kriminalität wie illegalem Handel mit Potenzmitteln. Man merke hier auf: Vögeln und Rauchen mögen die dauerbesoffenen Jäger der verlorenen Bits offenbar nicht. Sei’s drum und spulen wir zum Ende der Farce vor, in der alles und jeder verdächtig ist außer “Oscar”: Sie haben die HD geschrottet! Die Festplatte geputzt, den Rechner zerstört, das Teil abgewrackt, aus Versehen!

Wer glaubt, das sei nicht mehr zu toppen, sollte sich fix klarmachen, dass angesichts des großen Misserfolges ganz selbstverständlich mehrere Fortsetzungen geplant sind. Einige von uns werden sich das anschauen müssen, weil man sie nämlich einfach im Kino ankettet. In dem Kino, von dem sie bislang denken, es sei ihr Zuhause. Film ab!

Ein Gutes hat aber auch die böseste Geschichte. Aus mehr oder weniger unterrichteten Kreisen heißt es, die Aktionen seien dennoch der größte bislang vorweisbare Erfolg gegen Schwerkriminelle und Terroristen. Es mehren sich in der Szene offenbar mysteriöse Todesfälle. Wie berichtet wird, sollen die Opfer vor Eintritt des Todes stundenlange Lachanfälle erlitten haben.

Es mag etwas kapriziös erscheinen, aber ich habe heute einen Artikel von Dietmar Dath gelesen, der mich geärgert hat. Er hat mich deshalb geärgert, weil er den Begriff “Ideologie” willkürlich mit Assoziationen behängt, die ihm eine unsinnige Komplexität verleihen und damit mehr verschleiert als erhellt. Das mag daran liegen, dass der Autor, der hier einen merkwürdigen Anspruch an “Praxis” formuliert, dieser wohl kaum selbst standhält.

   dogma

Dath zieht eine nicht ungefährliche Schublade auf, die nämlich, in der die Dämonen der Fleischhauers lauern, eine flache Kritik der nach-68er:

“In den siebziger und achtziger Jahren [...] verstand man unter Ideologie das schlechthin “affirmative” Denken und Reden, also jede Form der gesellschaftsbezogenen Äußerung, mit der vorhandene Widersprüche unzutreffenderweise als versöhnt dargestellt wurden.”

Das bürgt für Qualität: “Er gilt als …”, “Man versteht …” Wer bitte verstand das wo und woher hat er das bloß? Nein, affirmatives Reden ist nicht Ideologie. Ideologie ist hingegen affirmativ. Ideologie kennt nichts anderes als Bestätigung und daher keine Kritik. Nicht jedes Befürworten eines Zustandes ist aber deshalb gleich Ideologie.

Common Sense ist noch keine Ideologie

Und auch gesellschaftliche Widersprüche, die in Rituale übergehen, ein Habitus oder das, was man eben mitmacht, sind nicht unbedingt Ideologie. Common Sense ist nicht grundsätzlich ideologisch, deshalb taugen auch die Beispiele wenig, wie dieses:

“Wir trennen bereits den Müll, haben aber noch keine stimmige Energiewirtschaft”

Na und? Auf das eine hast du Einfluss, auf das andere nicht. Niemand behauptet, mit der Mülltrennung sei alles gut. Ich trenne auch Müll, obwohl die Energiewirtschaft für mich genauso eine Mafia ist wie die Entsorger. Wo ist jetzt das ideologische Moment? Und warum befragt Herr Dath ausgerechnet Lenin und Engels? Haben die auch ihren Müll getrennt?

“Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es Leute, die sich auf den Begriff sogar positiv bezogen: Noch Lenin schreibt lobend von einer proletarischen oder dialektisch-materialistischen Ideologie, die er der von ihm abgelehnten bürgerlichen und idealistischen entgegensetzt.”

So, dann gehen wir doch bitte mal an die Wurzel des Begriffs. Er entstammt meines Wissens dem Enzyklopädismus, dem Versuch, das gesamte Wissen der Welt lexikalisch festzuhalten. Ein für das 18. Jahrhundert zeitgemäßer, wenn auch rührender Ansatz. Im Anschluss daran versteht man auch das Problem der Ideologie: Sie möchte vollständig sein, strebt zwangsläufig zum totalen Weltbild und gerät deshalb zu einer Ideenlehre, die schon bald nur mehr damit beschäftigt ist, auszuschließen anstatt zu erschließen. Sie verbreitet eine fertige Idee und entwickelt diese nicht weiter. Das ist der Kern jeder Ideologie. Dath schaufelt weiter die Kohlen in seine Lok, die leider auf dem falschen Gleis davon rattert:

Das sagt mir gar nichts

“Aber Engels sagt mehr. [...] Er sagt, was genau an der Sorte Bewusstsein falsch ist, die Ideologie produziert: Weil ihr Träger die in gesellschaftlichen Verhältnissen gebundenen Kräfte, die ihn bewegen, nicht kennt, imaginiert er falsche und vergisst, dass sein Denken von seinem Handeln abhängt”

Schön, dass Engels das sagt, mir sagt das aber überhaupt nichts. Warum muss man den Begriff “Ideologie” mit diesem Praxis-Schmarrn behaften? Warum kann ein theoretischer Versuch nicht theoretisch bleiben, vor allem aber: Warum muss ich den Umweg über ein “Handeln” gehen, wenn Ideologie auf der theoretischen Ebene, der sie angehört, bereits zum Scheitern verurteilt ist? Ihre Grundpfeiler, der Anspruch auf Vollkommenheit und die Anmaßung, Ideen zu lehren, sind vormodern. Deshalb taugt das Ganze nichts. Die Kritik Adornos und der Frankfurter Schule ging deshalb sehr viel tiefer als Dath sie vorführt: Sie richtet sich am Ende gegen jede Theorie, die ins Positive dreht. Einfach gesagt: Alles Wissen hat ein Haltbarkeitsdatum. Das ist es, was die Ideologen nicht begreifen.

Schließlich:

“Sozialkritik, die nicht ihre Positionen offen vermittelt mit der Praxis derer, die da reden, ist Anlauf zur Errichtung oder Verschärfung von Herrschaft”

ist die falsche Diagnose. Es ist recht verständlich, dass die Theorie der eigenen Praxis nicht unmittelbar widersprechen sollte. Sich von Mutti die Bütterkes schmieren lassen und die Weltrevolution planen kommt einfach nicht gut. Das ist aber nicht das Problem. Die Praxis derer, die da reden, ist bereits geprägt von den Möglichkeiten, die Herrschaft noch lässt. Hier ist Theorie geradezu darauf angewiesen, die Praxis virtuell außen vor zu lassen. Was Herrschaft errichtet und verschärft, ist die Gewalt der Ideologie: Ihre Propaganda.

In den hiesigen Diskussionen stoßen wir regelmäßig auf die Frage der Organisation von Macht, nicht zuletzt auch der Frage, ob sich Macht begrenzen lässt. Dabei überrascht es nicht, dass sich unter dem Begriff “Macht” sehr unterschiedliche Vorstellungen versammeln. Wenn ich von “Macht” spreche, meine ich nicht eine Verfügungsgewalt, die einzelne Personen ausüben. Ich meine nicht die Möglichkeit, jemanden unmittelbar zu etwas zu zwingen. Ich meine nicht einmal ein generelles Verhalten von Personen, sogenannter “Entscheider”. Macht und Diskurs sind vielmehr untrennbar miteinander verbunden.

Für einen tieferen Einblick in die Hintergründe und Konstellationen von Macht empfehle ich immer die Lektüre der “Dialektik der Aufklärung” und Foucaults “Ordnung der Dinge”. Macht ist tief im Denken selbst verankert, dazu ein Zitat von Max Horkheimer:

“Mit der Vernunft sind alle Ideen kompromittiert, soweit sie über die gegebene Wirklichkeit hinausgehen.”

Was man denken darf

Was er dort beschreibt, ist quasi Propaganda auf einer höheren Ebene. Was überhaupt denkbar ist, was noch irgendwie als ‘wahr’ oder ‘vernünftig’ gelten darf, was nicht als ‘wahnsinnig’ gilt, liegt in engen Grenzen. Dies ist die Basis der Macht. Im Zusammenhang mit Galilei versteht das noch fast jeder. Wo dieses Phänomen in jeder aktuellen Diskussion auftritt, bemerkt fast niemand. Dies ist eine Dimension der “Macht”, die man nicht völlig aus den Augen verlieren darf. Sie bestimmt zutiefst übrigens auch das Phänomen der Arbeit.

Viele Linke bringen leider nicht die Weisheit auf zu erkennen, dass Arbeit nichts Unschuldiges ist. Auch wenn niemand einen Mehrwert abschöpft, ist Arbeit blanke Machtausübung. Sie transformiert – zumeist übrigens Lebendes in Totes -, zerstört und übt meist irreversiblen Einfluss auf die Umwelt aus. Wer arbeitet, übt Macht aus. Wer über Arbeit entscheidet, bündelt diese Macht. Das ist völlig unabhängig von Kapital und Eigentum und ebenso unvermeidlich.

Allein das schon bringt mich zu der Überzeugung, dass Anarchie nicht machbar ist, bei aller Mühe und Phantasie nicht einmal denkbar. Wirft man dann einen Blick auf die Realität der menschlichen Gesellschaft, kann es nicht mehr darum gehen, kompromisslos für Utopien zu kämpfen, sondern sich erst einmal mit der Verhinderung von Dystopien zu befassen. Wir sind ziemlich nah an “1984″, da interessiert mich die Verwirklichung des Arbeiterparadieses vorläufig nicht wirklich.

Die Mäßigung aller Dinge

Wenn es sich nun also nicht vermeiden lässt, dass Macht immer ausgeübt wird und wenn es überdies in allem bisherigen Gesellschaften zu Phasen gekommen ist, in denen Macht sich sprichwörtlich maßlos konzentriert hat, dann folgt daraus m.E. unmittelbar die Aufgabe, für deren Begrenzung zu sorgen. Der moderne Staat mit dem Versprechen einer Gewaltenteilung und der Beteiligung aller Einwohner ist ein sehr akzeptables Modell dafür. Man muss das nicht “Demokratie” nennen, schon gar nicht, wenn die Lebenswirklichkeit dem Begriff Hohn spricht. Es empfiehlt sich aber, diesen Ansatz zu verbessern.

Es bedarf der Begrenzung, des Maßes, des Ausgleichs, und zwar in allen relevanten Bereichen des Lebens. Dazu gehören aktuell zuerst Wirtschaft und Medien, deren wachsender Einfluss den Interessen einer schrumpfenden Minderheit dient. Das muss ich nicht einmal moralisch bewerten. Es ist schlicht ein Konzentrationsprozess. Macht wird immer dichter gebündelt, und das führt zwangsläufig in die Katastrophe. Angesichts des inzwischen für jedermann sichtbaren Irrsinns des neoliberalen Experiments wird man darüber noch einen breiten Konsens erzielen können.

Das Spiel der Kräfte

Geht es aber um Ziele und Alternativen, erweisen sich erschreckend viele Diskutanten als extrem naiv in ihrer Vorstellung von “Macht”. Es ist aber niemandem damit gedient, wenn nur das Personal und das Türschild ausgewechselt werden. Es bedarf neuer Ideen, die belegen, dass wir aus dem Scheitern der alten etwas gelernt haben. Was dabei auch oft zu kurz kommt, ist die Erkenntnis, dass bei aller Maßlosigkeit keine Macht je unbegrenzt sein kann.

Jeder, der widerspricht, der sich weigert oder im Weg steht, begrenzt Macht. Es bleibt ein Spiel der Kräfte, das sich an Wendepunkten sehr schnell verändern kann. Eine Mücke, die vor einen fahrenden Bus fliegt, beeinflusst dessen Bewegung. Anders herum ist der Einfluss freilich entscheidend größer. Auch in politischen Zusammenhängen ist es durchaus relevant, ob und wie häufig eine Ansicht vertreten wird. Das gilt auch und gerade für die Meinungen, die sich nicht durchsetzen. Sie bergen das Mögliche, die Alternativen.

Macht korrumpiert

Dass schließlich immer alles beim Alten zu bleiben scheint, folgt einer Logik, die da lautet “Macht korrumpiert”. Wer Einfluss haben will, wer entscheiden will, muss sich so anpassen und abschleifen, dass er am Ende nicht wiederzuerkennen ist. Deshalb, so die These, lässt sich Macht nicht begrenzen. Das stimmt nicht ganz. Auch Korruption ist selten perfekt, und auch sie ist von Bedingungen abhängig, von einer Atmosphäre, in der sie gedeiht.

Je größer die Widersprüche sind, die der Korrupte erzeugt, desto geringer ist sein langfristiger Einfluss. Wie viele Freunde hat Gerhard Schröder unter denen, die ihn an die Macht gebracht haben? Dieser Aspekt ist ein relevanter Teil der Geschichte. Sie bleibt keineswegs folgenlos, wiel sie Geschichte ist. Am wichtigsten aber ist die Erkenntnis, dass Korruption auf gute oder schlechte Voraussetzungen treffen kann.

Jede Gesellschaft, die eine Konzentration von Macht gutheißt, fördert oder sogar bewundert, begünstigt Korruption. Das belegen sowohl “kommunistische” Gesellschaften als auch kapitalistische, mafiöse oder klerikale. Um also dem Reiz der Macht nicht zu erliegen, sei es als Herr oder Sklave, wird es notwendig sein, das Spiel der Kräfte aktiv zu beeinflussen und immer wieder auszutarieren, für Ausgleich zu sorgen, indem die Macht des einen durch die des anderen begrenzt wird. Das eigentlich wäre Demokratie.

Nächste Seite »