kunstlyriklamauk


 
buta14

Ich habe im Laufe des Vormittags ein paar Mal in die Bundestagsdebatte reingehört. Es war grauenhaft. Das dämliche Gesülze aus allen Fraktionen ringt mir Verständnis ab für die Praxis, ‘Reden’ lieber nach Mitternacht beim Präsidium zu hinterlegen und damit für ‘gehalten’ zu erklären. Worthülsen in einer Menge, die kein Pferdemagen mehr verdaut.

Die einen schwafeln “Arbeitsplätze, Arbeitsplätze, Wachstum Wachstum Wachstum“, die anderen (Lötzsch) fordern eine “Regulierung der Märkte“. Lötzsch, die sich an Diskussionen über die Zukunft des Kommunismus beteiligt, hat ein genau so naives Bild von einer ‘Marktwirtschaft’ wie der Rest der Sprechpuppen. Demnach gibt es keinen Kapitalismus, der auf die Klippe zufährt, sondern nur böse regulierungsbedürftige “Finanzmärkte“. Schmerzen!

Dann werden ‘Bündnistreue’ und ‘Vertragstreue’ sowie ‘Völkerrecht’ beschworen, das ganze verlogene Gelaber der Atlantiker, die sich neuerdings auch in der PdL austoben dürfen. Als sei man nicht im Bunde mit dem widerlichsten Völkerrechtsbrecher des Planeten. Als sei Putins ‘Imperialismus’, den man ihm in einem Atemzug andichtet wie man Russland zur “Regionalmacht” erklärt, nicht ein müder Abklatsch des US-Imperialismus.

How to fuck the EU

Überhaupt: Wie können diese Lallbacken es wagen, treudoof einem ‘Partner’ zu folgen, der es sich herausnimmt, seine Geheimpolizei alles, aber auch alles abschnüffeln zu lassen? Der die Frechheit besitzt, der Regierungschefin des “wichtigsten Partnerlandes” nicht einmal mitzuteilen, was man über sie jahrelang im Geheimen angesammelt hat? Die Machtübernahme der Geheimdienste im Rücken, werden geostrategische Ritte auf der Rasierklinge zu Fragen einer Treue in Partnerschaft, einer Art Staatenehe verklärt, in der der Herr es seiner Schlampe in alle Löcher stopft wann und wie es ihm einfällt?

Oh, war das jetzt unseriös? Warte mal, da gab es doch diesen anderen Präsidenten, der sich dabei erwischen ließ, als er sich von seiner Sekretärin einen blasen ließ, korrekt? Das war dann – nach dessen nämlicher Ethik und auch juristisch betrachtet – “kein Geschlechtsverkehr”. Nach derselben Logik ist es auch kein Voyeurismus, kein Rechtsbruch und eben nicht zu beanstanden, wenn der aktuelle seiner ‘Partnerin’ ins Bett und aufs Klo folgt. Mit wem seine Politpornographen ihre abgefuckten Streifen drehen und was sie draus machen, werden die Darsteller genau dann erfahren, wenn es an der Zeit ist, das gilt auch für Frau Merkel. Habe ich das so richtig verstanden?

Das ist offenbar aber alles kein Grund irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Bis die ‘Dienste’ es anders entscheiden, dürfen sie also Reden halten, in denen “Alles ist gut“, “die Partei hat immer recht” und “es lebe die nordatlantische Völkerfreundschaft” vorkommt. Wer das oft und laut genug singt, kriegt ein Leckerli, und wer es nicht singt, wen kennt, der es nicht singt oder in den Verdacht gerät, es nicht mehr singen zu wollen, dem wird aus seiner Akte vorgelesen. Laut. Von der bündnistreuen atlantischen Boulevardjournaille.

 
Was ist ein Troll? Ich habe schon sehr lange vor, hier einmal zu skizzieren, was eigentlich einen Troll ausmacht und worin dessen Techniken bestehen. Derzeit sehe ich kein Ereignis, nach dem sich jemand persönlich angesprochen fühlen könnte, woran mir etwas liegt, denn sich angesprochen Fühlen ist die große Domäne der Trolle.

Ihre Währung ist Aufmerksamkeit. Sie sind damit äußerst geizig und gehen am liebsten gar nicht auf jedwede Inhalte ein, sondern benutzen lediglich deren Substanz, um ihre eigene Agenda zu setzen. Sie gieren ihrerseits nach Aufmerksamkeit, erregen diese mit allen Mitteln, und dabei ist ihnen selten etwas zu peinlich.

Der Troll muss nicht unbedingt ein Rüpel sein, da er aber keinerlei Interesse an einer kultivierten Diskussion hat, tritt er ggf. auch so auf. Grundsätzlich aber gilt: rüpelhaft ist der Troll ebenfalls nur, wenn er sich davon Aufmerksamkeit verspricht. Der typische Rüpel hingegen, der einem vor die Füße göbelt und sich dann verzieht, ist eigentlich kein Troll.

Trolle können sogar – aus Gründen siehe oben – recht höflich sein, wenn es der Sache dient. Sie können sich einschleimen, dass es nur so glitscht, denn einerseits versuchen sie gern, das Publikum zu spalten, andererseits ist unerwünschte Nähe ebenso unangenehm wie rüpelhafte Distanz. Das provoziert so schön. Generell ist ihnen das Kommunizieren auf der persönlichen Ebene am liebsten. Sie bewerten die Kommentare anderer – negativ wie positiv – weil diese Anmaßung herrlich nervt.

Währung Aufmerksamkeit

Sie gieren nach der Empörung der anderen, deshalb ist die Projektion eines ihres Lieblingsmittel. Kaum etwas lässt einen so spontan aus der Haut fahren wie ein Vorwurf, der nicht nur unzutreffend ist, sondern vor allem denjenigen selbst träfe, der ihn erhebt. Ein Troll bringt es ohne jede Scham fertig, in jedem Satz “Scheiße” zu sagen und dann den höflichsten Diskutanten zurechtzuweisen, weil dieser fluche. Ein Troll kann heute das Gegenteil von dem erzählen, was er gestern sagte und wirft anderen vor, sie widersprächen sich. Für seine Belege sind ihm falsche Zitate ebenso lieb wie das Wiederholen wirrer Thesen, deren Urheberschaft er wiederum am liebsten denen vorwirft, denen sie völlig fern liegen.

Was im Posting steht, ficht keinen Troll an. Worum die Diskussion geht, ist ihm egal. Wenn er ein Lieblingsthema hat, wird er es unterbringen, immer. In einem Beautyblog fühlt sich der klimaskeptische Troll ebenso wohl wie im Forum des Fußballvereins oder einem politischen Blog. Der erlogene Klimawandel hat sowohl etwas mit Lippenstiften zu tun als auch mit der Abseitsregelung oder dem Handelsabkommen. Ja sicher, denn der Troll ist jetzt da, das ist dann wohl Beweis genug.

Er wiederholt seine Thesen auch gern zum Hundertsten, denn ignorantes Wiederholen verärgert alle anderen. Das Thema oder die Leitlinie eines Forums ist für ihn nur insofern relevant als dass er Thesen vertreten kann, die garantiert niemand der Stammbesucher akzeptieren kann. Je deutlicher diese eine Haltung ablehnen, je klarer sie etwas für widerlegt halten und je deutlicher sie das bereits erledigt haben, desto attraktiver ist es für den Troll, eine bestimmte Ideologie zu vertreten.

Wenn es so gar nicht weitergeht mit dem Lieblingsthema oder der Troll zu faul oder einfallslos ist, geht er halt gleich auf die persönliche Schiene. Er ist der einzige, der etwas wissen kann, spricht beliebig anderen oder gleich allen deren Qualifikation ab oder wertet sie als ohnehin komplett unwert ab. Doppelt gewonnen: Damit kann er nur recht haben und bringt seine Gegner ziemlich sicher auf die Palme. Schlagen die dann zurück, egal in welcher Form, bringt er seine letzte Lieblingswaffe in Stellung: die Opferrolle.

Der Andersdenkende

Wer dem Troll sagt, was er ist, ihn in die Schranken weist, seine Angriffe pariert, ihm womöglich gar aggressiv begegnet (oder ihn als Moderator vor die Tür setzt), ist natürlich ein Aggressor, Diskursnazi, Zensor oder Mobführer. Der Troll selbst ist natürlich der Kritiker und Mahner, dem nur deshalb übel mitgespielt wird, weil er als einziger die Wahrheit sieht, weil er der ‘Andersdenkende’ ist, den man mundtot machen will, weil man seine Weisheit nicht erträgt.

Es ist vollkommen sinnlos, Trolle zur Raison bringen zu wollen. Sie maßen sich stets an, alle anderen zu bewerten, sind aber nicht bereit, sich mit ihrem Verhalten auseinanderzusetzen. Es ist sinnlos, ihnen ihre Widersprüche vor Augen zu führen, denn dafür sind sie blind. Wenn es ihnen nicht ohnehin egal ist, mäandern sie von einem Thema zum nächsten. Trolle diskutieren nicht. Nie. Trolle trollen. Es gibt nur ein Mittel für Kommentatoren, mit solchen Psychos umzugehen: Ignorieren. Für Moderatoren ist rechtzeitiges Bannen ein Muss, auch wenn man dadurch ewigen Zorn auf sich ziehen mag und sie noch wochenlang den Spamfilter vollkritzeln oder versuchen, das Spiel woanders fortzuführen.

Natürlich bedient sich nicht jeder Troll immer aller dieser Techniken. Aber das sind im Großen und Ganzen die Mittel, die sie anwenden. Wer so etwas hier treibt, fliegt raus. Leider wissen die Betroffenen diese Gnade selten zu schätzen, denn hier können sie schmerzlos erfahren, wofür ein Arschloch ihrer Sorte in jeder Kneipe ordentlich was in die Goschn kriegt. Probiert’s doch einfach mal aus!

 
Eine Kollage von K. Shwittas

Wir arbeiten engstens mit unseren amerikanischen Verbündeten zusammen.
Deutsche Bürger werden nicht überwacht.
Wir haben davon nichts gewusst.
Ich habe die Vorwürfe geprüft.
Der Datenschutz wird zu 100 Prozent eingehalten.
Zwei Datensätze sind an die USA übermittelt worden.
Der Präsident hat der Kanzlerin versichert, dass die Vereinigten Staaten ihre Kommunikation nicht überwachen und nicht überwachen werden.
Der Einsatz ist fokussiert, zielgerichtet, rechtsstaatlich.
Wir haben davon nichts gewusst.

Wir arbeiten engstens mit unseren amerikanischen Verbündeten zusammen.
Russland verletzt das Völkerrecht. Das ist inakzeptabel.
Wir arbeiten engstens mit unseren amerikanischen Verbündeten zusammen.
Das haben wir nicht gewusst.
Wir dachten, unsere amerikanischen Verbündeten fliegen Angriffe in Afrika.
Der Einsatz ist fokussiert, zielgerichtet, rechtsstaatlich.
Von Angriffen in Pakistan haben wir nichts gewusst.
Ich habe die Vorwürfe geprüft.
Die Kanzlerin steht im engen Austausch mit dem amerikanischen Präsidenten.

Der deutsche Außenminister steht im engsten Austausch mit seinem amerikanischen Amtskollegen.
Davon haben wir nichts gewusst.
Wir sind im Widerstand. Dabei arbeiten wir engstens. Auch die Kanzlerin.
Unsere Freiheit am Hindukusch muss familienfreundlich verteidigt werden.
Der Einsatz ist fokussiert, zielgerichtet, rechtsstaatlich.
Die deutsche Verteidigungsministerin arbeitet dabei engstens mit dem amerikanischen Amtskollegen zusammen.
Davon hat sie nichts gewusst.
Wir fühlen uns umfassend informiert. Es wurde uns bestätigt, dass die amerikanischen Amtskollegen uns nicht engstens überwachen.

Es ärgert mich, dass man sofort und ohne genaue Kenntnis jede Verdächtigung gegen unseren amerikanischen Verbündeten in die Welt setzen kann.
Unter Freunden muss man Klartext reden können.
Dieser edle Zweck, Menschenleben in Deutschland zu retten, rechtfertigt, dass wir mit unseren amerikanischen Freunden und Partnern zusammenarbeiten.
Aus Sicherheitskreisen verlautet.
Es wurden 45 Anschläge verhindert.
Es wurden mindestens 12 Anschläge verhindert.
Es wurden Anschläge verhindert.
Es wurde engstens verhindert.

[update: Siehe auch hier. Semantisches Lego zur Rechtfertigung des nächsten Angriffskrieges.]

 
fluch

Als ich heute las, der Berliner Fluchhafen werde auch bis 2017 nicht fertig, müsse vielleicht komplett neu gebaut werden, verbuchte ich das als einen weiteren Versuch, die Nachrichtenpsychose fest im Volkshirn zu verankern, die einmal im Jahr wenigstens die Frage zulässt, ob das jetzt bitte ein Scherz sein soll oder nicht. An allen anderen Tagen hegt man nicht einmal solche Hoffnung. Der BER, das ist bekanntlich inzwischen Mehdorns Baustelle, denn wenn etwas wirklich völlig verhunzt werden soll, wenn man nach der Fassungslosigkeit durch die Depression hindurch immer noch überrascht werden will, wie entsetzlich sich Missmanagement noch steigern lässt, nachdem alle undenkbaren Pannen bereits mehrfach verbraucht sind, dann muss man schon den Mehdorn holen.

Wie viele Milliarden das Ding noch kosten soll, hat mich noch nie interessiert. Schon gar nicht die Prognosen dazu. Jeder, der sich noch an irgendein Großprojekt erinnert, die Elbphilharmonie oder Stuttgart21 zum Beispiel, kennt das Spiel. Vom Doppelten zum Zehnfachen, das ist reine Geschmacksfrage. Dabei sind Korruption und Folgekosten noch nicht einmal eingerechnet. Mehdorn ist eh nicht geizig. Kohle ist satt da, zumindest um Posten doppelt zu besetzen, denn wer ihn kritisiert, fliegt raus. Ich meine: Da laufen eh viel zu viele rum, die noch von irgendwas eine Ahnung haben. Wie sieht das aus, wenn der Chef nur hohl aus der Wäsche schwafelt [youtube] und alle anderen mehr wissen? Eben, geht gar nicht!

Das Lustige an der ganzen Nummer ist nicht zuletzt, dass der BER irre wahnsinnig nötig ist, deshalb hatte man ja die zweidreivier achtneunzehn Milliarden übrig. Spätestens 2011 brauchte Berlin den vierten Flughafen, weil die Weltstadt sonst ruckzuck zum Dorf verkümmern würde. Nun, dafür ist jetzt eigentlich bereits gesorgt. Kann man dann nicht doch einen Freizeitpark draus machen? Ich habe übrigens kürzlich gehört, dass ständig Dampfwalzen über die Rollfelder fahren müssen, damit der auf Belastung ausgelegte Asphalt nicht platzt. Fünf Jahre dampfwalzen – dann kommt zwar eh die neue Decke drauf, aber hey, das sind Arbeitsplätze!

Alles durcheinander

Inzwischen frage ich mich allerdings, ob die paar tausend Millionen und das damit angezettelte Skandälchen nicht auch nur ein Ablenkungsmanöver sind. Ihr erinnert euch: Vor kurzem haben wir erfahren, dass wir total überwacht werden, von den NATO-Gestapos von NSA bis CIA, BND bis BKA. Alles Schnee von gestern, denn jetzt schreiten wir Seit’ an Seit’ gegen den Iwan. Hatte das vielleicht irgendwem gefehlt, das Kriegführen gegen Ostasien und Ozeanien? Et voilà! Unsere Granden mahnen China derweil tapfer zur Einhaltung der Menschenrechte.

Nicht gemahnt wird freilich der Friedensnobeldrohnenpilot, der Guantanamo-Menschenrechtler, der ganz nebenbei jüngst erfahren hat, dass seine CIA noch ganz andere Methoden der Vernichtungsfolter anwendet als die schon bekannten alternativen Befragungsmethoden®.

Okay, China richtet noch mehr Menschen pro Kopf hin als Texas, wenn auch nicht wesentlich. Dafür sind das erheblich weniger Schwarze, das zählt also doppelt. Andererseits sind das alles Menschen, die von einem brutalen Regime in juristischen Verfahren verurteilt wurden. Solche Grausamkeit ist sicher nicht zu vergleichen mit Kollateralschäden bei großflächig angelegten Exekutionen per Drohne, Hubschrauber oder Clusterfuckbombe. Der Chinamann stellt sich gern ein bisschen dämlich an mit den Menschenrechten und wirft das alles durcheinander.

Nein, ich sehe nur eine Chance, die Welt ins Lot zu bringen und zu verhindern, dass wir in genau der abgefuckten Psychodiktatur landen, die Orwell in “1984″ beschreibt. Wir müssen einen damit beauftragen das umzusetzen, von dem wir ganz sicher wissen, dass er selbst eine eng verfilzte Mafia von mehr als hundert Geheimdiensten zugrunde richten kann. Obama darf eh nicht mehr antreten, so here is what: Mehdorn for President!

 
fabrik

Die einen meinen, die SPD sei irrelevant. Kann man so sehen. Parteien im allgemeinen schon, dann die SPD im besonderen. Kann ich nachvollziehen. Wären da nicht die anderen, die man einfach für blöd erklären und dann irgendwo liegen lassen kann, diejenigen, die noch an politische Veränderungen in der und durch die ‘parlamentarische Demokratie’ glauben. Ich gebe zu, so ganz undusselig kann ich die auch nicht finden, aber ich will sie nicht liegen lassen. Vor allem deswegen nicht, weil ich vermute, dass es viele gibt, die sich in einem Ablösungsprozess von diesem Glauben befinden, und denen möchte ich gelegentlich noch ein wenig Futter für den Disput geben – sei es, dass sie’s brauchen können, sei es, dass sie sich drüber ärgern.

Ich fuhr heute durch eine Nachbarstadt und wurde eines Slogans angesichtig, der mich einmal mehr in die Gefahr des Schleudertraumas brachte ob zu heftigen Kopfschüttelns. Er scheint etwas älter, denn hier zum Beispiel hat sich jemand bereits im vergangenen September dieses Hirnkrampfs angenommen. “Wer alles gibt, muss mehr bekommen“, heißt es da, und gemünzt ist das auf den Mindestlohn.

Fordern und füttern

Es ist keineswegs bösartig interpretiert, sondern nachgerade zwingend zu verstehen, dass die SPD eine gute Behandlung von Sklaven verlangt. Nicht nur das, sie befürwortet darüber hinaus und unter dieser Bedingung die Sklaverei ausdrücklich. Die “Wer nicht arbeitet, muss auch nicht essen“-Partei erwartet, dass ihre Idealklientel “alles gibt”. Alles, das ist das, was sie fordert. “Fördern” heißt dann, dass ein ‘Mindestlohn’ gezahlt wird, der so gerade eben zum Leben reicht. “Mehr” soll es sein als das, was es heute ist, nämlich weniger als das Existenzminimum. Das Ziel ist es also, jemandem der “alles” gibt, seine gesamte Arbeitskraft nämlich ein Leben lang, so viel zukommen zu lassen, dass er essen kann. Wer weniger gibt, expressis verbis, soll nicht essen.

Erfahrungsgemäß springen selbstempfundene Sozialdemokraten wie die Fliegen vom Dung, wenn ihnen ein Passant dieser Art begegnet, einer, der ihnen sagt, was die Partei wirklich anrichtet. Sie wollen dann erklären, das seien bösartige Unterstellungen, man wolle doch und könne nur und müsse doch wegen der Arbeitsplätze und der Globalisierung und überhaupt. Aber sonst seien sie die Partei der Ehrlichen und Fleißigen, der Arbeiter also, wie sie sich diese vorstellen.

Nicht schon wieder …

Sie können es sich nicht vorstellen, sie haben es noch nie an sich herangelassen, die Sozialdemokraten – und zwar die kleinen, die immer meinen, sie seien in der Partei der kleinen Leute, die wirklich niemand korrumpiert hat (weil sie keine Funktionäre sind), die es wirklich ehrlich meinen: dass es immer wieder auf das hinausläuft, was wir schon wieder erleben, im 21. Jahrhundert, einen Klassenkampf. Das ändert freilich nichts daran, dass sie ein Teil dieses Klassenkampfes sind und dass sie immer, aber auch immer wieder auf derselben Seite stehen, nämlich auf der der Reichen und Mächtigen. Wenn jemals ein relevanter Sozialdemokrat bemerkt hat, auf welche Seite es ihn verschlagen hat, war es zu spät. Immer. Dass man sie trotzdem wiederholt aussortiert hat, lässt sie dennoch denken, sie hätten alles richtig gemacht, denn sie waren ja im Widerstand.

Und so sind sie heute noch, wenn auch auf ein Viertel ihrer einstigen Stärke zusammengeschrumpft. Kinder und Enkel von Lohnsklaven, die sich für Lohnsklaverei einsetzen – für eine gerechte Lohnsklaverei natürlich, in der der Arbeitgeber, der für die Arbeitsplätze sorgt, seine Sklaven nicht hungern lässt; in der nur die nutzlosen Sklaven hungern, die faulen und die verschwenderischen (im Ausland). Für Sklaverei und Vaterland, gegen den Feind im Osten und gegen die kommunistische Geißel der Menschheit. Aber alles in allem links.

 
brainpipeSie sind der Kitt zwischen Himmel und Hölle, zwischen superreich und sackarm, verblödet und ungebildet. Sie sind der beste Schutz, den es gegen Fortschritt und Aufklärung gibt, die wahren und einzig Gläubigen, Radfahrer, Leuteschinder, Eichmänner, Pflichttuer, Fahnenträger, kurzum: Die Nützlichen Idioten, ohne die es Oberschicht und Unterschicht, Herren und Sklaven, Ordnung und Ungerechtigkeit nicht lange geben kann.

Die Kriecher der Mittelschicht, die stets mit großem G vor ihrem Eifer die Gebetsmühle drehen, der Freiheit das “Ja aber” ins Gesicht prügeln und jede Maßnahme, jeden Befehl mit sadomasochistischem Genuss exekutieren. Sie sind der Double Buttplug, analfixierte Strafbefürworter, die sich nichts sehnlicher wünschen als Härte im Namen der Obrigkeit, die unten zu sicht- und hörbarem Elend führt. Sie kriegen den Finger nicht aus dem eigenen Rektum, während sie ihren Autoritäten so weit von hinten entgegen kommen, dass es schon wieder hell wird.

Nützlich

Nützlich sind sie, weil ihre Herren sich nicht selbst die Finger schmutzig machen. Selbst ihre Lügen lassen die Großen und Mächtigen von ihren Kriechern verbreiten, von ausgebildeten Lügnern, wobei ihnen natürlich die Idioten am liebsten sind, jene verklärten Prediger, die an alles glauben, wenn man ihnen nur eintrichtert, dass es dem Ganzen dient, weil es den Großen dient. Ein bisschen dürfen sie sich dann selbst groß fühlen, immer ein bisschen größer, je weniger noch vor ihnen stehen, die selbst in etwas Größerem stecken.

Der eine verwechselt da schon mal einen anderen mit den Großen selbst. Nehmen wir mal einen Journalisten und nennen ihn “Denkler”, weil er verkündet, was andere denken sollen, ohne dass er selbst auch nur die Regung einer einzigen Synapse verschwendet. Was er zu ‘denken’ gibt, ist das Konstrukt, hinter dem sich der schiere Machterhalt verbirgt. Thesen, die selbst nicht gedacht, sondern nur gemacht wurden, Widerhall vermeintlich göttlicher Ordnung. Ein Denkler schafft es daher, jemanden regulär anzubeten, der seinerseits selbst nur das Mantra derer betet, die noch über ihm stehen. Ein Vasall zweiter Ordnung, der den Präsidenten nicht von der Macht unterscheiden kann, seine abstrakte Eloge aber notfalls auch über eine Parkuhr halten würde, käme die ihm nur wichtig vor.

Zahnlos

Oder nehmen wir einen anderen, meinetwegen namens “Beise”, weil er wie ein Hund daherkommt, der es nicht wagen würde, sein Herrchen je zu beißen und deshalb präventiv den Konsonanten entschärft. Zahnlos, treu und ergeben eben. Dessen Sportlichkeit bleibt unerreicht; wo andere spätestens bei der zweiten Kurve stecken bleiben, kommt er tiefer hinein, kein sperriges Rückgrat stört die Flexibilität. So gelingt es ihm, in tief religiöser Andacht alle die Glaubenssätze zu wiederholen, auch tausendfach, die nur eine Wirklichkeit kennen: Dass alles gut ist.

Was über allem thront, ist unbezweifelt und unfehlbar. Wer es anzweifelt, ist fehlgeleitet, falsch und sündig. Was nicht gut ist, ist eine Prüfung, und wer sie nicht besteht, fehlt im Glauben.
Das tradierte Wort, die heiligen Schriften, sie sind wahr. Die Heiligen, sie sind anzubeten. Frömmigkeit allein verspricht Heil. Ein frommes Volk wird belohnt werden, und wer die Hohen und Heiligen ehrt, wird daran teilhaben. Amen.

Und das noch

Wer das Allerletzte aus der Charge auch noch erträgt, kann sich gern noch mit den kniefälligsten Inquisitoren der Neuzeit befassen, die einem mit seligem Lächeln den Opferdolch in den Leib stoßen und ihn drehen, bis der Deutschlandfunk erklingt. Die aus der Sekte “SPD” und deren Folgeerscheinungen. Religiöser Fanatismus der widerlichsten Sorte.

 
Ach, es ist herrlich. Wunderbares Wetter, die Leute sind zufrieden, man kann sie mit allem vollstopfen, was die Kreativität der Kreativen hergibt; das Produktmanagement der Mediagroupies schaltet einen Gang höher, der internationale Wettbewerb® macht auch hier keine Atempause. Geschichte wird gemacht, es geht voran.

Krims Märchen

Keine Wertung haben wir heute für die Nachrichtenlage der Sportereignisse zwischen Kiew und Sewastopol. Der eine will russische Truppen anhand russischer Uniformen erkannt haben, der andere sah Söldner von Blackwater/Xi/Academi oder wie ich sie zu nennen pflege: Donald’s Daisies. Einer zählt 20 Demonstranten anti und 3000 pro, der nächste kommt mit dem mindestens Zehnfachen um die Ecke, weiß aber nicht wovon und wofür. Na ja, die Russen, immer besoffen und im Delirium, und diese Ukrainer sind ja auch nur Russen. Oops, hab’ ich das was missverstanden? Wie dem auch sei: Jeder Depp macht sich seine passenden ‘Nachrichten’ draus und überzeugt sich selbst..

Free Uli

Auf Platz vier der heutigen Charts findet sich alles, was Uliuliuli His Royal Hoeneß erwähnt. Ob ernst oder satirisch, kurz oder lang, ein Musthave und Nogo, inhaltsleerer Großskandal in Wartestellung. Der Uli kann nicht in den Knast. Schon weil der Multimillionär, Großschlachter und schwerkriminelle Schweiztourist ein Arschloch von einer solchen Dimension verkörpert, dass es unangreifbar bleiben muss. Woran soll der Zuschauer sonst noch glauben? Wozu sich noch anstrengen, wenn selbst solche Karrieren im Topf enden?

Daily Terror

Platz drei geht an uuuh, Gruusel Al-Kaida, Qaeda oder weiß der Kuckuck wie sich das am besten römisch buchstabieren lässt. Die kommen nämlich jetzt mit der Bravo für Talibanse, dem Terrortagesspiegel, der Dschihaddington Post. Was trägt man heute zum Anschlag, wo ist der Feind am attraktivsten, welche Sure passt am besten zum explosiven Vorhaben? Täglich aktuell und online.

Ill Kim

Nur auf Platz zwei schafft es der dicke Diktatorjunge von Pjöngjang. Vorbei die Zeiten, da sich ‘kommunistische’ Komiker Wahlerfolge von neunundneunzig Komma etwas Prozent bescheinigten und sich damit vor der Welt und den angrenzenden Ortschaften blamierten. Kim 100% kann hundert Prozent. Drunter kann nämlich jeder. Wie er das noch steigern kann, werden wir sicher auch bald erfahren.

Rent a Friend

Da sind wir doch hoch und höchst überlegen in der besten freiheitlichen Demokratie, an die sich mit den passenden Drogen noch glauben lässt – um dennoch brav produktiv und arbeitsfähig zu bleiben. Platz eins geht klipp und klar an David Cameron, der so viele Freunde hat, weil er sich’s eben leisten kann. So macht’s der Profi, der Demokrat, der gewählte Vertreter®. Zeit für den Adelsstand, wenn ihr mich fragt.

 
centKlammheimlich nahm die Zahl dieser Schuhgeschäfte zu. Das ist ja wohl ein bekanntes wirtschaftliches Phänomen, aber traurig, wenn man es wirken sieht, denn je mehr Schuhgeschäfte es gab, desto mehr Schuhe hatte man herzustellen und desto schlechter und immer weniger tragbar wurden sie. Und je weniger die Schuhe tragbar wurden, desto mehr mussten die Leute kaufen, um immer Schuhe an den Füßen zu haben [...] Resultat: Zusammenbruch, Ruin, Hungersnot.

Pispot Gargravarr 1980, Übers.: Benjamin Schwarz 1985

Schuhfetisch einmal anders. Derselben Quelle entstammt übrigens einer meiner Lieblingssätze: “Der Wirt tunkte ein Geldstück in eine Bierlache und wir bedankten uns dafür” (A.Dent). Aber wir müssen wohl erst einen Schritt zurück gehen, um grobe Missverständnisse zu vermeiden.

“Fetisch”, ein Wort, das die Wikipedia daher auch nicht kennt, hat nichts mit “Fetischismus” zu tun. Ein Fetisch ist nicht etwas Seltsames zum Ficken. Es ist vielmehr ein magisches Ding; etwas, dem geheime Kräfte innewohnen, ein Ding mit Macht und Seele, aus der Perspektive des Erwachsenen in der Moderne also eine besondere Form des Irrtums: In dem geschnitzten Stück Holz wohnt nämlich gar kein Gott, der Teddy war schon tot, bevor ich ihm den Kopf abgerissen habe, und es ist nicht das Geld, das den Dingen ihren Wert verleiht. In aller Kürze gesagt.

Magisches Denken eben; in meinem Lieblingssatz oben rutscht der kindliche Augenschein gleich auf die Zunge: Es passiert immer dasselbe, daher besteht ein unmittelbarer Zusammenhang. Immer, wenn das Geld in die Lache getunkt wird, bedanken sich die Leute. Hunde wissen das übrigens auch. Als die Underdogin noch etwas hören konnte, lief sie zu Tür, wenn ich auf den Tisch geklopft habe. Hans-Werner Sinn würde sicher dasselbe tun.

Sofort verstanden

Kommen wir zum Schuhfetisch: Immerhin ist Gargravarrs Beobachtung um einige Stufen komplexer; er stellt sogar mehrschrittige Zusammenhänge her. Leider waltet aber auch in seiner Schilderung noch magisches Denken, er spricht der Erscheinung einen Sinn zu, der woanders zu finden ist. Ihm kann das nebenbei auch egal sein, hat sein Körper sich doch jüngst von ihm getrennt; da lässt sich natürlich leicht fetischisieren.

Es sind aber eben nicht die Schuhläden oder ihre Zahl, die zur Qualitätsminderung führen. Es sind zweitens die Ressourcen, die knapper und teurer werden (eine Korrelation, die übrigens auch keine unmittelbare ist) und erstens die Profitraten, die dazu führen, dass “Leder” bald nicht mehr Tierhaut ist, sondern Pappe, die mit einem chemisch gewonnenen Tierhautextrakt besprüht wurde. Eine doppelt geile Idee, freilich nur für Investoren®, halten die Dinger nämlich erstens nicht mehr vom Laden bis nach Hause, weswegen man gleich zwei Paar kaufen muss, und ist das Material obendrein billiger. Höherer Absatz (nein, nicht der von den Schuhen, ihr Dödel!) bei höherer Marge also. Supergeil!

Hinter dem magischen und tragikomischen Effekt des Untergangs per Schuhfetisch steht also eine strunzlangweilige und dennoch skandalöse Errungenschaft sozialer Marktwirtschaft®: Geplante Obsoleszenz. Ich werde immer wieder mit Mundgeruch eingedeckt, wenn ich diese Vokabel zum Besten gebe; halten mich die damit Behelligten doch sofort für einen unfassbar Gebildeten, Klugen, Wissenschaftler, Magier der kompliziertesten Denkkunst. Wenn ich es ihnen erkläre, verstehen sie aber sofort, wie einfach das ist, was sich dahinter verbirgt. Der globale Wettbewerb®! Die Chinesen! Der allgemeine Verfall der Sitten!

 
c3

Facebook wird sich also WhatsApp einverleiben. Die beiden gierigsten Datenkraken für die Inhalte von Kommunikation fusionieren. Dieser Vorgang wäre erschütternd, atemberaubend, entsetzlich, müsste man mit dergleichen nicht täglich rechnen, zumindest wenn man die wissenschaftlich erfassbaren Zusammenhänge kapitalistischen Wirtschaftens nicht ignoriert und verdammt, weil sie ‘marxistisch’ seien.

Es ist immer noch die Endphase, immer noch der klassische Werdegang. Was wir erleben, sind Konzentrationsprozesse der dritten Art. Ich habe vor Jahrzehnten aufgehört mich zu fragen, wozu so etwas wie ein “Kartellamt” eigentlich gut ist. Hat es jemals die marktbeherrschende Stellung eines Unternehmens anders begrüßt als auf Knien rutschend noch das bizarrste Monopol für harmlos zu erklären? Allein anhand der Fusionen seit den 80er Jahren sollten jene, die den Kapitalismus “in Ketten legen” wollen, eigentlich erkennen, wie aussichtsreich dieser Ansatz ist und endlich schweigen.

Vulgärmarxismus im Freiland

Selbst die noch klassischere These der Bildung eines Staatsmonopolkapitalismus’ durch Fusion der großen Konzerne mit den sie schützenden Staaten bestätigt sich in einer neuen Dimension. Hier die Geheimpolizeien, die Datenschutz und Bürgerrechte auf kaltem Wege abschaffen und sich allenfalls von ihren Regierungen Unbedenklichkeitsbescheinigungen dafür ausstellen lassen. Dort ‘private’ Unternehmen, die sich alles unter den Nagel reißen, was die Menschen sagen, schreiben und abbilden. Wissen über Personen als Handelsware und Erpressungsbasis, eins sickert fließend ins andere. Das gemeinsame Ziel: Der nicht nur gläserne, sondern steuerbare Bürger.

Die ‘Dienste’ maßen sich an, alles über jeden zu erschnüffeln, wie wir seit Snowden wissen. Ihr Vorteil: Sie tun das heimlich und auch gegen den Willen der Betroffenen. Bislang haben sie dabei keinerlei wirksamen Widerstand erfahren, denn selbst wo der besteht (z.B. in parlamentarischer Kontrolle), wird er ohne weitere Konsequenzen ausgehebelt,

Die privaten Datenkraken haben den Vorteil, dass ihre Opfer auch noch einwilligen in die Zerstörung ihrer Privatsphäre und ihre Entrechtung. Facebook lässt sich sogar das Recht aufs eigene Bild und den eigenen Namen übertragen, wenn ein Werber dafür bezahlt. WhatsApp erlaubt sich, alle Inhalte der Kommunikation über ihren Dienst zu speichern und zu nutzen. Das ist dasselbe, als ob die Post alle unsere Briefe kopiert und die Inhalte behandelt, als seien es ihre. Normal. Kein Problem. Dafür ist es ja umsonst. Die Würde des Menschen ist frei veräußerlich. Face. Palm.

Milliarden Fliegen

Das Ziel der Reise ist nicht nur die schnelle Vermarktung, irgendwie Gewinn zu generieren. Natürlich haben Die Eigentümer und die beteiligen Banken das vor. Damit das aber überhaupt funktioniert, müssen sie an die Vision glauben, die Ausbeutung der Nutzerdaten mache diese am Ende so berechenbar, dass man quasi deren Kaufkraft kauft. Die ganze Infrastruktur auf dieser Seite soll den User unmittelbar zum Kunden machen. Wenn der Befehl ergeht, etwas zu kaufen, soll er befolgt werden. Ob und wie das funktioniert, ist ein Thema für sich.

Die Geheimpolizisten freuen sich ein goldenes Chaplinbärtchen, weil sie jetzt über eine einzige Schnittstelle abgraben können, was sie vor ein paar Jahren noch nicht einmal in Einzelfällen hätten finden können. Längst teilt sich die Welt der Nutzer in solche, denen die nur zu berechtigte Paranoia das Hirn aufweicht und solche, deren Ignoranz jeden Lemming vor Neid in den Suizid treibt. Es war kein Putsch nötig, keine Revolution, kein Rückfall in eine Diktatur. Es ist einfach eingesickert. Was soll man auch machen? Es sind doch alle bei Facebook und bei WhatsApp!

 
Wir haben nämlich jetzt den deutschesten aller Schäferhunde Boxer in eurem Nachbargarten. Den lassen wir los, wenn ihr unsere Handelswege nicht respektiert. Seid mal lieber froh, dass ihr Olympia nicht wieder ganz alleine machen müsst, wir können nämlich auch anders. Ihr wisst schon, wie damals, als ihr in Afghanistan einmarschiert seid und tausende der von uns bewaffneten Unschuldiger ermordet habt. Nein, das ist keine “Verteidigung”. “Verteidigung” heißt das nur bei den Guten!

Damit ihr das auch mal versteht und um das mit einer echten Autorität zu untermalen, haben wir hier gleich ein Gedicht für euch. Von einem Patrioten. Patriot ist nämlich wieder gut. Patrioten braucht man, um aktive Außenpolitik zu machen und Initiative zu zeigen. Also nicht nur hinterherrollen und Logistik machen. Selbst ist der Handelsweg Freiheitskämpfer! Also, mal aufgepasst:

schtzngrmm
schtzngrmm
t-t-t-t
t-t-t-t
grrrmmmmm
t-t-t-t
s———c———h
tzngrmm
tzngrmm
tzngrmm
grrrmmmmm
schtzn
schtzn
t-t-t-t
t-t-t-t
schtzngrmm
schtzngrmm
tssssssssssssss
grrt
grrrrrt
grrrrrrrrrt
scht
scht
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
tzngrmm
tzngrmm
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
scht
scht
scht
scht
grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
t-tt
*

Na, soweit klar? Müsst ihr laut lesen, dann kapiert sogar ihr das. Man hätte natürlich auch ein Gedicht mit mehr Deutsch drin nehmen können. Wir meinen ja: Je deutscher je besser. Aber dann versteht ihr das ja nicht. Das andere versteht ihr mühelos, da sind wir ganz sicher.

So, nächster Punkt: Das mit dem Überwachen ist ja wohl eine Frechheit. Hallo! Meint ihr, wir lassen uns von jedem überwachen? Ist doch wohl nicht euer Ernst. Wir sind empört!

Und wo wir gerade dabei sind: Lasst mal schön die Schwulen und Lesben in Ruhe! Das ist die blanke Unverschämtheit, die zu dissen, wenn sie “vor Kindern” positiv von ihrer Lebensweise sprechen. Wo soll das enden? Dass sie ein Bekenntnis zu Ehe und Familie ablegen müssen? Womöglich noch die Leistungssportler?!

Wir können euch nicht leiden, konnten wir noch nie. Okay, jetzt habt ihr mal aufgehört, Kommunisten zu sein, da kann man euch keinen Vorwurf mehr machen. Aber wisst ihr was? Das reicht noch lange nicht. Weil: Russen seid ihr immer noch, richtig? Also hört mal auf Russen zu sein, ne? Dann können wir mal drüber reden, ob wir euch als vollwertige Mitglieder der Weltgemeinschaft akzeptieren.

p.s.: Damit ihr wisst, wie ernst es mir ist, werde ich unter dem Applaus einiger bekokster Burschenschaftler diese jungfräuliche Guitarre schänden.


*Ernst Jandl: schtzngrmm

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