kunstlyriklamauk


 
ss

Ich hatte ohnehin schon den Gedanken gefasst, mich zu der widerwärtigen Missgunst zu äußern, die mir nicht eben untypisch erscheint für den Michel, jenen sadomasochistischen Volkskörper, aus dem es stetig hervor furzt, anderen solle es gefälligst nicht besser gehen als ihm selbst. Dann las ich das hier, wie zur Bestätigung.

Es begegnet mir ständig, und obwohl ich wahrlich andere Sorgen habe, vor denen solcher Quark in subatomarer Irrelevanz versinkt, muss ich es regelmäßig in die gammeligen Rachen zurück stopfen, denen es entfährt. Sobald der Michel von wem hört, der mehr hat als er selbst, ruft er nach Korrektur, nach dem Weniger für alle anderen, denen er noch das trockene Brot neidet, weil seines angeblich noch trockener ist. Er fühlt sich übervorteilt, und anstatt eine Welt zu fordern und zu fördern, in der man nicht ausgebeutet und weggeworfen wird, will er immer schlimmere Ausbeutung, damit er seine eigene für den Moment erträgt.

Sadomaso

Die schlichte Lösung, es könnte mehr und genug für alle geben, dass man sich zusammentun könnte und sich holen, was einem genommen wird, käme ihm niemals in den Sinn. Er ist seit Jahrhunderten darauf gedrillt, dass das blasphemisch wäre, ein Verrat am Vaterland, todsündige Anmaßung, Sozialismus, Kommunismus, Teufelswerk, Sodom, Gomorrha und Verderben.

Stellt euch vor, da kriegen welche zweitausend Euro im Monat und wollen noch mehr! Das nehmen die mir weg. Das ist alles Geld, das mir zustünde und das ich nicht kriege, weil die es haben. Hier vermischt sich die tumbe Unterwürfigkeit des geborenen Untertanen mit der eingetrichterten Ellbogenmentalität, die er als "Freiheit" kennt und einem Geldfetisch der blödesten Ausprägung. Der Michel denkt das wirklich so: Es gibt eine bestimmte Menge Geld, mit der kann man alle die Dinge kaufen, für die das Geld da ist, und das wird eben verteilt - immer ungerecht, weil eben dauernd wer kommt und einem von der eigenen Portion was wegnimmt.

Dieser monetäre Fressneid erzeugt die bizarrsten Wahnbilder, am Ende muss der Irrsinn dann meist so organisiert werden, dass man die unwerte Konkurrenz am Trog ausmerzt. Da kommen noch mehr, die haben gar nichts verdient und wollen auch noch unser Geld! Was können die schon hier wollen außer unser Geld? Zigeuner von links und Afrikaner von unten, unter denen natürlich massenhaft Kriminelle und Terroristen. Was wir mit unserem Fleiß gesammelt haben, wollen die uns einfach wegnehmen!!11!

Eat this

Halt die Fresse, Michel, und geh' sterben! Dein Neid, deine Blödheit, deine Eiseskälte und die dumpfe Wut auf alles, was du nicht kapierst, mit der du eifrig geifernd an dem Ast sägst, auf dem du sitzt, reißt nicht dich allein in den Abgrund. Das ist das Problem, sonst ginge ich dir gern zur Hand. Also halt' die Fresse und spring' einfach! Die Welt ist ungerecht - natürlich nur zu dir. Alle, die zu wenig haben, haben das verdient, außer dir. Alle in deinem Baum, die mehr haben als du, nehmen es dir weg. Nur die da ganz oben, die Gott dort haben will, die haben es verdient. So hat man es dir eingebläut, und so lebst du.

Geh' sterben, du Radfahrer, du Denunziant, du Bückling, Streikbrecher, Streber, Schleimer, du glücklicher Müllfresser, Mitläufer, Mobber, du Petze, du Claqeur, du Idiot! Geh' mir aus dem Weg, denn ich bin euch leid. Ich hab es satt. Wenn du Angst hast, die Armen nehmen dir was weg, dann bedien' dich einfach reichlich an ihrem Elend. Wenn du meinst, Flüchtlingen gehe es so gut, dann hau' endlich ab! Wenn du willst, dass es wem schlechter geht, dann sauf' doch Gift!
Fürs Erste aber: Halt' die verfickte Fresse!

 
s

Mal sehen, ob etwas entsteht, wenn man einfach anfängt. Eigentlich habe ich zwei Sachen im Vorlauf, die erfordern aber Konzentration, und die ist aus. Also fange ich anders an, und ihr könnt einem Artikel beim Entstehen zusehen. Der Erweiterte Anfang könnte einigen bekannt vorkommen, was soll's:

Ich hab' mir heute einen Peloponnes rotweiß bestellt, und so ein Thessaloniki. Nein, das sind keine Speisen vom Olivenölbaron um die Ecke; das eine ist eine Halbinsel, das andere eine Stadt. War kein Ding, dafür gibt's extrem günstige Kredite, das finanziert sich ganz von selbst durch. Buffet hat sich eine Insel gekauft, hörte ich, und auch ein anderer reicher Depp, Johnny des Vornamens, habe ein Dorf in der Bretagne verkauft, um sich lieber eine Insel zu gönnen. Niemand isst eine Insel? Das war gestern, Freunde! Man kann, nein muss alles kaufen; wenigstens können, denn woher soll sonst das Wachstum kommen? Na also, einen hatte ich da noch:

Wahre Selbstbestimmung

Wir arbeiten derweil an einem Produkt zur Verbriefung von Ablösesummen. Jeder Einwohner kann selbst bestimmen, wie hoch der Preis ist, für den er den Inhaber wechselt. Man wäre ja dumm, sich selbst zu behalten, zumal man sich ggf. auch günstig zurückmieten kann. Wir kennen das aus dem Sport, hier vor allem Fußball: Da kickt wer nach Vertrag für einen Club, wird zu gut für diesen, also kommt ein anderer daher und kauft ihn weg. Ein wunderbarer Wachstumsmarkt, denn, da stimmt die Replik: So geht Liberalismus, jetzt zum Neo- noch der Hyper-, Mega-, Petaliberalissimus.

Das freie Individuum, das sich nicht staatlich gängeln lässt, ist Herr seiner selbst und wirft endlich die Ketten ab, die das halbherzig bürgerliche Recht mit Gesetz ihm auferlegt: Werden wir Händler nicht nur des eigenen Handelns, sondern des ganzen verdammten Selbst, mit Haut und Haar. Selbstbestimmt bestimme ich selbst meinen Preis, zu dem ich mich veräußere und dem Investor hingebe. Wie gesagt, kann ich erst einmal fett absahnen und mich dann nach Bedarf zurückmieten. Sagen wir eine Million für mich, danach eine Miete von zweitausend Euro monatlich, fortlaufend dem Markt und seinen Preisen azupassen. Wer es drauf hat, hat damit ausgesorgt.

Ein völlig neuer Markt für sieben Milliarden Geschäfte zuzüglich der darauf aufsetzenden Finanzprodukte. Das dürfte uns locker über die nächste Dekade bringen und ändert auch nichts Wesentliches an den bereits gegebenen Verhältnissen. Da gibt es absolut nichts zu meckern, Freunde. Versucht es nur, jedes eurer Argumente dagegen wäre eines gegen die Ordnung, die ihr so lange tatkräftig gestützt habt.

 
db

Ich bin es schon lange leid und ich wehre mich. Diese Griechen machen sich von meinem Geld einen lauen Lenz, die Hartzer sowieso, und ein paar Gierhälse haben für die schlimmsten Auswüchse gesorgt. Sie zocken an ihren Zockerbuden und bereichern sich schamlos, während ehrliche Menschen sich ständig nach der Decke strecken müssen. Ich kann ja schon nicht verhindern, dass sie mir Steuern abnehmen und all diese Versicherungen, von denen ich nichts habe, aber der Rest gehört wenigstens mir. Ich werde jetzt dafür sorgen, dass mein Geld nicht für Auswüchse und Verschwendung missbraucht wird.

Seit einigen Monaten hole ich mein Geld immer gleich nach der Lohnzahlung von der Bank ab - genau den Betrag, den ich verdiene. Dann notiere ich mir alle Nummern der Scheine und mache mir ganz kleine Markierungen, die nur ich erkenne. Das ist mein Geld, damit wird getan, was ich will. Das wird niemand zur Börse tragen oder Griechen damit durchfüttern oder Russen unterstützen. Es ist mein Geld! Wenn ich das bei wem finde, der so etwas macht, zeige ich ihn an wegen Diebstahl und Betrug und Geldmissbrauch.

Das Amerikanergeld

Das sollten wir alle so machen. Und wir sollten verbieten, dass auf unser Geld Zinsen und Zinseszinsen genommen werden. Das müsste man doch auch so machen können, dass jeder sein Geld so markiert, dass man es jederzeit erkennt und wiederfindet. Wenn wir zum Beispiel dann sagen, von dem Geld werden keine Waffen gekauft und keine Puffbesuche bezahlt und so weiter, dann können wir die Welt doch ruckzuck ändern.

Ich nehme übrigens ohnehin nur deutsche Euros an. Mir soll keiner kommen mit ausländischen Euros, schon gar nicht mit denen aus Südeuropa. Da hast du doch direkt Schulden in der Hand, wenn du das nimmst, und eines Tages, wenn die aussteigen, ist das von heute auf morgen nichts mehr wert. Ich kann nicht verstehen. dass die Leute so ein Risiko eingehen anstatt mal richtig hinzugucken, was man ihnen da andreht.

Überhaupt verstehe ich nicht, warum Deutschland nicht aus dem Euro rausgeht. Die D-Mark war so hart und stabil, da gab es keine Bankenkrisen und D-Mark-Krisen, und das war eben richtiges deutsches Geld, von fleißigen Deutschen verdient, nicht zu viel Zinsen und keine Zockereien. Genau wie bei deutschen Produkten. die waren Wertarbeit, da hatte man was Bleibendes. Aber dann kamen ja diese - man darf es ja nicht sagen - aus Amerika und haben uns den Euro gebracht, und ihre Manager haben die Arbeit nach China verlegt, wo sie nur noch Schund herstellen. Ich mache da jetzt nicht mehr mit. Es ist immer noch mein Geld!

 
Arbeitsplätze - Profit
Augenmaß - Profit
Beschäftigung - Profit
Demokratie - Profit
Fördern - Profit
Fordern - Profit
Gewinn - Profit
Interessen - Profit
Optimismus - Profit
Programm - Profit
Recht - Profit
Sicherheiit - Profit
Solidarität - Profit
Sparen - Profit
Stabilität - Profit
Vernunft - Profit
Wachstum - Profit
Wohlstand - Profit
Zielsetzung - Profit
Zukunft - Profit

Ich habe eben nach Lektüre von Burks' Artikel einen geschrieben, der in der Apokalypse mündet. Keinen Bock auf noch mehr davon. Ich spare lieber für eine optimistische kleine Geschichte über ein Quietscheentchen oder ein Kätzchen oder eine süße kleine Heuschrecke, die ihre Mama verloren hat und sie wiederfindet, indem sie das Feld kahl frisst. Oder noch besser: einen Wolf, der sich für multikulturellen Austausch engagiert und eine Dönerbude aufmacht. Ach, es gibt doch so viel Nettes und Schönes, man muss es nur sehen wollen!

Update: Ich muss gerade das Angebot ablehnen, mir ein kurzes Video anzuschauen, in dem sich wieder einmal ein Regierungssprecher zum Horst macht, indem er die Aufrüstung der NATO in Osteuropa zur defensiven Maßnahme erklärt. Will ich nicht hören, nicht mal eine Minute. Ich mag nicht mal kommentieren, was die Verabredungen wert sind, die solche Gebrauchtwagenhändler treffen. Das richtet sich alles selbst.

Auch was in Griechenland abgeht, muss ich nicht mehr kommentieren; das machen andere auch ganz gut. Nichts wird da übrigens mehr "gerettet". Klar, die ganzen Claqueure und Funktionsmöbel müssen bei der Stange gehalten werden. Sie dürfen daher berichten und kommentieren, bewerten und huldigen, aber das Spiel ist aus. Griechenland und Spanien sind keine Laboratorien mehr, sie sind der Vorhof.

 
pff

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen, hoch verehrte Arbeitschaffende!

Die SPD ist mit ihren mehr als 100.000 Mitgliedern eine Säule der deutschen Demokratie. Sie war es nicht immer, wir wissen das, aber keine andere Partei hat aus ihren Fehlern so gründlich und nachhaltig gelernt wie die Sozialdemokratische Partei Deutschlands.

Es hat fast eineinhalb Jahrhunderte gedauert, bis wir dort ankamen, wo wir heute stehen, nach Verirrungen, die sich gutgemeinten, aber falschen Idealen verdanken. In den Anfangsjahren, bis hinein in die junge Bundesrepublik, hat die SPD sogar noch mit dem Marxismus geliebäugelt. 1959 war die erste epochale Wende zur Verantwortung mit dem Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft.

Aber noch am Ende des 20. Jahrhunderts waren Kinderkrankheiten nicht abgelegt. Unsere Vorsitzenden und die immer etwas gefühlsduselige Basis hatten bis dahin stets den Hang, das Negative zu betonen, herzerwärmende Einzelschicksale von Arbeitslosen und Zurückgelassenen in den Fokus zu rücken. Selbst als die SPD zum letzten Mal den Bundeskanzler stellte, waren die Märkte überaus beunruhigt, obwohl mit Gerhard Schröder ein Mann für die neue Sozialdemokratie stand, der wie kein anderer die Wende zur Mitte verkörperte.

In dieser Zeit haben wir unser wirtschaftspolitisches Profil schärfen können. Die Begleitung durch erfolgreiche Manager aus Industrie und Finanzmärkten hat die SPD zu dem gemacht, was sie heute ist: Eine Säule von Staat und Markt, uneingeschränkt regierungsfähig, kurzum: die erste Dienerin von Demokratie und Sozialer Marktwirtschaft. Wir haben gelernt, dass das Soziale, die Arbeit, die Identität unserer Partei, nur in Eigenverantwortung zu verwirklichen ist und nicht durch Alimentierung oder falsche Rücksicht auf vermeintliche Freiheiten.

Wir streben nicht nach dem Thron oder höheren Weihen. Sozialdemokraten und -demokratinnen stehen auch in der zweiten Reihe ihren Mann und ihre Frau. Wo wir gebraucht werden, übernehmen wir Verantwortung auch ohne Führungsanspruch. Die Verantwortungsträger der Partei haben in der Vergangenheit vielfach bewiesen, dass sie auch eine mürrische Basis auf den Weg zu leiten wissen, den die Regierung vorgibt. Die Freiheit des Einzelnen, Sicherheit und soziale Rechte und Pflichten sind nirgends besser aufgehoben als in den Händen demokratisch gewählter Regierungen. Diesen wollen wir dienen, in enger Partnerschaft und Treue zu unseren transatlantischen Partnern.

Wir haben dafür Opfer gebracht. Viele haben der SPD den Rücken gekehrt. Das faule Fleisch war mehr als wir befürchtet hatten, aber wir haben es uns abgeschnitten, Schicht für Schicht. Heute ist die Sozialdemokratie die modernste Partei der Welt, bereit, jede Aufgabe mit jedem demokratisch gewählten Partner anzugehen, flexibel in der Haltung, koalitionstreu auch unter schwierigen Bedingungen, frei von Prinzipienreiterei und romantischen Illusionen.

Wer in einer globalisierten Marktwirtschaft für Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplätze werben möchte, findet in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands eine Partnerin, die keine überzogenen Ansprüche stellt, sondern liefert, was bestellt wird. Dafür stehe ich, dafür stehen alle Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen in Fraktion und Parteispitze.

Ich danke Ihnen!

 
strw

Ich glaub, ich hab' Gen. Ist doch Gen, wenn man so durch und durch deutsch ist, dass einem ein Grundgefühl im Würgegriff hält, das jeder bewussten Hirnaktivität zuwiderläuft, das Gegenteil all dessen ist, was man denkt und auf der anderen Seite genau das hervorbringt, was die tief verachtete Volksseele täglich vor sich hin eimert? Fängt damit an: Arbeitslose sind überflüssig. Man sollte sie töten.

Also eigentlich nicht alle. Nur die, die ich sind. Ich bin jetzt ein halbes Jahr ohne Lohnjob und fühle mich scheiße deswegen. Es ist ja nicht so, dass ich nichts zu tun hätte, im Gegenteil. Privat bin ich sehr eingespannt, völlig unproduktiv bin ich auch nicht. Ich versuche sogar gerade, so etwas wie eine Firma aufzubauen, aber das ist vage und liegt nicht allein in meiner Hand. Ich will trügerische Sicherheit gegen Ausbeutung. Ich Lallsklave.

Oberstubenrein

Zweitens: Künstler sind Schnorrer. Lachhaft, das Gelaber von "Inspiration" - wenigstens sollen sie acht stunden am Tag tun, was sie halt so tun. Dazu gehört definitiv nicht auf und ab laufen, keine Idee haben und sich davor drücken, zum Beispiel Bücher voran zu bringen. Irgendwas kann man da schon schreiben, wenn man nicht ein nichtsnutziger Faulpelz ist.

Was macht der Herr also? Wer schon nicht arbeitet und trotzdem frisst, muss dann wohl wenigstens spinnerte Konsumträume haben, am besten gleich Ansprüche stellen. Klamotten, die sich kein hart arbeitender Hartarbeiter leisten kann. Haben wollen! Haben müssen! Den Fetisch bespeicheln, nachts von ihm träumen, besessen sein von Dingen. So ist er, der Hängematten-Heini, Mallorca-Manni, Florida-Flatter.

No Shit, Watson: Ich war neulich in so einem Klampfentempel und habe mich prompt verliebt. Kostet ja nur fünf Mille, das Teil. Sieht aus wie gekaut und ausgespuckt, aber dieser Klang! Unfassbar. Muss haben. Ich hat Urlaub. Rest sucht Buckelpiste für promovierten Tellerwäscher. Ach ja, überqualifiziert? Zu alt auch, so? Schade. Schade um das schöne Hirn, wer hätte das gedacht? Ich war's nicht.

 
facpaIn den Kommentaren hat mich jüngst jemand auf einen Artikel aufmerksam gemacht, in dem das Autofahren der Zukunft angepriesen wird: Man könne dann auf allen Wegen "das Büro" ins Auto verlegen, im Auto leben quasi, das ganz von selbst fährt. Ein Grund, Neuländern wieder einmal zu erklären, was "Facepalm" bedeutet (siehe Abbildung). Doch, das gibt es schon. Es nennt sich "Eisenbahn". Ich lasse die Hand einfach an Ort und Stelle, wissend, dass aus gut gewaschenen Schädelschwämmen jetzt der Befehl ans Plapperwerk ergeht, etwas von "unpünktlich" und "Streik" zu faseln.

Mein Lieblingspropagandabrei ist übrigens: "längster Streik in der Geschichte der Bahn AG". Haben sie gesagt, überall. Ich habe einige beliebige Personen gefragt, wie lange es denn schon die Bahn AG gebe, die meisten antworteten mit dreistelligen Zahlen. Richtig ist: 21. Die Bahn AG wurde 1994 gegründet. Nächstes Jahr werde ich einmal nach dem längsten Streik in ihrer Geschichte fragen. Mal sehen, wer da mit sechs läppischen Tagen auskommt. Im übrigen bitte ich hier einmal um einen Vergleich der Verzögerungen im Schienenverkehr mit denen auf der Straße. Aber zurück zum Thema ...

Die geniale Idee, man könne gar zu mehreren in einem Z-Auto sitzen, finde ich ebenfalls großartig. Ähm, das geht nämlich bislang nicht? Man könnte nicht einfach die Autos besteigen, die es schon gibt, jemanden ans Lenkrad lassen und fröhliche Dinge tun? "Lieber saufe ich einen Eimer Bremsflüssigkeit", wird sich der Pneuteutone sagen, der wilde Einzelgänger, nein -fahrer, dessen Individualität auf zwei Säulen beruht: Seiner Karre und seinem Fahrstil. Spätestens letzterer ist in der Regel ein guter Grund, nicht zuzusteigen. Er will ja aber auch gar nicht. Der große Isolator ist die Allegorie auf das zum Lebensstil verklärte Prinzip "divide et impera".

Sparprogramm

Was bleibt, ist der Fahrspaß, zumal im Land der Freiheit qua Tempo unlimited. Wem fällt da ein solcher Tinnef aus dem zerebralen Regal, dass er Selbstfahrautos für eine gute Geschäftsidee hält? Ich will gar nicht auf das Problem eingehen, wenn so ein Ding einen Bums baut oder großangelegtes Hacken der Elektronik die Straßen in Schrotthalden verzaubert. Das sei mal alles geschenkt. Ich frage mich eben nur, wie man darauf kommt, den einzigen Aspekt zu erwürgen, der Autofahren attraktiv macht.

Vielleicht habe ich auch wieder keine Ahnung und verpenne den Trend. Vielleicht ist Carrerabahn ohne Regler viel geiler. Man könnte auch einfach anhand medizinischer Parameter errechnen, wer gewinnt und nur noch das Ergebnis auf einem Händi anzeigen. Fußball ohne Spieler geht doch auch. Man geht ins Stadion, frisst Würstchen, säuft Bier, rülpst Wikingerlieder in den Wind und liest auf der Anzeigetafel die Zahlen vom Toto. Das schont auch den Rasen.

Vielleicht ist Golf ohne Ball der neue Renner. Schnaps ohne Alkohol. Sex ohne Partner. Gassi ohne Hund. Kauen ohne Essen. Häuser ohne Bewohner. Arbeit ohne Lohn. Strafe ohne Vergehen. Justiz ohne Recht. Demokratie ohne Volk. Sender ohne Empfänger. Warte, ich erkenne da ein Muster ...

 
hdgdl

Gut informierte Leser wissen, dass GdL-Chef Weselsky nicht für Arbeitnehmer kämpft, sondern aus Egoismus einen Krieg gegen das Volk führt. Er will die Bahn kaputtmachen, damit niemand mehr pünktlich zur Arbeit kommt. Ihm ist der Standort Deutschland egal, und wenn er das zarte Pflänzchen Aufschwung überrollt, wenn Millionen Arbeitsplätze vernichtet werden, hält er das für einen Erfolg. Kein Wunder, dass immer mehr deutsche Unternehmen ins Ausland abwandern.

Auf seinem zerstörerischen Weg hat er nun eine Waffe gefunden, die alles Dagewesene in den Schatten stellt. Weselsky will keine Arbeitsplätze, er will nur Rache. Dabei hat niemand mehr einen positiven Einfluss auf ihn. So war ihm Norbert Hansen, ehemaliger Chef der Gewerkschaft Transnet und einer der fähigsten Gewerkschafter aller Zeiten, schon immer ein Dorn im Auge. Weselskys Neid auf den inzwischen zum Manager aufgestiegenen Kollegen entfacht seine gnadenlose Wut.

Welche Waffe er einsetzen wird

Auch Bahnsprecher Pofalla, der ausdrücklich den Streik der Gewerkschaften für beendet erklärt hat, findet kein Gehör. Weselky akzeptiert kein Machtwort außer seinem eigenen. Jetzt lässt er alle Hemmungen fahren und setzt ein Mittel ein, das Deutschland mit Furcht und Schrecken erfüllt. Er hat für die GdL einen Verhandlungsführer engagiert, der die Bahn, die Gewerkschaft und das ganze Land in den Ruin führen soll. Einen Experten nicht nur für die Bahn, sondern vor allem für Chaos und Niedergang. Weselsky hat für seinen Vernichtungsfeldzug keinen geringeren gewonnen als Hartmut Mehdorn!

In einer Dringlichkeitssitzung hat das Bundeskabinett ein Paket auf den Weg gebracht, das über die bisherigen Notverordnungen gegen die Zersetzung der deutschen Wirtschaft durch unbedeutende Gewerkschaften hinausgeht. In Abwesenheit der Kanzlerin, die ein strategisches Zentrum für Zwergeichhörnchen einweihen muss, versuchen Vizekanzler Gabriel, Arbeitsplätzeministerin Nahles und Justizminister Maas die Soziale Marktwirtschaft zu retten.

Wie die Regierung uns retten will

Es wird künftig einen neuen Straftatbestand "Solidarität" im Strafgesetzbuch geben. "Wir müssen echte Solidarität schützen gegen Zusammenrottungen fehlgeleiteter Bürger, sonst hätten wir bald die Lynchjustiz in Deutschland. Niemand braucht gewaltbereite Gruppen, die Unternehmen zerstören oder die Ordnung bedrohen. Gleichzeitig haben wir dabei auch diejenigen im Blick, die sich zusammentun und dennoch Hilfsleistungen in Anspruch nehmen. Legale Solidarität ist in einer Demokratie durch das staatliche Gewaltmonopol abgedeckt“, sagte Gabriel am Dienstag der Bild am Montag,

Nahles erklärte am Samstag dem "Freitag", man müsse jetzt handeln. Eichhörnchen könnten auch nur Nüsse essen, die sie vorher gesammelt hätten. Nachfragen verwies sie an Regierungssprecher Seibert, der verlautbarte, er könne kein Gesetz kommentieren, das nicht in Kraft sei und keine Eichhörnchen, die er selbst nicht besucht habe.
Der Entwurf wurde von allen demokratischen Fraktionen begrüßt. Lediglich die Partei "die Linke" äußerte Bedenken. Sie forderte ein Verbot nur von falscher Solidarität und eine eindeutige Definition des Tatbestands, um Rechtsunsicherheit zu vermeiden.

 
ratio

"Die Verkehrsdaten werden bei diesem Vorgang nicht verbeauskunftet, sondern die Verkehrsdaten werden dafür genutzt, dass der jeweilige Telekommunikationsunternehmer aufgrund der Zuordnung der dynamischen IP-Adresse in die Vergangenheit in der Lage ist, den hinter dieser dynamischen IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt stehenden Nutzer zu identifizieren und zu beauskunften."

Wer so spricht oder schreibt, hat den Anschluss an die Realität endgültig aufgegeben. Das ist kein Deutsch des Grauens® mehr, das ist nur noch Grauen. Die Vokabel "beauskunften" ist schon ein Sprachkatarrh erschreckenden Ausmaßes, bei "verbeauskunften" ist der Infarkt nicht mehr zu behandeln, und wer diese beiden Symptome in einen Satz packt, hat auf dem Weg zum Semantikzombie sämtliche Hürden mit einem Sprung genommen.

Beängstigung

Man kann statt "verbauskunften" einfach "mitgeteilt" sagen, "gesendet" oder - salopp formuliert - "verraten". Man kann zwanzig weitere Wörter benutzen, allesamt treffender und im Duden aufzufinden. Man kann nicht "beauskunften" sagen. Geht nicht. Darf nicht. Ist in keiner lebenden oder toten Sprache vorgesehen. Schon gar nicht "verbeauskunften" oder "verbeauskunftungstransagieren". Was soll das? Fragt sich nicht nur der Max.

Die Verbeamtung der politischen Verbeauskunftung ist ja nur eine Flanke, auf der die Terroristen uns angreifen, um den totalen Krieg gegen alles Lebendige in die Sprache zu tragen. Die professionellen Täuscher und Tarner teilen sich den Job mit den Lügnern der Werbeauftragung, PR-Fuzzis, Gebetsmühlenschmiede, Schaumschläger aus den Schlagwortstudios. Die Volksvertretung lässt sich vertreten. Sie haben uns nichts zu sagen. Wir haben ihnen nichts zu sagen. Daher kaufen sie Texte ein, zu denen es nichts zu sagen gibt. Ehe irgendwer das sortiert hat, ist längst die nächste Bombe eingeschlagen.

Verungung ist das neue Schön

Sozial ist, was verbeauskunftet. Für eine leichte bis mittlere Beaufschlagung der Bruttosteuerlast. Wohlstand durch Bestandsauskunft bei eingeschränkter Höchstspeicherfrist. Sicherheit durch Rechtssparsamkeit, Leistungsstarke Geheimnisminderung durch Nichtöffentlichkeit. Muddi Merkels Pudding schafft leckere Arbeitsplätze. Uschis Kuscheltruppe jetzt noch feuriger. Varufuck is abgebrannt. Möglicherweise brutalen Anschlag auf möglichen Kindergarten verbehindert.

BND-Gewerkschaft fordert Beweiterung identitätssichernder Maßnahmen. Sommermärchen durch Verbeanschlagung bedroht. Rettung durch Sparmaßnahmen. Du bist ein Volk. Zusammen sind wir reich. Vaterland ist, wo Kindschaft war. Eine Rückverbeheimatung ist im Sinne aller zu begrüßen. Die Institutionen haben nach Herstellung der Nichtöffentlichkeit ein Paket verabschiedet. Putins Verschwörungstheoretiker stellen im Internet Mutmaßungen an. Gegenmaßnahmen sind in Vorbereitung.

Die Bundesregierung muss wirksam regieren können im Sinne einer Politik für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze. Ein bürokratisches Monster wie das Grundgesetz ist eine Wachstumsbremse, die sich das globalisierte Deutschland nicht leisten kann.

Karl Binding, Verhaltensökonom

Update:

Ha! Heute war Fernsehen für Halbgebildete, direkt aus dem Bundesbildungssystem. "Wer wird Millionär?". Na wer wohl? Der Jauch. Es gab ein "Spezial", in dem je ein Lehrer und ein Schüler antraten. Ziel der Circenses: Vom Gewinn dürfen die Schulen die maroden Kästen reparieren, in denen sie ihren Un-terricht abhalten. Jaa, so mögen wir das! Der Plebs gibt sich den Ellenbogen in die Rippen, damit er sich das Atmen leisten kann und spielt Lotto, um seine demokratischen Rechte wahrzunehmen. Jeder kann es schaffen! Die ausgebluteten Schulen, jene Kostenfaktoren, die Neue Soziale unter "Staat" (zu teuer, ineffizient, enteignet dauernd die Leistungsträger®) verbuchen, sind jetzt auch dabei. Jede Schule kann sich einen Musikraum leisten oder eine Bühne, womöglich gar eine echte Bibliothek. Wenn ein paar Abgesandte Mehrwert beim Privatsender erzeugen. Alles völlig ohne Steuerlast. So lieben wir Deutschland. Mach mit! Sei dabei! Auch du bist ein Neuer Sozialer®!

(Ich muss hier dringend mal eine Kategorie "NS Marktwirtschaft" einführen.)

Einen hab ich noch. Wer Rechtdenken lernen will, muss zuallererst verinnerlichen, dass alles Gute vom Unternehmer kommt, wahlweise vom 'Arbeitgeber' oder auch einfach vom Chef. Macht wer einen Fehler, findet sich ein kleiner Angestellter; alles, was unter Erfolg verbucht wird, war der Chef.

Beispiel, und zwar nicht nur für das Prinzip, sondern vor allem dafür. dass die geneigte Journaille das ganz prima macht: SpOn hat dieser Tage festgestellt, dass den VW-Aufsichtsratschef Piech keiner mehr unterstützt, u.a.
"Die Arbeitnehmer nicht, die ihn jahrzehntelang unterstützten, weil er nicht 30.000 Mitarbeiter entließ, als er an die Spitze des Volkswagen-Konzerns kam, sondern mit der Vier-Tage-Woche ihre Jobs rettete."

Das hat der ganz alleine gemacht! Sein Recht als Patriarch wäre es gewesen, Zigtausend zu verbannen, die Jahrzehnte lang seinen Reichtum vergrößert haben. Die Alternative - ja sicher war das seine Idee! - bestand in der Veränderung tausender Verträge, die immerhin hieß, dass die Betroffenen auf ein Fünftel ihres Einkommens verzichten mussten. Merke: Der Profit des 'Arbeitgebers' ist in der Natur alternativlos. Verhandelbar hingegen ist das Leben der Abhängigen.

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