kunstlyriklamauk


 
ac

Erwähnte ich, dass meine Stimmung gelegentlich zu Reizungen in der Bartrandzone führen? Desweiteren, dass die Bartrandzone sich über mehrere Stadtteile ausbreiten kann, in denen die Menschen in Angst spontan Schutz suchen? Gewitter waren zwar erst für heute Abend angesagt, aber bereits am Vormittag donnerte es und blitzte aus einer Wohnung im Süden der Stadt, wo ein Einzelfall explodiert war. Ganz recht, der Einzelfall war ich, und das kam so:

Soll ich das Wort wieder sagen? Das mit K? Aus dem paranoiden Kindergarten? Okay, das wäre öde, also kaufe ich ein C: Fuck that fucking arse of pissing bloodspraying CAPITALISM! Argh! Die verfickte POST! Ich meine jetzt ausnahmsweise einmal nicht das magentafarbene Stück Scheiße, das sie aus dem Gedärm der Genannten geholt und rosa lackiert haben, auch nicht den Dödel auf dem Fahrrad in der bescheuerten Jacke, dessen Fahne man erst dienstags riechen muss, weil er montags nicht nur blau ist, sondern auch macht; ich meine De Ha El. What the FUCK!

Wie lange dauert es im Jahr 2017 in einer deutschen Großstadt, ein Paket aufzugeben? Kommt wohl drauf an. Ich weiß ja nicht, was andere machen, aber ich habe schon fast eine Stunde gebraucht, um das behämmerte Label auszudrucken, das man auf das Paket kleben muss. Ich weiß schon, warum ich einen verdammten Skriptblocker benutzte. Wenn ich bei dhl.de die Skripte freigebe, damit ich das mistige Pickerl bekomme, friert mir der Browser ein. Drei verschiedene Browser in zwei verschiedenen Betriebssystemen. Was haben die da für einen verkackten Ranz gecoded?

Privat kann besser

Da sind wir übrigens schon an der Baustelle vorbei, wo du alles fünfmal eingegeben hast, weil der Scheißladen Cookies nur setzen kann, wenn du vorher drei Formulare unterschrieben hast, dass er das darf. Mal abgesehen davon, dass er eine Adresse, bei der ich auf Google Street View die Vase auf dem Wohnzimmertisch sehen kann, für nicht existent erklärt. Woher soll auch die Post wissen, wie man eine Adresse findet?!

Okay, irgendwie fummelst du dich da durch, natürlich frisst der ätzende Drucker das Papier erst mal quer, weil er ein eins A Teil ist, das sich dieser Qualitätsoffensive selbstverständlich ungespitzt anschließt. Der liegt jetzt übrigens auf dem Dach gegenüber, die dumme Sau. Also, trotzdem alles irgendwie geregelt, der Lappen mit dem Strichercode klebt auf dem Karton, also auf zur Post.

Die Post - das Postamt - die Hauptstelle dieses Stadtteils, in der noch Beamte in die Pension hinüber gepflegt werden, also das Ding, in dem früher beim Wort "korrekt" die Serifen auf den tausendstel Millimeter ex-akt ausgerichtet waren, die hat hier Öffnungszeiten wie in einem Hunsrückweiler anno 1970 bei Tollwutbefall. Immerhin aber heute bis 12:30 Uhr. Ich stehe um 11:50 da vor der Tür, und was ist? ZU IST! ZU!!

Ich hab keinen Bock mehr, diesen Drecksartikel zu Ende zu schreiben, macht euren Scheiß doch alleine!

 
xx

Bundesarchiv B 145 Bild-F041446-0036 / Reineke / CC-BY-SA 3.0

Er war der Kanzler der Einheit. Der deutschen Einheit. Der europäischen Einheit. Der Währungseinheit. Der Einigkeit. Der Dreieinheit. "Noch im Tod brachte er Menschen zusammen", stellt der kritische Journalismus fest. Ja, ich habe es am eigenen Leibe erfahren. Als mir Helmut erschien, überkam mich sofort, unverzüglich, der Drang mich zu vereinen. Hunderte Kollegen standen beieinander, nachdem sie die Fotos von Kohls Erben geschossen hatten. Vereint in Trauer und Helmut Demut.

Allein die deutsche Einheit, sie ist sein Werk und alle danken es ihm unter Tränen. Wer erinnert sich nicht daran, wie die DDR-Bürger, die nichts hatten, ihm ihre letzten Lebensmittel zuwarfen als Zeichen ihres Respekts. Wie er sich durch die Massen wälzte, um den Spender persönlich zu umarmen? Seine Dankbarkeit gegenüber Spendern war legendär wie seine Treue und Zuverlässigkeit. Wer sich ihm anvertraute und die richtige Einheit mitbrachte, war sicher wie das Gold in Fort Knox.

Gleich nach dem ersten Schultag bringt "Helle" – das war sein Spitzname – ein paar seiner neuen Freunde mit nach Hause. Als Schüler ist er eher mittelmäßig.

Die europäische Einheit, der Euro, eine einzige Erfolgsgeschichte. Alle sind unter einem Dach vereint: Geber, Nehmer, Schuldner, Gläubiger, Importeure und Exporteure, Große und Kleine, Arme und Reiche, Schwache und Starke - und alle lieben Helmut. Sie werden auch Wolfgang lieben lernen, Helmuts treuen Truchsess, der den deutschen Koffer längst gegen die europäische Kreditkarte getauscht hat. Es ist Ordnung, wo Helmut seinen Samen gesät hat. Deutsche Ordnung ist europäische Ordnung, und alle folgen sie. Alle sind sie vereinigt und können gar nicht mehr loslassen von Helmuts Europa.

Wir werden sein großes Herz vermissen. Sein Herz für Spender - Flicks, Schreibers, Ehlerdings, seine jüdischen Freunde; unvergessen! Sein Herz für Gestrauchelte und Vergessliche wie seine Minister Zimmermann, Kanther und Lambsdorff oder seinen Vize Leisler-Kiep. Bei Kohl hatten viele eine zweite Chance auf ein drittes Gehalt. Rührend auch sein väterliches Verhältnis zu Journalisten und Medien; bald streng, wenn die Kleinen dem gefährlichen Rotfunk zu nahe kamen, bald großherzig, wenn die Großen auf dem rechten Weg waren.

Bahnbrechend seine Genderpolitik. Kein anderer Kanzler lebte so offen seine Männerfreundschaften: Strauß, Flick, Kirch, Mitterrand, Thatcher, Reagan, Clinton, Jelzin. Zwischen Sauna und Saumagen steht Kohl für die zweite sexuelle Revolution. Auch seine Expertise in Fragen einer visionären Wirtschaftspolitik ist sprichwörtlich: Treuhand, Soli, sechzehn Jahre Aufschwung. Schon in fünf Jahren wird niemand mehr von Problemen der Einheit sprechen und die blühenden Landschaften bewundern, die seine Politik wird geschaffen haben. Ein Gigant. Ein Koloss. Ein Titan. Ein Gott!

 
db

Sommerloch, bodenlos. Wenn etwas passiert, wird es unterschätzt und in "Netzwelt" verschoben. Die neue Variante des NSA-Virus ist wirklich und echt krasse Scheiße. Wir werden noch mehr davon hören. Ist aber auch zu geil: Die da für unsere Sicherheit® sorgen, basteln Malware und sorgen dafür, dass alle großen Hard- und Softwarehersteller angreifbar bleiben. Doppelt lustig. Aber wichtig ist ja jetzt "Ehe für alle". Mein Toaster heiratet meine Sonnenbrille.

Unter allem komplett Irrelevanten dieser Tage ist eine Jubelarie über das JK Rowling und sein Potterding besonders widerlich. "Verdient" habe sie "Millionen", schleimt der "Stern". Nein, es sind hunderte, und die eher mit Gewalt abkassiert. Für den Erfolg verklagt sie auch gern persönlich alles, was sie auf ihrem Weg zur ersten Milliarde bedroht. Es ist doch "ihr Harry". Gern redet sie "unter Tränen". Glaube ich sofort, Die Alte lacht sich in Scheiben. Grausames Schicksal!

Ich wiederhole mich also, wusste ich doch schon vor ziemlich genau zehn Jahren:

Potter senkt die Steuern

Eine einzigartige Karriere geht zu Ende: Zehn Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes kommt in Kürze der letzte Band über den talentfreien größten Zauberer aller Zeiten heraus. Gleichzeitig kommt die Verfilmung des faschistoiden Gothicschinkens “Der Orden des Phönix” in die Kinos. Es ist also bald überstanden.

Im Film wie in den Büchern entwickelte sich Harry ähnlich wie seine Autorin: Er wurde immer spießiger, unsympathischer, verkniffener. Es fehlt ihm zusehends an Kreativität, Mut und Verstand, aber er ist eben wer, darum bleibt er auch wer. Was als kitschige Geschichte mit Liebe zum Detail entstanden war, geriet immer tiefer in den Strudel von Schacher, Depression und Darmkrankheit, so dass die Bezeichnung “Kinderbuch” schon längst nur noch Marketing ist, genau wie die ganzen überflüssigen Tässchen, Schulranzen, Bleistifte, T-Shirts, Kappen und was sich sonst noch so verhökern lässt.

Schon bei der Kinopremiere des ersten Bandes fiel den Lesern auf: Der Typ hat nichts mit dem Harry aus dem Buch zu tun. Der war nämlich eine Art Punk unter der Treppe, und geboten wurde ein Streber mit Attitüde. Daniel Radcliffe wird inzwischen zurechtgebürstet wie ein Schleimer von der Schülerunion, und man wartet nur darauf, dass er du-weißt-schon-wem mit dem Anwalt droht. Mal sehen, wie’s ausgeht. Wahrscheinlich werden auch die letzten Sympathieträger noch entlassen, und Harry besiegt nach einer Orgie blutrünstiger Qualen, die er lieber erträgt, als aufzubegehren, seinen Peiniger mit einem neuen Zauberspruch: “Steuern runter!”

Apropos: Sloterdijk ist siebzig; aber man kann ja nicht in jeder Gülle schwimmen.

 

Diese jungen Orientalen können gar nicht friedlich sein.
Sie kennen ja nichts anderes als Krieg.

 
vg

"Der Gedanke kommt vor dem Wort, das Wort kommt vor der Tat", sagten Bundesinnenminister Thomas de Maizière, BKA-Chef Holger Münch und Bundesjustizminister Heiko Maas unisono. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und deshalb muss hart und konsequent gegen Hasskriminalität vorgegangen werden. Diese beginne nicht erst mit dem Mord an Andersdenkenden, sondern beim Hass selbst. Wer Hassgedanken pflegt, lässt ihnen oft freien Lauf. Dies gefährdet und bedroht nicht nur Einzelpersonen oder Gruppen, die verhetzt werden, sondern die Sicherheit aller.

Hass ist der größte Feind der Meinungsfreiheit und nicht durch das Grundgesetz geschützt. "Wir haben Null Toleranz für Hassverbrecher", betonte de Maizière. "Die Gesetzeslage ist dank meiner Initiative eindeutig", ergänzte Maas, "wir werden jeden verfolgen, der andere verfolgt, sei es durch Werke oder Worte." Münch machte deutlich, dass BKA und Polizei den Auftrag von Regierung und Parlament vernommen haben und mit vollem Einsatz ausführen werden. "Wir zögern nicht und wir schrecken nicht zurück", erklärte er, beklagte aber, dass die Strafen für Hasskriminalität möglicherweise nicht hart genug seien.

Mehr Freiheit für alle

Maas machte deutlich, dass dies Sache des Gesetzgebers sei, man aber "jederzeit nachjustieren" könne. In Vorbereitung sind weitere Verbesserungen der Sicherheitslage durch Früherkennung von Meinungsverbrechen. "Man muss nicht immer darauf warten, bis jemand mit dem Tode bedroht wird", betonte de Maizière, "oder schlimmer noch, bis jemand solche Aufforderungen in die grausame Tat umsetzt." Als sehr erfolgversprechend haben sich Versuche mit Algorithmen erwiesen, die Hass auch in solchen Fällen erkennen, in denen noch keine strafbaren Äußerungen wie Beleidigung, Nötigung oder Volksverhetzung vorliegen.

Das Ziel dieser Früherkennung ist ein früheres und schnelleres Eingreifen. Sobald ein möglicher Hasstäter identifiziert ist, soll er zur Kasse gebeten werden. Dies sei für alle Beteiligten ein Fortschritt, so die Sicherheitsbehörden. Nur wo Taten verhindert würden, würden Opfer effektiv geschützt, und auch die Täter kommen häufiger mit einer Verwarnung davon, wo sie bei späterem Eingreifen eine Haftstrafe erwarten würde. So können Strafen erzieherisch wirken. Die Sozialen Netzwerke müssten die Gedanken ihrer Nutzer wahrnehmen und konstruktiv begleiten. "Freiheit für alle, nicht nur für Hasstäter", so das Motto der Aktion.

 
bb

Angela Merkel will also nicht die oben Genannte sein, oha. Das müssen russische Hacker gewesen sein. Warum? Weil es zuallererst ein Trojanischen Pferd ist. Mit einer vorgeblichen Meldung, die wie so oft keine ist, werden Messages verklappt, Anweisungen, wie man zu denken habe. Hätte jemand geschrieben, Angela Merkel wolle nicht erste Drachenhüterin am Hofe Arthurs sein, wäre das aufgefallen. Nicht so bei diesem anderen Tinnef.

Fangen wir mal mit der tauben Stelle ein, auf die sie seit siebzig Jahren einschlagen. Immer wieder dieselbe Stelle. Wer nicht irre wurde, hat dort Hornhaut. Freie Welt®. Ein Vehikel des Kalten Krieges. Hier frei, dort unfrei. Dort Kommunismus, hier Steaks und tolle Autos. Freie Welt. Damit kommen sie uns 2017 immer noch. Gehört eigentlich Saudi-Arabien schon dazu? Ist ja immerhin kein Kommunismus.

Wer nicht fragt ...

Okay, dann die "Führerin", eigentlich Führer. Kommen wir irgendwie nicht von los. Der Führer und Reichskanzler wurde bekanntlich ersetzt durch den President of the JU ES. Der war nicht mehr Führer von "morgen die ganze", dafür aber immerhin von "freie" Welt. Mächtig mächtig, den nehmen wir. Und natürlich die Steaks und die Autos. Janz kolossal! Demokratie ist, wenn die Welt einen Führer hat. Kennen wir, ist gebongt.

So, die Kanzlerin der Deutschen verzichtet also auf den Status. Frage wäre, wenn man sich überhaupt noch irgendetwas fragt, wie man eigentlich zu dem Titel kommt. Muss man etwas dafür können? Oder tun? Sein vielleicht? Kann man den kaufen? Kriegt man den verliehen? Braucht man einen Schein? Come on, das ist nur Journaille hier, die fragen nie was. Not their Job. Erinnert mich immer öfter an das tote Tier auf der Landstraße, über das jemand den Mittelstreifen lackiert hat. Wird sich gedacht haben: "Ich bin Mittelstreifenmaler, kein Tierbeseitiger!" und wäre auch ein guter Journalist.

Was sind wir doch bescheiden. Weltmeister reicht uns. Wir scheißen die Welt zu, frei oder nicht, mit Waffen und anderen Waren. Wir nehmen jede Währung, frei oder unfrei, gern auch Schuldscheine. Wer heute nicht bezahlen kann, zahlt halt morgen. Oder übermorgen, mit den üblichen Aufschlägen: Häfen, Flughäfen, Inseln; wir nehmen alles. Wir führen keine Welt, wir führen Buch. Frau Merkel ist unsere gute Mutti. Wer brav ist, hat nichts zu fürchten. Wer nicht, den holt die Schwarze Null. Der muss dann schon mal ohne Essen ins Bett. Mehr Führung braucht es für uns nicht.

 
rl

Meine Tochter schaut Rülpsfilme. Die Bilder blieben mir erspart, aber ich hörte immer wieder minutenlanges Gerülpse. Es handelte sich dabei um die Serie "The Walking Dead", in der es ganz zeitgemäß um Zombieapokalypse geht. Meine Liebste Uena (die übrigens gern Geräuschespiele spielte) hatte vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass, wo früher Serien wie Star Strek eine glorreiche Zukunft illustrierten, heute Endzeit und eben Zombieapokalypse herrschen.

Unterhaltung, Film und Kunst scheinen gleichermaßen die Zukunft verloren zu haben oder zumindest aufgegeben. Sie löst sich nicht einmal auf in ungewinnbare Kämpfe gegen die zurückschlagende Natur oder losgelassene Technik; sie stürzt ins Bodenlose, Hoffnungslose, in ewige Verdammnis. Die Hölle auf Erden. Wie bereits erwähnt, ist das keine Nische, sondern der große Trend.

Gegen die Kapitulation

Auf der anderen Seite steht der ewige Widersacher der Kunst: verblödender Kitsch, der die Sinne benebelt und mithilfe dummer Klischees so etwas wie Zufriedenheit produziert. Es gibt Gut und Böse, Liebe und Hass; das Gute gewinnt und am Ende lockt der nächste heroische Kampf oder die Romanze ist perfekt. Kurzum war lange Zeit gute Laune in Film und Literatur ein deutliches Anzeichen für Kitsch. Erst die Kunst hielt aus, was das Leben ausmacht: Niederlagen, Schmerz, Elend und Tod, und zwar ohne jeden falschen Trost.

Es stellt sich daher die Frage, ob es in diesen Zeiten quasi kritisch ist, eine Perspektive in der Kunst zu entwickeln, die anders wäre als niederschmetternd. Kann es Kunst sein, muss Kunst vielleicht sogar danach trachten, eine lebenswerte Zukunft zu entwerfen? Schreit die lustvolle Liaison mit dem Untergang, die Kapitulation vor dem Elend, nach Widerstand - und zwar einem, der Zukunft als gute und schöne denkbar macht? Vielleicht ist diese Zeit eine Provokation, neue Narrative zu finden, Geschichten zu erzählen, die Hoffnung nähren, indem sie dem Zeitgeist trotzen. Etwas besseres als den wandelnden Tod wird man doch irgendwo finden?

 
xx

Die Lahmarschigkeit der hiesigen Medien lässt sich kaum mit den Klimawandel erklären. Einfach die Redaktionsräume ins Erdgeschoss (Altbau) verlegen, und schon wären die Temperaturen auch ohne Klimaanlage so, dass ein Gehirn arbeiten kann. Okay, das ist keine hinreichende Bedingung.

Es macht schon lange keinen Spaß mehr. Wer Feynsinn noch aus den Tagen seiner Weltherrschaft kennt, als ein paar launig dahergebloggte Zeilen reichten, um Präsidenten zu stürzen, weiß, dass hier einmal täglich Kommentare zu lesen waren über alles, was da draußen passierte und berichtet wurde. Nun, inzwischen ist egal, was passiert, man weiß schon vorher, was berichtet werden wird. Vermutlich haben sie die Artikelchen schon auf Halde liegen und ziehen sie morgens nur noch raus. Lediglich Namen und Datum werden geändert.

Nichts Böses im Guten

Schulter an Schulter mit ihren kondebilen politischen Klappbetten kippen sie so etwas hier aus: Da wird die tapfere Frau May zitiert, wie sie Tag für Tag für die Sicherheit der Briten kämpfe, während der Linksradikale Corbyn sie lieber alle sterben ließe. Die FAZ lässt dabei den einzig spannenden Part lieber weg, dass May nämlich Corbyn implizit vorwarf, Terrorismus zu entschuldigen.

Tatsächlich hat Corbyn nicht nur ausgesprochen, was jeder wissen kann, dessen Hirn nicht mit Atlantikwasser gewaschen wurde, dass nämlich die Kriege (Irak, Libyen) unter britischer Beteiligung solchen Terrorismus erst hervorgerufen haben. Selbst die eigenen Geheimdienste wussten und wissen das. Sie wissen auch, dass Attentäter sich gern filmen lassen, ehe sie sich in die Luft sprengen. Frau May und ihresgleichen antworten darauf mit mehr Krieg und mehr Kameras und erhalten dafür die ungeteilte Zustimmung der patriotischen Presse.

Man könnte all das stattdessen auch öffentlich diskutieren, bestünden Meinungsvielfalt® und Pluralismus® nicht bloß noch in unterschiedlichen Kürzeln unter der Abschrift der Agenturmeldung. Leider sind auch Plausibilität und Schlüssigkeit keine Kriterien mehr, auf die die Märkte® reagieren. Die knallharte Konkurrenz um die schnellste Abschrift lässt dergleichen gar nicht mehr zu.

Zusammenfassung: Merkel hat recht. Weiter so! Putin ist schuld.

 
xx

Chuulz! Allüberall in den Vorstandsspitzen sah ich soziale Gerechtigkeit® sitzen. Beginnen wir mit etwas Tröstlichem: Wie erwartet, war der "Schulz Hype" ein mediales Strohfeuer, eine plumpe Kampagne, der nur eingefleischte Spezialdemokraten auf den Leim gehen konnten. Was der Messias wirklich will, unendlich verständlich jetzt aus Ihrer Gebetsmühle: "So viel Markt wie möglich".

Die Parteilinke Nahles [Lacher vom Band] hat zwar nicht gesagt, ein Grundeinkommen halte die Menschen von dem Wunsch ab, schlecht bezahlte Arbeiten zu tun - diese krasse Falschmeldung des Kuhjournalismus (DLF), die zunächst fleißig abgeschrieben wurde (wozu auch den O-Ton lesen?) kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sie es dennoch meinte. Ganz große Akrobatik. Was sie 'alternativ' vorschlägt, ist ein bürokratischer Rohrkrepierer, der wie immer diejenigen begünstigt, die es nicht wirklich brauchen. Dass Nahles "kein Geld vom Staat" wolle, ist der nächste obszöne Witz.

Immer mehr Faulpelze

Es kann nie genug Zwang, Schikane, Quälerei geben, um Arbeitslose für die Sünde ihrer Existenz büßen zu lassen. Dafür sorgen traditionell ebenfalls 'Sozialdemokraten', nämlich in der Sklavenzentrale der 'Agentur', aktuell Detlef Scheele. Lest das; die Inquisition geht weiter. Pünktlich springt auch der Kriminelle Hartz wieder mit tollen neuen Ideen aus dem Busch. Morgen auch Frankreich und übermorgen die ganze Welt.

Die Grundidiotie der Sozen ist bekanntermaßen das Zwangsverhalten, Kapitalismus um jeden Preis zu verteidigen und in diesem Rahmen die Liebe zu den Menschen zu propagieren. Die Basisblödheit ihres Neoliberalismus ist wiederum die, Arbeitslosigkeit auf die Motivation und das Verhalten von Arbeitslosen zurückzuführen. Das eine folgt logisch aus dem anderen und ist eben die gängige Form des Narrativs, sprich "Eigenverantwortung" aka selber Schulz schuld. Schuldige wiederum müssen bestraft werden - zumindest die mit dem selbst verschuldet geringen Einkommen.

 
xx

Aus der Reihe "Gedenktage, an denen man durchfeiern muss", entdeckte ich just den "Weltfondstag" am 19.April. Noch einer an diesem historisch so erbaulichen Terminstrang, direkt vor Adolf, der Queen und Lenin. Ich persönlich hätte ihn ja auf den 3. Februar gelegt, aber wer fragt schon wen, der sich auskennt?

Das Leben der Investoren ist ungemein hart und voll großer Aufgaben. Wussten Sie, liebe Zuschauer und Landsleute der besten Demokratie, die man ... wussten Sie, dass Diesel durchaus Gutes tut? Zum Beispiel sorgt er dafür, dass die Investoren in unsere Städte kommen und - investieren! Machen wir ihren Kutschen Platz wie es sich gehört und lassen wir uns nicht in Neidkampagnen® verstricken!

Unsere Investoren, die scheuen Trughirsche, sie tun so viel Gutes! Vergessen sie holländische Outlet Center. Bleiben Sie diesseits der Grenze am Niederrhein und tun Sie eine Reise nach Meerbusch, wo sie wohnen, die Herren Millionäre, ach was, Milliardäre. Dort gibt es Designermode aus der Kleiderkammer. Nichts wie hin, ordentlich einpacken und eingeloggt bei Ebay!

Meer oder weniger

"Meerbusch" steht da übrigens für Noobs, die den Unterschied zwischen Büderich und Lank-Latum nicht kennen. Versuchen Sie auch besser nicht, bei Flicks auf einen Kaffee reinzuschauen. Bestenfalls werden Sie gekauft; es sollen aber auf dem riesigen Grundstück auch immer mal wieder frische Grabungen beobachtet werden. Die Familie gilt als [tragen Sie hier bitte eine sensationell klingende Spekulation ein]. Wie dem auch sei; ich bin dort geboren, man hat mir aber alle meine Erinnerungen daran genommen. Die schrecken vor nichts zurück.

Bei der Durchfahrt durch das Adamantium der Recherchekunst aka "Rheinische Post" stieß ich übrigens auf Journalismus Industrie vier Punkt zwei. Wer nicht genug kriegen kann von den schon ungemein beliebten "Klickstrecken", die noch immer der Gottheit "Parameter Klick" huldigen, von der selbst diejenigen, die damit um Budgets pitchen, wissen, dass das kompletter Blödsinn ist [Augenblick, Luftholen ...] wer das also so geil findet, dass er dafür auf Sex und Käsekuchen verzichtet, der darf sich jetzt freuen über die großgeniale Superidee der Kreativabteilung Attacke '98: Die - tadaa! - Infostrecke:

Abspannend

Jede
Seite
ein
Wort
über
irrelevanten
Scheiß.
Sauspannend!

Zum Schluss noch ein bisschen Politiksimulation. Der Herr Macron, nichtwahr, Investmentbanker und derjenige, der an vorderster Hinterzimmerfront für den neoliberalen Salto Mortale von "Wir schröpfen die Reichen, ach doch nicht, nehmen wir lieber wieder die Armen!" - Hollande verantwortlich war, der Herr ging also just in Opposition zu sich selbst, um endlich das zu verwirklichen, was er schon seit Jahren im Ausnahmezustand durchprügeln lässt. So einer heißt hier "linksliberal".

Vermutlich, weil er nicht nur am rechten Fuß einen Schuh trägt. Nun ja, fair is foul und so weiter, die FDP schließt sich der Zombieapokalypse an und knabbert grunzend an den Grünen. Wer den Unterschied findet, darf ihn behalten; so tief kann ich eh nicht gucken. Was soll's auch: Faschist, Terrorist, Erpresser - Hauptsache demokratisch gewählt!

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