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Hat vielleicht jemand einen Job für mich? Mein Hals ist nass und kein Taucher will mich aus meiner Höhle zerren. Warum berichtet bloß niemand? Ich bin doch sogar Blootsdoitschärr! Ich kann eine Menge Sachen machen. Schreiben, rechnen (elektronisch, schriftlich und köpflich), Algorithmen gießen, Jugendlichen suggerieren, ich sei eine Art Autorität, Spaß machen, Kollegen sortieren, Stromguitarren bedrahten und Fahrräder bereifen. Eher nicht möchte ich noch mehr lesen. Lesen tut weh. Zum Beispiel ...

"Christiane Nüsslein-Volhard ist geschieden und Nobelpreisträgerin". Man weiß nicht, was schlimmer ist und ob das Eine wirklich das Andere entschädigt. "Geschieden" ist für mich persönlich "unintressant". Geschieden kann jeder. Unter "geschieden und verwitwet" muss mir keiner kommen. Kriege ich eigentlich als Alterweißermann dafür auch ein paar Punkte? Zurück zur Dame: Nobelreisträgerin macht sich ganz gut, passt aber auf kein Klingelschild. Außer ggf. als Prof. Dr. Nbprstrg. Nee, das ist auch schon zu lang. Aber "Nüsslein-Volhard"?! Was muss sich eine hassen, um sich derart zu verheiraten? Deine Mutter is ne Hohlfrucht.

Wehret dem Ende!

Man muss sich ja dauernd "neu erfinden", sagen bzw. schreiben Fachexperten, die eines sicher noch nie fertiggebracht haben: auch nur eine kreuzverdammte neue Formulierung zu finden, die beim Platzen nicht nach Pril schmeckt. Also wenn schon gebrochene Metapher, dann doch bitte Kleinholz. Womit wir zum Florida-Bob der kreischenden Metaphernsäge kommen und ich mich hiermit, jetzt ganz neu erfunden, um das Amt des Chefkittels der Zerebralproktologie bewerbe. Einer muss es tun - in die dunkle Höhle hinab tauchen und berichten, was nicht mehr zu retten ist.

Heute schon frugal klingend zum Abendessen geschritten? Muss man sich vorstellen: Da schreiten sie wieder - zum Abendessen. Wo sich unsereiner einfach am Tisch dran setzt. Nobel! Bei denen ihr Aldi wird Ware auch nicht verkauft, sie wird "weggegeben". Dafür sind die Regale(!) billig, nicht etwas das Zeug, das dort (hä??) "im Fleischessaft" steht. Wtf? Wer liest so etwas? Ich? Schon wieder? Himmel, gebt mir was zu tun, sonst endet das noch, und zwar in Zeter und Gomorrha. So mancher an meiner Stelle hat schon aus Langeweile Tierbabys abgefackelt oder - schlimmer geht immer - wurde Sozialdemokrat.

 
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Bundesarchiv, Bild 102-05952 / CC-BY-SA 3.0

Im Folgenden der Wortlaut des SPD-Vorsitzenden zur Entscheidung für eine Große Koalition gegen das Ergebnis des Mitgliedervotums:

Wir haben das Votum der Mitgliederschaft der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mit großem Ernst zur Kenntnis genommen, die Sachlage analysiert und sind danach einmütig zu unserer Entscheidung gekommen. Unsere Partei mit ihrer großen Geschichte hat viele Gremien, die vor allem in besonderen Situationen jeweils ihren Beitrag zur Entscheidungsfindung leisten. Keines dieser Gremien und keiner der Genossinnen und Genossen, die sich mit der Lage auseinander gesetzt haben, hat es sich leicht gemacht.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sieht es vor, dass die Abgeordneten des Deutschen Bundestages bei allen ihren Entscheidungen nur ihrem Gewissen unterworfen sind. Es gibt kein imperatives Mandat, sei es von einer politischen Partei oder sonstwo her, das den Abgeordneten vorschreiben kann, wie sie abzustimmen haben. Das gilt natürlich insbesondere für die Wahl des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin. Die Abgeordneten der SPD-Fraktion haben daher in einem langen, schmerzhaften Entscheidungsfindungsprozess beschlossen, Frau Doktor Merkel zur Bundeskanzlerin zu wählen.

Schmerzhafte Entscheidung

Man muss sich vor Augen halten, dass zwar eine Mehrheit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gegen die Bildung einer Großen Koalition war, aber man muss zwei Dinge beachten bei der endgültigen Entscheidung, die ja die Abgeordneten treffen müssen: Erstens war die Mehrheit gegen eine Koalition mit der CDU/CSU nicht so groß, dass man allein aus diesem Votum eine verantwortliche und tragfähige Entscheidung ableiten kann. Wenn man die Neumitglieder herausrechnet, die gar keine langfristige Verantwortung wahrnehmen wollen, dürfen wir uns durchaus in unserer Haltung bestätigt sehen.

Sie erinnern sich überdies, dass noch kürzlich dieselbe Partei Martin Schulz mit 100% Zustimmung zu ihrem Vorsitzenden gewählt hat. Der ist schon nicht mehr im Amt. Die Partei ist also in einem etwas unsteten Zustand, was man beachten muss, wenn man die langfristige Wirkung staatspolitischer Weichenstellungen zu berücksichtigen hat. Zweitens sind die nächsten Schritte zu wichtig, um uns die Richtung von einer mehr oder weniger launigen Momentaufnahme vorgeben zu lassen. Die Abgeordneten müssen ganz selbstverständlich ihre Verantwortung für unser Land, stabile Verhältnisse und die Zukunft Deutschlands und Europas im Auge haben.

Allein das Votum der Basis, so weh es uns allen auch tut, ist kein hinreichender Grund, sich aus dieser Verantwortung zu stehlen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat noch in jedem Sturm Kurs gehalten und getan, was das Beste für unser Land ist. So wird es auch diesmal sein. Es wäre im Übrigen töricht, dann nicht auch den zweiten Schritt zu gehen und mit der Besetzung der Ministerien für eine Politik zu sorgen, die den Bürgern dieses Landes und der sozialen Gerechtigkeit dient. Ich danke Ihnen. Glück auf!

 
ri

Quelle: Pixabay

Ich habe das schon häufiger hier angedeutet, dass mir Zeitgenossen regelmäßig auf die Murmeln gehen, weil sie Informationen mit Glaubensbekenntnissen begegnen. "Das glaube ich nicht" oder "woher weißt du das?" werde ich dann gefragt von Leuten, die sonst nie irgendetwas anzweifeln, das ihnen erzählt wird. Ich höre dergleichen auch von anderen, denen es ähnlich geht: Betest du die Tagesschau nach, giltst du bei den Meisten als seriös; widersprichst du den offiziellen Verlautbarungen, setzen sie dir einen Aluhut auf.

Fefe hat neulich die richtige Frage gestellt: "Was waren die Meldungen vom Oktober diesen Jahres?". Ich habe in meinem Studium einmal eine Studie aus den 70ern zitiert, die zu dem Schluss kam, dass Zuschauer der Tagesschau "sich informiert fühlen", aber schon kurz nach der Ausstrahlung nicht mehr wissen, was sie da gehört haben. Allein die Struktur, am Ende noch eine nette Anekdote und dann das Wetter, sei geradezu darauf angelegt zu vergessen. Zudem werden "Nachrichten" eben nicht nachhaltig in einen Zusammenhang gesetzt (siehe dazu auch hier).

Der Feind des Proletariats

Was war letzte Woche los und was hat das mit der vorletzten zu tun? Wer das nicht beantworten kann, ist im echten Leben verloren, egal ob es Job oder Familie anbetrifft. Nur im politischen Kontext werfen sie sich unsortierte Splitter zu und 'glauben', darin liege die Wahrheit. Es ist diese seltsame Kunst, einerseits keine Zeit zu haben, sich aktiv zu informieren (und passiv ist keine Information zu haben), aber immer so zu tun, als wüsste man bescheid - weil sich das so gehört.

Allein der ganze Unsinn von Wachstum® und Vollbeschäftigung®über faule Griechen® und die schwäbische Hausfrau® bis hin zu Terroristen®, gemäßigten Rebellen®, Regimen® und Machthabern® ist so sinnfrei, dass jeder, der sich das freiwillig anhört, damit seine Religionszugehörigkeit belegt.

Es gibt ein da Draußen und hier Drinnen; die große Filterblase des Mainstream ist kaum zu durchdringen. Wer andere Filter hat, zumal wer von grob bis fein alles wahrzunehmen versucht, ist ein Freak. Tröstlich ist vielleicht der Umstand, dass die Membran der Blase nur in eine Richtug durchlässig ist. Wer sie einmal verlässt, kehrt nie wieder zurück. Damit einher gehen könnte eine weitere Hoffnung; die nämlich, dass die Menschen immer weniger arbeiten werden und daher mehr Zeit haben. Roboter übernehmen, sie sind inzwischen sogar schon Hilfssheriffs und verjagen Obdachlose.

Antiautomatäre Linke

Die Krise wird sich immer mehr verschärfen, denn es werden nur mehr Leute gebraucht, die billiger sind als Roboter und solche, die den niederen Sklaven Beine machen. Bislang läuft die Konkursverschleppung vor allem in Deutschland noch bemerkenswert gut; es nährt den Verdacht, dass Menschen eigentlich nur noch beschäftigt werden, damit sie nicht auf kluge Gedanken kommen. Die Robotisierung birgt aber noch andere Gefahren.

Da Roboter nämlich nicht konsumieren, muss das einer der nächsten Schritte sein: Man wird sie entlohnen, damit sie sinnlos Sachen kaufen, um das Wachstum® zu sichern. Spätestens dann wird die Menschheit beinahe ihren wahren Feind erkennen: Nicht Jude oder Moslem, sondern Roboter. Der, und das ist die geile Ironie des Ganzen, ist aber nichts anderes als Privateigentum, d.h. Produktionsmittel. Die Revolution wird mithin eine marxistische sein.

 
dn

Feynsinn ist zwölf. Das ist das Alter, in dem man Kinder allmählich ins Arbeitslager schickt und sie wieder abholt, wenn sie erwachsen sind - oder sich die ganz harte Kante gibt und die nächsten Jahre in Demut lernt, dass man keine Ahnung hat vom Leben, vom Universum und der Welt, die einem fortan die Lütten erklären werden. Nun, Feynsinn seinerseits hatte schon immer recht und war von Anfang an Weltretter, sodass seine Pubertät auch nicht schlimmer werden wird als die frühen Jahre.

Ich habe vor vier Jahren einmal einen Überblick gegeben über die Vergangenheit des Blogs; nicht erwähnt habe ich damals u.a. den Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Bundespräsidenten umblies, einen Bloggerkongress, meine letzte Wahlempfehlung und einen schlimmen Linksrutsch, hinaus vor die Pforten des parlamentarischen Betriebs, den ich inzwischen mit noch größerem Abstand betrachte.

Alles ist relativ; vielleicht bin gar nicht nach links, sondern die anderen nach rechts unterwegs; bei manchen bin ich mir da sicher. Einer erklärte inzwischen sogar ausdrücklich eine "Liebe zu Amerika". Doch, das meint der ernst. Womit wir für einen Augenblick die Spaßgrenze überschritten haben. Ein Bundespräsident von einem gewissen Format sagte einmal, gefragt, ob er sein Land liebe: "Ich liebe meine Frau". Ja, das war bei mir auch so.

In der Nacht nach dem elften Bloggeburtstag ist Uena gestorben. Das Trauerjahr ist zu Ende, aber die Tränen kullern weiter. Man kann auch gar nicht so viel heulen wie das traurig ist. Immerhin, so viel darf nach der ganzen harten Arbeit des ersten Jahres gesagt werden: Die Sicht wird merklich klarer, meistens. Man lernt, um das schwarze Loch herum zu laufen. Ist das ein Trost? Eher doch wieder nur die Wahrheit. Eigentlich gehört das nicht hierher, aber es ist so präsent, dass ich es nicht verschweigen will.

Was das Blog angeht, so können wir jetzt mal die nächsten dreizehn angehen, um dann ein ordentliches Jubiläum zu begehen. Doch, das geht. Kommt, das sitzt ihr doch auf einer Backe ab!

 
zb

Die Geschichte hat Gesellschaften entstehen lassen; sie wurden nicht konstruiert. In der Regel lief etwas schief im Staate (Dänemark oder anderswo), dann kam es anders. Zum Beispiel dass der Klerus nicht bloß Jahrhunderte lang einen bereits überalterten Tinnef mit Gewalt als 'Wissen' verteidigte, erledigte sich spätestens, als man damit keine Kanonen bauen konnte. Mit der Erfindung der Eisenbahn ungefähr akzeptierte dann sogar der Vatikan, dass die Erde sich um die Sonne dreht.

Nachdem Europa im 17. Jahrhundert weitgehend entvölkert war, weil sich zwei Konfessionen nicht hatten einigen können, welche Gebete den Ratten die Flöhe aus dem Pelz treiben würden und der Rest durch Hunger und Krieg umgebracht wurde, formierte sich zunächst ein neues Wissen. Bis das allerdings in die Politik durchschlug ... meine Güte, ich sehe das heute noch nicht so recht.

Gute Idee

Dennoch spielt die Weisheit über Bande auch schon mal ganz gute Bälle. Sofern man mit neuem Wissen eben besser große Sachen kaputt machen und viele Menschen umbringen kann, setzt sie sich durch. Auch recht wirksam waren technische Fortschritte, die für Reichtum sorgten. Der gute alte Hunger konnte sogar für die Völker etwas rausschlagen. Wenn der Pöbel zu mager wurde, holte er sich etwas von dem, was ihm zustand. So sorgten Wissen und Revolution auch für soziale Veränderung.

Unter anderem konnte die bürgerliche Revolution für einen Staat sorgen, in dem ein gewisser Ausgleich der Kräfte für stabile Verhältnisse sorgte. "Gewaltenteilung" nennt sich das und bildet die Basis des "Rechtsstaats". Der ist allerdings mit dem Makel gesegnet, dem Eigentum einen zu hohen Sockel gegossen zu haben. Dies führte zur nächsten Welle von Revolutionen, den kommunistischen. Hier gingen Erkenntnisfortschritt (eine moderne Theorie) und politische Umwälzung Hand in Hand.

Das klingt schön, ist es aber nicht. Im Gegenteil war diese Revolution, die begonnen hatte wie jede andere, nämlich als Aufstand aus schierer Not, am Ende auf dem Reißbrett konstruiert worden. Es wurde in Stein gemeißelt, was künftig als gottgefällig oder ketzerisch ("konterrevolutionär) zu gelten hätte und man bediente sich der ältest möglichen Herrschaftstechniken: Zwang, Zentralismus, Hierarchie, Dogmatismus. Das konnte nicht gutgehen.

Probelauf gescheitert

Eines der Probleme des "real Existierenden" war, dass es keine Übergangsphasen gegeben hat, keine schrittweise Entwicklung aus den bürgerlichen Staaten hin zu einer wirklich egalitären Gesellschaft. Die besten Errungenschaften der 'westlichen Demokratien' wurden nicht in eine neue Formation übernommen, sondern erfolgreicher bekämpft als die schlechtesten. Der ganze Ballast aus Militarismus und autoritärer Führung, den die Bürgerlichen wenigstens teilweise überwunden hatten, wurde restauriert. Schade eigentlich.

Man kann daraus einiges lernen. Erstens, dass mit scheinbaren Fortschritten gern Rückschritte verbunden sind. Wenn man dergleichen bemerkt, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass man falsch abgebogen ist. Zweitens, dass der Logik folgend eine ungeheure Gravitation von allem ausgehen kann, was Stabilität verspricht. Deshalb bilden sich auch immer wieder faschistische und andere autoritäre Regime aus. Solche Tendenzen sind derzeit wieder weltweit zu beobachten.

Wirklich voran zu kommen, kann also davon abhängen, dass es nicht nur gute Ideen gibt und einen Zeitpunkt, an dem diese umgesetzt werden. Es wird darauf ankommen, Stabilität zu schaffen ohne Zwang, Gewalt und Führerkult. Diese politische Baustelle erscheint mir eher verwaist. Wenn die Menschen dieses Problem aber nicht lösen, können sie auch wieder auf die Bäume klettern - solange es noch welche gibt.

 
xx

Beginnen will ich mit einem etwas seltsamen Artikel von Michael Wendl. Er hebt an mit einem Blick auf die ökonomischen Hintergründe des AfD-Programms und liefert in diesem Rahmen eine schöne Zusammenfassung neoliberaler Theorien. Insbesondere die quasireligiöse Macht des Marktes (Hayek) wird dort schön dargelegt. Ärgerlich allerdings, dass Wendl, der bis zum Schlussabsatz mit Recht von "Vulgärmarxismus (bzw. -Leninismus)“ spricht, dann dieses Fazit zieht:

"Letzteres liegt darin begründet, dass Marx geldtheoretisch auf der Höhe seiner Zeit war; aber diese Zeit war vom Goldstandard und vom Gold als Weltgeld geprägt. Erkenntnisfortschritte über Marx hinaus können sich Marxisten offensichtlich nicht vorstellen."

Plötzlich sind es alle Marxisten, und Marx ist wieder 19. Jahrhundert und Goldstandard. Während Marktökonomen von Hayek bis Keynes inhaltlich dargestellt werden, gibt es auf der anderen Seite nur vorgestrige Deppen. Marx hat trotz Goldstandards bereits alle(!) Wirkungen des Kapitalismus beschrieben, die heute dank endloser Kreditschöpfung eine entsprechende Beschleunigung erfahren. Für Marxianer gibt es kein "raffendes Kapital".

Raffendes Kapital

Die Kritik geht völlig ins Leere. Um wie immer am Kreidestrich stramm zu stehen, wird wieder und wieder das Argument gebracht, Newton habe Unsinn erzählt, weil er keine Ahnung von Raumkrümmung hatte. Pff, Theorien des 17. Jahrhunderts, der Mann war Alchemist! Wer sich auf Newton beruft, muss ein Idiot sein. Wer heute noch Marx zitiert, erst recht. Marxisten können nur Marx und keinen Markt.

Machen wir einen Sprung nach vorn (obwohl das nicht geht, ich bin ja Marxist, ich kann das gar nicht): Ich habe hier in den Diskussionen schon häufig die Vorstellung angesprochen, der Todeskampf des Kapitalismus könne auf eine Reihe von Resets hinauslaufen. Im Grunde ist das nichts Neues; das macht er immer schon. Währungsreformen, Kriege, 'Staatspleiten' sind solche, und im Grunde kann man auch den 'Brexit' als einen betrachten. Ein 'Grexit' wäre ganz sicher einer. Alles auf Null stellen und von vorn anfangen.

Das hat oft gut funktioniert. Ich gehe hier nicht näher darauf ein, dass m.E. diese Resets heute nicht allzu lange wirken können, weil die Konzentration von Kapital und der Mangel an lebendiger Arbeit ('Arbeitsplätze') immer schneller in neue 'Krisen' führt. Ich möchte hier nur darauf aufmerksam machen, dass die Wirkung von Resets in den ökonomischen Theorien und politischen Konzepten zu kurz kommen.

Hat doch toll funktioniert

Wie immer sind meine Freunde, die Sozialdemokraten und Keynsisten da ganz weit vorn. Wenn diese von den tollen Konzepten der Nachkriegszeit schwärmen, ignorieren sie mit furioser Sturheit die Tatsache, dass der ganze Glanz durch Wiederaufbau und andere günstige Faktoren bestimmt war. Sie raffen es nicht. Von der anderen Fraktion, den neoliberalen Voodoo-Experten mal ganz zu schweigen, die von Anfang an nichts anderes gemacht haben als virtuose Konkursverschleppung. Immer, wenn sie genug Erde verbrannt haben, räumen andere auf, bis der nächste mit denselben großartigen Ideen die nächste Diktatur errichtet.

Nehmen wir das einmal ernsthaft positiv: Die Märkte sind halt so und brauchen ab und zu einen Reset. Wenn der ganze Pfusch an den Rahmenbedingungen mit Finanzprodukten, ESM, Kriegen um Rohstoffe und Einflusszonen et cetera, dann doch nicht mehr hilft, kommt es ohnehin dazu. Weltkrieg oder New New Deal oder Währungsreformen oder oder. Denkt man das zu Ende, kommt man sogar wieder beim fairen Wettbewerb® aus: Wenn beim 100-Meter-Lauf der Vorsprung des Siegers jeweils beim nächsten Mal angerechnet wird, ist das nach neoliberalen Grundsätzen heute "fairer Wettbewerb". Annähernd fair wäre aber nur einer, der immer wieder bei Null beginnt.

Konsequenz aus dieser Idee wäre ein System, das von vornherein den Reset einplant. Sagen wir: Ihr habt jetzt zehn Jahre Zeit, rauszuholen, was drin ist, dann fangen wir von vorn an. Das wäre eine Form von Kapitalismus, die alle Erkenntnisse über ihn berücksichtigt. Einzig die endlose Akkumulation wäre durchbrochen. Ich frage mich: Könnte so etwas funktionieren? Entspräche es nicht sogar eher der Beschreibung der 'Marktwirtschaft' in den einschlägigen Theorien? Wäre das die einzig konsequente Form, mit unvermeidlichen Krisen bewusst umzugehen?

p.s.: Das ist kein Vorschlag, es ist ein Denkmodell.

 
be

Mein Fundstück des Monats [via]:

"Wirkung von Werbung unterliegt noch immer häufig mythischer Einordnung. Dagegen differenzieren Wissenschaftler. "In der öffentlichen Diskussion werden Kinder gern als Opfer von Werbestrategien dargestellt. Tatsächlich vermittelt Werbung emotionale Orientierung, die Kinder bedürfen, um in der modernen Gesellschaft zurechtzukommen".

Das nenne ich einen Clusterfuck unverschämter Verlogenheit. "Wissenschaftler" also. Welche jetzt genau? Egal, wird ja nicht belegt. "Differenzieren"? Wo? Da ist keine Differenzierung, sondern nur eine unbelegte Behauptung. Diese wiederum ist ja nicht nur gelogen und völlig einseitig; das halten diese professionellen Lügner ja für ihren Job. Nein, was daran beeindruckt, ist die Selbstwahrnehmung im Zusammenhang mit der Vorstellung davon, was man Adressaten noch zumuten kann.

Die Grenze zwischen Ideologie und Schwachsinn ist hier um Lichtjahre überschritten. Diesen Totalquatsch glaubt niemand mehr. Lediglich die Auftraggeber glauben, es könnte noch jemanden geben, der das glaubt. Vielmehr: Man müsste das nur sagen, dann würde es wer glauben. In der Filterblase der Psychose folgt alles nur noch dem freidrehenden Subjekt, alle Gesetze gehorchen dem Wahn. Emotionale Orientierung. Durch Werbung. Das wäre fürs Kabarett so weit drüber, dass man die Nummer nicht aufführen würde.

Jenseits der Sinne

Die dem Schwachsinn anheim gefallenen Urheber sind dieselben, von deren Wohlwollen die Existenz der Verlagsmedien abhängt. Deren aktuelle Paranoia vor den Fake News® ist nicht minder komisch, gibt es solche doch schon lange. Etwas, das vorgibt, eine Nachricht zu sein, so aussieht und sogar dieselben Autoren hat, kennen wir als Auftragsartikelchen, über denen im Glücksfall "Anzeige" steht. "Native Advertising" als "Werbeform" ist die Definition von Fake News.

Der Wirrwahn beginnt wie immer an der ganz anderen Ecke. Man stelle sich vor, die Welt wäre eine Schreinerei, in der niemand von Bäumen sprechen dürfte. Man kennt Holz und dessen Verarbeitung in allen Formen und Feinheiten, aber das Thema "Bäume", womöglich "Natur", wäre absolut tabu. So geht das in der wirklich unwahren Welt mit dem Kapital und den Profiten. Wenn man nur ein paar Jahrzehnte in diesem Irrenhaus gelebt hat und die dritte Generation irrer Aufseher für den reibungslosen Ablauf sorgt, geht alles, nur nicht mehr Realität.

Eine Welt, die solche Konsumgüter vorhält, kennt kein wahr und falsch mehr, kein echt und gefälscht, es sei denn als Zeichen der Herrschaft. Wer das falsche Echte bestimmt, bestimmt auch das Echte als Falsches. Das ist eine schlichte Statusfrage. Was ist das Bemühen um Wahrheit, um aussagefähige Untersuchungen, wissenschaftliche Methoden, Theorien und Zweifel gegen die Expertise des prominenten Mietmauls? Was die Geschichte eines Malochers gegen Designerjeans, die den Schmutz schwerer Arbeit authentisch, aber hygienisch und in höchster Qualität repräsentieren?

p.s.: Zum Eingangssatz: Dieser Satz ist m.E. auch im ursächlichen Zusammenhang (.pdf) Bullshit. Er biedert sich einer Nutzung wie der durch den ZAW nachgerade an. Allerdings bezieht er sich ausdrücklich nicht auf simple Produktwerbung. Im Übrigen halte ich auch das ganze Werk für Tinnef.

 
en

Ich werde regelmäßig denunziert als jemand, der quasi die Weltrevolution mit anschließendem Bällchenbad fordert, und zwar spätestens bis nächsten Mittwoch. Wenn einem das Hirn einschläft, breitet sich ein sanftes Summen aus, das unbedingt mit Bekenntnissen übertönt sein will. Leider sind die Symptome nicht so eindeutig wie bei den Füßen, deren Kribbeln deutlich die Durchblutungsstörung anzeigt.

Ich sei also revolutionär, weil mich der ganze Quatsch nicht überzeugt, der sich die Erkenntnis verbietet, dass es der Kapitalismus ist, der mordet, zerstört und versklavt. Das sind keine Auswüchse, das ist die unvermeidliche Anhäufung von Kapital und damit der Macht eines furchtbaren Zwangs. Bei der Frage, was man denn dagegen tun könnte, kommen einem die 'Reformer', deren Reformen man als untauglich erkennt, eben mit dem Vorwurf, man sei revolutionär. "Revolutionär" wiederum ist irgendwie falsch und daher alles radikal Linke, zumal kommunistische, indiskutabel.

Ich möchte einmal bei einem Punkt ansetzen, der sich gar nicht mit Kapital, Wirtschaft, Reichtum und Armut befasst, sondern mit einer politischen Idee, die vom 'real Existierenden' genau so mit Füßen getreten wurde wie vom Kapitalismus. Es ist hier bereits Konsens, das in einer Gesellschaft, die etwas taugt, Menschen selbst entscheiden, wie sie leben und arbeiten wollen. Das wiederum tun sie gemeinsam dort, wo sie leben. Hierarchische Gesellschaften wie Preußen, Nordkorea, die Sowjetunion oder jeder kapitalistische Staat, sind das Gegenteil.

Wille und Macht

Kommunismus kommt von "Kommune", und mir hat noch selten jemand widersprochen, wenn ich ausgeführt habe, dass echte Demokratie, also die Entscheidungsgewalt der Menschen über sich selbst, nur praktikabel ist, wenn die Kommunen die höchste Entscheidungsgewalt innehaben. Was immer also auf einer anderen Ebene entschieden wird, kann durch die Kommune aufgehoben werden. Alles, was auf regionaler oder 'Bundes'-Ebene koordiniert wird, bedarf der Zustimmung der Kommunen. Wenn eine nicht mitmachen will, kann sie niemand dazu zwingen.

Als Marxianer ist mir klar, dass sich diese politische Forderung in einem Kapitalistischen System nicht umsetzen lässt, weil das Kapital Macht konzentrieren muss, vor allem im fortgeschrittenen Stadium, in dem sich Monopole Bilden. Nun sind es aber die 'Reformisten', die ich "Sozialdemokraten" zu nennen pflege, die vom Gegenteil ausgehen. In deren Weltbild gibt es ja eine politische Macht, die Kraft ihres Willens die Gesellschaft regeln und formen kann. Sie kann ja - wenn man nur will - sogar den Kapitalismus zähmen.

Nun frage ich mich, warum dann die naheliegendste Idee, innerhalb einer 'Marktwirtschaft', die politisch regelbar ist, nicht einmal diskutiert wird. Die holden Halblinken lassen sich nicht einmal auf die Veränderung der politischen Strukturen ein. Warum verzichten ausgerechnet diejenigen, die an den Primat des Politischen glauben, auf die entscheidende Reform der Machtverhältnisse, die sich in deren Universum relativ leicht umsetzen ließe? Weiterhin frage ich mich, ob sie erkennen würden, woran das scheitert. Wenn sie doch bloß wollten ...

 
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Lustige Entwicklungen gibt es, so etwa einen "progressiven Neoliberalismus", dem fortgeschrittene Sozialdemokraten eine "neue Linke" entgegensetzen wollen. Irgendwie ist es immer dasselbe. Mir ist ja schon schleierhaft, wieso "linke" "Ökonomen" nicht begreifen wollen, dass selbst die klügste Dressur beim Kapitalismus versagen muss. Im Zweifel sind sie immer für den Kapitalismus, sonst gäbe es ja nix mehr zu zähmen, vor allem aber sollten sie aufhören, sich "links" und "Ökonomen" zu nennen. Selbst Hans-Werner Sinn, der alte Schlawiner, hat da mehr begriffen. Der glaubt allerdings noch immer an Wachstum und hat sicher auch schon eine Idee, wie wir unseren Tinnef nach Mars und Saturn exportieren - ich meine die Planeten!

Yo, und dann gibt es noch die ganz Harten, die sogar Killary "links" nennen. Das ist dann Sozialdemokratismus im Endstadium. Einer nämlich, der sich von der Arbeiterschaft so gründlich abgewendet hat, um "progressiv" zu bleiben, dass er sich mit der Form des Kapitalismus verbündet, die seine ehemalige Klientel kalt verhungern lässt. Die Sozen sind nicht nur zu doof, etwas wie "Kapital" zu denken und schwafeln stattdessen von "Gewinnen", "Vermögen" und "Märkten". Die alte Linke täte hier eher Not, um ein Pferd wenigstens wieder "Pferd" nennen zu können. Nein, die Sozen kapieren vor allem überhaupt nicht, dass die Lohnabhängigen längst zwischen alten und neuen Oligopolen zerrieben werden. Sozialdemokraten sind einfach für den Fortschritt.

Zwischen Mühlsteinen

Der ist blöderweise aber der des Kapitalismus, und je fortschrittlicher der wird, desto weniger Arbeitskräfte werden gebraucht. Alles Menschen, die nicht mehr essen müssen, da ist der Soze ganz beim Ausbeuter. Was heute 'linker' Habitus ist - Genderblabla, Multikultiblabla, Chancenblabla, deckt exakt die Bedürfnisse der neuen Industrien. Google, Facebook, Microsoft, Amazon, Ebay und Co. brauchen freien Zugang zu relativ wenig hoch qualifizierten Mitarbeitern, freien Handel und eine Illusion von Wohlstand, die auf die Mittelschicht zurecht geschnitten ist. Flottierenden Konsum, entwurzelte, aber ständige Kommunikation und die Konsumhaltung süchtiger Einzelgänger.

Donald Trump wurde in diesem letzten Gefecht noch einmal von den Rückwärtsgewandten ins Amt gehievt. Menschen, die sich Zeiten herbeisehnen, in denen man noch eine Familie gründen konnte und als einfacher Arbeiter gewertschätzt wurde. Die Industriearbeiter der Produkte aus Kohle, Stahl und Öl, deren Chefs sich um Trump scharen, weil ihre Profitinteressen und die Ideologie der Altrechten prima zusammen passen. Dahinter, drum herum und überall wie immer das Finanzkapital, dem es wurscht ist, mit wem es zockt. Für Investmentbänker sind das tolle Zeiten, in denen noch einmal die alte Industrie auftrumpft, ehe sie endgültig untergeht. Das sind Hochs und Tiefs, das ist Dynamik, und mit der macht man auf dem Parkett Gewinne - egal ob man auf Sieg oder Niederlage wettet.

Eine neue Linke wollt ihr? Noch progressiver vielleicht oder einfach wieder menschenfreundlicher, mit noch besseren Ideen, wie man die Märkte für das große linke Comeback nutzen kann? Es ist Kapitalismus, du Idiot, der gewinnt immer - es sei denn, man wendet sich endgültig von ihm ab. Das wiederum ist aber ganz alte Linke. Die verbotene, ihr wisst schon. An der kommt keiner vorbei, wenn er wirklich etwas Neues will.

 
wl

Die politisch-medialen Funktionäre des Freien Westens verbreiten aktuell die Verschwörungstheorie, sogenannte "Fake News" machten die schöne Freiheit kaputt. Verrückte, Putin und die AfD sind schuld. Allein die Vorstellung, ein paar Randgruppen könnten einen um Wahrheit bemühten Diskurs der breiten Mehrheit zerstören, ist schon der Aufnahme in die ICD wert. Die Diagnose ist aber schlimmer, denn die Verlagsmedien und die mit ihnen korrespondierenden neoliberalen Politfunktionäre haben schlicht den Anschluss an die Realität verloren.

Bei denen ist dauerhaft Gegenteiltag (bei Unkenntnis des Begriffs bitte das nächst verfügbare Kindergartenkind fragen). Fangen wir mal bei der Unvermeidlichen an - da habe ich neulich noch gedacht: wie behämmert muss man sein, um so etwas zu behaupten:

"Während für Journalisten bestimmte Regeln der Sorgfaltspflicht gelten würden, nutzten die Menschen inzwischen aber andere und viel weniger kontrollierte Medien zur Meinungsfindung, sagte sie im Bundestag."

Sekundensorgfalt

Das ist nicht nur gelogen, es ist extrem dumm gelogen, und wenigstens ein Mal muss ich nicht fragen, ob es Lüge oder Dummheit ist, denn es ist eben beides. Was sind das für "Regeln der Sorgfaltspflicht"? Die müsste man doch benennen können. Sind das die Regeln, nach denen die eifrigsten Propagandisten und die bestvernetzten Parteigänger sich mit einem Preis behängen lassen unter dem Motto "sich mit keiner - auch noch so guten - Sache gemein zu machen"? Ist es der Boulevard, der seit Jahrzehnten bis zur Selbstkarikatur hetzt, verleumdet und die gröbsten Klischees des Narrativs besorgt? Ist es das ungeprüfte Abschreiben jeder Meldung, die sich irgendwie als "Nachricht" verhökern lässt?

Wie bestellt kommt da ein schönes Beispiel um die Ecke: Ganze zwei Tweets braucht es, um die versammelte US-Verlagsmischpoke behaupten zu lassen, CNN habe 30 Minuten Porn gesendet (via fefe). Ein Sprecher von CNN selbst hat dabei vom Kabelprovider, der angeblich die Verantwortung dafür trüge, eine Erklärung verlangt. Wohlgemerkt: Der Mann von CNN prüft nicht einmal im eigenen Sender, ob es sich um mehr als ein Gerücht handelt. Das sind die Standards. So sieht deren "Sorgfalt" aus. In Deutschland ist es dasselbe, wir hatten hier Beispiele dafür im dreistellligen Bereich.

Damit einher geht die unerträgliche Parteilichkeit, die Verengung des Meinungsspektrums auf die Wahrnehmung einer (teils nur vermeintlich) gehobenen Mittelschicht, die sich in inzestuösen Zirkeln ihren Tunnelblick so lange als Weitsicht bestätigen lässt, bis sie alles andere als Angriff auf das Abendland betrachtet. Sie sind die, die dazugehören, die anderen sind falsch. Sie sind die Guten®, die anderen sind böse. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Wer auch nur wen nicht böse findet, den sie böse finden, ist selbst böse. Beispiel? Bitteschön:

Wir sind die Guten

"Frau Wagenknecht: Ich habe Ihrer Rede auch diesmal aufmerksam zugehört und bin erstaunt: Während überall in der Welt der Schrecken über den Ausgang der Wahl in den Vereinigten Staaten immer noch groß ist, bekommen wir mit Donald Trump jetzt offenbar einen Präsidenten, dem Sie etwas abgewinnen können." (Thomas Oppermann).

Wagenknecht hatte nicht einmal Zustimmung zur Person oder zur Politik Donald Trumps ausgedrückt, sie hat ihn lediglich nicht als die totale Unperson dargestellt, als die er nach dem Willen der Atlantiker zu gelten hat und sich das Wahlverhalten der Amerikaner zu erklären versucht. Oppermann glaubt wirklich, "überall in der Welt" dächten alle wie er und seine Clique. Alle anderen sind böse oder verrückt. Er bemerkt nicht einmal, wie selbst das Personal, das diese Religion teilt, auf eine Handvoll Funktionäre schrumpft (Steinmeier Präsident, Schulz nach Berlin). Wir befinden uns im Karussell einer fortgeschrittenen Psychose.

Einen letzten noch, das ist alles aus der vergangenen Woche, und es spitzt sich zu. Alle verrückt, nur wir nicht! Das transatlantische Zentralorgan lässt Jeff Jarvis salbadern, bei dem man erstens noch hoffen darf, dass es dezent ironisch gemeint ist und zweitens annehmen muss, dass er keine Ahnung von den deutschen Verlagsmedien hat:

"Jetzt, wo Angela Merkel sich den Mantel der Verantwortung übergeworfen hat und noch einmal für ihr Amt als letzte zurechnungsfähige Anführerin Europas und der westlichen Welt antritt, ..."

So gefällt es ihnen: Alle verrückt, nur noch ein deutscher Führer, der uns retten kann und an unserem Wesen genesen. Wem noch nicht von dem klebrigen Pathos der Formulierung schlecht wird, dem mag die Nachricht den Rest geben. Das 'denken' sie wirklich. Es ist sinnlos, dagegen zu argumentieren. Dieses Weltbild ist geschlossen, der Schlüssel wurde weggeworfen und die Türen verrammelt.