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Die Rechten fühlen sich derzeit pudelwohl; wollen sie doch nichts anderes als das, was ist, nur angereichert mit offener Diskriminierung, ethnisch gesäubert und klarer Befehlsgewalt für einen, den sie als Übervater anbeten können. Kapitalismus ist okay, nur nicht mit Juden; Willkür ist okay, nur nicht von Ausländerfreunden; Ungerechtigkeit ist okay, wenn nur die Richtigen bevorzugt werden.

So weit, so blöde. Nicht weniger blöd ist aber das, was von einer vermeintlich 'Linken' übrig ist, was ich ausnahmsweise einmal ausdrücklich auf die von 'Corona' bestimmte Lage beziehe. Eine Linke ohne Theorie, ja, ohne jedes Verständnis von Ökonomie, Rechtswissenschaft und den systemischen Zwängen der politischen Sphäre, ist so nahe an der Blödheit des vermeintlichen politischen Gegners, dass die Verschwörung zum gemeinsamen Offenbarungseid naheliegt.

Der 'Linken' ist Marx längst zu kompliziert, selbst Bontrup zu hoch. Sie haben sich in einer Parallelwelt eingekuschelt, in der politische Entscheidungen allein vom Willen der Entscheider abhängen und diese eben verantwortlich sind für die politische und wirtschaftliche Realität. Sie folgen dem Niveau journalistischer Narrative, in denen immer Personen im Vordergrund stehen und Macht die der "Mächtigen", "Eliten" und "Herrschenden" ist. Eben das "Danke, Merkel!"-Niveau.

Starke Männer

Nun wird im Alltag selten etwas herausragend entschieden, was ihnen eine Art Passivität bedeutet oder eben Stabilität - alles gut! - und nicht etwa das mitgerissen Werden im Fluss des Kapitals. Seit Jahrzehnten verhält sich Politik unauffällig alternativlos im Kielwasser von Industrie und Kapital. Alles, was einer 'Linken' dazu einfällt, sind Forderungen einer Restauration, aber das hat dann auch wieder keine Eile.

Faschisten und Sozialdemokraten sind sich einig: Sie wollen zurück ind die 70er Jahre. Die Einen eben ins neunzehnte, die Anderen ins zwanzigste Jahrhundert. Auf einen Willi könnte man sich auch einigen. Beide Fraktionen sind sich, außerparlamentarisch, auch darin einig, dass man sich mit den realen Bedingungen politischer Entscheidungen (rechtlich und ökonomisch) nicht lange zu befassen hat. So eine Aktentasche ruiniert bloß die rebellische Pose.

Und dann kommt Corona daher, eine Ausnahmesituation, in der man tatsächlich Entscheidern beim Entscheiden zugucken kann, Beratern beim Beraten und Praktikern beim praktizieren. Als sei dies nun endlich der Beweis für das Willkürregime einerseits, das auf die Theorie der Willkür (s.o., "Mächtige") ja ganz gut passt, erhebt sich Rinks wie Lechts, und sie klagen an, weil sie das Regime entlarvt haben.

Rebellion

Zudem fühlt es sich alles so unmittelbar an: Man darf dies nicht und muss das, ganz ungewohnt und plötzlich. Anders als bei jahrzehntelang eingeschliffenen Unterdrückungsregimen wie Hartz-Gesetzen oder Angriffskriegen (die einem ja eh nicht wehtun). Da ist dann Rebellion angesagt gegen die große Mutti, ohne sich für irgendetwas selbst verantworten zu müssen. Zum Tragen kommen dabei wie bei anderen Pubertierenden auch alle 'Argumente', die jede Diskussion im Keim ersticken.

Und so zieht man dann zusammen los mit seinen Allmachtsphantasien, ohne rechts rüber zu schauen, wo komische Leute herumlaufen, die bestimmt von Mutti geschickt wurden, um den Spaß an der Fete zu trüben. Dass das Nazis sind, waschechte Faschisten, mit denen man sich da auf einer Ebene trifft, muss ausgeblendet werden.

Nicht nur, dass die Jungs mit den Hakenkreuzen auf die Dauer eine echt unangenehme Gesellschaft sind und man nicht weiß, wie man sie wieder loswird. Die Ähnlichkeit der Motive und das, worauf solche Experimente hinauslaufen, kann die Psyche auf keinen Fall zur Kenntnis nehmen. Lieber schnell zur nächsten Demo, dem Zweifel immer einen Schritt voraus.