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Ein Bekannter, den ich ohnehin nicht leiden kann, sprach mich neulich auf mein Blog an. "Zeig' mir doch mal einen lustigen Artikel, einen wirklich lustigen! Ich habe nämlich einen Freund, der ist Experte für sowas. Der will sich vielleicht mal mit deinem Zeugs beschäftigen. Der kann dir genau sagen, wie man sowas erfolgreich macht."

Ich hätte gern mit einer lustigen Szene geantwortet, eine, in der meine Faust in seinem Gesicht Polka tanzt vielleicht. Stattdessen blätterte ich wie gelähmt in meinen Artikeln herum. Ich hatte sie ja ausgedruckt; aber waren das wirklich so wenige? War da nicht so ein witziger gewesen über eine Cornflakes-Packung ... oder etwas mit einem Schwimmbad? Ich starrte auf diesen alten mintgrünen Schnellhefter, aber das waren doch uralte Klamotten, dafür interessierte sich doch kein Schwein mehr.

Verfall

Mein Bekannter las hier und da ein paar Brocken und wirkte regelrecht angeekelt, als er auf eine Überschrift deutete: "Was ist das denn hier? Das kann man so nicht machen. Das ist kompletter Müll. Ich wundere mich kein Stück, dass du so erfolglos bist. Und von meinem Freund willst du dir auch nicht helfen lassen, das ist mal wieder typisch für dich. Leute wie du werden es nie zu etwas bringen. Weißt du was du bist? Verschwendete Zeit bist du.“

Mein Hund musste raus. Ich öffnete ihm die Tür zum Garten. Er ging die Treppe hinunter, schiffte vor die Stufen und drehte sich noch einmal zu mir um. Er schüttelte den Kopf und ging durch die Hecke in den Nachbargarten. Ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen.

Das Telefon klingelte. Ich stolperte durch die Schluchten aus gestapeltem Papier; Konzepte und Anfänge von Buchprojekten, die ich allesamt verworfen habe. Als ich endlich das Fon fand, hatte die Gegenseite aufgelegt. Es war aber eine Nummer im Display; ich rief also zurück. Mal wieder mit jemandem reden, war ja auch nicht so falsch. Es meldete sich eine Bandansage:

Showdown

"Sie haben den Anschluss von Bonetti Media gewählt. Aus Gründen, die wir nicht zu vertreten haben, wurde der Kontakt zu Ihnen eingestellt. Bitte rufen Sie nicht mehr an, Ihr Anschluss wird für ohnehin für unser gesamtes Unternehmen gesperrt."

So weit war es also gekommen, dass nicht einmal mehr die zwielichtigsten Gestalten aus dem Darknet mit mir zu tun haben wollten. Okay. Verstanden. Ich zog die einzig mögliche Konsequenz aus der Sache, schnürte den Bademantel enger, steckte den Hausschlüssel ein und machte mich auf den Weg zum Bäcker - ohne Maske!