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Ich kann mich an Zeiten erinnern, als parlamentarische Entscheidungen und Regierungshandeln noch gewisse Alternativen zuließ und es einen Unterschied machte, ob diese oder jene regierten. Zwar war es vermutlich auch damals schon so, dass die Zeiten, die bestimmte Entscheidungen zuließen, auch Regierungen förderten, die sie dann umsetzten, aber es gab noch diesen Weg: dass eine politische Entscheidung etwas änderte. Man denke etwa an die Ostverträge oder den Aufbau eines Sozialsystems einschließlich BAFöG, öffentliche Bauprojekte und Ähnliches.

Inzwischen ist es nicht nur so, dass du wählen kannst, was du willst und nachher alle dasselbe machen; es tun auch und gerade die, die vorher das Gegenteil versprochen haben. Daraus ist vor allem der Schluss zu ziehen, dass parlamentarische Politik den Tatsachen nur mehr hinterher hinkt. Je krasser das wird, desto bunter werden freilich die Illusionen, die sie uns verkaufen. Das Denken und Reden hat sich von der Wirklichkeit gelöst, während das Handeln längst andere übernommen haben.

Wiesoweshalbwarum

Die Wahnvorstellungen rund um den sogenannten "Brexit" standen schon an dessen Anfang und bestimmen bis heute das Geschehen, daher ist die personelle Besetzung mit Irren und Zwangsgestörten wie Johnson und May gar nicht unpassend. Sucht man nach einem Problem - das man ja vielleicht lösen könnte, wird man keines finden, weil die Gedankenwelt, die dergleichen zulässt, ausgesperrt ist. Es ginge dann um politisches Management. Gerade das ist aber tabu, denn sonst käme noch heraus, dass das Projekt von Anfang bis Ende eine Lüge ist, und zwar eine sehr dumme.

Wenn wir also schon dabei sind, begeben wir uns auf dieses Niveau oder wenigstens knapp darüber und stellen uns ganz dumm: Nehmen wir an, ein Land wollte die EU verlassen, wie macht es das dann? Ja richtig, die Einen schreien "Rausrausraus"! und ernten frenetischen Applaus, die Anderen "Bleibenbleibenbleiben!" und sammeln ihre eigenen Claqueure um sich. Übrigens gilt das auch für die drumherum. Da schreien die Einen dann: "Haut bloß ab!", die Anderen jammern "Bitte bitte bleibt!". Ja, das gefällt mir. So ist es richtig schön blöd.

Weniger blöd, wäre da ggf. eine Frage bzw. man wiederholt die von oben, weil die Antwort noch aussteht: Wie machen wir das mit dem Austritt? Hätte jemals wer diese Frage gestellt, es hätte so einvernehmlich sein können. Treten wir noch einen kleinen Schritt zurück und erklären uns die Lage. Nehmen wir mal zwei ziemlich beliebige Staaten, meinetwegen Frankreich und Russland. Zwischen denen gibt es hunderte, vielleicht tausende von Verträgen und Vereinbarungen. Diese sind über Jahrzehnte quasi gewachsen.

Lord and Lady Gaga

Zwischen EU-Staaten bestehen 90+x Prozent dieser Verträge in einem großen, nämlich dem ebenfalls über Jahrzehnte gewachsenen EU-Vertrag. Fällt der weg, fehlen hunderte, vielleicht tausende von Vereinbarungen, welche die Belange zwischen dem austretenden Staat und den anderen regeln. Was folgt daraus? Richtig: Man kann einen Exit heute beschließen. Es gelten aber weiterhin alle Vereinbarungen der EU. Dann kann man ab morgen Schritt für Schritt neue Vereinbarungen verhandeln, die anstelle der alten treten. Nur so kann das funktionieren.

Dieser Prozess wird Jahrzehnte dauern. In der Klapsmühle eines degenerierten Parlamentarismus und seiner bescheuerten Öffentlichen Kommunikation, die sich an ein verblödetes Auditorium wendet, das den größten Schwachsinn durstig aufnimmt, kann man das aber niemandem verkaufen. Man kann nicht mal anständig dagegen sein und mit dem Finger auf diese Deppen zeigen, weil man ja selber einer ist und gar nicht darauf kommt. dass da noch eine Realität ist, an der man sich im Zweifelsfall orientieren könnte. Am Ende geht es also um die hart umkämpfte Frage: Brexit am Dienstag oder am Donnerstag? Nehmt eure verdammten Pillen!