Januar 2020


 
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In Januar 2005, mithin vor 15 Jahren, existierte dieses Blog noch gar nicht. Wieso eigentlich nicht? War ich nicht schon immer da? Also hier? nein, hier! Ach, egal. Ich stöbere mal wieder. "Auf den Tag genau vor ...." ist das Thema, und nämlich "... 13 Jahren" schrub ich einen der Sätze, die der Nachwelt ungelesen hinterlassen wurden. Selber schuld, bescheuerte Nachwelt, nimm das:

"Vor allem aber war Existenzialismus ein -ismus mit schwarzen Rollkragenpullovern, Gauloises rauchen und Filme gucken, die keinen Spaß machen." Hättest du dir jetzt ein Philosophiestudium sparen können. Überhaupt: Wer will einen Bachelor in Philosophie? Absurd!

"... 10 Jahren" hat ein Internetverbrecher (klarnamenlos, anonym, aus dem Darknet) einen Kommentar hinterlassen mit Hinweis auf ein Youtubedingsbums, das nicht nur die Finanzmarktbankensubprimeeurokrise erklärt, sondern gleich auch schon mal den Klimawandel. Aliens versklaven uns erst und klauen uns dann unsere Meere. DANKE MERKEL!!!!¹¹¹° Die SPD hat damals übrigens vorgeschlagen, Alien-Weltherrschaft höher zu besteuern.

Das war vor Jaahren

"... vor sieben Jahren" war ich noch in der aufklärerischen Phase und habe meine Mitbürger über die Gepflogenheiten des deutschen Wahlrechts informiert:

"Wenn die Erststimme verloren geht, unleserlich wird oder aus anderen Gründen nicht gewertet werden kann, insbesondere aufgrund höherer Gewalt, klimatischer Störungen oder eines schweren Ausnahmefehlers, kommt die Zweitstimme zum Einsatz. Sie muss anders sein als die Erststimme, denn wenn die gewählte Partei selbst ausfällt (zum Beispiel durch Verbot oder Sterbefall), muss eine Vertretung gewährleistet sein."
Heute würde ich das verständlicher formulieren. Und dann an mir rumspielen.

Einen Punkt auch für 2014: "Nun ist es schon dem Irrsinn schmiegsam nahe, Kindergärten als "Sozialleistungen" zu bezeichnen." Dezent. Gnädig. Was bin ich doch ein geiler Typ gewesen manchmal. Hoffentlich habe ich an mir ... das sind übirgens die Nachwehen der just überstandenen Bronchitis, die aus dem Tourettekeller die Reste von der nächsten Überschwemmung ange ... äh, -schwämmt haben. Also mit dem Schwamm. Mit dem Schwamm anschwemmen. Keine Ahnung, warum. Muss ich das denn immer wissen?! Zitiert wird derzeit von einer Parallelinstanz der hiermit beschäftigten Neuronen ein Satz, der sowohl in "Schweigen der Lämmer" als auch in "Clerks" vorkommt. Und du kennst den auch noch, du Ferkel!

Mindestens so erotisch auch 2017: "Es dauerte aber nicht lange, bis der Reflex, das industriell perfektionierte 'Argument' und das virtuose Spiel der professionellen Lügner mit den Hormonen der Massen neue Dimensionen erreichten." Party im synaptischen Spalt! Neurotransmitter in Lingerie. Sadomaso im zerebralen Bordbistro. Tempo, Tempo Tempo! Ich brauche jetzt dringend ein Bier.

 
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Schon oft wurde hier festgestellt, dass Sozialdemokratie gescheitert ist, weil sie beim Versuch, Kapital und Arbeit zu 'versöhnen', am Ende immer zum Kapital steht. Das ist aber gar nicht so, weil sie irgendwie böse oder moralisch korrupt wäre, nicht einmal ihre Bosse. Es liegt in der Struktur der Sache. Nun ist es leider so, dass Sozialdemokraten die Sozialdemokratie am wenigsten verstehen. Ihr Grundirrtum macht sie zu einer politischen Witzfigur.

Zwischen Arbeit und Kapital steht nach Ansicht der Sozen der Staat. Ein weiterer furchtbarer Irrtum. Wenn man sich gerade aktuell umschaut, wird das sehr deutlich. Die Nationalismen von den USA über die Türkei, Ungarn bis hin zu Deutschland weisen darauf hin, was der moderne Staat eigentlich ist, nämlich vornehmlich ein nationales Vehikel zur Vertretung von Interessen, die wiederum zuerst die des Kapitals sind. Leuchtende Beispiele dafür: die Politik "America First" mit Frackinggas, Schwerindustrie, Strafzöllen und 'Sanktionen', aber auch die 'Deutsche Autos zuerst'-Politik der Bundesregierungen.

Schland First

Dass ein Feigenblatt namens "Klimapaket" noch kritisiert wird, weil es "der Wirtschaft" schade, versteht sich von selbst. Deutschland über alles; unsere schönen Exporte verteuern sich! Die Kumpanei bei Manipulationen in der Autoindustrie, ständige Flugbegleiter der Bundesregierung aus der Industrie - es gibt erstens keine Unabhängigkeit des Staats vom Kapital und zweitens schon gar keine Gegnerschaft.

Die aber wäre Voraussetzung für die Kontrolle des Staates über Wirtschaft, für das Einhegen® derselben, für wirksame Regulierungen. Das kapiert die Sozialdemokratie aber nicht, dass es hier die Strukturen sind, die Machtverhältnisse, die Bedingungen für das Mögliche und Unmögliche, die jedwede Kontrolle verhindern. Sie glauben lieber an den Weihnachtsmann, es fehle nur der politische Wille®, man müsse diesen nur herstellen. Unsinn. Selbst wenn ihn alle Beteiligten hätten, würde das noch immer an den Strukturen scheitern.

Immer dieselbe Wand

Die Kontrolle der Wirtschaft durch den Staat kann nur funktionieren, wenn dieser jene an sich reißt. Ein autoritärer Staat, wie ihn Steinzeitkommunisten fordern, kann das, und selbst der holt sich die Pest ggf. durch den Außenhandel ins Haus. Ein politisches Vehikel, das Kapitalismus ausdrücklich fördert und aus ästhetischen Gründen umbenennt (soziale Marktwirtschaft®, my ass!) wird aber durch das Kapital kontrolliert, nicht umgekehrt. Das zeigt nicht zufällig alle Erfahrung.

Deshalb ist Sozialdemokratie gescheitert, und zwar zum drölften Mal. Ihr könnt das endlich zur Kenntnis nehmen und euch überlegen, was daraus folgt; welcher Strukturen es bedarf, um politisch wenigstens die furchtbarsten Entwicklungen verhindern zu können - oder ihr könnt das tote Pferd "man müsste nur wollen" weiter reiten, getreu dem Motto: Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.

 
st

Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F054975-0011 / Gräfingholt, Detlef / CC-BY-SA 3.0

Tomasz Konicz benennt einige schwere Symptome des Zerfalls einer Parlamentarischen Demokratie in den USA. Er nennt es "Oligarchie im Panikmodus" oder auch, präziser, das Entgleiten der "Kontrolle über den politischen Prozess".

Es war mir selbst bereits aufgefallen, dass in hiesigen Medien offenbar niemand ein Problem darin sieht, wenn für die vorgeblich 'linke' Variante des US-Establishments ein Milliardär ins Rennen gehen will. Die Netzwerke der Superreichen funktionieren zwar intern offenbar noch gut, sie verlieren aber den Anschluss an die Mittelschicht, die bislang in ihrem Sinne das Geschäft besorgt hat. Konicz bringt es auf die Formel, dass die sich nicht mehr einfach kaufen lässt.

Jeder gegen jeden

Derweil findet in den Institutionen, namentlich hier der Justiz, der faschistische Putsch bereits statt. Die unter den rechten (GOP/Republikaner) schon immer gepflegte Tradition, Richterposten mit ideologischen Handlagern zu besetzen, vollzieht sich derzeit mit immensem Druck. Juristische Qualifikation ist eher hinderlich; Fanatismus ist gefragt. Dass sie damit einen massiven, unversöhnlichen Konfikt mit der großen Mehrheit der Bürger heraufbeschwören, ficht sie nicht an.

Während also die rechte Säuberung im Staat bereits läuft, ist es eine andere Schicht derselben Ideologie, die aggressiv mit "Bürgerkrieg" droht für den Fall, dass sich dem jemand entgegenstellt. In dem Maße, in dem sie die Mittelschicht verliert, bindet die dem Faschismus nicht abgeneigte Oligarchie den niedersten Plebs an sich, religiöse wie politische Eiferer, die durch keinerlei Beziehung zu Aufklärung, Rechtsstaat oder Kultur gebremst werden. Diese amerikanischen Taliban warten nur darauf, dass sie endlich den Befehl hören, alles Moderne und Unchristliche zu vernichten.

Krise? Welche Krise?

Die im Establishment als nachgerade linksradikal geltenden Sozialdemokraten wie Bernie Sanders sind in diesem Stadium eine letzte Hoffnung auf ein bisschen politische Stabilität; sie aber haben keinen Rückhalt in den verkrusteten Machtstrukturen. Industrie, Militär und Oligarchie betrachten sie als Feinde. Der Teil des Volkes, der sich nicht durch sie repräsentiert fühlt, ebenfalls, angereichert durch eine Paranoia, die der amtierende Präsident in ungeahnten Dimensionen befeuert.

Zu glauben, dieses Pulverfass könne ein "Bündnispartner" sein, fällt nur Menschen ein, die das Märchen des westlichen Narrativs auch dann noch mit der Wirklichkeit verwechseln, wenn der POTUS ihnen persönlich den Totalen Krieg erklärt. Da kann man nix machen, das sind doch die Guten®. Alles andere ist Antiamerikanismus. Derweil sorgt Amerika selbst dafür, dass von ihm nichts übrig bleibt, dem noch jemand folgen könnte. Wir brauchen wohl wieder einen eigenen Führer.

 
kl

Am Anfang war der Kaffee. Auch im 21. Jahrhundert glauben viele Menschen noch an höhere Wesen, aber muss es die Bibel sein? Fake News von Anfang an. Okay, ein Buch fängt mit Wörtern an, so viel ist wahr, aber das Leben? Das Universum? "Am Anfang war das Wort"?!

Sagen wir es einmal ganz einfach: Der Tag fängt am Morgen an. Dabei macht es überhaupt keinen Unterschied, ob es sich um einen Schöpfungstag oder einen Mittwoch handelt. Es ist auch komplett wurscht, ob der Morgen am Morgen oder am Mittag beginnt; das Einzige, das nicht zur Debatte steht, ist der Kaffee.

Hmm ...

Alles andere ist Beiwerk. Der Eine braucht seinen Bademantel, die Andere ihre Zigarette, irgendwer Brötchen, Croissants, Müsli, Honig, Zeitung, Sex oder Fernsehen. Ich ahne, dass bereits an dieser Stelle die halbe Nation beleidigt ist. Ist euch eigentlich schon einmal aufgefallen, dass es immer die Nation ist, die beleidigt ist? Komisches Ding, so eine "Nation" und sicher nicht meins.

Ich rede vor allem von Teetrinkern: "Wer denkt denn an die Teetrinker?" Hoo, Brauner! Hier muss niemand jemanden schlechtmachen von wegen Nichtraucher, Teetrinker, Schattenparker. Mit all dem kann man leben. Es ist gar nicht nötig, jeder Nation eine Gegennation an die Front zu stellen - Kaffee gegen Tee, Mann gegen Frau, Schwarz gegen Weiß, Amiga gegen Atari. Wo ist da der Sinn? Also, Teetrinker: Euer Kaffee ist halt Tee. Das heißt keineswegs, dass damit §1 außer Kraft wäre. Ohne Kaffee ist alles nichts.

Selbstverständlich und dementsprechend entstanden diese Zeilen auch erst nach dem Kaffee. Vor dem Kaffee ist vor dem Wort. Immer. Das ist Regel null. Wer steht denn auf und fängt sofort an zu plappern? Ernsthaft: Es gibt Leute, die mögen einen, Leute, die mögen einen nicht und Leute, denen man egal ist. Alles verhandelbar, so lange eines klar ist: Vor dem Kaffee Schnauze halten. Laber' mich nicht vor dem Kaffee an, du wirst nicht mögen, was du dann erlebst. Denn das könnte durchaus biblisch werden.

 
Ich lese eine Nachricht; eine mehr. Ist es die eine zu viel? Etwas in mir schreit: Ich ertrage das nicht mehr. Etwas Anderes kommentiert sie lapidar. Als ob man gelähmt mit staundenden Augen dasitzt und sieht, wie sich ein großes Puzzle allmählich zusammensetzt. Ist es jetzt soweit? Oder jetzt? Morgen vielleicht?
Diesmal gibt es keine Zuflucht, nicht auf diesem Planeten.

Update: Ich muss etwas sagen, respektive schreiben, um mich nicht durch die politische Lage zu Boden deprimieren zu lassen. "Wir befinden uns an einem gefährlichen Punkt der Eskalation. Durch Umsicht und Zurückhaltung ist es jetzt wichtig, zur Deeskalation beizutragen", hat uns die Sprechblasendesignerin der Kanzlerin wissen lassen, anlässlich des Mordes, ineins Kriegserklärung, befehligt durch den Volkstribunen Trump, vor die Füße gekübelt.

Da simmer dabei

Es gibt noch immer keine Grenze, die der Westführer oder seine Killer überschreiten könnten, damit irgendwer hier bemerkt, dass es ums Überleben geht. Ich erinnere bei dieser Gelegneheit an eine Warnung des damiligen Oberbürgermeisters von Saarbrücken 1983:

Leute, die einen Atomkrieg für führbar und gewinnbar halten, die können niemals unsere Bündnispartner sein. Das sind Verrückte. […] Es gibt Bedingungen, zu denen eine Mitgliedschaft in der Nato nicht mehr tragbar ist, das heißt, wenn diese Nato uns auf ein Pulverfass setzt, bei dem die Lunte gleich mitgezündet wird.

Meine Ehre

Dafür wurde er freilich von seinem Parteivorsitzenden zurechtgewiesen. Wenn man bündnistreu ist, verdampft man auch artig, das hat der Deutsche so gelernt. Von einem Bundeskanzler kann man da schon gar nichts anderes erwarten, eine Lahme Ente wie Frau Merkel, die noch nie schwimmen, fliegen oder auch nur einen eigenen Gedanken entwickeln konnte, erst recht nicht. Da schickt sie lieber wen vor, der noch treublöder blökt.

Ich habe heute einen recht guten Film über Brechts Projekt "Dreigroschenfilm" gesehen. Sicher hätte ich eine Menge zu meckern, aber er ist nicht nur fein verschachtelt und künstlerisch ansprechend, sondern auch eine bewegende Reminiszenz. So viel Einfluss hast du als Autor und Künstler. Mir bleibt der Trost, dass mit meinem Gehampel wenigstens kein brauchbarer Profit zu machen ist.

 
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Wer nennt eigentlich sein Flugzeug "Boing"? Und wundert sich dann, wenn es sich quasi wie angekündigt zerlegt, dass der Konkurrent, der bei der Namensgebung zwar weniger Phantasie, aber ein durchaus glücklicheres Händchen hatte, einem auftragsmäßig davon fliegt? Ich muss nicht alles verstehen. Selbst Kapitalismus hatte ich mir eigentlich rationaler vorgestellt.

Wie bereits in den Kommentaren, empfehle ich auch hier oben diesen Talk von David Kriesel über seine Untersuchung zur Pünktlichkeit der Bahn im Fernverkehr. Das ist große Wissenschaft verständlich dargelegt. Übrigens auch dieser ältere hier von ihm, wo er sich mit Spiegel Online beschäftigt hat. Was man aus Daten so alles lesen kann, ist ebenso faszinierend wie gruselig.

Nicht minder gruselig ist korrumpierte Wissenschaft nach 'Experten'-Art. Ich wurde neulich eines 'Interviews' im Radio gewahr, das mir den Schaum zwischen die Zahnreihen trieb. Dort behauptete ein "Verkehrsexperte" Professor Sowieso, ein Tempolimit bringe gar nichts und verargumentierte ernsthaft solche Weisheiten wie dass es keinen Unterschied mache, ob man mit 160 oder 130 auf einen Stau auffahre oder dass die moderne Technik dabei auch kaum mehr Spritverbrauch generiere. Das fand ich dann auch unter diesem Link.

Fachexperten rektal

Schon das ist so frech gelogen, dass man sich getrost auch als Laie aufregen darf. Befragt, wusste er aber auch gar kein Argument, das denn für ein Tempolimit spreche. Okay, dass mit dem Spritverbrauch weiß er nicht; er ist ja auch nur Experte, die lernen vermutlich bestimmte Verdrängungstechniken in Seminaren der Autoindustrie. Vor allem aber die höhere Unfallgefahr durch Geschwindigkeitsunterschiede ist ihm ebenso wenig bekannt wie empirische Daten.

Übrigens ist dieser Spezialfachexperte offenbar eine weitere Quelle für den Schwachsinnsvergleich eines Dieselmotors mit einer Kerze, den Herr Neffton in der "Anstalt" zur Lachnummer verwurstet hat. Fun Fact am Rande: Mario Barth, Investigativ-Darsteller, zeigt auf, dass nur "ein diverser Veganer" sich von Dieselruß gestört fühlen kann. Treffen sich ein Diverser, ein Unterschiedlicher und ein Ähnlicher, sagt der Ungefähre ...

Man fragt sich, wer solche Schwätzer eigentlich noch einlädt und warum sie nicht täglich mit gebrauchtem Obst beworfen werden, weil sie sich zum Schaden der Allgemeinheit regelmäßig zum Horst machen. Wenn man sich als Kontrast die Vorträge von David Kriesel anhört, erkennt man den Unterschied: Transparenz der Methoden, Nachvollziehbarkeit der Untersuchung und sehr defensive Formulierungen bei der Auswertung vs. stumpfe Behauptungen als fertige Meinungspackung zur flutschigen Verwendung für Propaganda. Es ist ja nicht immer so eindeutig, aber manchmal wird doch sehr deutlich, dass es nicht an der Wissenschaft liegt, sondern an der Berufsauffassung.