2020


 
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Der Tag der Befreiung® geht mir, um ehrlich zu sein, am Arsch vorbei. Wie in meinem Buch erläutert, wurden Verdrängung und Kontinuität irgendwann in Form einer neuen Rhetorik ersetzt durch eine raffiniertere Heuchelei. Hauptautor war Richard von Weizsäcker und Depp vom Dienst Philipp Jenninger, der nicht kapieren wollte, dass die Nazis eine kleine Bande waren, die das ganze Volk in Geiselhaft gehalten hatte. Stattdessen ging er auf alle Deutschen los. Fail!

Ich will mich daher mit Wichtigerem befassen, weil es nicht aufhört, aktuell zu sein, weil die erbarmungslosen Propagandisten der Ausbeutung den Rand nicht halten wollen. Für Deutschland war es der 09.09.1982, als Schluss war mit Lustig. Fortan hatte der Arbeiter wieder das Maul zu halten, und wer unnütz ist, gilt wieder als Schmarotzer. Das neoliberale Fanal erklang, namens "Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" aka Lambsdorff-Papier.

Stillgestanden!

Jetzt fällt einer womöglich vom Glauben ab, und sei es nur kurzfristig, strategisch oder was weiß ich, aber er (an)erkennt eben als Präsident seines Landes, dass etwas gewaltig schiefläuft in der Zivilisation, die nicht bloß ihre wirklich Systemrelevanten verleugnet, sondern eben deshalb die Existenz aller aufs Spiel setzt. Er deutet an, da müsse sich etwas ändern, vielleicht gar etwas reformiert werden.

Prompt springen sie aus dem Busch, die Inhaber des Patentes auf Reformen®, die seit knapp vierzig Jahren genau das predigen, von dem jetzt jeder Depp erkennen kann, dass es nicht richtig ist. Es springt einem ins Gesicht, wer auf wessen Kosten lebt und wohin das führt. Und was fällt den Neoliberalen ein? Macron sei jetzt "kein Reformer" mehr. Weil er nicht dazu kommt, in Frankreich die Renten dem Kapital zu übereignen, was ja bei uns auch kolossal geklappt hat.

Die Kollegen in der Schweiz wiederum warnen (Achtung! Achtung!) vor dem siebenunddreißigsten Linksrutsch® der längst rechtsliberalen und zu Recht marginalen deutschen 'Sozialdemokraten'. Warum? Weil der Chef-Büchsenspanner Kahrs keine Lust mehr auf seine eignen Intrigen hat. Ist ja auch keiner mehr da, den man wegmobben müsste, weil er nicht auf Kurs wäre. Was da noch steht, erledigt sich gerade selbst. Immerhin keine dumme Ratte, die das Schiff dann doch noch verlässt.

Fortschritt!

Was von der Herrlichkeit des neoliberalen Regimes übrig bleiben wird, ahnen wir bereits mit Blick auf die Trümmerlandschaften, in denen es am heftigsten gewütet hat. Die brunzdummen Faschisten erkennen dort sofort den Feind, der sie in diese Lage gebracht hat: Kommunisten mit ihrem Corona. Angewandte Dystopie mit Vorbildcharakter.

Hierzulande glauben sie wohl noch, alles werde gut, ja vielleicht sogar besser. Da wird das Fleisch der Schwachen eben von den Starken gefressen und die Sklaven werden sich prügeln um einen Herrn, der ihnen Brot verspricht. Und weil das Deutschland ist hier, werden sie alle friedlich bleiben und sich Jahr um Jahr mit weniger begnügen. Ein geniales Konzept, und so innovativ! Ich freue mich auf die anstehenden, echten Reformen®.

 

Die Jahrhundertrede des großen von Weizsäcker
vs.
ein Kommentar von B.

 
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"Raus aus der NATO, rein ins Vergnügen" war ein geflügeltes Wort in den 80ern rund um die "Grünen". Wie wir wissen, hat deren späterer Parteiführer ausgerechnet in Serbien ein "Auschwitz" entdeckt und daher im Einklang mit dem Großen Bruder USA gefordert, Deutschland müsse sich an der Bombardierung der Nazis dort beteiligen. Geschichtsbewusstsein at its best.

Derselbe forderte in diesen Tagen wörtlich "Die Deutschen müssen ihren instinktiven Pazifismus hinterfragen". Nachdem alle Kriege der NATO, die Beteiligung der Bundeswehr am Angriffskrieg auf Afghanistan, Flugverbotszonen oder schon die Kriege in Vietnam und Irak auf die einhellige Abneigung der Deutschen gestoßen sind, muss der ehemalige Pseudopazifist einmal mehr darauf beharren, man möge doch endlich wieder Hurra.

Nie wieder Frieden

Von deutschem Boden soll nie wieder ein Krieg verpasst werden, ginge es nach den Atlantikern und ihren Trommelschlägern. Nun hat Deutschland ja enormes Talent gezeigt in diesen Dingen. Nach Verdun und Stalingrad ausgerechnet Afghanistan, der längste Krieg mit Deutschen seit 1648 und so erfolgreich wie die Stellungsschlachten zuvor. Auch dieser ohne die vorbereitende Propaganda durch Kriegstreiber Joschka kaum vorstellbar.

Der Eifer hinter dieser Mordlust muss spätestens dann deutlich werden, wenn man sich die aktuelle Lage anschaut. Die größte Provokation Russlands seit Able Archer, ein NATO-Manöver an Russlands Grenzen, wird gerade durch Corona verzögert. Die Weltwirtschaftskrise reißt alle Gräben zwischen konkurrierenden Mächten auf, und in den USA ist ein Irrer Präsident, der sich für den unumschränkten Führer hält - um nur einige Details zu nennen. Und in dieser Situation sollen die Deutschen also "ihren Pazifismus überdenken".

Failed State

Im Gegenteil zeigen alle aktuellen Entwicklungen, dass eine Kooperation mit den USA nicht mehr möglich und die Vasallentreue zu ihnen fatal ist. Das wird vermutlich auch kein Stück besser werden, wenn mit oder an Corona die innere Ordnung der Vereinigten Staaten zerfällt oder gar explodiert. Wenn bewaffnete Vollhonks ein Parlament besetzen, nennt der Depp in D.C. sie "Gute Leute" und bekennt damit seine Bereitschaft zum Bürgerkrieg. Ob er etwas davon weiß, mögen seine Psychiater beurteilen.

Der andere auf dem möglichen Weg ins Amt weiß eventuell gar nichts mehr, wenn er dort ankommt. Er zeigt deutliche Anzeichen von Demenz, seine Partei findet das prima. Die Frage erübrigt sich, ob das jemandes Kalkül ist oder einfach kollektiver Irrsinn; sicher ist: Die USA sind schon immer die größte Kriegsgefahr und jetzt auch noch ein instabiler Staat. In dieser Situation ist nicht etwa Kritik zu hören vom 'Partner', sondern vorauseilendes Säbelrasseln. Farbbeutel, bitte!

 
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Sie ist der Trick, durch den die autoritäre 'Demokratie', ein paradoxes Vehikel, im 'Westen' schon seit Jahrzehnten als Normalität empfunden wird. Politik hat nichts mit "Polis", der allgemeinen Versammlung, zu tun und die "Res Publica" ist medial wie auf den Ebenen der Entscheidungen ebenfalls professionellen Experten überlassen, den funktionalen Autoritäten.

Die Wirtschafts-und Arbeitswelt ist ohnehin komplett autoritär organisiert, hier herrschen Befehl und Gehorsam, die Befehlshaber entscheiden und herrschen über faktische Untertanen, die kein Mitspracherecht haben, von Entscheidungsbefugnis ganz zu schweigen.

An die Arbeit!

Öffentliche 'Debatten' werden traditionell als Schaukämpfe von Vertretern ausgetragen, von den 'Parlamenten', in denen Entscheidungen schon immer völlig unabhängig von den Redebeiträgen gefasst wurden, bis hin zu den "Talk Shows", eine Bezeichnung, die in seltener Deutlichkeit sagt, was sie bedeutet.

Es herrschen Intransparenz bei den Entscheidungen und begleitend allgemeines Blabla ohne Relevanz. Das spiegelt sich schon immer in sprichwörtlichen Stammtischreden wider, die in Zeiten des Internets millionenfach multipliziert in die Welt ergossen werden. Jeder kann sich hier zum allmächtigen Gottkönig aufblasen, ohne sich je für eine seiner Verlautbarungen verantworten zu müssen - oder zu dürfen.

Am Ruder

Begleitet und geprägt werden diese Prozesse von kleinen und mittleren Autoritäten, auf die sich jene unterhalb in der Nahrungskette berufen. Man sammelt also Experten und die ganz persönlichen Interpretationen von deren 'Meinungen'; das nennt sich dann 'Argumentation'.

Dass dabei wenig Brauchbares herumkommt, wo sich nicht der Zufall einer dennoch vernünftigen Diskussion ereignet, kann nicht überraschen. Man merkt den 'Diskussionen' an, dass Demokratie eigentlich nirgends stattfindet. Um entscheiden zu können und die Prozesse zu verstehen, wie das sinnvoll vonstatten gehen kann - auch die dazugehörigen Diskussionen, muss man entscheiden dürfen. Das kann nicht funktionieren, wo noch im kleinsten Dorf Eigentümer und Stellvertreter herrschen, die mit ihrer kleinen Macht das Leben der Anderen bestimmen.

 
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Beherrscht modernste Technik: sog. "Nerd" beim "Hacken".

Es gibt Themen, die kann man tatsächlich Jahre vor sich hin schieben. Schon lange wollte ich mich einmal mit einem der dümmsten modernen Mythen befassen, der "Digitalisierung". Die von mir nicht gerade hoch geschätzte Wikipedia weist immerhin schon darauf hin, dass es die Nämliche bereits seit den 70er Jahren gibt. In Bezug auf die Funktionsgrundlagen des Kapitalismus, die ja immer im Mittelpunkt der Politik stehen, ist sie auch nichts Neues. Ich selbst habe im Jahr 1998 einen technisch schon recht rückständigen Betrieb von der papiernen Personalverwaltung befreit. Seit mehr als 20 Jahren ist die Welt also bereits ziemlich durchdigitalisiert. Allein der Breitbandausbau ist im Land der Telekom immer noch auf den Niveau eines Drittweltlandes.

Das hätte man längst ändern können, aber bis heute ist die Entwicklung auf diesem Terrain ein Trauerspiel. Lieber geben sich ahnungslose Bingo-Bullenreiter modern, indem sie die magischen Formeln raunen: "Industrie 4.0, Internet of Things, Cloud Computing, Big Data, Blockchain, Quantencomputer" und vor allem natürlich "KI". Das alles, zusammengefasst, ist 'Digitalisierung', so wie "Eimer, Schüppchen, Sand, böser Onkel, Schnuller, Mama, Regenmantel, Klettergerüst und Rutsche" eben 'Spielplatz' sind.

Töfte! Ganz neu!

Dass seit der Herrschaft des Smartfons nicht nur die Industrie, sondern die komplette Gesellschaft wie auf Turkey an digitalen Geräten und ihren Funktionen hängt, ist 'Erkenntnis'. Die aber scheint sich noch nicht bis in den Verstand derjenigen vorgewagt zu haben, die jenen Quatsch von der Digitalisierung nicht nur ernst meinen, sondern das auch noch für den Ausweis halten, sie seien voll up-to-date. Im Gegenteil sind sie das Gegenteil, und wenn es etwas bräuchte, wäre das eine De-Digitalisierung der Gesellschaft.

Wie quasi immer, fragt sich der faszinierte Zuschauer, ob diese Inkompetenz das Original des Problems darstellt oder nur Staffage ist - in dem Fall für jene im Kreise der politischen Entscheider, die ihre Digitalisierung des Überwachungsstaates längst in erschreckende Dimensionen vorgetrieben haben und den Hals nicht voll kriegen können von Daten, die zu schützen sie gar nicht vorhaben. China ist überall, wenn es denn dem Schutz der Bevölkerung und einer möglichen Demokratie vor sich selbst geht. Warte nur ein Weilchen.

Derart zwischen Entsetzen und bleierner Müdigkeit oszillierend, frage ich mich, für wen dieser Karneval eigentlich noch veranstaltet wird. Wer technischen Sachverstand mitbringt, kann kaum mehr schmunzeln über die vergilbte Werbetafel, wer beruflich damit zu tun hat, ohnehin nicht. Bleiben also noch Idioten, die sich mit Parolen wie "jetzt ganz modern, ausgeflippt und sexy" ködern lassen und die ohnehin bald Toten, denen du alles erzählen kannst. Ach ja, und vermutlich die Honoratioren ab der zweiten Reihe, die auf die Rückkehr von Jesus oder Willy Brandt warten. "Digitalisierung", my ass!

 
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Originalbild: Wikimedia Commons, User:Schutz

Im Rahmen der unerträglichen Auseinandersetzungen zum Thema 'Corona' hat mich die Spezies, der anzugehören ich vergebens leugne, tatsächlich wieder enttäuscht, und das ist alles andere als einfach, denn ich traue ihr ohnehin nicht viel Gutes zu. Was Menschen, die ich für weniger dumm gehalten hätte, noch für 'Argumente' halten, wenn sie sich selbst betroffen fühlen, galoppiert die Apokalyptischen Reiter lässig in Grund und Boden.

Alles ist erlaubt, wenn es die eigene Fraktion betrifft, den anderen aber keinen Fußbreit! Wie gut, dass man es noch nie mit der Logik hatte, die in der brachialen Rhetorik, für die sie vergewaltigt wird, zur Waffe werden soll. Muss ich die Unterschiede kennen zwischen Allquantor und Existenzquantor, notwendiger und hinreichender Bedingung, Konditional und Bikonditional, zulässigem und unzulässigem Umkehrschluss? Ach was, je weniger ich davon weiß, desto kreativer kann ich angreifen.

Äh gleich Emma Zehquadraht

Ich gebe mal ein Beispiel: Alle Tulpen sind Blumen. Manche Blumen sind weiß. Daraus folgt nicht, dass manche Tulpen weiß sind. Nein! "Aber es gibt doch weiße Tulpen, meine Mutter hat immer welche zuhause. Und meine Oma. Ich selbst hatte schon welche." / "Ja, wirklich?" / "Ja." / "Bitte sei so lieb und fick‘ dich!"
Das ist ein sehr einfaches Beispiel, in dem es nur um einen sehr übersichtlichen (falschen) Syllogismus geht, ohne jedwede Verknüpfung zu weiteren Operatoren oder gar Quantifizierungen.

Dann sind wir noch nicht einmal bei der Schwierigkeit, sprachlichen Ausdrücken ihren logischen Kern zu entnehmen. Oder wie wär's mit Statistik? "Churchill hat gesagt …" Nein, hat er nicht, es ist auch wurscht. Schon mal was von Validität gehört, Reliabilität oder Objektivität? Das auch mal anhand einer Studie durchdekliniert? Ach, du forderst ja nur "repräsentativ", fein. Was ist das eigentlich und wozu ist das gut? Fangen wir bloß nicht an mit Stochastik, Signifikanz oder Grenzwerten, mein lieber Ichkannkeinmathe.

Gar keine Frage ...

Zudem die simple Idee, wer wann was auf Basis welcher Daten entscheiden muss. Du kannst das besser? Erzähl! Und wenn sich dann herausstellt, dass das ein Irrtum war, was dann? Welche Folgen wird welche Kurskorrektur haben, wie wahrscheinlich ist es, dass auch diese korrigiert werden muss, welche Folgen wird das wiederum haben? Gesundheit gefährden, wessen in welcher Weise, Soziale Ordnung gefährden, auf welcher Ebene mit welchen Folgen – und das Ganze immer auf unzureichender Datenbasis, während du dich mit drölf anderen Entscheidungsebenen koordinieren musst. Was hätte ich einen Spaß, wäre ich jetzt einer von denen!

Ihr wisst zwar auch alle nicht, was richtig ist, aber ihr habt ein Gespür dafür, was rhetorisch zu den für euch bereits feststehenden Ergebnissen führt. Und während ihr derart Schindluder mit allem treibt, was zu Verständnis und Verständigung führen könnte (Wissenschaft, Logik, Reflexivität, Empathie), werft ihr euren Feinden jede Abweichung von denjenigen Regeln vor, die ihr in eurer Selbstherrlichkeit gerade für gültig erklärt habt. Das Allerbeste aber: Keiner von euch fühlt sich mit diesem Text angesprochen, dafür aber schon mal vorab beleidigt. Wie gut, dass ihr alle nichts zu entscheiden habt!

 
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Schon lange bin ich der Auffassung, dass nur eine politische Partei immerhin vage hält, was sie verspricht und ihre Wähler mäßig zufriedenstellt, nämlich die Union. Sie ist im Grunde die optimale Vertretung einer religiös-ideologischen Veranstaltung, die als Begleitmusik und Schlafliedsängerin den Kapitalismus durch alle seine Phasen mit eiserner Ignoranz begleitet. Ihre Wähler wollen genau das: so tun, als hätte sich nie etwas geändert und es würde immer so bleiben.

Die Slogans passten jeweils perfekt. Als noch (und sei es pro forma) das schlimme Andere drohte, versprach sie "Freiheit statt Sozialismus". Das mit der Freiheit war mehr dem Narrativ geschuldet, das war halt der gute Westen und das Andere eben unfrei®. Zu viel Freiheit führt nur ins Chaos. Demgemäß auch der Schwenk hin zum "Weiter so Deutschland", ein Dauerbrenner wie der ewige "Aufschwung" (West, Ost, allerlei), der ebenfalls bildlich die geistige Schiffsschaukel bediente: immer hinauf, ohne den Standpunkt zu ändern.

Nach dem Sturm der Orkan

Okay, Schaukel ohne Abschwung ist ein bisschen komisch, aber so ist das im Kapitalismus eben: Das heißt dann "Negativwachstum" und wird so lange ignoriert, wie nicht der Sozialist daran schuld ist. Dafür ist die Partei ja da, dass es nicht zu intellektuell wird. Alles wird gut - nein ist ja schon gut, wo wir "gut und gerne leben". Die Vorturnerin nennen sie derweil "Mutti". Gute Nacht, gib mir einen Kuss!

Diese infantile Konstellation führt folgerichtig in der aktuellen Pandemie dazu, dass potentielle Anhänger dieser Union sich das Deckchen über den Kopf ziehen und sich das alte Schlaflied singen lassen. Wenn sie dann aufwachen werden und die Schaukel aus der Achse gerissen ist, kann es zu lautem Geheul kommen. Wenn dann auch noch Mutti in den Sack gehauen hat, kann der Rest der Kasperletruppe versuchen, den Kindergarten zusammen zu halten. Vielleicht kommt dann Papa Söder. Der kann das zwar nicht, aber das hatten wir Angie damals auch nachgesagt.

Problem: Der größere Teil der Union braucht demnächst einen neuen Bestimmer im Turnraum. Je nach dem, was den Ambitionierten (ein Charakterzug, der zu einer erzreaktionären Truppe übrigens nicht passt, das ist einer der wenigen Strukturschwächen der Bude) dann einfällt, haben wir sofort den großen Schlamassel: Weiter so im tiefsten Dreck mit einem Saubermann, der zu den großen der Größen aufschließen will, das kann fürchterlich schiefgehen, und diesmal gibt es keine Chance, den blöden Sozen die Aufräumarbeiten zu überlassen.

 
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Wir möchten uns heute einmal ganz freundschaftlich an Sie wenden. Unser tiefer Dank für Ihre Treue zu unserer Marke verdient mehr als nur Freude und Respekt. Sie verdient unsere volle Solidarität. Wir wissen es zu schätzen, wie sie uns zugeneigt sind und wollen diese Fürsorge erwidern, indem wir stets für Sie da sind, unsere besten Produkte für Sie bereithalten und die Qualität für Ihr Wohlbefinden immer weiter steigern. Tag und Nacht sind wir für Ihre Zufriedenheit, Sicherheit und Geborgenheit da. Wie ein guter Freund, der Sie niemals verlassen wird.

Gerade in schwierigen Zeiten erweist sich eine solche Beziehung als Fels in der Brandung, wenn sie durch dick und dünn fortbesteht. Sie müssen niemals Angst haben, uns zu verlieren. Auch wenn es in diesen Tagen schwierig ist, den Kontakt zu halten - über unsere Onlineshops und Logistikpartner sind wir rund um die Uhr für Sie da. Sie können oder wollen gerade nicht zahlen? Kein Problem. Unsere Produkte stehen Ihnen trotzdem uneingeschränkt zur Verfügung. Zahlen Sie einfach später, zinslos und unkompliziert. Weil wir für Sie da sind. Immer.

And now for something completely different

Ihr findet das jetzt - viel zu normal? Ja nun, aber Chronistenpflicht halt. Vielleicht wird es einmal anders sein und jemand, der das liest wird sich spontan übergeben. Außerdem finde ich bei allem schon eingestielten Neusprech den Begriff in der Überschrift so scheiße, dass ich mich schon darauf freue, wenn er einmal wirklich Verwendung findet, um wie der sabbernde alte Fettwanst, der der jungen Frau in den Schritt greift, die Köpfe seiner Opfer zu penetrieren. Denkt ihr auch gerade an Sex mit Donald Trump? Bunga!

Wo der wiederum recht hat, hat er recht: Bei manchen Infektionen, nicht zuletzt kognitiven, hilft nur noch reiner Alkohol, intravenös. Free Amorica now! Und wenn wir schon dabei sind, wie alte ekelhafte Demagogen unterschiedlichen Talents die Welt in ihrem fauligen Atem halten, darf die Würdigung eines der ganz großen FaschRechtskonservativen in der Geschichte der BRD nicht fehlen. Zitat:

"Wenn es überhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Würde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen".

Die skalpellscharfe Niedertracht, mit der hier einmal mehr Grundrechte gegeneinander ausgespielt werden, um zu begründen, man müsse den Tod vieler Menschen eventuell billigend in Kauf nehmen, ist eine weitere Meisterleistung aus Deutschland. Das kannst du so wie es da steht über die Rampe nageln, dann wissen alle Bescheid. Würde ohne Leben, Profit ohne Planet, Vernunft ohne Verstand - dafür steht sie wie die Standarte im Wind: Ihre CDU. Der vertrauen sie jetzt wieder wie selten zuvor. Auch eine Art siehe oben.

 
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Ich hab mal Bock auf ne neue Kategorie. Sie heißt "damalog", wie in "damals und gelogen" und besteht aus verfremdeten Erinnerungen, die eine Atmosphäre wiedergeben sollen. That's Entertainment, vielleicht ein bisschen besser als Fußballspiele aus den 90er Jahren.

Der junge Mann – das war und ist bis heute keine Kunst: jung zu sein, ich war es schließlich damals auch – hatte schon viel gekifft. Also nicht nur am nämlichen Tage, sondern generell, und er konnte unmöglich noch mehr kiffen, um mich zu ertragen. Nicht, weil er es nicht rein technisch gekonnt hätte, sondern weil es erstens keine Veränderung seines Zustands bewirkt und zweitens, selbst wenn, nicht ausgereicht hätte.

Ich war derart in Selbstmitleid versunken, beziehungsweise in einem sowohl unübertrefflich überflüssigen als auch mimosenhaften Leid über, ja was denn schon, wen schon, eine Frau, deren 'Liebe' mir fehlte wie dem Hund, der es nicht anders kennt, die Schläge seines Menschen, von dem sich zu befreien er keine Option sah - wie ich selbst, der aber verdammt nochmal reichlich Möglichkeiten dazu gehabt hätte.

Blues

Naveen also öffnete die Tür nach dem zweiten Klingeln, mutmaßlich seiner anerzogenen Höflichkeit geschuldet; dass er, obwohl trotz gewohnheitsmäßig enormem THC-Levels eigentlich bemerkenswert alerten Wesens, nicht nur ahnend, wer da auf der Matte stünde, wenig motiviert war zu öffnen, äußerste sich wie zum Beweise, in den Worten: „Ach, du schon wieder!“

Naveen und ich hatten einiges an gemeinsamer Vergangenheit, nicht nur aktuell, was seine dann doch aktuelle Abneigung gegen den Freund erklärte. Er war Musiker, ich war Griffbrettwichser, was zu einigen legendären Sessions geführt hatte. Legendär vor allem für mich, letztlich aber auch ein klitzekleines bisschen für ihn, hatte doch mein dilettantisch schlampiges Spiel hier und da einen exzellenten Saxophonisten, der dann und wann hinzustieß, dazu inspiriert, jeden meiner Fehlgriffe aufzugreifen, in Sekundenbruchteilen zu kopieren, zu variieren und am Ende seiner Einlage so darzubieten, wie ich es eventuell eigentlich zu spielen gedachte, mangels Talent und Ausbildung aber nicht imstande war.

Freunde

Ansonsten hatten wir halt das, was wir hatten: Weiber, Suff, Drogen, bescheuerte Ideen und noch legendärere wissenschaftliche Dialoge, die sich durch eine quasi literarische Qualität auszeichneten. Die Reihenfolge der Gedanken war dabei nämlich kreativ wie der Blues, den wir zusammen spielten: Während du so vor dich hin dozierst, verlierst du ständig den Faden, wenn du gekifft hast. Erstaunlicherweise haben wir den aber immer wieder aufgenommen, und was der Physiker (er) und der Philosoph (ich) derart zustande brachten, war eines Preises würdig. So eine Art „Dein Hirn hat trotzdem noch funktioniert und du hast sogar was gelernt“-Nobelpreis.

Er war ein genialer Drummer, mit dem ich trotzdem spielen durfte, vermutlich, weil er genauso schlampig war wie ich, nur mit viel mehr Talent und Übung. Wir waren Freunde. Irgendwann ist er irgendwo hin gegangen. Keine Ahnung, was er heute macht. Ich habe seit Jahren keinen Joint mehr geraucht. Die Frau war auch scheiße, ich kann mich kaum mehr an sie erinnern. Seltsam. Damals erschien das alles irre wichtig.

 
fr

Nicht alles, was kommuniziert wird, ist eine Erzählung. Es gibt (mindestens) eine Alternative dazu: Wissenschaft. Diese strebt ihrem Zweck gemäß nach Wahrheit. Sie versucht herauszufinden, was ist und was daraus folgt. Ihr Fortschreiten ist davon geprägt, dass neue Erkenntnisse stets zur Überprüfung der alten führen und umgekehrt. Was sich als falsch erwiesen hat, fliegt raus.

Sie strebt weder nach Unterhaltung noch nach Aufmerksamkeit oder Schönheit. Dass ein ganzer wissenschaftlicher Betrieb diese Gesetze oft konterkariert, heißt nicht, dass sie nicht gelten. Verwertungsinteressen oder Karrierezwänge korrumpieren sie, aber wenn ein Wissenschaftler gegen die Regeln der Wissenschaft, besser noch: Wissenschaftlichkeit verstößt, ist das, was er treibt, keine Wissenschaft mehr.

Alles gut

Gerade in der Corona-Zeit erweist sich das als Problem, das Demokratie an ihre Grenzen bringt und zeigt auf, wie der Meinungsmarkt Hand in Hand mit dem Bedürfniss nach Erzählungen Erkenntnis wirksam verhindert. Die meisten Menschen bevorzugen Geschichten, denen sie sie zustimmen können. Sie sind getrieben von ihren Erfahrungen und deren meist wenig komplexen Verarbeitung sowie dem Bedürfnis nach jemandem, der ihnen sagt, dass alles gut werde.

Letzteres ist auf die eine oder andere Weise zu haben: Die Einen übergeben sich der Autorität, von der sie Schutz erwarten. Dafür verzichten sie auf ihre ohnehin geringen Freiheiten. Dies sind vor allem sog. "Konservative". Die Anderen stecken den Kopf in den Sand und ziehen ihn nur heraus, um sich von ihren Autoritäten bestätigen zu lassen, dass alles in Ordnung sei. Krise? Welche Krise? Alles nur erfunden, aufgebauscht und abgekartet, Mittel zum Zweck. Es besteht gar keine Gefahr.

Alles Idioten

Diese beiden Fraktionen wissen voneinander. Jeder, der in einer Stellung bezogen hat, ist umgeben von Vertretern der anderen, und alle sind sie sich sicher, dass die Anderen alle Idioten sind. Vielleicht haben sie beide sogar recht.

Wissenschaft ist selten einfach, und sie erfordert ein strikt wissenschaftliches Denken. Die Materie ist stets komplex, und je dünner die Informationsdecke ist, desto schwieriger ist das Fortkommen, insofern ist sie vergleichbar mit einem Puzzle oder einem Kreuzworträtsel. Letzteres löst man nicht, indem man in eine bestimmte Reihe immer dieselben Buchstaben einträgt.

Alles ganz einfach

Das Rätsel einer Pandemie hat sehr viel mit Logik, Statistik und Mathematik zu tun. Ein Fehler der journalistischen Erzähler und ihrer Zulieferer aus der Wissenschaft ist immer wieder der zu glauben, man könne auch etwas verstehen, wenn man das alles weglässt. Ein vereinfachtes Verständnis ist aber oft das Gegenteil von Verständnis.

Die in Entscheidungsprozessen oft notwendigen Einschätzungen, die mangels hinreichender Informationen vorgenommen werden, führen beim Publikum oft zu dem Irrtum, 'die' wüssten es ja auch nicht besser und daher sei das Ungefährwissen des Laien dem Fachwissen ebenbürtig. Kopfschmerzen!

Sie machen sich in der Regel keinerlei Vorstellung davon, was es bedeutet, ein Risiko zeitnah einschätzen zu müssen. Das macht kein Wissenschaftler und auch kein Politiker freiwillig. Das ist ein Scheißjob, ganz ohne dass eine geheime Weltregierung die Befehle dazu erteilt.

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