November 2019


 
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Einer der vielen Romane, die ich nie schreiben, jedenfalls nicht fertigstellen werde, ist die Geschichte eines 'Preppers', vielmehr seiner Familie. Der Alte Herr ist selbstverständlich Nationalist (in seinem Verständnis ein "Patriot", was ja etwas völlig anderes ist), autoritärer Gesinnung (die Einen nennen es "konservativ", die Anderen verweisen auf Farbe und Geruch) und glaubt nichts von dem ganzen Klimbim, das die Linken verzapfen. So wie diese kommunistische Verschwörungstheorie vom Klimawandel.

Er aber ist vorbereitet ("prepared", daher "Prepper"), auf den von Juden und Kommunisten angezettelten Bürgerkrieg sowie ein mögliches Armageddon, womöglich auch in der Geschmacksrichtung Zombieapokalypse. Alles eingekellert: Nahrung für Monate, Wasserreinigungsanlage, Gasfilter, Brennstoffzellen, Batterien, Sprit, Benzin, Notstromgenerator, Knarren, Munition und SUV.

An die Möse

Während Linke über solche Spinner nur lachen können, kommt es wie es kommen muss: Das Wetter dreht durch, Klima kaputt, Noch mehr Hitze, Brände, Überschwemmungen, das Ende des Kapitalismus weil der Zivilisation. Die Linken haben also recht, und die Prepper überleben. Es gibt schlimmeres als ein Volk von Telefondesinfizierern, und hier haben wir sie, die neue Menschheit. Unser Protagonist, so viel Rache muss sein, stirbt aber bald nach Eintreten der Katastrophe an Wundbrand, weil er sich in den Fuß schießt und Antibiotika für jüdisches Gift hält.

Warum erzählt er das? Nun, weil unter anderem das Niveau der Weltpolitik auf Kindergartenniveau gesunken ist. Jede Beleidigung, Lüge, Unterstellung - gern alls In Kombination - ist willkommen. Während einige noch immer taub und strunzdumm die politischen Feinde "Machthaber", "Populisten" oder "Autokraten" nennen, ist der größte Freund ein kleinkindlicher Troll, der stolz darauf ist, Frauen "an die Möse zu packen", nur in Kategorien wie "supersupergut" oder "ganz ganz böse" kommuniziert und ein Mobbing pflegt, das nicht einmal ein Schulbully in seiner eigenen Gang wagt.

Wäre das wiederum so unerhört, dass erstens wenigstens irgendein Außenpolitiker diesem Affen einmal sagen würde, dass er einer ist und es zweitens im Vergleich zu anderen Halb- und Dreiviertelaffen eine eigene Kategorie wäre, man könnte es ja als vergänglichen Einzelfall abtun. Ist es aber nicht; vielmehr gibt es Blödheiten, Gepöbel und Stammtischgehabe in allen Abstufungen, weltweit und ohne eine Insel, auf die man sich davor retten könnte.

Nichts ist unmöglich

Die Autorität hat ihre Maske abgelegt, ohne die sie nicht mehr wirkt. Auch und gerade die Demokratiesimulation des 20. Jahrhunderts war darauf angewiesen, dass die Massen ihren Stellvertretern ein Maß an Autorität verliehen, ohne das die Befehlsketten reißen. Eine soziale Ordnung, an die niemand glaubt, zerfällt. Immer. Eine Autorität, die sich ganz unverhohlen selbst lächerlich macht, wirkt nur noch bei denen, die sich unbedingt unterwerfen wollen. Mit diesen lässt sich kein Staat mehr machen, sehr wohl allerdings ein faschistischer Pöbel, vor dem der Rest sich fürchtet.

Dieses Muster wiederholt sich immer wieder. Wenn die religiösen, sozialen und politischen Formationen sich nicht mehr mit Sinn aufladen lassen, wenn die Mächtigen und ihre Vertreter keine Legitmation mehr haben, bleibt nur Abwendung von der Ordnung oder blinder Gehorsam gegenüber einer, mit der man sich identifizieren kann. Ein einfaches, eine Zeitlang stabiles 'Wir', das stets auf ein feindliches 'Ihr' bzw. 'Die' angewiesen ist. Das ist kein Verdienst irgendeiner gefährlichen politischen Kraft, sondern schlicht das Symptom der Dekadenz.

 
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Symbolbild: irgendwas mit Strand

Ich bin ja schon Wenigstflieger. Wer weniger geflogen ist als ich, lügt und ist eh nie zurückgekommen, weswegen das auch nicht zählt. Soweit also steht hier virtuell vor Ihnen der CO2-Held, klitzekleiner Fußabdruck, praktisch nicht zuerkennen. Dabei war es in meiner Jugend noch nochmal, dass kein Schwein flog. Da ist man amtlich mit dem Boxer übern Brenner gekachelt, achwas, jetzt wisst ihr nicht mal mehr, was der alte Mann da redet. Egal.

Schon damals war ich freilich die ersten drölf Jahre meines Umtriebs mit dem Daumen unterwegs. Schon dreißig Jahre vor dem Mützchenmädchen habe ich sogar einen Lift auf einem Boot bekommen. Das kam nämlich so, dass ich irgendwo in Jugoslawien auf eine Insel geschwommen war, wobei ich unterwegs feststellen musste, dass das eigentlich eine Scheißidee war, weil weit, deutlich anstrengender als gedacht und in einem Medium, das man als Säugetier nicht atmen kann. Brains of Steel. Zurück habe ich mich schippern lassen.

Boah glaubste ...

Inzwischen brauche ich für meinen Job eine Karre und nutze daher konsequent die, die ich schon habe. Bald 23 Jahre alt, braucht nicht viel und raucht nicht viel. Nun ist mir neulich auf der BAB ein Reifen plattgegangen. Fun Facts: Ich habe es nicht bis zur nächsten Ausfahrt geschafft. Das Ding war nur noch Fetzen und Qualm. Ich habe die Gelben gerufen, um einen Scheißreifen zu wechseln. War nämlich dunkel und kein Meter Rand bis zur Fahrbahn. Gelber Mann stellte Pylonen auf und wir installierten das Notrad.

Notrad! Kein Reserverad, ein Kack-Notrad! Das ist ein Rennradreifen um einem Blechteller, mit dem du nur 80 fahren darfst. Und jetzt versuche einmal, Anfang November Ersatzreifen für eine Kiste zu kriegen, von deren Felgengröße selbst die Jungs aus dem Club kaum je gehört haben. Kannste ne Woche warten, bis du nen Termin kriegst. Nervenkrise. Ich habe ernsthaft erwogen, Statt Reifen gleich ein Auto zu kaufen.

Internationaler Wettbewerb

Und warum ist das so? Das ist zweitens so, weil in dieser Diaspora eines tief im rektalen Höhlensystem der korruptesten Autoindustrie dieses Planeten die Öffentlichen Verkehrsmittel ... ach, das wisst ihr doch alles selber. In der vom Separatismus zerrissenen Stadt hingegen, die Ziel meiner einzigen Flugreise war, kriegen sie das übrigens hin, dass du zu Spottpreisen in Nullkomanix quer durch die Stadt und zurück kommst. Diese faulen Südländer machen uns unseren Ruf total kaputt.

Erstens aber habe ich, als ich Anfang des Jahres pleite war, so einen Vertrag unterschrieben von einem Profitnehmer. Der verpflichtet mich beim Leben meiner Töchter und dem Avemaria, stets mobil zu sein und pünktlich beim Klientel, egal ob Hagelschlag und Graupelschauer, Armageddon, Karneval oder Notrad. Das ist Deutschland hier. Habe Montag dann nach sechs Stunden Telefonitis und Irrfahrten einen Türken gefunden, der mir ohne Termin zu nem sauberen Kurs die verkackten Pneus aufgezogen hat. Alles nehmen die uns weg, alles!

 
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Wisst ihr, wie wir 1975 das Ende der Naziherrschaft gefeiert haben? Ach was, das war ja schon 30 Jahre her. Wer wollte das schon wissen? Ach doch, ja: Dresden, das arme Dresden! So viel Trauer! Überhaupt war der Schwerpunkt der Bewältigung vom Grauen Star geprägt Selbst Walter Scheel, der immerhin wusste, dass da auch Juden betroffen waren, meinte:

"Am Ende blieb nur noch ein Volk übrig, um gequält, geknechtet und geschändet zu werden: das eigene, das deutsche Volk" und bediente brav das Narrativ: "Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden."

Gute, Böse, Opfer

Nee klar: Wer tot ist, leidet nicht mehr (und die Nachkommen sind ja alle gut drauf). Selbstverständlich haben die guten Deutschen (immer die Mehrheit) der guten Sache gedient.

Alles paletti, hat doch einer der größten Großdeutschen überhaupt ganz rechtzeitig Tacheles geredet, der noble Herr Adenauer:

"Das deutsche Volk trägt diese schwerste Zeit seiner Geschichte mit heldenhafter Stärke, Ausdauer und Geduld, mit einer geduldigen Stärke, die stärker ist als alle Not. Ich habe mich seit 1933 oft geschämt, ein Deutscher zu sein, in tiefster Seele geschämt: vielleicht wusste ich mehr als manche andere von den Schandtaten, die von Deutschen an Deutschen begangen wurden, von den Verbrechen, die an der Menschheit geplant wurden."

Seziert das bitte selbst.

Tätervölker, relativ

"Im Großkapital aber waren Juden durchaus maßgebend." Sicher, da muss man was machen. Hat er auch, im direkten Anschluss endlich. Die Juden waren nicht schuld an ihrer Vernichtung, endlich hatte es mal einer gesagt. Dass für Adenauer die Nazis "Sozialisten" waren, zieht sich derweil quer durch seinen Vortrag. 1946.

Mein Money Quote:

"Aber wir wollen nur den treffen, der wirklich schuldig ist; die Mitläufer, diejenigen, die nicht andere unterdrückten, die sich nicht bereicherten, keine strafbaren Handlungen begangen haben, soll man endlich in Ruhe lassen." Endlich! 1946. Bereichern tun sich nur Sozialisten. Weiß man doch. Unmoralisches Pack!

Stirn und Faust

Ich bin ein Mensch, insofern zu mehr als 90% Affe, und meine Reaktion ist demgemäß: Meine Faust will in diese Schädel, in denen Hirne sitzen, die ihre Dummheit durch Dreistigkeit kompensieren wollen. Ich will Rache. Ich will diesen Gefühllosen Drecksäcken Erkenntnis und ein Minimum an Empathie einprügeln, bis ihr Zustand aus physiologischen Gründen zu ihrem Geschwätz passt. Genau deshalb habe ich es aber weder mit Moral noch mit Gewalt. Sprache ist das Medium der Vernunft; leider steht sie meist im Dienst der Affen.

Nein, ich wäre sehr für so etwas wie Geschichtsbewusstsein, wozu gehört, das sagt der Begriff, dass man weiß, was sich so geschichtlich zugetragen hat. Das Gegenteil davon ist zweitens Verdrängung und erstens die Pflege von Feindbildern. Was mir bleibt an somatischer Reaktion, ist das kalte Kotzen, das tut nur mir weh. Rational ist es die holde Ironie: Allen geht es besser. Danke, Kohl!

Mein Beitrag zum lächerlichen Jahrestag schließlich ist die Erinnerung an meinen ersten Gedanken zur nationalbesoffenen Glückseligkeit damals: "Den Kater werdet ihr nicht überleben". So sind sie halt, die Miesmacher.

 
rk

Wie ich höre, finden die Grünen Hartz IV ganz schlimm und schimpfen daher auf die CDU. Das ist so denkwürdig bescheuert, dafür werden sich zwei der letzten drei Satiriker des Landes die Kugel geben. Was neulich noch als "Geschichtsvergessenheit" ein furchtbares Phänomen war, geht inzwischen in den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses über. Was interessiert mich mein Geschwätz von vor fünf Minuten?

Lähmung allerorten. Nach 14 Jahren Rauten-Chucky aka die Bleierne ist es schlimmer als nach 16 Jahren Kohl. Wenn die Altherren-Bierfurzpartei AfD einem Viertel der Bekloppten da draußen schon als frische Brise erscheint, weiß man, in welcher Mocke der Betrieb es sich gemütlich gemacht hat. Was vor 40 Jahren schon gelogen war, wird derweil weiter gebogen, und just heute hetzt das Revolverblatt, dessen Namen in diesem Blog nicht genannt wird, ausdrücklich gegen die "Faulheit" der Arbeitslosen, die gefälligst "bestraft" gehört.

Einer geht noch

Kürzung auf Null wollen sie weiterhin, aushungern, das Dreckspack, und ein Gericht, das das endlich auch im Land der Mörder verbietet, sollte wohl besser der Lynchjustiz Platz machen. Das Volk® weiß schließlich am besten, wer nicht essen soll und nicht atmen. Woher kommt bloß der ganze Hass? Und dann diese Rechten, wie können die so stark geworden sein? Man versteht es nicht.

Da draußen sitzen freilich noch immer welche, die von "Rot-Rot-Grün" träumen. Habe ich eigentlich je erklärt, was ein "Clusterfuck" ist? Das kommt von "Cluster" wie Bündel oder Verbund. Ich bevorzuge das Bild eines in sich verschachtelten Etwas, ähnlich wie eine Matroschka oder eine Endlosspiegelung. So ist das auch, wenn Blödheit Kopfschmerzen auslöst, die man zu kompensieren versucht, indem man sich mit dem Hammer in die Fresse schlägt und mit dem Folgeschmerz ebenso verfährt. Rot-Rot-Grün, ja sicher!

Im Widerstand

Für den modernen politischen Entrepreneur gibt es da schließlich noch die außerparlamentarische Bewegung, der man sich auch einfach per Bankeinzug anschließen kann. Zum Beispiel diesen Komikern mit der Hakenkreuzfahne oder freitags dem Mützchenmädchen. Derweil schaffen andere Fakten, Fakten, Fuckten und tun einfach, was zählt: Produzieren, am liebsten SUVs.

Eine Viertelmillion hat allein BMW im dritten Quartal 2019 verkloppt, Zitat: "Hier trug insbesondere das rasante Wachstum des mittelgroßen Modells X3 mit einem Plus von 74 Prozent bei. Und der hochpreisige Riesen-SUV X7 kommt offenbar immer besser bei der Kundschaft an. BMW lieferte im dritten Quartal fast genauso viele Fahrzeuge des riesigen Modells aus, wie im gesamten ersten Halbjahr." Fry Days For Future!

 
fl

Hat auch keinen Bock mehr: BVB-Fan auf der Flucht

Wer sich einmal ein bisschen umschaut in der Republik, muss einen verdammten Pfeil im Kopf haben, um die Umwelt mit Sprüchen von faulen Arbeitslosen verpesten zu können. Selbst diejenigen, deren Hirnkapazität bereits mit dem Gedanken überfordert sind, dass die Arbeitslosenquote nicht vom Fleiß der Belegschaften abhängt.

Ich hatte vor Kurzem bereits einen Fernsehbeitrag gesehen, in dem jemand durch den ländlichen Norden tourte, um dort unter anderem in einem Dorf zu erfahren, dass es dort einmal ein Supermarkt, einen Bäcker und einen Metzger gegeben hatte, die schon lange ihre Geschäfte dichtgemacht haben.

Alles muss raus

Dasselbe erfuhr ich am Wochenende in einem Eifelstädtchen, in dem sich dies just im letzten oder vorletzten Jahr ereignet hat. Mit nach letzter Zählung gut 1500 Einwohnern gilt der Ort als Mittelzentrum. Inzwischen gibt es dort eine geballte Supermarktpräsenz mit zwei Discountern und einem weiteren großen, die sich quasi einen Parkplatz teilen. Obwohl hier also eigentlich Bedarf für mehrere Bäcker und Metzger wäre, haben die Alteingesessenen das Handtuch geworfen.

In den Nachbargemeinden sieht es dementsprechend aus. Deren Bewohner fahren halt zum Konsumzentrum und versorgen sich dort billig und bei großer Auswahl. Qualität wäre noch ein Aspekt, aber die muss man sich leisten können und der Sog der Konzentration bringt einen kalten Wind mit sich.

Diese Prozesse sind für Kenner und Liebhaber seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts keine Überraschung, sie schreiten aber noch immer voran. Auf dem Land ist das nicht die erste Welle, aber vielleicht die letzte. Hier wird bald keiner mehr gebraucht. Selbst schuld, sie hätten sich ja anständig qualifizieren und sich ein bisschen bemühen können.