2019


 
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Exemplarisch für die Zunft der Abschreiber verlinke ich hier den "Stern", der es einmal mehr schafft, die Begriffe "Twitter" und "Empörung" in einem Text unterzubringen. Ach was! Da lässt jemand in ein paar Zeilen eine Provokation auf der Trollpiste vom Stapel und darauf springen welche an? Hatten wir ja noch nie, zumal wenn der Urheber dafür bekannt ist, seine faschistischen Ausfälle nicht kontrollieren zu können oder zu wollen.

"Wann kommt endlich der Aufstand der Generäle?", so seine Frage, die er später, wie die Sandkastenfaschisten das heute so zu tun pflegen, relativiert. Aber neiin, er meinte doch nicht einen Putsch! Es muss einem völlig egal sein, was er meinte, wie er es meinte und ob er überhaupt etwas meinte. In dieser Phase des Zerfalls einer Parlamentarischen Demokratie haben die Nazis nicht die Eier, Klartext zu reden. Sie ergehen sich in Andeutungen, Vieldeutigkeiten und schlimmstenfalls nehmen sie morgen zurück, was sie heute schwadroniert haben.

"Endlich"

Sie werden dafür gewählt. Nein, nicht trotzdem, sondern deswegen. Ihre Wähler wollen das. Sie wollen in dieser Phase diese Repräsentation ihrer faschistischen Gesinnung, so wie sie in einer späteren Phase den ganzen Rest wollen, vom Pogrom bis zum Vernichtungskrieg. Das macht sie geil, damit fühlen sie sich überlegen und stark. Ihre Weltuntergangsphantasien halten sowohl ihr krudes Weltbild als auch ihre Psyche zusammen. Sie sind dasselbe Pack auf derselben Basis wie dunnemals.

Und wie dunnemals glauben die Schleichers, von Papens und Brünings, die Konservativen, Klerikalen und heimlich Nationalen, das sei eine Randerscheinung, gestützt von verirrten Bürgerlich-Konservativen, die sich schon wieder einreihen werden. Alles nur Großmannssucht, Provokation und Protest. Ihnen gefällt sogar, dass die Rechtsnationalen die Linken in den Schatten stellen.

Einer der Hauptunterschiede ist der, dass wir das alles schon hinter uns haben, dass eigentlich niemand glauben kann, so etwas könne es nicht geben. Trotzdem lässt man die Faschisten gewähren, die einen Testballon nach dem anderen ablassen, bis "endlich" einer fliegt oder zwei oder drei. Immerhin haben sie den politischen Mord bereits realisiert, jetzt kokettieren sie mit dem Putsch. Das sind Nazis. Sie reden so, sie denken so, sie handeln so. Und dafür werden sie gewählt.

 
lu

Ich frage mich ja oft und öfter, ob ich mich auf diesem Planeten noch verständlich machen kann. Ich versuche es einmal mit einer Hundeanalogie. Ich mag Hundeanalogien, zumal als Pädagoge, als der aufzutreten meine Anpassungsleistung ist, um an diesen bizarren Ritualen des Warentauschs und der Zinszahlung teilnehmen zu können, die über den Stand des Religiösen hinaus der hier dominierenden Spezies zur zweiten Natur geworden ist.

Also, Hundeanalogie: Wenn ich mich einem Hund verständlich machen will, muss ich Hund sprechen. Mensch zu sprechen, nützt nix, da ist die Töle grammatikalisch überfordert, und nein, der "weiß" nicht "ganz genau", was man von ihm will. Insofern geht das, wenn man einfache Dinge zu kommunizieren hat, wie "komm her" und dafür bereit ist, ein angemessenes Angebot zu unterbreiten. Bei der Spezies 'Mensch' funktioniert das auch sehr gut, nur ist diese in einer Art mit sich selbst beschäftigt, dass das nur funktioniert, wenn sie nichts davon bemerkt; sonst verfällt sie in einen Modus komplexer Sinnverhandlungen, die auch höher entwickelte Spezies' in den Irrsinn zu treiben vermögen.

Wuff!

Während Hund einfache Beobachtungen als einfache Kombinationen abspeichert ("Sitz!" hören, setzen, Leckerli), versucht sich Mensch an Folgen und Reihen, die er teils mit den logischen nicht völlig unähnlichen Operatoren kombiniert, um dann aber wiederum Verknüpfungen zu bilden, gegen die Quantendynamik nachgerade simpel erscheint. Selbstverständlich entgleitet ihm dabei jeglicher Durchblick, was ihn dazu veranlasst, den Fokus zu tunneln und die so gewonnene 'Einsicht' für die Steigerung von Wahrheit zu halten.

In der Folge ist er jederzeit befähigt, Schuldige zu benennen und Hierarchien zu bilden. Darin ähnelt er dem Hunde nur grob, dessen genetisch inkludiertes Wolfswesen zu funktionierenden Hierarchien führt, die einer klaren Logik folgen, weil Hunde eben nicht so tun, als verstünden sie diese und wüssten darum besser, wer hier der Chef sein muss, nämlich das Arschloch mit der größten Fresse. Pardon!

Jetzt geeht's lost

Menschen bilden daher Gruppenstrukturen aus, die evolutionär als äußerst irregulär gelten müssen. Die Dominanz des Menschen auf dem von ihm als Beute betrachteten Planeten hat das Prinzip der Auswahl quasi umgekehrt und das zur Gattung gewordene Selbstmordkommando installiert. Durch skurrile Zufälle bedingt, gelang es dieser aber bis heute nicht einmal, mit Anstand auszusterben.

Oh, ich merke, ich schwiff ab. Eigentlich wollte nur zu Protokoll geben, dass die religiöse Überzeugung vorherrscht, man könne maßgebliche Veränderungen im Weltgeschehen herbeiführen, indem man ... doch, das meinen die Ernst ... ich schmeiß' mich weg ... ich krieg die verdammte Tür nicht mehr zu ... eine Partei gründet, muuhahaha! Der Wellbrock will eine für Verbote, Sternchentante Kleimann von OXI eine für "Future". Sozen! Sind sie nicht niedlich! I mean ... wenn man nicht wüsste, wie die Nummer wieder ausgeht, man könnte sie knuddeln, oder?

 
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Hat Bock auf Kanzler: Rainer L.

Nein, es geht nicht um Personen; ging es auch nie. Wenn ich hier jüngst das Eine oder Andere zu personellen Besetzungen im politischen Betrieb sage, dann aus den bekannten Gründen: Es gehört erstens zur Chronistenpflicht, zweitens die Symptome des Verfalls zur Kenntnis zu nehmen. Was derzeit an Geschacher und - nicht weniger interessant - Zögerlichkeit an den Drehtüren herrscht, hätte in anderen Zeiten Stürme ausgelöst.

Zunächst zur Prominenz: Uschi von der Leyen soll Juncker beerben. Das hatten wir schon, aber es ist im Gesamtpaket ein Element aus Korruption, der Belobigung von Versagern und ein Fanal der Ignoranz gegenüber allem, an dem die EU bereits krankt. Soll das die Antwort sein auf Brexit, Nationalismus und der Erosion sogenannter "Volksparteien"? Genialer Schachzug!

Wissen wie's geht

Dann Christine Lagarde. Sie ist der Prototyp der Teflon-Politikerin. Erinnert sich noch jemand an Friedrich Zimmermann? Er ist noch immer die Benchmark für taktische Idiotie als jemand, der sich hat bescheinigen lassen, zeitweise dem Schwachsinn zu verfallen, um sich aus einem Meineid zu winden. Später wurde er Bundesinnenminister. Frau Lagarde als Superexpertin und Juristin hat es ihrerseits geschafft, sich durch Ahnungslosigkeit rauszureden, in einer Sache, in der es um schlappe 400 Millionen Euro ging.

Top Star in der neuen Garde ist Josep Borrell, der mit 72 noch rüstig genug ist, EU-Außenbeauftragter zu werden. Der feine Herr weiß, wie man sich Privilegien zunutze macht. Das muss ja nicht immer legal sein. Auf Fragen, die ihm nicht behagen, reagiert er mit einer Mischung aus Arroganz und autokratischer Gesinnung. Welche Fragen man ihm zu stellen hat, will er gern selbst entscheiden. Was soll's, immerhin betrachtet er Russland als Feind und China als Bedrohung. Das qualifiziert.

Wer will nochmal

Derweil ist die Kanzlerin eine Lahme Ente, die auch noch dauernd zittert, aber das ist sicher nur Wodkamangel. Jedenfalls ist der Umgang mit ihrem Gesundheitszustand transparent wie seit Breschnews Zeiten nicht mehr. Sie ist ja unersetzlich. War die Szene je derart abgerockt, dass niemand Kanzler werden wollte? Dass es auch niemanden gibt, den die Wähler® wollen würden? Ich bin dann ja für Friedrich Merz, denn je dicker es kommt, desto größer der Schmerz, und es wird vielleicht Zeit, endlich irgendetwas zu merken.

Sehr geil übrigens auch und sehr am Rande, was Johanna von Thunberg so zu erreichen droht. Sogenannte "Wirtschaftsweise" haben dolle Ideen wie die, Öl und Sprit zu verteuern. Dann können die Mieter sich schnell neue Heizungen einbauen lassen und die subventionierten Pendler sich fix Elektroautos kaufen. Oder eben frieren und mit dem überteuerten ÖPNV zu spät kommen. Den Rest regelt wie immer der Markt® durch - tadaa! - Emissionshandel. Kurzum: Alles wie gehabt, das haben wir schon immer so gemacht und sonst könnte ja jeder kommen.

 

Es ist kein Privileg, nicht unterdrückt zu werden.

 
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"Ich bin ein alter weißer Mann", las ich heute und musste spontan denken: "Nein, du bist vor allem ein Arschloch." Für spontane Denkerei kann ich nichts, da kommt mir einfach die Natur. Daher bedarf es der unspontanen, um das Ganze zu erklären, und zwar von hinten.

Ich muss es nicht wiederholen, dass die postmoderne Pseudolinke das identitäre Gegenstück zu den Rassisten auf der Faschoseite sind. Im Zusammenhang mit dem da oben ist es eben Sexismus und nebenbei die Diskriminierung einer Altersgruppe, für die einen -Ismus zu gebrauchen mir nicht einfällt. Heute will ich aber wie gesagt nicht schon wieder darauf eingehen, sondern auf eine bestimmte unschöne Folge solcher 'Argumente'.

Rechte Domäne

Es macht die Gegenkritik so leicht, die sich auf demselben Niveau befindet, womit man vor der Frage steht, ob das dann überhaupt noch Kritik ist. Ich habe dazu ja eine klare Meinung, aber das Desaster wird noch deutlicher, wenn man in den Abgrund einer 'Debatte' schaut, die auf solchen Ideologen beruht. Wenn das 'links' sein will, hat rechts beinahe immer recht, denn bei denen stehen Identität, Diskriminierung, Zugehörigkeit und die Entrechtung von Gruppen im Stammbuch. Willkommen auf der Gegenfahrbahn!

Ich weiß jetzt gar nicht, ob es dann noch blöder ist, hässlich raffiniert oder von beidem etwas, wenn sich also jeder Hanswurst, der für den aus seinem Rachen gegurgelten Dung Gegenwind erfährt, damit herausreden kann, das sei ja nur der Hass auf seine Statusgruppe. Konkret bedeutet dies, dass wenn ein alter weißer Mann rücksichtslos über Randgruppen hetzt, jede Form radikaler Kritik denunziert, sich als eifriger Untertan über seinesgleichen hermacht und dafür gescholten wird, er sich eben darauf zurückziehen kann, das sei alles nur die Gehässigkeit der Anderen und er das Opfer von Diskriminierung.

Dies bedient obendrein den Lieblingssport der Rechten, sich nämlich einen Popanz des politischen Gegners zu basteln und fröhlich darauf einzudreschen, also das Bild von strunzdämlichen 'Linken' zu malen und sich dagegen als schlauer zu erweisen. Nun, wenn man halt selber die eigene Karikatur zum Hauptargument macht, muss man sich nicht wundern. Es mündet in eine weitere Simulation von Kritik und Diskurs, die den Qualm des kognitiven Waldbrands verbreitet. Danke für nichts!

 

Die Sozialdemokratie setzt einfach auf 'bessere Eliten'.

Autor bekannt

 
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Ernsthaft jetzt? Uschi von der Leyen wird Juncker? Ihr traut euch was! Warum eigentlich, fragen Gazetteure vom Journaill. Ja, warum wohl? Alter Adel. Hervorragend vernetzt. Stinkreich. NATO-gestählt. Die Dame schwebt in einer Parfumwolke der Elite. Bei Normalsterblichen nennt man das "Stallgeruch", in ihrem Fall ist es der Pesthauch der Paläste.

Dennoch ist sie handzahm, liest artig jeden Zettel ab, macht alles mit und redet alles schön - es sei denn, sie ist im Auftrag der Angst unterwegs. Dann muss sie schon mal vor Alten und Kranken den Buhmann geben, damit ihre Spießgesellen den Überwachungsstaat voranbringen können. Remember? Eat this:

"Aber die 80 Prozent, die nicht so versierte Internetnutzer sind, deren Einstieg geschieht über den klassischen Weg der Spam-Mails, mit denen sie überschüttet werden, mit denen sie angelockt werden - ich sage mal aus der Drogensprache 'angefixt' werden - und dann kommt der Hunger nach mehr. Dann fängt das Suchen an. Es werden gezielt auch Angebote unterbreitet."

Fürchtet euch!

"Man wird sozusagen unkompliziert und verlockend auf einen Pfad geführt, wo - und das ist das Entscheidende - im Internet, solange keine Sperre da ist, das Gefühl entsteht: "Na ja, es guckt ja jeder sich das an." Die Hemmschwelle sinkt und das ist der Einstieg in die Sucht, die Vergewaltigung von Kindern immer wieder auch zu sehen. Ich muss auch deutlich sagen, dass die Experten sagen, dass ein kleiner Teil dieser User irgendwann das auch im realen Leben erleben möchte und sich deshalb dann auf den Straßen umschaut."

Jahaa, das ist schon eine Expertenkennerin, die Uschi. Und wenn sie ihr erzählen, Putin hätte den Mond mit Cyberstrahlen angegriffen, damit er uns auf den Kopf fällt, dann wird sie auch das mit seriöser Miene vortragen, und die Mehrheit der Konservativen wird mit dem Stahlhelm auf der hohlen Nuss in den Keller rennen. Die perfekte Besetzung für eine Demokratiesimulation, die mit den aktuell bereits Vollsenilen aussterben wird.

Aber wartet, wo Dunkelheit ist, das lauert auch die Finsternis. Habe ich mich jemals über das Äußere eines Politikers lustig gemacht? Wen gedisst, weil er scheiße aussieht? Na verdammt, dann wurde das auch mal Zeit! Der Amthor Flip ist nämlich einer der Typen, nein Bürschlein, deren Anblick mich in Wallung bringt. Da schießt mir die Säure ein.

The End Is Always Near

Ich bin an vielen Schulen unterwegs, aber das, was ich aus den 80ern noch kenne, diese Exemplare, die damals mit ihrem Samsonite-Koffer verwachsen waren und den totenhässlichen Anzug nur abgelegt haben, um sich 'leger' ins Lacoste-T-Shirt zu quetschen, diese gesichtslosen, amorphen inkarnierten Nichtse, die auf ihrer eigenen Schleimspur durch die Hallen glitten, ich hatte sie für ausgestorben gehalten.

Und dann kommt das. Das ist doch ein Bot, oder? Wenn man den zehn Mal fraggt, respawnt der doch als Horrorclown, richtig? Und was der plappert - das ist keine KI, das hat nicht mal Windows 3.11-Format. Sieht aus wie ein Teenie und haut Jahrhunderte alte Macho-Sprüche raus, ist für Abtreibungen, die er aber "Töten" nennt (Sie nannten ihn "Babykiller"), hat nix gegen Schwule, wenn die nur nicht zu extrem werden, findet das Wort "Ölauge" lustig und und und.

Himmel, das kenne ich von noch meinem Opa, und ich bin inzwischen selber einer. Dieses Angebot von der Resterampe der unvermittelbaren Schwiegersöhne aus der Kriecherfraktion soll also die Zukunft der hochheiligen Demokratie sein? Oder ist das vielleicht eine bizarre Art von Kunst? However, von mir aus kann das weg. Schickt den Schnösel in Pension, ehe er noch am Tor rüttelt!

 
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Ich hatte schon ausgeholt, um meiner Lieblingspostille "Telepolis" eine reinzuhauen wegen der überschriftlichen Frage, ob Kapitänin Rackete jetzt die "neue Greta Thunberg" sei. Wir befinden uns in der Zeit der wild wuchernden Narrative, und ich wundere mich, wieso mein Buch eigentlich kein Bestseller ist.

Relotius ist überall, und fragt mal da draußen, wer das eigentlich ist. In der Regel erntet man mit der Frage nur Mundgeruch. Es schadet nicht, wenn leeres Geschwätz, erfundene Stories und kühne Lügen auffliegen. Es wird nach wie vor eine Welt wie aus dem Groschenroman präsentiert, und zwar eben nicht in der Goldenen Gala Revue, sondern vom kritischen® seriösen® Journalismus®.

Geschichte wird gemacht

Am besten junge attraktive Frauen, gern auch mal ebensolche Männer, alternativ Kinder, hilflos, große Augen, Nahaufnahme. Das ist hip, das zieht an, das ist Wahrheit viernullachtzehn. Jeder weiß, wer Greta Thunberg ist. Jeder weiß, die macht was mit Klima, Zukunft und Umwelt und jeder weiß, dass wenn man die Grünen wählt ... ach, lassen wir das. Alte weiße Männer haben jedenfalls keine Konjunktur.

Kurz auf den anderen Kanal, wo die Einen Irre sind und die Anderen die Guten. Nachdem die NATO-freundliche Presse seit Jahren Russland vorwirft, in anderen Ländern herum zu hacken (Cyber Cyber), was böse sei, wurde neulich sehr offensiv berichtet, dass die USA dasselbe machen, was gut sei. Neben der Geschichtsvergessenheit, an die wir uns schon gewöhnt hatten, erleben wir jetzt also den informationellen Salto mortale rückwärts. Foul is fair, aber sicher!

Aufschrei

Auch zum Dritten noch kurz gehüpft: Amri wird nicht aufgeklärt, die NSU für 120 Jahre in Schutz genommen, in Bundeswehr, Polizei und den 'Diensten' tummeln sich die Nazis und ein Politiker wird von einem hingerichtet. Wie sie jetzt überall die Autobahnen sperren, Groß- Ring-, Raster- und Schleppnetzfahndungen durchziehen, wie sie Sympathisanten verhaften und aus ihren Jobs kärchern und die linke Presse Folter und Todesstrafe fordert! Das ist Deutschland hier.

Wie gesagt, das steht alles schon im Buch, nur dass sie scheinbar jetzt erst richtig aufdrehen. Wo bleibt der Aufschrei, der Exodus kompetenter Journalisten aus den Redaktionen, die Gründung ganz neuer Medien? Tzia. Und was macht Telepolis? Widersetzt sich einmal mehr dem Trend. Leseempfehlung für alle, die sich noch mit Inhalten befassen.

 
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Eine der vielen Fragen, die der deutsche Journalismus auf seinem Weg zur Hölle sich nicht effektiv stellt, ist die nach dem Grund für den Verlust seiner Autorität. Das hieße nämlich zuallererst, sich dieser Autorität gewahr zu werden. Journalismus war, solange er 'funktionierte', Autorität, auch und gerade dort, wo er liberal war.

Man könnte das aufziehen anhand der verinnerlichten Zensur, die von Preußen bis hin zu den Alliierten gewisse Selbstbeschränkungen erwartete, wobei diese wiederum die Beschränkung des Personals durch Verlag und Chefredaktion nach sich zieht. Man kann es auch festmachen am Tendenzschutz, der dem Verlag das Recht einräumt, die politische Richtung seiner Veröffentlichungen festzulegen.

Chefsache

Schließlich sind die Hierarchien in den Verlagen steil und hart. Heute haben wir eine Landschaft, in der obszön bezahltem Spitzenpersonal Schreibsklaven gegenüber stehen, die von ihrem Job nicht leben können. Aber schon zu den 'Glanzzeiten' etwa eines "Spiegel", herrschte Chef Augstein über eine Riege weiterer Hähnchen, die ihrerseits hoch über dem Bodenpersonal kreisten. Das "Sturmgeschütz der Demokratie" war vor allem militärisch organisiert. Demokratisch war es nie.

Aus Preußentum und Faschismus hervorgegangen, war auch Adenauers Deutschland autoritär, eine Disziplin, in der die DDR tadellos mithielt. Die Grundhaltung deutscher Zeitungsleser, so kann man grob sagen, hat sich bis zur Jahrtausendwende nicht geändert. Was gedruckt wurde oder in der "Tagesschau" kam, wurde als Wahrheit betrachtet, Dies verdankte sich vor allem der Untertanenmentalität in publizistischen Fragen, nicht etwa der Qualität der Beiträge.

Das Abdrucken handverlesener Leserbriefe war das Maximum an Demokratie, das der Journalismus kannte. Nach 1989 kam noch einmal ein dankbares, weil ahnungsloses Publikum dazu. Kurz darauf brach die Hölle los: Die im Osten hatten bemerkt, dass sie vereimert wurden und das Internet bot plötzlich echte Quellenvielfalt. Darauf war offenbar niemand im Betrieb vorbereitet.

Nach der Trennung

Die aktuelle Generation von Chefjournalisten hat noch den Anspruch auf Autorität, ohne sie je ausfüllen zu können. Zudem wird ihnen diese ohnehin nur mehr vom rapide aussterbenden Teil ihres Publikums zugebilligt. Die Sturmgeschütze wurden folgerichtig verlassen und es folgte ein Rückzug in den Bunker, aus dem auf Verschwörungstheoretiker und Feindversteher geschossen wird.

Das ist in aller Kürze der stand der Dinge. Die Fehler wurden schon lange vor dem Störfeuer aus dem bösen Internet gemacht. Außer in einigen mutigen Experimenten hatte Journalismus nie etwas mit Demokratie am Zettel, und selbst jene Experimente (vor allem die TAZ) wurden zugunsten einer geschäftigen Hochnäsigkeit eingestellt. Das Resultat ist nicht bloß ein Umsatzproblem. Es ist flächendeckendes Desinteresse. Eine Ganze Generation guckt lieber Filmchen bei YouTube.

 
dg

Anlässlich seines Neunzigsten gab es kürzlich die unvermeidlichen Elogen auf Jürgen Habermas, einem treuen Begleiter des deutschen Narrativs, der als Herrprofessor die Instanz war für schlaues Zeugs, das niemandem wehtut. Nun, auf meiner Seite war der Schmerz gelegentlich erheblich, und schlau fand ich das Gequatsche schon gar nicht.

Nach Kant und Nietzsche waren es Denker der Frankfurter Schule, die mich geprägt haben: Adorno, Horkheimer und Marcuse. Eine ähnlich einschlagende Wirkung hatte danach nur noch Foucault. Ich kann von deren Schriften aus dem Stand stundenlang begeistert dozieren, sie zitieren und erklären, was mich daran fasziniert. Aber Habermas?

Er dürfte von denjenigen, die mich nie interessiert haben, derjenige sein, von dem ich am meisten gelesen habe. Seine Leistung: Als Nachfolger Adornos hat er alles kassiert, was die Alten an kritischem Potenzial aufgebracht hatten und durch die matschige Restauration eines Vernunftbegriffs ersetzt, der mit der Demokratisierung der Naziherrschaft nicht in Konflikt geriet.

Scheinriese

Man muss ja nur seinen weitgehend unbekannten Kollegen Wolfgang Fritz Haug lesen, um den Unterschied zu erkennen. Haug hat von Anfang an aufgezeigt, dass es stinkt im Staate; Habermas hat lieber an die von ihm verwaltete Vernunft appelliert. Haug ist Marxist, Habermas Sozialdemokrat, die Karrieren vorprogrammiert - wenn man davon absieht, dass Haug eigentlich aus dem Lehrbetrieb hätte entfernt werden müssen. Ob Haug als 'Linke'-Mitglied inzwischen auch als Sozialdemokrat gelten muss, mag ich hier nicht bewerten.

Was mir aufstößt, sind zwei Dinge, die mich zu dieser Einlassung bewegen: Inhaltlich kann ich mich an nichts, aber auch gar nichts Substanzielles erinnern, und zwar auch und gerade in Habermas' Äußerungen zum Tagesgeschehen, für die er so hochgelobt wird. Ich kenne auch niemanden, der das könnte. Ein Ereignis, anlässlich dessen man sich von ihm durchgerüttelt fühlte? Eine scharfe Kritik? Ein relevanter Änderungsvorschlag? Nichts. Dafür ist der Betrieb seinem Star offenbar dankbar.

Damit verbunden ist zweitens das völlige Fehlen eines radikalen Zweifels, wie er noch seine Vorgänger prägte. Kein Zweifel am Denken selbst, am System, an den Grundlagen der Herrschaft oder der Gedanke, dass alles, was als 'Demokratie' auftritt, eigentlich etwas anderes meinen könnte. Stattdessen Appelle an eine Vernünftigkeit, die angesichts früherer Theorien und späterer Praxis bestenfalls Rührung hervorrufen. Die Sonne steht tief im Denkerland.

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