kunstlyriklamauk


 
kl

Am Anfang war der Kaffee. Auch im 21. Jahrhundert glauben viele Menschen noch an höhere Wesen, aber muss es die Bibel sein? Fake News von Anfang an. Okay, ein Buch fängt mit Wörtern an, so viel ist wahr, aber das Leben? Das Universum? "Am Anfang war das Wort"?!

Sagen wir es einmal ganz einfach: Der Tag fängt am Morgen an. Dabei macht es überhaupt keinen Unterschied, ob es sich um einen Schöpfungstag oder einen Mittwoch handelt. Es ist auch komplett wurscht, ob der Morgen am Morgen oder am Mittag beginnt; das Einzige, das nicht zur Debatte steht, ist der Kaffee.

Hmm ...

Alles andere ist Beiwerk. Der Eine braucht seinen Bademantel, die Andere ihre Zigarette, irgendwer Brötchen, Croissants, Müsli, Honig, Zeitung, Sex oder Fernsehen. Ich ahne, dass bereits an dieser Stelle die halbe Nation beleidigt ist. Ist euch eigentlich schon einmal aufgefallen, dass es immer die Nation ist, die beleidigt ist? Komisches Ding, so eine "Nation" und sicher nicht meins.

Ich rede vor allem von Teetrinkern: "Wer denkt denn an die Teetrinker?" Hoo, Brauner! Hier muss niemand jemanden schlechtmachen von wegen Nichtraucher, Teetrinker, Schattenparker. Mit all dem kann man leben. Es ist gar nicht nötig, jeder Nation eine Gegennation an die Front zu stellen - Kaffee gegen Tee, Mann gegen Frau, Schwarz gegen Weiß, Amiga gegen Atari. Wo ist da der Sinn? Also, Teetrinker: Euer Kaffee ist halt Tee. Das heißt keineswegs, dass damit §1 außer Kraft wäre. Ohne Kaffee ist alles nichts.

Selbstverständlich und dementsprechend entstanden diese Zeilen auch erst nach dem Kaffee. Vor dem Kaffee ist vor dem Wort. Immer. Das ist Regel null. Wer steht denn auf und fängt sofort an zu plappern? Ernsthaft: Es gibt Leute, die mögen einen, Leute, die mögen einen nicht und Leute, denen man egal ist. Alles verhandelbar, so lange eines klar ist: Vor dem Kaffee Schnauze halten. Laber' mich nicht vor dem Kaffee an, du wirst nicht mögen, was du dann erlebst. Denn das könnte durchaus biblisch werden.

 
Januar: Die Schuldenbremse tritt in Kraft. Das ist der glorreiche Sieg der Schwäbischen Hausfrauenhirne über jede Form ökonomischen Sachverstands. Selbst Marc Beise würde sich im Grabe drehen. Keine Schulden bei Nullzins, keine Investitionen der öffentlichen Hand, das ist Teufelszeug! Lang lebe das Schlagloch, hoch das digitale Mittelalter!
Ihren hundertsten Geburtstag feiern nicht Isaac Asimov und DeForest Kelley. He‘s dead, Jim, he‘s dead! In den USA werden J. Edgar Hoover zum 125. Statuen errrichtet. Zur Feier des Tages feuert die Nationalgarde Salutschüsse – zwischen die Augen der jüngsten Whistleblower. Hail First America! Der „Brexit“ wird auf Juli verschoben.

Februar:
Am 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens fordert die AfD die Revision des Westfälischen Schandfriedens und Deutschland in den Grenzen von 1142. Ein CDU-Spacko findet auf Twitter, dass sei „ein interessanter Ansatz, den man in einer Demokratie diskutieren darf“. Eine linke Zeitung aus Zittau findet das „skandalös“. Don Dingsbums twittert um 5:45 zurück.
Schalttag, Valentinstag, Ananas. Wahlen in Hamburg. Scholzomat verliert sein Amt an einen Hut von den Nazihanseln. Er macht die Bundespartei dafür verantwortlich und fordert Neuwahlen.

März:
Chuck Norris wird 80. Die Sonnenfinsternis vom Dezember wird vorverlegt. Als es auch nach Abzug des Mondes dunkel bleibt, schreit Gott verzweifelt immer wieder: „Es werde Licht!“ Norris dazu: „Ich habe immer noch kein ‚Bitte!‘ gehört“.
Zum 250. Geburtstag Hölderlins wird überall seine Kacklyrik in ödesten Geschwurbel über den Klee gelobt. Jeder näselnde Langweiler, der sich für einen Literaturkenner hält, schwafelt sich um Kopf und Kragen. Der Umsatz von Kiffzeug steigt dramatisch an, hilft aber auch nicht.

April:
Zum 100. von Richard von Weizsäcker zeigt Guido Knopp „Helden der Wehrmacht“ in Spielfilmlänge. Alle Schulen in Deutschland übertragen live.
Helmut Kohls 90. wird zum Desaster. Annekramp Karre-Gretlbauer verwechselt ihn in ihrer Eloge mit Heiner Geißler. Im Tumult zwischen Rücktrittsforderungen und der Selbsternennung Friedrich Merzens zum Parteiführer auf Lebenszeit entkommt Wolfgang Schäuble mit einem Koffer.
Anlässlich seines 75. Todestages zeigt ZDF History „Hitlers Omma sein Friseur“ und „Hitlers letzte Skatrunde – der dritte Mann im Führerbunker“. Ein Meisterwerk.

Mai:
Noch ein Fünfundsiebzigster: Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs. Eine dreitägige Parade von Paris bis Berlin findet ohne den russischen Diktator und mutmaßlichen Drahtzieher Putin statt. Moskau habe nichts beizutragen, so der designierte Bundeskanzler Flip am Tor.
Am 300. Geburtstag des berühmten Baron von Münchhausen schweigt die Republik.Manche Vorbilder bleiben ungefeiert.

Juni:
Zu Ernst Albrechts Neunzigstem ruft seine Tochter das KSK nach Brüssel, um einen fingierten Anschlag auf das Atomium zu verüben. Niemand schert sich einen Dung um das Stück Schrott. Glück gehabt, Uschi!
Es wird über 40 Grad - in Tal-und Muldenlagen. Egal, der alte Mann ist trotzdem schon wieder rattig und kompensiert durch Bergetappen auf geschmolzenem Asphalt.

Juli:
Deborah Harry wird 75. Fünfundsiebzig! Deborah Harry! Leck mich am Arsch, wie lange hab ich eigentlich noch?
Hans-Peter Uhl fordert die Vorratsdatenspeicherung.
Ronald Pofalla erklärt die Fußball-Europameisterschaft für beendet.
Der „Brexit“ wird auf den Tag der Eröffnung des BER verschoben.

August:
Zum 125. Todestag von Friedrich Engels fordern Ex-Bundespräsident Gauck, August Steinmeier und Norbert Walter-Borjans „Nie wieder Diktatur, nie wieder Krieg gegen die Freiheit“. Weil einige Mitglieder der Partei „die Linke“ an einer Trauerstunde um die Mauertoten nicht im Bundestag erscheinen, fordert Hans-Georg Maaßen deren Verbot, und zwar rückwirkend bis 1945. Die Partei „Die Partei“ fordert daraufhin die Hinrichtung von Hans-Georg Maaßen. Der Vorstand der Partei „die Keine Partei“, neu gegründet von Olaf Schlz und Friedrich Mrz, fordert ein Ende der Forderungen. Pofalla findet das gut (like!).
Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski verbrennen die Grünen eine Kritische Gesamtausgabe seiner Werke. In einigen Stadtteilen Berlins wird der Name „Bukowski“ verboten. Heinz Buschkowsky führt eine Gegendemo von 1200 Alkoholikern an, die Bioläden in Prenzlauer Berg mit Leberwurst attackieren.

September:

Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen holt die SPD fast sieben Prozent. Walter Dingens-Bumsjans und Marlene Eckes-Edelkirsch zeigen sich erleichtert. „Mit der Sozialdemokratie ist wieder zu rechnen“, twittern sie auf Twitter. Niemand antwortet darauf.
Der Kaiser wird 75. Franz Beckenbauer haut zur Feier des Tages sechs Dinger in die Torwand, säuft eine Gallone Weißbier auf ex und tanzt nackt Polka. Er kann sich an nichts erinnern und ist weiterhin prozessunfähig.
Zum 50. Todestag Jimi Hendrix‘ spielt der säzzer einen Blues.

Oktober:
Zur Eröffnung des BER kommen Gäste aus aller Welt. Allerdings müssen sie mit der Bahn anreisen. Die Eröffnungsrede hält Hartmut Mehdorn, der verspricht: „Wir werden schon sehr sehr bald Boom, Waam. Sobald sämtliche Gebäude entsorgt und neu aufgebaut sind, werden wir mit den neuen Landebahnen beginnen.“
Der Brexit kommt. England heißt ab sofort „Hongkong Nordwest“. Der Rest Großbritanniens ist bereits unabhängig.
Am 30. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung warnen die Partei-und Fraktionsführungen der demokratischen Parteien der BRD vor Kommunismus, Sozialismus und Diktatur. Die Volksrepublik China kauft alle deutschen Flughäfen.

November:
Donald Trump wird wiedergewählt. Sein Gegner, ein zynischer Milliardär, der versprochen hatte, Russland zu erobern, beschuldigt China, Russland und den Iran. Die genauen Vowrürfe nennt er nicht, diese seien geheim.
Anlässlich des 200. Geburtstages von Friedrich Engels warnen u.a. Ex-Bundespräsident Gauck, August Steinmeier, Andreas Scheuer, Andi Borg, Norbert Walter-Borjans, ZDF, ARD und FIFA vor Diktatur, Krieg und Unfreiheit.
Bundesweit werden Bezieher von ALG II zu Arbeiten auf dem Gelände des BER verurteilt. Nur Bayern macht nicht mit; von hier aus werden Arbeitskräfte für die Sanierung der Asse vermietet.

Dezember:
Die totale Sonnenfinsternis über dem Pazifik fällt aus (siehe oben). Greta Thunberg verklagt Chuck Norris und gewinnt. Thunberg-Witze haben Hochkonjunktur. Kleine Kinder haben Angst. Mütter auch. Väter betrinken sich. Lecker.
An Lemmy Kilmisters Fünfundsiebzigsten gibt Disaster Area ein Konzert im Alphaquadranten. Ich kippe einen Gin Tonic und werfe mir das Handtuch über. Was war das für ein Albtraum; macht‘s gut und danke für nichts!

 
sarrazEinmal noch, kommt, weil er es so gern möchte! Dieser Nuhr hat wieder eine Gelegenheit wahrgenommen, sein fürchterliches Mimimi abzulassen, weil sein unqualifiziertes Blabla die Resonanz erregt hat, auf die es abzielt. Ein Typ, dessen Witze so schlecht sind, dass er allein für das, was er "Pointe" nennt, schon ein paar Wochen Waterboarding verdient hätte, heult rum, weil er kritisiert wird. Niveau: Greta macht keine Heizung an, wenn es kalt ist. Wenn es dann aus dem Wald zurückschallt, sieht Nuhr "keinen Respekt für Andersdenkende". Was andersdenkt er denn so?
 

Seine Welt besteht aus doofen Moslems, faulen Griechen, Internet-Schmarotzern und Dieben, die gegen ACTA sind, hässlichen runzeligen Weibern, die keiner will (im Gegensatz zur "Bombe" "aus gutem Hause") und die man trotzdem besteigen muss. Er präsentiert Gegensätze wie hie die Studierten und dort die Doofen, die "mit 23 in die vierte Klasse gehen", hie die "Hochbegabten" und dort die "Idioten", die "alle dieselbe Note" kriegen. Wir werden alle gezwungen, Fußballspiele "der Transsexuellen" zu gucken, weil die Linken in ihrem Wahn "absolute Gerechtigkeit" wollen, ergo die "absolute Diktatur".

Paranoia

Diese paranoide Wahnvorstellung ist deckungsgleich mit denen eines Thilo Sarrazin, der seine Seilschaften genutzt hat, um in höchst dotierten Jobs zu dilettieren, Haushalte vor die Wand zu fahren und Bücher zu publizieren, in denen er einem Millionenpublikum seine faschistischen Phantasien unterbreiten konnte. Der Tenor dieser Hetze: Man dürfe das alles nicht mehr sagen. Jeden Tag stand der Mann vor Mikrophonen und Kameras, vertickte seinen Dreck an alles, was für rechtsextremen Dung zugänglich ist und behauptete gleichzeitig, man dürfe das nicht sagen.

"Andersdenkende" sind die, die vom Mainstream abweichen. Paranoiker wie Nuhr und Sarrazin wähnen sich in einer Welt, in der sie eine verfolgte Minderheit darstellen. Verfolgt von der herrschenden Linken, die alle Wörter verbietet. Diese Opfer sind obendrein meist Millionäre, wirklich privilegiert und mit unbegrenztem Zugang zur Öffentlichkeit. Werden sie bestraft für den Mist, den sie verzapften? Kommen sie ins Gefängnis, werden sie verprügelt? Nein, sie ernten Widerspruch - wie unfassbar respektlos!

Echoverleihung

Wenn dann obendrein ein Pausenclown, dessen Geplapper einen halbwegs respektablen Intellekt quält und nach Kräften beleidigt, in seiner beeindruckenden Ahnungslosigkeit von den Themen, zu denen er schwadroniert, sich zu der Aussage versteigt: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten", ist das ein eindringliche Bitte um Prügel.

Was am Ende bleibt an Repsektlosigkeit, sind vielleicht irgendwelche Zuschriften von Honks, die einen mit "Arschloch, Penner, Wichser" begrüßen und Dinge androhen, deren Beschreibung sie womöglich aus billigen Gruselromanen abgetippt haben. Kenne ich. Hatte ich in diesem meinem Webauftritt zu Hunderten. Schön ist anders, aber was zur Hölle hat das damit zu tun, was ich darf und was ich nicht darf? "Halt' die Fresse, Nuhr!", sagt der böse Mann hier, und selbstverständlich wirst du weiter plappern, ohne dass dir wer was tut. Schade eigentlich.

Bildquelle oben: Wikimedia Commons / Richard Hebstreit

 
xx

Es gibt einige Begriffe in der deutschen Sprache, die man als Fusionen betrachten muss. Dazu gehört etwa Gutebutter - ein Wort, wie wir von Jochen Malmsheimer wissen. Ein weit berühmteres aber, das hier bereits mehrfach gewürdigt wurde, ist Härterestrafen, auch Härterestrafen®. Auf einem - man stelle sich das vor! - Treffen deutscher Innenminister; ja, das gibt es, ich weiß, das ist die Steigerung von Nosferatu mal John Carpenter im Billigglanze einer Geisterbahn auf der Dorfkirmes, auf einem solchen Treffen also ist Härterestrafen die Hymne des intellektuellen Analverkehrs, zu dessen Zweck sich die Hilfssheriffs dort einfinden.

Nun haben sie neulich ein Unterthema gefunden, das ihnen relevant deuchte, wohl, weil es zischt und qualmt, nämlich "Pyro", das Abbrennen bunt qualmender Dinger in Fußballstadien, um den Raum über der Rasenfläche durch eine Melange der Vereinsfarben undurchsichtig zu gestalten, was den Verursachern interessanter erscheint als das Gekicke der dafür entgoltenen Fachkräfte. Das muss bestraft werden, hart bestraft, ach was, noch härter! Zu Beginn solcher Konferenzen wird obligatorisch "Braveheart" gezeigt, ein Film, den ich nie gesehen habe, darüber aber gelesen, dass er durch "schier endlose Folterszenen" zu begeistern weiß.

Auf der Flucht erschossen

Alsbald, vielleicht nach der ersten Runde Fisting (oral), wird durchgeatmet. Die Hilfskräfte (Staatssekretäre, Hostessen, Nachhilfelehrer) unterrichten die hohen Herren über den Umstand, dass die Peinlichen Strafen abgeschafft wurden und selbst die Todesstrafe vom dreckigen Besatzerregime unterbunden wird. Sogar in Hessen wurde sie 2018 abgeschafft. Das ist jedes Mal eine große Enttäuschung, sodass die Probanden des Trosts bedürfen, diesmal in Form einer wirklich originelle Idee:

"Pyro" soll durch den Entzug des Führerscheins bestraft werden. Also nicht den zum Führen von Explosionswaffen, sondern den Lappen fürs Auto. Wer nämlich am Wochenende in einer Fankurve eine Fackel schwenkt, ist eine Gefahr für den Straßenverkehr. Logisch. Auch wenn man gar keinen hat - zack, weg das Ding! Ich bin sehr zufrieden mit den amtlichen Sadomasochisten und ihrem Reformeifer in Sachen Sündenfall und Buße. Das darf aber nicht das letzte Wort sein, daher hier noch enige weitergehende Vorschläge:

Wer in der Kneipe raucht, verliert den Anspruch auf Lohnersatzleistungen. Trifft immer die Richtigen. Schwarzfahrern wird die Krankenversicherung gestrichen. Boom! Schulschwänzer kriegen keine Rente. Bang! Blau machen am Arbeitsplatz? Kinder ins Heim. Bamm! Köter kackt auf die Straße? Exkommunikation. Yeah! Radau auf der Demo? Lebenslänglich Einzelhaft. Zack, Boom, Bang! Ich habe da noch einiges im Köcher, das machen wir dann aber erst nach ein paar klitzekleinen Reformen am Grundgesetz. Immer für Sie da!

xx

Wenn ein Fußballverein eine Entwicklung durchmacht wie Feynsinn und sein Coach flatter, spricht man nicht mehr von einer Krise, sondern bereits von "Abwärtsspirale". Von Manager säzzer hat man auch lange nichts gehört, er ruht sich offenbar auf den Meriten vergangener Rausschmisse und des Zensurterrors von gestern aus. Die launigen Artikel, nur mehr mit der Lupe als "politisch" erkennbar, werden obendrein seltener.

Es geht ihm offenbar zu gut. Fette Kohle von der VG Wort kassiert, einen Lohnjob obendrein, da ist man schon mal schneller beleidigt, wenn die Leser, die man ohnehin nur als winzige Punkte von oben herab erkennt, in den Kommentar-Bummelstreik treten. Eigentlich gäbe es ein paar Themen, ein Artikel ist sogar handschriftlich fertig, etwas über Ebay könnte er, aber wo er früher wie manisch für Unterhaltung gesorgt hat, breitet sich heute der faule Hauch gesättigten Desinteresses aus.

Karriereende

Geh' doch nach Berlin! Am besten gleich an den Spreebogen, ganz egal, ob du dich da an die gewählten Vertreter® ranwanzt oder dich gleich selbst irgendwo aufstellen lässt - bei den Spezialdemagogen wäre man sicher noch dankbar für einen, der drei Wörter in die richtige Reihenfolge bringt und sogar ein Komma setzen kann. Etwas Besseres als diese Depression findste überall. Oh, ist das jetzt diskriminierende Hatespeech gegen Depressive? Endlich mal wieder ein Treffer. Wir empfehlen ja bipolar, das wird gern genommen.

Egal, entweder landest du bald bei den Schlipsschlampen und dem Kostümchenplebs oder du hast fertig. In deinem Alter! Die Bloggerei interessiert sowieso keinen Dackel mehr, die Herde ist weitergezogen. Da sitzt er jetzt und schmollt, ooch! Das Buch ist auch nicht so recht der Bestseller, allemal besser als das Marketing hier. Was kannst du eigentlich? Pff.

Ich mache neuerdings Podcasts. Mit mir selbst. Ich rede mit mir über mich, und weil das ohnehin immer da endet, pflege ich eine extrem übertriebene Portion Tourette mit ein. Das mache ich den ganzen Tag. Meist dieselbe Sendung, mit ein paar marginalem Variationen. Ich nehme das auch nicht auf, wozu der Aufwand? Das hört sich eh niemand an. Außer den Nachbarn natürlich, denn es wird täglich lauter. Aber was wisst ihr schon! Was ihr "Wahnsinn" nennt, ist in Wirklichkeit eine Übersensibilität der Sinne.

 
dolph

Ich habe gerade Urlaub und genieße das Leben auf einem Kreuzfahrtschiff. Den Pool auf dem Oberdreck habe ich ganz für mich allein und schwimme darin in einer Wanne, die ihrerseits mit Salzwasser gefüllt ist, für das Meeresfeeling. Zum Frühstück habe ich mir eine Dose mit marinierten Zierfischen geöffnet und löffle das quietschbunte Zeugs in mich hinein. Was ein echter Seebär ist, ernährt sich maritim.

Um meine Wanne herum planscht ein Baiji-Pärchen. Das sind Flussdelphine, die irgendwer in einem Ölfilm am Jangtse gefunden hat. Jetzt sind sie in meinem Film, da geht es ihnen viel besser. Solange ich sie putzig und lustig finde - meine Depression wird sich aber sicher bald wieder melden - genieße ich sie lebendig. Ich schätze, der Maitre de Cuisine wird heute Abend eine ganz feine Mahlzeit zuzubereiten wissen. Ich mache so selten Urlaub und habe es mir wirklich verdient, hier mit allen Sinnen zu genießen. Am Beckenrand winken mir zwei Kubanerinnen zu. Wir haben ihnen die Tickets geschenkt. Diese Südländerinnen sind ja so dankbar!

Relax ...

Eigentlich hatte ich mich für eine Flugreise nach Südostasien entschieden, aber Greta hat mir die Augen geöffnet. Urlaub auf dem Meer, das ist die Zukunft. Hier ist auch genug Platz für alle. Keine Staus, keine Autos, und die Rußwolke hinterm Schiff hat uns noch nie eingeholt. Keine Ahnung, wie die das machen, aber die frische saubere Seeluft ist ein Hochgenuss.

Ich glaube, wir legen morgen in Griechenland an. Ach nee, das war ein anderes Entwicklungsland. Da kriegst du jedenfalls für ein paar Euro alles, was du haben willst. Früher musste man solche Länder besetzen, aushungern und brandschatzen, das war ästhetisch immer eine ziemliche Last. Heute freuen sie sich, wenn die Fremden kommen und sie ausbeuten. Die sind ja nicht nur äußerlich oft anorektisch, sondern auch intellektuell. Wenn die hier alles so billig machen, wie wollen sie dann je genug Geld verdienen? Egal, mir soll's recht sein.

Der Netzempfang ist übrigens exzellent hier, ganz anders als bei euch daheim. Habe eben mal im Archiv gestöbert, im alten Blog. Zum Beispiel dieser Artikel, geschrieben quasi auf den Tag genau vor zehn Jahren. Mei mei, was war ich damals unentspannt! So eine Aufregung, wofür eigentlich? Eine Ausgebeutete begegnet ihrem Schicksal und wird fortan nicht mehr ausgebeutet. That's all. Regt sich irgendwer auf, wenn ein Zuhälter seine Hure in den Ruhestand schickt? Kann man doch alles auch mal positiv sehen ...

 
cc

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist mir Pflicht und Ehre zugleich, sie selbstverständlich vollumfänglich von der Arbeit dieser Regierung zu unterrichten, Es ist nur recht und billig in einer Demokratie, daß das Volk, daß die Bürger erfahren, was ihre politische Vertretung in ihrem Namen tut und läßt. Daher werde ich Sie im Folgenden eingehend darüber informieren, was in der konzertierten Aktion in den vergangenen Tagen verhandelt und beschlossen wurde.

Die Beamten können nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen.

Was fragen Sie, ob ich darüber bescheidweiß? Selbstverständlich weiß ich das. Dafür bin ich in dieses Amt gewählt worden. Glauben Sie, ein gänzlich Ahnungsloser könnte in dieses Amt gelangen? Und dann kommen Sie daher und stellen Ihre Meinung über meine und zweifeln an meinen Kompetenzen. Was wissen Sie denn von diesem Amt? Gar nichts wissen Sie! Aber das kennen wir ja nicht anders von Ihrem Sender, daß Sie Ihre Zuschauer hinters Licht führen und lieber Ihre gefärbten sogenannten "Meinungen" verbreiten als neutral zu berichten.

In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.

Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden.

Ich bin falsch zitiert worden. Man hat mich fehlinterpretiert. Ich habe das niemals gesagt und hatte auch keinen Kontakt zu diesen Menschen. Ich habe niemals meinen Amtseid verletzt und stets im Sinne und Interesse der Bürgerinnen und Bürger gehandelt.
Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass ich nichts mit dieser Sache zu tun habe.

So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen, bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten, eine erhebliche Rolle und sorgen für den überdurchschnittlich hohen Anteil an angeborenem Schwachsinn und anderen Erbkrankheiten.

Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.

Ja, ich bin lächerlich. (Applaus)
Ja, ich habe gelogen. Viele Male. (Applaus)
Ich weiß auch eigentlich gar nichts von diesem Amt, nicht mehr als irgendwer von euch. Ich bin auch nicht klüger als irgendwer von euch. Aber das spielt keine Rolle. Wir sind auf der richtigen Seite, das ist das, was zählt. Wer auf der richtigen Seite ist und wer auf der falschen. (frenetischer Jubel und Applaus)

 
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Greta so zum Trump: "Ey, was bist du denn für'n Autist, Mann?" Okay, der war echt auf Türkantenniveau, wie man es hier so kennt, hat aber immerhin noch die Andeutung einer Pointe. Um das souverän und eindeutig zu unterbieten, ist es hilfreich, erstens auf die Pointe ganz zu verzichten und zweitens irgendein Klischee hervor zu würgen, mit dem man schon am Stammtisch über den Status "fader Depp" nicht hinauskommt. Und wenn man es wichtig draufhat, lässt man sich dafür noch von Rundfunkgebühren alimentieren.

Bereit? Okay, here it comes: Wenn es kalt ist, macht Greta die Heizung nicht an. Hahahaha. Heizung aus, ne? Wegens Energie und Klima und so, ne? Greta! Hahahaha. Okay, ich hör' ja schon auf. Tja, wer fährt so einen erbärmlichen Schrott auf, um seine reaktionäre Gesinnung via Bierfurz in ein fürstliches Einkommen zu verwandeln? Richtig, der Nuhr Dieter. Der Typ, dessen Spießigkeit so weit reicht, dass es sogar Thomas Fischer an die Schreibmaschine treibt. Der Typ, der weiß, dass Linke und Piraten alles haben und nichts dafür bezahlen wollen. Dieter wer? Sorry, hab ich vergessen.

Kabarett von ganz oben

Ein anderer, den man schon hätte vergessen können, ehe er von den Nützlichsten Idioten der Republik zum Oberhaupt gemobbt wurde, hat auch wieder salbadert und wird missverstanden. Dabei hat der Prediger der Verheißung nur politische Korrektheit eingefordert. Das zweiundeutige Zitat:

"Ich teile die Auffassung der politischen Menschen, die in Deutschland die Zeit noch nicht für gekommen sehen, die AfD als eine Partei, mit der man jetzt koalieren kann, zu betrachten."

Im Zusammenhang klingt das gar nicht mehr so wild, eher als unfreiwilliges Kabarett - immerhin komisch, im Gegensatz zu dem anderen Clown von oben. Da hagelt es gleich Pointen: Der inkarnierte Geist des Antikommunismus fordert ausgerechnet in diesem Kontext "Toleranz" für die Schergen der Ex-SED, erkennt andere als "reaktionär" und hofft, dass die AfD sich weichspült, indem sie die bösen Wörter aus ihrem Vokabular streicht. Coole Idee. Die AfD adrett, moderat und gendergerecht, dann könnten sogar die Sozen wieder überholen.

Ja, Kinder, so langweilig ist sogenannte "Politik". Nicht mal die Empörung taugt mehr. Ich geh' mal eine rauchen, das macht mehr Wirbel als der ganze Zirkus da draußen.

 
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Da liegt dieser Artikel schon in der zweiten Variante vor - der, mit dem ich die aktuelle Miniserie beenden will, aber er gefällt mir auch nicht. Als reicher und berühmter Publizist kann ich es mir leisten, das erst einmal liegen zu lassen. Aber wer denkt denn an die Kinder Leser?! Richtig: Der Markwort mit den Fakten®.

Heute heißt es stattdessen: Faken, faken, faken und immer an die Wahlen denken. Nein, keine Witze im Irgendwas-mit-Kurz-Stil. Auch keinen billigen Wortwitze à la "Stracheepos". Die Ostmark (das Reichsgau, nicht die Währung, ihr Dödel. Merke: Anschluss ist nicht gleich Anschluss) hat wieder mal gewählt, und irgendwie hüpft sie mir jetzt doch aus der Klammer, die Währung. Vielleicht hätte man die Bevölkerungen der sehr unterschiedlichen Ostmarken beizeiten zusammenlegen sollen. Mauer drum, Fresse halten, Ruhe.

Doch, ich weiß, dass das diskriminierend ist. Aber: Von der SPD lernen, heißt, in der veheerendsten Niederlage noch einen Sieg zu sehen; von daher will ich deren Argumentation adaptieren und feststellen, dass ich gar nicht diskriminieren kann; bin ich doch nur einer und die ganz viele. So wie man halt nur Rassist sein kann, wenn man alle Rassen disst und nicht nur fast alle. So meinte dereinst sinngemäß die Sarrazin-bleibt-unser-Kommission. Check!

Wir wollen keine ...

Sonst was los? Ja sicher. Bullen. Halten sich strikt an die Rechtsprechung der 30er bis 60er Jahre und betrachten Sinti und Roma als Untermenschen. Keinen Link nie nicht von mir für Sternchenmaler. "Sinti*ze und Rom*nja", TAZ? Fuckin' seriously? Was soll das sein? Sprache? Als Diogenes auf dem Marktplatz gewichst hat, hatte das wenigstens noch mit Kultur zu tun. Eure besserwisserliche Idiotologie ist ein Massaker am lebendigen Text. So etwas lese ich nicht.

Und noch mal Bullen: Was ist eine Demokratie? Da stellen wir uns mal ... genau: Das ist ein Staat, in dem die Bürger dazu verpflichtet sind, sich von der Staatspolizei Pfefferspray in die Visage spritzen zu lassen, bis die Kartusche leer ist - und zwar ohne sich davor zu schützen, etwa durch Plastikfolie. Ein Untertan Bürger, der solche am Rande einer amtlich genehmigten 'Demonstration' bei sich führt, gilt demnach als (passiv) "bewaffnet".

Ja sicher. So wie diese ganzen jugendlichen Berufsterroristen, welche die Stirn haben, höchst gefährliche sog. "Extremitäten" (sic!) bei sich zu führen, an deren Enden sich jeweils potentiell tödliche Waffen befinden. Einsperren, das Pack, und nie wieder rauslassen! Wenn wir oben schon dabei waren, so meint der Haken auf meiner linken Schulter, können wir diese Herrschaften mitsamt ihrem politischen Überbau gleich auch in die Ostmark integrieren. Was sagt ihr? Ich soll auswandern? Pff. Ich bin Blutsarier, ich habe Rechte!

 
 
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Es war im September 2005, genauer am 26., als Sigmund Äzzer ein kleines gallisches Dorf gründete. Zunächst als Weltrettung geplant, scheiterte das Projekt und wurde stattdessen zu einer - wenn auch stilistisch bemerkenswerten - traurigen, weil im Kern sozialdemokratisch geprägten Politplauderplattform. S.Äzzer scheiterte also binnen weniger Jahre ein zweites Mal, um sich fortan eher kulinarischen Themen zu widmen.

Zu erwähnen sind neben launigen Ausflügen an den Rand des Vegetarismus vor allem das rhetorische Wildschweinragout, mit dem er die inzwischen zahlreich zugewanderten Dorfbewohner bei Laune hält und der saure Nachtisch, den er gern im Keller serviert, wo sich besonders mutige und verdiente Dörfler zum Schoppen einfinden. Dies wäre keiner weiteren Erwähnung wert, hätte er nicht Immobilien-, Finanz-, Euro-, Banken- und Vollkrise überstanden, ohne sich in hohles Gezwitscher oder Zuckerbergs Disneyland zu trollen.

Trauerspiel

Gelitten hat darunter unter anderem der Output. Es wurde zuletzt immer weniger, dafür entwickelte es sich qualitativ in Richtung Ostware: Sieht scheiße aus, schmeckt nur den ganz Harten, hält aber ewig und lässt sich notfalls mit etwas Draht und Gaffer Tape leicht reparieren. Äzzer spekuliert darauf, im Zuge des Trends zu Vintage und Verrotzt einen zweiten Frühling zu erleben. 'Verrotzt' wurde inzwischen mehrfach - so auch aktuell - erreicht, 'Vintage' ... sagen wir es so: Esprit war rar, dafür gab es reichlich Grau und Falten, woran er sich großzügig bediente.

Die Saison 2018/2019 darf als mäßig erfolgreich betrachtet werden, ist doch - erstmals seit Jahren - niemand, der ihm nahesteht, vorzeitig verstorben. Ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt im Rahmen einer immerhin lebensgefährlichen Angelegenheit, mehr ist nicht zu beklagen. Wir sind gespannt auf die nächste!

Herzlichen Glückwunsch also, lieber S.Äzzer, zur Strafmündigkeit. 14 Jahre wurde er jüngst und überdauerte diese Zeitspanne ohne Hafturlaub, mit nur einer Abmahnung, einem zurückgetretenen Bundespräsidenten, einem Buch und ein paar Dutzend beleidigter Kollegen. Wir haben den Hals noch nicht voll und gieren daher auf mehr. Schnellschnell, weitermachen!

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