dose

Seid ihr jetzt alle bekloppt geworden oder wie? Der eine meint, man müsse sich jetzt ganz feste "solidarisieren" mit Leuten, die zweitklassige Karikaturen mit rechtslastigem Inhalt pinseln, die nächste ruft gar die "Muslime" auf, sich jetzt aber ganz fix zu "distanzieren". Warum? Weil ein paar Soziopathen sich mal wieder unter den Augen der Geheimdienste Waffen besorgt und Unbewaffnete abgeknallt haben - was ganz nebenher als militärische Großtat dargestellt wird?.

Ich weiß ja gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht da, wo kein Politclown des US-Imperiums ohne ein schleimiges "God bless" (you, Amorica, my ass) auskommt, wo sie sich auf den Christengott berufen bei jeder widerlichen Mordtat, jedem Krieg, in den sie ziehen und selbstverständlich wenn sie ihren Reichtum auf Kosten der Ärmsten vermehren. Wo genau waren da die Aufrufe, sich davon zu distanzieren, "liebe Christen"? Oder will mir jemand erzählen, der Anschlag in Paris hätte mehr mit Religion zu tun als das?

Schnellschnel Reaktion!

Also "Solidarität"? Ja, in Sachen Solidarität sind wir ganz groß und noch schneller. Solidarität mit Tausenden, die jedes Jahr ersaufen, weil wir sie hier nicht haben wollen? Solidarität mit den Opfern der Waffen, aus deren Erlös hier das Wachstum® erzielt wird? Solidarität mit Afrika, immer noch ein Kontinent des Elends? Mit Südeuropa, wo eine ganze Generation aus dem Arbeitsmarkt® gefallen ist oder wenigstens mit den eigenen Kollegen, wenn sie in Not geraten? Ja wo laufen sie denn?

Nächste Ebene: Es ist also die "Pressefreiheit" die da gemeuchelt wurde? Na klar: Pressefreiheit ist, wenn man sicher vor Amokläufern ist oder was? Pressefreiheit bedeutet, dass der Staat und seine Institutionen sich raushalten. Also zum Beispiel keine atlantischen Zirkel installiert werden, die überall Funktionäre und Spitzenangestellte korrumpieren. Ich brauche keinen Anchorman, der mit Gewerkschaftsbossen, Spitzenpolitikern und Militärs in einem Club herumlungert. Wer verteidigt da die Pressfreiheit vor dem 'Verteidigungsbündnis'? Und wer verteidigt sie gegen fanatische Christen oder Industrielle mit ihren "Unterlassungsklagen"?

Who done it

Schauen wir uns die Täter an, indem wir die Tat bewerten. Da komme ich ganz schnell zu dem Aufruf, sich von Rock'n Roll zu distanzieren. Junge Männer, die lieber ausbrennen als zu verbleichen; hieß es nicht "Be a man, kill a man" bei den Sex Pistols? Ein paar Loser machen sich unsterblich. Ist das Religion? Kann sein. Aber welche? Klar weiß sich der junge Held gefeiert von den ganz Harten, die glauben, im Namen eines Gottes das Rad zu drehen. Wer aber glaubt bitteschön an ein Motiv und dann dieses? Da haben ein paar Irre einen Actionfilm live gespielt. Kommt Leute, distanziert euch von Actionfilmen! Da haben sich Leute vom Rand der Gesellschaft ins Zentrum des Interesses geballert. Solidarisieren wir uns mit dem Rand!

Zum Schluss ein Portiönchen Döner gefällig vom Oktoberfest?

"Die beiden gesuchten Tatverdächtigen sind nach Angaben von Innenminister Cazeneuve überwacht worden. [...] Auf ihrer Flucht haben die mutmaßlichen Attentäter offenbar einen schweren Fehler gemacht und einen Personalausweis in ihrem Fluchtfahrzeug vergessen, als sie am Rande der Hauptstadt das Auto wechselten."

Eiskalte Profis lauern da irgendwo im Gebüsch. Ich solidarisiere mich mit jedem Verschwörungstheoretiker, der an dieser Stelle den Speer fallen lässt und prustend zu Boden sinkt.

Titelbild: Ausschnitt aus der 1987 verbotenen Karikatur der Titanic, dokumentiert bei Zensur-Archiv

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shopafMister Anderson, aka "Kiezneurotiker", hätte das Zeug zum Erlöser gehabt, war, wie ich just erfuhr, schon vor Jahren ein Underdog und besiegte die vielköpfige Kassenschlange mit einer Dose Bier und einer Büroklammer. Heute jammert er nur noch, Diagnose: too old to fuck. R.I.P., Neo! Dieses Schicksal war freilich zu erwarten von einem, der sich vom "Opa des Grauens" mehr als einmal überholen ließ, anstatt das Quäntchen Ehrgeiz zu zeigen und solcher Konkurrenz den sprichwörtlichen Vortritt zum letzten großen Ziel zu verabreichen.

Meine Antwort auf dieses Elend braucht ein wenig Anlauf und mündet in einen hoffentlich noch mäßig warmen Aufguss. Die Anlaufstelle sei die Frage, was eigentlich aus den furchtbaren "Killerspielern" geworden ist? Pädophile und Terroristen spuken fröhlich um die Achterbahn der intellektuellen Schiffsschaukelbremser und haben nichts von ihrem Schrecken eingebüßt, während der Amokläufer z.A., die egoschießende Kreatur aus dem dunklen Keller, offenbar ausgedient hat. Mag das wohl zu tun haben mit einer geistigen Aufrüstung, die solche Phänomene inzwischen begrüßt? Das ist ungewiss; alles, was man weiß: Putin ist schuld.

"Killerspiele" waren der Aufhänger des folgenden Artikels, in dessen Verlauf ich deutlich zu machen versuchte, dass Nordic Staksing, Jogging und rückenmarkstärkender Kraftspocht einen nicht weiter bringen im Leben. Sicher, Übung muss sein. Aber eben solche:

Killer, Spieler, Killerspieler

Zu den aktuellen Schäublereien rund ums Killerspiel gibt es Argumente bei Kiesows und MMsSenf. Während kiesow den Betrunkenen Schützen an der Kirmesbude den Egoshooter um die Ohren haut, weist MM darauf hin dass “River Raid”, ein rührendes Klötzkesspiel, bis 2002 indiziert war. Echtes, womöglich tödliches Ballern einschließlich Zugang zu scharfen Waffen soll weiterhin erlaubt sein, während die lächerlichsten pseudomedientheoretischen Argumente aufgefahren werden, um den Aktionismus der Verbieter und Bestrafer zu untermauern.

Eines kommt allerdings dabei zu kurz, obwohl das Argument von beiden Bloggern gestreift wird: Der Trainingseffekt. Zwar weisen sie zurecht darauf hin, dass die Gewöhnung ans echte Schießen mehr Bedeutung haben dürfte als die Übungen auf virtuellem Terrain. Aber beide verkennen die Situation. Die Gegenseite argumentiert nämlich aus guter Erfahrung. Wem ist noch es noch nicht aufgefallen: Gerade in Deutschland wird der Bürger durch tägliche Konditionierung auf die gnadenlose Vollstreckung geeicht.

Das große Terrorcamp

Kritiklos und unbewusst lernt er, sich blitzschnell zu bewegen und ohne Rücksicht auf Schäden an Mensch und Material sein Ziel zu verfolgen. Selbst die geschicktesten stoßen dabei stets an ihre Grenzen und versuchen es doch wieder und wieder. Dieses vor allem von der Wirtschaft geförderte Verhalten, das selbst Gemütsmenschen zu hektischen Kämpfern für den Konsum ausbildet, ist äußerst erfolgreich und durchaus erwünscht.

Nur diesem einen Zweck dient das Unverschämtheit überbietende Gebaren deutscher Verkäufer und Verkäuferinnen, die Waren derart über das Band schießen zu lassen, dass es schlicht unmöglich ist, sie heil in den Einkaufswagen zu verbringen. Der Einfall, sie beim Einräumen gleich sortieren zu wollen, kann nur hoffnungslosen Irren in den Sinn kommen. Wäre auch nur einer der Millionen Probanden dieses permanenten Freilichtexperiments in der Lage, sich in dieser Situation bewußt und souverän zu verhalten, man würde davon bald in Funk und Fernsehen erfahren. Vermutlich würde er unverzüglich in einen Schützenverein eintreten, sich eine Knarre besorgen und die Schnalle kaltmachen, die ihm ständig die Saftflaschen zwischen Eier und Joghurt wirft.

Tut aber keiner. Und weil das so tadellos funktioniert, haben sie Angst vor den Killerspielern. Eines Tages könnte einer unter ihnen sein, der schnell genug ist. Der die eine Sekunde Zeit hat, nachzudenken. Der es tut.

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Im Donezkbecken ist was los, und wie immer geht es um Kohle. Leider können wir nicht berichten, weil Putin. Dafür haben wir hier allerdings einen Verschwörungstheoretiker aus den Tiefen der Kommentarspalte. Mit wem er sich wozu verschworen hat, konnte bis Redaktionsschluss nicht ermittelt werden. Leider waren auch die Spalten bereits geschlossen, so dass eine bereitstehende Seilschaft nur noch verhindern konnte, dass weitere Theorien oder Verschwörer zum Vorschein argumentierten.

Derweil warnt die Regierung aus gut unterrichteten Kreisen nach Medienberichten und verabschiedet ein Paket. Auch ein Gabriel warnt, ein Lotharmatthäus und zwei schwarze Nullen. "Das wird man wohl noch sagen dürfen", wird ein Sprecher zitiert. Der Zentralrat jüdischer Muslime teilt die Empörung am rechten Rand, womit ein weiterer Linksrutsch bevorsteht. Die Regierung warnt, die Industrie warnt, der Bundespräsident mahnt: linksrutschende Spalten sind verantwortlich, dafür muss man Verständnis haben, solange nicht die Sorgen und Nöte der Wirtschaftsflüchtlinge ihre Verfolgung genießen. Wer ins volle Boot steige, könne nicht die halbe Miete zahlen, da sei sich das Volk einig.

Wir sind ein Wir

Der Hund mit der Stihl schloss sich dem Henkel an und warf sich weg. Niemand müsse vor einer Wirtschaft fliehen, schon gar nicht global. Der Fall eines weiteren Flugzeugs machte die Runde. Stoppt Putin jetzt! Jetzt aber! Dann eben jetzt! Die Märkte reagierten zögerlich mit Kurswechseln, was ein EU-Außenbeauftragter mit der Lage der Menschenrechte im nahen Osten des kaukasisch chinesischen Hindukusch erklärte. Man sei da, wenn der russische Imperialismus an die Tür der NATO klopfe. Man sei ihm lange und weit genug entgegen gekommen. Der Imperator werde Europa nicht spalten, kein Kommentar. Keine Spalte, keine Verschwörung. Kein anderes Bier!

Die Wahl des Griechen gilt als extrem links und darf austreten, sagte die Kanzlerin am Abend in Baden mit der schwäbischen Hausfrau. Die Börsen notierten schwach, aber lustlos. Griechenland sei ein Reiseland, da dürfe man Unmündige nicht aufhalten. Die Zinsknechtschaft sei eine Eigenverantwortung. Es gebe rechtlich verbindliche Verabredungen mit verfassungsflexibler Laufzeit. Da könne nicht jeder wie er wolle. Da könnte ja jeder. So geht das nicht. Eine Griechisierung des Abendlandes stehe nicht unmittelbar bevor, die abstrakte Bedrohungslage hingegen bedarf der Speicherung eines Vorrats. Gegen Porno, Islam und Schlimmeres. Da ist aber endgültig Schluss.

Lesen Sie die Beiträge!

 
t34

Ein oft unterschätzter Aspekt der neoliberalen Agenda ist die ausdrückliche Vorgabe, positiv über wirtschaftliche Zusammenhänge zu sprechen. Daraus resultiert nicht bloß die Pflicht zur Propaganda, sondern ein 'Denken'. das stets vom gewünschten Resultat her die Wirklichkeit kommuniziert. Weil das oft nicht mehr geht ohne sich in den Schleudergang der Gehirnwäsche zu begeben, werden Techniken wie Neusprech, Zwiesprech und das absurdeste Argumenteyoga veranstaltet. Ein Beispiel für erschreckende Dimensionen des Realitätsverlusts schenkt uns aktuell die FAZ:

Deutschland hat gute Laune. Kaum einer ist arbeitslos, alle konsumieren, viele sind optimistisch. Nur die Firmen halten sich zurück und horten Bares, statt zu investieren. Es fehlen die Ideen. Und der Mut.

Ähm, ja genau. Nein, ich habe das nicht erfunden und es finden sich auch keinerlei Anzeichen für Ironie, das ist ernst gemeint. Millionen Aufstocker, weitere Millionen Arbeitslose, noch weitere, die in Maßnahmen, wegen ihres Alters oder anderer Tricks nicht erfasst werden, ganz zu schweigen von prekär Beschäftigten, und die Kapelle da oben spielt "Uns geht's gut". Dass wir unsere Arbeitslosigkeit obendrein größtenteils in die Länder unserer Währungspartner exportiert haben, wird nur mit einer weiteren Jubelmeldung quittiert, nämlich dass Deutschland Wachstum Wachstum®, während "um uns herum" alles schrumpft. Alles super!

Darf nicht, kann nicht

Kreuzerbärmlich dumm genug, aber diese Höchstleistung ist nur einmal mehr die Folge eindimensionaler Analyse, wenn man die denn noch so nennen mag. Die Kernaussage ist nämlich die, Wirtschaft sei Resultat eines Willens. Woher kenne ich das bloß? Die Angst sogenannter "Ökonomen" und ihrer schreibenden Kolonne vor einer Wahrheit aus dem Jenseits ist grotesk. Die geringste Anleihe bei Marxschen Theoremen ließe ihnen sofort einen hässlichen Bart wachsen und russische Panzer auffahren. Wir wagen es trotzdem:

Wie schon öfter betont, warten auf einen Dollar, der irgendwo auf der Welt umgesetzt wird in Produktion oder Dienstleistungen, drei Dollar, die vermehrt werden wollen. Sogenanntes "Wachstum", was nichts anderes bedeutet als Profit, ist also real kaum mehr zu schaffen. Nettowachstum geht nur über höhere Schulden, gesucht werden also Schuldner, die noch mehr aufnehmen als andere längst zurückzahlen müssten. Wo sollen die herkommen? Irgendwo ist da ein Ende der Fahnenstange.

Es ist nebenbei ja überhaupt nicht so, das niemand investiert, welch ein Unsinn! Es wird nur insgesamt eben weniger investiert, weil das große Fressen im Gange ist. Das holde Wachstum geht nur noch auf Kosten anderer. Monopole fressen die Konkurrenz; gerade jüngere Wirtschaftsbereiche bilden extrem schnell Riesenkonzerne mit gewaltiger Macht. Google, Microsoft, Amazon, Facebook, Apple zum Beispiel. Kalte Wette: in den nächsten fünf Jahren wird mindestens eine dieser Marken auch von einer der anderen aufgekauft. Das nur am Rande.

Das Paradies, zum Greifen nah

Ja, und selbst Wachstumsexportweltmeister Deutschland wie gesagt konkurriert andere an die Wand, um noch ein mickriges Prozentchen zu wachsen. Das ist eine Heuschreckenstrategie, denn die so ruinierten Wirtschaften "um uns herum" werden "wir" als Kunden noch bitter vermissen. Obendrein lassen wir uns von den Amis zwingen, nicht mehr beim Russen zu kaufen. Deren Strategie ist derweil ein imperialistischer Amoklauf. Nicht nur TTIP soll eine US-dominierte Handelszone schaffen, gleichzeitig wird eine "transpazifische" aufgebaut, um die Wirtschafts-NATO zu ergänzen.

Hier schließt sich der Kreis, denn was ich da lese, macht mich hart lachen. "120 Milliarden Dollar" soll der ganze Spaß jährlich bringen. Das sind etwa 0,5 Promille des um die Welt schwappenden Kapitals. Das geht ab wie Rizinus, wetten dass? Kommt Leute, wir müssen das positiv kommunizieren!

Im übrigen sind Wille und besseres Wissen überall vorhanden. Die New York Times hat eine erhellende Analyse der Kommunikation von Fracking-Unternehmen erstellt. Daraus geht hervor, dass intern immer klar war, wie wackelig der Boom war, dass die mit Fracking verbundenen Hoffnungen völlig überzogen waren und die Vision, die USA könnten Energie netto exportieren, geradezu idiotisch. Aber so kannst du das natürlich nicht sagen. Nicht als Mitarbeiter, nicht als Ökonom und schon gar nicht als journalistischer Marktschreier.

 
2015

Liebe Volksgenossen!

Der Russe steht vor der Tür. Wir sind ein Volk, und wir sind immer bereit!
Wir sind Weltmeister.
Arbeitsplätze®, Arbeitsplätze®, Wettbewerb®, in Frieden und Freiheit®.

Amen.

Das Gewäsch von Rauten-Chucky könnt ihr euch damit sparen.

Zum endlich finalen Jahresabschluss will ich aber gar nicht die Nachgeburten des Politbüros überbewerten, deren Sermon sich ohnehin niemand freiwillig anhört. Ich suche vielmehr nach ein paar bunteren Worten als denen, die ich bislang zum getrommelt und gepfiffen absolvierten Jahr gefunden habe.

Manchmal denke ich so vor mich hin, ich wäre gern Teil einer Community. Dann fällt mir ein, dass ich es fast bin. Als Vorturner fühle ich mich oft ein bisschen außen vor, aber ich sehe, dass im zehnten Jahr Feynsinn doch eine feine kleine Gemeinschaft mit gewisser Fluktuation gewachsen ist, die nicht zuletzt etwas Tröstliches hat in diesen Zeiten. Einige peppen das Forum durch ihre Kommentare auf, andere zeigen sich spendabel, wieder andere lesen still mit. Ich danke euch allen. Es rettet mich vielleicht vor dem finalen Wirrwahn.

Im letzten Jahr schrub ich so wenig wie in keinem zuvor, die Umstände sind ausreichend besungen. Dennoch hat hier kein Exodus stattgefunden, was mich sehr entspannt. Natürlich sind es nicht mehr ganz so viele Leser/innen und weniger Kommentare, aber ich sehe keinen Qualitätsverlust auf dieser Seite. Die beste Nachricht allemal, jedenfalls für mich: auch in schwierigen Zeiten ist Feynsinn nicht verschwunden und ich sehe noch immer eine Perspektive weiterzumachen.

Derweil finden einige Umbrüche statt, nicht zuletzt in meinem Blick auf die Welt. Sie ist sehr viel kleiner geworden, was über Kurz oder Lang auch die Artikel beeinflussen wird, ich schätze, zu ihrem Guten. Das ist mir bislang noch nicht gelungen, aber das wird kommen. In Sachen Zorn bin ich ziemlich gut, aber es gibt da noch andere Ressourcen, die einen vorwärts bringen. Ich werde mich da vielleicht überraschen.

So, genug gelabert. Schö Zwanzichvierzehn, komm nicht wieder!
Ihr anderen kommt gut rüber, und auf ein Neues, das ich nur einmal verabschieden muss.

 
egonap

Raubmordkopiert bei Egon Forever

Immer mehr Deutsche sind Fremde im eigenen Land. Die Fremden nehmen ihnen die guten Arbeitsplätze und lassen ihnen bestenfalls Niedriglöhne. Es gibt keine Heimat mehr, immer mehr werden zu Nomaden, weil die Fremden es so wollen. Keine Heimat mehr. Nicht in den ländlichen Regionen, wo Deutsche flüchten müssen vor Arbeitslosigkeit und Strukturwandel, besonders im Osten. Nicht in den Städten, wo immer weitere Wege gemacht werden müssen, um eine schlecht bezahlte Arbeit zu bekommen.

Aus dem Ausland werden wir bespitzelt, was die meisten noch verdrängen, aber die Freundschaft zu Amerika ist passé für jeden, der wissen will, was diese "Freunde" so alles treiben. Allein die Treuesten halten an dieser Freundschaft fest, im Glauben an den Krieg gegen den gefährlichen Moslem.

Das wenigstens ist noch ein echter Kampf, in dem getötet und gestorben wird, in dem die Fronten gezogen scheinen zwischen Christen hier und Moslems da. Die anderen haben angefangen, wir den Fehdehandschuh nur aufgenommen. Die anderen, die man noch erkennt: dunklere Haut, andere Kleidung, Bärte, eine unverständliche Sprache - sogar die Schrift ist anders. Das sind Fremde, gegen die man kämpfen kann. Und wenn schon nicht direkt kämpfen, weil man keinen zu Gesicht bekommt, dann wenigstens demonstrieren.

Kampf der Kulturen

Der gefährliche Fremde, den man erkennt, die Gefahr um Leib und Leben, das ist die Welt, die jeder versteht. Der Moslem der Feind, auf den sich die meisten schnell einigen können. Die Fremden müssen weg, ihre Macht zurückgedrängt werden, auf dass wieder Ruhe einkehrt, man sich zuhause fühlen kann und sicher.

Das andere Fremde hat nämlich kein Gesicht, keinen Ort, keinen Namen. Man kann es nicht bekämpfen. Die Macht, die einen zwingt, alles mitzumachen, was "zumutbar" ist. Die erwartet, dass man täglich 2,5 Stunden pendelt zu einer Arbeit, die man hasst. Die einen heute hierher schickt und morgen dorthin, wo man niemanden kennt. Die ständig alles ändert und nie etwas zum Guten und die dafür sorgt, dass man im Leben nicht arm bleibt, sondern immer ärmer wird. Oder die einen Angst haben lässt, dass es einmal soweit kommt.

So etwas braucht ein Gesicht, und damit es eins hat, braucht man die Augen, es zu sehen. Die einfache Perspektive aus einer einfachen Weltsicht. Wenn die nicht hier wären, wäre alles gut. Wenn wir die besiegen, sind wir am Ziel. Es kann schließlich nicht sein, dass in Deutschland Deutsche Deutsche unterdrücken. Das wüsste man doch. Alle sagen doch, dass die Krisen draußen aus der globalen Welt kommen und wir wegen dem Wettbewerb mit Ausländern sparen müssen.

Was wäre auch die Alternative? Kommunismus? Gegen das Geld kämpfen, von dem man lebt? Gott bewahre!

 
maz

Zurück ins Meer. Der Hering. Er will zurück. Ins Meer. Vielleicht will er das ganze Salz loswerden, das ihn so 'lecker' macht. Auf der Gabel sah das Viech gar nicht so aus, als könnte es noch schwimmen, aber kaum habe ich den Fisch zwischen die Bratkartoffeln gesteckt und Richtung Süden geschaufelt, fängt er an zu paddeln. Passt schon.

Das da oben ist ein Tannenbaum. Sagt man ja so. Es gibt Buche, Fichte, Eiche und Tannenbaum. Ist mir zugelaufen und hat sich die Kugel gefangen. Konnte ich nicht verhindern. Ich habe noch nie etwas gekauft, das am Ende "Baum" heißt, gerade mal einen Meter hoch ist und nicht mal Wurzeln hat. Nein, auch nicht mit und größer. Die kleine da stand am Straßenrand und fuhr einfach mit, heißt es.

Ein Gast zuviel

War trotz allem ganz nett am Ende dieses Scheißjahrs. Hoffnung macht keinen Spaß, sie ist die feige aufgedonnerte Schwester der Angst. Seit April wohnt sie bei uns.
Im November hat es dann auch noch den Underdog erwischt. Er ist mit auf dem Bild, in der kleinen Kiste. Jetzt fällt noch Hamburg aus, da wäre ich heute gern. Na ja, guck ich halt im Stream. Oder auch nicht.

Es gibt Tage, da kannst du vor Kraft nicht laufen, und es gibt die anderen. Für die hat sich die blaue Murmel die coole Nummer mit ihrem eigenen Schatten ausgedacht. Macht die Tage schön kurz. Da kannst du hängen, abhängen und rumhängen. Fressen. Saufen. Wieder fressen. Rumhängen. Musst du nicht mal arbeitslos für sein. Bin ich jetzt trotzdem auch noch, man gönnt sich ja sonst nichts.

Ich könnte endlich mal meine alte Strat verdrahten, die immer noch nicht nach Gitarre klingt. Ich habe beschlossen, neue Potis einzubauen, einmal Tabula rasa und alles neu verlöten. Ist also nicht so, als hätte ich nichts zu tun. Habe ich auch so genug. Aber alles, was sich in mir bewegt, ist dieser Fisch. Zu viel Fisch gefressen. Werde gleich mal was drauf schütten. Bald ist dieses Drecksjahr vorbei. Kann nur besser werden. Und wenn nicht, bin ich diesmal wenigstens drauf vorbereitet.

 
lampe

Die Tage werden wieder länger; war auch bitter nötig. Feiert was auch immer, macht euch keinen blöden Stress und umgebt euch mit Leuten, die ihr mögt. Oder dann halt nächstes Jahr ;-)
Ich habe zur Feier des Tages meine Stehlampe angeknipst. Der Schirm erinnert mich an lecker, er hängt übrigens an Slotblechen. An ihren Lampen sollt ihr sie erkennen.
Also: Lasst den Baum brennen, meine Lieben!

 
ratrace

Nur kein Neid! Ich schmeiße ungern Dinge weg, die noch nicht endgültig unbrauchbar sind, und obwohl es mich zum Erbrechen nervt, Mäuse zu reparieren, weil es meist eh schiefgeht und beim Versuch immer irgend ein winziger Plastikzapfen zu Sollbruch geht oder dergleichen, meide ich diese Arbeit. Nun gibt es aber diese Teile nicht mehr, weil es der Firma Billyboy so gefällt. Es hat eben nicht gereicht, dass die Schalter nach einer Weile ständig doppelklicken oder hängenbleiben. In diesem Preissegment durfte es so etwas nicht geben. Also wurde gemodelt, umbenannt und eingestellt. Die Kohle, die man für gebrauchte dieses Modells inzwischen verlangt, ist eine Absurdität.

Aber so ist das halt. Warum ist eigentlich noch keiner auf die Idee gekommen, das für echte Haustiere auch so einzustielen? Hamster sind zu billig und Hunde leben zu lange. Da muss was gehen! Ein Bisnisplan muss mehr, kein Problem: Zielgruppe: das, was nach Hipster kommt, also unkritisches genormtes Volk, das sich über Äußerlichkeiten definiert und absolut Konsum- sowie normfähig bliebt. Mittelschichtsberufsjugendliche, die jeden Dreck kaufen, wenn sie sich dann für etwas halten dürfen. Die keine Gadgets mehr finden, die ihnen noch Identität spenden.

Das neue Bio

Denen dreht man die neuen Produkte an: Ein Freund ohne Ansprüche. Dose Futter, einmal am Tag ein paar paar Meter kacken, dafür schönes Fell, weiße Zähne und kurzes Haltbarkeitsdatum. Sagen wir drei Jahre, höchstens, dann muss ein neuer her. Rock'n Roll Hund zwonull, the best die young, yolo lol kewl. Spart ganz nebenbei die Last, das Viech mitnehmen zu müssen, wenn man eh alle paar Jahre umzieht. Der Trend geht zum Jahreshund, kaum gebraucht und hält sicher noch übern nächsten Frühling.

Wo wir dabei sind: Ist Jürgen Marcus eigentlich auch tot? Fallen ja um wie die Fliegen, diese Barden. Ich hätte besser nicht über Troubadix schreiben sollen, ja sicher! Warum Jürgen Marcus? Weil der doch immer sung: "Eine neue Leber wäre mir jetzt lieber". Gebrauchtteilehandel, da geht doch sicher auch noch was. Nein, ich meine jetzt keinen ordinairen Organhandel, der ist ja verboten. Leihorgane! Du kriegst das Ding nach ein zwei Jahren wieder, man macht einfach einen Ringtausch gegen Credits oder so. Da haben doch alle was von!

Okay, ich geb's zu: Mir geht diese düstere Schaumschlägerzeit einfach auf die Eier und ich suche Mitleid. Das findet man am sichersten, indem man andere mit leiden lässt. Yeah baby, let it trickle down!

 
mon

Dieses Jahr war anders. Anders scheiße. Dermaßen, dass ich diesmal auch ein bisschen zurückblicke, durchaus auch im Zorn. Nicht zornig, vielmehr zustimmend, zwischen Nicken und Schmunzeln, lese ich einen Beitrag, den ich so ähnlich geschrieben hätte, wenngeich der Matussek mir in dem Zusammenhang nicht eingefallen wäre. Ja, der Matussek ... ein Bot, das habe ich allerdings auch schon gewusst. Erinnert euch, ich habe Lanz entlarvt. Der Mattussek also auch.

Verschwörungsspinner

"Verschwörungstheorien", vor allem in Form des dumpfen Vorwurfs, haben das Jahr allerdings geprägt. Hier hat das sogar zu einer eigenen Kategorie geführt. Wir werden dran bleiben. Ansonsten war dieses Jahr des Kalten Krieges das 25. Nach dem "Mauerfall". Grund genug sich zu erinnern, dass alles Böse aus dem Osten kommt und im Kommunismus® endet, also in Moskau. Beides Böse®. Man könnte das ggf. umlabeln, allerdings vermutlich nicht lange. Ein dem Westen wohl gesonnener Milliardär als Staatschef und zur Korruptionsbekämpfung ein paar Investmentbänker des Guten® in der Regierung, dann kann sogar aus Moskau noch etwas werden. Hat in der Westrestukraine ja auch geklappt.

An dieser Stelle muss freilich ein Haftungsausschluss stattfinden. Der Herr Poroschenko, ein von Selbstlosigkeit und Menschenfreundschaft gezeichneter Schokoladenfabrikant, ist der beste Freund, den sich irgendwer vorstellen kann. Wir kennen aber die Verführungskünste der Hure Russland, denen zu erliegen ihm im Fadenkreuz des Finstren jederzeit droht. Wer weiß; vielleicht erweist auch er sich eines Tages als Hurenbock des Bösen, und wir müssen unsere Freiheit am Dnepr auch gegen ihn verteidigen.

Der Prekar ist geduldig

Was war noch? 10 Jahre Hartz IV, aka "Probleme lösen, Menschen stärken, Existenzen sichern, Chancen bieten, Zukunft planen, Ziele setzen, Geduld haben, Wege finden, Mut machen, Hoffnung geben." Ja, der Große Bruder liebt Weihnachtskarten. Wie war das noch mit dem großen Plan? Die Profite tendieren gegen Null? Nur Mut¹, all die Menschen², deren Existenzen³ in Industrie und Handel gefährdet sind, haben wieder Hoffnung⁴. Chancengerechtigkeit® ist das Zauberwort, deine Chance⁵ auf Profit ist da, da muss der Prekar halt mal Geduld⁶ haben und Lotto spielen, wenn er je wieder über die Runden kommen will. Die Zukunft⁷ ist der Niedriglohn, der Weg⁸ dorthin Sozialabbau, dieses Ziel⁹ längst erreicht.

Und die Profite? Oops. Das reicht ja immer noch nicht. Na dann: Alles muss raus! Kauft griechische Inseln, Elektrizitätswerke, Wasserwerke, Bahnhöfe, und wenn ihr seht, dass es dann vorbei ist mit dem Wachstum®, seid ihr nur phantasielos. Man kann noch viel mehr kaufen und verkaufen. Das Ereignisfach. Spielbrett und Figuren. Die Nieren des Gegners. Seine Mutter, die Erde, Feuer, Luft (Wasser hatten wir doppelt, das müssen wir abziehen). Gott, Engel, Teufel, die verfickte dunkle Materie. Ihr glaubt, Kapitalismus sei endlich? Frevler, Dummköpfe, linke Spinner!

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