rl

Real Madrid, einer der reichsten Fußballclubs der Welt, hat ein neues Vereinslogo, jedenfalls für den arabischen Raum. Dabei fällt dem Club, der nicht nur durch Stars wie Cristiano Ronaldo und Titelgewinne bekannt ist, sondern auch durch diverse Steuerbetrüge, kein Zacken aus der Krone, sondern gleich das ganze Kreuz. Es könnte sich jemand beleidigt fühlen oder gar gekreuzzugt, wenn das nicht entfernt wird.

Wohlgemerkt sind es keine islamistischen Horden, Terroristen von der ISS oder Altkleider, sondern der Vermarkter des Clubs, dem das eingefallen ist, "um bessere Umsätze im arabischen Raum zu erzielen". So ein Kreuz kann ein Umsatzhemmnis sein. Man stelle sich nur vor, der Stöpsel vom Scheich läuft mit seinem CR7-Shirt auf, während der Schwippschwager von Al-Wahabs zu Gast ist. Da bebt dann der Teetisch, und das wollen wir doch vermeiden. Überhaupt: Was sollen die Leute sagen? Wir gehen hier ja auch nicht mit dem "Palästinenser" zur Vorstandssitzung.

Allah, Jehova, Mammon

Ein Dollarzeichen auf der Krone im Wappen hätte sicher niemanden aufgeregt, nicht einmal angeregt etwas zu tun, über das sich jetzt wer künstlich aufregt. Die Religion des allgegenwärtigen Kapitals, seiner unerschöpflichen Macht und der Zeremonienmeister seiner heiligen Messen ist die einzig universelle. Eine Theodizee hat sie auch. Wie kommt es nur, dass so viel Armut in der Welt ist, wo die Welt doch so reich ist? Na? Gibt es ein arabisches Wort für "Eigenverantwortung"? Aber doch sicher einen Ausdruck für "Selber schuld!".

Daran scheitert übrigens auch jede Mission. Wer darauf beharrt, Währungen zu exportieren - Kreuz, Halbmond, Stern, die nicht konvertierbar sind, stößt eben an die Mauern anderer Währungsräume und handelt sich bloß Ärger ein. Da muss man dann schon zwodrei Mal das Zielgebiet dem Erdboden gleichmachen oder wenigstens alles ausrotten, was auf Traditionen beharrt. Ganz anders der allseits tolerante Glaube an den internationalen Zahlungsverkehr.

In den hat sich übrigens so manche Religion eingeprägt; sei es die des Öls, des Profits oder schlicht die der Herrschaft, die schon immer und überall wusste, was Luther so nachdrücklich seinen Christkindern hat einbläuen lassen: Ihr seid alle Arschlöcher, nur eure Herren nicht, denn die hat Gott persönlich ausgesucht. Wie sonst sollte er eine Handvoll Menschen so reich gemacht haben wie den Rest der Welt zusammen? Von mir aus können sie auch einen Halbmond auf den Lappen nähen, solange die Musels 87 Euronen pro Stück abdrücken.

 
xx

Brutstätte Ruhr: Zwischen Kommunismus und Erbkrankheiten

Habe ich erwähnt, dass mein Opa ein Polacke war? Jawohl, Migrationshintergrund®! Allein deshalb kann ich mich schon nicht leiden. Man muss natürlich auch mal fragen, wie meine Eltern dann an einen Ariernachweis kamen? Hm? Das stimmt doch was nicht! Aber so sind sie ja, hier an der Ruhr und im Ruhrrandgebiet, das extra um die Goldkante "Münsterland" und weitere Gemeinden guter Christenmenschen erweitert werden musste, um die Rote Ruhr zu verhindern. Ausländer und linkes Gesocks.

Gut, dass die Alliierten in freundschaftlicher Kooperation mit erfahrenen Staatsleuten uns den Kommunismus ganz schnell ausgetrieben haben. Mit Stumpf und Stiel, so wie sie es gewohnt waren, ohne Erbarmen, falsche Gnade oder Rücksicht. Die Ausländer hingegen wurden gebraucht, man will es gar nicht wissen, was sie den Kumpel sonst für Löhne hätten zahlen müssen. Ja, schon damals waren es die Adenauers, also eigentlich unsere, die Guten, die für die Masseninvasion gesorgt haben. Wie gesagt: Der Pott wurde mehrfach umgevolkt: Polacken, Itaker, Türken. Wir sind hier längst Polackitatürkdeutsche. Ach was, da ist nix Deutsches mehr dran.

Es ist fünf vor!

Der Sachse, der weiß noch, was das ist: deutsch. Der bleibt unter sich und lässt nicht jedes Schlammblut in seinen Genpool. Ja, der Sachse, der ist von allen der reinste und rassigste. Das lässt er sich nicht durch Inzucht mit Ausländern versauen. Wenn ich mir nur vorstelle, wie der Polacke damals unsere Frauen angetanzt und meine Oma geschändet hat, könnte ich mich selbst auskotzen. Na den haben sie wenigstens zurückgeschickt, und zwar bis hinter Polen. Unterwegs durfte der noch ein paar Russen abknallen, dann hat's ihn selbst erwischt.

Guck dich mal hier um, hier weiß doch keiner mehr, von wie viel Multikultigerammel er schon durchrasst ist. Wenn du hier einen Arier sprechen willst, musst du einen Iraner anquatschen. Ja, check das mal aus, Alter, die Persermuchels als Retter der Rasse, willkommen in Nordrhein-Westfalen! 18 Millionen Menschen, davon allein 10 Millionen Erbkranke im Ruhrgebiet. Wusste der Dresdner, dass er das für seine D-Mark bekommt? Kann es dem Bayern recht sein? Der schwäbischen Hausfrau?

Es darf kein Tabu sein, auch über solche Rettungsmaßnahmen zu sprechen, die vordergründig extrem erscheinen. Eine Mauer mag teuer sein, aber manchmal lohnt es sich einfach. Wir müssen uns doch über das Schicksal Deutschlands gar nicht mehr unterhalten, wenn man diesen Infektionsherd von der Größe eines mittleren europäischen Staates nicht entfernt. Wenigstens der Großraum Rhein-Ruhr gehört isoliert und abgestoßen, sonst müssen wir uns nicht wundern, wenn hier bald der Syrer sächselt. Ich bin starr vor Angst.

 

Mit Fakten argumentieren kann jeder Idiot.

Ist doch so ...

 
xx

Schon wieder Fake News®? Ich wurde gescholten, weil dieses Thema hier zu dominant sei, aber ich halte das in mehrfacher Hinsicht für einen Irrtum. Erstens ist das ein Label, hinter sich dem größtenteils olle Kamellen verstecken. Zweitens geht es im Rahmen der Zensurversuche um eine Säule des sich wieder formierenden Faschismus'. Drittens geht es um die Fähigkeit, überhaupt noch zu kommunizieren. Heute mögen wir noch lachen über "alternative Fakten", aber das ist bereits fehl am Platze.

Schon lange analysieren wir Neusprech und Zwiesprech als Methoden realer Politik. Nehmen wir doch gleich mal das semantische Schicksal der "Alternative" auf: Es präsentiert sich die Konsequenz aus dem neoliberalen reaktionären Block, die all das noch steigert, was die anderen anbieten, als "Alternative" (für Deutschland). Die Menschenschinder des Westens nennen Folter seit Langem "alternative Befragung", und jetzt kommt der Trumpismus halt mit "alternativen Fakten". Die Todesstrafe wird demnach "alternative Altersvorsorge" heißen und auf denselben alternativen Menschenrechten beruhen wie der andere Mist.

Wer spricht da?

Ein anderes oft genanntes Beispiel: "Rebellen". Das sind Terroristen, Islamisten, brutale Mörder, wenn sie von den USA bezahlt oder von der NATO bewaffnet werden und solange sie tun, was in deren Interessen liegt. So weit, so banal. Warum aber wird die Frage nirgends diskutiert, wie so ein Begriff konkret in Medienbeiträge einzieht? Wer entscheidet das? Wer schreibt es? Was sind die Kriterien? Gibt es eine Art Befehlsstruktur oder wird das diskutiert? Stellen sich die Produzenten überhaupt je solche Fragen?

Eine weitere Baustelle sind die Quellen von Nachrichten. Warum werden sie selten konkret benannt? Wer prüft sie wie? Wie werden sie bewertet? Die Antworten auf diese Fragen gehören in jeden ernst zu nehmenden Bericht. Fehlen sie, ist der Bericht allein deshalb schon manipulativ. Niemand muss eine Quelle gefährden, aber solche Gefahr besteht extrem selten. Wenn es hingegen der Regelfall ist, dass Quellen ungenannt bleiben, wird nicht berichtet, sondern kolportiert. Dies ist die Atmosphäre, in der die (Suche nach der) Wahrheit zu Grabe getragen und Propaganda zum Standard wurde.

Verdunkeln, vertuschen, verwirren

Besonders fatal wirkt sich in diesem Kontext der Einfluss von Geheimdiensten aus. Diese sind keine seriösen Quellen, sondern zwielichtige Banden, die routiniert Kapitalverbrechen begehen und alles vertuschen, was sie eigentlich aufklären sollen. Dabei sind sie völlig unkontrollierbar, siehe "Paginierung". Man lässt ihnen die billigsten Manipulationen durchgehen, um ihnen Verdunkelung so leicht wie möglich zu machen. Ausgerechnet diese 'Quellen' werden zunehmend zitiert.

In einem Rahmen, in dem Aufmerksamkeit - und damit Umsatz - erregende Ereignisse im Mittelpunkt stehen, schlägt das System einen Salto, wo nicht einmal mehr klar wird, ob bzw. wann und wo jene Geheimdienste die Ereignisse erst herbeiführen, die sie dann bewerten, um gleich auch Maßnahmen zu forcieren, die ihnen mehr und mehr Macht einräumen, je öfter sie "versagen", also Straftaten aktiv befördern und begehen. Was diese Einrichtungen anbetrifft, wird es nur ein Mittel geben: Sie müssen geschlossen werden, indem man ihnen die Tür einrennt.

Gegen die Erosion von Wirklichkeit, Fake News, Lügen, Propaganda und Manipulation hilft derweil nur Offenheit, wie eingangs geschildert. Nur wenn alles berichtet wird - die Beweggründe der Autoren, ihre Abhängigkeiten, ihre Quellen, Bezüge und Hintergründe, taugt etwas als Bericht. Ein Kommentar muss mindestens ebenso offen sein und Zusammenhänge aufgreifen, in denen die Fakten und Annahmen Sinn ergeben. Alles andere ist Blabla, in dem sich immer diejenigen durchsetzen, die den buntesten Ballon aufblasen oder die Macht haben, ihren Stuss als Endlosschleife zu wiederholen.

 

Der BER wird auch 2018 nicht eröffnet werden.

Erster!

 
xx

Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F041435-0028 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0

Andrej Holm ist "untragbar". Bekannt wurde der Mann als Opfer der politischen Polizei und des Verfassungsschutzes, die ihn verhafteten, beschatteten und seine Familie terrorisierten, weil nach einem Brandanschlag auf leere Polizeifahrzeuge die Täter Begriffe verwendet hatten, die Thema von Holms wissenschaftlicher Arbeit sind. Inzwischen gehört "Gentrifizierung" zum Allgemeinwissen. Holm darf nicht Staatsekretär sein und soll auch seinen Arbeitsplatz verlieren, weil er "bei der Stasi" war und dies bei der Bewerbung an seiner Uni verschwiegen hat - weil er sonst von vornherein keine Chance gehabt hätte.

Was steckt hinter dieser furchtbaren Stasi-Mitgliedschaft? Holm ist im Alter von 14 Jahren eine Verpflichtung eingegangen, der er mit 18 noch einige Monate lang nachgekommen ist. Die Gnade der späten Geburt kann er für sich demnach nicht in Anspruch nehmen. De Facto war er hauptamtlicher Mitarbeiter bei der Stasi. Er hatte keine Gelegenheit mehr, diese Entscheidung, die er als junger Teenager getroffen hatte, zu revidieren. So einer darf hier kein öffentliches Amt bekleiden. Dies legen ihm diejenigen 25 Jahre später zur Last, die schon 1947 einen Mantel des Schweigens über ihre Nazi-Vergangenheit ausbreiten wollten. Diejenigen, bei denen Massenmörder höchste politische Ämter bekleiden konnten, die Mehrheit der Richterschaft stellten und den Sicherheitsapparat dominierten.

Gute Tradition

Die KPD wurde 1956 verboten. Heute erfahren wir, dass ein Parteienverbot gar nicht ausgesprochen werden muss, wenn sie 'nur' verfassungsfeindlich ist. Sie müsste auch konkret den Bestand der Republik bedrohen. Man kann dies nicht einfach rückwirkend anwenden, aber es passt schon in den Fokus dieses Staates und sein Narrativ, dass Kommunisten und solche, die vom roten Virus irgendwie befallen worden sind, grundsätzlich eine Gefahr darstellen. Ganz anders verhält es sich mit den Nazis. Die haben diese Republik nicht nur gebaut, sie sind auch das Maximum an Sicherheit gegen das Feindbild Kommunismus. Dieser Staat hat sich politisch nämlich nie gegen Diktaturen gestellt. Er ist nicht antidiktatorisch, sondern antikommunistisch.

Während also einer, der als Junge einen Fehler gemacht hat, den er nie wieder gutmachen konnte, dafür ewig büßen wird, fragt man sich, was für Karrieren denn andere machen könnten. Holm soll nicht mehr an der Uni arbeiten dürfen und kein Staatsamt bekleiden. Derweil marschiert die AfD, kürzlich noch "Partei der Professoren", tief in den braunen Sumpf hinein. Muss sich irgendwer dafür verantworten? Ist eine Mitgliedschaft in der AfD ein Grund zum Rückzug aus öffentlichen Ämtern? Auch rückwirkend? Lebenslänglich?

Warum sollte sie? Es ist Tradition in diesem Land, dass Nazis, rechte Hetzer und Rassisten für die höchsten Posten qualifiziert sind; Richter, Professoren, Minister, Vorstände der Bundesbank, Verfassungsschützer - niemand könnte je zu rassistisch, zu kriminell oder zu faschistisch sein, um solche Ämter zu bekleiden. Selbstverständlich dürfte auch Björn Höcke jederzeit eine Karriere in Politik und Staatsdienst machen. Niemand kann ihm schließlich eine Mittäterschaft im Unrechtsstaat® nachsagen.

 
dt

Ich habe bei einigen Gelegenheiten bereits gesagt, dass ich auch einer Art Chronist bin, was mir immer wieder deutlich wird, wenn es scheinbar nichts zu sagen gibt. Auch ist es in Zeiten dröhnender Propaganda keine Option, der ständigen Wiederholung von Lügen nichts entgegen zu setzen.

Dabei möchte ich einerseits gern die Contenance bewahren, andererseits kommt mir derart die Galle hoch, dass ich nicht den Eindruck erwecken möchte, das alles ließe mich kalt. Daher wähle ich den Begriff "angepisst" für meine Befindlichkeit, schon angesichts der dreisten Lüge, Julian Assange habe Trump gelobt und gesagt, Wikileaks würde keine Leaks aus Russland veröffentlichen, weil dort die Debatte so offen und umkämpft sei.

Tatsächlich hatte er gesagt, Trump habe im Gegensatz zu Clinton noch kein Netzwerk in den politischen Strukturen und von daher könne es eine Veränderung geben - "zum Besseren oder zum Schlechteren". Zu Russland sagte er, Wikileaks sein eine englischsprachige Plattform und müsse sich daher auf verbliebene offene Medien in Russland verlassen - weil das Wikileaks-Team Russisch schlicht nicht versteht.

Offene Lügen

Das Schlimme daran ist, dass Ben Jacobs im Guardian nicht nur gelogen hat und dass dutzende Medien dennoch von ihm abgeschrieben haben, sondern dass das Interview für jedermann nachlesbar ist. Noch Wochen später wurde dieser Stuss aber auch von deutschen Medien wiederholt. Ebenso verhält es sich mit dem Nachplappern von Unsinn, der von bezahlten Lügnern aus den Geheimdiensten kolportiert wird, insbesondere im Hinblick auf Russland.

Auch hier wieder Gegenteiltag. Es ist durch den Stratfor-Chef George Friedman bekannt (und auch schlicht plausibel), dass die USA mit all ihrer Macht eine enge Kooperation von Deutschland und Russland verhindern müssen. Wenn aber aus den NATO-Seilschaften behauptet wird, Russland versuche mit geradezu magischer Macht einen Keil zwischen die USA und Deutschland zu treiben, dann wird das hier wieder und wieder durchgeorgelt.

Sprechende Eselsmützen

Die konservative NZZ hat einen genaueren Blick auf die letzten Gerüchte aus diesem Sumpf geworfen und etwas Hintergründiges dazu geliefert. Die Beteiligten an der Produktion falscher seriöser® Nachrichten verfolgen Interessen. An Wahrheit sind sie nur so weit interessiert, wie sie ihnen nützt. Für die Strategie bleibt es zwar sinnvoll, die ausgesuchten 'Informationen' abzusichern, um nicht nur als Clown dazustehen, aber die Kette von zweifelhaften Quellen bis in die Lautsprecher der Massenmedien lässt kaum mehr etwas anderes durch als die Propaganda einer völlig verkrusteten 'transatlantischen' Gemeinschaft.

Sogar Mathias Bröckers muss dazu nicht mehr seine gern haarsträubenden Mixturen aus Fakten und Halluzinationen ausrollen; er lässt vielmehr Humor erkennen in einem zutreffenden Kommentar zu diesem Spiel, das eine amüsante Seifenoper wäre, ginge es nicht um Menschenleben und womöglich das Schicksal der Menschheit. Vielleicht müssen wir die Konsequenz ziehen aus der Unmöglichkeit, über solche 'Politik' noch vernünftig zu debattieren und die Protagonisten als die Witzfiguren behandeln, die sie sind. Dann wählen wir den besten Clown und lachen uns tot.

 

Ein Amoklauf ist ein Terroranschlag, bei dem der Täter seinen Ausweis nicht dabei hat.

 
xx

Wie ich neulich bereits schrieb, muss ein Idiot sein, wer Geheimdiensten glaubt. Inzwischen maßen sich diese Nützlichen Idioten, deren Ausbildung auf einem Konglomerat von McCarthy - Faschisten und Gestapo fußt, selbst an, aktiv in die Politik einzugreifen. In den USA nehmen sie Bewertungen von Ereignissen vor, ohne dafür jegliche Belege zu liefern, und politische Profiteure spritzen dieses Gift über ihre Medien aus. Wer sich mit Netzwerken und Hacken auch nur rudimentär auskennt, weiß, dass man Hacker nur leibhaftig bei der Tat erwischen kann oder keine verwertbaren Spuren mehr findet.

Okay, man kann von einem Heimanschluss Passwörter der CIA ausprobieren, dass könnte man dann nachweisen, aber das dürfte nicht die Technik der genialen russischen Hacker sein, die im Auftrag Putins die Welt beherrschen. Entsprechend gibt es auch nicht mehr als Gerüchte über deren angebliche Tätigkeiten. Auf Basis dieser Gerüchte und einer Verblödung, die jedem mit ein wenig Fachkenntnis den Puls hochtreibt, wird aber inzwischen Weltpolitik gemacht. Zitat:

Dem Iwan in den Arsch

"Auf die Beteiligung der russischen Regierung an der Attacke im Dezember wiesen mehrere Indizien hin, sagte er [Maaßen]."
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Es gibt "mehrere Indizien". In jeder Anwaltsserie weiß die neue Sekretärin, dass man mit so einem Scheißdreck nicht vor Gericht aufläuft, aber für Kriegsvorbereitungen gegen Overkill-Russland muss uns das reichen. Nächstes Zitat:
"Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen möchte aktiv gegen Hacker vorgehen können – derzeit läge der Fokus lediglich auf Abwehrmaßnahmen. Der Verfassungsschutz sollte etwa Angriffs-Infrastrukturen "ausschalten" können."

Ich habe hier ein halbes Dutzend Anlagen einer Angriffs-Infrastruktur, aka "Computer". Ich kann verschlüsseln, anonym surfen und Programme bedienen. Ich bin eine ungeheure Gefahr für freie demokratischen Wahlen® im freien Westen® und muss sofort ausgeschaltet werden. Ihr übrigens auch, Nacht zusammen! Doch doch, ihr benutzt da einen Browser und einen Rechner, das ist diese Terrorinfrastruktur, von der die Rede ist. Die muss man 24/7 unter Kontrolle haben, weltweit!

Es verhält sich also so, dass Maaßen und andere Suizidgefährdete aus dem Gedärm der NATO-Dienste gern das tun wollen, was Putinputinputin nur unterstellt wird. Sie wollen staatliche Einrichtungen, die nach Gusto fremde Netze attackieren dürfen. Das gilt dabei nur für die niedrigste Schwelle eines "Gegenschlages". Die USA sind da schon weiter, und wenn es so eskaliert wie die hormonverseuchten Hirne der politischen Pitbulls es gern hätten, werden vielleicht Bits mit Haubitzen vergolten. Wer an allem schuld ist, steht ja längst wieder fest und NATO-Panzer stehen bereits an deren Grenze.

 
bn

Angesichts der wuchernden Barbarei, die ein Kapitalismus, der einmal mehr und diesmal absolut global zum letzten Gefecht bläst, entfacht, drängt sich die Frage auf, was man dem entgegen hält oder was danach kommen soll. Damit meine ich einmal nicht die praktische Gestaltung einer Gesellschaft, ihre politische und ökonomische Verfassung, sondern das, was einmal Zivilisation sein wollte.

Der Begriff trägt seinen Ursprung als Bürgerliches im Namen. Ich stoße hier wieder an die Schnittstelle, die Marxisten als "Überbau" bezeichnen und die doch mehr ist, zumindest nämlich die geschichtliche Voraussetzung für Marxens Schriften und jede fortschrittliche Entwicklung. Man kann über die bürgerliche Ideologie und ihre Philosophen sagen, was man will, aber die Kultur der Menschenrechte ist ihnen ebenso wenig streitig zu machen wie jene Aufklärung, auf der die Philosophien des 19. und 20. Jahrhunderts fußen. Ebenso ist keine sozialistische Revolution denkbar ohne ihre bürgerlichen Vorläufer, vor allem intellektuell.

Ein linker Montesquieu?

Wenn Marx Hegel "vom Kopf auf die Füße gestellt" hat, dann erweist er dem die Ehre, das meiste richtig erkannt zu haben. Okay, der Irrtum, Moral könne vor dem Fressen kommen, musste ebenso korrigiert werden wie der, man könne den Alltag der Menschen, sprich: die Produktionsbedingungen erst mal außen vor lassen bei hochgeistigen Entwürfen des Menschlichen Wesens und seiner Gesellschaft. Es scheint mir aber ein fataler Fehler gemacht worden zu sein, dass nämlich gelebte Ideen, meinetwegen Ideologie, bloß Nebenprodukt seien. Zivilisation stellt sich nicht einfach so ein. Sie muss gelebt und mit Sinn gefüllt werden.

In den Grundlagen des Bürgerlichen Rechts finde ich die Säulen dieser Zivilisation: Gleichheit, Unschuldsvermutung, Gewaltenteilung, Befristung von Macht - um einige zu nennen. Die besseren linken Entwürfe fußen darauf und nehmen diese Errungenschaften einfach für selbstverständlich. Linke Kritik an den Fehlern im bürgerlichen System fordern richtiger Weise Korrekturen: Was nützt eine Gleichheit auf dem Papier, die von der ökonomischen Wirklichkeit ad absurdum geführt wird? Wo aber sind die Quellen, die Referenzen der Linken für einen allgemeinen Umgang miteinander, der gegen Barbarei schützt?

Wie weit queerfeministischer Antirassismus von diesem Problem entfernt ist, muss ich hier nicht darlegen. Es fehlt aber eine ganze linke, meinetwegen sozialistische oder kommunistische Kultur des Gesellschaftsvertrags. Was da ist, ist von den bürgerlichen Vorläufern übrig geblieben bzw. übernommen worden. Wir stehen aber in einer Situation, in der die Basis bürgerlichen Rechts, die Menschenrechte; (Meinungs)-Freiheit, Recht auf Leben, Unversehrtheit des Körpers, kurz: das Minimum an Anstand und Recht wieder einmal vor die Hunde gehen. Was haben wir dagegen? Gibt es einen linken Montesquieu - oder wenigstens einen Bezug auf die Grundlagen menschlichen Umgangs in einer verfassten Gesellschaft? Ohne werden wir nämlich nicht auskommen.

« Vorherige SeiteNächste Seite »