Mit Fußballtrainern und Journalisten ist das so eine Sache: Egal welchen Stil sie pflegen, was sie damit erreichen und ob sie wiederholt unter Beweis stellen, dass sie eigentlich nichts taugen, sie tauchen bald im nächsten Club auf und machen weiter. Sie werden stets gut bezahlt, wenn sie einmal in eine gewisse Gehaltsklasse aufgestiegen sind, und die meisten von ihnen haben noch nie belegt, dass es ohne sie nicht vielleicht besser ginge. Vor allem sind sie austauschbar.

Im Journalismus war es einmal so, dass es gewisse Linien gab, hie “Stern” und “Spiegel”, dort “Bild” und “FAZ”, wenn es um die Einordnung im Parteienspektrum ging; hie “Bild” und “Stern”, dort “FAZ” und “Spiegel”, wenn es um Niveau ging. Da konnte auch nicht jeder einfach überall – man stelle sich vor, Augstein Senior und Axel Springer hätten zum Spaß die Plätze getauscht! Die Republik hätte für Jahre die Orientierung verloren.

Jeder kann alles

Inzwischen geht das durch die Drehtür: Matussek zur “Welt”, Blumencron zur FAZ, Malzahn zur “Welt” (alle vom “Spiegel”), Blome von Springer zum “Spiegel”, Steingart vom “Spiegel” zum Handelsblatt, Kleber sollte zum Spiegel, blieb aber für eine knappe halbe Million im Jahr beim ZDF. Mascolo sollte vom “Spiegel” zu Springers, ging aber dann zu einem “Rechercheverbund” von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung, Mohr (vom “Pflasterstrand Cohn-Bendits über die TAZ) ging vom “Spiegel” zur FAZ. Das sind nur ein paar Beispiele, die mir bekannt sind.

Die schreibenden Adabeis tummeln sich überdies in NATO-Clubs wie der Atlantik-Brücke, dort zum Beispiel Kai Diekman, Tina Hassel, Claus Kleber, Ingo Zamperoni, Stefan Kornelius und ein ganzer Haufen von USA-Korrespondent/innen und für Außenpolitik zuständige Journalisten. Die Mischung macht’s: Der eine war sowohl Geschäftsführer der INSM als auch ‘Fachjournalist’, der nächste “moderiert” bei der Atlantikbrücke, noch ein anderer – Kai Diekmann – ist vom “Young Leader” zum Vorstandsmitglied der Brücke avanciert und ist Chef der Bildzeitung.

Die Herren und Damen kommen bei artgerechter Pflege auf sechsstellige Gehaltssummen plus Nebeneinkünfte, die Upperclass der Mittelschicht und somit das Nützlichste, was sich ein echter Herr vorstellen kann – so lange sie die richtigen ‘Meinungen’ produzieren. Was sie nicht produzieren, ist Hintergrund, Zusammenhang, offene Debatte. Was sie scheuen, ist Kritik, weshalb sie einander auch seltenst attackieren, es sei denn, einer wäre zum Abschuss freigegeben. Ich bedaure das seit Jahren und kann es nicht verstehen, dass der Stuss, den viele da ablassen, nicht von der Konkurrenz abgewatscht wird.

Man kennt sich

Nun, es gibt eben fast keine. Jeder muss Angst haben, dass es künftige Kollegen sind, die man angreift, und da verschanzt man sich lieber im selben Graben und zieht sich eine papierne Decke übern Kopf. Darunter steckt immer ein feiger Hanswurst, meist sind’s mehrere. Wer es anders hält, riskiert viel, vor allem den Vorwurf, ein Nestbeschmutzer zu sein, einer der ausschert, einer der seine Meinung über den großen Konsens der Gatekeeper stellt und womöglich glaubt, der Leser sollte mehr wissen.

Solche Nestbeschmutzer, wenn ich sie erwische, will ich hier outen, heute ist Stephan Hebel reif, der ohnehin regelmäßig durch kaum abgeschliffene Meinung auffällt. Den Mann wird niemand auf einem Panzer durch die Wüste fahren, und vermutlich werden auch die Schnittchen verdammt schnell knapp, wenn er sich dem Buffet nähert. Gute Türsteher lassen so etwas gar nicht erst hinein. Reinhard Mohr schreibt gegorenen Meinungsmüll. Hebel kippt ihm den vor die Füße. Weil er’s kann.

Ich kann diesen Mist nicht mehr hören. Korrupte zynische Pfeifen, denen die Überwachung nie weit genug geht, Versager, die nicht in der Lage sind, Verbrechen zu bekämpfen, wo sie stattfinden, Eiferer im wohlfeil verpackten Tugendwahn, Strippenzieher, die es noch leichter haben wollen, Erpressungsmaterial zu finden, Großstrategen, die von aktuellen Problemen mit Gewalt ablenken müssen und Bilderstürmer, die ein Verbrechen nicht von dessen Abbildung unterscheiden können – sie alle bilden eine Rotte von vorgeblichen Kinderschützern, die stets etwas anderes im Schilde führen und sich einen Dung um die Opfer scheren.

Beleg? Nehmt einmal das hier, das zieht einem die Schuhe aus. Jugendliche Opfer von sexueller Gewalt dürfen sich zwecks Kostendeckung einer psychologischen Behandlung an die Täter wenden. Wenn sie Glück haben, bleibt ihnen das erspart, und es wird ihnen das Almosen in Form eines Therapieplatzes zuteil – aus Spenden finanziert, weil die Kassen dafür nicht zahlen. Ganz Gallien? Nein. Die Barmer hat sich jetzt erbarmt und übernimmt die Kosten. An einer Klinik in NRW. Wenn man gegenrechnet, was so ein Missbrauchsopfer einbringt als Thema und Manöver, und zwar bei null Kosten, wird einem klar, wieso diese Hanswurste so scharf sind auf Bilder von nackten Kindern und so völlig desinteressiert an den Opfern von sexueller Gewalt.

Die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz wäre Autonomie, wenn ich den Kantischen Ausdruck verwenden darf; die Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen.

So oft wir hier betont haben, es sei nicht Ziel oder Mittel einer emanzipatorischen Gesellschaft, so wenig kann ich verhehlen, dass ich in diesem Bezug sehr zwiegespalten bin: Adorno, von dem das Zitat stammt, hat als Konsequenz aus dem Holocaust eine “Erziehung zur Mündigkeit” gefordert. Diese ist ausgeblieben, und der ernsthafteste Versuch, dergleichen zu veranstalten, ist in Form eines unreflektierten Laissez-faire-Versuchs der ’68er’ kläglich gescheitert.

Man muss sich dem Phänomen “Erziehung” aus unterschiedlichen Winkeln nähern. Es gibt da die der Kinder von Seiten der Eltern und Pädagogen, und es gibt eine allgemeine Einflussnahme von Menschen und Einrichtungen aufeinander, die teils sehr bewusst und manipulativ abläuft, teils in die denkbar reaktionärste Schiene gerät: Der Herdentrieb, Gruppenzwang als prägender Einfluss des Bestehenden auf die Einzelnen. Dem ist nur entgegen zu treten durch die bewusste Förderung von Selbständigkeit, dies wiederum nicht anders zu leisten als durch Erziehung.

Schön in der Reihe

Ich muss immer an diese unerfüllte Forderung Adornos denken, wenn ich mit hirntauben Bürokraten, diesen Eichmännern zu tun habe oder mich mit der Geschichte dieses Vaters der ‘Banalität des Bösen’ selbst befasse. Als ich jung und naiv war, habe ich mich jedesmal empört und mich gefragt wie es sein könne, dass nach Auschwitz immer noch die Vorschriften mehr gelten als jede Menschlichkeit und “Pflicht” noch immer blind erfüllt wird, wenn sie ersichtlich Not erzeugt.

Mit der Zeit gewöhnt man sich an diese taube Stelle, dennoch hat das Leben mich noch einmal entsetzt, als ehemalige Arbeiter und Sozialisten Hartz auf die Menschheit losließen. So weit sind wir längst schon wieder, und auf anderen Gebieten sieht es nicht besser aus mit Autonomie und Nicht-Mitmachen. Heute hetzt die Meute wieder gegen Russland, und was einmal eine Hoffnung kritischen Bewusstseins war, ist längst Speerspitze der Propaganda.

Die Strammsteher erzählen derweil ihre eigene Geschichte des Widerstands; es soll demnach nur gelten, was in der Reihe marschiert und national dünkt, nicht etwa persönliches Gewissen und Verweigerung, die Urkompetenzen der Autonomie. Die Demokraten haben kläglich versagt. Nach dem Laissez-faire Experiment kam der autoritäre Rollback. Schule und schon Kindergarten erziehen zur seelenlosen Pflichterfüllung, Industrie und Medienindustrie zu Konsum und Marktreligion, bigottem Leistungsfetisch und unreflektierter Folgsamkeit.

Nein!

Nein, Emanzipation scheitert nicht an der Erziehung der Menschen, sie scheitert daran, dass sie nicht stattfindet oder den Autoritären überlassen wird. So werden die Menschen eben nicht belehrt. Nicht über die Geschichte, nicht einmal die jüngste, und was aus ihr folgt. Nicht über Demokratie und was die mit selbstbewussten Bürgern zu tun hat. Nicht über das elementare Recht nein zu sagen und das gute Gefühl, davon Gebrauch zu machen. Stattdessen haben wir ein System über uns aufziehen lassen, das die Schikane gegen entwürdigte Befehlsempfänger “Eigenverantwortung” nennt. Darauf werden die Massen konditioniert und darauf, den Nachbarn nicht mehr als Mitmenschen zu erkennen.

Das müssen wir anders machen, ganz anders, und es ist keine Option sich darauf zu verlassen, allein andere Arbeitsbedingungen sorgten schon für freie Menschen. Nein, “nein” sagen muss jede können und jeder lernen, sonst rollt die nächste Welle von Jasagern mit einem zackigen “Jawoll” über uns. Einer, der der die Befehle dazu formuliert, hat sich noch immer gefunden.

 
rail

Was gern übersehen wird in Planspielchen um Wirtschaft und Politik, sind Kriterien, die der jeweiligen Lieblingstheorie nicht in den Kram passen. Wenn Reformer der Marktwirtschaft etwa sich ihren Phantasien hingeben, wie sie das Schwarze Loch an die Kette legen wollen, übersehen sie ja nicht nur gewisse Probleme, die mit dem Kapital zusammenhängen, sondern auch die Risiken und Nebenwirkungen dessen, was sie selbst befürworten, womit wir beim Thema sind: Wirkung, auch bekannt als “Effizienz”,

Effizienz ist nicht bloß ein Aspekt des Wirtschaftens, der es ermöglicht, mit wenig viel zu erreichen, viel Gewinn oder viel Produkt mit wenig Einsatz an Kapital und Rohstoff. Effizienz ist ebenso ein Selbstläufer und obendrein eine Denkweise. Man kann Effizienz nicht begrenzen. Wenn es möglich ist, noch mehr aus noch weniger heraus zu quetschen, zum Beispiel noch mehr Produkte aus noch weniger Arbeitskraft, wie soll man das dann beschränken? Per Gesetz? Womöglich für jede Branche und jedes Produkt einzeln? Wenn man das aber nicht kann, ergibt sich daraus unmittelbar eine ganze Reihe von Problemen.

Das beginnt mit der Unmöglichkeit, im ausreichenden Maße Arbeit vorzuhalten, von deren Lohn alle leben können. Wir beobachten das gerade. Wenn man sich dann noch anschaut, welch ein Gewese um so etwas wie einen “Mindestlohn” gemacht wird, kann man erahnen, wieviel Erfolg Reformen dieser Art zeitigen. Es geht weiter mit der Konkurrenz um effiziente Produktion, die nur mehr in großen Stil überlebensfähig ist, was zu Monopolbildung führt. Auch das sehen wir seit Jahren. Weiterhin bewirkt dieser Sog Strategien, die keine Rücksicht mehr zulassen auf irgend etwas, das ineffizient ist, also zum Beispiel Nachhaltigkeit, sozialen Ausgleich, Gesundheitssysteme, Zufriedenheit, Entspannung oder jedwede menschliche Werte.

Wirkung versus Wahrheit

Effizienz steht auf Kriegsfuß mit allem, was einmal gesellschaftliche Werte waren. Wahrhaftigkeit zum Beispiel: Wie soll Werbung oder PR funktionieren, wenn man nicht lügen darf? Rechtssicherheit zum Beispiel: Wie soll Rechtsstaatlichkeit aufrecht erhalten werden, wenn die Ansprüche von Millionen Einzelnen weniger gelten als die Interessen von Weltkonzernen? Wie aber sollen diese wirtschaften, wenn die Interessen von Millionen dem entgegenstehen? Auch hier sehen wir, wie die Rechtssysteme mehr und mehr durch die Verabredungen geheimer Machtzirkel (ACTA, TTIP, Geheimdienstkooperationen etc.) ausgehöhlt werden.

Schließlich Politik selbst, zumal als parlamentarische Demokratie: Das Konzept, zunächst Ideen vorzustellen, sie dann in öffentlicher Debatte abzuwägen, um danach Entscheidungen zu treffen, mit denen man sich vor den Wählern verantwortet – wie soll ein solches Modell funktionieren, wenn alle Beteiligten auf Effizienz gepolt sind? Wenn es eben darum geht, völlig unabhängig von Ideen gewählt zu werden, um dann etwas durchzusetzen, was andere mit ihren effizienten Mitteln bei den Entscheidern wiederum durchgesetzt haben? Wenn das Gros möglicher Ideen schon dadurch verbrannt ist, dass sie zu ineffizient sind, weil sie gegen mächtige Interessen oder wirkungsmächtige Massenmedien nicht durchsetzbar sind?

Wer soll in diesem Dschungel Ketten, Leinen oder Begrenzungspfähle anbringen, die irgendetwas verändern, irgendwen aufhalten? Schließlich: Sind das alles nur “Auswüchse”, wie uns die Reformer immer noch weismachen wollen oder ist das der schnöde Systemzwang, die schlichte Logik jeder ‘Marktwirtschaft’? Also, werter Jens Berger, ich retourniere: Wo bleibt überhaupt ein Entwurf, der zum Beispiel erklärt, wie man Marktwirtschaft jenseits solcher Effizienz gestalten kann – wenigstens theoretisch?

p.s.: Wer jetzt in diesen Ausführungen doch wieder das Theorem vom tendenziellen Fall der Profitrate erkennt, ist vermutlich Marxist. Vielleicht kann man das aber auch einmal so versuchen.

 
psayco

Ich habe da einen Artikel im Vorlauf. Poliddisch! Mit Theorie drin! Hab’ ich aber keinen Bock drauf. Ich meine: Heute erzählte mir einer was von einer Show, in der Loddamathäus ihn einmal fremdschämen gemacht hat. Dachte ich nur: Wer braucht dazu Loddamathäus? Das kannst du heute beim seriösesten Qualitätsjohurnalismus haben [danke, fefe!] , sogar einschließlich Weltkriegsspannungsbogen. Wollte ich aber auch eigentlich nichts drüber schreiben, ist nämlich zu poliddisch.

Ich könnte mich aber auch aufregen, Mann! Habe ich neulich im Auto von Hirnlosradio umgeschaltet wegen furchtbarer Schlager und bin bei psychocandy eating Brainfuck gelandet. WDR5, was sich für eine Art Info- und Kultursender hält, hatte zum Hörergelaber geladen. Hörer war schon so weit in Ordnung, aber das Moderatoren Halb-und Halbhirn, dieses Cerebralgehackte, assistierte dem Laberhörer, der gerade Anti-Putin-Propaganda artig recycelte, selbiger stehe ja schon “immer da wie fürs Wachsfigurenkabinett“. So etwas vibriert heute durch den Mundgeruch des politischen Journalisten. Wer sich siehe oben Videos anschaut, erlebt Ähnliches. Kleber hatten wir schon. Was soll das?

Ganz unpolitisch bemerkt …

Anbei hörte ich aus nämlichem Sender, den ich hiermit verdächtige, einer außerirdischen Rektalsonde implantiert worden zu sein: “62 Prozent sind mit Merkel sehr zufrieden” und “Achtzig Prozent stufen ihre wirtschaftliche Situation als gut ein“. Prozent von was? Den Gästen einer Schaumparty im Palais Koksburg? Der Redaktion ixypsilon (hier beliebiges Schmierfinkenkanonenblatt oder Wochenschausender eintragen)? Den Mitgliedern vom Verein Brückenkopf Atlantis Achtzehn?

So verblödet ist nicht einmal der spermanent und tändig parolenbukkakisierte Volksgenosse, der sich vom Frühstückskorn bis zum komatösen Absacker Tagesschau 24 intravenös reinpfeift. Solche Zustimmung hat Rauten-Chucky nicht einmal bei den pickligen Haubentauchern der Jungen Union, und derart realitätssterilen Spackoptimismus findet ihr nicht einmal in der Verbandskaste teutscher Großaktionäre, die können nämlich Original und Fälschung unterscheiden. Jeder entwicklungsgestörte Zweitklässler erkennt mühelos: Das. Ist. Schwachsinn.

Argh. Ich meine das jetzt echt nicht politisch. Es soll auch nicht kritisch daherkommen, ich maße mir gar nicht an, das zu durchleuchten oder durch aufwendig recherchiertes Faktenmaterial zu widerlegen. Nein, wozu auch? Muss ich beweisen, dass verdammtes Wasser beschissen nass ist? Muss ich widerlegen, dass ein verficktes Flugzeug, das in zehn Kilometern Höhe platzt, nicht wie ein Stein hinunterfällt und an denselben Koordinaten zu finden ist? Muss ich Ingenieur sein oder wenigstens Germanist um zu erkennen, dass ein Gebiet von zig Quadratkilometern, wo Trümmer verteilt sind, keine “Absturzstelle” ist? Kurzum: Wie soll ich diesen Hirnfick ertragen in einem Land, in dem das Zeug, das ich brauche, um das alles noch zu ertragen, unter Prohibition steht?!

p.s.: Dabei hatte ich das hier noch gar nicht gesehen. Widerlich.

 
milipfaf

Was soll man sagen über das, was sich in den Massenmedien abspielt, die Beschuldigungen “Putins”, den von Russland und den Nachbarländern zu unterscheiden die Journaille schon völlig überfordert? Ihr wisst schon: Das größte Land der Erde, Riesenvölker, alte Kulturen mit vielen Facetten, vom Erzstaatssozialismus zum Brutalkapitalspielplatz mutiert – das alles ist eine einzige Person für den Lohnschreiber, und die ist vor allem eines: schuld! Zwei beliebige Beispiele hier bei fefe verlinkt.

Hier noch ein schöner Kontrast aus derselben Kiste, und ich möchte den Kommentar von Max dazu auch zitieren:
“der Westen” ist sich einig. Von der moralischen Schuld am ganzen verdammten Ukraine-Krieg fangen wir lieber nicht an, lieber “Westen”, ne? Oder von der moralischen Schuld am Gaza-Gemetzel, an der Syrien-Abschlachterei, an… aaach geh mir weg, du Westen

Wertegemeinschaft

Es ist wichtig, dass wir das einmal festhalten, was dieser sogenannte “Westen” ist: Es ist die NATO einschließlich der mit ihr kooperierenden Staaten. Das kann und muss man heute so eindeutig sagen, genau wie man damit feststellt, dass es ein militärisch-kapitalistischer Komplex ist, der gemeinsame Interessen (unter Vorbehalt einer gewissen Hierarchie) durchzusetzen versucht.

Das sollen wir natürlich anders wahrnehmen, und dahinter steckt die alte Erzählung von Freiheit und Demokratie, die man selbst dann nicht wiedererkennt, wenn man an sie glaubt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich diese Erzählung eingebrannt, und es war ja tatsächlich ein Mehr an Freiheit, Rechtssicherheit, Zivilisation erkennbar. Nicht nur in Deutschland, wo selbst der Muff der Adenauerzeit wie ein frischer Wind erschien gegenüber dem Gas der Faschisten, wo Nazirichter immerhin niemanden mehr zum Tode verurteilt haben.

So lange es dann wirtschaftlich gut lief, leistete man sich auch echte Menschenrechte, Bürgerrechte, es entwickelte sich sogar eine pluralistische Medienlandschaft. Die Parole “nie wieder Krieg” war stärker als die Schlächter von Vietnam, Volk beteiligte sich an Politik. Es ging beinahe demokratisch zu – und friedlicher. So friedlich, dass sogar der Kalte Krieg sich einem Ende zuneigte. Dann brachen die Dämme.

Als die Dämme brachen

Der Eiserne Vorhang fiel, die Soldaten hätten nach Hause gehen können. Die russischen gingen auch, aber ‘der Westen’, die NATO unter Führung der aggressivsten US-Machthaber expandierte gegen jede Notwendigkeit und besetzte den militärisch und ökonomisch vakanten Raum. Der Weltkapitalismus fand sich schon bald in jener Endphase, in der jede Regel aufgehoben oder gebrochen wird, die dem Profit im Wege ist.

Ich mache es kurz: ‘Der Westen’ hat seine angeblichen Werte in die Tonne gehauen, und je weniger noch irgendwer angesichts von Folter, Krieg, Drohnenmord und Verarmung an solche Werte glaubt, desto lauter wird sie beschworen, die Gemeinschaft ohne. Es klingt wieder wie 1914, weit und breit keine Kritik, die nicht ‘Extremismus’ genannt würde. Dafür durchsichtige Lügen unter Pauken und Fanfaren.

Dabei fällt denen, die die Musik bestellt haben, nicht einmal auf, dass trotzdem keine Begeisterung aufkommen mag. Niemand glaubt an irgend etwas, der Dritte Weltkrieg ist postmodern abgebrüht, wie maschinell organisiert. Was da von den Kriegshetzern “Verantwortung” genannt wird, ist genau das Gegenteil: Niemand ist verantwortlich, außer dem Abziehbild des Feindes in der Propaganda. Der ist halt alles schuld, egal was er tut.

p.s.: Wenn die Scharfmacher jetzt ausgerechnet fordern, der korrupte Autokrat dürfe kein Turnier der FIFA veranstalten, dringt die unfreiwillige Komik in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

 
Wir haben nichts gegen Arbeitslose, aber wenn sie so faul sind …
Wir haben nichts gegen Ausländer, aber wenn sie unser Geld wollen …
Wir haben nichts gegen Moslems, aber wenn sie uns bedrohen …
Wir haben nichts gegen Schwule, aber wenn sie sich nicht zu Ehe und Familie bekennen …
Wir haben nichts gegen Menschenrechte, aber wenn die anderen sich auch nicht daran halten …

Wir haben nichts gegen Frieden, aber wir müssen uns der Verantwortung stellen …
Wir haben nichts gegen Freiheit, aber wer nicht freiwillig arbeitet …
Wir haben nichts gegen Parlamente, aber wenn die Regierung handlungsfähig sein soll …
Wir haben nichts gegen Demokratie, aber wenn der globale Wettbewerb uns zwingt …
Wir haben nichts gegen die Verfassung, aber besondere Zeiten …

Wir haben nichts gegen andere Ideen, aber wenn sie zu Extremismus führen …
Wir haben nichts gegen Linke, aber es gibt Zeiten, da muss man sich entscheiden …
Wir haben nichts gegen Sozialdemokraten, aber wenn wir sie nicht mehr brauchen …
Wir haben nichts gegen Arbeiter, aber wenn sie sich zusammenrotten …
Wir haben nichts gegen Rechte, aber wenn sie missbraucht werden …

Wir haben etwas für jeden.
Wir haben die Mittel.
Wir haben den Willen.
Wir haben die Gelegenheit.

Was habt ihr?

2014

 
Wenn ein linksliberaler VWLer zur Kritik anhebt, geht es gemütlich zu: Man weiß schon vorher, was kommt. Am liebsten ist es einigen ohne Widerspruch, weshalb es klug erscheint, einem Toten nachzurufen, was der so alles falsch gedacht habe. So überspringt Jens Berger gleich ein Referat von Götz Eisenberg und erklärt uns die Welt, die sich auftut, “wenn man Robert Kurz liest“. Aus der Reihe ‘Si tacuisses oder: Wenn man keine Ahnung hat …’.

Wenn ich Robert Kurz lese, kommt etwas ganz anderes dabei herum. Ich stelle fest, dass Berger die Betrachtung der vorkapitalistischen Phase durch Robert Kurz nicht versteht. Dass diese überhaupt ausgiebig zur Sprache kommt, liegt daran, dass der Historiker halt ein ‘Außerhalb’ braucht und daher in die Vergangenheit zurück geht, vor allem, wenn es kein ‘Danach’ gibt. Es geht nicht darum. etwas zu romantisieren, sondern einen Kontrast zu setzen, zu zeigen, was anders ist, jenseits bestimmter sozialer und ökonomischer Beziehungen.

Vor allem aber stünde es dem Kritiker an zu belegen, dass er wenigstens irgendetwas verstanden hat, wenigstens den Kern der Sache, das, was er nicht denken mag. Ich möchte wissen, warum er es nicht mag, sonst komme ich zu dem Schluss, dass er es nicht kann. Es geht um den Begriff “Kapital” und das, was dahinter steht, ein Komplex, zu dem ich von Jens Berger noch exakt nichts gehört habe außer kruden Übersetzungen und windschiefen Transformationen in so etwas wie “Vermögen”, “Gewinn” oder ähnliches, das eben in die Glaubensrichtung ‘Marktwirtschaft” passt.

Eine wunderbare Gelegenheit, nicht etwas zu ‘kritisieren’, was keiner sagte oder dachte, wäre eine Antwort auf den Text des Lebenden gewesen, eine Stellungnahme zum dann lieber wieder ignorierten Grundproblem, das prägnant formuliert wird:

Die Ware steht in der Mitte zwischen zwei Erscheinungsformen der gleichen abstrakten Form ‘Geld’.

Ist das wirklich kein Problem, über das Ökonomen sich Gedanken machen, zumal wenn sie mit dem Impetus überlegenen Wissens zu Werke gehen?

Stattdessen eine Unterbietung noch des fehlverstandenen Komplexes der vorkapitalistischen Gesellschaftsformen, die ernsthaft in die Klippschulkategorie “Nachfrage (vs. Angebot)“ gepresst wird. Selbstverständlich auch hier wieder kein Blick auf die veränderten Möglichkeiten und Notwendigkeiten in einer Zeit, da die technische Produktivität die Welt unumkehrbar verändert hat. Wer will da zurück zu irgend etwas? Marxisten? Sagen ausgerechnet die Fachexperten für angeleinte Marktwirtschaft, die uns die 1970er Jahre einfrieren wollen?

Zwei Zitate zum Schluss:

Die meisten seiner Kritikpunkte haben erstaunlicherweise gar nichts mit dem Kapitalismus als solchem, sondern mit den Auswüchsen des Kapitalismus zu tun.” – sagt einer, der Kapital versteht als den “Wunsch []… über Investitionen Rendite zu erzielen“. Ein Wunsch! Na klar, wir leben mitten im Wünschdirwas. Man vergleiche diesen Stuss mit dem zitierten Satz von Eisenberg.

Folgerichtig lebt er den zur Ökonomie verwursteten Fetischismus aus:
Erst durch die ökonomische Logik – wie Kurz es pejorativ formuliert – konnte eine derart hoch arbeitsteilige Warenwirtschaft entstehen, in der auch Güter wie Breitbandantibiotika, Personal Computer und Mikrowellenherde entwickelt und – zumindest in den Industriestaaten – auch von breiten Massen genutzt werden können. Dies ist freilich nur durch eine dauerhaft hohe Massenkaufkraft möglich. “.

Die Produktion folgt der Kaufkraft, das ist für Herrn Berger ein Naturgesetz, alles andere sind nur “Visionen”.

 
Wir alle haben Verantwortung auf dem Platz übernommen. Deutschland muss mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Das Wichtigste ist der Zusammenhalt. Wir wollen Deutschland stärken und dabei den Zusammenhalt unseres Landes festigen. Deutschland muss dominieren. Wir haben den Anspruch, dies für Freiheit in Verantwortung zu tun. Zeige der ganzen Welt, dass du besser bist! Wir müssen das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit weiter festigen. Ich will, dass wir Deutschland zu neuer Stärke führen. Du bist Deutschland.

Glück: Bundestrainer, Bundespräsident und Bundeskanzlerin

Freiheit heißt Verantwortung. Mit Schmerzen, Mühe und Glück. Aus dem Glück der Befreiung muss die Pflicht, aber auch das Glück der Verantwortung erwachsen. Ein tiefes Glücksgefühl für alle Ewigkeit. Wir haben wirklich hart dafür gearbeitet. Deutschland lag am Boden, da haben wir gesagt: Wir müssen investieren. Die neue Generation: Der Retter. Der Erlöser. Der Dominator. Der Stratege. Der Willensstarke. Die Mannschaft schlechthin.

Wo warst du, als wir gewonnen haben? Mythische Kraft, die alle üblichen Erklärungsmuster außer Kraft setzt. Die Schmerzen der Vergangenheit sind nach diesem Triumph der beste Ratgeber. Deutschland wird bei einer Gefahr für den Euro Verantwortung übernehmen. Die “kollektive Stärke” triumphiert über die Künste eines einzelnen Mannes. Die Magie entscheidet.

Was Deutschland ausgezeichnet hat: Kampf und Können

Alle Weltklasse, ja klar. Aber der wahre Vater des deutschen Triumphs ist die unangefochtene Führungsperson. Erfolg verändert das Gesicht und das Ansehen eines Menschen. Selten wurde ein Weg mit einer solchen Konsequenz beschritten wie der perfekte Mix aus Hurra und Hauruck. Roh, wild, ungeschliffen, fehlten die Erfahrung und der Glaube gegen übermächtige Gegner. Doch dominant, kraftvoll, direkt, und wenn es sein muss auch geduldig, bis aufs Blut, wurde dieser Sieg erkämpft.

Der Sport wurde politisch instrumentalisiert und entwickelte sich zum am stärksten ausgeprägten Subsystem der DDR. Er wurde als Identitätsträger des Staates, ja sogar des gesamten politischen Systems genutzt.

p.s.: Ich bin stolz und dankbar einer Nation angehören zu dürfen, die einen so glorreichen, in aller Welt Neid und Bewunderung erzwingenden Journalismus hervorgebracht hat.

 
dollar

Kenner und Verschwörungstheoretiker® wissen es schon lange: Es gibt eine Instanz der größten Supermacht, die alles beobachtet, alles über uns weiß, die Guten belohnt, die Bösen bestraft, als Herr über Leben und Tod auftritt, grausam und brutal, wenn es sein muss, aber eben auch gütig, denn sie ist ja Zentrum und Leitstelle der Guten: Jene Governmental Organisation of Defense, kurz GOD.

Christizisten wie die der CDU, der Evangelikalen und sonstiger Vorbeter zwischen Fanatismus und Heuchelei, wie sie in den USA aus allen Kanälen triefen, haben vermutlich genau deshalb kein Problem mit der Überwachung durch hunderte Dienste der nordatlantischen Geheimpolizei, weil sie eben schon immer an die höhere Macht glauben, der alles erlaubt ist, die ihre Psychen durchdringt mit Gewissensterror, Inquisition und Mord. Das ist ihre Lebensaufgabe, jene Bewältigung der Theodizee, das alles für gut und richtig zu halten, die brutalste Grausamkeit noch. Folter ist Menschenrecht und Krieg ist Frieden. Wen interessieren da NSA, CIA, GCHQ, BND und andere Unterinstanzen?

“In God We Trust” steht folgerichtig, damit wir auch nicht vergessen, welche Macht am dicken Ende dahinter steht, auf dem Fetisch der Weltleitwährung. Wir vertrauen dem Dollar und seinen wehrhaften Stellvertretern überall auf Erden. Allerdings gibt es da die eine oder andere Einschränkung. Zum Beispiel ins Taufbecken pissen, am Altar den Teufel preisen oder einen auf die Kanzel stellen, von dem jeder weiß, dass der gar nicht predigen darf. Es geht ja fast alles, aber manches geht eben gar nicht.

Die Regeln einhalten!

Daher ist es kein Wunder, dass Wolfgang Schäuble sich über “drittklassige” Spione ereifert, die von den Amis angeworben würden. Wozu haben wir einen ganzen Puff voller erstklassiger Huren, die wir bereitwillig von Steuergeldern bezahlen? Wozu leisten wir uns erstklassige blutrünstige Nazis, die wir auf Pfiff loslassen? Warum wohl kriechen unsere höchstbezahlten Staatsbeamten wie die Würmer im Staub, um sich anzudienen, um alles, aber auch alles mitzumachen und zu rechtfertigen, was der Große Bruder ihnen vorsetzt?

Das haben wir uns anders vorgestellt: Natürlich muss es Haufen gedungener Erpresser geben, die dafür sorgen, dass jeder politische ‘Entscheidungsträger’ weiß, was ihm blüht, wenn er die Loipe verlässt. Selbstverständlich müssen die Guten die Kontrolle behalten. Logisch ist damit verbunden, dass alle, die zu den Bösen gehören könnten, engmaschig überwacht werden. Also eigentlich alle. Jetzt aber stellt sich heraus, dass selbst die Guten bespitzelt werden, und zwar nicht nur von den bekannten Guten, sondern von jedem dahergelaufenen korrupten Dödel?

Es muss also jeder jederzeit damit rechnen, von jedem bespitzelt zu werden. Das ist ja wie bei der Stasi! Wer hätte denn damit rechnen können? Das muss natürlich sofort korrigiert werden. Das darf nicht mehr vorkommen. Die höchsten Würdenträger müssen sich zum Konklave treffen. Es geht um unser aller Vertrauen!

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