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Screenshot "Flatterwatch"

Die Mangelnde Lesekompetenz der Netznutzer, insbesondere derer, die Twitter für einen "Nachrichtendienst" halten, ist erschütternd. Wenn wer nur oft genug über dasselbe textet, beginnt eine kritische Masse, ihn für einen Experten zu halten, auch wenn jeder einzelne Beitrag nicht einem Mindestmaß an Qualität genügt. Dabei ist es der Attraktivität offenbar noch zuträglich, wenn der Autor immer dieselben auf dieselbe Weise diffamiert - wenn es denn die vermeintlich Bösen sind.

"Der Herr Karl" war ein berüchtigter Troll, der in linken und linksliberalen Blogs vor einigen Jahren Hausverbote sammelte oder eben seine Hetze betrieb. Ich habe ihn im September 2012 hier auf die Bannliste gesetzt, weil er nicht nur hier ständig provozierte, sondern damit begann, blogübergreifend über mich und andere zu trollen. Dies inspirierte ihn zu seinem ersten und bislang wohl konsequentesten 'Blog' namens "flatterwatch(blogspot.com)", das ausschließlich dazu diente, Gülle über mich auszukippen. Ich habe versucht, das völlig zu ignorieren; leider gelang es ihm aber, die Aufmerksamkeit anderer zu wecken.

Während er auf seinem 'Blog' also Texte und Kommentare von mir postete, sie ohne jeden Kontext bespuckte und über mein Privatleben spekulierte ("Ist er in seiner Jugend etwa missbraucht worden?"), zog er durch die Blogs, die ich verlinkt hatte und postete dort unter seinem Trollnamen Auszüge aus meinen Texten. Als das alles meine Aufmerksamkeit nicht wecken konnte, begann er damit, dasselbe mit Stammkommentatoren und Bloggern aus meiner Blogroll zu tun. Jeder, der mit mir in Verbindung stand, war ein potentielles Opfer seiner Hetze. Insbesondere die Kommentarspalte des "Spiegelfechter" nutzte er für sein Getrolle, bis er auch dort gesperrt wurde.

Vom Troll zum Experten

Beim Spiegelfechter geschah es dann auch, dass ein Leser seinen Klarnamen veröffentlichte, den er aus den EXIF-Daten eines von "Herrn Karl" geposteten Bildes entnommen hatte. Wenige Tage später hat Hüssy sein Hetzblog gelöscht, wohl in der berechtigten Furcht, jemand könnte ihn verklagen. Fortan trat er also mit seinem Klarnamen auf und wechselte die Objekte seiner Obsession. Statt offensichtlich persönlich motivierten Internetstalkings verlegte er sich auf "Watchblogs". Erste Opfer waren der Spiegelfechter und die Nachdenkseiten, über „Herr Karls Blog“ und "Journalistenhatz" ging es weiter zu krudem Geschwafel über eine vermeintliche "Querfront".

Die Strategie nahm dabei die Wendung, anstatt zum Zwecke des Stalkings meiner Person mein Umfeld zu behelligen, künftig ähnliche Verbindungen zu suchen, um eine vermeintliche Verschwörung vermeintlicher Rechts- und Linksextremisten zu konstruieren. Als 'Verbindung' reichen ihm dabei jegliche Verlinkungen, vor allem aber direkte Kommunikation. Jeder, der sich von Jebsen interviewen lässt, gehört ebenso dazu wie Personen, die mit seinen Schlüsselfiguren (Elsässer, Wecker, Dehm u.v.a.) auch nur sprechen. Eine herrliche Spielwiese für einen Denunzianten.

Es ist mir völlig schleierhaft, wie ein derart substanzloses Wer-kennt-wen eines weithin bekannten Trolls und Stalkers von irgendwem ernst genommen werden kann. Wer auch nur ein Minimum an journalistischem Werkzeug im Kasten hat, fasst so etwas nicht einmal für Satirezwecke mit der Kneifzange an. Kann man die von (Ab-)Wertungen nur so triefenden Texte eines Autors solch nicht mehr fragwürdigen Charakters, der sich noch moralische Urteile anmaßt, zitieren, ohne sich für alle Zeiten zur Wurst zu machen?