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Foto: Kathrin Möbius / Münchner Sicherheitskonferenz

Wer ist dieser Milliardär, der "den Maidan finanziert hat", wie ich es jetzt in diversen Medien zu hören bekam, ohne dass jemand darüber aufgeklärt hätte, was das bedeutet. Schlimmer noch: Es hat niemand die Frage gestellt. Der Vorwurf, "den Maidan finanziert" zu haben, also die Proteste gegen die Regierung Janukowitsch, um sich hernach zum Regierungschef wählen zu lassen, schlägt doch wohl dem Fass den Boden aus. Gleichwohl haben dieselben Medien, die das melden, kein Problem damit, das alles "demokratisch" zu nennen. Wie das? Gibt es nach dem schon selbstverständlichen Finanzierungsvorbehalt für alles Politische inzwischen ein Selbstverständnis dahingehend, dass wer zahlt, auch die Regierung stellt?

Fragen wir die "Osteuropasprecherin" der Grünen, so ist er die beste Wahl:

"So seltsam es klingen mag: Ich wäre durchaus erleichtert, wenn der Schokoladen-Oligarch Petro Poroschenko Ministerpräsident würde. Er hat meines Erachtens die Autorität und Klugheit, den Zusammenhalt des Landes zu organisieren."

Nein, das klingt keineswegs seltsam. Es ist das, was man erwarten muss von Leuten, die völlig auf Linie getrimmt sind, autoritätshörig, korrupt und eindimensional.

Mit Geduld und Gewalt

Poroschenko ist ein Typ, der mit Geduld und Gewalt nach der Macht strebt und kurz vor dem Durchbruch steht. Er hat mit der Kapitalisierung des Ostens seine Milliarden gemacht, mit jedem paktiert, der ihm politische Ämter bot, war Zentralbankrat, Abgeordneter, Außen- und Wirtschaftsminister und Vorsitzender des Sicherheits- und Verteidigungsrates in verschiedenen Regierungen. Er hat sich einen Fernsehsender gekauft, von dem er sich gern interviewen lässt. Er hat Klitschko unterstützt bei den Wahlen zum Oberbürgermeister von Kiew, jetzt unterstützt Klitschko ihn.

Interessant, was er Ende letzten Jahres im Zusammenhang mit der von Janukowitsch geplanten Zollunion mit Russland zu sagen hatte: Es ging in erster Linie um die Verhinderung der Zollunion mit Russland. Dies wiederum ist umso interessanter vor dem Hintergrund dessen, was er 2009 zu Protokoll gab. Die Abhängigkeit vom IWF war ihm offenbar lieber, vor allem sah er zwei Alternativen, von denen ihm eine offenbar nicht schmeckte: Weitere Inflation oder 'Sparprogramme' und Kredite aus dem Westen. Er war klar für Zweiteres. Das ist unser Mann! Nicht zuletzt der der US-Wirtschaft. Ausdrücklich lobt Poroschenko 2012 die Investitionen von Shell und Chevron.

Die Demokratie retten

All das muss man sich zusammen klamüsern, was sich in einer halben Stunde aus frei zugänglichen Quellen auch bewerkstelligen lässt. Mit solchen Informationen wird aber sehr schnell deutlich, dass da nicht nur wirtschaftliche Interessen im Spiel sind, sondern dass ein Potentat sich mithilfe westlicher Unterstützung und in dessen Interesse gerade auf den Thron hieven lässt. Sicher ist auch daran irgendwann Putin schuld®. Über die Unterstützung der Maidan-Bewegung durch Poroschenko erfahre ich inhaltlich im übrigen bestenfalls das, was er selbst dazu angibt (siehe SpOn-Interview), er habe "Holzpaletten, Brennholz und Trinkwasser" geliefert. Wer bohrt da einmal nach? Niemand? Schade.

Wie dem auch sei; selbst wenn man das darauf beschränkt, hat er aktiv eine Opposition unterstützt, die eine legale Regierung gestürzt und eine illegale installiert hat, tritt jetzt selbst an, von denen unterstützt, die er unterstützt hat und vom Westen, deren Interessen er vertritt, weil sie sich mit seinen überschneiden. Nicht zu vergessen, dass er seine Medienmacht und die seiner Kriegskasse in die Waagschale wirft. So sieht sie aus, beste Demokratie, die man für Geld kaufen kann.