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Quelle: Pixabay

Vor einiger Zeit schrub ich:
"Daher ist Argumentieren auch ein Sport für Leute, die nichts Besseres zu tun haben. Doch, so sehe ich das wirklich. Machen wir uns nichts vor: Du kannst noch so brillant sein, geduldig, präzise und wach; die meisten lassen ihr Weltbild null beeinflussen von Diskursen und hauen Argumente nur raus, weil das ein Ritual ist."
Das kann ich gern noch anreichern, nicht zuletzt aus aktuellen Erfahrungen.

Die Fähigkeit, einen Diskussionsbeitrag von der Person zu trennen, die ihn leistet, ist eine Seltenheit. Wer 'böse' ist, hat Unrecht, egal, was er sagt. Was jemand sagt, wird grundsätzlich als Ausdruck seiner Befindlichkeit gewertet. Kann jemand nicht kühlen Kopfes und bei ruhigem Puls sehr deutliche Worte sprechen? Ist wohl denkbar, dass jemand mit einem dicken Hals und Puls 180 dennoch völlig sachlich bleibt?

Ich sehe was, ...

Oder, noch einfacher: Auf einem belebten Platz stehen an dessen vier ecken vier Menschen und schildern gleichzeitig, was sie beobachten. Können sie alle ehrlich sein und recht haben, obwohl jeder etwas anderes erzählt? Hat das etwas mit ihrer Einstellung zu tun, mit ihrer Laune oder ihrer Biographie? Kann jemand womöglich sogar freiwillig Dinge aus einer Perspektive sehen, die er gar nicht vertritt?

Für die allermeisten Diskutanten ist das zu hoch. Das hält sie aber keineswegs davon ab, sich im Recht zu wähnen. Mehr noch: Sie wissen alles über die anderen, die folgerichtig im Unrecht sind. Für sie gilt nur ihre eigene Erfahrung, ihre eigene Perspektive. Versuche, Dinge jenseits persönlicher Erfahrungen zu betrachten, lehnen sie ab. Das ist alles korruptes Teufelszeug, von Fake News über gefälschte Statistiken bis zur korrupten Wissenschaft. Es gibt keine Wahrheit außer ihrer eigenen.

Kantest du wen raus, weil er trollt, heult er, du ließest seine Meinung nicht zu. Haust du jemanden seinen Kommentar um die Ohren, weil er blödsinnig ist, fühlt er sich persönlich beleidigt. Es steht zwar geschrieben: "Du bist nicht gemeint, nur dein Kommentar"; aber wer liest schon, wenn er stattdessen selbst was schreiben kann?

Der Scharfrichter

Vernunft war einmal der Versuch, vom Besonderen zum Allgemeinen zu kommen und umgekehrt, und zwar auf der Basis von Regeln, die für alle gleich gelten. Dazu war es unerlässlich, persönliche Befindlichkeiten außen vor zu lassen - weil diese niemals gleich sein können. Ich fürchte, diese Haltung hat sich nie durchgesetzt. Im Gegenteil glaube ich eben, dass die Meisten das gar nicht können.

Hier wird es dennoch weiterhin um die Sache gehen, und der große Diktator am Zensurknopf wird weiterhin danach urteilen, was geschrieben steht und ob es zur Sache beiträgt. Dabei ist er gleicher als die anderen, weil den Job sonst keiner machen kann, was wiederum technisch bedingt ist. Paradox wie das Leben so spielt, werde ich weiterhin versuchen, so etwas wie Vernunft in den Diskussionen zu ermöglichen - egal, wer sich dadurch beleidigt fühlt.