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Sommerloch, bodenlos. Wenn etwas passiert, wird es unterschätzt und in "Netzwelt" verschoben. Die neue Variante des NSA-Virus ist wirklich und echt krasse Scheiße. Wir werden noch mehr davon hören. Ist aber auch zu geil: Die da für unsere Sicherheit® sorgen, basteln Malware und sorgen dafür, dass alle großen Hard- und Softwarehersteller angreifbar bleiben. Doppelt lustig. Aber wichtig ist ja jetzt "Ehe für alle". Mein Toaster heiratet meine Sonnenbrille.

Unter allem komplett Irrelevanten dieser Tage ist eine Jubelarie über das JK Rowling und sein Potterding besonders widerlich. "Verdient" habe sie "Millionen", schleimt der "Stern". Nein, es sind hunderte, und die eher mit Gewalt abkassiert. Für den Erfolg verklagt sie auch gern persönlich alles, was sie auf ihrem Weg zur ersten Milliarde bedroht. Es ist doch "ihr Harry". Gern redet sie "unter Tränen". Glaube ich sofort, Die Alte lacht sich in Scheiben. Grausames Schicksal!

Ich wiederhole mich also, wusste ich doch schon vor ziemlich genau zehn Jahren:

Potter senkt die Steuern

Eine einzigartige Karriere geht zu Ende: Zehn Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes kommt in Kürze der letzte Band über den talentfreien größten Zauberer aller Zeiten heraus. Gleichzeitig kommt die Verfilmung des faschistoiden Gothicschinkens “Der Orden des Phönix” in die Kinos. Es ist also bald überstanden.

Im Film wie in den Büchern entwickelte sich Harry ähnlich wie seine Autorin: Er wurde immer spießiger, unsympathischer, verkniffener. Es fehlt ihm zusehends an Kreativität, Mut und Verstand, aber er ist eben wer, darum bleibt er auch wer. Was als kitschige Geschichte mit Liebe zum Detail entstanden war, geriet immer tiefer in den Strudel von Schacher, Depression und Darmkrankheit, so dass die Bezeichnung “Kinderbuch” schon längst nur noch Marketing ist, genau wie die ganzen überflüssigen Tässchen, Schulranzen, Bleistifte, T-Shirts, Kappen und was sich sonst noch so verhökern lässt.

Schon bei der Kinopremiere des ersten Bandes fiel den Lesern auf: Der Typ hat nichts mit dem Harry aus dem Buch zu tun. Der war nämlich eine Art Punk unter der Treppe, und geboten wurde ein Streber mit Attitüde. Daniel Radcliffe wird inzwischen zurechtgebürstet wie ein Schleimer von der Schülerunion, und man wartet nur darauf, dass er du-weißt-schon-wem mit dem Anwalt droht. Mal sehen, wie’s ausgeht. Wahrscheinlich werden auch die letzten Sympathieträger noch entlassen, und Harry besiegt nach einer Orgie blutrünstiger Qualen, die er lieber erträgt, als aufzubegehren, seinen Peiniger mit einem neuen Zauberspruch: “Steuern runter!”

Apropos: Sloterdijk ist siebzig; aber man kann ja nicht in jeder Gülle schwimmen.