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Schon wieder Fake News®? Ich wurde gescholten, weil dieses Thema hier zu dominant sei, aber ich halte das in mehrfacher Hinsicht für einen Irrtum. Erstens ist das ein Label, hinter sich dem größtenteils olle Kamellen verstecken. Zweitens geht es im Rahmen der Zensurversuche um eine Säule des sich wieder formierenden Faschismus'. Drittens geht es um die Fähigkeit, überhaupt noch zu kommunizieren. Heute mögen wir noch lachen über "alternative Fakten", aber das ist bereits fehl am Platze.

Schon lange analysieren wir Neusprech und Zwiesprech als Methoden realer Politik. Nehmen wir doch gleich mal das semantische Schicksal der "Alternative" auf: Es präsentiert sich die Konsequenz aus dem neoliberalen reaktionären Block, die all das noch steigert, was die anderen anbieten, als "Alternative" (für Deutschland). Die Menschenschinder des Westens nennen Folter seit Langem "alternative Befragung", und jetzt kommt der Trumpismus halt mit "alternativen Fakten". Die Todesstrafe wird demnach "alternative Altersvorsorge" heißen und auf denselben alternativen Menschenrechten beruhen wie der andere Mist.

Wer spricht da?

Ein anderes oft genanntes Beispiel: "Rebellen". Das sind Terroristen, Islamisten, brutale Mörder, wenn sie von den USA bezahlt oder von der NATO bewaffnet werden und solange sie tun, was in deren Interessen liegt. So weit, so banal. Warum aber wird die Frage nirgends diskutiert, wie so ein Begriff konkret in Medienbeiträge einzieht? Wer entscheidet das? Wer schreibt es? Was sind die Kriterien? Gibt es eine Art Befehlsstruktur oder wird das diskutiert? Stellen sich die Produzenten überhaupt je solche Fragen?

Eine weitere Baustelle sind die Quellen von Nachrichten. Warum werden sie selten konkret benannt? Wer prüft sie wie? Wie werden sie bewertet? Die Antworten auf diese Fragen gehören in jeden ernst zu nehmenden Bericht. Fehlen sie, ist der Bericht allein deshalb schon manipulativ. Niemand muss eine Quelle gefährden, aber solche Gefahr besteht extrem selten. Wenn es hingegen der Regelfall ist, dass Quellen ungenannt bleiben, wird nicht berichtet, sondern kolportiert. Dies ist die Atmosphäre, in der die (Suche nach der) Wahrheit zu Grabe getragen und Propaganda zum Standard wurde.

Verdunkeln, vertuschen, verwirren

Besonders fatal wirkt sich in diesem Kontext der Einfluss von Geheimdiensten aus. Diese sind keine seriösen Quellen, sondern zwielichtige Banden, die routiniert Kapitalverbrechen begehen und alles vertuschen, was sie eigentlich aufklären sollen. Dabei sind sie völlig unkontrollierbar, siehe "Paginierung". Man lässt ihnen die billigsten Manipulationen durchgehen, um ihnen Verdunkelung so leicht wie möglich zu machen. Ausgerechnet diese 'Quellen' werden zunehmend zitiert.

In einem Rahmen, in dem Aufmerksamkeit - und damit Umsatz - erregende Ereignisse im Mittelpunkt stehen, schlägt das System einen Salto, wo nicht einmal mehr klar wird, ob bzw. wann und wo jene Geheimdienste die Ereignisse erst herbeiführen, die sie dann bewerten, um gleich auch Maßnahmen zu forcieren, die ihnen mehr und mehr Macht einräumen, je öfter sie "versagen", also Straftaten aktiv befördern und begehen. Was diese Einrichtungen anbetrifft, wird es nur ein Mittel geben: Sie müssen geschlossen werden, indem man ihnen die Tür einrennt.

Gegen die Erosion von Wirklichkeit, Fake News, Lügen, Propaganda und Manipulation hilft derweil nur Offenheit, wie eingangs geschildert. Nur wenn alles berichtet wird - die Beweggründe der Autoren, ihre Abhängigkeiten, ihre Quellen, Bezüge und Hintergründe, taugt etwas als Bericht. Ein Kommentar muss mindestens ebenso offen sein und Zusammenhänge aufgreifen, in denen die Fakten und Annahmen Sinn ergeben. Alles andere ist Blabla, in dem sich immer diejenigen durchsetzen, die den buntesten Ballon aufblasen oder die Macht haben, ihren Stuss als Endlosschleife zu wiederholen.