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Zu Weihnachten gab es im Hunsrück immer nur Lasagne

Als meine jüngere Tochter sehr klein war, verbrachte sie viel Zeit bei ihrem Opa, der auch RTL hatte. Sie berichtete mir dann gern, was es dort so alles gab und achtete sehr darauf, dass ich "Exkluusiv" nicht mit "Exploosiv" verwechselte. Die "Zeit" recherchiert derweil aktuell über "Vorbilder" - und wird ganz sicher bei Helmut Schmidt landen oder Henry Kissinger oder anderen großen Militärstrategen. In der Hood hier um den (nein, das!) Blog kann ich alles auf einmal haben: Kiezneurotiker, Kiezschreiber, Vorbilder und Asi-TV.

Die beiden sind meine Vorbilder. Warum? Weil sie so obszön sind, und das kommt verdammt gut an bei den Weibern. Ich komme überhaupt nicht an bei den Weibern, nur bei den uralten, und ich sage ja immer: "Was soll ich mit einer Vierzigjährigen?". Ich verstehe ihn natürlich nur zur Hälfte, höchstens, den ganzen Buzz, finde auch nicht raus, wo da die Ironie wie ein schwarzer Rabe angaloppiert kommt und sein Raubtiergebiss zeigt, aber dies und das schon. Zum Beispiel, dass der Exklusiv dem Explosiv quasi vorwirft, er sitze im Glashaus und werfe mit Steinen. Ha, das weiß ich besser, denn der Explosiv sitzt im Glashaus und wirft mit Steinen. Weil er's kann und das auch noch geil findet.

Selfmade Mediocre

Der Explosiv hat außerdem recht, wenn er sagt: "Exklusiv, das Buch ist scheiße.". War das nicht der Anlass der Sendung, ein wenig zu zitieren und dezent die Nase zu rümpfen? Wollte er nicht nur mit etwas Trockenbrot und Gammelsalat das vernichtende Urteil in einen Imbiss von Autobahnraststättenformat verzaubern um zu zeigen, dass es ja nur auf der Durchfahrt und überhaupt irrelevant? Auch das Scheitern, von dem Klusiv fragt, wer denn das sage? Zurecht, denn es kann doch noch etwas werden, wir sind ja noch jung!

Andererseits hat der Exklusiv natürlich auch recht, wenn er sich gegen unberechtigte Vorwürfe wehrt. Er sei kein "Sozialhilfeempfänger". Charlie, übernehmen Sie! Nein, er hat vielmehr "noch nie Miete gezahlt" - und nicht etwa wegen Erbe und Eltern, sondern selbst verdient®. Mehrere Wohneigentümer nennt er sich und weiß so dem Anzugboss Paroli zu laufen. An dieser Stelle befielen mich Visionen von Friedenspfeifen, Sweet Smoke, der vom Idarkopf gemächlich gen Ost-Nordost wabert, bis beide Erfolgsmenschen selig lächelnd in etwas ungeheuer Teures pissen und es aus dem Fenster werfen. Stattdessen klirrt der Fehdehandschuh durchs Gewächshaus und es schallt: "Power-Point-Penner aus dem Trump Tower irgendwo in Arschfotzenhausen".

Owowow, da kriegt der Rantingking aber mächtig was auf die Hasskappe! Der Pseudo, der sich zu schade ist, viertklassige Literatur unter seinem Klarnamen zu veröffentlichen; Feigling, friss das! Sie sehen also, liebe Zuschauer, wie ich mich auf die Seite des Plosiv zu schlagen scheine, obwohl der Klusiv völlig im Recht ist und nur, so will es weiterhin scheinen, weil mir dessen stilistischer Schlaganfall auch eher das Mütterliche in die Brust treibt. Nur ganz unterschwellig und in zwei Halbsätzen deute ich an, dass ich mich als Loser in meiner Ehre gleich doppelt gekränkt fühle durch diese "Mein Haus, mein Auto, mein Blog"-Attitüde zweier offenbar noch adoleszenter Mittelschichtsopfer, die hie vergaßen und da nie eine Ahnung davon hatten, dass man sich das Prädikat "gescheitert" verdienen muss. Ins Bett, ohne Essen!