sg

Bundesarchiv, B 145 Bild-F054975-0007 / Gräfingholt, Detlef / CC-BY-SA 3.0

Wir sind im Krieg. Was das für die öffentliche Atmosphäre gilt, kennen wir aus Anschauung in den USA: Die Majestät wird nicht mehr kritisiert, der Präsident ist unantastbar, es wird nicht mehr berichtet, sondern verkündet. Die Regierung Bush Junior hat daraus ungeniert das Prinzip des "Embedded Journalism" gemacht, des "eingebetteten Journalismus", der ganz offen an der Seite der politischen Herrschaft die Trommel rührt. "Propaganda" war nicht immer ein Schimpfwort, heute braucht es ein wenig Wortdesign, um dasselbe zu sagen.

In Deutschland ist das alles etwas schwieriger, denn während die Einen "Lügenpresse" spucken, weil ihnen der Inhalt der Propaganda nicht gefällt, müssen die Anderen sich weiterhin "kritisch" nennen, auch wenn sie so kritisch sind wie ein Kaugummi unterm Schuh. Mal schauen, was wir da haben, am Beispiel der "Zeit", der treuen Atlantikerpostille. Kritik oder Propaganda?

Den Herrschaften dort fehlt nicht nur die Contenance, sich ihrerseits der Kritik zu stellen, sie sind nicht bloß komplett humorlos, sondern auch noch aggressiv gegen Gegner, die ihnen die Wahrheit nachsagen. Die (abgewiesene) Klage Josef Joffes gegen "Die Anstalt" steht dafür nicht nur symbolisch. Warum leugnen die Atlantiker, welche zu sein, wenn es doch so transparent ist? Nicht bloß, dass sie als eingebettete Hofberichterstatter dastehen, der Herausgeber hat per Klage auch noch nachgewiesen, dass Kabarettisten die besseren Journalisten sind.

Der allmächtige Feind

Das Blatt scheut nicht vor den übelsten Techniken der Trolle zurück, sie machen sich unbelegbare Spekulationen zu eigen, die anderswo als Verschwörungstheorie abgetan werden, drehen sie einmal durch den Wolf und werfen sie dann in einer wüsten Projektion dem Feind vor. Ich habe letztes Jahr unter dem Vorbehalt, es sei eine Verschwörungstheorie (wenn auch eine plausible), folgendes geschrieben:

"Eine These, die in der entschärften Form noch mehr Sinn ergibt: Die USA führen einen 'Krieg', der sie wieder einmal nicht erreichen kann, auf Kosten zweier Kontinente, und finden kollateral den Grund, alle Welt permanent zu überwachen."

Der Krieg im Nahen Osten destabilisiert ja sowohl (Nord)Afrika) als auch Europa. Treibt man dann noch einen Keil zwischen Russland und Resteuropa, ist wirtschaftliche Konkurrenz durch die 'Freunde' fürs Erste erledigt. Und hier ist die Theorie der "Zeit" dazu:

"Instrumentalisiert Russland Flüchtlinge? - Tausende Flüchtlinge kommen über die russische Grenze nach Norwegen und Finnland. Selbst in der EU-Kommission gibt es den Verdacht, Russland benutze sie als Druckmittel."

Unsere Freunde

Die NATO bombardiert seit mehr als zehn Jahren Afghanistan, den Irak, Libyen, Pakistan, Syrien, liefert kilotonnenweise Waffen in die Krisenregionen und unterstützt Brandstifter wie Saudi-Arabien. Hier schlagen daher Millionen Flüchtender auf, aber Putin will Europa destabilisieren, indem er welche nach Skandinavien reisen lässt? Auf so etwas kann man nur kommen, wenn man alle Fakten so sortiert, dass sie zu einem vorbestimmten Ergebnis führen. Das muss man schon lange trainieren, um es so konsequent abliefern zu können. Dafür dürfte vor allem der Gottvater der deutschen Atlantiker gesorgt haben, der ehemalige "Zeit"-Herausgeber Helmut Schmidt.

Dessen innige Freundschaft zu Henry Kissinger lässt da schon tief blicken, vielsagend auch wiederum dessen Ruf in Deutschland. Der Mann, der fast überall auf der Welt mit "Herr Kriegsverbrecher" angesprochen werden dürfte, wird hier hofiert wie ein Friedensnobelpreisträger. Ach richtig, das ist er ja sogar, der Schlächter "vom Hackfleischhügel". Ich kann das hier nicht ausreichend vertiefen, aber über Schmidt und Kissinger sollte man sich eingehend informieren, wenn man eine Ahnung von Geopolitik und Deutschlands Rolle darin gewinnen will.

Was die weiteren Interessen am Krieg, die Rolle von Energiequellen und den Kampf um Profite anbetrifft, darüber erfahren wir aus den 'Qualitätsmedien' nahezu nichts. Wenn ein kleines Journalistenteam eine Doku im Nachtprogramm plazieren darf oder ein Gastartikel veröffentlicht wird, der solche Zusammenhänge benennt, werden im Gegenzug dutzende 'Berichte' und Kommentare abgesetzt, die deren Inhalt ignorieren oder ins Gegenteil verkehren. Derzeit kursiert derweil eine Einschätzung der Situation von Robert F. Kennedy, die den Atlantikern Schmerzen bereiten dürfte. Der ist dann wohl keiner von uns. Tun wir so, als hätten wir's nicht gelesen!

Die Wahrheit

Dem "Pluralismus" ist Genüge getan, wenn ab und an einer widersprechen darf, den man dann hintenrum für verrückt erklären kann. Wie solch kritischer Pluralismus in der "Zeit" aussieht, spuckt die Suchfunktion unter dem Schlagwort "Putin" aus. Das da unten ist in fünf Minuten Copy und Paste zusammengekommen, nur aus Überschriften und Teasern, jede Zeile aus einem anderen Artikel. Bild' dir unsere Meinung!

"Putins neue Weltordnung - Zwei Supermächte, apokalyptische Atomdrohung, kontrollierte Eskalation, dann Einigung der Großen und Ruhe allerorten – so soll es sein. Findet die russische Regierung.

Putin ist zynisch

Putin, der Assad-Unterstützer

Syrien-Waffenstillstand: Putin entscheidet - Das Ende der Kämpfe ist jetzt das Wichtigste in Syrien. Der nächste Schritt ist es, ein Nachkriegssyrien zu gestalten. Die Russen müssen einsehen: Es geht nur ohne Assad.

Russland: Putins Krieg - Der russische Herrscher betreibt klassische Machtpolitik mit modernen Mitteln.

Bürgerkrieg: Obama wirft Russland Mitschuld an Zerstörung in Syrien vor

Wladimir Putin: Ist er so perfide ... oder sind wir so dumm?

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde deutlich, wie zynisch Russland den Syrien-Krieg instrumentalisiert.

Putins Spiel mit dem Krieg

Ob in der Schublade des russischen Präsidenten ein Plan zur Spaltung Europas liegt?"

Wer mehr davon mag, weiß ja, wie man es findet.