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Ich möchte zur Illustration (man mag es auch Infotainment nennen) hier gelegentlich konkrete Beispiele geben für das, was das Narrativ ausmacht, die Inhalte der großen Erzählung, teils anhand aktueller Äußerungen, teils anhand von 'Weisheiten', die man sich so überliefert. Ich hatte eineige bereits hier erwähnt bzw. verlinkt und möchte gleich aus diesem Artikel zitieren:

"Klassische Beispiele aus dem immer wieder aktuellen politischen Narrativ des Westens setzen auf der Figur des Bösen Russen auf. Hunderte Filmproduktionen befördern es; der Russe ist gefühllos, gedrillt, brutal."
Dieses Muster des Kalten Krieges, der seinerseits die ideologische Fortsetzung des heißen ist, hält sich bis heute:

Brutal, eiskalt, rachsüchtig

"Unsere Schwäche ist das Mitgefühl. Wenn wir das Bild eines Kindes sehen, das tot an einen Strand bei Bodrum liegt, lässt es uns nicht kalt, sondern weckt den Wunsch, das Elend zu lindern.[...]
Zeigen Putin und seine Leute ausnahmsweise Gefühlsregungen, dann sind diese fast immer infantil: Es geht bei ihnen stets um Kränkung und Zorn wegen mangelnder Beachtung, nie um Empathie und Nachsicht
."

("Spiegel Online", dafür gibt es hier keinen Link.) Dieselben kalten Krieger, die solche Stereotypen für Journalismus halten, werfen derweil den bösen Russen vor, diese "drohten" mit einem Kalten Krieg. Das Narrativ darf gern absurd sein, wenn es die Rollenverteilung damit festigen kann.

Jetzt sollen ausgerechnet die rechtslastigen Geheimdienste der BRD nach Belegen suchen, dass Russland die westliche Demokratie durch Propaganda destabilisiert.

Als wäre das nötig, wo Qualitätsjournalisten wie Reinhard Mohr bereits wissen:
Hier sind "russophile Überzeugungstäter wie Matthias Platzeck, altkommunistische Linkspartei-Funktionäre und berufsmäßige Putin-Propagandisten wie Krone-Schmalz" am Werk (No Link, no!), die die "Fakten leugnen" wie:

Fast lückenlose Beweiskette

"Für Putins Regime ist die planvolle Dekonstruktion aller Gewissheiten in diesen Kriegstagen ein probates Mittel, alte Mythen zu platzieren, Verantwortung zu leugnen und alle Schuld anderen aufzuladen. Sein Rache- und Eroberungsfeldzug in der Ukraine ist ein einziges Versteckspiel, ein Verwirrspiel im Namen seiner chauvinistischen Machtansprüche."

Man könnte jetzt jemanden damit beauftragen, diese Sprache zu analysieren, (vergeblich) nach Sachbelegen im Text zu suchen, Formulierungen wie "so gut wie lückenlos belegten Abschuss der Passagiermaschine MH17" oder "Fakten des unerklärten russischen Krieges" mit den Gesetzen der Logik konfrontieren. Man könnte solche Beträge auf psychologische Muster wie Projektion untersuchen oder wenigstens virtuell eine andere Perspektive einnehmen, dann wäre man auf dem Weg einer sachlichen Betrachtung und genügte eventuell rudimentär den behaupteten Ansprüchen journalistischer Arbeit.

Aber es geht hier nicht um Wahrheit, Fairness oder Qualität. Es geht darum, die Geschichte weiter zu erzählen. Dass so dumpfe Propaganda dabei herauskommt, ist den Zeiten geschuldet und dem Eifer der wohl weniger talentierten Erzähler. Dass ihnen solche Skripte nicht krachend um die Ohren gehauen werden, liegt am Narrativ: Der Russe halt. Dem ist alles zuzutrauen. Der freut sich, wenn wir leiden. Der führt immer Übles im Schilde.