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So lala launisch, die Lage hier ist zum Fürchten, versuche ich mich abzulenken. Vielleicht sollte ich mich auch ablecken, das wäre eine Möglichkeit, aber man kommt ja kaum mehr an die Zehen heran, ohne dass einem ein Wirbel durchs Zimmer springt. Ich könnte mir alte Fußballspiele angucken und mich fragen, ob man einigen, die da kicken, schon ansieht, dass sie einmal gierige alte Arschlöcher werden oder ob man schon erkennt, dass sie gierige junge sind.

Ich habe heute nach langer Zeit mal wieder einen Artikel von Don Alphonso gelesen, der mir gefallen hat. Es geht mir dezent auf die Murmeln, dass alle möglichen Leute, die es wirklich besser wissen müssen, ständig Twitterhonks und ihre Trolleria zitieren, um in ein Geheul einzufallen über verlotterte Sitten, schreckliche Feministas und andere depperte Zeiterscheinungen.

Bringt gar nichts und geht bloß den Aufmerksamkeitsvampiren auf den Schleim. Was er heute schreibt, liefert aber endlich einmal Kontext und zeigt deutlich auf, wie der Apparat funktioniert, den Denunzianten und moralische Extremisten betriebsbedingt am besten bedienen. Danach kann nichts mehr kommen, und es wäre an der Zeit, sich anderen Themen zuzuwenden. Das gilt auch für Herrn von Leitner, bitte, oder Hartmut oder Burks oder und und.

Ich rede gern

Womit wir bei der Blogumschau sind, im zehnten Jahr, einmal rauf und runter. Ich wundere mich darüber, wie viele der Kollegen offenbar kein Interesse haben, miteinander zu kommunizieren. Bislang hat es nur einer fertiggebracht, meine Antwort auf sein Geschwurbel in den Mülleimer zu routen, aber ich meine das eben nicht passiv. Ich selbst finde es selbstverständlich, ab und an bei den Kolleg/innen etwas Senf aufzustreichen (nicht bei allen, aber bei fast allen). Ich lese auch die Kommentare bei anderen, und da gibt es eben eine ganze Charge, die Texte anderer offenbar keiner Bemerkung für würdig halten. Kann ich nicht verstehen.

Ich mache keinen Hehl daraus, ich glaube, Kommentare sind auch eine Art Applaus. Ist das auch so eine Art Konkurrenzgebaren, dass man den Kollegen nicht beachtet, weil man ihm nicht mehr gönnt als man selbst einfährt? Was mich dabei wundert, ist nicht zuletzt das Schweigen derer, die sich sichtbar auseinander entwickeln. Das würde es doch gerade interessant machen, zu erfahren, was jemand über mich denkt, der die Dinge offenbar anders sieht. Ich wüsste gern wenigstens, warum bei einigen Funkstille herrscht. Ausdrücklich akzeptiere ich die Ausrede nicht, man habe "keine Zeit".

Mag es Desinteresse sein, Enttäuschung, Frust? Schreiben die anderen so ein langweiliges Zeugs? Sind sie noch nicht in den erlauchten Kreis emporgestiegen, es nicht wert, beschmutzt man sich mit solchen Kontakten? Was hält gerade diejenigen, die regelmäßig Weltbild liefern, Moral absondern, Bären erklären, Urteile sprechen und Texte absondern, davon ab, den Kolleg/innen die Meinung zu sagen? Ich bin immer befremdet, wenn Menschen Reden halten, aber nicht mit anderen reden. Mag sein, dass ich Politik einfach noch immer nicht verstanden habe.

p.s.: Dass ich selbst einigen öfter applaudieren sollte, weiß ich. Ich verspreche nichts ;-)