Die FAZ schreibt: „Doch muslimische Verbände müssen sich fragen, wieso ihre Religion so viele Terroristen hervorbringt.

Allein während es ersten Terrorjahres starben 479 Menschen, davon 247 Zivilisten. Binnen weniger Jahre erhöhte sich die Zahl getöteter Terroristen, Sicherheitskräfte und Zivilisten auf über 1000.

Die Dienste setzten daraufhin auf Infiltrierung. Nach Massenverhaftungen wurden Spitzel angeworben, denen sonst drakonische Haftstrafen gedroht hätten. Deren Denunziationen führten zu hunderten weiterer Verhaftungen. Die Gewalt hielt dies alles nicht auf. Die Terroristen wurden von religiösen Extremisten in Protesten unterstützt. Binnen 20 Jahren starben mehr als 3000 Menschen, und zwar nur in Nordirland, wo sich Protestanten und Katholiken, Royalisten und Nationalisten gegenseitig abschlachteten.

Friedliebende Christen

In etwa derselben Zeit tötete die Euskadi Ta Askatasuna 823 Menschen, und zwar zwischen den Sechziger und Zweitausender Jahren. Auch die ist keine islamistische Organisation, sondern die als „ETA“ bekannte Organisation der baskischen Separatisten, die zunächst gegen Franco kämpfte und dann gegen die spanische konstitutionelle Monarchie.

Die Grundkonflikte waren dabei vergleichbar, wobei in Nordirland der Kampf um Souveränität entlang derselben Fronten verlief wie der der Konfessionen. Es wäre hier genauso falsch zu behaupten, es handele sich dabei um religiös motivierten Terror wie es falsch ist, Anschläge durch Muslime auf religiöse Motive zu reduzieren. Die Parallelen zwischen den Kämpfen der ETA und der IRA bzw. UUP sind ein guter Hinweis darauf, dass es mit wie ohne Religion geht.

Religion und andere Motive

Der Verdacht drängt sich auf, dass je nach Tätern und Opfern sowohl die Dimensionen völlig unterschiedlich dargestellt werden als auch die Gefahr, die tatsächlich besteht sowie die Reaktionen des Staates. Von 1971-1993 gab es 34 Todesopfer durch die RAF. Die Reaktionen darauf haben einen völlig neuen Sicherheitsapparat zur Folge und waren teils hysterisch. Es wurden seinerzeit ganze Autobahnen gesperrt für die Fahndung, und der Ruf nach der Todesstrafe wurde häufig laut. Die Medienkampagnen dazu waren entsprechend.

Bevor ich zu den Medienreaktionen komme, kurz zurück zur Religion als Motiv: Die Verbindung von religiösem Eifer mit Mord- und Selbtsmordkommandos ist nur logisch. Religionen helfen ggf. dabei, sein Leben zu geben und auf ein Jenseits zu hoffen, sie kitten jede Irrationalität und relativieren den Wert des Menschen, indem sie ihn vom Bezug zu Gottheiten abhängig machen. Das ist praktisch für den Fanatiker, es geht aber wie gesagt auch ohne diese Hilfe.

Hinzu kommt, dass keine Religion der Welt von ihren Anhängern erwartet, dass sie Menschen töten. Auch nicht der Islam. Wir sprächen sonst ohnehin nicht von „Terroristen“ und ihren Anschlägen, sondern befänden uns im Krieg mit Milliarden entschlossener Feinde. Während NATO-Staaten seit Jahrzehnten ununterbrochen überall in der Welt Kriege führen, wirft man aber hier „den Muslimen“ vor, Terroristen hervorzubringen.

Nützliche Idioten

Der faktische Zusammenhang ist dabei derart offensichtlich, dass man schon ein Depp sein muss, um ihn nicht zu sehen. Palästina, Irak, Iran, Afghanistan, Libyen, Syrien – die Liste der betroffenen Staaten und Regionen ist nicht vollständig, aber überall sind es mehrheitlich muslimische Bevölkerungen, die von der NATO militärisch angegriffen werden. Der Bevölkerung ist es übrigens völlig egal, ob dabei Gute oder Böse angegriffen werden, wenn sie nur genug unter den Invasionen leidet. Die Antwort darauf ist teils militant, was hier eben „Terror“ heißt.

Die Täter sind dabei zwar persönlich motiviert, sind durch ihren Fanatismus aber Nützliche Idioten für jede Art von Hintermännern. Das hat mit Religion nichts zu tun, das ist Interessenpolitik mit Waffengewalt. Nichts anderes ist übrigens auch der unmittelbar kapitalistische Terror des Drogenkrieges. Was in Mexiko etwa an der Tagesordnung ist, scheint nicht zu interessieren, weil es ja nur Geld ist, für das dort täglich Menschen ermordet werden.

Es ist absolut nichts dran an der Behauptung, der Islam bringe Terroristen hervor. Der Krieg bringt sie hervor, die Gewalt, der Bombenterror. Dabei ist es vollkommen egal, wessen Bombe Menschen tötet. Jede Bombe erzeugt Hass, und der findet seine Rächer. Katholische, muslimische, kommunistische und nationalistische.

Gute Täter, böse Opfer
 
Allein die offizielle Statistik der Terroropfer von Nazis allein in Deutschland seit 1990 liegt bei 58. Die Verbindung von rechtsextremen Mördern zum Verfassungsschutz ist nicht zu leugnen. Dennoch findet kein Aufschrei statt, keine Großdemonstration, und in der Presse ist nichts zu lesen von Geheimdiensten, die Terroristen hervorbringen. Während von eineinhalb Milliarden Muslimen ein paar Dutzend in den letzten Jahrzehnten mit Anschlägen in Verbindung gebracht werden, flog hier auf, dass fast ein Drittel der Mitglieder des rechtsextremen „Thüringer Heimatschutzes“ dem Verfassungsschutz angehörten. Wer aber spricht von Terroristen im Staatsdienst?

Es ist offensichtlich, dass „Terror“ eine Kategorie ist, um Taten und Opfer unterschiedlicher Gruppen unterschiedlich zu bewerten. Sind die Täter „Kommunisten“ und ihre Opfer Repräsentanten von NATO-Staaten, ist der Alarm allumfassend. Sind die Täter Nazis und ihre Opfer 'Ausländer', wird bestenfalls weggeschaut. Sind die Täter Christen oder Juden und die Opfer Muslime, ist das „Verteidigung“ in aller Welt; ist es umgekehrt, spricht man von einer terroristischen Religion.

Terror ist furchtbar. Jede Form von Bombenanschlag, Schusswaffengewalt und Massenmord hält die Spirale in Gang. Wer sie aufhalten will, muss den Kreis der Rache durchbrechen. Dabei ist es wenig hilfreich, wenn in Gut und Böse, geborene Täter und unschuldige Gegentäter unterschieden wird. Es hilft vielmehr den Rächern, rassistische Ressentiments als Kriegsgrund zu liefern. Der Krieg wird dabei nicht nur gegen den erklärten Feind geführt, sondern genau so gegen die Bürgerrechte. Das ist das Schlimmste an diesem Terror, dass er ein gefundenes Fressen ist für die Faschisten auf beiden Seiten.