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Wenn du merkst, dass du anders bist als die anderen Kinder, bist du mit gewisser Wahrscheinlichkeit als "Nerd" zu bezeichnen. Dazu braucht es gar keine Sozialphobie oder originelle Verhaltensauffälligkeiten, aber du merkst, dass du selbst dann nicht dazugehörst, wenn man dich als 'integriert' betrachten darf. Du tust zwar äußerlich, was andere auch tun, weißt, was sich gehört und hältst dich daran, aber du kannst das nie ganz verinnerlichen.

Es ist auch nicht wirklich relevant, ob du irgendeine Form von Rock'n Roll auslebst, aneckst oder Punk machst. Das kann auch jeder, der irgendwie frustriert ist, nicht klarkommt, cool wirken will oder einfach alles scheiße findet. Es geht eben gerade nicht um ein Statement oder lebenlslange Verweigerung aus Prinzip. Du siehst die Dinge anders. Du siehst sie genauer und kennst sie besser. Du willst alles wissen und verstehen und bist niemals zufrieden mit dem Fortschritt, den du dabei erreicht hast.

Lustige Autisten

Das gibt es auf vielen Feldern; wir kennen Klischees und Beispiele für Tech-Nerds, insbesondere Programmierer. Es gibt aber auch alle möglichen anderen Bereiche, in denen jemand zum wandelnden Handbuch werden kann. Ausgerechnet einer aber scheint aus dem Spektrum zu fallen: Politik und alles, was dazugehört. Nun kann man der Ansicht sein, das sei so, weil es sich dabei ja um den Bereich von Überzeugungen und Willensäußerungen handelt sowie deren Durchsetzung. Das sei kein Terrain für wissenschaftliche Diskussionen, sondern für Interessen.

Nun wäre schon das etwas anderes als das, als was 'Politik' gemeinhin wahrgenommen wird, die ja gern leugnet, es gehe um Interessen und sich stattdessen in moralische Kategorien flüchtet (Werte; Menschenrechte, Gemeinwohl, Arbeitsplätze ...). Es kann aber vor allem niemanden davon abhalten, auch und gerade hier wissenschaftlich zu denken und zu sprechen. Systematisch eben, unter Nutzung allen Wissens, das dafür zur Verfügung steht.

Erst mal denken?

Was haben wir da aber? "Politikwissenschaften"? Hat schon jemals irgendwer etwas von einer relevanten Theorie aus diesem Bereich gehört? Von ernstzunehmender Forschung? Von großen Ideen aus dem politologischen Seminar? Eher große Komik. Von den Medien, in denen 'Politik' kommuniziert wird und ihrer 'Wissenschaft', der "Journalistik", will ich gar nicht erst anfangen, obwohl ja bald Karneval ist.

Es gibt Jahrtausende Erfahrungen mit politischen Versuchen, intellektuellen Hintergründen, Deutungsansätzen, Rahmenbedingungen, Interessen und Strategien, Grundlagen, Ideologien, Ökonomien usf. - warum erkenne ich in kaum einem Beitrag zu politischen Zusammenhängen eine tiefere Kenntnis dieser Geschichte? Wieso erfindet jeder Fachexperte das Rad ständig neu und weiß nicht einmal, dass es rund sein muss? Das kann man sich noch mühsam beantworten wegen siehe oben, aber warum gibt es so wenige, die wirklich offen fragen und wissen wollen, anstatt die immer gleichen staubigen Antworten zu präsentieren? Was macht Politik so unattraktiv für den Intellekt und was kann man dagegen tun?