Dezember 2018


 
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Einer der erschütternden Belege für die politische Dummheit vieler Zeitegnossen ist die Illegalisierung von "Drogen" und die allgemeine Zustimmung dazu. Wer sich damit befasst hat, kennt die Horrorstories und Propaganda, die etwa zum Verbot von Cannabis geführt haben. Der sogenannte "War On Drugs", die Verstrickung der CIA und illegale Drogen als Machtbasis Organisierter Kriminalität, das alles sind Binsenweisheiten. Würde man Drogen komplett legalisieren, die Welt wäre eine bessere.

Ich möchte aber heute einmal auf einen anderen Aspekt hinweisen, der die geifernden Urteile über Drogensüchtige betrifft. Anlass dazu ist die faszinierende Wirkung legaler Drogen und deren Suchtpotential. Vor allem ein Wirkstoff ist darunter, schon ewig bekannt und noch immer im Einsatz: Benzodiazepam, berühmt und berüchtigt durch das Präparat "Valium"; heute sind die Marktführer andere. Zumeist wirken die Probanden weggetreten, es ist aber auch eine ganz andere Wirkung beobachtbar:

Legal, illegal ...

Es kommt in Fällen schwerer Depressionen und Angststörungen vor, dass verwirrte Patienten plötzlich klar werden und Affekte zeigen, die sonst in ihrer Gefühllosigkeit versinken. Wäre nicht das schwere Suchtpotential, man wäre geneigt, die Substanz über längere Zeiträume und täglich, ggf. mehrfach zu verabreichen. Aus Patientensicht ein Reiz, dem man leicht verfallen kann, wenn man sich das Mittel beschaffen kann.

Ein anderes Beispiel sind Jugendliche, bei denen ADHS seriös diagnostiziert wurde. Es kommt nicht nur in Einzelfällen vor, dass sie dem Standardmittel Methylphenidad (Ritalin, Medikinet, Concerta) eine andere Substanz vorziehen: THC, der Wirkstoff von Cannabis. Es ist vor allem nach Bedarf zu dosieren und hat offenbar angenehme Nebenwirkungen. Alkohol wiederum ist ein hoch wirksames Anxiolytikum (Angstlöser).

Dopeamin

Ebenso ist bekannt, dass die sog. "Borderline-Störung" regelmäßig mit dem Konsum illegaler Drogen einher geht. Es geht bei all diesen Substanzen um Wirkungen auf Botenstoffe im Hirn wie Serotonin und Dopamin, deren Stoffwechsel bei psychisch Kranken quasi offiziell als gestört gilt, während "Drogensüchtige" ohne Diagnose und durch den Schwarzmarkt versorgt unterwegs sind.

Das Bild, das Krethi und Plethi von Drogensucht haben, ist daher wie so vieles dem Hang zur Abwertung anderer Menschen geschuldet. Das fängt schon da an, wo sie glauben, eine Substanz mache süchtig. Richtig ist: Der Süchtige sucht sich seine Droge, weil er sie braucht, nicht umgekehrt. Sogenannte "Drogensucht" ist das Symptom einer Krankheit, nicht mehr und nicht weniger.

 
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Was ein Sendeschluss ist, wie will man das noch jungen Nicht-Historikern darlegen? Schlimmer noch: Wie soll man dergleichen überhaupt erwähnen, ohne die heftigste Weigerung hervorzurufen, einem zuzuhören? Oppa erzählt vom Grammophon. Dabei bricht sich im Zorn der Abneigung gegen Oppas dumme Fragen die schleichende Einsicht bahn, dass da vielleicht tatsächlich hinter den Dingen etwas sein könnte, das man stets am falschen Ort sucht.

Hinter den Dingern, das sind vor allem die je aktuellen Spielzeuge. Streichelbrettchen vor allem, die versprechen, alles haben zu können, mit jedem in Verbindung zu sein, niemals allein; und die doch dieses dumpfe Gefühl hinterlassen, man sei so allein wie niemals zuvor. Niemals ist man sicher, dass irgendwer sich wirklich um einen schert. Keine Wozzäpp, kein Gramm Insta, kein Fäßbuck, Tweed oder Pimpertinder bringt jemals das Gefühl, das man sucht – die Erlösung.

Erlösung

Paradox vielmehr wird mit jedem Klingeln und Pingen die Ungewissheit größer, ob es das ist, was man will. Vielleicht gar die Gewissheit, dass es das nicht ist. Nie ist man richtig befriedigt, nie kommt das alles zur Ruhe. Es fließt und läuft, wenn es nicht - wie frustrierend! - stockt. Man hetzt oder wartet, überall und immer. Selbst im neuesten bunten Gerät ist kein Stück mehr vom Ersehnten.

Dass auf einen Tag der nächste folgt, ist so neu nicht. Dereinst legte man sich abends hin und schlief, und wenn man morgens aufwachte, wartete niemand schon darauf, dass man seine Nachricht gefälligst bald beantwortete. Das war nicht nur in Ordnung, alles andere hätte man für verrückt gehalten.

Selbst die modernsten Medien, die all das boten, wozu Medien so da sind - Unterhaltung, Information und Kultur - machten über Nacht wenigstens Pause. Irgendwann war Schluss und Stille. Vielleicht war das ja viel näher an der Erlösung, die das vollvernetzte Opfer der Elektronikindustrie so verzweifelt anstrebt: Ruhe. Einfach mal ein paar Stunden nichts.