2017


 
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Es ist November 2017. Grau, nasskalt und ungemütlich - nicht nur ich, auch das Wetter. Was sagt der Terrorismusexperte dazu? Jetzt sagen Sie nicht "Naagh"! Die Sache ist zu ernst, sagen Sie vielmehr? Ja, das ist das Problem. Es geht immer um Mord und Krieg, um Verbrechen, die in Qualität und Ausmaß das Wort "Terror" rechtfertigen, was ja "Schrecken" bedeutet. Alle Jahre wieder erfahren wir Dinge, die damit zu tun haben. Nicht nur aus sogenannten "Leaks", sondern auch und vor allem aus den Archiven der CIA. Einer der wenigen Horte der Transparenz ist bislang das amerikanische Recht, das immerhin nach wenigen Jahrzehnten die Akten offenlegt.

Aus den Kennedy-Akten, um deren heikelste Passagen - da deutet sich ein Rückschritt an - noch gefeilscht wird, erfahren wir heute, dass ein CIA-Mann für einen weiteren klassischen Terroranschlag verantwortlich ist. Das ist längst kein Grund zur Empörung mehr, sondern schlicht Routine. Man erwartet nichts anderes, wenn man die Geschichte der CIA kennt. Die Agency fördert schon immer Terror, bewaffnet Terroristen und begeht selbst Anschläge, bis hin zur Exekution von Staatschefs. Kriege Anzetteln ist eine klassische Disziplin dieser unserer Amerikanischen Freunde®. So sind sie, die Guten, und man ehrt sie dafür. Schon mal den Namen "Henry Kissinger" gehört? Aha. Keine weiteren Fragen.

Staatsgefährdend

Man mag jetzt darüber streiten, ob die Akteneinsicht eine Art Feigenblatt ist, eine politische Beruhigungspille gar. Ganz wunderbar passt diese Kultur schließlich in die erweiterte Orwellsche Propaganda, die hie darauf verweisen kann, wie transparent und daher demokratisch® doch der amerikanische Rechtsstaat ist, während er da alles, was Konsequenzen hätte, als "geheim" klassifiziert und somit recht effektiv verhindert, dass Betroffene noch zu Lebzeiten zu ihrem Recht kommen. "Lebzeit" wird häufig überbewertet.

Während die Amerikaner so tun, um erfolgreich schmutzige imperiale Politik zu machen, versucht das kleine Brüderchen, dieses widerwärtige Treiben auf ganz eigene Weise in den Schatten zu stellen. Liebe Landsleute, auf die Akten über den Staatsbesuch des Zars Nikolaus II. müsst ihr noch ein Jährchen warten. Alles andere würde die Integrität des Deutschen Reiches der Weimarer Republik des III. Reiches der Bundesrepublik Deutschland gefährden. Klingt albern? Ist aber so.

Das ist Deutschland hier

Die NSU-Akten sollen bekanntermaßen 120 Jahre geheim bleiben. Nationalsozialisten, die im 21. Jahrhundert unter der Aufsicht, mit Wissen und Unterstützung der deutschen Geheimdienste unbehelligt mordend durchs Land marodieren, müssen auch posthum geschützt werden. Für 120 Jahre. Man fragt sich jetzt, wie die Nazis sich damit gegen den ganzen Tand und Tüll der von ihnen geschützten Verfassung und deren Organe haben durchsetzen können. Mehr noch, wie sie auf ausgerechnet 120 Jahre kommen. Nun, immerhin da kann ich abhelfen:

Der Beamte, der diesen Beschluss zu Papier brachte, war aufgefordert worden, eine angemessene Frist von 10.000 Jahren festzusetzen. Der Mann hatte Jahrzehnte im Finanzamt gedient, flugs ausgerechnet, dass ein 1000-Jähriges Reich 12 Jahre dauert und das Ganze korrekt umgerechnet. Wie aus gut informierten Quellen verlautet, wurden die Budgets der betroffenen Dienste adäquat erhöht, um für den avisierten Zeitraum mögliche Whistleblower ausfindig und unschädlich zu machen. Bei Fluchtversuchen ist der Gebrauch der Dienstwaffe ausdrücklich erwünscht.

 
"Veranstaltungen wie das Luther-Pop-Oratorium mit 30.000 Chorsängern oder die vielen Gottesdienste auf den Marktplätzen überall im Land waren besonders erfolgreich.
Natürlich erleben wir Phänomene wie Nationalismus, wie Rassismus und Hetze und Hasskommentare im Netz
...

Aber wir müssen uns gerade da mit unserem positiven Menschenbild in die Gesellschaft einbringen.

EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm

Oder auch:
"Denn der aus dem Rechtfertigungsglauben konsequent folgende Glaube an die göttliche Alleinwirksamkeit ist derart brutal und menschenunwürdig, dass die Leute massenweise aus der evangelischen Kirche austräten, wenn er ihnen von ihren Pfarrern bekanntgemacht würde."

Hubertus Mynarek

 
xx

Immer wieder erlebe ich, dass Publizisten, denen ich eigentlich einen funktionierenden Verstand unterstellt hatte, ihr Gehirn ablegen und obszön ihre kahlen Schädelwände zur Schau stellen. Vor Wochen hat sich Robert Misik dieses Vergnügen gegönnt und gleich alle Hoffnung auf Genesung fahren lassen. "Silly Left" nannte er diejenigen, die partout in Emmanuel Macron keinen akzeptablen Präsidenten sehen wollten. Es gelte, Le Pen zu verhindern, denn, so das bestechende Argument, einem Wahlbefehl gleichkommend: "Le Pen 2017 ist scheiße."

Misik verstieg sich gar zu dem Rundumschlag, das seien "nützliche Idioten" und war sich auch nicht zu schade, "Putin" und "Kontakte zu Russland" zu raunen, um der schrecklichen Gefahr noch den Grusel der Verschwörung mit dem Teufel selbst anzuhaften. Kein Thema war für ihn etwa, dass Macron bereits der Architekt der neoliberalen Ansätze unter Hollande war. Der - wer erinnert sich noch? - hatte bereits einen Schröder gepullt, war mit Versprechungen wie "75% Reichensteuer" abgehoben und hat stattdessen dann lieber die Gewerkschaften entmachtet. Dass es inzwischen also üblich ist, das Eine zu wählen und das Andere zu kriegen, ficht ihn nicht an, den Ritter des kleineren Übels®.

Sicherheit ist Freiheit

Faschismus scheint für solche sozialdemokratischen Fachexperten eine Art Label zu sein; eine Marke oder Fahne, nicht etwa eine politische Entwicklung. Kein Wort von Überwachung und Notstandsgesetzen, mit denen die Regierung Hollande/Macron jahrelang Bürgerrechte gehäckselt hat. Nicht, dass man unbedingt hätte wissen müssen, was kommt, aber ausgerechnet der Parlamentarismus-Experte hat nicht kapiert, dass der autoritäre Staat sich am besten von denen umsetzen lässt, die so freiheitlich tun. Le Pen wäre ein Strohfeuer gewesen. Sie hätte mit solchen Ansätzen auf Granit gebissen. Aber man hat sie ja verhindert, und damit das Böse von Hitler bis Putin.

Macron durfte also losregieren und hat von Anfang keine Gefangenen gemacht. Notstandsgesetze? Wozu soll das gut sein? Schaffen wir doch gleich den Richtervorbehalt per Gesetz so weit ab, dass wir sie nicht mehr brauchen. Rüsten wir die Polizei mit allen Rechten aus, die sich schon immer gewünscht hat. Jetzt, wo Le Pen aus dem Rennen ist, ist Polizeistaat etwas Gutes. Der hilft ganz dolle gegen islamistischen Terrorismus, diese Geißel aus dem Nahen Osten. Oder Nordafrika? Egal, Hauptsache Balkan.

Nafris raus

Ganz großer Karneval ist aber sein ganz persönlicher Versuch, den Rechtsradikalen mit Rassismus zuvorzukommen. "Unerbittlich" wolle er "kriminelle Ausländer" abschieben. Nun ist das auch Frankreich schon längst Gesetz und der Präsident hat mit Abschiebungen konkret nichts zu tun, aber klingt doch gut, oder? "Abschieben" und "kriminelle Ausländer"? Soll ich noch mal "kriminelle Ausländer" sagen? Aha, Nachricht angekommen. Außerdem sollen diese Schwarzen gar nicht erst über "Los" gehen. Es geht nicht um irgendwelche Ausländer und schon gar nicht um Kriminalität, sondern um Afrikaner. "Abschieben wie Merkel", titelt die "Zeit", nur ohne "Willkommenskultur".

Frankreich hat sich um die Einwanderer aus seinen Ex-Kolonien ebenso wenig gekümmert wie Deutschland um seine Türken. Nachdem also 'Integration' bestenfalls einseitig stattgefunden hat, ist nach deren Scheitern jetzt das große Geschrei der Rassisten angesagt. Gerade Frankreich hat schon ohne die Flüchtlinge der letzten Jahre so viele illegale Nordafrikaner im Land, dass nur Massendeportationen eine, Verzeihung, Endlösung des Problems erlauben. Macron legt sich mächtig ins Zeug, wenn es um hoheitlichen Rassismus geht. Den ehrlichen Rechten geht das dennoch nicht weit genug. Wenn wir sie das nächste Mal 'verhindern' wollen, wird der Präsident die Züge wohl rollen lassen müssen. Zum Schutze der Demokratie, versteht sich.

p.s.: Dolle Demokratie haben Sie da, Missiö Le President. Ich bin dann mal weg. [via daMax]

 
kf

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Bloggerismus kostet nicht nur Koks und Whisky, sondern auch Geld. Das ist bekanntlich schwer zu beschaffen und mit diesen unangenehmen Risiken verbunden. Die Opfer, mit denen man es aufnimmt, werden ja auch nicht jünger. Unsere Qualitätstexterei an den #feynsinn dran ist zwar der zwanghafte Auswurf eines Überzeugungstäters. Aber ich kann natürlich länger und öfter, gewissenhafter [Das ist so geil, das muss ich einfach aus dem Original so stehen lassen. Wenn ihr nicht zahlt, kann ich auch anders. Geiler Scheiß! säzzer] und effektiver an euch rummachen, wenn ich dafür Angebote bekomme, die ich nicht ablehnen kann.

Eine kleine Spende tut helfen, große Spenden tuten natürlich mehr; einmalige Ablasszahlungen sind ebenso hilfreich wie lebenslang Freibier.
Wir freuen uns über jede Spende!1!!
Schreibt uns einfach an, dann teilt euch der Säzzer mit, wo die Kontoverbindung steht und sagt euch auch gleich (einschließlich Tiernamen), woran es liegt, dass ihr sie nicht von selbst findet. Selbstverständlich könnt ihr mir nicht mit PayPal in den Schritt greifen. Sonst natürlich schon. Ich mache haptisch alles, wisst ihr ja: Französisch, von hinten und ins Knie.

[Gruß an die gemäßigten #rebellen; säzzer]

tl;dr: Ihr habt mir letztes Jahr entscheidend über die Straße geholfen. Heißen Dank an alle, die "da Button" gefolgt sind. Das nächste Jahr wird auch wieder recht eng, ich empfehle mich daher auch den Anderen.

Immer für Sie daa ...

 
dy

Wenn Sozialdemokraten argumentieren; Heiner "man müsste nur" Flassbeck hat sich einen schönen Popanz gebastelt und gibt ihm fleißig die Peitsche:
"Man sollte sich davor hüten, in der politischen Debatte mit bloßen Schlagworten wie dem „Kapitalismus“ alle diejenigen zu diskreditieren, die sich nicht dem hehren Ziel der „Systemüberwindung“ verschrieben haben", geht das los, und schon landet der Schlag im eigenen Gesicht. Kapitalismus ist also ein Schlagwort? Um 'Nicht-Systemüberwinder' zu diskreditieren? Wo genau wird der Begriff so benutzt? Offenbar bei solchen hier:

"Es ist lächerlich leicht, sich mit Marx-Zitaten und dichtem Systemnebel zu immunisieren" - heißt jetzt was genau? Dass jeder, der Marx zitiert, "immunisiert" ist (was immer ein "Systemnebel" sein mag)? So verstanden, brauche ich keinen Flassbeck. Leute, die Marx verbieten wollen, finde ich bei überzeugten Rechten zur Genüge. Oder sind doch nicht alle, die Marx zitieren, "immunisiert"? Dann stellt sich folgerichtig die Frage, warum er sich nicht an solche hält, die sich nicht "immunisieren", sondern lesen, verstehen und Marx auf die aktuelle Lage anwenden. Flassbecks Nebel aus Pauschalurteilen hingegen ist lächerlich einfach - und völlig nichtssagend.

Kritik ohne Konstrukt

Kapitalismus bescheidet sich auch keineswegs in der „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen“, schon gar nicht für Marxisten, bloß weil irgendwer in einem Leserbrief dies als "Grundcharakteristik des Kapitalismus" dargestellt hat. Man könnte, wenn man wollte, übrigens durchaus darüber diskutieren, aber auch das verweigert Flassbeck. Stattdessen mäandert er durch historische "Systemalternativen", von denen er teils selbst erkennt, dass sie gar keine sind. Deren Blitzanalyse gerät ebenso simpel; wenn er zum Beispiel erkennt, dass die zentrale Bürokratie des Resoz ein Problem war, müsste man folgerichtig über eine dezentrale Organisation sprechen. Aber das nur am Rande.

Scheinbar sorgt er sich dabei noch um den Erfolg der Systemüberwinder: „So lange man nicht klar und in verständlicher Sprache darlegt, dass man eine ganz neue Idee für ein System hat, das ohne Kapitalismus auskommt, wird man dem Totschlagargument mit der DDR niemals entkommen.“
Und daraus folgt, dass es falsch ist? Im Ernst? Ist das nicht eher lächerlich einfach – und schlicht falsch? Gegen den Totschläger reicht schon der Hinweis auf das Ende der DDR: Das war 1989. Seitdem haben sich die technischen Möglichkeiten der Planung ebenso revolutionär verändert wie die Produktivität. Das wieder nur am Rande, denn es ist schon Unsinn, eine Kritik zurückzuweisen, wenn der Kritiker keine Ersatzwelt in der Tasche hat. Demnach hätte es im 15. Jahrhundert kein valides Argument gegen Hexenverfolgung gegeben.

Goliath schlägt zurück

Das Kernproblem des Kapitalismus ist der Zwang, aus Geld mehr Geld zu machen aka G-W-G. Das wäre vielleicht Marx ohne Nebel und Immunität. Aktuell stehen hinter jedem Dollar (Währung beliebig), die jährlich weltweit umgesetzt werden, drei Dollar Kapital, die vermehrt werden müssen. Marx hat das kommen sehen, mit fast allen Folgen und Symptomen, die wir derzeit erleben. Was er nicht kommen sah, waren die konkreten Techniken der Konkursverschleppung, wie sie die Neoliberalen eingerichtet haben. Diese neoliberalen 'Reformen', die wir weltweit erleben, sind eben notwendig, um das System über den Tag zu bringen. Alles, was Flassbeck vorschlägt, wäre ein Risiko, das keines der großen Kapitale eingehen kann. Das ist ein Feature und kein Bug.

Selbst wenn man es rein politisch betrachtet und sich auf die aus meiner Sicht alberne Vorstellung einließe, es könnte eine (staatliche) Kontrolle geben über die Wirtschaft, ist Flassbeck blind für einen scheinbaren Nebeneffekt des Kapitalismus, der spätestens seine ganzen schönen Vorschläge zunichte macht: Die Dynamik seiner Entwicklung erzeugt Einheiten, die mächtiger sind als selbst die größten und einflussreichsten Staaten.

Diese (Konzerne, Riesenvermögen) verfolgen nur ein Interesse: zu überleben d.h. weiter zu 'wachsen'. Zudem fördern gerade die einflussreichen Staaten (USA, China) Kapitalismus und Oligarchie nach Kräften. Die Welt, in der dieser Krebs sich 'beherrschen' lässt, existiert nicht. Wie sein Endstadium aussieht, wissen aus wir drei Weltkriegen. Ich kann nur hoffen, dass eines Tages aus den rauchenden Trümmern nicht wieder die Flassbecks auftauchen und ihren Kapitalismus diesmal aber ganz doll sozial gerecht® wiederbeleben.

 
cf

Wenn die Massenmedien, ihre Verlagshäuser, Redakteure und Lohnschreiber, den großen Holzhammer rausholen und ihren Kritikern "Verschwörungstheorien" vorwerfen, dann müssen wir das im Grunde ignorieren. Zu tief ist längst die Kluft zwischen den Erzählern der Mittelschichtsmärchen und den Werktätigen, mit denen sie außerordentlich hohen Kontakt haben. Dabei wirkt das Versagen der Medienprofis doppelt: Sie sind selbst auf Ignoranz getrimmt und ihre eindimensionale Kommunikation ermutigt auf der anderen Seite die größten Deppen, sich auch für qualifiziert zu halten.

Für das, was sich hierzulande noch "Journalismus" nennt, habe ich keine Hoffnung mehr. Gerade in den letzten Tagen und Wochen bin ich kurz vor der Verzweiflung, wenn ich 'Berichte' lese über Russland, Katalonien oder die Feiern zur "Reformation". Sie sind geprägt durch Unwissen, Dummheit und schlicht dreiste Lügen. Da helfen dann auch keine 'journalistischen Standards' mehr. Die verlangen etwa so etwas wie zwei unabhängige Quellen; wenn man aber ohnehin planvoll die ganz eigene Realität bastelt, fährt man halt auf Standspur und Gegenfahrbahn. "Du sollst nicht lügen" steht nicht im Pressekodex.

Wenn man das besser machen will, empfiehlt es sich, anders zu denken und dann anders zu sprechen bzw. zu schreiben. Beginnen wir hinten unten: Wenn mir die Galle überläuft, habe ich zwei Optionen: Ich halte die Klappe oder lasse laufen. Letzteres muss schon mal sein; dann gibt man es als Ranting zu erkennen und lässt keinen Zweifel daran, dass man sich gerade gehen lässt. Ein solcher Text ist unanständig, ungerecht und persönlich. Er sagt viel über den Sprecher aus und wenig über das Objekt seiner Rage. Es ist Pöbelei. So etwas kommt vor, aber es kann nicht den Anspruch auf irgendeine Seriosität erheben.

Wer wie was

Ansonsten halt sachlich. Wie macht man das? Indem man sich nicht mit dem befasst, was irgendwer will, wünscht oder für gut und richtig hält. Anders gesagt: Nur eine strikt materialistische Sichtweise schützt vor Spekulationen, die in VTen enden können. Es ist völlig nutzlos, sich vorzustellen, was mächtige Leute aufgrund ihres Charakters wollen, was sie planen oder verabreden; vor allem, wenn es nicht öffentlich ist. Schon die Vorstellung, ein Regierungschef könne quasi einen Befehl geben, der dann gehorsam umgesetzt wird, ist Unsinn.

Die erste Frage ist: Was kann ich wissen? Was ist wann wo wie passiert? Welche Kräfte sind wirksam? Mit wieviel Geld, wie vielen Waffen, Rohstoffen und Ressourcen sind bisher welche Ziele verfolgt worden? Welche davon wurden erreicht, welche nicht? Woran liegt das? Welche Interessen werden wie verfolgt? Dies klingt jetzt nach einem Widerspruch, schrieb ich doch gerade noch, man solle sich nicht mit "wollen, planen oder verabreden" befassen. Hier kommen wir zum zentralen Unterschied:

Interessen sind weitgehend objektiv; in der Regel handelt es sich um das, was uns als 'Wachstum' verbrämt wird und "Profite" meint. Profite brauchen Ressourcen, Rohstoffe, Handelswege, Einfluss, Militär. Es gibt hier Konzerne, Staaten, Verträge, Koalitionen. Einige davon bestehen seit Jahrzehnten, andere nur kurzfristig. Interessen werden in solchen Strukturen verfolgt, dazu gibt es Strategien. Diese sind teils erkennbar (NATO-Osterweiterung, Kriege im Nahen Osten), teils werden sie öffentlich kommuniziert (Weißbuch, Think-Tanks, Regierungserklärungen ...). Aus diesen Daten und Quellen ein konsistentes Bild zusammen zu fügen, ist die Kunst. Irrtümer stets vorbehalten, Korrekturen immer wieder nötig.

Haltbar bis

Das bedeutet von Alpha bis Omega, seine vermeintlichen Erkenntnisse täglich zu hinterfragen. Es gibt kein Wissen, das ewig währt und schon gar keine Mächte, die immer überall das Geschehen bestimmen. Nein, nicht einmal die NATO. Auch nicht Rockefeller oder die Bilderberger. Das liegt schon allein daran, dass ihnen ob ihrer Dummheit, Ignoranz, Eitelkeit oder schlicht der Grenzen des menschlichen Denkens die Fähigkeit fehlt, einen ganzen Planeten zu regieren. Wer sich schließlich mit den Gesetzen und Zwängen kapitalistischen Wirtschaftens beschäftigt, weiß, dass dessen Eigendynamik ohnehin nicht beherrschbar ist. Gerade die Reichen und Mächtigen rennen den Problemen längst hinterher, die das System erzeugt.

Verschwörungstheorie und Propaganda gehen Hand in Hand. Dem kleinen VTler aus der Klapse nebenan kann man freilich keine "Propaganda" vorwerfen, weil sein Gebrabbel zu irrelevant ist. Den großen Verlagen muss man hingegen Propaganda vorwerfen, wo sie statt der materialen Analyse regelmäßig mit Personenkult, Schuld, Gut und Böse und sonstigem alltagstheoretischen Kitsch daherkommen. Die Rollen sind darin vorab festgelegt und das Ganze wird in Endlosschleife wiederholt.

Auch das ist aber keine Verschwörung, sondern das Narrativ ihrer kleinen Welt. Sie sind vor allem so blöd, dass sie das selbst glauben; auch ihnen ist die Welt längst zu komplex geworden. Sie neigen daher selbst zu Verschwörungstheorien, die in ihre Propaganda einfließen (Russen, Hacker, Trolle, Terroristen). Sicher, ein paar von ihnen wissen, was sie tun. Aber selbst für die ist der Rahmen festgelegt, in dem sie sich bewegen können. Limousine und Golfclub wollen schließlich bezahlt sein.

 
tl

Abb.: Russische Hackertrolle bei ihren dunklen Machenschaften

Diese Russen! Alles haben sie in der Hand. Zum Beispiel Twitter und Facebook. Die Wochenschau hebt an mit den bekannten Geschichten von furchtbaren russischen "Trollen", die alle Diskussionen im westlichen Internet beherrschen. Tja, so ist das hier: Da wir die Guten sind, können wir so etwas nicht und sind ihnen hilflos ausgeliefert. Aber mehr noch: Ihnen gehört das Internet jetzt. "Millionen" haben sie in "Twitter und Facebook" investiert! Ein paar Zeilen weiter ist es schon "eine Milliarde", dann aber heißt es: "Die Anteile hatte DST mit Hilfe von Gazprom vor dem Börsengang von Facebook im Jahr 2012 bereits erworben und hält sie heute offenbar nicht mehr." und "DST hat die fraglichen Anteile an Twitter mittlerweile wieder verkauft."

Geht ab wie auf der "wilden Maus". Kaum hat es dir den Hals nach links verrenkt, fliegt die Bandscheibe schon wieder in die Gegenrichtung. Diese Russen machen Geschäfte mit unseren Social Media! Kaufen Aktien und verkaufen sie wieder! Und dann haben sie diese Trolle!!1! Geht aber noch weiter: Trump haben sie ja auch in der Tasche. Russische Oligarchen! Hier heißen diese hochverehrten Leistungsträger übrigens schlimmstenfalls "Milliardäre"; gemeinhin kennt man sie als Investoren®. Trumps Russen aber, die Oligarchen® und ihre Unternehmen, werden "aus Putins Umfeld gesteuert". Mit der Oligarchenfernsteuerung nämlich.

Oligarchen, Trolle, Steueroasen

Das haben sie jetzt alles knallhart recherchiert und rausgekriegt, also gelesen. In einem Leak. Ich bin verwirrt. Dachte ich doch, dieses Leaking sei Verräterei. War das nicht das, was diese Putinfreunde Assange und Snowden gemacht haben? Ah, ich sehe, es geht hier gegen die Bösen: "Korruption, Geldwäsche, Steuerhinterziehung". Wie machen die Russen das? Ah, hier: Über eine Steueroase. Auf den Jungferninseln. Warte, die sind doch britisch! Ach, und BP ist auch beteiligt. Und guck mal hier, der "unabhängige Aufsichtsrat" der Firma heißt Gerhard Schröder, genau wie der Exkanzler. Oops, das ist er ja höchstselbst!

Diese Russen, haben alles im Griff. Übrigens auch in der Ukraine, bei den Separatisten. Nein, warte, bei den anderen, den Guten, ihr erinnert euch? Joe Biden, sein Sohn und die lustige Seilschaft im Gasgeschäft? Nur mal so als Beispiel. Der Präsident des Landes ist übrigens Schokoladenmilliardär, so heißen Sieger. Alles klar so weit? Übersicht komplett verloren, Weltbild gefestigt? Mission accomplished.

Man kann das nach Belieben veranstalten. Eurasien, Ozeanien, Russland, der IS, Juden, Türken, Aliens. Am Klang der Worte erkennt jeder Halbgescheite, auf welcher Seite er zu stehen hat. Kann sein, dass da mal einer auf dieser Seite auftaucht und dann wieder auf jener, aber das ist Inhalt, den merkt sich eh keiner. Na ja, und einiges hat ja doch Bestand - oder hat schon mal jemand was vom guten Russen gehört? Haha. Hahahaha! Sehr praktisch übrigens auch, dass das ganze Gewese um Geiz, Gier und Steuerverbrechen, Verzeihung, Steuersünden gar nicht erst groß auffällt. Man stelle sich mal vor, wir hätten hier Medien, die Wörter wie "Klassenkampf" kennten. Nee, hör auf jetzt! Der war gut. Hahahaha. Haaahahahahaa!

 
pl

Merkwürdig: Ausgerechnet als 'Argument' gegen Sexismus entdeckt Herr De Lapuente plötzlich den Klassenkampf. Manche Manöver sind einfach zu durchsichtig. Leider mag "Dame von Welt" keine Links, aber sie hat zum Thema einen Text verfasst, dem ich weitgehend zustimmen kann. Müsst ihr selbst suchen.

Vor allem der Hinweis darauf, dass die kleinen Weinsteins ein Problem sind; eines, das sich eher nicht in die Kategorie "Klassenkampf" einordnen lässt, ist hier wichtig. Das Original übrigens auch nicht, denn viele von Weinsteins Opfern trennt keineswegs eine Klassenschranke von ihm. Dass Kapitalismus besonders geeignet ist, ausbeuterische Herrschaftsverhältnisse zu fördern, lässt sich zwar nicht leugnen, sexuelle Gewalt aber hat noch eine ganz andere Dimension.

Gar nichts gelernt

Meine Ansichten zum Gender-Sexismus ist gemeinhin bekannt; diese Form von "Feminismus", eine Orgie der Opfermythologie, ist in diesem Zusammenhang eher fatal, weil sie obendrein die Unterschiede schleift zwischen Anmache, Sexismus und Gewalt. Geschenkt. Es geschehen aber Dinge, die mir zeigen, dass wir offenbar noch im tiefsten Hinterwald leben, Mittelalter und Steinzeit. Es ist zum Kotzen.

Noch ein Ansatz: Neulich in Barcelona griff mir eine alte dicke Frau, als sie aus der U-Bahn ausstieg, erkennbar absichtlich und mit einem dreckigen Lachen an den Hintern. "So ist das also", dachte ich, war zunächst perplex und dann eher amüsiert. In der Tat macht es aber einen Unterschied, wenn du weißt, dass sie dir nichts anhaben kann und du das nicht alltäglich erfährst. So ist das also doch eher nicht.

Bemerkenswert derweil, dass es eine Kaste überbezahlter Sternchen ist, bei denen Arschwackeln zum Geschäft gehört, die jetzt aufbegehren. Damit meine ich absolut nicht, sie hätten kein Recht dazu. Im Gegenteil ist es traurig, wenn selbst Frauen (inzwischen auch vereinzelt Männer) mit solchen Ressourcen sich jahrelang nicht trauen sich zu äußern. Geradezu furchtbar, wenn sie es doch tun und auf Mauern der Ignoranz und Verharmlosung stoßen. In dieser Welt leben wir also. Diese Bretter sind also immer noch zu bohren. Hätte ich nicht gedacht.

Bück' dich

Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass das Gegenteil des Opferkultes hier Not tut; dass Frauen, die Situationen solcher Ohnmacht erlebt haben, erfahren, dass sie eben nicht ohnmächtig sind. Eine Zivilgesellschaft muss in der Lage sein, den Wichsern, die sich dergleichen rausnehmen, beizukommen. Das heißt weder, dass man wie de Lapuente den unschuldig verfolgten Jörg Kachelmann ohne Weiteres in einem Satz mit Vergewaltigern und Verdächtigen nennt, noch dass man Frauen, die sich äußern, für hysterisch erklärt oder Vergewaltigung bagatellisiert.

Es heißt offensichtlich, dass man vielen Zeitgenossen noch beibringen muss, was rudimentäre Solidarität ist und man nicht erst vor Gericht das Minimum an Anstand durchsetzen kann. Es heißt, dass die 'westliche' Gesellschaft unter der dünnen Tapete nach wie vor jede widerwärtige Spielart sadistischer Herrschaft duldet und Zivilisation eine Frage des Machtgefälles bleibt. Die Macht des (vermeintlich) Mächtigen zu akzeptieren, heißt zu akzeptieren, was er damit macht. Egal, in welcher Gehaltsklasse.

 

Die Diskussion um frühkindliche Bildung war lange Zeit von der Absicht geprägt, Kinder vor Leistungsdruck zu schützen und ihnen ein Recht auf eine vermeintlich unbelastete Kindheit zu sichern: »Kindorientierung statt Leistungsorientierung« hieß die Devise. Diese Einstellung resultierte aus einem Bild vom Kind als einem schwachen Wesen. Heute wissen wir: Kinder sind stark.


via Zeitgeistlos

 
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Die Sachsen sind mal wieder Avantgarde. Seitdem die Dödel aus dem Tal der Ahnungslosen Westfernsehen haben, kann man sie nicht mehr als treudoofe Grenzer und Spitzel gebrauchen, aber die Elite dieser deutschesten aller Deutschen (sieht man einmal von der Simulation einer Sprache ab, die dort gepflegt wird), marschieren noch immer voran, wenn es darum geht, die Grenzen zu schützen.

Ihr Landesobergockel Michael Kretschmer hat jetzt angesagt, wie einfach man kriminelles Pack erkennt:
Wenn ich da sehe, dass ein Gepiercter ein großes Auto fährt, dann ist das verdächtig und kann ihn kontrollieren.

So einfach ist das. Linkszecken und Kanaken können sich kein großes Auto leisten; sie können höchstens welche klauen oder mit Drogen finanzieren. Weiß doch jeder. Endlich sagt es mal einer!

Alles Scheise

Von Sachsen lernen, heißt völkisch lernen. Der aktuelle Exportschlager heißt daher "Heimat" und wird von allen getrommelt und gepfiffen, die glauben, das wolle der kleine Mann auf der Straße gern von ihnen hören. Von Seehofers bis Eckardts Göring stehen sie neuerdings auf "Heimat" wie sonst nur auf der Leitung. Du bist Heimat. Ich bin Heimat. Sexy Mini Pop-op Heimat. Alles ist in deutscher Heimat. Ausgerechnet die ganze neoliberale Mischpoke stimmt den braunen Schlager an, was witzig ist:

Den Sachsen wurde übel mitgespielt, wie dem ganzen Osten, wurden ihnen doch nicht nur sämtliche Straßen bis zur Unkenntlichkeit saniert. Schlimmer noch, sind sie seit 89 Fremde im eigenen Land. Ihre Lebensleistung ein untergegangener Staat, der nur mehr in Gruselgeschichten für Kinder vorkommt. Die Arbeit weg oder mies bezahlt, die Rente ein feuchter Traum. Alles, wofür sie aufdietraßegegangen® sind, ist weg, schon seit 2002. Kaum hatten sie sich die D-Mark erkämpft, war sie schon wieder futsch. Stattdessen kam Hartz vier.

Die Aussichten waren noch nie so miserabel wie heute. Ganze Dörfer verlassen, die Frauen weg, die Akademiker weg, kurzum: alles, was die Mauer einmal aufgefangen hatte. Jobwunder nicht in Sicht und kein ‚Drüben‘ mehr, das man sich erträumen kann. Heimat kaputt. Alles kaputt. Und jetzt sollen noch diese Flüchtlinge kommen. Die alles kriegen. Umsonst. Platz im Heim, warme Decken, Deutschkurse. Später sogar unser Hartz vier!

Auch die noch?!

Da weiß der Sachse: Genug ist genug. Alles, was wir hier noch haben an Heimat, sind unsere Gesichter. Solides verkniffenes Grau, aus dem der Klang der guten alten Zeit® erschallt wie das Mittagessen nach durchzechter Nacht. Wo sich „Frühaufsteher“ auch dann noch auf „Aktentasche“ reimt, wenn der letzte Angestellte vom Sachbearbeiter zum Minijob bei Amazon sanktioniert wurde. Da passt er nicht hinein, der Nafri, der Musel, der Wirtschaftsflüchtling aus Aleppo. Wenn du den antanzen lässt, begrapscht er dich noch anstatt strammzustehen.

Unsere Heimat ist kaputt genug, unsere Hoffnungen schon am Boden zerstört. Alles ist besser als das, was die Etablierten und ihre Lügenpresse aus unseren blühenden Landschaften gemacht haben. Selbst Zerstörung und Krieg sind besser, weiß der Kämpe auf der Barrikade in Leipzig-Grünau, und jetzt schicken sie uns auch noch die auf den Hals, die schon wissen, wie man so was überlebt. Aber nicht bei uns. Hier sind wir® nämlich das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!

p.s.: In Sachen Lesekompetenz suchen Sie die Kommentare auf. Hier gibt es nichts zu sehen.

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