ct

Endlich gesiegt! Wir haben die rechte Hand Bin Ladens erwischt. Das ist ein Running Gag bei Fefe seit vielen Jahren. Dessen Leser wissen das. Wer in diesem Land die Schrottmedien konsumiert, weiß es nicht. Keine Ahnung, wie deren Leser und Zuschauer es fertigbringen, sich jahrzehntelang dieselben Lügen auftischen lassen; wie das noch immer funktioniert, obwohl sie inzwischen allesamt auffliegen.

Wir erinnern uns an Taliban aus der "Nordallianz", die "gemäßigten", die dann Al Kaida wurden. Dieselben Leute, 'unsere Verbündeten', waren plötzlich so schrecklich, dass wir seit 16 Jahren Krieg führen - niemand weiß, wohin das führen soll. Zuletzt gab es eine "gemäßigte Opposition" von "Rebellen" in Syrien, die sich kurz nach dieser medienweiten Einheitsbezeichnung dabei haben erwischen lassen, wie sie einem Teenager gemäßigt den Kopf abgeschnitten haben.

Gemäßigt brutal

Heute wird gemeldet, wie eine Drohne den "Anführer der brutalsten und aktivsten pakistanischen Talibangruppe" getötet hat. Nicht gemeldet wird, wer dabei noch getötet wurde. Nicht gemeldet wurde, was so brutal an ihm ist. Einziger Hinweis: "JuA steckte zum Beispiel 2016 hinter einem schweren Anschlag in der Großstadt Lahore, wo sich ein Selbstmordattentäter in einem Park voller Ostern feiernder Familien in die Luft sprengte. 70 Menschen starben."

Schon 2015 betrug die Zahl der Opfer der NATO-Kriege von Irak bis Afghanistan über eine Million Tote. Eine Million Menschen in unserem gerechten, "Krieg gegen den Terror", der gemäßigt ist, rücksichtsvoll und für die Menschenrechte. Wie kann man so etwas glauben? Wie kann man so etwas schreiben? Wie kann man dann noch erwarten, dass die Leser das auch alle glauben?

Die andere Baustelle, unsere von Gestapo und anderen Nazis in Kooperation mit den Faschisten der McCarthys aufgebauten Geheimdienste und Sonderpolizeien, wird derweil noch immer behandelt als seien das nette Leute, die sich öfter mal in der Tür vertun. Pannen über Pannen. Immer mehr Geld für immer mehr Pannen und immer mehr Anschläge, die mutmaßlich oder bewiesenermaßen von ihnen selbst begangen werden. Wer darin keine Panne sieht, ist Extremist oder irre.

So dumm sind die Leute nicht

Ein geschlossenes Weltbild ist nötig, um die offensichtlichen Zusammenhänge zu leugnen und anstelle derer welche zu konstruieren, die so verstrahlt sind, dass sie im Dunkeln leuchten. Ein Nebeneffekt dieser Märchen ist der, dass in einer Atmosphäre, die so etwas als Narrativ durchprügelt, wirklich jede Idiotie zur attraktiven Alternative wird. Wahrheit ist eine Behauptung, es regiert die These als Beweis. Der Versuch etwas zu widerlegen, ist Ketzerei.

Seit dem 11.09.2001 gilt: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Wer Fragen stellt, ist nicht für uns. Das führt längst nicht mehr zu der Trotzreaktion, jetzt erst recht alles zu hinterfragen und sich auf die Suche nach konsistenten Antworten zu machen. Inzwischen bastelt sich jeder Verein seine eigene Religion. Ständig höre ich von Halbgescheiten, die es wagen, mir Diskussionen aufzudrängen, "das glaube ich nicht", wenn ich ihnen Hintergrundinformationen gebe.

Diese Simulation von Verstand beleidigt meine Intelligenz. Erst stellen sie Fragen als sei ich Google, und wenn ihnen die Antwort nicht gefällt, kommen sie mir mit ihrem Glauben. Für euch, hiermit beschlossen und verkündet: Das nächste Mal, wenn ihr mich fragt, schreib' ich für die Antwort eine Rechnung. Vielleicht glaubt ihr ja an Mahnbescheide.

 
nt

In einer Verkaufsstelle für Elektronikwaren hielt ich heute Ausschau nach einem Fernsehgerät und fragte gezielt nach Produkten aus der Region. Es sollte umweltbewusst hergestellt worden sein, kurze Transportwege zum Einzelhändler aufweisen, von deutschen Arbeitern mit Fleiß und Schweiß erbaut nach den Plänen deutscher Ingenieurskunst, wie es seit Jahrhunderten zuverlässig und einzigartig der Fall war. Es ist nicht einfach. Da muss der Kunde beharrlich sein und sich nicht abspeisen lassen mit irgend einem herkömmlichen Schund, den halbgescheite Fließbandsklaven im Dienste des internationalen Finanzkapitals billig zusammenschustern.

Das taugt nichts, und man muss ja angesichts der Haltbarkeit solcher Erzeugnisse mutmaßen, dass der etwa asiatische Produzent es geradezu darauf anlegt, dass seine Massenware so schnell als möglich funktionsuntüchtig wird, damit er noch mehr davon seinem eigens dazu dumm gehaltenen Käufer andrehen kann. Das entspricht nicht der Mentalität des Deutschen, sei es als Kunde, als Arbeiter oder als Techniker. Deutsche Technik hatte einmal Weltruf. Was Thyssen, Krupp und Siemens seinerzeit an Qualität ablieferten, war für tausend Jahre gebaut. Ich ging unverrichteter Dinge heim.

Ist es heute besser?

Ich habe dann, meine Neigungen eisern beherrschend und der Pflicht gehorchend, einen deutschen Rasen gemäht, wie er noch nie auf deutschem Boden gemäht wurde. Halm um Halm, Kraut um Kraut erbarmungslos niedergemäht. Jeden Auswuchs einer unverschämten Länge zurechtgestutzt und die Reste auf dem Komposthaufen der Geschichte verklappt. Wir dürfen jetzt wieder stolz sein auf unseren Boden. Das Schicksal hat mich zum Werkzeug einer höheren Verheißung gemacht und ich nahm diesen Auftrag, diesen Ruf der abendländischen Kultur nach einem entschlossenen willensstarken Meister der Gartenpflege wahr.

Dem Tüchtigen sei dann auch das kleine Glück nach deutschem Reinheitsgebot gegönnt. Ein rustikales Brot auf der Terrasse, dazu eine Flasche Bier und eine Zeitung. Ich lese, dass die Kinder immer dicker werden. Bewegungsmangel, schlechtes Essen, keine Erziehung. War man früher stolz auf ranke und schlanke Racker, die wie die Wiesel herumtollten und den Älteren Respekt zollten, sitzen sie heute mit ihrer Lustelektronik auf dem fetten Hintern und lassen sich verwöhnen. Dabei haben sie für jene, die ihnen das ermöglichen, nur mehr Verachtung übrig.

Wo bleibt der starke Arm des Vaters, der das in Ordnung bringt? Oder ist das vielleicht erstrebenswert, dass die Zukunft des deutschen Volkes von fetten Faulpelzen abhängt, die kaum lesen und schreiben können, nicht mehr aus den Sessel hochkommen und mit 40 ihren zweiten Schlaganfall haben? Muss man sich schämen für Disziplin, Fleiß und Sauberkeit, während diese Brut gehätschelt und getätschelt wird? Darf man das noch sagen? Muss man sich dafür als "Nazi" beschimpfen lassen?

 
fh

Ein Fisch setzt sich auf meinen Schreibtisch und grüßt freundlich. Ich grüße zurück und versuche mich an einem Lächeln. "Grinst du denn so?", fragt der Fisch. Für einen Augenblick flirtet der Bully in mir mit der Gegenfrage, ob der Fisch mit mir rede - um nach der zu erwartenden Antwort zu präzisieren, dass ich nicht meinte, ob er mit mir rede, sondern wieso ein (obendrein offenbar toter) Fisch mit mir rede. Weiß er, dass ich kein Vegetarier bin?

Aber ich lasse das und entscheide mich für das Thema, das ihn unter den Flossen juckt: "Trotzdem. Ich grinse trotzdem. Trotz Redefisch und SPD."
"Aha", sagt er, "du weißt einem Fisch zu gefallen."
"Ich will dir nicht zu nahe treten, aber SPD? Da möchte ich kein totes Pferd sein. Ich meine: Ich werde doch lieber Lasagne als mich von den Sozen reiten zu lassen. Das riecht doch schon ... also im Vergleich zu denen duftest du wie eine frisch gemähte Frühlingswiese."

Gemähte Wiese

Eine Kellnerin kommt vorbei, stellt ihm einen grünen Cocktail hin und mir ein Pils. Dankbar haue ich ihr auf den Hintern. Sie mir dafür in die Fresse. Ich seufze. Weinstein müsste man heißen!
"Die AfD ist drin", sagt der Fisch.
"Was schert's einen Fisch?", frage ich; er retourniert: "Ich sprach ja auch zu einem Menschen.".
"Unentschieden", sage ich und bestelle noch eine Runde "für mich und meinen Freund".
Wir schweigen eine Weile, dann stellt er fest: "Wo ist der Unterschied." Wir zitieren abwechselnd:

Es muss erstaunen, dass eine so hoch entwickelte Stadt wie Bremen ihre Liebe zu Roma und Sinti entdeckt, die, sozial und intellektuell, noch im Mittelalter leben, in einer uralten patriarchalischen Gesellschaft. (…) Es ist ein Patriarchat, dessen Männer keine Hemmungen haben, die Kinder zum Anschaffen statt zur Schule zu schicken, ihren Frauen die Zähne auszuschlagen und sich selber Stahlzähne zu gönnen. Viele der jungen Männer schmelzen sich mit Klebstoffdünsten das Gehirn weg.

Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin.”

Noch ein bisschen mehr Sauce?

Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.

Der Rabbi hatte hohe Fortpflanzungschancen, weil er die reiche jüdische Kaufmannstochter heiraten konnte.”

"Biologen verwenden für ‘Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben’, übereinstimmend die Bezeichnung ‘Parasiten’. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen. Schließlich ist Sozialbetrug nicht durch die Natur bestimmt, sondern vom Willen des einzelnen gesteuert."

So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen, bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten, eine erhebliche Rolle und sorgen für den überdurchschnittlich hohen Anteil an angeborenem Schwachsinn und anderen Erbkrankheiten.

"Wer braucht da die AfD", sagt der Fisch, "die würden sich das doch gar nicht trauen. Ich bin sicher, die SPD wird diese verlorenen Schäfchen bald wieder einsammeln."

p.s.: Die Geschichte mit dem Fisch ist selbstverständlich frei erfunden. Ich spreche schon aus religiösen Gründen mit Fischen nur über meinen Tierrechtsanwalt. Tatsächlich hat sich dieses Gespräch zwischen einem Wikinger („dicke Kerls mit Hörner“) und einem Kobold zugetragen.

 
dn

Als Linker - trägt man da eher Sneaker oder Wanderschuhe? Schaut man Tennis oder geht man ins Stadion? Eishockey oder Handball? Ist man für oder gegen E-Bikes? Nichtrauchender Veganer oder freigeistiger Weintrinker? Wie stehst du zum Mauerbau, zur Souveränität von Åland oder zum bedingungslosen Grundeinkommen? Ach ja? Und du willst ein Linker sein? Auf welcher Seite stehst du?

Im Rahmen der Diskussion zu Katalonien sind mir vergleichbare Fragen begegnet, und ich wundere mich noch immer, immer wieder über die Setzkästen, in denen viele nicht nur denken, sondern die sie auch noch anderen aufdrängen. Es ist nicht links, freilich schon gar nicht rechts, eine offene Diskussion zu führen; eine, bei der nicht von vornherein feststeht, was am Ende dabei herumkommt. Am besten finde ich tatsächlich den vermessenen Gesinnungstest à la "auf welcher Seite stehst du"?

Seite, Seite, Mitte, Breite

Sorry, ich bin eigentlich meistens in Bewegung. Periodisch verweise ich auf den Untertitel dieses Blogs. Das ist eine sehr gelungene Formel, auf die ich mein politisches Streben gebracht habe. Wo sie nicht anwendbar ist, gilt sie daher auch nicht. Ob ich den Rasen mähe oder die Hecke schneide, hängt davon nicht ab. Ich kann das trotzdem entscheiden. Ich kann mich sogar für politische Ereignisse interessieren, auf die ich weder diese Formel noch Marxens Analyse des Kapitals oder die Grundrechenarten anwenden kann.

Ich versuche zu verstehen. Dazu formuliere ich Texte, die man diskutieren kann oder auch nicht. Ich kann in diesen Texten meine Überzeugung darlegen oder deren Gegenteil. Beides kann dazu beitragen, etwas am Ende besser zu verstehen. Wer hier länger und intensiver liest, kann sich zusammenreimen, was ich ganz persönlich denke und wie ich zu diversen Fragen 'stehe', jedenfalls weitgehend. Das ist aber völlig unerheblich. Ich finde hier niemanden, auch nicht unter denjenigen, die mir am nächsten sind, mit dem ich immer übereinstimme.

Fällt das eigentlich so wenigen Menschen auf, dass es eigentlich niemanden gibt, der wirklich durchgängig ihrer Meinung ist? Dass dieser Umstand den Begriff Meinung gar definiert? Ist es wirklich ein Problem, dass immer ein kleiner oder größerer Dissens bleibt? Kann man sich nicht trotzdem - oder gerade in diesem Bewusstsein - einigen? Was bringt es eigentlich, "auf derselben Seite zu stehen"? Diese Formulierung benennt Barrikaden. Ich stehe ungern in deren Nähe und mag auch nicht schießen. Fragt mich also nochmal, wenn ich eine Knarre in der Hand habe.

Murxismus

Da auch dieses Missverständnis (wie auch immer provokativ) hier aufkam: Nein, ich bin kein Marxist. Ich wäre es nicht einmal, wenn ich es wäre, weil da draußen gefühlt 90% der Leute, die das meinen, eigentlich Leninismus meinen, wenn sie Marxismus sagen. Außerdem bin ich Marxianer exakt so weit, wie dessen Analyse des Kapitalismus zutrifft. Als Motorradfahrer, Katzenbesitzer oder Gintrinker bin ich kein Marxist. Nicht einmal als Partei in einem Rechtsstreit.

Nicht einmal der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea oder deren Vorturnern ist ein Anwendungsgebiet für das, was ich von Marx gelernt habe. Nope. Ehrlich nicht. Kann ich da nicht brauchen. Um das zu verstehen, kann ich Freud oder ein paar Vulgärsoziologen heranziehen, die helfen mir eher, das zu begreifen. Ich bin in Betrachtung dieses Trauerspiels auch kein 'Linker'. Ich stehe auf keiner Seite, und doch maße ich mir an, mich damit zu beschäftigen.

 
Ein dezenter Lesebefehl: Raul Zeliks "FAQ".

 
fl

Quelle: Pixabay

Moral ist so lustig, insbesondere, wenn sie sich mit Politik mischt. Sehr gern genommen: Sätze nach der Art "Jedes xy ist eines zu viel", Topfavorit hier: "Jeder tote ...", Championsleague-Sieger: "Jedes tote Kind". Selbstredend. Völlig klar. Uneingeschränkt. Aber ... also wir können ja nicht jedem helfen. Sagen wir mal: "Jedes tote Kind der christlichen weißen Mittelschicht, Eltern Nichtraucher, festangestellt und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verpflichtet".

Obwohl ... also selbstredend gelten für unsereinen nicht die Ausnahmen, die bei aller Universalität von Freiheit, Menschenrechten und Moral dort gemacht werden müssen, wo wir unsere Lebensart noch nicht haben durchsetzen können. Eine Drohne ist schließlich nicht katholisch (selbst wenn gesegnet), das Gas von Degussa kennt keinen Gott und im Kampf um Freiheit, Hindukusch und Handelswege ... also kurzum: Das sind alles bedauerliche Einzelfälle, gern gehäuft anfallend, aber im Grunde würden wir schon wollen.

Jeder Euro einer zu viel

Auch wenn rund um die Flüchtlingswahl zum Deutschen Bundestag deutlich wurde, dass die Wanderungsbewegung in die Sozialsysteme nicht hinnehmbar ist mit all ihren oft unästhetischen Folgen, so will ich an dieser Stelle auch davon nicht sprechen. Strandgut und Schlepperbanden, das wird die Koalitionsverhandlungen hinreichend belasten, auch ohne dass man sie obendrein moralisch auflädt.

Nein, aber es ist vielleicht doch darüber nachzudenken, was die vernünftige Sparsamkeit der scheidenden schwäbischen Hausfrau im Finanzministerium und ihrer Kolleginnen angerichtet haben. Ich weiß, es gibt keine Alternative; der faule Grieche hat das zurecht zu spüren bekommen. Was aber ist mit den armen Kindern unserer fleißigen Angestellten und Angesteltinnen? Müssen die wirklich verbrennen? Für 3000 Euro? Kann man nicht wenigstens eine Spendengala ...?

 
wa

Das Whistleblower-Netzwerk e.V. hat mir vor drei Wochen ihre Pressemitteilung zukommen lassen, in der darauf aufmerksam gemacht wird, dass das Amtsgericht Oberndorf am 19.9.2017 über die Strafanklage gegen den Friedensaktivisten Hermann Theisen wegen der Verteilung von Flugblättern an Mitarbeiter von Heckler & Koch verhandeln würde.

Unter anderem ging es um "Aufforderung zu Straftaten gemäß § 111 StGB", nämlich zum "Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen". Die Verhandlung fand dann überraschend gar nicht statt, weil die Staatsanwaltschaft es sich wohl anders überlegt hatte (oder Heckler&Koch womöglich die schlechte PR vermeiden wollte).

Schwanz eingezogen

Das Verwaltungsgericht Freiburg stellte eine Woche später auf die Klage Theisens hin fest, dass der friedliche Protest gegen Heckler&Koch "durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt" sei. Das von der Behörde angeordnete Beschlagnahmen der Flugblätter durch die Polizei hingegen war illegal.

Wer sich wehrt, macht also vieles richtig; die Kenntnis der einschlägigen Gesetze ist dabei wie immer hilfreich. Wenig hilfreich sind untertänige Ansätze des Whistleblower-Netzwerk e.V., das es für sein Ziel hält, die Welt auf den Kopf zu stellen:
"Der nächste Bundestag muss endlich ein Gesetz verabschieden, das Whistleblowing regelt und Whistleblower umfassend schützt".

Schütze mich vor dir!

Ja nee is klar. Da hat man diesen wundervollen Fall, in dem jemand durch entschlossenes Auftreten im Rechtsstaat und die Angst des Gegners vor schlechter Presse einen Teilerfolg erzielt hat, und diese Sozialdemokraten beknien die Majestät, doch bitte ihren eigenen Stand zu maßregeln, auf dass sie im Sinne des Pöbels herrsche. Rafft ihr es nicht, ihr Betschwestern? Das Gegenteil ist deren Aufgabe.

Wenn es um die Frage 'Waffenexporte oder Menschenleben' geht, dann ist dieser Staat als oberster Eigentumsschutz ganz klar aufgestellt. Dasselbe gilt für seinen freidrehenden Sicherheitsapparat und jede systemrelevante® Einrichtung des Kapitals. Die werden vor euch geschützt und nicht umgekehrt. Ihr wollt die Trillerpfeife blasen? Dann macht das - und rennt! Wenn du so etwas tust, bist du Staatsfeind, und ausgerechnet der Staat soll dir dann gegen sich selbst helfen? Stückchen Kuchen dazu?

p.s.: Wieso berichtet das Whistelblower-Netzwerk eigentlich nicht selbst über den Ausgang des Falls?

bc

Ich wurde ausgetrickst und bin zum Anfang Oktober nach Barcelona geflogen. Der Anrufer meinte, ich hätte 15 Minuten Zeit zu entscheiden, ob ich mitfliege. Dass am 01.10. das Referendum war, hatte ich dabei nicht auf dem Schirm. Aus unterschiedlichen Gründen sagte ich also zu.

Vorab: Ich finde fliegen scheiße. Der alte Mann hat sich zum ersten Mal in solche Kisten gesetzt, die dröhnen wie Hulle, den Schädelinnendruck ständig ändern und einen so schnell von A nach B bringen, dass man gar nicht mitkriegt, eben gereist zu sein. Das einzig Geile ist aus dem Fenster Gucken. Dafür muss ich das aber nicht öfter machen. Wir bleiben in der Provinz!

Was tue ich hier?

Barcelona also. I've been tricked, reingelegt! Unter anderem, weil ich es gar nicht mag, wo herum zu touren, wo ich nada von der Landessprache verstehe. Schon Spanisch nicht vorhanden; Katalan negativ. Dabei wäre es so spannend gewesen. Man kann sich mit Englisch so weit behelfen, dass es fürs Gröbste reicht. Gespräche kommen so eher nicht zustande. Dabei hätte ich doch gern gewusst ...

Beschränken wir uns also auf visuelle Eindrücke und die drei Brocken, die mein Latein und das Englisch der Anderen zulassen. Es kreisten schon am Freitag ständig Hubschrauber in der Luft, 24 Stunden lang. Der Polizeistaat hat sich sehr präsent gezeigt und bekanntermaßen am Sonntag dümmst möglich zugeschlagen. Das Ereignis selbst habe ich vor allem im Fernsehen verfolgt. In den Teilen der Stadt, in denen ich herumgelatscht bin, war es ruhig.

Am nächsten Tag war die ganze Stadt auf den Beinen, vor allem das scheinbar gesamte Jungvolk. Wenn es die Absicht der Zentralregierung war, die Kluft zwischen ihr und den Katalanen auf unendliche Weiten zu prügeln, kann man nur gratulieren. Montag bin ich in eine Demo geraten. Die Stimmung war gelöst und friedlich, als seien sie froh, dass die Guardia Civil mit ihren Gummigeschossen die Entscheidung endgültig herbeigeführt hat.

"Si" heißt nein

Rajoys Machtdemonstration ist insofern voll nach hinten losgegangen. Ich weiß ja mangels Sprachkenntnissen nicht, was genau die Katalanen eigentlich dazu veranlasst, sich von Spanien zu trennen, aber das dürfte inzwischen egal sein. Vor allem die Jungen haben offenbar das Bedürfnis, Einfluss zu nehmen auf ihre Situation, auch wenn es weder überzeugende Gründe gibt noch irgendwer weiß, wohin das führt. Ein einiges "So nicht!" und "Ihr nicht!" fühlt sich einfach gut an.

Rational ist da wenig. Warum eine Region, die sich abspalten will, einen Generalstreik veranstaltet, will sich mir nicht erschließen. Obwohl: Wenn in Barcelona die Busse und Taxen stillstehen, wird das Herrn Rajoy vielleicht schlimm beeinträchtigen und er von allen Ämtern zurücktreten. Wer will schon einen Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden, der sich den ganzen Tag einen Ast lacht?

p.s.: Den einen noch, den hatte ich sogar im TV schon verstanden. Sagt die Zentralregierung: Das Verhalten der Polizei (bzw. der Guardia Civil) war "professionell und angemessen". Aka "Es gab keine Polizeigewalt". Das kann ich auch zu Hause haben.

 
sd

Die Deutschen hatten gegen die Spanier nicht nur deshalb keine Chance, weil die zuständigen Schiedsinstanzen nicht bereit waren, regulierend einzugreifen. Sergio Ramos spielt Torwart, ist aber keiner. Normal ist das Rot und Elfmeter. Vor allem aber waren der Brite und der Portugiese auf Seiten der Spanier immer einen schritt schneller als der Türke und der Pole auf der anderen - da konnte der Grieche noch so souverän klären.

Entschieden wurde das Spiel auf den Außenpositionen. Dortmunds rechte Verteidigung zeigte in der einen oder anderen Situation eine zu tranige Reaktion. Auf Links fehlt seit langer Zeit eine Alternative. Die klassischen Besetzungen fallen noch immer aus. Als man auf Personal für den linken Rand ganz verzichtet hat, wurde es tatsächlich nur besser. Wenn man niemanden mehr hat, der die Position gut ausfüllt, überlässt man sie besser der Innenverteidigung.

Das Spiel der Anderen

Wie der holländische Trainer der deutschen Mannschaft richtig feststellte, waren sie "immer einen Schritt zu spät". Hinterherlaufen ist nicht nur frustrierend; man macht es dem Kalkül des Gegners schlicht zu leicht und spielt am Ende dessen Spiel nur mit. Dortmund hat sich zwar bemüht, eigene Akzente zu setzen, in den entscheidenden Situationen aber nur reagiert - und dann zu halbherzig.

Andere Probleme hat derweil der neue Stern am europäischen Fußballhimmel. Deren Offensivkräfte liegen im Clinch um die Frage, wer die Elfmeter schießen darf. Der Clubchef bot dem Spieler Cavani (für 64 Millionen gekauft) eine Million Euro an, wenn er Neymar (für 222 Millionen gekauft) die Elfer treten lässt. Cavani hat flugs errechnet, dass dieser Betrag nicht einmal 0,3% von Neymars Jahresgehalt entspricht. Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil. Man sollte den Fußball daher seriösen Geschäftsleuten überlassen, die solche Anfängerfehler vermeiden.

 
dn

Feynsinn ist zwölf. Das ist das Alter, in dem man Kinder allmählich ins Arbeitslager schickt und sie wieder abholt, wenn sie erwachsen sind - oder sich die ganz harte Kante gibt und die nächsten Jahre in Demut lernt, dass man keine Ahnung hat vom Leben, vom Universum und der Welt, die einem fortan die Lütten erklären werden. Nun, Feynsinn seinerseits hatte schon immer recht und war von Anfang an Weltretter, sodass seine Pubertät auch nicht schlimmer werden wird als die frühen Jahre.

Ich habe vor vier Jahren einmal einen Überblick gegeben über die Vergangenheit des Blogs; nicht erwähnt habe ich damals u.a. den Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Bundespräsidenten umblies, einen Bloggerkongress, meine letzte Wahlempfehlung und einen schlimmen Linksrutsch, hinaus vor die Pforten des parlamentarischen Betriebs, den ich inzwischen mit noch größerem Abstand betrachte.

Alles ist relativ; vielleicht bin gar nicht nach links, sondern die anderen nach rechts unterwegs; bei manchen bin ich mir da sicher. Einer erklärte inzwischen sogar ausdrücklich eine "Liebe zu Amerika". Doch, das meint der ernst. Womit wir für einen Augenblick die Spaßgrenze überschritten haben. Ein Bundespräsident von einem gewissen Format sagte einmal, gefragt, ob er sein Land liebe: "Ich liebe meine Frau". Ja, das war bei mir auch so.

In der Nacht nach dem elften Bloggeburtstag ist Uena gestorben. Das Trauerjahr ist zu Ende, aber die Tränen kullern weiter. Man kann auch gar nicht so viel heulen wie das traurig ist. Immerhin, so viel darf nach der ganzen harten Arbeit des ersten Jahres gesagt werden: Die Sicht wird merklich klarer, meistens. Man lernt, um das schwarze Loch herum zu laufen. Ist das ein Trost? Eher doch wieder nur die Wahrheit. Eigentlich gehört das nicht hierher, aber es ist so präsent, dass ich es nicht verschweigen will.

Was das Blog angeht, so können wir jetzt mal die nächsten dreizehn angehen, um dann ein ordentliches Jubiläum zu begehen. Doch, das geht. Kommt, das sitzt ihr doch auf einer Backe ab!

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