iu

Beim vernünftigsten Exnachrichtenmagazin der Welt haben Sie die besten Ideen. Wie wir wissen, wird alles immer schlimmer, und dagegen helfen nur härtere Strafen®. Nun ist das so eine Sache mit dem Strafrecht: Da hat es diese lästige Unschuldsvermutung, da gibt es nicht nur Strafen, sondern auch 'Rechte' (muss man sich mal vorstellen!) und überhaupt ist das alles so zäh, mit Gerichtsverfahren und dergleichen. Für kurzen Prozess völlig ungeeignet.

Da unsere Hartstrafer vom SpOn aber nicht schlappmachen, bloß weil ihnen der Rechtsstaat mit einer Blutgrätsche die kurzen Beine wegdrischt, haben sie Ideen: Sanktionen statt Strafen! Nach deren Verständnis von Recht und Ordnung (eigentlich ein Wort: "Rechtundordnunk") kann der Staat nämlich auch ohne diesen ganzen Firlefanz mit aller Härte des Gesetzes® zuschlagen.

Durchgreifen!

"Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz für ihr Kind. Diesen könnte man an den Nachweis von Impfungen koppeln."
Sinnvoll! "Gesetzliche Ansprüche", die Älteren unter meinen Lesern kennen dies noch unter dem missverständlichen Begriff "Rechte", werden nicht nur überbewertet; sie sind gemeinhin schädlich, überflüssig und wehrkraftzersetzend. Was das auf einen Kitaplatz anbetrifft, so ist es nur recht, wenn die Aluhutspacken ihre genetisch versaute Brut nicht zum Realitätsabgleich vor die Tür schicken. Das soll mal schön zu Hause die Paranoia pflegen.

Das hilft noch nicht? Warte, dann eben so: "Wer aber diesen Beitrag nicht leisten will, sollte nicht noch vom Steuerzahler in Form von Kindergeldzahlungen belohnt werden." Wir erinnern uns: Strafe muss sein, muss aber nicht gleich Strafrecht sein, weil siehe oben. Kriegen die halt kein Kindergeld mehr, die Impfgegner-Kinder! Wir investieren doch nicht in tickende Zeitomben!

Als Ausgleich geben wir ihnen kostenlose Lebensmittel (so kann man wenigstens die Schluckimpfung besorgen) und Kleidung (z.B. T-Shirts mit dem Aufdruck "Achtung, Krankheiteserreger!"). Mutiger Journalismus kapituliert halt nicht vor den Tücken einer wuchernden Anspruchshaltung, die einem als "Rechtsstaat" daherkommt. Schließlich haben wir das Hartzer-Pack auch im Griff. Marktkonforme Demokratie bedeutet, dass man sich seine 'Rechte' verdienen muss. Wer sich das nicht leisten kann, muss spuren. Das können die Lütten gar nicht früh genug lernen.

 
Jaa, wer mitreden will, muss wählen gehen. Spätestens seit Elke Twesten der Welt gezeigt hat, was ein echter Verräter ist und sogar die Verräterpartei verraten hat, ist der vierlagige Wahlzettel im Trend, sanft und weich. Eigentlich interessiert mich das Getue ja nicht mehr, aber ich kann mir doch einige Kommentare nicht ganz verkneifen.
 

sp
 
Schallend gelacht habe ich. Gleich eingangs muss ich den einsamen Sieger bekanntgeben: Nur wo Verräter draufsteht ... "Damit die Rente nicht klein ist, wenn die Kinder groß sind". Sagt die Hartz-Partei. Die Banditen, deren Arbeitsminister die Renten kastriert hat, um die Finanzhaie zu päppeln. Die die Löhne so kaputtgehartzt hat, dass wir vor einer riesigen Armutswelle stehen - vor allem Altersarmut. Die ein Jahrhundertmassaker am deutschen Rentensystem geriestert hat und das bis heute richtig findet. Die! Wagen es! Pfui Deibel.
 

sp
 
Das ist schon ganz schön mutig. Wer aber ist noch mutiger? Schwiegersohn Lindner. Schon wieder was zum Lachen. Mut. Muut. Muuuh. Sie sind ja mutig, die "durch eigene Leistung" vorankommen. Lindner zum Beispiel, der in Eigenleistung eine fette Pleite hingelegt und dabei reichlich KfW-Kohle versenkt hat. Muutig! Nicht ganz so mutig, dass Wikipedia-Beiträge zu seiner Person von IP-Adressen aus Landtag und Bundestag manipuliert wurden. Ein Held ist er, der Einmann-FDP. So fesch. Und so mutig. Vor allem mit dem Geld anderer Leute.
 

sp
 

Kommen wir zu den Öden. Den Oliven. Den …b z njvijk oh, sorry, ich bin kurz eingenickt. "Cem und Katrin" begrüßen einen auf der Website. Mist, jetzt ist mir auch noch ... pfui Deibel! Jetzt supi neu und fresh: "Zukunft wird aus Mut gemacht" ist die fette Headline. Nee, ne? Echt jetzt? Und und und: Ja, seht doch selbst! "Darum grün". Ist klar. Der Mond ist aus blauem Käse. Darum dings, äh ... wo ist der Koks? Ich habe eine Schaaffenskriiise!
 

weitoLinksrum ist auch nicht das, was es mal war. Macht keinen Spaß mehr. Nope. Zuletzt noch wurde beschlossen, in Deutschland im Jahr 2017 (doch, so spät ist das schon!) endlich die Trennung von Staat und Religion zu fordern. Tja, diese Abstimmung musste dann leider wiederholt werden. Oh, und guck mal, ne Kopftuchuschi! Das ist voll antirassistisch. Gender hatte wohl gerade Pause. Das wäre ja jetzt kulturimperialistisch. Wenn die Muslima zuhause was auf die Fresse kriegt, ist das Folklore. Hauptsache kein Weißbrot mit Dreadlocks, das wär' nämlich kulturelle Aneignung. Jo. "Menschen vor Profite". Heißt eigentlich was genau, außer nix?
 
 

sp
 

Tja, dann zu den einzig wirklich Wahren: CDU. Sagt, was ihr wollt, aber das ist die einzige Partei, die ihrer Klientel bietet, was sie verspricht. Muff, Weiter-so und ne echte Kanzlerin. Motiv: Mutti, die Falten nur dezent fotogeshoppert, grinst doof und singt uns in den Schlaf. Alles gut! Nix zu denken, zu wissen oder zu fragen. Kein Stress. Kein Problem. Keine Experimente.
Ich liebe sie. Ich will für immer ihr Kind sein.

 
tp

Früher war mehr Salbe. Fand ich irgendwie nicht schlecht. Also dieses Salbungsvolle im Unterton der Denkbefehle. Ich meine jetzt nicht die Experten aus den Sportpalästen, den Klumpfuß aus Rheydt mit seinem Singsang oder die Melone aus Bonn, die auch besser schunkeln konnte als einen korrekten hochdeutschen Satz formen. Auch nicht die Aushilfsgoebbelse von der Wochenschau.

Nein, mehr so den bürokratischen Stil der Gazetten und des Rundfunks. Diese zwanghaft auf neutral und wetterfest gebrasseltenen Nachrichtentexte, die jederzeit Maxime eines Gesetzbuchs hätten werden können. Vier Fünftel der Adressaten haben damals zwei Drittel nicht verstanden, aber es wurde deutlich weniger gelogen. Schon gar nicht platt und primitiv. Okay, dafür gab es schon immer den Springerkonzern und dessen Ausscheidungen. Aber das war damals auch noch Gosse.

Jetzt red I

Es gab auch noch keine Talkshowbots. Es gab Befragungen und kleine Runden, in denen Menschen mit Interesse Fragen stellen, die seriöse Vorbereitung erkennen ließen. Solch furchtbare Strapazen will man heute keiner Dompteuse eines Celebrity Death Matches mehr zumuten. Sie muss ja schon am Abend der Show so schlimm schwitzen und das Gekeife ertragen – worin ihre Hauptqualifikation besteht.

Ich denke, das liegt nicht nur daran, dass früher die graue Autorität besser funktioniert hat, so dass der Rezipient sich gefälligst nach denen zu richten hatte, die sprachen. Es war eben nicht bloß Entertainment, sondern auch Vordenken und Andacht. Das Wichtigste ist wohl, dass früher noch keine nivellierte Mittelschicht die Spiele zum Brot unter sich austrug. Es musste jederzeit damit gerechnet werden, dass nicht nur wirklich gebildetes Publikum lauschte, sondern auch Arbeiter. Mitunter lesende Arbeiter.

Heute liest nicht mal mehr das Abiturientenpack, und um deren Aufmerksamkeit für die zur Verfügung stehende Spanne von einigen Millisekunden zu erwischen, müssen sie halt alle bei Illner, Will und Maischberger den Chrustschow auf Koks in Endlosschleife geben. Propaganda für verblödete Mittelschichtszombies, von Atlantikern für Atlantiker bei steif neoliberaler Brise aus West-Nordwest.
Die weht übrigens alternativlos seit 35 Jahren. Die zweite Generation, die nichts anderes kennt, ist völljährig. Hurra!

Schö mit ö

Das Gute daran: Nicht nur das ohnehin untergewichtige Hirn der mental desinfizierten Rezipienten schrumpft in diesem Zirkus, sondern auch die schon immer kleine Klientel der Gläubigen. Diese Form der Abendmesse ist eine Filterblase par excellence. Die Sekte, die A. Nahles oder die Grünen für „Linke“ hält, glaubt, im Schloss Bellwü wohnte ein Staatsoberhaupt oder Maas und de Maisière sorgten für Innere Sicherheit® gegen Terroristen® besteht aus ca. vierhundert* Mitgliedern, die immer enger und schneller um sich selbst rotieren.

Denen geht nicht einmal ein Licht auf, wenn sie dabei in dessen Geschwindigkeit frontal mit Photonen kollidieren. Dafür werden sie eines Tages in ein dunkles unbekanntes Universum namens „Realität“ hinaus geschleudert, aus dem sie nie wieder zurückkehren. Man kann sich getrost schon heute von ihnen verabschieden und etwas Sinnvolles tun. Zum Beispiel Kreuzworträtsel lösen, ein Omelett aufhängen oder sich in den Fuß schießen.

*[Update: Es können auch 40 sein, 40.000 oder das ganze verblödete Pack - sagen wir einfach: 8 Millionen Nützliche Idioten. Die zehn Prozent, die sich für richtig wichtig halten.]

 

Was die Mauer betrifft, so lassen wir uns nicht deren Schutzfunktion ausreden – ganz einfach, weil wir den Schutz spüren vor all dem, was hinter der Mauer jetzt an brauner Pest wuchert.

Ulrich Junghans, CDU

Schlimm, diese Linken. Kämpft gegen die kommunistische Gefahr!

 
weitoWas die Meinungsproduktion derzeit zu James Damore ins Sommerloch stopft, läuft nach dem üblichen Schema ab: Abschreiben, Mithetzen, bloß keine prüfbaren Informationen! Dabei werden Vorurteile in Echtzeit bestätigt, anders ausgedrückt: Was nicht ins Narrativ passt, wird niedergebrüllt. Damore habe "gegen Frauen geätzt", "gehetzt", sei "frauenfeindlich" und "sexistisch". Er habe behauptet, Frauen "seien biologisch weniger geeignet" fürs Programmieren. Die Vorwürfe sind frei erfunden.

Zu den Inhalten: Frauen sind mehr an Dingen interessiert als an Menschen. Sie sind weniger kooperativ. Frauen sind mehr an ihrem Status interessiert als Männer.

Ist das diskriminierend? Frauenfeindlich? Sicher! Statusgeile Ischen, die sich nur für ihre Spielzeuge interessieren und deshalb in sozialen Gruppen nicht zurechtkommen. Unverschämtheit! Ich höre sie schon schäumen, wenn jemand so etwas Widerliches behauptet. Tatsächlich hat Damore Studien zitiert, die zu diesem Resultat kommen - allerdings über Männer. Diese Studien, deren Aussagen ich für wissenschaftlich belegt halte, befassen sich damit, welche Prioritäten reale Frauen und reale Männer in unterschiedlichen Gesellschaften für sich setzen. Daraus hat der Verfasser des Google-Memos Schlüsse gezogen.

Inhalt unerwünscht

Er macht auf dieser Basis Vorschläge, wie reale Frauen besser gefördert werden und die realen Unterschiede verringert werden können, für die er - den Studien folgend, auch biologische Gründe annimmt. Diese Denkweise stellt nach Ansicht der Konzernleitung einen Verstoß gegen die Richtlinien des Hauses dar. Diese sehen offenbar vor, dass es nur eine Erklärung geben darf für die geringere Präsenz von Frauen in technischen Berufen: dass sie von Männern unterdrückt werden. Ihr Desinteresse darf keine anderen Gründe haben.

An einer anderen Baustelle kämpft ein Feminist für seinen Onlinepranger. Sein markanter, aber durchaus typischer Fehler: Er befasst sich überhaupt nicht mit dem Gegenstand seines Pamphlets. Es ist ein verdammter Pranger! Dass andere gegen so etwas sind, kann für ihn ebenfalls nur einen Grund haben: Sie sind ein "Netzwerk von Antifeministen", vor denen die Urheber "in die Knie gegangen" sind. Das falle vor allem den "kritischen Wissenschaftlern in den Rücken", die an dem "Wiki" beteiligt waren.

Die üblichen Verdächtigen

"Kritische Wissenschaft" ist es also, wenn man Publizisten öffentlich als Frauenfeinde brandmarkt? Für Nowak ist der Grund klar: Es ist Wahlkampf, deshalb werden die kritisch-wissenschaftlichen Feministen bekämpft. Weil die Grünen jetzt auch rechts sind. An den Argumenten sollt ihr sie erkennen. Die eigene Seite ist immer "kritisch" und wird deshalb unterdrückt.

Das ist übrigens exakt das, was mir jeder zweite Troll erzählt, wenn ich ihn rauskante, weil er sich benimmt wie eine offene Hose. Es werden Fronten gegen Personen aufgezogen; die Argumente der Gegenseite werden abstrakt abgelehnt. Einmal sind "kritische Wissenschaftler" die Opfer, ein anderes Mal ist es Wissenschaft selbst, die "mit Wahrheit gleichgesetzt wird" - was wiederum falsch und daher abzulehnen sei.

Eine Argumentation findet nicht mehr statt. Es wird dekretiert, beschämt, verfolgt, rumgeheult. Jedes Mittel ist recht, jede Aussage wird so ausgelegt, dass sie zu demselben Resultat führt. Dieser 'Feminismus' ist eine stupide Religion von denkfaulen Idioten, die ein kleines bisschen Macht ausüben wollen. Mir wurde hier vorgeworfen, ich bliese in dieses Horn, obwohl Feminismus eigentlich ganz anders sei. Ich kenne noch solchen Feminismus, den ich sehr ernst nehme und der ein berechtigtes Anliegen hat. Aber wo findet der statt? Und wer hält diese Schwachmaten auf, die überall, wo sie genügend Einfluss gewinnen, ihre Inquisition aufziehen?

 
zb

Die Geschichte hat Gesellschaften entstehen lassen; sie wurden nicht konstruiert. In der Regel lief etwas schief im Staate (Dänemark oder anderswo), dann kam es anders. Zum Beispiel dass der Klerus nicht bloß Jahrhunderte lang einen bereits überalterten Tinnef mit Gewalt als 'Wissen' verteidigte, erledigte sich spätestens, als man damit keine Kanonen bauen konnte. Mit der Erfindung der Eisenbahn ungefähr akzeptierte dann sogar der Vatikan, dass die Erde sich um die Sonne dreht.

Nachdem Europa im 17. Jahrhundert weitgehend entvölkert war, weil sich zwei Konfessionen nicht hatten einigen können, welche Gebete den Ratten die Flöhe aus dem Pelz treiben würden und der Rest durch Hunger und Krieg umgebracht wurde, formierte sich zunächst ein neues Wissen. Bis das allerdings in die Politik durchschlug ... meine Güte, ich sehe das heute noch nicht so recht.

Gute Idee

Dennoch spielt die Weisheit über Bande auch schon mal ganz gute Bälle. Sofern man mit neuem Wissen eben besser große Sachen kaputt machen und viele Menschen umbringen kann, setzt sie sich durch. Auch recht wirksam waren technische Fortschritte, die für Reichtum sorgten. Der gute alte Hunger konnte sogar für die Völker etwas rausschlagen. Wenn der Pöbel zu mager wurde, holte er sich etwas von dem, was ihm zustand. So sorgten Wissen und Revolution auch für soziale Veränderung.

Unter anderem konnte die bürgerliche Revolution für einen Staat sorgen, in dem ein gewisser Ausgleich der Kräfte für stabile Verhältnisse sorgte. "Gewaltenteilung" nennt sich das und bildet die Basis des "Rechtsstaats". Der ist allerdings mit dem Makel gesegnet, dem Eigentum einen zu hohen Sockel gegossen zu haben. Dies führte zur nächsten Welle von Revolutionen, den kommunistischen. Hier gingen Erkenntnisfortschritt (eine moderne Theorie) und politische Umwälzung Hand in Hand.

Das klingt schön, ist es aber nicht. Im Gegenteil war diese Revolution, die begonnen hatte wie jede andere, nämlich als Aufstand aus schierer Not, am Ende auf dem Reißbrett konstruiert worden. Es wurde in Stein gemeißelt, was künftig als gottgefällig oder ketzerisch ("konterrevolutionär) zu gelten hätte und man bediente sich der ältest möglichen Herrschaftstechniken: Zwang, Zentralismus, Hierarchie, Dogmatismus. Das konnte nicht gutgehen.

Probelauf gescheitert

Eines der Probleme des "real Existierenden" war, dass es keine Übergangsphasen gegeben hat, keine schrittweise Entwicklung aus den bürgerlichen Staaten hin zu einer wirklich egalitären Gesellschaft. Die besten Errungenschaften der 'westlichen Demokratien' wurden nicht in eine neue Formation übernommen, sondern erfolgreicher bekämpft als die schlechtesten. Der ganze Ballast aus Militarismus und autoritärer Führung, den die Bürgerlichen wenigstens teilweise überwunden hatten, wurde restauriert. Schade eigentlich.

Man kann daraus einiges lernen. Erstens, dass mit scheinbaren Fortschritten gern Rückschritte verbunden sind. Wenn man dergleichen bemerkt, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass man falsch abgebogen ist. Zweitens, dass der Logik folgend eine ungeheure Gravitation von allem ausgehen kann, was Stabilität verspricht. Deshalb bilden sich auch immer wieder faschistische und andere autoritäre Regime aus. Solche Tendenzen sind derzeit wieder weltweit zu beobachten.

Wirklich voran zu kommen, kann also davon abhängen, dass es nicht nur gute Ideen gibt und einen Zeitpunkt, an dem diese umgesetzt werden. Es wird darauf ankommen, Stabilität zu schaffen ohne Zwang, Gewalt und Führerkult. Diese politische Baustelle erscheint mir eher verwaist. Wenn die Menschen dieses Problem aber nicht lösen, können sie auch wieder auf die Bäume klettern - solange es noch welche gibt.

 
gz

Originaldatei: ©Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die Basis der zeitgenössischen Politik sind die Geschichten, die erzählt werden. Probleme sind meist zu komplex, um sie allgemein verständlich zu machen, also kommt einer daher und bläst sich als Problemlöser auf. Erklären muss er nichts Genaues, denn die Leute haben schon auf ihn gewartet. In der parlamentarischen Demokratie sind sie darauf gedrillt, sich eine Autorität auszusuchen, nicht darauf, ihre Probleme zu verstehen, geschweige denn sie selbst zu lösen.

Der Schulz-Hype neulich war ein erschütterndes Beispiel. Da wird ein ausgerechnet sozialdemokratischer Bürokrat aus Brüssel aus dem Hut gezogen und als Messisasersatz präsentiert. Unser Obama, Corbyn, Kennedy! Hat vier Wochen gehalten, der Spuk, und plötzlich stand da ein öder Schwätzer mit schütterem Haar, der nicht einmal Merkel das Wasser reichen kann. Die Not muss groß sein, wo solche Kurzgeschichten aufgeführt werden.

Das Böse

Eine sehr viel längere ist die der DDR, einem Kulissendorf im Wilden Osten, in dem das Böse hauste und heute noch aus Tümpeln und Pfützen brodelt. Wie man weiß, ist hier nach dem Krieg der Faschismus entstanden. Mehrere Mauertote bezeugen, dass der Holocaust weiterging. Als im Westen längst die Freiheit über säuselnde Autobahnen rollte, litten die Brüder und Schwestern® unter Unrechtsstaat, Plattenbau und rumpelndem Transit. Hie Lavendel, dort Braunkohle. Hüben alles schön bunt, drüben aschgrau.

Tatsächlich ist die Siegerversion der Geschichte der DDR vor allem deshalb eine taugliche Erzählung, weil sie in die Ästhetik des Westens passt. Millionen Mordopfer des Naziterrors, dessen Befehlshaber in der BRD ihre Karrieren fortsetzten, verschwanden hinter den neuen Kulissen, weil das drüben alles so scheiße aussah. Luxus und Schönheit sind ein verständliches Mordmotiv, aber wer verteidigt Mauer und Stacheldraht®, wenn obendrein der Lebensstandard leidet? Das müssen sehr böse Menschen gewesen sein, die ihr Volk in solchem Elend hielten.

Unser Kampf

Ihre Nachkommen sind nicht besser. Sie wählen Pegida, gehen für AfD auf die Straße und plündern uns aus - ich sage nur "Soli"! Als die DDR abgewickelt wurde, waren sie uns da dankbar? Als sie befreit wurden, als wir ihnen Begrüßungsgeld und Mallorca gaben, wie haben sie es uns vergolten? Mit schierem Undank. Das jedenfalls ist die Geschichte, wie man sie kennt. Wie sie und von den Autoritäten überliefert wird. Von der Kanzlerin etwa, und die muss es wissen, schließlich hat sie dort gelebt.

Wer wird sich da mit den ganzen Details aufhalten? Es musste schließlich wiedervereint werden. Da kann man nicht jeden Pfennig umdrehen, der aus dem Unrecht stammt. Hätten wir die Ostrenten anerkannt, könnten wir ja gleich den Griechen welche lassen. Hartz IV im Westen ist allemal besser als eine Ostrente. So leben sie glücklich am Lebensende. Jetzt sind wir alle einig, vor allem im Kampf gegen die AfD, der neuen SED-Nachfolgepartei. Gegen die und die andere Seuche, eine Gewerkschaft namens GdL. Alles dasselbe Pack. Aber mit ihnen werden wir fertig.

 
lm

Ich habe aus den Texten zum "deutschen Narrativ" inzwischen einen zusammenhängenden von ca. 120 Seiten gemacht, die man so veröffentlichen kann. Darauf aufbauend kann man auch mehrere Bände machen; ich finde es fast schwieriger wegzulassen als aufzuschreiben, aber bis hierher ist das Format glaube ich ganz brauchbar.

Selbstverlag kickt mich irgendwie nicht so; ich fände es schön, wenn da jemand drüber schaute, der das kann, und so eine Infrastruktur ist ja auch nicht das Schlechteste. Ich kann auch über einen eigenen Server ein e-Book anbieten, aber auch da wäre es mir recht, wenn das Ganze Dunstkreis und Filterblase überschreiten würde.

Reichweite bringe ich fast schon selbst genug mit - der Artikel "Was ist ein Narrativ" (wahrlich nicht der beste, aber mit einem recht kugelfreundlichen Titel ;-) ist mit bislang 45.000 Direktaufrufen ziemlich weit vorn. Alsoo: Wer einen freundlichen Verleger kennt oder wen kennt, der einen kennt, sich verschafft oder in Umlauf bringt, sei gepriesen, wenn ich es erführe. Wenig hilfreich sind jetzt Zurufe, wie ich doch selbst eine Pappe rausbringe oder Adressen von Verlagen, zu denen kein Kontakt besteht. Okay, wenn jemand meint, da draußen gebe es einen, der das quasi veröffentlichen muss ... aber nur dann! [Was hast du getan, Trottel? Säzzer]

Ich tu' mal noch nen knappen Exposé dazu:

Das deutsche Narrativ

Der Text ist ein Versuch, möglichst kurz (er ließe sich auf ein Vielfaches ausweiten) eine Geschichte der Deutschen in ihrer Bundesrepublik darzustellen: das Selbstverständnis, wiederkehrende Elemente der großen Erzählung und ein Blick darauf, was dahintersteckt.

Zunächst wird versucht, das Wort „Narrativ“ zu erklären. Im Verlauf geht es dann um konkrete Teile der Erzählung: Wie die BRD aus dem Dritten Reich hervorging, wie in kürzester Zeit „Demokratie“ wurde, was kurz zuvor noch Nationalsozialismus war – mit demselben Personal; Ein Überblick über die Jahrzehnte von der Nachkriegszeit bis heute; die Geschichte eines Landes, das durch seinen Antikommunismus und seinen Wirtschaftsglauben zusammengehalten wird. Die großen politischen Ereignisse werden eingeordnet so wie der Weg von der „Sozialen Marktwirtschaft“ in den Neoliberalismus. Einen hohen Stellenwert wird die Auseinandersetzung mit dem Holocaust haben. Dieses und andere Themen finden sich nicht zuletzt in den großen Reden deutscher Politiker, von Konrad Adenauer über Philipp Jenninger bis hin zu Roman Herzog.

Im Hintergrund finden sich ungebrochene Traditionen und ideologische Momente, religiös wie politisch. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass vor allem eine wirksame Auseinandersetzung mit dem Faschismus, seinen Wurzeln und seinen Hinterlassenschaften bis heute nicht stattgefunden hat.

Versuch macht kluch ...

 
tr

 
pd

Seitdem der Dieselskandal seine volle Wucht entfaltet, steht die Republik Kopf. Die Bürger nehmen Fahrverbote und kalte Enteignungen nicht länger hin. Das Vorbeiregieren an den Interessen der Massen mündet in eine revolutionäre Situation. Spätestens die Großdemonstration in Berlin am vergangenen Wochenende hat gezeigt, dass das alte System am Ende ist. Erstmals seit dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR-Diktatur haben Demonstrationen zu einer Situation geführt, die nach Umsturz riecht.

Angeführt vom Porsche-Cayenne-Club zogen hunderttausende SUVs in einer Sternfahrt zum Kanzlermat und haben dort sprichwörtlich die Mauern eingerissen. Diese Machtdemonstration aus der Mitte der Bevölkerung zog die Massen in ihren Bann; selbst Fußgänger schlossen sich dem Sturm an. Auf dem Weg in die Hauptstadt hatten Automobilclubs und andere Organisationen wie der Hartmannbund, Facebook und Rotary International für eine Aufbruchstimmung gesorgt. Es gab Häppchen für die Schaulustigen, zubereitet von Sterneköchen, Giveaways von bekannten Designern und ein Kulturprogramm vom Feinsten. Die Philharmoniker spielten das Kaiserquartett in allen drei Strophen.

Volkswille durchgesetzt

Millionen lagen sich in den Armen, als Andrea Berg und Helene Fischer auf dem Brandenburger Tor die Ode an die Freiheit anstimmten. Während des Kulturprogramms und der gesamten Aktion sorgten in ganz Deutschland private Sicherheitsdienste für einen ordnungsgemäßen Ablauf. Finanziert wurde das Ganze durch Teilnehmer und Sponsoren. Hundertschaften der Polizei, die den Einsatzbefehl von den Innenministerien bekommen hatten, marschierten in Formation mit. Am Ende des Zuges folgten Mannschaftswagen und Wasserwerfer. Einer der Fahrer sagte gut gelaunt: "Vorn Porsche, hinten Mercedes, so demonstriert Deutschland heute!"

Die Ereignisse haben sich heute Vormittag überschlagen. Der ADAC forderte den Rücktritt der Bundesregierung, der Cayenne-Club erklärte seinerseits, der ADAC sei zwar sicher nicht der schlechteste Ansprechpartner, aber in dieser Sache seien die Veranstalter diejenigen, die Forderungen zu stellen hätten. „Wir haben gezeigt, dass wir keine Regierung aus Berufspolitikern brauchen. Wir haben hier alles im Griff: Die öffentliche Ordnung, vernünftige Entscheidungen und den Willen des Volkes“, sagte Bodo Bolko, der Sprecher des Clubs.

Er forderte die Öffentlichkeit auf, Ruhe zu bewahren. Man werde jetzt mit den „Vertretern der Quasselbuden“ verhandeln und deren Schließung angehen. Experten aus allen Bereichen von Wirtschaft und Handel haben sich den Demonstranten angeschlossen. Die Zukunft Deutschlands werde, wenn alles gutgehe, von Experten geprägt, denen etwas an Volk und Land liege und nicht mehr von Bürokraten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Aufständischen, die auf der Website der „Initiative Gerechtes Deutschland" veröffentlicht wurde.

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