Vor genau zwei Jahren hatten wir hier eine Diskussion über die Übergriffe und Lügen der Hamburger Polizei, den phantasievollen Widerstand dagegen, die erbärmliche Rolle der Presse und eine gewisse Parallelität der Ereignisse in Spanien.

Heute schlagen wir uns wieder mit wirren Pressemitteilungen herum, teils von der Polizei lanciert, größtenteils von der Sensationsware "Massenmedien" entsprechend zugerichtet, ohne dass irgendwer weiß, was wirklich passiert ist. Der große Unterschied: Während wir damals eine Öffentlichkeit hatten, die sich mit der Übung 'losgelassener Sicherheitsstaat gegen Linke und solche, die so aussehen' befasste, spielt sich das Ganze heute in einem rassistischen Milieu ab, das mit relevanten Ereignissen nichts, dafür aber umso mehr mit einer präfaschistischen Grundstimmung zu tun hat.

Muss man doch wohl sagen dürfen

Die sogenannten 'Argumente' der Rechten sind dabei an einer Hand abzuzählen, um nicht zu sagen in einem Satz zusammenzufassen: Linke Lügenpresse verschweigt und verbietet die Wahrheit über kriminelle Ausländer, die in die Sozialsysteme einwandern, uns die Arbeitsplätze wegnehmen, die Frauen schänden und Krankheiten einschleppen. Das ist alles. Schon immer, immer wieder, völlig unabhängig von Ereignissen und Hintergründen.

Es ist tausendfach wiederholt worden und wird dabei von den Jammerlappen stets mit der Behauptung garniert, das, was sie jeden Tag bis zum Erbrechen labern, dürften sie ja nicht sagen. Selbst wenn ein rassistischer Hetzer wie Sarrazin seine Jauche in Millionenauflage in den Buchläden verklappt, behauptet dessen debiles Gefolge, das werde hier zensuriert.

Inzwischen reden wir - aufgrund eines bizarren Ereignisses, das ich mir ohne Verschwörungstheorie nicht erklären kann, von nichts anderen mehr, inmitten realer Probleme, die man einfach lösen muss. Das schwachsinnige Getröte der Rechten kann kein Mensch ernst nehmen, der noch zwei aktive Synapsen hat. Meinetwegen schmeißen wir "die" doch alle raus. Ich bin dabei, wenn mir irgendwer erklärt, wie das ohne einen neuen Holocaust praktisch umgesetzt werden kann. Rechnet nur mal eine Stunde Arbeit pro Einwanderer, ihr Pfosten, dann könnt ihr das Maul wieder aufreißen.

Ihr dürft trotzdem still sein

Nicht reden wir also von der schlicht alternativlosen Integration. Wir reden nicht mehr von der ökonomischen Verwüstung Südeuropas. Wir reden nicht von Profitraten, nicht von Totalüberwachung, von dutzenden aktuellen Kriegen, vom permanenten Verfassungsbruch durch den Einsatz der Bundeswehr im Ausland, von Folter und Mord durch die NATO und schon überhaupt nicht von den Zusammenhängen. Lieber von "kriminellen Ausländern". Dabei ist selbst der Satz "Nicht alle Ausländer sind kriminell" Faschistendung.

Dass für die Braunen übrigens alles links ist, was sie nicht verstehen oder haben wollen, sei geschenkt. In einem Land, in denen Mittelschichtskapos wie die Funktionäre von Rotgrün als 'links' gelten, können diese Spaten ja nur den spärlichen Rest an Orientierung verlieren. Ich wünschte nur, sie würden mit ihrem öden, strunzdummen und immer gleichen Sermon nicht so einen Lärm machen. Die Erwachsenen könnten sich dann vielleicht über reale Probleme und deren Lösung austauschen.

 
Ein Gastbeitrag von Villos Millowicz

Gespräch vor einer Kölner Trinkhalle. Es waren mehrere Personen beteiligt, ich habe nicht notiert, wer was gesagt hat. Der Text ist teilweise vom Kölschen ins Deutsche übersetzt.

"Dass die sich das erlauben, diese nordafrikanischen Araber!"
"Was denn?"
"Na das Angrapschen unserer Frauen. Und dann beklauen sie die Leute."
"Wie sollen sie die denn beklauen ohne sie anzufassen?"
"Die haben deine Frau angegrapscht?"
"Quatsch!"
"Wie auf dem Kirmes."
"Was?"
"Na wie auf dem Kirmes. Bei uns im Viertel hattest du die Kremers, die Ehrmanns und die Rüttens. Bei denen bist du schon mal nicht alleine vorbei gegangen. Am Kirmes haben die sich immer zusammengetan. Ganz plötzlich stand einer vor dir. Dann hast du die anderen gesehen. Da hattest du dann die Kleinen in der ersten Reihe, die größeren in der zweiten und die Erwachsenen in der Dritten."
"Na und?"
"Na und? Wenn die Kleinen einen Groschen wollten, haben die ihn gekriegt."
"Die haben aber nicht gegrapscht."
"Stimmt. Das machen nur diese Asylanten, weil die keine Kultur haben."
"Ich bin auch Asylant."
"Du? Ja nee is klar."
"Ich komm nicht von hier. Aber ich musste das auch lernen."
"Auch lernen? Was denn?"
"Angrapschen."
"Na jetzt erzählt du aber Stuss."
"Ja? Was ist denn das ganze Gebötze und Föttschesgeföhle? Hä?"
"Das ist Karneval, das ist was anderes."
"Genau, außerdem ist das nur in der Session."
"Eben."
„Was, eben?“
"Eben. Wann ist denn die Session?"
"Jetzt stell dich mal doof an! Vom Elften im Elften bis Aschermittwoch."
"Aha."
"Aha."
"Dann waren das doch keine Ausländer."
"Doch, die haben nämlich nicht gebötzt."
"Aber die wissen, wann die Session ist."
"Aber Kölsche waren die nicht."
"Nee, sonst hätten die gebötzt."
"Und nicht geklaut!"
"Richtig."
"Vielleicht waren das Belgier, die sehen ja auch aus wie arabische Nordafrikaner."
"Und wie Syrer."
"Richtig."
"Aber die Belgier kennen die Session nicht."
"Oh mein Gott!"
"Was?"
"Ist doch völlig klar, Sonnenklar!"
"Nu sag schon!"
"Also: Wer weiß, wann die Session ist, bötzt uns nicht, will uns immer schaden, verkleidet sich als Ausländer und klaut sicher auch?"
"Mein Gott, er hat recht!"
"Und die kommen jetzt schon am Silvester zum Dom?"
"Ist ja furchtbar."
"Nicht zu fassen!"
"Die werden immer schlimmer, diese Düsseldorfer!"

 
de

Saurer die Gurken nie schmecken. Ich hatte selten so viele Themen im Vorlauf und noch seltener so wenig Lust sie zu bearbeiten. Mal abgesehen davon, das mich seit sehr langer Zeit eines vollbeschäftigt, über das ich mich ohnehin nicht auslasse. Na, neugierig? Okay, das war billig, aber es gehört zur Lagebeschreibung.

Worüber ich konkreter nicht schreiben mag: Faschismus zum Beispiel. Polen, Ungarn, Türkei, Saudi-Arabien. Womit wir bei zweiten sind: Krieg. Damit auch beim ewigen: Kapitalismus. It's all about the Money, das weiß inzwischen sogar der Berger. Ob er dann auch den Schluss ziehen wird, aus welchen Gründen genau die NATO ihre Kriege führt - und wie man das vielleicht regulieren könnte, wenn man nur ... ?

Alles Quatsch

Die richtigen Profis sind da noch nicht ganz so weit, schaffen es immerhin mit der SZ zu der gewagten These: so wichtig sind die Scheichs gar nicht, am unteren Ende aber hält wie immer die "Zeit" die Fahne hoch und wirbt für den "schwierigen Partner". Der Puls der Zeit wird dort gern rektal gemessen.

Über all das mag ich nicht schreiben. Auch nicht über das schon lange im Vorlauf gärende Thema: Wie man sich mit Sanktionen gegen Russland die besten Geschäfte mit Russland sichert. Die von Stratfor-Chef Friedman postulierte Strategie der USA, stets einen Keil zwischen Deutschland und Russland zu halten, ist da womöglich mit einem Zückerchen versehen worden: Ihr macht mit beim politischen Bashing und haltet die nötige Distanz, dafür kriegt ihr die besten Handelsbedingungen.

Auch kein Thema. Hatten wir schon in den Kommentaren, die Sache mit Stratfor. Na ja, und seit Deutschland meine Freiheit am Hindukusch und die Gerechtigkeit auf den Hillybilly-Inseln verteidigt, wenn Sammy das liket, weiß man eh nicht, was als nächstes kommt. Nur eines weiß man: Da ist kein Zusammenhang. Nein! Links ist rechts und quer sowieso, es ist der Mensch, der ist halt so und dieser verrückte Zufall, dass die Diktaturen und Kriege nur so aus dem Rohr spritzen, wenn die Profitraten sinken, da kann man halt nix machen. Langfristig sind wir eh alle tot.

 
zs

"Zwischen den Jahren" dauert manchmal länger. Nach dem Jahr ist vor nach dem Jahr. Beschaulich bei 17° und Sturmböen. Ich habe am Samstag Schloss Neuschwanstein nur aus Spucke und Brot geformt, einschließlich der Katakomben. So langweilig war das hier. Langweilig ist gut, sagt die geschundene Nebenniere, während Teile des Hirns verunsichert sind, weil sie schon einzwei Wochen nicht im roten Alarm unterwegs waren. Selbst Uhura hat das Hörgerät stundenweise beiseite gelegt.

Gut möglich, dass die US-Geheimdienste und der französische Nachrichtendienst aus einer identischen Quelle gespeist wurden

Post-Underdog findet das auch gut, sie ist eher von der ganz gemütlichen Sorte, während ihre neue Kompagneuse hektisch zwischen irgendwem irgendwas lecken und die 'Alte' ankauen (die vor einem Jahr noch das Nesthäkchen war) hin und her wetzt. Hunde. Ich. Und Hunde. Wollte ich nie haben, aber ich bin alt und eben nicht mal bei sieben auf dem Baum. Da liegen sie nun und machen mich mich zitieren:

"Als Mit-Hundehalter und leidenschaftlicher Radfahrer habe ich es auch nicht leicht. Bin ich mit dem Rad unterwegs, stören mich die Arschlöcher mit ihren Scheißkötern, gehe ich mit dem Hund, nerven mich die rasenden Wichshähnchen in ihren Papageientrikots. Oft liege ich abends stundenlang wach und disse mich selbst. Zwei Drittel von mir können die Hälfte der anderen nicht leiden." Intoleranz ist eine Kernkompetenz der Humanressource. Zitieren Sie mich getrost in Ihrer nächsten Powerpointpräsentation!

Ziele
1) herauszufinden, ob eine Quelle echt, verfälscht oder gefälscht ist.
2) den Aussage- bzw. Erkenntniswert der Quelle festzustellen.

Als ich mit Neuschwanstein fertig war, habe ich noch fix den Henri-Nannen-Schule Test absolviert. Ich bin so scheiße gebildet, dass ich echt ne Menge wusste, aber wer aus der geneigten Schnöselei soll da durchkommen? Die könnten das höchsten pauken wie behämmert, um es gleich wieder zu vergessen. Ah, verstehe: Die nächste Kernkompetenz! Wie man Quellen prüft oder recherchiert, wurde leider nicht gefragt.

Das wort "Quellenkunde", so flüsterte mir die für Weisheit, Tiefsinn und Hochkultur zuständige Synapse, die ich nach einem tragischen Unfall mit einem schottischen Getreideaufguss durch tägliche Hopfeninfusionen zu retten versuche, muss neu ausgeschrieben werden. "Quellenkunde" sei ein Verbraucher, der den atlantischen Lieferservice nutzt. Er sitzt einfach so am Fenster, und wenn er eine Information benötigt, muss er das gar nicht mehr wissen. Sie wird ihm automatisch geliefert. Dann muss er sie nur noch auswertenauspreisen, den dazugehörigen Warnhinweis anfügen und das fertige Qualitätsprodukt an den Kiosk legen.

 
pk

Wenn der Bundesinnenminister aus dem Sachsensumpf sagt, Teile einer Antwort, die er ohnehin nicht gibt, könnten die Bevölkerung verunsichern, dann hat er soeben festgelegt, in welchem Maße er Unruhe provoziert. Ob er das wirklich so wollte, darf man bezweifeln; dazu müsste er Herr seiner Worte sein.

Zu beunruhigen ist jedenfalls kein Tabu, sondern sehr viel näher an einer gwünschten Option. So gezogen am Silvesterabend. Ein Fehlalarm mit dem Zeug zur Panikattacke, den "die Bevölkerung" achselzuckend zur Kenntnis genommen hat. Es war nicht nur nichts dran, es ist weder klar, wer da was angeblich vorhatte, noch hat irgendwer die Quellen geprüft.

Gestaffelter Schutz

Dass Journalisten längst ohne unabhängige Zweitquelle losschwadronieren, geschweige denn recherchieren, wissen wir. Dass aber die Geheimdienste genau so schlampig unterwegs sind und das auch noch offen zugeben, ist schon obszön. Derart im Kern verrottet, verlautbart das, was dort anstellte des Verstandes werkelt, man brauche - wie immer - mehr davon. Mehr Panik schüren, mehr Dilettantismus, mehr "Zusammenarbeit" mit noch mehr Diensten, die noch mehr Fehlinformationen liefern.

Die Bande von Nazis, die in Deutschland das Geschäft besorgt, darf man wohl wahnsinnig nennen, denn das, was selbst hohe Amtsträger von sich geben, ist nicht mehr bloß dumm. Das sind schon paranoide Verschwörungstheorien, hervorgebracht von in der Wolle gefärbten Rechtsextremisten.

Das, liebe Bevölkerung, schützt die Verfassung. Nicht das Grundgesetz, sondern wohl doch eher wieder die vom Vaterland, auf die ihre Gründungsmitglieder einst vereidigt wurden. Das Netzwerk irrer Nazis und taubstummer Bürokraten, die bereit sind, zwischen solchen Chefs und den kahlköpfigen Schlägertruppen zu arbeiten, ist beachtlich. Jedes Bundesland hat seinen VS mit seinen V-Leuten, dazu der Bund. Es gibt den BND und den MAD. Obwohl es eine Bundespolizei gibt, brauchen wir ein BKA und zu den Landespolizeien, die je eine Abteilung für "Staatsschutz" haben, gibt es noch 16 LKAs.

La Le Lu

Was schützen die eigentlich alle und wie? Wen vor wem? Wir wissen, dass alle Warnungen bislang falsch waren. Wir wissen, dass unsere 53 offiziellen Behörden tatsächlichen Ereignissen entweder hinterher laufen oder sie aktiv betreiben, vor allem in der Naziszene. Wir wissen von den "Verbündeten", vor allem der CIA, dass sie in hunderte aktenkundige Verbrechen involviert sind, darunter Putsch, Mord und Folter. Und was brauchen wir, wenn dort ein Anschlag nicht verhindert wurde und da falscher Alarm geschlagen? Genau: Mehr davon!

Obendrein sind es diese Dienste, die Politiker überprüfen, andersherum klappt ja nicht so. Eine Bevölkerung, die sich davon weder beunruhigen lässt noch diesem Konglomerat von Versagern und Verbrechern die Türen eintritt, sorgt sich um gar nichts mehr. Sie ist verdummt, ignorant oder abgestumpft, und wer sich darüber noch aufregt, hat keine Hoffnung mehr, dass es sich ändern lässt. Friedhofsbank, Zombiepokalypse, im besten Fall Bordkapelle der Titanic. "Beunruhigt" - Schön wär's!

p.s: Der Ex-BND-Chef hatte sich bereits im Oktober geoutet, Roewer (siehe Link oben )ist kein Einzelfall.

 
Januar: Der "verbindliche Mindestlohn" für alle wird eingeführt. DGB-Chef Hoffmann kämpft bis zum Schluss für die Erhaltung von Arbeitsplätzen und einen Betrag von 2,50 Euro, kann sich aber gegen die Angst der Unternehmer vor Hungerrevolten nicht durchsetzen. Er tritt zurück und wird von Hans-Olaf Henkel ersetzt. Die Bundespressestelle INSM jubelt: „Wohlbeschäftigung! Wachsstand! Volltum!

Februar: Am 14. des Monats überraschen alle großen Medienhäuser mit Grüßen an die Kanzlerin. Homestories, Fotostrecken und Fernsehshows zu ihren Ehren heben die Moral im Volk. Sigmar Gabriel springt bei RTL nackt aus einer Torte. Daraufhin fordert Hans-Peter Uhl die Vorratsdatenspeicherung. Die zuständigen Sicherheitsbehörden können nicht ausschließen, dass Gabriel ihnen bekannt war, wollen aber die entsetzte Bevölkerung nicht noch weiter verunsichern.

März: Bei den russischen Präsidentschaftswahlen belegt Vladimir Putin zum vierten Mal die ersten drei Plätze. Das kann auch der "Spiegel" nicht verhindern, der kurz zuvor Putins Schuld am Tod Helmut Schmidts beweist. Der Ausweis des Kremlchefs wurde in der Klinik gefunden.
Fukushima ist sechs Jahre nach der Havarie unter Kontrolle. Da keine Gefahr für die Bevölkerung besteht, wird künftig auf Messungen verzichtet. Zur Beseitigung des strahlenden nährstoffreichen Erdreichs werden Raketenwürmer aus eigener Zucht eingesetzt.

April: Am ersten Tag des neuen Monats wird das Grundgesetz geändert. In § 0 steht künftig: "Hier könnte ihr Gesetz stehen", abweichender Inhalt wird monatlich auf Facebook ausgeschrieben. Wolfgang "Schwarze Null" Schäuble findet das gut (like!). SPD-Bundesdingskeineahnung Kenntkeinschwein erklärt vor mehr als drei Parteimitgliedern: "Die Fraktion hat dem trotz Bauchscherzen und es geht schließlich um die nationale. Wer denkt denn an die Kinder?!"

Mai: Bei den traditionellen Maikrawallen in Berlin setzt die Polizei erstmals Bachblüten, vegane Schnittchen und Biosocken ein. Die Autonomen kontern mit blauen Uniformen, Schlagstöcken und Wassserwerfern. Kommentar des Einsatzleiters der Polizei: “Leck mich am Arsch, Respekt!
Beim Eurochanson de la Vision Grand de Prix gewinnt nach tumultartigen Auszählungen Lemmy Kilmister mit seinem Hit: "Rest Loud As Hell". Die Moderatoren Markus Lanz und Mario Barth zünden sich öffentlich gegenseitig an. Das "heute journal" wird abgesetzt und durch den “Atlantikurlaub” ersetzt.

Juni: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro werden vom FIFOC unter der Leitung Sepp Blatters ausgetragen. Eine Ethikkommission kann Papst Franziskus davon überzeugen, einige honorige Funktionäre der aufgelösten FIFA heilig zu sprechen. Der Neue Petersdom® wird in Rekordzeit fertiggestellt, er ist 666 Meter hoch, bietet Wellness- und Discretion Areas und ein kolossales Sportstadion im Basement.
Ein verheerender Terroranschlag in mehreren Großstädten kann verhindert werden, indem die Täter rechtzeitig beurlaubt werden. "Nur dank der Vorratsdatenspeicherung konnten die Dienstpläne rechtzeitig gefunden werden", erklärt SPD-Innenexperte Mussmansichnichtmerken.

Juli: 44° im Schatten der Kühltasche. Ich lasse mir von meinem Escortservice etwas am Stiel liefern. Klappt nicht, es ist schon bei Zwei auf dem Baum.
Der Euro wird der Schweiz eingeführt. Millionen Flüchtlinge drängen nach Ägypten.
Angela I/II/III/IV wird 63. Aus Anlass ihrer Ernennung zur Kanzlerin auf Lebenszeit tanzen Minderleister eigenverantwortlich ihre Kundennummer.

August:: Anlässlich des 55. Jubiläums des Mauerbaus wird die Südgrenze der EU mit Selbstschusswaffen und automatischen Drohnen bestückt. Ulrich Junghanns hält eine viel beachtete Rede über die Segnungen der Freiheit in der Sozialen Marktwirtschaft. Walter Ulbricht wird rehabilitiert, da der "Focus" nachweist, wie Ulbricht von der Stasi gezwungen wurde, so ein wirres Zeugs zu nuscheln.
Die Deutschen machen Urlaub daheim, nachdem die Mittelmeerländer von der Lufthansa aufgekauft wurden.

September:
Am 230. Jahrestag der der Verfassung der Vereinigten Staaten werden die Grundrechte dereguliert. Der “New Patriot Deal” erweitert die Kompetenzen der Banken und Aktiengesellschaften. Sie erhalten eigene Militärbasen und dürfen Geld aus Scheiße schöpfen. Das Kursfeuerwerk an den Börsen muss aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. McDonalds marschiert im Senegal ein, Burger King gründet ein Terrornetzwerk in Gambia. Amazon unterstützt beide Parteien.

Oktober:
Die rechte Hand Bin Ladens wird in der Ostukraine gesichtet, die linke im Kreml. Saudi-Arabien prangert die Menschenrechte an. In den USA erklärt sich Bill Gates zum Kandidaten der Demokratisch-Republikanischen Partei. Die "Zeit" erklärt der klugen Leserschaft, warum der Milliardär als solcher der treueste Bündnispartner ist. KaTe zu Guttenberg verklagt die Bundesrepublik auf die ihm fehlenden 400 Millionen Euro. Schäuble lässt durchblicken: "Das wäre durchaus finanzierbar.".
Günther Wallraff verkleidet sich zu seinem 75. Geburtstag als Speicherchip und stiehlt die Datenvorräte der Telekom.

November:

Die USA marschieren in Togo ein. „Die haben doof geguckt“, erklärt Außenminister Donald Trump Junior.
Bei der US-Wahl wirbt der Senior erfolgreich mit dem von Hartmut Mehdorn entworfenen Slogan “Yes We Nuke". Am Tag seiner Wahl radiert der Commander in Chief Kanada von der Weltkarte und erklärt den Sowjetkommunismus für besiegt.

Dezember: Wegen einer Verkettung widriger Umstände muss dieser Monat für die Spezies ausfallen. Gott macht einen Fallrückzieher und hämmert die Erde ans Lattenkreuz. "Das nächste Mal weniger Arschlöcher", murmelt er in die Blaue. Ich weise ihn zurecht, dass das immer noch die völlig falsche Analyse sei. Als er mir daraufhin droht, setze ich ihn auf die Bannliste.

[Guten Rutsch und frohes Neues! säzzer]

 
tf

Da ich kein Techniker bin, kein Programmierer und kein Mitglied einer Crew, beschäftige ich mich mit Hacken auf einer allgemeineren Ebene. Ich habe das einmal so skizziert:

"Hacken bedeutet, sich in ein System hinein zu denken, es zu verstehen und es zu nutzen, ohne sich dabei an Handbuch und offizielle Regeln zu halten." Ein schönes Beispiel dafür ist der Lifehack. Geht ganz ohne Computer.

Dabei steht die Tätigkeit im Fokus und nicht etwa eine Mitgliedschaft in einem esoterischen Zirkel. Hacken kann jeder, der sich mit den Grundlagen dessen befasst, was er tut. Wahrnehmen, verstehen, kreativ eingreifen.

Die Idee

Dass die Idee dazu aus von Nerds und Codern kommt, ist kein Zufall, weil die eben aus Berufung oder Leidenschaft Systeme teils komplett entwerfen, auf jeden Fall aber den Durchblick brauchen bei dem, was sie veranstalten, denn sonst geht nichts mehr. Daher darf die unbeteiligte Öffentlichkeit auch gern mal zur Kenntnis nehmen, dass nicht jede Manipulation an einem Rechner ein Hack ist und schon gar nicht etwas, das sinnlose Zerstörung hinterlässt.

Hacker gibt es in jeder Branche. Erzieher zum Beispiel oder Hundeerzieher. Das System Hund muss man erst mal lesen lernen. Es spricht eine völlig andere Sprache als wir. Will ich einen Hund zu einer Handlung bewegen, nützt es nichts, das zu verlangen oder ihn zu überzeugen. Auch Zwang ist ein schlechter Weg. Selbst die Timleline darf ich umkehren, etwa: Handlung-Kommando-Belohnung. Ich warte also darauf, dass der Hund etwas quasi zufällig macht, dann sage ich "Cola" und belohne ihn. Mache ich das oft genug, wird er dasselbe tun, wenn ich "Cola" sage. Es gibt auch in diesem Bereich viel komplexere Hacks, aber das wäre ein Beispiel.

Nehmen wir die Medizin. Operationsverfahren, Heilmittel, eigentlich alles, was damit zu tun hat, kann durch Hacks befördert werden. Das fing mit der mutigen Operation am lebendigen Körper an. Einen Menschen aufzuschneiden, um ihn zu heilen? Welch ein grandioser Hack! Maden in eine Wunde legen? Genial! Knochen auf einen Silberdraht auffädeln? Schimmelpilz gegen Infektionen? Musst du drauf kommen. Solche Beispiele gibt es aus jedem Bereich menschlicher Betätigung.

Fröhliche Wissenschaft

Hacken ist angewandte (wissenschaftliche) Kenntnis ohne Rücksicht auf gegebene Regeln. Dazu bedarf es einiger Voraussetzungen: Erstens grundlegender Kenntnis des Gegenstands. Was passiert? Wie funktioniert es? Was kann man noch damit machen? Zweitens eine konkrete Phantasie: Was wäre, wenn ich dies und jenes täte? Kann das funktionieren? Passiert vielleicht etwas Unberechenbares? Drittens den Mut zu tun, was "man nicht tut". Seien es Konventionen, Regeln oder Gesetze, die sind nicht in Stein gemeißelt. Der Kreidestrich ist keine Wand, und auch gegen die gibt es Mittel.

Eigentlich ist Hacken klassischer experimenteller Wissenschaft sehr ähnlich, nur ohne den verkrusteten Betrieb. Vielleicht fragt ihr euch, warum das Thema sich hier gerade ausbreitet. Nun ja, ich frage mich, ob man die große Maschine auch hacken kann. Dazu später mehr.

 
33

Abb.: Screenshot 32c3-Logo [Der Säzzer sagt, er will das als Tattoo.]

Ich bin traurig, dass ich es dieses Jahr wieder nicht zum C3 geschafft habe, zumal das Thema mir sehr nahe liegt. In der Key Note hat Fatuma Afrah erklärt, wo "Gated Community" anfängt, wie sie funktioniert und dass sie keine physikalischen Gitter braucht. Die Gesellschaften schotten sich selbst ab.

Das Motiv "Gated Community" als logische Konsequenz kapitalistischer Gesellschaften hatten wir hier immer mal wieder, ich zitiere einige Passagen:

Der neoliberale Traum vom Nachtwächterstaat, einer Variante der Gated Community, wurde in Griechenland schon ansatzweise umgesetzt, man kann dort Polizei kaufen.

Schlank, billig, käuflich

"Die einen fahren dann in ihren gepanzerten Wagen zwischen den Gated Communities hin und her, die anderen leben im Dreck und nehmen sich, was im geschäftsmäßigen Bürgerkrieg für sie abfällt. Je mehr Waffen im Land sind, desto fürchterlicher wird das alles. So sieht er aus, der “Nachtwächterstaat”. Er braucht keine Ausgangssperren, weil sich ohnehin niemand auf die Straße wagt."

Denn so geht Klassenkampf: "Die Griechen gegen die Deutschen, die Deutschen gegen die Griechen, die Mittelschicht gegen die Unterschicht, die Lohnarbeiter gegen die Arbeitslosen und die Hellgrünen gegen die Dunkelgrünen. Das ist derzeit die beste Lösung, die nichts Grundlegendes an den bestehenden Verhältnissen ändert. Vorläufig jedenfalls. In der nächsten Stufe werden wir die Ghettoisierung der Reichen erleben, in Gated Communities und anderen postmodernen Trutzburgen. Das alles kennen wir längst aus Afrika und Südamerika, wo die ultimativen Märkte entstehen: Drogenhandel, Entführungen, Piraterie. Solange das Volk eben nicht erkennt, dass es Volk ist und sich in unterschiedlichen Waffenbrüderschaften aufeinander hetzen lässt."

Volk, das sind Menschen, Leute, "the people", die eben, die irgendwo gemeinsam leben. Deren Herkunft ist ebenso irrelevant wie die Haarfarbe oder die Schuhmarke. Was nicht Volk ist, lässt derweil in dessen Namen Recht sprechen und beugen, weltweit und von oben herab.

Knast für alle

In einem Dialog in den Kommentaren haben wir das Prinzip auf den Punkt gebracht:

"Tantalus - Tatsächlich sind gerade die Mächtigen nie frei, sondern immer nur die ranghöchsten und damit bestbewachten Gefangenen der jeweils herrschenden Mythen, die deshalb auch nicht mal etwa 'ihre eigenen' genannt werden dürfen. Das sollte man den denen mal stecken.
-
Sie werden in einem Szenario, das es bereits zu beschauen gibt, hinter Gittern leben, 'Gated Communities', mitsamt ihrer Mittelschichtssklaven, vor denen sie sich als nächstes fürchten dürfen. Ich sage das ohne Triumph. Es ist eine absurde Tragikomödie."

Das Prinzip zieht sich durch alle Ebenen und Systeme der sozialen Wirklichkeit. Klassenschranken in der Bildung, Informationsschranken in der Politik, Corpsgeist bei den Atlantikern, Bomben gegen Afrika, Frontex, Grenzzaun, Naziterror. Diese Prozesse sind zutiefst illegitim und müssen revidiert werden. Daher ist das Thema bei Hackern bestens aufgehoben, die sich nicht von Schranken, Verbotsschildern oder Konventionen limitieren lassen.

 
mf

Terrorisiert unser schönes Land: Balladenrumäne Krauss-Maffey

Igitt, jetzt klettern sie alle aus den Gruben ihrer biederen Ödnis und schleimen sich gegenseitig an. Im Radio sorgen sie wie jedes Jahr mit einem Overkill dreiakkordiger Balladen für ordentliche Suizidraten, und schon heute morgen grinsen dieselben gewienerten Gebisse aus dem krawattierten Hals, die sonst stets gefletscht werden. Was soll das?

Die lieben 'Kollegen' schließen sich dem auf breiter Front an und danken ihren Lesern, damit sie vielleicht doch noch ein bisschen was vom Weihnachtsgeld abstauben. Wie durchsichtig!
Bei mir ist das etwas anderes. Ich habe vor Kurzem kundgetan, dass ich in die anstehende Nur-Selbständigkeit eine Starthilfe gut gebrauchen könnte, und das scheinen da draußen einige zum Anlass zu nehmen, mir ihre Unterstützung zu gewähren.

Thanks a lot

Ich bin ziemlich geflasht über große und kleine Gesten, nicht zuletzt von Menschen, die ich nicht kenne und solchen, die ich kenne. Mancher trägt es mir gar nicht nach, wenn ich mich mit ihm zanke, und das rührt mich tatsächlich. Andere lassen mich anonym wissen, dass ihnen viel an meinem Blog liegt oder zeigen sich schlicht solidarisch. Herzlichen Dank dafür!

Na und weil ich gerade dabei bin und man das von mir am wenigsten erwartet, auch gleich Dank für den ganzen Kommentarfisch, eure Geduld mit dem gnarzigen Säzzer und überhaupt das Durchhaltevermögen, mit dem ihr euer Hirn noch immer zwischen den Ohren tragt. Ich wäre ziemlich arm ohne euch.

Hurra!

And now for something completely different: Wenn ich es irgendwie schaffe, meide ich Reden aus dem Bundesgrüßaugustinum, das zum Jahresende den deutschen Gruß ans Volk gerichtet hat. Beim Überfliegen der Pressestellungen zu Gauck las ich etwas von "Flüchtlingen" und wie großartig die Nation mit denen blabla. Ja, wir können stolz sein, exportieren wir doch Verantwortung® in die ganze Welt. Da freuen wir uns ganz besonders über das Fest der Liebe und des Friedens.

Dieses Jahr kommen die Kinderlein aus der Heimat des Erlösers gleich massenweise zu uns. Etwas Böses muss sie aus ihrer Heimat vertrieben haben. Der Terror! Gleich nach den Feiertagen wollen wir uns daher wieder verantworten und ihn bestrafen, nach allen Regeln deutscher Ingenieurskunst. Denn Verantwortung ist eine Maschine aus Deutschland.

 
wi

Es ist so gut wie Weihnachten. Die Läden werden einige Tage geschlossen sein, obwohl in dieser Zeit so viel konsumiert wird wie sonst im ganzen Monat. Das weiß der Honk und macht sich auf den Weg zum Hamsterkauf. Was er nicht weiß: Er ist nicht der einzige. Wäre er der einzige, würde sein Einkauf auch schon länger dauern, weil er mehr Waren einsammeln, bezahlen und verpacken muss. Er könnte das bereits kennen. Aus dem letzten Jahr oder dem davor, dem davor oder dem davor.

Den Honk aber ficht nicht Erfahrung noch Logik an. Er hat es eilig. Das zeigt er schon auf der Straße. Süßer die Hupen nie klingen. Eigentlich könnte der Honk auf Dauerton stellen. Vielleicht einfach nicht anschnallen, den Warnton mit dem Bassbooster koppeln und das Fenster auf, es sind eh weihnachtliche 17 Grad. Der Cabriohonk ist hier ganz weit vorn. Um seinen Geifer zu illustrieren, stellt der Profihonk die Düsen seiner Scheibenwaschanlage nach oben und rotzt auf alles, was sich bewegt.

Vorwärts immer

Er hat es eilig, was bedeutet, dass das ohnehin seltene Reißverschlussprinzip Sonderurlaub hat. Keiner lässt niemanden rein, worüber sich alle aufregen, um sich bei nächster Gelegenheit zu rächen. Der Honk von nebenan stand eine halbe Stunde in seiner Ausfahrt, bis ihn endlich wer vorließ. Dem rief er dafür dankbar zu: "Das wurde auch Zeit, du blöder Wichser!". Fest der Freude!

Nach der Schlacht um den Parkplatz geht es in den Kampf um den dümmsten Stellplatz für den Einkaufswagen. Es gibt reichlich Engpässe, in die man seine Karre stellen kann. Sind die alle besetzt, nimmt man einfach eine zweite. Es gibt zwei Arten, selbst durch die Schikane zu kommen: rammen oder brüllen. Am besten beides. Das Wort "bitte" setzt man dabei nur ein, um es Zischen zu lassen und den Feind mit Spray einzudecken. Eigentlich zeugt aber auch das schon von Schwäche.

An der Kasse ziehen nach wie vor die Klassiker. Die Ware muss aufs Band, und zwar zügig. Wer wartet, bis der Vordermann alles ausgepackt hat, ist ein Penner, der anderen die Zeit stiehlt. Was kann der Honk dafür, dass der Loser vor ihm so ein Versager im Tetris ist? Darf er endlich bezahlen, ist der einzige Punkt erreicht, an dem gut Ding Weile braucht. Wozu hat man das ganze Kleingeld in der Tasche, wenn das nicht benutzt wird? Kann nicht sein, dass das nicht reicht! Mehrfaches Zählen muss einfach dazu führen, dass es mehr wird. Wenn nicht, wird halt die Zahlungsmethode gewechselt. Wie war noch die Geheimzahl?

Step Aside!

Was den Honk ausmacht, ist seine sportliche Einstellung. Die Grunddisziplinen Hektik, Ignoranz und Tunnelblick wollen ganzjährig trainiert sein, nicht jeder ist ein Naturtalent. Wer sich Einkaufslisten macht, lange Wege meidet oder sein Verhalten den Gegebenheiten anpasst, kann zu Hause bleiben. Ööde! Der Spitzenhonk ist immun gegen jeden Lerneffekt und frei von Behinderungen wie Höflichkeit oder Wahrnehmung. Seine Devise ist "Unterm Strich zähl' ich" und sein Strich hängt verdammt hoch.

Niemals käme ihm in den Sinn, sich Zeit zu nehmen und damit zu rechnen, dass es trotzdem später wird. Wer so etwas tut, isst auch mit Messer und Gabel und bremst vor Kurven. Dafür hat der liebe Gott nicht das Adrenalin erschaffen.

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