Wir haben nichts gegen Arbeitslose, aber wenn sie so faul sind …
Wir haben nichts gegen Ausländer, aber wenn sie unser Geld wollen …
Wir haben nichts gegen Moslems, aber wenn sie uns bedrohen …
Wir haben nichts gegen Schwule, aber wenn sie sich nicht zu Ehe und Familie bekennen …
Wir haben nichts gegen Menschenrechte, aber wenn die anderen sich auch nicht daran halten …

Wir haben nichts gegen Frieden, aber wir müssen uns der Verantwortung stellen …
Wir haben nichts gegen Freiheit, aber wer nicht freiwillig arbeitet …
Wir haben nichts gegen Parlamente, aber wenn die Regierung handlungsfähig sein soll …
Wir haben nichts gegen Demokratie, aber wenn der globale Wettbewerb uns zwingt …
Wir haben nichts gegen die Verfassung, aber besondere Zeiten …

Wir haben nichts gegen andere Ideen, aber wenn sie zu Extremismus führen …
Wir haben nichts gegen Linke, aber es gibt Zeiten, da muss man sich entscheiden …
Wir haben nichts gegen Sozialdemokraten, aber wenn wir sie nicht mehr brauchen …
Wir haben nichts gegen Arbeiter, aber wenn sie sich zusammenrotten …
Wir haben nichts gegen Rechte, aber wenn sie missbraucht werden …

Wir haben etwas für jeden.
Wir haben die Mittel.
Wir haben den Willen.
Wir haben die Gelegenheit.

Was habt ihr?

2014

 
Wenn ein linksliberaler VWLer zur Kritik anhebt, geht es gemütlich zu: Man weiß schon vorher, was kommt. Am liebsten ist es einigen ohne Widerspruch, weshalb es klug erscheint, einem Toten nachzurufen, was der so alles falsch gedacht habe. So überspringt Jens Berger gleich ein Referat von Götz Eisenberg und erklärt uns die Welt, die sich auftut, “wenn man Robert Kurz liest“. Aus der Reihe ‘Si tacuisses oder: Wenn man keine Ahnung hat …’.

Wenn ich Robert Kurz lese, kommt etwas ganz anderes dabei herum. Ich stelle fest, dass Berger die Betrachtung der vorkapitalistischen Phase durch Robert Kurz nicht versteht. Dass diese überhaupt ausgiebig zur Sprache kommt, liegt daran, dass der Historiker halt ein ‘Außerhalb’ braucht und daher in die Vergangenheit zurück geht, vor allem, wenn es kein ‘Danach’ gibt. Es geht nicht darum. etwas zu romantisieren, sondern einen Kontrast zu setzen, zu zeigen, was anders ist, jenseits bestimmter sozialer und ökonomischer Beziehungen.

Vor allem aber stünde es dem Kritiker an zu belegen, dass er wenigstens irgendetwas verstanden hat, wenigstens den Kern der Sache, das, was er nicht denken mag. Ich möchte wissen, warum er es nicht mag, sonst komme ich zu dem Schluss, dass er es nicht kann. Es geht um den Begriff “Kapital” und das, was dahinter steht, ein Komplex, zu dem ich von Jens Berger noch exakt nichts gehört habe außer kruden Übersetzungen und windschiefen Transformationen in so etwas wie “Vermögen”, “Gewinn” oder ähnliches, das eben in die Glaubensrichtung ‘Marktwirtschaft” passt.

Eine wunderbare Gelegenheit, nicht etwas zu ‘kritisieren’, was keiner sagte oder dachte, wäre eine Antwort auf den Text des Lebenden gewesen, eine Stellungnahme zum dann lieber wieder ignorierten Grundproblem, das prägnant formuliert wird:

Die Ware steht in der Mitte zwischen zwei Erscheinungsformen der gleichen abstrakten Form ‘Geld’.

Ist das wirklich kein Problem, über das Ökonomen sich Gedanken machen, zumal wenn sie mit dem Impetus überlegenen Wissens zu Werke gehen?

Stattdessen eine Unterbietung noch des fehlverstandenen Komplexes der vorkapitalistischen Gesellschaftsformen, die ernsthaft in die Klippschulkategorie “Nachfrage (vs. Angebot)“ gepresst wird. Selbstverständlich auch hier wieder kein Blick auf die veränderten Möglichkeiten und Notwendigkeiten in einer Zeit, da die technische Produktivität die Welt unumkehrbar verändert hat. Wer will da zurück zu irgend etwas? Marxisten? Sagen ausgerechnet die Fachexperten für angeleinte Marktwirtschaft, die uns die 1970er Jahre einfrieren wollen?

Zwei Zitate zum Schluss:

Die meisten seiner Kritikpunkte haben erstaunlicherweise gar nichts mit dem Kapitalismus als solchem, sondern mit den Auswüchsen des Kapitalismus zu tun.” – sagt einer, der Kapital versteht als den “Wunsch []… über Investitionen Rendite zu erzielen“. Ein Wunsch! Na klar, wir leben mitten im Wünschdirwas. Man vergleiche diesen Stuss mit dem zitierten Satz von Eisenberg.

Folgerichtig lebt er den zur Ökonomie verwursteten Fetischismus aus:
Erst durch die ökonomische Logik – wie Kurz es pejorativ formuliert – konnte eine derart hoch arbeitsteilige Warenwirtschaft entstehen, in der auch Güter wie Breitbandantibiotika, Personal Computer und Mikrowellenherde entwickelt und – zumindest in den Industriestaaten – auch von breiten Massen genutzt werden können. Dies ist freilich nur durch eine dauerhaft hohe Massenkaufkraft möglich. “.

Die Produktion folgt der Kaufkraft, das ist für Herrn Berger ein Naturgesetz, alles andere sind nur “Visionen”.

 
Wir alle haben Verantwortung auf dem Platz übernommen. Deutschland muss mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Das Wichtigste ist der Zusammenhalt. Wir wollen Deutschland stärken und dabei den Zusammenhalt unseres Landes festigen. Deutschland muss dominieren. Wir haben den Anspruch, dies für Freiheit in Verantwortung zu tun. Zeige der ganzen Welt, dass du besser bist! Wir müssen das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit weiter festigen. Ich will, dass wir Deutschland zu neuer Stärke führen. Du bist Deutschland.

Glück: Bundestrainer, Bundespräsident und Bundeskanzlerin

Freiheit heißt Verantwortung. Mit Schmerzen, Mühe und Glück. Aus dem Glück der Befreiung muss die Pflicht, aber auch das Glück der Verantwortung erwachsen. Ein tiefes Glücksgefühl für alle Ewigkeit. Wir haben wirklich hart dafür gearbeitet. Deutschland lag am Boden, da haben wir gesagt: Wir müssen investieren. Die neue Generation: Der Retter. Der Erlöser. Der Dominator. Der Stratege. Der Willensstarke. Die Mannschaft schlechthin.

Wo warst du, als wir gewonnen haben? Mythische Kraft, die alle üblichen Erklärungsmuster außer Kraft setzt. Die Schmerzen der Vergangenheit sind nach diesem Triumph der beste Ratgeber. Deutschland wird bei einer Gefahr für den Euro Verantwortung übernehmen. Die “kollektive Stärke” triumphiert über die Künste eines einzelnen Mannes. Die Magie entscheidet.

Was Deutschland ausgezeichnet hat: Kampf und Können

Alle Weltklasse, ja klar. Aber der wahre Vater des deutschen Triumphs ist die unangefochtene Führungsperson. Erfolg verändert das Gesicht und das Ansehen eines Menschen. Selten wurde ein Weg mit einer solchen Konsequenz beschritten wie der perfekte Mix aus Hurra und Hauruck. Roh, wild, ungeschliffen, fehlten die Erfahrung und der Glaube gegen übermächtige Gegner. Doch dominant, kraftvoll, direkt, und wenn es sein muss auch geduldig, bis aufs Blut, wurde dieser Sieg erkämpft.

Der Sport wurde politisch instrumentalisiert und entwickelte sich zum am stärksten ausgeprägten Subsystem der DDR. Er wurde als Identitätsträger des Staates, ja sogar des gesamten politischen Systems genutzt.

p.s.: Ich bin stolz und dankbar einer Nation angehören zu dürfen, die einen so glorreichen, in aller Welt Neid und Bewunderung erzwingenden Journalismus hervorgebracht hat.

 
dollar

Kenner und Verschwörungstheoretiker® wissen es schon lange: Es gibt eine Instanz der größten Supermacht, die alles beobachtet, alles über uns weiß, die Guten belohnt, die Bösen bestraft, als Herr über Leben und Tod auftritt, grausam und brutal, wenn es sein muss, aber eben auch gütig, denn sie ist ja Zentrum und Leitstelle der Guten: Jene Governmental Organisation of Defense, kurz GOD.

Christizisten wie die der CDU, der Evangelikalen und sonstiger Vorbeter zwischen Fanatismus und Heuchelei, wie sie in den USA aus allen Kanälen triefen, haben vermutlich genau deshalb kein Problem mit der Überwachung durch hunderte Dienste der nordatlantischen Geheimpolizei, weil sie eben schon immer an die höhere Macht glauben, der alles erlaubt ist, die ihre Psychen durchdringt mit Gewissensterror, Inquisition und Mord. Das ist ihre Lebensaufgabe, jene Bewältigung der Theodizee, das alles für gut und richtig zu halten, die brutalste Grausamkeit noch. Folter ist Menschenrecht und Krieg ist Frieden. Wen interessieren da NSA, CIA, GCHQ, BND und andere Unterinstanzen?

“In God We Trust” steht folgerichtig, damit wir auch nicht vergessen, welche Macht am dicken Ende dahinter steht, auf dem Fetisch der Weltleitwährung. Wir vertrauen dem Dollar und seinen wehrhaften Stellvertretern überall auf Erden. Allerdings gibt es da die eine oder andere Einschränkung. Zum Beispiel ins Taufbecken pissen, am Altar den Teufel preisen oder einen auf die Kanzel stellen, von dem jeder weiß, dass der gar nicht predigen darf. Es geht ja fast alles, aber manches geht eben gar nicht.

Die Regeln einhalten!

Daher ist es kein Wunder, dass Wolfgang Schäuble sich über “drittklassige” Spione ereifert, die von den Amis angeworben würden. Wozu haben wir einen ganzen Puff voller erstklassiger Huren, die wir bereitwillig von Steuergeldern bezahlen? Wozu leisten wir uns erstklassige blutrünstige Nazis, die wir auf Pfiff loslassen? Warum wohl kriechen unsere höchstbezahlten Staatsbeamten wie die Würmer im Staub, um sich anzudienen, um alles, aber auch alles mitzumachen und zu rechtfertigen, was der Große Bruder ihnen vorsetzt?

Das haben wir uns anders vorgestellt: Natürlich muss es Haufen gedungener Erpresser geben, die dafür sorgen, dass jeder politische ‘Entscheidungsträger’ weiß, was ihm blüht, wenn er die Loipe verlässt. Selbstverständlich müssen die Guten die Kontrolle behalten. Logisch ist damit verbunden, dass alle, die zu den Bösen gehören könnten, engmaschig überwacht werden. Also eigentlich alle. Jetzt aber stellt sich heraus, dass selbst die Guten bespitzelt werden, und zwar nicht nur von den bekannten Guten, sondern von jedem dahergelaufenen korrupten Dödel?

Es muss also jeder jederzeit damit rechnen, von jedem bespitzelt zu werden. Das ist ja wie bei der Stasi! Wer hätte denn damit rechnen können? Das muss natürlich sofort korrigiert werden. Das darf nicht mehr vorkommen. Die höchsten Würdenträger müssen sich zum Konklave treffen. Es geht um unser aller Vertrauen!

 
rumms

Vorab, lieber Kollege: Ich setze mich unter gar keinen Druck. Schon gar nicht, wenn ich Briefe beantworte, die mir ja so viel Futter liefern, dass ich weder recherchieren muss noch dem Versuch erliege, witzig sein zu wollen. Ich bin einfach ein bisschen schneller, das ist ja auch kein Problem, aus meiner Sicht.

Ein wenig enttäuscht bin ich, dass du eher so gar nicht auf meine Kernargumente eingehst, was mich aber auch nicht wundert. Als ich schrub: “Widerlegt mir wenigstens den Bontrup”, war das doch ein faires Angebot, finde ich. Bei dem kann man mal ein Stündchen reinhören, und es können diverse Lämpchen zu leuchten beginnen, die bei vielen Linken gern eher dunkel bleiben. Wenn er zum Beispiel deutlich macht, dass Kapital, welches im Verhältnis von ca. 3:1 das Weltsozialprodukt überwiegt, nach Rendite strebt, ist es doch an euch zu erklären, wie das noch gehen soll. Als ich von “Marx” sprach und im Rahmen dessen, was ich “Analyse” nannte, wollte ich nicht über die Person sprechen, sondern über “Das Kapital”.

Der Mann ist wie die Bibel.” ist daher auch ein Satz, den ich vermutlich nur wiederholen muss, um dir Schmerzen zu bereiten. Ist “Das Kapital” demnach wie die Evangelisten? Wo genau finde ich in der Bibel dann die Analyse des Teufelswerks? Schwamm drüber. Was ich oben ansprach, findest du bei Marx und in der Sekundärliteratur als das Problem des tendenziellen Falls der Profitrate. Diese These wurde kritisiert, was wiederum dazu führt, dass Leseschwache sie für widerlegt halten. Ein Blick in die Geschichte belehrt uns eines Besseren; Bontrup stößt uns mit dem Kopf mitten hinein. Die konkrete Ausformulierung (im “Kapital”) halte ich übrigens auch für optimierbar, das ändert aber absolut nichts daran, dass jedes kapitalistische System, in dem aus Geld mehr Geld werden muss, an die Grenze stößt, wo die Profitraten systemgefährdend schrumpfen.

Die nächste Runde

An dieser Grenze hört dann der ganze Spaß auf: Sozialleistungen, die Rechte der ‘Arbeitnehmer’, Löhne, von denen man leben kann, Gemeineigentum – kurzum: alles, was folgerichtig vom Neoliberalismus kassiert wurde. Die Alternative ist der Kollaps dieses Systems (oder theoretisch die entschiedene Abschaffung, was vermutlich auf dasselbe hinausläuft). Stellt euch endlich diesem Problem: Es gibt keinen Kapitalismus, keine “Marktwirtschaft”, die nicht an diese Grenze stößt. Es ist immer wieder in furchtbares Elend gemündet. Die technische Produktivität führt obendrein dazu, dass dieser Punkt selbst nach einem Reset immer schneller erreicht würde. Das ist übrigens schon lange der Stand der hiesigen Diskussion. Hier plant keiner eine Revolution, wir versuchen zu verstehen und Alternativen zu erörtern.

Womit dein Revolutionsproblem übrigens auch gelöst ist: Revolution interessiert mich nicht. ‘Reformen’ sind Hirngespinste. Daraus resultiert, dass das System eben kollabiert, weil es nur einen Weg kennt: vorwärts. Und ja, es kollabiert, wie schon so oft. Der Dritte Weltkrieg ist längst im Gange, siehe dazu auch meinen letzten Artikel. Das reiche Europa verelendet. Das Finanzsystem hetzt von einer Blase in die nächste, siehe dazu den kürzeren Vortrag von Bontrup. Ich kann nicht mehr so denken wie die ‘Reformer’, weil ich ein totes Pferd nicht reite. Sollte es eine Zeit nach diesem Irrsinn geben, verschwende ich keine Sekunde darauf, denselben Schwachsinn noch einmal zu probieren, nur diesmal gerecht, eine wirklich wahre soziale Marktwirtschaft® mit fairen Löhnen® und so. Ich kenne zwar nicht den Anfang der nächsten Folge aus dieser Serie, aber ich kenne ihr Ende.

 
Wer versucht eigentlich, den sogenannten “Islamismus”, insbesondere die Kämpfe im Nahen und Mittleren Osten, zu verstehen? Die einen nennen ihn “Terror” und nehmen ihn zum Anlass, Bürgerrechte zu vernichten und Menschen zu töten. Sie haben eine alliierte Medienlandschaft auf ihrer Seite, welche die Massen mit passender Propaganda zur Übernahme der Stereotypen bewegen. Für die so ‘Informierten’ sind Islamisten Feinde, denen man außer Fanatismus keine weitere Eigenschaft zuordnen kann. Auch kein anderes Motiv als eben ‘religiösen Fanatismus’.

Für die anderen sind sie Glaubensbrüder oder konfessionelle Gegner, sofern sie – Muslime – den gebührenden Abstand zu dem Geschehen halten können. An den Orten des Geschehens verdichten sich diese Alternativen zu Kampfgenossen bzw. Feinden. Was sich in den vor allem durch den Einfluss der NATO und Israels destabilisierten Regionen von Nordwestafrika bis zum Kaukasus abspielt, in Syrien, Libyen, Irak, Iran, Afghanistan, Palästina und anderen Ländern, will der sich zivilisiert-überlegen wähnende Fernsehzuschauer gar nicht wissen. Der Tod ist allgegenwärtig, Kämpfe, Kriege, Drohnenmord und Totschlag sind ein Alltag wie potenzierter Terror. Wenn und wo also “Terroranschläge” verübt werden, tragen die Täter aus dem Kreis der Opfer von Weltpolitik ihren Alltag in die Metropolen der Verursacher solcher Politik.

Teufelskreis des Todes

Sie bleiben Täter, ihre Opfer sind Opfer, aber sie verüben nicht mehr Terror als diejenigen, deren Peripherie sie angreifen. Sie sind Gegen-Täter, und ausgerechnet von ihnen zu erwarten, deren Völker tausendfach das Leid erleben, vor dem wir gerade einmal Angst haben dürfen, dass sie den Teufelskreis durchbrechen, ist absurd. Dabei sind sie nicht bloß Opfer der Gewalt einer losgelassenen Militärmacht, sondern ebenso eines Weltkapitalismus, der ihnen die Verliererrolle zugedenkt, mit allen Konsequenzen. Selbst wo der “Antiterrorkampf” ernst gemeint ist oder wäre, sorgt er noch dafür, dass die militärische Knute gleichzeitig eine ökonomische ist. Höchstens als Arbeitssklaven dürft ihr mitmachen; ja und natürlich auch bei euch eine schmale Elite, ohne deren Mittun die Unterdrückung nirgends in der Welt Erfolg hätte.

Gegen all dies richten sich auch Isis, al Qaeda oder wie auch immer Spuk und Terrorhorden genannt werden. Ein selbsternannter “Kalif” sammelt derzeit alles hinter sich, was sich aus den oben genannten Gründen gedemütigt fühlt. Sie richten sich gegen die Kollaborateure der NATO und diese selbst, gegen Glaubensbrüder der falschen Konfession, gegen alles, was ihnen im Weg steht, für Macht, Einfluss, Rache und selbstverständlich auch für Geld und Rohstoffe. Die Koalition alter Dschihadisten, diverser Warlords, Saddams alter Armee, versprengter Syrer, Libyer und sonstiger Interessenten, deren Einfluss durch das Chaos verschwunden ist, im Bunde mit Kämpfern, die nichts mehr zu verlieren haben. So sieht sie aus, die aktive Sicherung unserer Handelswege.

Brandstifter

Die von Todenhöfer verbreitete Karikatur des Bundespräsidenten mit Turban und Kalaschnikow ist daher nur zu passend, die von dem und anderen Kriegshetzern verbreitete Mär von der “Verantwortung” durch Angriffskriege ist unmittelbar die Förderung von Islamismus und dem, was dann als “Terror” bezeichnet wird. Terror, der wiederum sehr willkommen ist, um im freien Westen® eine supranationale Diktatur zu errichten, wo die Flagge der NATO weht und die Interessen westlichen Kapitals militärisch durchgesetzt werden.

Das sind dann die Alternativen, und wir erleben Anschauungsansicht in drei Entwicklungsstufen: Hier die noch stabilen Staaten des Westens, die sich durch diktatorische Mittel einigeln, in Südeuropa Verelendung, die noch kürzlich blühende Staaten zerreißt zwischen NATO-Gefolgschaft und ersten Unruhen, am unteren Ende riesige Regionen ohne zivile Ordnung, in denen jener Terror des chaotischen Krieges floriert. Während die Betroffenen außen den Tod als Alltagserscheinung erleben, in jeder brutalen Variante, und ihn selbst zelebrieren, feiern wir unsere Unsterblichkeit und erklären die Resultate unserer eigenen unfassbaren Dummheit zum teuflischen Plan einiger Fanatiker.

Das Einzige, was dagegen einmal hätte helfen können, wäre ein Durchmarsch der Vernunft gewesen. Hätte die westliche Zivilisation je wirklich verteidigt, was sie sich stolz auf die Fahnen schrieb – Rechtsstaat, Demokratie, Vernunft, Freiheit, Gleichheit aller Bürger und die Kontrolle der Macht – sie wäre nie so heruntergekommen. Stattdessen entschied sich der Westen immer wieder für das Kapital und opferte seine Zivilisation, ehe je ein Terrorist ihr nahe gekommen wäre. Der Terror, den sie selbst säen, wird freilich eine reiche Ernte liefern.

 
Auch wenn ich weiß, was einige dazu denken und vermutlich sagen werden, obwohl wir die Diskussion schon häufig geführt haben und vielleicht auch gerade deshalb möchte ich sie noch einmal in konzentrierter Form anbieten: Wie sieht eine mögliche und angemessene politische Vertretung aus, nachdem die ‘Parlamentarische Demokratie’ als solche grandios gescheitert ist? Ich weiß, dass sich manche(r) hier fragt, wieso zur Hölle sich überhaupt wer von wem vertreten lassen soll, aber ich bin davon überzeugt, dass es ohne Stellvertretung nicht geht. Das bringt schon eine Arbeitsteilung mit sich, ohne die eine funktionierende Produktion nicht auskommt.

Kurz zur parlamentarischen Vertretung: In der Organisationsform, die sich durchgesetzt hat, ist sie maximal undemokratisch, denn es wird hierarchisch von oben nach unten regiert, zuerst supranational (und meist durch nichts legitimiert), dann national, ganz am Schluss erst regional. Hier bin ich entschieden – langsam lesen! – Kommunist, denn die Entscheidungsgewalt gehört in die Hand derjenigen, die damit leben müssen, in der Kommune. Ein Prinzip, das der ‘Real Existierende’ übrigens mit Füßen getreten hat. Die ‘Parlamentarische Demokratie’ ihrerseits bündelt ihre Restmacht in den vom Kapital und seinen Lobbyisten korrumpierten Zentren.

Jemand muss es machen

Schon an dieser Stelle wird deutlich, warum ich Vertretung für notwendig halte. Die Priorität der Kommunen, wo sich jede(r) teils selbst vertreten kann und ansonsten jene kennt, die ihn vertreten (und vor allem umgekehrt), löst ja nicht die Notwendigkeit einer überregionalen Zusammenarbeit auf. Vor allem wenn man eben nicht die sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen wieder zu einem kapitalistischen System machen will, in dem Leistung gegen Cash getauscht wird, müssen sich Vertreter der unterschiedlichen Kommunen einfinden. Diese Vertretung muss bestimmt werden.

Nicht anders ist es in jedem Betrieb, an jeder Stelle, wo Infrastruktur besorgt wird. Projekte müssen entschieden, geplant und durchgeführt werden. Diese Prozesse entziehen sich irgendwann dem Zugriff der Allgemeinheit, weil man Straßenbau und Kraftwerksbetrieb nicht mit der versammelten Einwohnerschaft betreiben kann. Hier muss es Verantwortlichkeiten geben.

Worauf ich hinauswill, ist folgendes: Wir leben in einem System, in dem alles delegiert wird, in dem sich die Massen von Eliten führen lassen, ihren ‘Arbeitgeber’ tatsächlich für den Urheber der Arbeit halten und sich irgendwann noch die Entscheidung abnehmen lassen, wie sie ihr Klopapier anwenden sollen. Was als Stellvertretung begann, ist längst eine Machtübernahme. Die ‘Elite’ ist der Club der Ermächtigten

Arbeitgeber, Bundeskanzler, Gott

Die Menschen sind wie programmiert, die Macht über sich selbst bereitwillig zu verschenken. Die Vorgänge der Selbstentmachtung werden dabei von naiven Vorstellungen aus einer Ebene persönlicher Beziehungen begleitet. Man bildet sich ein, man würde von Personen vertreten und macht sich vor, es gäbe darunter besonders geeignete, denen man vertrauen könne. Ich muss das gar nicht kommentieren; wenn ich das lese, muss ich mir schon an den Kopf fassen.

Eine entscheidende Frage in bezug auf die Möglichkeiten alternativer Gesellschaftsentwürfe ist nun die, wie also Stellvertretung zu organisieren wäre. Dabei insbesondere die Frage, ob die ‘persönliche’ Vertretung per se ein Trugbild ist, vor dem nur warnen kann oder man tatsächlich Formen einer solchen Vertretung etablieren und gegen Korruption absichern kann. Anders gesagt: Scheitert eine komplex organisierte demokratische Gesellschaft schon an der Unmöglichkeit einer kontrollierbaren Stellvertretung?

 
daisy

Das Internet ist ein Tummelplatz für Losgelassene. Es gibt in wohl in jedem Viertel, in jeder besser besuchten Kneipe mindestens einen, der Tag für Tag Leuten auf den Keks geht und durch die ungeheure Energie zu beeindrucken weiß, mit der er sich immer wieder zum Horst macht. Tatsächlich erfordert das Mut, was gut ist, denn derart bleibt die Zahl der Probanden begrenzt. Nicht so im Netz. Hier verdichtet sich die Häufigkeit des Auftretens jenes Phänomens zu einem Horstschwarm, der mit dem krudesten Stuss durch die Foren mäandert. Außer regelmäßigem lautem Seufzen und gelegentlichen Ausfällen ordnungsliebender Sadomasochisten, die solche Leute gern gevierteilt sähen, nimmt man das aber inzwischen seit Jahrzehnten schulterzuckend hin.

Ich erwähne dieses Phänomen, weil es deutlich macht, wie die Entwicklung der schieren Meinungsmasse im Netz die Wirkung einzelner Strömungen und Argumentationen neutralisiert. Man kann schlicht alles sagen, man wird Gleichgesinnte finden und damit nichts erreichen. Für die Chemtrail- und Aluhut-Fraktion ist das vielleicht tröstlich, schützt es doch vor der gesteigerten Gefahr einer Zwangseinlieferung. Für Nazis ist das einfach nur geil, weil die zweihundert Breimurmeln mit ihren fünf Sprüchen für jede Lebenslage das Gefühl genießen dürfen, sie seien überall, und zwar in der Mehrheit. Für Linke hingegen sieht das alles ein bisschen anders aus.

In einer See von Lügen

Natürlich gibt es auch hier die Fehleinschätzung der eigenen Relevanz, weil ein paar Blogs und Foren eine gewisse Reichweite haben. Natürlich gibt es auch hier Trolle, die mit immer demselben Sermon aufschlagen. Wo aber linke Ideen und Diskussionen entwickelt werden, fühlt man sich meist schlecht repräsentiert. Wem daran gelegen ist, die Herrschaft von Menschen über Menschen zu kritisieren und zu beenden, wer darum (oder auch aus anderen Gründen) die fatale Entwicklung des Kapitalismus erkennt, wer sieht, wie tief die Korruption bereits sitzt im bestehenden System (aktuelles Beispiel hier), fragt sich zwangsläufig, warum man mit solchen Gedanken einer Randgruppe anzugehören scheint.

Das Establishment ist korrupt und verlogen, noch ein aktuelles Beispiel: Die Totalüberwachung der elektronischen Kommunikation erfolgt unter Mithilfe der Dienste aller verbündeten Staaten, deren Repräsentanten die Stirn haben, das noch “Demokratie” zu nennen. Seit durch Snowden bekannt wurde, dass wir alle überwacht werden, dementieren und leugnen die politischen Funktionäre und das Gros der Medien jedes Detail der Wirklichkeit, bis es durch Snowden und seine Mitstreiter doch bekannt wird. Dann macht halt irgend ein Verlag damit Kasse und die anderen sitzen es aus.

Klares Feindbild

Unter solchen Bedingungen kann man als Linker mit relevanten linken Ideen nicht vorankommen, weil solche Ideen an die Realität anknüpfen. Kommuniziert wird aber keine Realität, sondern die Wahnvorstellungen von einer Welt, wie sie von Geheimdiensten, Eliten und ihren publizistischen Adabeis gepflegt werden. Daher werden andererseits ganz folgerichtig schon alle diejenigen als linksextrem eingestuft [Klickbefehl!], die sich gegen Korruption und idiotische Projekte engagieren. Jetzt muss ernsthaft eine “wissenschaftliche Studie” her, um zu erklären, was diese Linksextremen so furchtbar linksextrem macht.

Das Leben ohne Großhirnrinde kann anstrengend sein, zumindest wenn man Zusammenhänge erklären soll. Dabei reicht ein Blick nach Südeuropa, wo diejenigen, die sich gegen Korruption und Verarmung auf die Straße wagen, einfach zusammengeknüppelt werden. Das hat in Stuttgart doch auch geklappt ohne dass jemand erklären musste, warum die auf der anderen Seite “linksextrem” seien. Bei uns waren das bislang solche und vor allem solche, die gegen Nazis sind. Damit haben die Dienste schön ihre Datenbanken gefüllt und wissen somit, wo sie ihre Feinde finden. Muss das jetzt wirklich von ‘Wissenschaftlern’ kaputtgemacht werden, um am Ende festzustellen, dass der Linksextreme an sich nur unter mangelndem Realitätsverlust leidet?

 
Der Pazifismus der Nazis hat uns doch erst die Niederlage eingebrockt. Hätten die Nationalsozialisten auf ihren Patriotismus gesetzt statt sie zu verbieten, wäre die SPD ein regierungsfähiger Partner gewesen. Das muss man doch einmal sagen dürfen.

Zwangsarbeiterpartei

Der Präsident ist der Richtige, denn wir müssen endlich diese Kommunisten besiegen, die zum Beispiel für Zwangsarbeit in Gefängnissen verantwortlich sind. Zwangsarbeit in Gefängnissen! Für Ikea!! Oh, ich höre gerade, das ist in der BRD seit deren Gründung auch üblich. Böses Foul. Links geht einer steil und skandiert “Abu Ghraib, Guantanamo und Fuhlsbüttel ebenso!“, au weh. Oppermann, übernehmen Sie!

Mascolo und das nächste Dementi

Geheimdienst-Mascolo weiß wieder was. Das nämlich keiner was gewusst hat. Dass der BND hierzulande die Totalüberwachung für den großen Bruder besorgt hat. Ganz neu weiß Geheimdienst-Mascolo jetzt, dass niemand weiß, dass “seit 2007″ fröhlich weiter abgeschnorchelt wird. Das glaubt er nämlich, der Mascolo, dass die Affäre da beendet war. Wir glauben das jetzt auch alle, ja sicher!

Da kann ja jeder kommen

A propos Unsicherheit: Deutsche durchrassen Wien und zwingen Östärraich zu weiteren orrdnungssichernden Maßnahmen. Die Hautfarbe des deutschen Staatsbürgers soll dabei keine Rolle spielen. Der Junge gilt aber als besonders gefährlich, weil man ihn nicht als Piefke erkennt. Daher wurde das “Staatsangehörigkeitsfeststellungsverfahren” eingeleitet, ein Bürokratismus von Weltformat.

Wir schützen dich, du Opfer!

Für eine gewisse Klientel, die das Internet mit ihrem desolaten kognitiven Gesamtpaket verseucht, hätte ich nach deren religiöser Kommunikationsweise eben wohl “Triggerwarnung, Triggerwarnung!” rufen müssen, um die bösen Geister der Unmoral zu vertreiben. Meine ungewaschene Fresse, was hat sich da eine Rotte von Vollidioten zusammengetan; die Ableger intellektuell ruinierter Postchristizisten werden immer bizarrer. Ein „Trigger“, ihr Schwachmaten, ist kein Wort aus einer Liste böser Schimpfe, die man verbieten muss. Ein Trigger kann alles sein: Ein Geruch, eine Geste, eine Verhaltensweise, ein Stein, ein Geräusch, ein harmloses Wort. Wer wirklich Probleme hat mit Trauma und Angst, den könnt ihr nicht schützen, das will auch gar niemand, hört ihr? Kein. Mensch. Braucht. Euch! Was zum Beispiel kein Trigger ist, ihr Semantiknazis: “Woman Is the Nigger of the World.” Traumatisch hingegen der Gesang der Dame. Jetzt bloß nicht drüber nachdenken, Kopfschmerzwarnung!

 
dildusa

Eine wunderbar konzentrierte Geschichte haben wir da über das Erpressungspotential der Dienste und ihrer Totalüberwachung, die Essenz quasi dessen, was geschieht, wenn der Mob die Politik kontrolliert, der sich von Gesetzen unabhängig wähnt und sich als Schutz der Staaten aufspielt, die er unterwandert. Der Mob, der eigentlich genau umgekehrt der Politik, den Parlamenten und letztlich den Bürgern Rechteschaft ablegen müsste.

Wenn nun ein Minister abgehört wird, dann ist er selbst dann zu schützen, wenn er sich einer Gesetzesverletzung schuldig gemacht hat. Das gilt in einem Rechtsstaat überhaupt für jeden Bürger, so lange nicht offizielle Untersuchungen damit verbunden sind und selbst dann nur in Ausnahmen (über die man auch noch diskutieren kann). Aber nein: Eine willfährige Presse – wir hatten das bereits im Zusammenhang mit Edathy und anderem – zieht Gewinn aus der Veröffentlichung, und anstatt diesen Sumpf einer Kampagne zu verurteilen, gibt es Rücktrittsforderungen.

Fuck you, fuck you and fuck you!

Die Spitzel sind nicht identifiziert, es ist auch egal, wer die Gespräche von Radolsaw Sikorski mitgeschnitten hat. Auch ein Minister darf und muss private Ansichten äußern. Gerade der Tonfall, in dem er es tut, ist seine Privatangelegenheit. Inhaltlich muss ich im konkreten Fall obendrein feststellen, dass da endlich mal einer merkt, was läuft. Behandeln die USA ihre Partner wie Schlampen, die sie für ein paar Dollar ficken und dann wegwerfen? Ich kann dem im Kern nicht widersprechen.

So kommen wir also zu den Konsequenzen des Abhör-Pingpongs, das im Sinne der Spitzel immer wieder in Erpressungs-Squash mündet. Man kann sich dem nicht entziehen. Die technischen Voraussetzungen machen es zu leicht, und die Staaten, die vor der widerwärtigen Praxis schützen sollten, fördern sie stattdessen, vermutlich, weil ihre Repräsentanten längst deren Opfer sind. Sie versuchen sich offenbar unter der Gefahr zu ducken und die blütenweiße Unschuld zu mimen. Wer weiß, was da alles getan wird, um nicht selbst ins Rampenlicht zu geraten.

Das ist keine Lösung. Geheimhaltung ist auf jeder politischen Ebene fatal, und wenn es den politischen Entscheidern nicht mehr möglich ist, sich vor Überwachung und Erpressung zu schützen, gibt es nur die Flucht nach vorn. Wir brauchen mehr Leute, die sich nicht mehr ficken lassen und erkennen, dass es sich nicht lohnt, jedem einen zu blasen, dessen Einfluss man sonst fürchten müsste. Was habt ihr denn zu befürchten? Eine Titelstory? Wir werden uns dran gewöhnen und Skandälchen wie diese noch mit einem wohlwohlenen Nicken quittieren. Wohlan denn: Fickt die Spitzel, aber ordentlich, das ist nämlich ganz nebenbei euer verdammter Job.

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